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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 155

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 6. Juli 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Sie Stage der Regienmgs-Kmeitenmg.

Der Marksturz.

Ein Dollar 450 Mark.

Die furchtbare Entwertung der Mark wirkt tvie eine Katastrophe. Wir gehen einer erschrek- kenden Teuerung entgegen. Es handelt sich in erster Linie um ein wildes internationales Bör­senspiel. Das Signal ging von Newyork, ging von den Auslandsbörsen aus. Im Ausland wird die innerpolitifche Lage Deutsch­lands außerordentlich ungünstig beurteilt. Ge­wiß, der Meuchelmord an Rathenau hat die schwere Krise unmittelbar ausgelöst. Allein, auch unabhängig hiervon wäre ein starkes Stei­gen der Devisenkurse unvermeidlich gewesen. Es ist zwar gelungen, die Junirate an die En­tente glatt abzuführen, ob das aber für die Juli rate der Fall sein wird, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Was das Ausland zur Zeit fürchtet, das ist, daß Deutschland am Vorabend neuer innerer Stürme und Umiväl- zungen steht. Es ist nickt abzuseben, wohin die Markentwertung noch führen soll. Die Reichs­bank zahlt in dieser Woche bereits 1500 Mark gegen 1400 in der Vorwoche für ein Zwanzig­markstück, aber sie bleibt damit hinter der Ent­wertung der Papiermark noch erheblich zurück, denn nachdem der Dollar jetzt auf 450 Mark gestiegen war einMatt'stein des Anstoßes! bedeutet eS, daß unsere Valuta, am Dollar gemessen^ auf etwa den hundert­sten Teil entwertet ist. Die Gründe für die Fortsetzung deS MarkschwundeS liegen auf der Hand. DaS neue Moment der Unsicherheit, das die innerpolitische Lage erschwert und die Wirtschaft stört, gesellt sich zu den schon vorder gegebenen Ursachen, dem Scheitern der Anleihe- Verhandlungen und der Unmöglichkeit einer Er­füllung der uns aufgezwungenen Reparations- Verpflichtungen, während Die Reichsbank sich gleichzeitig außer Stande steht, durch Interven­tion skäufe den Devisenmarkt zu stützen, da sie ihre mühsam und teuer genug erworbenen Bestände für die nächsten Reparationszahlungen sesshaften mutz.

Es kommt hinzu, daß der Geldmarkt sich tn Deutschland in scharfem Gegensatz zu der Flüssigkeit der maßgebenden Geldmärkte im Ausland seit längerer Zeit ernstlich Versteift hat, waS wiederum eng mit der wachsenden Teue­rungsgefahr zusammenhänat, welche aus der einen Seite die Konsumenten zur Aufzeh­rung ihrer Ersparnisse nötigt, während mtf der anderen Seite di« Industrie und zugleich der Staat (erhöhte Löhne und Gehälter, verteuerte Produktionsmittel I) verstärfte Ansprüche an den Geldmarkt stellen. Diesen Ansprüchen vermag auch die eifrige Arbeit der Notenpresse nickt nachzukommen. Zwar weist der letzte Reichs- banknachweis eine Vermehrung des No­tenumlaufs um mehr als eweiundeinhalb Milliarden Mark auf: aber angesichts eine^ Dol- larstandes von 450 Mark vermag die Roten- vresse mit dem Kapitalbedarf nicht Schritt zu hakten, und man muß sich heute mit einiger Wehmut erinnern, daß die Reichsregierung erst vor kurzem in ihrer Note an die Neparations- konrmission die Stillegung der Notenpresse ver­sprechen zu körnen glaubte freilich unter der Bedingung des Zustandekommen- der Anleihe- verband-lungen.

Aber noch eines anderen Umstandes muß man bei dieser Gelegenheit gedenken, nämlich der Furcht unserer industriellen Kreise vor der ValutÄbesserung und der Vertröstung auf das .Heilmittel" der Anpassung an die Welt­marktpreise. Jetzt sind wir bereits einiger­maßen in der Lage, die Probe auf das Erem- pel zu machen, und da zeigt es sich, daß nicht nur die Konsumenten schwer unter dieser Anpassung leiden, sondern gleick-zeifta auch die Produzenten, da besagte Anpassung eben mit einer wesentlichen Erhöhung nicht nur der importierten Rohstoffe, sondern gleichzeitig der Löhne und Gehälter, also letzten Endes sämtli­cher Produktion skoffen. verknüpft ist. Unter diesen Umständen rückt die Gefabr nahe, daß wir, wenn das Gebäude unserer kommerziellen Scheinkonjunktur zusammenbrickt, auch bei der Fortsetzung des Valutatiefftandes in die W i r t- sckaftskrisis hineingeraten. Somit bleibt als einzige Hoffnung nach wie vor eine Sanie­rung unserer Wirtschaft durch eine internatio- «ale Kredithilfe.

Aus Paris erfährt man jetzt, daß Morgan im Zusammenhang mit seinem Kreditplan eine Reparationsreqeknng in dem Sinne vorgeschlagen bat, daß Deutschland dreißig Jak>- resrahkungen ohne Zinsen, beginnend mit zwei Milliarden und endigend mit vier Milliarden leisten solle, die man in Paris als unannehm­bar bezeichnet. Gleichzeitig erfährt man aber, daß gerade jetzt von Washington und London mis ein verstärkter Druck ans Frankreich auf dem Umwege der Mahnung auf Zah­lung der franzsischen Kriegsschulden an England und Amerika erfolgt ist. Es

bleibt abzuwarten, wie weft dieses Druck­mittel die von London und Washington aus erneut eingeleiteten Bemühungen zu einer Regelung des Reparations- und Kriegsschulden­problems, das schlechthin daS Problem Euro­pas ist, zu fördern vermag. Das aber steht fest, daß die Lösung umso schwieriger und die fran­zösischen Rcparationshoffnungen umso geringer werden, je weiter die doch unaufschiebbare Sa­nierung der deutschen Wirtschaft hinausgescho­ben und je gründlicher in .idealer Konkurrenz" damit die deutsche Valuta zerstört wird. Des­halb sollte die Fieberkurve der Mark eine War­nung für die Alliierten darstellen!

NemenmgsfmgeA.

Um den Eintritt der AnabhSugigen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, O Juli.

Gestern fand eine abschließende Besprechung zwischen den Mehrheitssozialtsten und den Unabhängigen über den ttwaigen Eintritt der letzteren in die Regierung statt. Be­sprechungen zwischen den Sozialdemokraten und den Koalitionsparteien haben bisher ebensowe­nig stattgefundcn, wie zwischen den sozialistischen Parteien und der Regiernng. Für heute, Mitt­woch, mittag ist eine interfraktionelle Besprechung der Koalitionsparteien vorgesehen, in der man eine gewisse Klärung der Lage erwar­tet. Die Koalitionspartcien hielten im Lause des gestrigen Vormittags Frattionssitzungen ab. In den Wandelgängcn des Reichstages war mehrfach auch davon die Rede, daß die Unab­hängigen sich wieder mit der Mehrheitssozialde­mokratie vereinigen würden, doch sind auch hier­über Vereinbarungen nicht zustande gekommen.

* * *

Srkiürung brr Parteileitung.

Berlin, 5. Juli. (Privattelegramm.) Die Zcntralleitung der Unabhängigen Sozialdemo­kratischen Partei erklätt in einem Aufruf an ihre Partei u. a.:Der eventuelle Eintritt von Unabhängigen in die Reichsregiernng wäre ein außerordentlicher Schritt in einer außerordeut lichen Situation. Die Haltung der Unabhängi­gen Sozialdemokratie ist auch bei dieser ernsten Entscheidung bestimmt dnrch die Interessen der gesamten Arbeiterbewegung, denn die Republik ist der Boden, auf dem am besten der Kampf für die Ziele des Proletariats und der Sieg des Sozialismus ausgetragen werde« kann."

(Sinmütigfeit der SRekMreglerung.

Berlin, 5. Juli. (Privattelegramm.) Halb­amtlich wird erklätt: Der Reichspräsident hat mit dem Reichskanzler eingehend über die politische Lage gesprochen. Hebet die Richtlinien der Politik herrschte völlige Ueb.ereinftimmunng. Mit dem Reick/S- kanzler ist der Reichspräsident der Meinung, daß daS Gesetz zum Schutze der Repu- blik eine dringende Staatsnotwendigkeit und daß seine baldige Verabschiedung im Reichstag mibedingt geboten ist. Das Gesetz »um Schutze der Republik, das vom Reichsrat bereits ange­nommen wurde, wird beute im Reichstag be­raten und bald zu verabschieden.

Berliner Buchdruckerstreik.

Verhandlungen um eine Einigung. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juli.

Im Berliner Buchdrnckerstreir ist insofern eine Verschärfung eingetreten, als auch sämt­liche Hilfsarbeiter sich den Forderungen der Buckdruckcr angcsÄoffen haben und eine Lohn­erhöhung von wöchentlich dreihundett Mark verlangen. Die Streiklage ist insofern sehr kompliziett, als die Arbeitgeber, die den Lohn­forderungen an sich nicht ablehnend gegen- überstehen, in dem Vorgehen der Gehilfenschaft einen Tarifbruch erblicken. Sie bestehen darauf, daß vor Beginn der weiteren Verhandlungen die Arbeit wieder ausgenommen wird. Der Arbeitsrninister B r a u n hat mit den Vertretern der Arbettgeber und Arbeitnehmer gesondert verhandelt, um die Mögliö^eit zu einer Einigung ftstzustellen. In Leipzig und H a m- bürg haben die Maschinenmeister bereits ähn­liche Forderungen wie die in Berlin gestellt. Vor Mittwoch abend ist im günstigsten Falle nicht daran zu denken, daß die Zeitungen in Berlin wieder erscheinen werden, da erst heute die Ge­hilfenschaft zu der Lage Stellung nehmen wird.

e

tim das Amtsblatt.

Berlin, 5 Juli. (Privattelegramm.) Siche rem Vernehmen nach wird derReichs- und preußische Staatsanzeiger", falls die Gewerk fchasts-Kmmnisßon keinen Einspruch erhebt, wie­

der erscheinen. Er wird in seinem besonderen Teil politische amtliche Nachrichten enthalten.

Die DZensiLg-Kunögebung. Ruhiger Verlauf in Vertin.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juli.

Die gestrige Demonstrationzum Schutze der Republik", die an der Kajser-Wilhelm-Gedächt- niskirchc und am Kursürstcndam stattfand, ist ruhig verlaufen. Alles ist in Ordnung vor sich gegangen. Das Publikum, das sonst den Kur­fürstendamm zu beleben pflegt, hielt sich zurück. Tic meisten Läden und Restaurants waren ge­schlossen. Passanten wurden vielfach die Hüte h er untergesch lagen. Sonst wurden aber Tätlichkeiten sofort durch Eingreifen der Ordner verhindert. Am Bahnhof Halensee, wo die Demonstranten sich programmätzig auflösten, erkletterte ein junger Bursche einen Kandelaber und vollzog unter tosendem Beifall der Menge die Hinrichtung Ludendorffs, der in Gestalt ei­ner Puppe an der Laterne aufgehnngt wurde. Dann verliefen sich die Massen. An der Demon­stration dürste etwa eine halbe Million Men­schen teflgenommen haben. Bei der herrschenden Hitze waren viele Olmmachtsanfäkle zu verzeich­nen. Reden und Ansprachen wurden nicht ge­halten. Die Kommunisten beschränkten sich auf die Verteilung von Flugblättern. Der Straßen­bahn- und Autobus-Verkehr ruhte stundenlang.

Siutiße Ausschreitungen tn Frankfurt.

Frankfurt a. M., 5. Juli. (Privattelegramm.) Rach Decndigimg der Umzüge drangen Keine Gruppen der Demonstranten auf eigene Faust in Häuser, in dem« sie Büros vermuteten, um nachzusehen, ob darin gearbeittt würde. Abends kam es auf der Kaiser- und der Kronprinzen straße zu bedenklichen Zusammenstößen. Von der Menge wurden harmlose Lad en- schilder herabgerissen, ohne daß die Polizeimannschaften einschritten, um die Menge nicht zu erregen. (!) Infolgedessen wurden die Ruhestörer kecker und verhöhnten die Reichswehrrnänner und bedrohten sie schließlich, sodaß die Wehrmänner schars schießen mußten. Es gab verschiedene Verletzte, darunter befand sich auch ein Wehr- manu. Auch Tote soll cS gegeben haben.

*

Ernste Störung tn Dortmunv.

Dortmund, 5. Juli. (Privattelegramm.) Die gestrige Demonstration verlief anfangs ru­hig, dann begann die Menge aber aus ver­schiedenen Gebäude« schwarz-weitz-rote Fahnen herauszuholen und zu verbrennen. Vor dem Hotel Römischer Kaiser tarn es zu einem Auf­lauf, sodaß die Polizei einschreiten mutzte. Als die Menge eine drohende Haltung an­nahm, ging die Polizei mit blanker Waf- fe vor. ES wurde geschossen, Maschinen­gewehre sind ausgestellt worden und Panzerwa­gen suhren durch die Stadt. Am Abend dauer­ten die Unruhen noch an. In Essen verlief die Demonstration ruhig.

Die Demonstrattonsluft wachst.

Berl in, 5. Juli. (Privattelegramm.) Der Reichskanzler hat die Gewerkschaftsführer für Donnerstag zu neuen Besprechungen über das Aktionsprogramm der Gewerkschaf­ten eingeladen. Bon dem Ausgang der bevor­stehenden Besprechungen werden die neuen Streikbeschlüsse der Gewerkschaften abhängig ge­macht. Bis jetzt ist in Aussicht genommen, den grotzen Demonstrationen des gestrigen Dienstag im ganzen Reiche an drei Tagen der kom­menden Woche wieder Stratzenkund- gcbunge« fittgen zu lassen.

Der Angriff aus Harden.

Die Täter handelte« in einem Auftrag.

Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 5. Juli.

Halbamtlich wird mitaeteilt: An dem An­schläge auf Harden hat neben dem festgenomme- nen landwirtschaftlichen Beamten Herbett Wei­ch ardt, geboren am 3. April 1900. der Ober­leutnant a. D., jetzige Kaufmann Walter An­ker mann, aeboren am 21. Avril 1891, teil« genommen. Der Letztgenannte hat mit einem sogenannten Totschläger auf den Kopf Hardens eingesch!agen, während Weichardt Schmiere stand. Es ist bereits erwiesen, daß die beiden Täter den Anschlag nicht aus eigenen Entschluß ausgefikhtt haben, sondern daß sie zu dem Atten­tat von einer hinter ihnen stehenden Geheim- organisation bestimmt worden sind. Nähe­res Tann hierüber vorerst noch nicht mitgeteilt werden, um den Untersuchungsgang nicht zu ge­fährde«. Ankermann, der noch nicht gefaßt ist, hältsich «ach de« bisherigen Feststellungen noch XAxe . aUi»

Geschäftsbriefe.

Wie ans der Weg versperrt wird.

Sin Beispiel der Unwissenheit unb Derwl». rnrrg, in brr noch manche» amerikanisch« Urteil über Deutschland befangen ist, zeigt ber nachfiehenbeDrirfwechsel.ben ans dir be­troffene brutsche Firma jnr Verfügung stellt»

Die Exportfirma Junghans und Kriegesrotte in Swttgart-Hedelfingen hat folgenden Brief von der Minneapolis Jron Store Company erhalten: Ihren Brief vom 22. April haben wir erhal­ten. Den Brief vom Januar haben wir nicht beantwortet, wir halten es aber für richtig, de« gegenwärtigen zu beantworten. Wir verkau­fen keine deutsche Waren und wir beab­sichtigen, diese Politik so lange beizubehalten, als Teutschland fortfährt, in seinem unredlichen Ver­halten (!) zu dem Rest der Welt zu verharren. Wir wissen, daß es viele rechtschaffene und tüch­tige Leute in Ihrem Lande gibt, aber dieselben befinden sich sicherlich nicht unter der herrschen­den Klasse. Die Geschichte Ihres Landes war seit der U iterzeichnung des Friedensvettragcs ein beständiges Ausweichen, eine beständige Täu­schung und Unehrlichkeit. (!) Wir wollen nicht wissentlich mit einem unredlichen Volk Geschäfte machen. Das ist meine Meinung! Minneapolis Jron Store Company, gez. Ä. L. Sewall Schatzmeister."

Die deutsche Firma ist erfreulicherweise die richtige Antwort nicht schuldig geblieben. Sie schrieb nach Minneapolis:Wir sind im Besitze Ihres Briefes vom 13. Mai und halten es als unsere Pflicht, Sie auf einige beachtenswette Punkte aufmerksam zu machen. Trotz unserer mannigfaltigen Beziehungen zu vielen angesehe­nen Hausern in der ganzen Welt, ist uns ein ähnliches Dokument, das so wenig Verständnis und Objektivität zeigt, bisher nicht zugegangen. Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß Deutschland den Waffenstillstand auf Grund der vierzehn Puntte Ihres Herrn Wilson abgeschlossen hat. Wenn sich der Friedensvertrag späterhin als etwas davon vollkommen Verschiedener entpuppte, so vermögen wir dies beim beste« Willen nicht als einfair play" zu bezeichnen. Wir geben zu, daß Deutschland den Friedensver­trag von Versailles hätte niemals unterzeichne« dürfen. Wenn wir es schließlich trotzdem taten, so geschah dies nur unter dem schweren Druck von Gewalt u. weil viele imseres Volkes damals noch eine hohe Meinung von der Aufrichtigkeit unserer Feinde hatten, die jahrelang behauptet hatten, für Recht und Freiheit gegen ein schlech­tes Volk von siebzig Millionen zu kämpfen. ES ist nur schade, daß einige unserer Feinde sich nachher nicht als viel besser erwiesen haben, alS diesesunehrliche Volk".

Der Schreiber dieser Zeilen war vor de» Kriege manche Jahre in sremden Ländern. Lang« ehe der Krieg kam, hat er die wirklichen und tie­fen Ursachen gesehen, die zu einer Katastrophe führen mußten. Vor allem war dies die verletzte Eitelkeit Frankreichs. Bevor Sie eS überhaupt wagen dürfen, ein Urteil abzugeben, frage ich Sie:Kennen Sie wirklich und wahr­haftig die Geschichte Deutschlands unb Frank­reichs in ihren engsten Zusammenhängen wäh­rend der letzten dreihundett Jahre? Wenn dem so ist, dann müssen Sie wissen, wie furchtbar auch Deutschland manchmal unter seinem west­lichen Nachbar zu leiden hotte. Der zweite Grund war Englands wachsende Besorgnis über unsere fortschreitende industrielle und kom­merzielle Kräfteentfaltung. Die herrschenden Klassen der Vorkriegszeit in Deutschland benah­men sich vielleicht ziemlich ungeschickt, aber wir glauben nicht, daß ihre Absichten schlecht waren. Unsere Feinde warfen uns immer Imperialis­mus vor. Wir fragen Sie:Wer war immer und ist noch jetzt im Besitze der besten unb schön­sten Länder unb der wichtigsten Punkte in der ganzen Welt?" Nennen Sie dies Gerechtigkeit? Außerdem, wenn Deutschland Wittlich den Ktteg von 1914 gewollt hätte, würden Wir nicht noch im selben Jahre große Mengen Getreide vettauft haben unb unsere Kriegsschiffe wäre« Wohl nicht in ber ganzen Welt zerstreut gewesen, als der Krieg ausbrach.

Solange Ihre Länder fortfahren, int Geist des Krieges zu verharren, so lange sie sich weigern, Geschäfte mit uns zu macken, und uns alles nehmen, was wir hatten, Ehre, Kolonien, die reichsten Teile unseres eigenen Landes wie Saar, Oberschlesien und andere, unsere Schiffe unb Bergwerke, haben Sie kein Recht, uns Ausweichen Vorzuwersen. Wir sagen Ihnen, wir wollen so viel Gelb zahlen als wir können, weil wir den Ktteg verloren haben» ober nicht, weil wir uns schuldig fühlen. T-ic- jenigen, die sich ohne Fehler glauben unb sich tn engherziger Anmaßung bas Recht nehmen, unS bestrafen zu wollen, 'mögen ruhig den ersten Stein auf unS werfen. Dieselben haben sich wahrhaftig als nicht besser und würdiger erwie­sen als wir selbst. Auch wir, wie alle übrigen Pölkkcr der Erde, sind geschaffen worden, so gut und jo schlecht wir sind, durch ein und denket-