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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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NUMMer 150« Fernsprecher 951 und 952 Freitag, 30. Juni 1922. Fernsprecher 951 und 952 12. Jahrgang.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wvchenftich sechsmal und zwar abends. Der LbonnementSpreiS betrögt monatlich 37. Mark bei tret er Zustellun- in« Haus, in der Geschäftsstelle adgeholt 35. Mark monatlich. Auswärts durch die Poft bezogen 87.- Mark monatlich etnfchl Zustellmiq. Bestellungen werden jeder,eit eittgegengmommen. Druckerei, Verlag und Redaktion. Schlachchofstraße 28/30, Für unverlangt eingefaudte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmätziger Lieferung auSgefchloffen.

Ermittelung her Nathenau-Mörder.

Offene Tür.

Dks Verbindung mit den» Ausland.

Was uns nottut! Man darf nicht unterlas­sen, diese Frage immer wieder zu erörtern. Ruhe und Ordnung im Innern, Freiheit und Friede von außen sind die grundlegenden Er­fordernisse, ohne die Deutschland nicht wieder zu gesunden imstande ist. Haben die jüngsten Po­litischen Vorgänge, die im deutschen Volke noch nachzittern, gezeigt, daß innere Zwistigkeiten ein Ende nehmen müssen, so ist auch von berufener Seite, vom Reichskanzler Wirth, darauf hinge- wiescn worden, daß die Schuld an unserem Elend die Gewaltpolitik der Alliierten trägt. Be­freiung aus dem unwürdigen und unerträglichen fremden Zwang ist schnellstens zu erstreben. Wie können wir dabei selbst Mitwirken? Ein einfluß­reicher Mann des deutschen Wirtschaftslebens hat einen Weg gewiesen, der zunächst gangbar ist. Der General-Direktor der Hamburg-Amerika- Linie, Geheimrat Cuno, hat einen Aufsatz in dem HandelsblattManchester Guardian Com- mercial", das eine Wiederaufbau-Nummer hrr- ausgegeben hat, veröffentlicht, worin er über die Weltschiffahrt schreibt. Dabei zeichnet er für Deutschlands Handelsflotte folgen­des Bild. Alles ist noch im Werden und alles sehr am Anfang. Auch die großen Reede­reien nennen erst wieder einige Schiffe ihr eigen, und wie schnell die Abwicklung der Neubau-Pro- gramme fortschreiten wird, vermag bei den nock immer sehr schwankenden Arbeits-, Material- und Grldverhaltnissen in Deutschland heute noch niemand zu sagen. Rach den Jahresberichten größerer deutscher Schiffahrtsgesellschaften ist der den neuen Schiffsbestand folgendes zu sagen: Der Schiffsbcstand beträgt bei ver Ham- burg-Amerika-Linie 43 Schiffe mit 165 707 Br.- R.-Ts. (das Baichrogramm sieht vor: 43 Schiffe mit 198 692 Br.-R.-Ts.); beim Norddeutschen Lloyd 25 Schiffe mit 127098 Br.-R.-Ts. (das Bau Programm sicht vor: 23 Schiffe mit 226 200 Br.-R.-Ts.); bei der Hamburg-Südamerikani- schen Dampfschiffahrts-GefeLschast 8 Schiffe mit 59904 Br.-R.-Ts. (das Bauprogramm sieht vor: 6 Schiffe mit 54 336 Br. R.-Ts.).

Zur inneren Erstarkung der Schiffahrtsgesell- fchafien ist im Rahmen der gegebenen Möglich­keiten das Beste gezchehen. Schon heute läßt sich übersehen, daß die schwierige Aufgabe, die Or­ganisation der Reedereien auch in den langen Jahren erzwungener Untätigkeit aufrecht zu er­halten, im allgemeinen gelöst ist. Vielfach - Verbindnngen untereinander und mit in­dustriellen Konzernen, Interessengemeinschaften, auch mit ausländischen Reedereien, nlannigfache Beziehungen zu gleichgerichteten binnendeutschen Verkehrsunternehmungen haben dazu verholfen, das Handwerkszeug instand und brauchbar zu erhalten zu neuer Arbeit. Niemand täuscht sich in Deutschland darüber, daß es noch ein w ei­te r W e g ist, bis die deuffche Handelsflotte auch nur wieder zu einem bescheidenen Teile auf dem Weltmeere erscheinen kann als eine schwache Er­innerung an das, was einst in glücklicheren Ta­gen war. Aber die wenigen Schiffe, die wir beute wieder hinaussenden können, sind zugleich doch auch wieder eine frohe Hoffnung, weil hinter ihnen einstarkerWikle steht, den Schwierigkeiten nicht schrecken, der sich durch­setzen will und muß, weil Deutschland nach seiner geographischen Lage und nach der Sin­nesart seiner Bewohner nicht abgeschnitten wer­den kann vom Seeverkehr.

Wenn wir die Zusammenhänge der Welt- schiffahrt betrachten, so erblicken wir zwei V er­be i ß u n a e n für die Z u ku n ft. Die eine ist, daß die internationalen Schiffahrtsver­bände wieder kn Entstehen begriffen sind. Das was bisher gerade in dieser Hinsicht geschehen ist. hat gezeigt, daß im Bereich der Seeschiffahrt am ehesten wieder Ansätze entstehen konnten zu jener Verbundenheit der Nationen in Richtung cuf das große Ziel: Verbindung zu schas­sen zwischen den Kontinenten, zu steigern und ständig zu bessern den internationalen Ver- flhr. Und es ist zugleich ein Beweis, wie richtig die deutsche Anregung auf Zusammenfassung der Seetransportmittel gewesen ist, eine Anregung, die ganz sicherlich nicht aus dem Streben nach Einflußgewinnung herangezogen war, sondern aus dem Willen, die eigene Kraft zum Besten des Ganzen mit einzusetzen. Die andere Zu- kunstsverheißnna erblickt Geheimrat E«no in der Tatsache, daß führende Schiffahrtsgesellschaf­ten der alte« und der neuen Welt wie die Hamsturg-Amerika-Linie und die United Ameri- cmt Sine vom Harriman-Konzern sich zusam­menschließen konnten zu einem auf lange Dauer berechneten Vertrage, und daß die Durch­führung dieses Vertrages in allen Einzelheiten der täglichen Berufsarbeit erwiesen hat, daß de­nen. die guten Willens sind, eine Zusammen­arbeit möglich ist auch nach der furchtbaren Trennung, die der Weltkrieg aufgerichtet hat. Das ist ein Anfang, der uns hoffen läßt, auck wenn die Gegenwart schwer und dunkel ist.

Sicherlich konnte es nicht ausbleiben, daß die

unerhörte Anspannung des Krieges in allen Ländern eine einseitige Hinlenkung des Willens uttd aller Kräfte auf das eine nächstgelegene Ziel zur Folge haben mußte. Gerade die Besten muß­ten alles zurückstellen vor der Aufgabe, für ihr Volk die Forderung der Stunde zu erflillen. Aber die Welt darf nicht beharren in dieser erzwunge­nen Blickrichtung nach innen und dieser künstlich geschaffenen Absonderung. Weltweiter Blick und offener Sinn, das ist jetzt die Forderung der nächsten Zukunft, und die Män­ner der Wirtschaft haben in allen Völkern die Verantwortung, hierin voranzugehen. Deren Be­rus ist es, trennende Zwischenräume zu überbrük- len und dem Mer.schenverkehr und Güteraus­tausch zu dienen; und wie das Feld der Schiff­fahrt, das Meer, keine künstlichen Abgrenzungen und engen Sperrungen duldet, so läßt auch der Weltverkehr auf die Dauer sich nicht künstlich regeln und einengen. Bei allen Völkern einer­lei ob Sieger oder besiegt ist die Stunde zu ernst, als daß wir enggesaften politischen Phan­tomen nachlaufen können. OffeneTür das sei die Parole, unter der wir «ns zusammen­finden. das sei auch das Panier, für das wir gewillt sind, unsere beste Kraft einzusetzen.

GS§ <£rmitihmg der Mörder Mitteilungen der politischen Polizei.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. Juni.

Im Hinblick auf Vie Ermittlungen der Polizei gab der Chef der Berliner politischen Polizei, Oberregierungsrat Dr. Weitz, noch in später Abendstunde einem Pressevertreter Auskunft über die Gründe, die die Polizei zur P-eMabe der R a m e n der Diö r d e r veranlaßt haben. Dr. Weitz erklärte, daß ihm die Täter nicht erst seit gestern bekannt waren, daß er aber die Namen solange geheim halten wollte, wie er mit der Möglichkeit rechnen konnte, die Mörder in Ber» lin zu verhaften. Erst gestern abend, als die Nachsorschnngcn nach den Attentätern ergaben, daß sie alle drei Berlin verlassen hatten, entschloß sich die politische Polizei, die Namen der Ocffentlichkeit prciszugcbcn. Sie rechnet nun­mehr mit Rücksicht auf die Empörung, die die Mordtat in allen Kreisen der deutschen Bevölke­rung auSgelöst hat. mit einer weitgehenden Be­teiligung des Publikums an der Auftlärung des Verbrechens, da auch sämtliche Grenzen mili­tärisch gesperrt sind. Wenn auch ihre Per­sonalbeschreibungen auf allen Polizeistationen des Deutschen Reiches vorliegen, so sei e8 doch drin­gend erforderlich, daß daS Publikum selbst mit auf die Mörder fahndet, um ihnen so auch die letzte Möglichkeit einer Flucht ins Ausland zu nehmen. Auf diese Weise hofft man auch, den Unterschlupf der Mörder irgendwo auf dem plat­ten Lande zu verhindern. Schon heute dürste die politifthe Polizei, so erklärte Dr. Weiß, mit wei­teren Enthüllungen, die für die Mitarbeit des Publikums von der größten Wichtikgeit sind, vor die Oeffentlichkeit treten.

Die drei TSter.

Berlin, 29. Juni. (Eigene Drahtmslbung.) Nachdem die Abteilung la des Berliner Polizei­präsidiums bereits gestern den zur Ermordung des Ministers Rathenau benutzten Kraft- wagen ermittelt und im Polizeipräsidium sichergestellt hatte, ist es gelungen, die Mord­tat in ihrem vollen Umfange aufzuklären und die TSter fest zu st eilen. Es handelt sich um:

1. Techow, Ernst Werner, 21 Jahre alt, in Berlin geboren und in Berlin zuletzt wohnhaft, 1,78 Meter groß, dunkelblondes gescheiteltes Haar, voller Mund, bartlos, rundes Kinn, ge­sunde. frische und gebräunte Gesichtsfarbe, grauer Jackellanzug, lange Beinkleider, weicher, dunkler Filzhut.

2. Fischer, auch Vogel genannt, Spitzname Vechcur (Hermann), früherer Aufenthaltsort in Sachsen, Flöha auch Chemnitz, nicht älter als 25 Jahre, 1,75 bis 1,80 Meter groß, hellblond, hohe Stirn, blaue Augen, Hakennase, spitzer Mund, bartlos, schmales, aber gesundes Gesicht, schlanke Gestalt, blauer zweireihiger Saffoanzug. weick^r Halskragen mit langer Krawatte, Regenmantel.

3. Knauer, auch Körner und Kern genannt, gleichfalls nicht älter als 25 Jahre. 1,75 Meter groll, hellblond, hohe Stirn, Augen blau, Sattel­nase, bartlos, spitzes rundes Gesicht, gebräunte aesunde Gesichtsfarbe, kräftige, breitschultrige Ge­stalt, mecklenb. Dialekt, zweireihiger Saffoanzug, weicher Stehkragen, kleine schwarze Krawatte.

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Auf den Spuren der Helfer.

Berlin, 29. Juni. (Privattelegramm.) Bei den letzten polizeilichen Ermittlungen wurden Einzelheiten über die zahlreichen Helfer der Rathenau-Mörder bekannt, von denen vorerst nur gesagt werden kann, daß sie für die Täter große Geldsummen zur Derfüonna hiel­ten. Riesige Summen waren von hochgestellten Persönlichkeften zm Verfügung gestellt worden.

Die Fäden der Verschwörung schlingen sich weit über Berlin hinaus und reichen bis nach Süd- drutschland, wo sie in dem Kreise einer Ee- lzeim - Organisation zusammenlaufen.

Ein TeHnrhmrr am Mordxian.

Berlin 29. Juni. (Privattelegramm.) Die Spuren der gestern ststgeftelltcn Mörder Rathe- naus werden seit Dienstag nacht verfolgt. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurde im Westen von Berlin ein Mann wegen Teil­nahme an dem Mord plan verhaftet. Durch die Aussage dieses Mannes und das Material, das er bei sich hatte, wurde die Polizei auf die Spur gewiefen, die sich als richtig Herausstellen sollte, lieber den Namen des verhafteten Teilneh­mers wird vorläufig Stillschweigen bewahrt.

LLWZch MM VechafSMgm.

Fortschritt der Untersuchungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. Juni.

Kenner kriminalistischer Nntersuchungen be- ikrteilcn das bisherige Ergebnis der Untersu­chung sehr günstig und glauben, daß spätestens Ende dieser Woche es gelungen sein wird, die Mörder des Ministers Rathenau zu verhaf­ten. Der erwähnte Knauer war während des Kapp-Putsches bei der sogenannten Stabswache der damaligen Kappscheti Reichskanzlei tätig. Festgenommen sind die Täter bisher nicht. Sie haben sich aus Berlin entkernt. Da sie nach den polizeiliche« Feststellungen zur Zeit der Tat nicht über große Geldmittel verfügten und keine Pässe hatten, ist damit zu rechnen, daß die Tä­ter sich im Jnlande imfhalten. Techow ist am Sonntag abend mit dem D-Znge 8 Uhr 35 noch Halle abgefahren. Die beiden anderen haben oermutlich aut Dienstag oder Mittwoch Berlin verlassen und sich nach Norden begeben. Eine Anzahl weiterer Personen, die der Mittäterschaft überführt sistd. wurden von der Berliner politischen Polizei festgenommen. Die Täler selbst gehören der Organisation C an und gchötten früher zur Brigade Ehrhardt.

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Sine wichtige Anzeige.

Berlin, 29 Juni. (Privattelegramm.) Nach einer in früher Morgenstunde gewordenen In­formation sind Beamte der Abteilung la. des Berliner Polizeipräsidiums noch in der Nacht nach auswärts gefahren, um ein- wichtige Ver­haftung vorzunehmen. Wenn sich die Richtigkeit der telegraphisch in Berlin eingegangenen An­zeige bestätigt, so kann dir Festnahme eines der Mörder Rathenaus alS unmittelbar bevor­stehend angesehen werden.

Schutz öer Republik.

Srsichöeegieruug und Länder.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. Juni.

Der Entwurf des Gesetzes zum Schutze der Republik, das bekanntlich die Ausnahme­verordnung des Reichspräsidenten ablöfen soll, ist nmunehr im wesentlichen fertiggestellt. Heute treten die Ministerpräsidenten der Länder in Berlin zu einer Beratung mit der Reichsre­gierung zusammen, in der der Gesetzentwurf den Chefs der Länderregiernngen vor- gelegt und mit ihnen gemeinsam durchgrspro- chen wird. Nach dieser Konferenz wird sodann daS Schutzgesetz unmittelbar an den Rcichsrat und den Reichstag zur Beschlußfassung gelangen.

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Bayern gegen das AnünaSmegcsetz.

München, 29. Juni. (Privattelegramm.) Im Bayrischen Landtag wurde gestern der Ent­wurf des Ausnahmegesetzes besprochen. Es lag eine Interpellation der Bayrischen Mittelpartei und Bayrischen Volkspartei vor, die den Poli­tischen Mord wie jedes andere Verbrechen verdammt, sich aber gegen ein AuSnah- m e g e s e tz wendet. Ministerpräsident Gras Lerchenfeld sagte, die Vorschriften für den StaatSgerichtShof feien ein schwerer Angriff auf die von der Reichsrrgierung ga­rantierte Staatshoheit der Länder. Mit der Juftizhohrit der Länder sei unverein­bar die stark» Ausdehnung des Begnadigungs­rechts des Reicks PräsidentenES handelt fick," fuhr Graf Lerchenfeld fort,um AnSnahmebe- stimmnngen, die nach den kürzlichen Erklärungen des ReichsiustizrninisterS Radbruch im Reichstag »egen rechts, also gegen einen bestimmten Teil des dettffcken Volkes gerichtet sind. Ansnabmebestimmunaen lmben ersahmnasge- mäß etwas Bedenkliches m;d sollten möglichst bald verschwinden. Wenn nun die RcickSrcaie- rungSverordnung zum Sckntze der RevuSlik bald von einem entsprechenden Gesetz nbgclöft wird, ist es klar, daß die geoen die Verord­nung bestehenden Bedenken in verstärktem Maße auf das Gesetz zutreffe» werden.-

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Schaden-Srfatz.

Personenschäden im besetzten Gebiet.

ES find noch biete Umstände zu regeln, bW durch den verlorenen Krieg entstanden find, -reden dem Sachschaden, der durch die Besetzung durch se.ndUche Truppen verursacht morde« ist, soll jetzt auch der Personenschaden geheUt werden. Man schreibt nnS darüber Folgende«» Von sämtlichen Fraktionen des Reichstags, mit Ausnahme der Kommunisten, ist dem Reichs­tag ein Antrag unterbreitet worden, der für die jeweilige Fraktion die Unterschriften Müller (Franken), Becker (Arnsberg), Schultz (Brom- berg), Crispien, Dr. Becker (Hessen), Erkelenz, Leicht und Genossen trägt, und der vom Reichs­tage ein Gesetz über den Ersatz der durch die Besetzung deuffchen Reichsgebietes verursachten Personenschäden fordert. NAH dem Ent­wurf ist deutschen Reichsangehörigen für Verlet­zungen an Leib oder Leben vom Reich Ersatz des daraus entstehenden Schadens nach Maßgabe dieses Gesetzes zu gewähren, wenn die Verlet­zungen verursacht sind oder werden: L innerhalb des Reichsgebietes nach Abschluß deS Waffenstillstandes durch Handlungen oder Maß- nahmen a) fremder Besatzungstruppen, -behör- den, einzelner Angehöriger derselben oder ihreÄ Gefolges, b) Angehöriger fremder Behörden. Ausschüsse oder ihres Gefolges die auf Grund des FriedenSvertrages oder ergänzender Abkom­men sich sonst in Deutschland aufhalten; 2. inner­halb oder außerhalb deS Reichsgebietes durch Festhaltung, Abschiebung Verschleppung oder sonstige Gewalttaten, sowie durch die Flucht vo« solchen GcschHnissen oder durch deren Abwehr, soweit diese Ereignisse mit den politischen Wir­ren in Oberschlesien in Zusammenhang stehe»;

Im Falle der Tötmy;

ist der Schadenersatz durch Ersatz der Kosten einer versuchten Heilung im angemessenen Umfang, so. wie des Vermöaensnachteiles zu leisten, den der Getötete dadurch erlitten hat, daß während der Krankheit seine Erwerbsfähigkeit aufgehoben oder gemindert oder eins Vermehrung feiner Bedürfnisse eingetreten war. Außerdem sind die Kosten der Beerdigung demjenigen zu ersetzen, dem die Verpflichtung obliegt, Liefe Kosten zu tragen. Im Falle der Verletzung des Kör­pers oder der Gesundheit ist der Schadenersatz durch Ersatz der Kosten der Heilung im angemes- senen Umfange, sowie des Vermögensnachteils zu leisten, den der Verletzte dadurch erleidet, daß infolge der Verletzung zeitweife oder dauernd seine Erwerbsfähigkeit aufgehoben oder gemin­dert oder eine Vennehrung seiner Bedürstrisse eingetreten ist. Ein Anspruch auf Schadenersatz ist nur gegeben, wenn und soweit ohne eine Ent­schädigung nach Lage der Familien-, VermSgens- und Erwerbsverhältniffe das wirtschaftliche Fortkommen des Berechttgicn erschwert er« scheint. Diese Vorschrift findet aus den Ersatz von Heilungskosten keine Anwendung. Der Gesetzentwurf bringt dann noch im einzelne» nähere Bestimmungen zur Geltendmachung der Ansprüche. Seine Annahme ist gesichert. Man muß eS als besonders erfreulich bezeichnen, daß in Lieser Frage eine wigvklich einheitliche Front im Reichstage geschaffen worden ift

Neuer Leipziger Vrozeß.

Kricgsverbrechcn in Deutschland oder Frankreich,

In Leipzig hat gestern wieder ein Kriegsbe- sckuldigtcnprozeß begonnen. Angeklagt ist der deutsche Arzt Dr. M i ch e l s o h n der in den La­zaretten Effry und Trelon vorsätzlich den Tcd von Kranken verursacht und Lebensmittel unter­schlagen haben soll. Wir werden natürlich über das Ergebnis berichten. Daneben dürfen wir darauf Hinweisen, daß bei den früheren Pro­zessen, wie erinnerlich, die meisten Anklagen sich als haltlos erwiesen haben. Wenn die Alliierten noch immer keine Ruhe geben und im­mer wieder deutsche Kriegsteilnehmer beschuldi­gen, ist es red» und billig, ein paar Beispiele von französischen Kriegs verbreche» mitzuteilen, die amtlich unbestreitbar festgestellt worden sind:

St. Prielx. Lazarett, Sevtember 1914 bi» März 1915. Schuldige: Der Kommandant ConrbSres und der Chefarzt. Diese haben infolge mangelhafter Behandlung, Fehlen an Verbandmaterial in angegebener Zeit den Tod von weit über hundert deuscher Verwundeter, darunter dreißig an Wundstarrkrampf, ver­schuldet. Es wüteten TyphuS, Ruhr und Wundrose mit tödlichem Ausgange, ohne daß genügende ärztliche Fürsorge getroffen wurde.

Gefangenenlager Cafabianda auf Kor­sika. 1914 und später. Schuldige: Der Chef­arzt Dr. Marcantoni. Dieser hat infolge vor­sätzlicher N i chtb e h an d lu n g erkrankter Deutscher an TyphuS und Ruhr, in wenigen Monaten den Tod von fünfundzwanzig Patien­ten verfchuldet. 1

St. Nrietx, Lazarett, Sevtember 1914 bi» März 1915. Schuldige: Der Kommandant Courböres und der C h e s a r z t. Dies« sind ver­antwortlich für die verabreichte unaeuieL»,