Hessische Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Nummer 131.
Donnerstag, 8. Juni 1922
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Am die Herabsetzung der Schuldsumme.
Die presse in Genua.
Eine Abrechnung.
Nachdem die internationale Wirischaftskonse- renz in Genna zu Ende war, äußerten sich einige Pressevertreter, die in Ausübung ihres Berufes in jenen bedeutsamen Wochen am Konferenzort Weilten, in deutschen Zeitungen über ihre Tätigkeit. Jetzt hat sich das Organ des Reichsver- oandes der deutschen Presse, die in Berlin erscheinende Zeitschrift »Deutsche Presse", von einigen dieser Pressevertreter, die zu den führenden Persönlichkeiten gehören, ihre Ansichten schreiben lassen. Es kommt darin neben allgemeiner Anerkennung auch sehr scharfe Kritik zum Ausdruck. Anerkennung wird vor allem dem internationalen Zusammentreffen der Journalisten aus aller Welt und deni sich daraus ergebenden Verkehr gezollt. Namentlich Chefredakteur Georg Bernhard, der zugleich Delegierter der deutschen Wirtschaftskommission war, spricht sich lobend über den entgegenkommenden Ton unter den Pressevertretern aus. Es herrschte zwischen den Journalisten der verschiedenen Nationen ein Verkehrston, der auf dem tiefen Gefühl der Achtung vor der Anschauung des Andern ausgebaut war. „Besonders angenehm siel auf," schreibt er, „daß Mit den Nachrichten keinerlei Geheimniskrämerei getrieben wurde. Es war selbstverständlich, daß jeder Journalist zunächst einmal versuchte, sein eigenes Geschäft zu erledigen, und das, was er wußte, so schnell wie möglich seinen eigenen Redaktionen mitzuteilen. Aber im allgemeinen herrschte doch der Wille vor, sich geaenseitig zu unterstützen." An anderer Stelle berichtet er darüber, wie die Journalisten den Reden der Staatsmänner erst bett Resonanzboden gaben. So waren zum Beispiel bei der Eröffnung der Konferenz im Palazzo St. Giorgio die Reden ruhig und gelassen angehört worden. Aber alo nachher die Reden besonders für die Journalisten im Casa della Stampa verlesen wurden, da entstand eine lebhafte Bewegung, da standen die Gemüter der verschiedenen Nationen gegen» einmibCT auf. Zwischenrufe, Kommentare, Ein- zeld'.skussionen belebten das Bild, und mit einem Schlage übersah man, wie tot Geiste der verschiedenen Rationen sich die Worte der Redner widerspiegelten, welche Aufnahme in den verschiedenartigsten Teilen der Welt die Presse und damit das Publikum diesen Reden bereiten wurde.
Man hat dabei wieder gesehen, daß der Jcur- nausmus den Dingen jene interessante Zuspitzung und jenes lebendige Gepräge gibt, durch das so vieles, was in der Welt getan und gesprochen wird, überhaupt erst die Menschen in- tere,siert. Das Zusammenarbeiten der Journalisten hebt mich Gustav Kauder lobend hervor. Die solidarische Einheit der Presse bewirtte, daß es auf diesem Gebiete keine „Sieger und Besiegte" gab, die Journalisten aller Sprachen und Länder wurden im internationalen Verkehr wirklich auf ganz gleichem Fuße behandelt. Zwischen ihnen gab es in Genua nur gute Kameradschaft. Ohne diese Kameradschaft hatten die Nerven die Arbeit, die zeitlich ganz unbegrenzt und unregelmäßig war nicht bewältigen können. Nebenbei bemertt Kauder, dak über die Zahl der Pressevertreter vielfach saliche Angaben in die Oeffentlichkeit gelangt find. Allerdings waren eine Menge „Manövergaste" dabei, die nichts mit der Zeitung zu tun Hatten, aber wirkliche aktuelle Pressearbeit leisteten, einschließlich der zahlreichen Italiener, Wohl höchstens hundertundfünfzig Mann, aus Deutsck- larch waren nicht ganz zwanzig Journa- kisten dort.
Ein wesentlich anderes Bild wird aber ent- rrllt durch die Kritik an der amtlichen deutschen Pressestelle in Genua, derer Aufgabe eS war, den Verkehr zwischen der deutschen Delegation und den JournaNsten zu vermitteln. sowie Auskunft über manche Dele- aationssttzung zu geben und auch die ausländischen Journalisten zu informieren. Nach den übereinstimmenden Schilderungen der deutschen Pressevertreter bat diese amtliche Pressestelle völlig versagt. Mit unverblümter Offenheit wacht unter anderem der bekannte Berichterstatter Rolf Brandt (dessen Kriegsberichte in den Jahren des Weltkriegs in den „Kasseler Neuesten Nachrichten zu lesen waren) fernem erbitterten Herzen Lust. Zwischen dieser Pressestelle des Auswärtigen Amtes und den Jmirnalisten müssen die Beziehungen herzlich fchlecht gewesen sein, denn Roff Brandt schreibt, daß die avgewaiote Methode nicht anders als dünkelhaft zu bezeichnen sei. Es habe bei der Amtsstellc die Auffassung bestanden, daß man sich der Presse bedienen "sisse, nicht aber mit ihr zusammen zu arbeiten und den allgemeinen Interessen zu bienen. Schon nach den ersten Taaen babe sich gezeigt, daß von der cmttfichen Presseabteilung nichts zu erfahren war. Die deutschen Journalisten waren in Gsnua die einzigen, die keinen Rückhalt an ihrer Delegation hatten. Gegen einen so fioiien Mangel an Verständnis
für Wesen und Arbeit der Presse hätten selbst Götter vergebens gekämpft. Die Presseabteilung habe es fertig gebracht, an allen wichtigen Tagen das Telephon nach Berlin in den Stunden, die für die Presse in Betracht kamen, zu sperren. Die Folge fei fchließlich gewesen, daß man eine Presseabteilung gegen die Presse gehabt habe. Auch Kauder stimmt in diese Klagen mit ein und sagt, die deutsche amtliche Hresseftelle sei aus die Halste ihrer Ausgabe überhaupt nicht vorbereitet gewesen. So hätten die ausländffchen JournaKsten vergebens bei dem deutschen Presseamt angeklopft und keine Auskünfte erhalten können.
_ Es gibt allerdings auch eine Stimme, die sich für die amtliche Pressestelle einsetzt, ihre Fehler zu entschuldigen versucht und meint, daß ihre Arbeit doch nicht so unfruchtbar gewesen sei, wie vielfach behauptet werde. Die deutsche Delegation habe sich in ihrer neuen Rolle innerhalb der internationalen Delegationen eine gewisse Reserve auferlegen müssen. Demnach hätten sich die offiziellen Vertreter Deutschlands nicht so frei in ihren Betrachtungen, Werturteilen und Prophe- zciungen ergeben können, wie die Vertreter der f»genannten Siegerstaaten. In Bezug auf Umfang und Inhalt der Berichterstattung über die Konferenz nehme die deutsche Presse wohl den ersten Platz ein. Immerhin wird zu- aeaeben, daß in Genua manches vielleicht besser geklappt hätte, wenn vorher Journalisten aus der Praxis bei der Organisation zu Rate gezogen worden wären, und wenn der Pressechef und seine Mitarbeiter engere Fühlung gehalten hätten. Ans ieden Fall war in Genua zwischen der amtlichen und nichtamtlichen Vertretung nicht alles so, wie es batte fein sollen. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade Deutschland bat es am nötigsten, aus dem internationalen Presseinstrument gut zu spielen. Zu wünschen bleibt nun, daß die Kritik den Erfolg haben möge, daß in Zukunft eine Besserung auf diesem Gebiete eintritt k. F. D.
Das AnSeihe-Aroblem. Fortsetzung der Verhandlungen.
(Eigene Drahtmeldung.f
Paris, 7. Juni.
Die Aussichten für das Zustandekommen einer Anleihe für Deutschland sind noch sehr ungewiss. Heute traten die Ausschüsse in Paris wieder zusammen. Es verlautet, dass Morgan sich pessimistisch geäußert habe. Allerdings bat die französische Regierung durch ihre Etzklärung, dass sie sich der Herabsetzung der deutschen Verpflichtungen widersetze, die Verhandlungen auf einen schwierigen Punft geführt. Frankreich betrachtet die Frage vom rein po» 1 itif chen Standpunkt aus. Es will sich nicht dazu bequemen, den wirtschaftlichen Notwendigkeiten gerecht zu werden, um die Vorbedingungen für die Reparationsanleihe durch einen Verzicht auf die starren Entschädigungsansprüche zu erleichtern. Man würde aber doch zu weit gehen, wenn man den pessimistischen Kommentaren der französischen Presse Glauben schenken wollte Jedenfalls bestehen die Aussichten für eine kleine Anleihe an Deutschland nach wie vor weiter, wenn auch für eine ReParationS- anleihe grossen Stils sich gegenwärtig Schwierigkeiten ergeben, vor allem deshalb, weil Amerika sich bis setzt noch nicht mit einer Herabsetzung der alliierten Kriegsschulden einverstanden erklärt hat.
Eine Gck uiöverminöerung unmöglich?
Paris, 7. Juni. (Eigene Drahtmeldung.i Die Reparationskommiffwn hat gestern eine nicht offizielle Sitzung abgehalten, über deren Verlauf aber bisher nichts bekannt ist. Der „Tcmps" teilt mit, dass für heute eine offizielle Sitzung anberaumt ist, in der jeder einzelne Delegierte die Lösung angeben soll, die er empfiehlt Die Antwort der ReparationslomMission (etgsinzt durch die Bemerkung jedes einzelnen Delegierte ns wird dann dem Bnleihekomi- tee übergeben werden, um für dessen Beratungen als Grundlage zu dienen. — Eine offizielle Ha- vasnote besagt, in dem Gutachten der Reva- rationskommission, das von der Morgan-Konferenz eingefordert ist, werbe eine Herabsetzung der deutschen Gesamtzahlungen an die Alliierten für unmöglich gehalten.
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Weitere Aufklärung wird verlangt.
Paris, 7. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Das Komitee für die deutsche Anleihe hat die von Deutschland gegebenen Aufklärungen für nicht genügend angesehen. Das Komitee
hat Dr. Bergmann eine Reihe Ergänzungsstagen übermittelt, die u. a. die genaue Ausstellung der- jenigen Ausgabeposten verlangen, für die Deutschland die Anleihegelder verwenden will.
Die Getreiöe-Limlage.
Ohne Zwang keine Garantie?
(Eigener Drahtbericht.
Berlin, 7. Juni.
Der Reichsminister für Ernährung und Lanb- wirffchaft hat vor einigen Tagen den zuständigen Stellen den Entwurf eines Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 zur Begutachtung zugehen lassen. Ueber den Inhalt dieses Entwurfs wird uns folgendes mitgeteilt: Da eine Verstärkung der Getreideeinfuhr aus dem Ausland bei der Finanzlage des Reiches und mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, einen erträglichen BrotpreiS durchzuhalten, unmöglich ist, wird die Umlage in bet gleichen Höhe wie im vorigen Jahre eingeforbert. Die Fortführung des Nmlageverfahrens hat sich deshalb als unvermeidlich herauSgestellt, weil nach Ausickt der Regierung die Landwirtschaft Sicherungen für eine ohne behördlichen Zwang durchzusührende Aufbringung einer bestimmten Menge Getreide zur bestimmten Zeit und z» einem gegenüber dem Marktpreis ermässigten Preife nicht zu geben vermocht hat, die es der Regierung ermöglichen würde, die Verantwortung für die Brotversorgung im kommenden Wirtschaftsjahr zu übernehmen. Die aufzubringende Menge wird auf die Länder nach dem Verhältnis ihrer Ernte im Durchschnitt der Jahre 1906—1921 verteilt Länder ' mit viel kleinem Besitz werden geringer belastet.
Bessere Llntervertessung.
Berlin, 7. Juni. (Eigener Drcchtbericht.i Um die Unterverteilung durch die Kommunal verbände zu verbessern, werden neue Bestimmungen getroffen. Für den Fall der Verteilung der Umlage ans die gesamte landwirtschaftlich benutzte Fläche ist die Freilassung der Flächen biS zu fünf Hektar vorgesehen. Die Kommunalver- bünde Haven ihr Umlagesoll nach näheren Bestimmungen der oberen Landesbehörde aus die Gemeinden ober unmittelbar auf die Unternehmer landwirtschaftlicher betriebe zu verteilen. Bei Festsetzung des Liefer falls der einzelnen Erzeuger ist den Unterschieden der Lieser- fähig kett Rechnung zu tragen. Bon der öffentlichen Brotversorgung sollen diejenigen Kreise ausgeschlossen werden, die nach Besitz und Einkommen auf eine solche Sicherung des notwendigen Lebensbedarss nicht angewiesen find.
Die Festsetzung de« Vreises.
Berlin, 7. Juni. (Privattelegramm.) Die Festsetzung eines Einheitspreises für bas durch Umlage abgeführte Getreide, wie sie im Vorfahr erfolgte, ist mit Rücksicht aus den imab- sehbären Stand der Mark fallen gefoffen worden. Tie Reichsregierung setzt den Preis nach Anhörung eineS Ausschusses fest. Wenn sich ergibt, dass die für die erste Hälfte des Liefer- folls festgesetzten Preise für die zweite Hälfte nicht mehr ausreichen, wird ein neuer Preis festgesetzt. Die Kemmunalverbänbe haben biS zmn 1. September 1922 der Reichsgetreidestelle die am 16. August etwa nach vorhandenen Vorräte an Getreide und Mehl anzuzeigen.
Am den Äerftömngsdesedl.
Sine deutsche Gegenerklärung.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 7. Juni.
Die deutsche Regierung wird aus die Entente- nqte über die Zerstörung und Aenderung von Eisenbahnlagern und -Linien im besetzten Gebiet wahrscheinlich eine Erklärung an die Botschafterkonserenz und die alliierten Regierungen gelangen lassen. Darin wird die Reichsregierung voraussichtlich den Standpunft vertreten, dass ihrer Auffassung nach die Alliierten mit ihrer Rote die seit Kriegsende v e r ä n - Serien Grenzen und Wirtschaftverhältnisse DeutschlaijvS und des besetzten Gebietes nicht be- lüSsichtigi hätten. Die deutsche Regierung wird wahrscheinlich auch den Nachweis führen, daß die beanstandete.! Eisenbahnbauten fast "ausschließlich aus wirtschaftlichenGründen errichtet und in Betrieb genommen worden sind. Man wird deutscherseits auch auf die Milliardenkosten und Schäden aufmerksam machen, die eine Zerstörung von Eisenbahmuaterial in dem verlangten Umfange verursachen würde. Das Kabinett Hai sich bisher noch nicht näher mit der Note befassen können. Die Regierung hgt mithin ihre Stellung noch uiSi »xbgiUtig feit gelegt
Der lockende Gulden.
Schmuggel und Auswanderung.
Gin anschauliche« Bild von den Zuständen im Grenzgebiet, wo der holländische Gulden lock« und viele Deutsche teil« berechtigt, teil« nu- berechtigt über die Grenze gehen, zeichnet Anton Jensen in den» nachstehendem «ussah.
Die gleiche magische Anziehungskraft, wie sie im Innern Deutschlands im allgemeinen und an der Berliner Börse im besonderen der amerika- nische Dollar besitzt, übt in den nordwestlichen Bezirken unseres Vaterlandes bei holländische Gulden aus. Die Valutadifferenz, die sich in dieser holländischen Geldeinheit ausdrückt, ist für die Grenzbovölkerung zu einem in die deutsch? Not Hineinleuchlenden, verführerischen Meteor geworden, das zu erjagen aller Mühen wert erscheint. Landauf, landab lockt der ivul- ben weit ins deutsche Gebiet herein. Was wunder, wenn man die Gelegenheit zu nützen und jenseits der rot-weiß-blau gestrichenen Grenz- p fächle das Konjunfturglück beim Schopfe zu fas- sen sucht. Auf zweierlei Wegen wird das Heil verfttcht. Durch die einen bei Nacht und NebA, am Hellen Tage durch die andern. Man erinnert sich seiner landwirtschaftlichen und son. fügen Produkte, deren Ausfuhr zwar verboten ist, die aber drüben mit gutem Gelbe ausgewogen werben, und — versucht. Der Schleich- handel, die Grenzschiebung steht in Blüte.' Zwar wirb recht häufig ein Schmuggler erwischt rind dem Gericht zugesührt — auch üble, folgenschwere Schießereien bleiben nicht aus — indes, die Versuchung ist zu groß, der Gewinn zu lok- kend, als daß man sich dadurch, daß es manchem babei schlecht gegagnen ist, ohne weiteres ab- schrecken ließe. Daneben blüht ein
schwunghafter Handel
erlaubter Art. Ausfuhr deutscher Produfte ins holländische Gebiet. Austausch der von der deutschen Matt weniger angezogenen Sachwerte. Und io schmerzlich das für uns fein mag; der unserer deutschen Papiermark mehr als hundertfach überlegene Gulden schlägt sie auf allen Gebieten. Aber nicht nur die Gegenstänbe ber Industrie, nicht nur die landwirtschaftlichen Güter aus Stall und Scheuer sind es, mit denen man sein Glück versucht; auch die menschliche Arbeitskraft zieht in ausgedehntem Maße Nutzen von dem Unterschieb zwischen der deutschen und ber holländischen Valuta. Bauhandwerker, Schneider, Musiker, auch deutsche Techniker folgen dem Rus des Guldens und suchen jenseits der Grenze Beschäftigung und Verdienst. Sie finden beides. Die in den Grenzgebieten erscheinenden Zeitungen enthalten täglich Anzeigen holländischer Unternehmer und landwittfchast- licher Besitzer, die deutsches Personal wünschen. Und wem weder ein fester Arbeitsvertrag noch sonstige Schwierigkeiten hindernd im Wege stehe»., der geht und versucht sein Heil. Für einen tüchtigen Handwerker sind
Wochenlöhne von vierzig Gulden
keine Seltenheit. Bekommt er diese am Wochen» schluß ausbezahkt, so verwandeln sie sich in —1 viertausend deutsche Papiermatt. Freilich, wer seine Lebensnotwendigkeiten drüben an Ort und Stelle decken muß, für den ist der Mrigbleibende Gewinn nicht so groß, eben weil manches dort teurer ist als bei uns. Wer aber lediglich tags- über oder auch während der Woche jenseits der Grenze schafft, Lebensmittel und sonsttgen Bedarf aber im eigenen Land ersteht, für den ist der Vorteil gewalttg.. Schließlich ist dies ja auch zum Besten der deutschen Steuerkasse. Kanu es uns doch nur willkommen fein, wenn möglichst viele gute Gulden ins darbende Land geholt werden. Willkommen umsomehr, als es sich doch in solchen Fällen nicht um Schiebergeschäfte handelt, bei denen Staat und Volk betrogen werden, sondern um ehrlichen und soliden Erwerb. Zwar ist auch in Holland das internationale Problem der Arbeitslosigkeit nicht gelöst. In den Großstädten kann vielen ber dringende Wunsch nach brotgebender Bekchäftianng nicht erfüllt werden, doch in den Kleinstädten der Grenzibezitte und nicht zuletzt in der holländischen Agrarwirtschaft fehlt es vielfach an geeigneten Arbeitskräften. Besonders nach Dienftbo- ten, nach landwirtschaftlichen Knechten und Mägden bestellt Bedürfnis. Und so schollensest in der Regel diese Arbeiterkategerien auch sind, der Gulden ruft Der eine sagt's, schreibt'? dem andern und dieser, der sein Leben lang nie daran gedacht bat. den schwerfälligen Fuß über die deursch« Grenze zu setzen, geht, sieht und entschließt sich. E" unterschreibt günstige Bedingungen, verdient und zieht wieder andere nach. So hat es sich eingebürgert. Und dazu kommen unterstützend die Werbeinserate in ben Zeitungen. Es bildete sich eine ganze
Kategorie von Balutaarbettern
heraus. In ber kleinen ostfriesischen Grenzstadt Weeher wurden im Lause des Vormonats nicht weniger als hundert Pässe an deutsche sWbeiter und Arbeiterinnen ausgestellt. Die Mehrzahl waren landwirtschaftliche Mägde. Was läge