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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Sonnabend, 16. Juni 1922.

Nummer 133

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Prüfung der Verhältnisse in Deutschland.

Das Anleihe-Rätsel.

Frankreich als Hemmschuh.

Die Aussichten für die Gewährung einer An­leihe an Deutschland werden mit den rein wirt­schaftlichen Erörtenmgen immer schlechter. Auf der einen Seite sichen England, Italien und Amerika, letzteres ist allerdings nicht regierungs- offizics, sondern lediglich durch die Bankgruppe Morgan verkörpert, die eine Herabsetzung der Gesamtschuld Deutschlands für notwendig hal­ten, auf der anderen Seite Frankreich. Da Ame­rika nur privat in der Reparationskommission vertreten ist, und nicht an den Abstimmungen teilnimmt, so standen sich diese beiden Meinun­gen im gleichen Stimmenverhältnis gegenüber. Aber neuerdings hat sich auch Belgien von Frankreich abgewandt. Es gewinnt immer mehr den Anschein, daß diese Frage des Reparations­problems wiederum vertagt wird. Franzö­sische Blätter geben denn auch schon selbst der Ansicht Ausdruck, daß die Anleihe vorläufig hin­fällig geworden ist, während andere Kreise noch der optimistischen Hoffnung zuneigen, daß zunächst eine kleinere Anleihe an Deutschland ge­wahrt werde, um den nächsten Verpflichtungen gegen Frankreich nachzukommen, um auf diese Weise zunächst einmal auch seine Finanzen regeln zu können.

Zu gleicher Zeit wird verlautbar, daß die französische Finanzwelt jetzt auf eine neue Wa­shingtoner Konferenz, die sich ganz mit der Re- paratioussrage und mit den allgemeinen Kriegs­schulden beschäftigen werde, ihre Hoffnungen setzt. Das würde nichts Anderes bedeuten, als eine diplomatische Vertagung der ganzen Lö­sung des Nep.-rrtionsproblems, und damit auch der an Deutschland zu gewährenden Anleihe. Wir glauben kaum, daß die großen Finanzleute, die sich zurzeit in Paris zusammengefunden ha­ben, auf diesen Mittelweg von kleinerer Anleihe und Verschiebung des Reparationsproblems sich einlaffen werden, nachdem sie einmal erkannt und zum Ausdruck gebracht haben, daß die Ge­währung der Anleihe und Herabsetzung der Reparativ ns schuld im engsten Zu- sammenihang stehen.

Dann spielt noch ein weiterer Faktor bei die­ser kleineren Anleihe die Rolle, nämlich die Hal­tung Deutschlands selbst. Deutscherseits bedarf es einer eingehenden Prüfung, ob und inwieweit uns mit einer solchen kleineren An­leihe gedient ist. Das waren ja auch gewisser- maßen die Bedingungen, die der deutsche Vec- treter. Finanzminister Dr. Hermes, bei seinen Pariser Verhandlungen gestellt haben will, und die in unserer kürzlichen Antwortnote an die Re­parations-Kommission zum Ausdruck kamen Deutschland muß vor allem daran denken, eine längere Atempause zu bekommen, und es muß, wie der Reichskanzler m seiner jüngsten Rede zum Ausdruck brachte, endlich einmal von der Politik der Termine befreit sein. Eine kleine Anleihe würde Deutschland nur dann annehmen können, wenn gewisse Gewähr dafür geboten würde, daß ihr weitere Anlechen, wenn auch in gewiflen Zeitabständen, gewährt würden. Es müßte schon auf eine solche Regelung sehen und dringen, weil sonst der Zinsendienst sicherlich die deutsche Finanzkraft übersteigen würde.

Es kann nur immer wieder von neuem vor allzu großem Optimismus gewarnt weiden, denn die französische Regierung kann ihre hartnäckige Stellungnahme gegen die Aus­rollung des Reparationsproblems nicht so leicht aufgeben, ohne nach der anderen Seite hin den Steuerdruck, der dann mit voller Wucht auch auf vtn Schultern des französischen Volles zu drük- ftn beginnt, gewissermaßen durch eine Entlastung nach der Seite der alliierten KriegsschuUien hin zu vermindern. Daraus geht hervor, daß auch die Verhandlungen des Anleihe-Komitees bei jenem Punkt angelangt sind, wo die ganz- Frage aufhört. eine rein wirtschaftliche zu sein, wo sie vielmehr politisch wird. Wie man auch die Tinge ansaffeu möge, immer stößt sich das RtpaiatioasvroLlem an dem Militarismus Frankreichs, der von seinen unsinnigen Forderungen nicht läßt und damit in erster Linie Amerika vor dcn Kops stößt, das als Geld­geber an erster Stelle in Frage kommt und mit einem Federstrich die Schivierigkeiten der ganzen Frage zu erledigen vermöchre, nicht nur, indem es das für die Anleihe erforderliche Geld her- *.fbt. sondew. indem es in einen Verzicht aus feine Kriegsgutbaben willigt, wodurch ohne wei­

teres Frankreich in der Lage Wäre, ebenso wie die anderen Mächte Deutschland gegenüber erheb­liche Abstriche ihrer Forderungen zuzugestehen. Zu diesem Schritt kann sich Amerika nicht ent­schließen, weil es sich nicht mit Unrecht sagt, daß "eie Frankreich auf diese Weise geschenk­ten Summen zu keinem anderen Zwecke ver­wendet werden würden, als zu weiterer Auf­rechterhaltung und Ausgestaltung seines mili­tärischen Apparates und damit zur Ver­ewigung des Kriegszustandes in Europa. Einst­weilen ist nicht abzufehen, wie die Welt aus die­sem Mißverhältnis herauskommen soll. Hg.

Das Anleihe-Vroblem.

Prüfung der Verhältnisse in Deutschland. (Eigener Drahtbericht.

Paris, 9. Juni.

DaS Anleihekomitee hat gestern nachmittag wieder, getagt. Gleich nach der Sitzung wurde ein Bericht herausgegeben, in dem cS heißt: Das Komitee hat darüber beraten, irrte die Frage der internationalen Anleihe nach der gestrigen Mit­teilung des Wiedergutmachungsausschufles zu beurteilen sei. Das Komitee wird die Prü­fung dieser Frage in einer Sitzung, die heute nachmittag stattfindet, fortfetzen. DieChi­cago Tribüne" will erfahren haben, daß das An- leihekomitee nunmehr sofort mit seinen Unter, suchungen über die deutsche Fähigkeit, die Wiedergutmachung zu bezahlen, beginnen wird, was als erster Schritt zur Auflegung einer in­ternationalen Anleihe in Betracht kommt. Alle, Wahrscheinlichkeit nach wird das Anleihekomitee beschließen, Deutschland selbst zu be­suchen, um an Ort und Stelle diese Nachprü­fung der Verhältnisse vorzunehmen.

* *

Ungünstige Meinung in England.

London. 9. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Führende Finanzmänner der Londoner City äußerten sich über die Aussichten einer deutschen Anleihe auf dem englischen Gcldmartt alle pessimistisch. Als Haupt­grund wurde angegeben, daß keine deutsche An­leihe genügende Sicherheiten biete, solange die Reparationsschuld nicht endgültig herabge­setzt und geregelt und dem politischen Einfluß dauernd entrückt fei. Beim großen Publikum würden gegen eine Zeichnung der Anleihe auch noch andere Gründe ins Gewicht fallen, z. B. der Rapallovertrag, der wieder Verdacht er­weckt habe; ferner besiehe das Gefühl, warum ein Engländer die deutschen Schulden bezahlen solle und noch dazu auf riskante Art. Im all­gemeinen könnten die Sicherheiten Deutschlands noch nicht als genL«gend betrachtet werden.

Morgan gegen Frankreich

Paris, 9 Juni. (Eigene Drahtmeldung.) DerMatin" meldet, daß Morgan im gestrigen Anleiheausschuß den Beschluß des BRedcr- herstellunaSauSschusses alS nicht genügend bezeichnet habe, weil Frankreich fist sünfund- künfzig Prozent der gesamten Reparationszah­lungen beanspruche. Bis zur entscheidenden Sitzung nm morgigen Sonnabend wird Morgan versuchen, eine Verständigung einzuleiten.

Englische Anveefchämchert. Wie Northcliss gegen Deutschland schreibt. (Eigener Drahtbericht.

London, 9. Jun!.

Lord Rortbckifi der Herausgeber derTimes' u.Daily Mail" schreibt jetzt in diesen Zeitun­gen die Eindrücke nieder, die er von seiner Reise durch das Rheinland gewonnen hat. Er beginnt damit, daß ihm schon beim lieber- schreiten der Grenze durch einen elegant gekleide­ten Zollbeamten ein freundlicher Gruß bereitet wurde. Deutschland zeige sich im besten Lichte. Besonders auffallend ist die große Menge wer­dender Mütter. die er nirgends in einer solchen großen Anzahl und so tzolr gesehen hat Dazu schreibt er: Seit der Abschaffung der Armee habe man den jungen Männern gesagt: Kehrt heim und mehrt die Bevölkerung. (!) Offen­bar erfüllen sie ihre Pflicht. Selbst in Japan und Rußland sieht man nicht so viele Kinder, die sorgfältig gepflegt sind und alle find meist b e s. ser angezogen wie fe zuvor. (?) Die klei­nen Läden der Dörfer lind überfüllt mit guten Waren. (?) Neberall sieht man neue Häuser. (?) Northcliss erwähnt, daß ein rheini­scher Baumeister erwähnt habe, das deutsche Baugewerbe sei niemals so beschäftigt gewesen tote aegenwänig (?) und das einzige Hemmnis wäre der Mangel an Ziegelsteinen und sonstigem BaumaterialDer deutsche Baumeister streckte mir seine Hand hin. Da ich aber keinem Deutschen die Hand schüttle, (!) zog er

sie zurück, schlug mit den Hacken zusammen, ver­beugte fich und ging fort.

Im geteilten OberMefien.

Verhandlungen über die Räumung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin 9. Juni.

Gesandter Eckardi, der deutsche Bevollmäch­tigte für das oberschlosische Abstimmungsgebiet, ist gestern von Oppeln rn Berlin zu kurzem Auf­enthalt eingetroffen, um mit den beteiligten Siel, (en der Reichs- und preußischen Regierung über die noch strittigen Punkte des Räumungs­abkommens Rücksprache zu nehmen. Die Verhandlungen über das Räumungsabkommen werden voraussichtlich noch im Laufe des heu­tigen Tages, sobald Gesandter Eckardt wieder eingetroffen ist, ausgenommen werden.

*

Einkehr der Ruhe.

Breslau, 9. Juni. (Privattelegramm.) Durch den Belagerungszustand, die Entsendung interalliierter Truppen in das Unnihegebiet und nicht zuletzt durch die Vermittlung der deutschen und polnischen Gewerkschaftsführer, die sich zu der sogenannten Fünfer-Kommission zusammen- geschlossen hatten, ist im Großen und Ganzen in Oberschlesien Ruhe eingetreten.

Frankreichs Gewaltpolitik.

Vor allem die Zwangsmaßnahmen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 9. Juni.

Ministerpräsident PoincarS hat den französi­schen Pressevertretern in der informatorischen Pressekonferenz versichert, es sei für Frankreich vorteilhafter, noch einige Zeit auf eine Bezah­lung zu verzichten, als feine alten Rechte der Zwangsmaßnahmen preiszugeben. PoincarS bezeichnete es als nicht empfehlenswert, die Frage des gegenseitigen Schulderlasses unter den Verbündeten aufzurollen. Er meinte, Eng­land würde Bedingungen stellen, die für Frank­reich unannehmbar wären, und Frankreich lause dabei Gefahr, sich in den Augen Amerikas zu kompromittiere,:. Es ist ganz sicher, daß diese Worte Poincarös, die den internationalen Ban­kiers zu Ohren gekommen sind, eine sehr bedeu­tende außenpolitische Wirkung haben werden, eine Wirkung, die Frankreich und besonders die viel vernünftigeren stanzösischen Wirtschasts- und Finanzkreise sehr zu beklagen haben werden.

Versöhnung durch Sport.

Die olympischen Spiele.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 9. Juni.

Das internationale Komitee für die Veran­staltung der Olympischen Spiele stellte fest, daß jetzt keinerlei Hindernisse mehr be­stehen gegen die Teilnahme der früher feindlichen Staaten. Tas Komitee beschloß einstimmig, daß alle Nationen eingeladen werden können, sogar, wenn sie noch mit keinem Delegierten in dem in- rcrnationqlen olympischen Komitee vertreten find. Damit ist die Tür geöffnet für den Zutritt Deutschlands. Deutschland hätte dann nur noch das Beitrittsgesuch zu stellen. Außerdem sind die Schwierigkeiten, die sich gegen die Ab­haltung der olympischen Spiele für 1924 in Paris ergeben hatten, nunmehr aus dem Wege, besei­tigt zu werden. Die französische Regierung hat sich bekanntlich mit der Gewährung der entspre­chenden Kredite zurückgehalten. Nachdem nun Poincarö persönlich erklärt hat, er werde sich für die Erledigung dieser Kreditfrage verwenden, gewinnt es den Anschein, daß der Abhaltung der olympischen Spiele 1924 in Frankreich kei­nerlei Schwierigkeiten mehr im Wege liegen.

Istr die Volksschule.

Beschlüsse des deutschen Lehrerbereins.

(Privat-Telegramm.)

Hannover. 9. Juni.

Die hier tagende 30 Vertreterversammlung des Deutschen Lehrervereins nahm folgende Eni- schließnng einstimmig an:Tie Versammlung forbert, überzeugt von dem außerordentlich ho­ben wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Wert der Volksschule und Volksbildung für den Bolksstaat, ;; 'm Reich und von den Ländern die Bereitstellung der notwendigen Mittel zum ein­heitlichen Aufbau der Volksschule ohne Rücksicht aus soziale und konfessionell-- Unterschie- dc in der Bevr rung. N>tr eine gesteigerte, auf dem sicheren Boden der Erziehungswissenschaft und der pädagogischen Erfahrung gegründete, von fremden Einflüssen befreite Volksbildung kann die für den Volksstaä» unbedingt notwen­dige Grundlage zu seiner Weiterentwicklung im wahrhaft demokratischen und sozialen Sinne ae- währleisten."

Balkan-Wäsche.

Die feindlichen serbischen Brüder.

Die alte Gewohnheit der Ralkanvölker, poN. tische Kümpfe dadurch auszufechten, dass fie da« Privatleben der führende« Politiker durchleuchte», hat jetzt wieder zu unwürdi­gen BerSsfentlichungen geführt. Man über- mittest un« darüber da« Folgender

Während des Krieges war den Monte­negrinern von den Mächten der Entente feierlich die Wiederherstellung ihres nationalen Gebietes versprochen worden. Als das Verspre­chen nicht gehalten wurde, berief man sich darauf, daß Montenegro durch seinen Sonderfrieden mit Oesterreich seines Anspruches verlustig gegangen sei. Trotzdem haben sich die Montenegriner mit ihrer Lage keineswegs abgefunden, und der Haß zwischen ihnen und den Serben ist jetzt größer, als er je feit den Tagen Stephan Duschans ge­wesen ist. Die Montenegriner haben sich seit je als das bessere Element des Serbenvolkes be­trachtet, wobei die Erinnerung an das türkische Joch, unter dem die Serben Jahrhunderte lang litten, während die Montenegriner das Jde'l südflavischer Freiheit und Unabhängigkeit zu be* wahren wußten, eine gewisse Rolle spielt. Selbst unter der Regierung König Peters, der doch ein Schwiegersohn des Montenegriner-Fürsten Ni­kita war, änderte sich an diesem Zustande nichts, der Kampf zwischen Belgrad und Cetinje ging weiter und endete schließlich mit der Auslö­sung Montenegros im füdslavischen Reiche. Die Montenegriner haben das Ver­schwinden ihres selbständigen Staates nicht ver- winden können, und viele von ihnen sind im litt« mut über die neuen Verhältnisse ausgewandert. Besonders Eftalien, dessen Königin Elena be­kanntlich eine Tochter des verstorbenen Rikita ist und politisch wiederholt mit Erfolg Einfluß zu gewinnen gesucht hat. hat die montenegrinischen Emigranten als willkommene Gäste ausgenom­men. Ohne von der italienischen Regierung daran gehindert zu werden, entfalten sie auf ita­lienischem Boden eine rege Propaganda zugun­sten der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Awnteuogros, eine Propaganda, die ganz außer­ordentliche Mittel verschlingt, über deren Her­kunft man kaum im Zweifel sein dürste.

Diese Propaganda ist in der Wahl ihrer Mife tel w e n i g wählerisch. Sie übertrumpft alles, was man bisher aus dem Lande der schwarzen Berge an schmutziger Wäsche gewöhnt war. So betitelt sich eine montenegrinische Flug­schrift:Les gouvernantS du Royaume serbe-ero- ate-skovene peints Par eux-mömes" (Die Regie- reichen des serbisch-kroatisch-slovenischen König­reichs. von ihnen selbst dargestellt"). In fünf Abschnitten wird da von den feindlichen Brüdern die schmutzigste Sauswäsche vor aller Welt ausgebreitet. Eine skandalöse Polemik zwischen serbischen Ministern ist gleichsam die Einleitung: Der Erpremier Protitsch beschuldigt den Minister Pribiesevitsch der Ermordung des Kollegen Draskovitsch; zur Revanche beschuldig, Pribiesevitsch den Protitsch, es zu dulden, daß die Gattin des Erpremiers, Frau Protitsch. sich als eine Dame von sehr leichten Sitten aussühre ...das Dokument benützt daS stärkste Wort. Daraus ergibt sich dann ein förmliches Bfttzseuer von hin- und hergeschlenderten erotischen und obszönen Anwürfen. Die Beschuldigungen von Mord, Meuchelmord, Notzucht, Diebstahl find die sanftesten Argumente. mit denen die Herrschaf­ten einander befehden. Und immer werden die Frauen, di- Kinder der Angegriffenen mit hlneingezogen. Daß auch die Dynastie nW ge- schont wird, ist nach alledem selbstverständlich, und der König Peter wird noch im Grabe be­schimpft.

Nickst mit Unrecht verweist die ungarische Presse darauf, daß dies die politische Kultur des Balkans" sei, um derentwillen der ungarisch« Staat hingeopfert wurde. In dieser Beleuchtung müsse auch das befmtgenfte Urteil den Vertrag von Trianon als eine der Menschheitskultur an- getane Schmach erkennen. Aber man kann noch weitergehen und saaen: Um dieses Serbenvolkes willen mußte der Weltkrieg entbrennen, der Zehn Millionen Menschen verbluten ließ. Um dieses Volkes willen traten Rußland und 'Statt!» reich in die Schranken ,zum Schutze der bedroh­ten Güter der Kultur!" Es ist schwer, keine Sa­tire über diese Zusammenhänge zu schreiben.

Der Fremdensirom.

Verschiedenes Mast für Inländer und Ausländer Man schreibt uns: Deutschland bat in bleiern Jahr einen besonders starken Zufluß von Frem­den zu erwarten. Das HauptanreiMtittel iüt diesen Zufluß ist der Tiefftand der Mark. Ge­wiß. Deutschland verfirat mich sonst noch über allerhand, was eine starke Anziehungskraft aus- übt. So willkommen uns die Fremden an sich sind, so bedeutet dieser Masseneinfall auch eine gewisse Gefahr. Während der Fremdenverkehr unter normale < Verhältnissen als Einnahme gilt oder gelt i sollte, ist er für Deutschlands Reichshauschal, eine einjine «roß« Ausgabe.