Einzelbild herunterladen
 

1

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Lie Kasseler Sleuesle»! Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar ad endL. Der LbormementSxreis betrügt monatlich 37.- Mart bei tretet Zustellung taä Haus, in der Geschäftsstelle abgeholt 35.Mark monatlich. AuSwürts durch die Post bezogen 37. Mark monatlich etnschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Verlag.d Redaktion . Echlachthosftrabe 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Berantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmSHiger Lieferung ausgeschlossen.

Ins«rttonSpreise: a) Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile M. 4., die einspaltige Retlamezetle M. 11.. b) Auswärtige Austräger Die einspaltige Anzeigenzeile M. 4.-, die einspaltige Reklame,eile M. 11. alle? einschließlich Deuerungszuschlag und Anzeigeusteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen 'werden, Druckerei: Schlacht- Hofstraße 38/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nummer 931 und 952.

Nummer 158.

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 9» Juli 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Die Wirkung des Marksiurzes.

Auf einem Vulkan.

Die Erschütterungen im Reiche.

Deutschland gleicht einem Vulkan, in dessen Innerem wilde Glut und Gärung tobt, als kenne jeden Augenblick eine Explosion erfolgen Alan vergegenwärtige sich nur einmal die wüsten Szenen in den Parlamenten, wo sich die beiden Gruppen der äußersten Linken und Rechten als erbitterte Feinde befehden. Mußte es denn so, weit kommen, daß alles Gefühl für Anstand und gute Sitte mit Füßen getreten wird? Was man einist alsparlamentarische Sitte" bezeichnete klingt wie ein Märchen aus früherer Zeit. Da- nials war der parlamentarische Brauch ein Maßstab für den guten Ton. Wenn ein Abgeordneter sich nur einen kränkenden Zuruf zuschulden kommen ließ, wurde er zur Ordnung gerufen Lärmende Störungen gab es ja auch dann und wann, aber doch selten und immer in den Grenzen, daß die Autorität des Präsidenten noch geachtet wurde, der alsbald die Ruhe wie­derherzustellen vermochte. Heute aber? Fast täglich ertönen Zuruse, die im gewöhnlichen Le­den unter den Paragraphen grober Beleidigung und Verleumdung fallen und nach dem Straf­gesetzbuch streng gesühnt werden. Andere Zeiten, andere Sitten. Schimpfworte wieVerräter", Schuft",Halunke",Mörder" sind schon ge- wohnheitsniäßige Ausdrücke, und wenn der Präsident des Hauses einen Ordnungsruf zu er­teilen wagt, schallt ihm selbst eine Beleidigung entgegen. Aber neuerdings begnügen sich die Herren Abgeordneten nicht mehr mit Schimpf- Mworten. Wo der Geist fehlt, da wallet die rohe F a u st. Daß kürzlich ein Redner sich er­laubte, die vor dem Rednerpult stehenden, ihm widersprechenden Abgeordneten mit Wasser zu begießen, konnte man noch als plumpen Scherz auffassen im Vergleich zu dem Benehmen, das in den letzten Freitagssitzungen gezeigt wurde. Ließ man es im Reichstage noch bei Lärmszenen, die einem Jndianergeheul gleichkamen, bewen­den, so ging man im preußischen Landtag zu Tätlichkeiten über. Man glaubte wohl, ein Ma­növer mit Artillerievorbereitung und Sturm- angriff vorführen zu müssen. Zunächst flog dem deutschnationalen Redner von den Gegnern ein Aktenbündel an den Kopf, worauf er von einer Sturmkolonne verprügelt wurde. Es entstand ein allgemeines Handge­menge! Die Sitzung wurde unterbrochen, und war nicht möglich, die Beratungen an diesem Tage fortzufetzen! Das sind unsere Volksver­treter! Dafür erhalten sie Tagegelder aus un­seren Steuern. Wenn das dieWürde der Ra­tion" ist, dann können wir uns begraben lassen. Man braucht sich danach nicht zu wundern, wenn die Straßenkundgebungen zu Plün­derungen und Gewalttaten a u s a r t e n. Armes, deutsches Volk!

Was ist es denn, das zu solchen Ausschreitun­gen führt? Da streitet man sich herum, ob ein Sondergesetz geschaffen werden soll, das die Mtt- gliederder Regierung schützt und den Be­stand der republikanischen Staats­form gewährleistet. Der Gesetzentwurf sieht weitgehende Verbote und Strafen vor, die un­zweifelhaft die Angriffe auf die Republik sehr einschränken würden. Das Bedenkliche, das dem Entwurf durch den unvorsichtigen Ausspruch des Reichsjnstizministers Radbruch anbastete, wonach die Verbote nur gegen rechts gerichtet seien, be­seitigte Herr Radbruch jetzt durch eine Erklärung, daß das Gesetz nicht nur gegen rechts, sondern auch gegen links anoewendet werde. Auch die Zentrumspartei hat bei der Beratung beantragt, das Gesetz nach dem Grundsatzgleiches Recht kür alle" nach rechts wie nach links anznwenden. Daß eine solche Aenderung den Widerspruch der Linken Hervorrufen würde, war zu erwarten. Ihre Dienstags-Kundgebungen waren ja daraus gerichtet, sogar eine Verschärfung des Gesetze? zu fordern. Wer weiß, was nun kommen wird? Es ist von juristischer Seite nebenbei geltend ge­macht worden, daß anstelle eines Sondergesetzes auch ein gangbarer Weg wäre, schärfere Straf- bestinrmungen in das Strafgesetzbuch einzufügen. Wie dem auch sei. Irgend ein Schutz ist not­wendig, das Gesetz ist in Beratung und soll rasch vollendet sein, um sehr bald wirksam zu werden. Während die Deutschnationalen es ablehnen, sind Deutsche Volkspartei. Demokraten und Zentrum bereit, es mit gewissen Aenderungen anzuneh­men. Dagegen beantragen die Sozialdemokra­ten mindestens die Annahme des Entwurfs, möglichst aber mit Verschärftlngen. Die Unabbän- fligen und Kommunisten wollen, wenn nicht ihre Forderungen erfüllt werden, das Gesetz zu Fall bringen und auf die Reichstagsauf- l ö s u n g hinarbeiten. Nach alledem ist es heute roch ein Rätsel, wie das Gesetz schließlich aus- schen wird.

Was aber wird werden, wenn der zweitgrößte deutsche Bundesstaat, Bayern, das Gesetz nicht zur Ausfiihrung bringen wird? Wir wissen, daß die bayrische Regierung dagegen protestiert hat. Außerdem haben die preußischen Provin­zen Ost- und Westpreußen, Pommern, Nteder-

und Oberschlesien, Schleswig-Holstein, Branden­burg und Hessen-Nassau Einspruch erhoben. Bei den genannten Provinzen hat dies nur theore­tische Bedeutung, denn sie müßten sich der Ent­scheidung Preußens fügen. Kommt das Gesetz zustande, dann ist es ja für das ganze Reich gül­tig. Von größtem Ernst ist dann aber Bayerns Haftung. Wie würde sich die künftige Entwicklung gestalten, wenn in Bayern das Gesetz nur auf dem Papier stände? Wo bliebe da die Einheit des Reiches? Im Hinblick aus diesen möglichen Zwiespalt hat die bayrisck/e Regierung sich vor- belmften, daß die Landeshoheit nicht so, wie es das Gesetz mit sich bringe, geschmälert werden dürfe, hat aber dach den Grundsatz aufgestellt: Bayern im Reich und für das Reich! Obwohl München in vielen Dingen in scharfem Gegensatz zu Berlin steht, muß man doch an­nehmen, daß Bayern fest zum Reiche hält. Wenn die französischen Machenschaften, wie sie jetzt durch den Leoprechting-Prozeß enthüllt worden sind, es nicht vermocht hälfen, den deutschen Sü­den vom Norden loszureißen, wird auch in Zu­kunft keine äußere Macht dazu imstande fein. Soll es nun durch inneren Bruderkamps zu ge­fährlichen Reibungen kommen? Möchten doch alle Beteiligten bedenken, was auf dem Spiele steht. Draußen steht der.F e i n d und wartet auf die Gelegenheit, über das deutsche Volk, wenn cs politisch und wirtschaftlich zerrüftet ist, her­zufallen! Man beachte das Warnungs­zeichen: ein Dollar über fünfhundert Mark!! K. F. D.

Besorgnisse um die Mark.

Die Wiedergutmachung ist fraglich.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 8. Juli.

Die neue Markkatafirophe wird in parlamen­tarischen Kreisen sehr ernst beurteilt. Man weist darauf hin, daß unter diesen Umständen die nächsten Reparationszahlungen kaum werden aufgebracht werden kännen Die Reser- oen der Reichsbank an Devisen, die fr t Beginn der Reparationszahlungen nicht bedeutend fein konnten, sind so stark durch den Marksturz in An­spruch genommen und cS ist bei dem jetzigen Kursstand so schwierig, neue Devisen z,i be­schaffen, daß selbst wenn die Iul'znhlmia voll geleistet werden kann, es bei der A u g n st z a b- l u n g fraglich wird, ob die Miitei noch auf­gebracht werden können. Austerft-m aber er* fchüttert die Markkatastrophe alle bisiöeitgw Fi- nanzplSne; die Balanzierunq des Etats wird unmöglich und alle Steuerpläne uav Sparmaß. nflfmttn der Reichsrcgierung w-rden dadurch illvivr sch. Auch in Kreisen des Gr-rontickom'- tres krobachftt n.an die Bewezi G de- Mark mi> großer Besorgnis und erken ck an daß da- reue Sn, wierigkei e t fti de: Fi­nanzlage der Regierung erstehen könnten.

Snkllanv ist beunruhigt.

London, 8. Juli. (Eigene Drahtmeldung.s Nach einem Bericht aus Finanzkreisen verfolat man in England das rapide Sinfen deS Mark- knrses mit großer Beunruhigung. Ein englischer Kabinettsrat bat sich bereits mit dieser Frage befaßt. Angesickfts der drohenden Gefahr für ganz Europa sei die englische Regie­rung in der Frage der Wiedergutmachung und der Anwendung des Vertrags von Berkailles .wohl »u Zugeständnissen bereit. Llond George äußerte sich, daß niemanb an die Möglichkeit deS Marksturzes ans 2000 Mark für das Bfund Ster­ling mit Aussicht auf eine weitere Entwertung gedacht habe. Diese Behauptung ist unrichtig, denn angesehene englische Dolkswirtschastler ha­ben solchen Fall als eine sichere Folge der alliier- ttn Reparationsvolitik bestimmt prophezeit. Der Schatzkanzler erklärte im Unterbause, er kmltc DeutMand heute nicht mehr für zahlungsfähig

Auch Frankreich wird betroffen.

Paris, 8. Juli. (Eigene Trahtmeldung.s Die Befürchtung der hiesigen Finanzkreise, daß auchder Franein den neuen Mark stürz mitaerifsen werde, scheint sich überraschend schnell ?.u erfüllen. Das englische Pkund ist ge­stern um fast zwei Franc, von 54,72 auf 56.58, der Dollar von 12,26 auf 12,65 gestieaen. Die sehr beträchtlichen Kündigungen enolischer und amerikanischer Guthaben bei den Pariser Banken lasten einen weiteren Rückgang des Franckurfes befürchten. Trotzdem glaubt man nicht, daß Frankreich zu einer milderen Behandlung Deutschlands bereit fein wird.

Welters Ausschreitungen.

Empörende lleberfälle in Halle.

(Privat-Telearamm.f

Halle (Saale), 8. Juli.

In der Rächt wurde an der Alten Promenade ein Mitglied des VereinsStahlhelm" von jun­

gen Burschen überfallen und geschlagen. Auch zwei andere Personen, die sich später als Schuvo-Beamte legitimierten, wurden augerem- velt. Im Verlaufe des Streites fielen Schüsse. Eine Untersuchung der Revolver der Beamten ergab aber, daß sie nicht geschossen hatten. Ein zweiter sehr ernster Ueberfall ereignete sich in der Hardenbergstratze. Zwei junge Burschen über­fielen einen Lehrer, der mit seiner Schul­klasse nach dem Bahnhof ging und rissen ihm dasStahlhelm"-Abzcichen ab. Ehe sich der Leh­rer zur Wehr fetzen konnte, erhielt er Stock- s ch l ä g e aus den Kopf, auch wurde er mit einem M e f f e r bearbeitet. Schwer blutend mutzte er nach der Klinik geschafft werden.

Die Folgen der Dienstag-Kundgebungen'

Berlin, 8. Juli. (Privattelegramm.) Die Tageszeitung" meldet: Nach einer Zufammen- stellung der Berichte über die Vorgänge im Reiche anläßlich der Dienstag-Demonstrationen zum Sckyrtze der Republik' sind insgesamt sechsutssdfünfzig Personen getötet und vierhundert schwer verwundet worden. Im Zwickauer Revier sind allein fünf­zehn Tote und viernndzwanzig Verwundete, in Voelpke bei Magdeburg sieben Tote und vierund- zwanzig Verwundete festgestellt worden.

Die Regierungs-Umbildung

Biirgerblock gegen die Linke?

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 8. Juli.

DerVorwärts" schreibt unter anderem zum Briefweckffel zwischen den Fraktionsvorständen der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten über die Regierungsumbildung: Da die Sozialdemokraten und die Unabhängigen nicht daran denken, die Partei des Herrn Strefe- mann in die Koalition aufzunehmen, handelt es sich bei diesem ganzen Briefwechsel um nichts an­deres als um ein politisches Luftgeschäst. Tie Rote Fahne" schreibt: Die Deutsche Volkspartei ist bereit, in die Regierung einzutreten und be­absichtigt hiermit, einen Bnrgerblock gegen die geschlossene Front der Linken zu stellen.

O

Fraktlons-DespreHungen.

Berlin, 8. Juki. (Privattelegramm) Buch im Laufe des Freitags fanden feine interfraktio­nellen Besprechungen über die Regierungs­umbildung statt. Erst heute vormittag wollten die Koalitionsparteien unter dem Vorsitz des Kanzlers zu einer Besprechung zusammentreten, in der unter anderem das Regierungsproblem eingehend besprochen werden wird. Die Reichs­regierung ist über die Auffassung der Soziak- demokralie gegenüber einer Regierungserweite­rung nach rechts bereits unterrichtet worden.

Bayern und das Reich.

Bayern besteht auf der Landeshoheit.

(Privat-Telegramm.)

München, 8. Juli.

Von zuständiger bayerischer Seite wird ge­meldet, daß der in der vorgestrigen Reichstags- fitzung vom sozialdemokratischen Reichstagsab­geordneten Bogel erwähnte Erlaß des baye­rischen Ministers Dr. Schwener, wonach ein Ersuchen des Oberreichsanwaltes um Verhaf­tungen in Bayern zunächst dem bayrischen Mi­nister des Innern vorzulegen ist und von dort entsprechende Weisungen abzuwarten sind, tat­sächlich bestehe. Einen ähnlichen Erlaß hat auch das preußische Justizministerium herausgegeben. Darin ist aber keine Sabotiernng der Verord­nung des Reichspräsidenten zu erblicken. Das beweist die Tatsache, daß ein Ersuchen des Oberreichsanwaltes um Verhaftung einer Reihe angeblich der Organisation C angehörenden Münchener Studenten zunäcksst von der zustän­digen bayerischen Behörde Vorgelegen habe und von dott sofort in bejahendem Sinne erle­digt wurde, sodaß die Verhaftung ohne jede Ge­fährdung alsbald vor sich ging.

Die bayerische MMeipartel.

Nkünchen, 8. Juli. (Privattelegramm.) In Augsburg fand eine Zusammenkunft der Ar­beitsgemeinschaft für SMvaben der bayerischen Mittelpartei statt. Es kam einmütig die lieber« zeuqnng zum Ausdruck, daß ein Auf zwin­ge n des verfassungswidrigen Ausnahme­gesetzes bei der erbitterten Stimmung des bayerischen Volkes unabsehbare Folgen auslösen würde und bat* dem Lande eine schwe­re Erbitterung nur erspart bleiben könne, wenn die bayerische Regierung gegenüber dem Berliner Druck fest aus dem eingenommenen Standpunkt auch in Zmunst vrharttz.

Neue deutsche Schiffe-

Personen- und Frachtdampfer.

Cin etfteuUtticT Ausblick, trotz aller Wirtschaft» lichen Not, ist die Arbeit der dcutsttzcll Schiff- sahrts-G-sellschaften, die durch Reudaulen und eurDerbindungen mit fremdenLündernDeutsch. land wieder in den internationalen Verkehr ein, führe». Mast schreibt uns dariiber Folgendes» Um den veränderten Verhältnissen der Nach­kriegszeit Rechnung zu tragen, hatte die Ham- burgMmerika-Linie einen ganz neuen Schlffstyp in ihr Bauprogramm ausgenom­men; es sind dies die Dampfer der Länderflaffe Bayern",Württemberg" undBa- d e n". Mehr denn je mußte beim Wioderauf- bau der Handelsflotte auf Wirtschaftlichkeit ge­achtet werden, um sich einerseits nach der Aus­lieferung der Handelsflotte vor weiteren Verlu­sten zu schützen, andererseits die Beförderung von Passagieren möglichst billig zu gestatten. Daneben wurde aber doch angestrebt, den einfa­chen Fahrgästen ein Höchstmaß von Annehm­lichkeit zu bieten; und so entstanden die Spezialschiffe für die Beförderung von Passa­gieren dritter Klaffe,Bayern",Württemberg" undBaden", die eine ganz neuartige Form der Verbindung von Personen- und Frachtenbe- sörderung darstellen. Nur die unteren Raum- teile des Schisses sind für Frachtgüter be­stimmt; die oberen Räume dagegen tragen Einrichtungen für die Beförderung von

Fahrgästen dritter Klaffe.

Und damit ist etwas ganz Neues geschaffen worden, eine Einrichtung, die den Forderungen des neuzeitlichen Verkehrs in geradezu Vorbild- kicher Weise Rechnung trägt. T.e Dampfer Bayern",Württemberg" undBaden" sind auf der Vulkan-Werst in Bremen-Vegesack er­baut worden. Es sind stattliche Dampfer von 142 Meter Länge, 10 Meter Tiefe und 17 Meter Breite. Die Tragfähigkeit beträgt zwölftausend Tonnen, der Bruttoraumgehallt neuntausend Tonnen. Dan Antrieb erhalten die Schisse durch Dreifach-Etzpansionsmaschinen. mit denen sie eine Fahrgeschwindigknit von etwa zwölf See­meilen iy der Stunde zu erreichen vermögen. Vollbesetzt vermögen sie stebenhundertachtund- sechzig Passagiere in der dritten Klaffe zu befördern, davon die weitaus größte .Zahl in Kammern Außerdem können noch zwöbf Ka- jütspassagiere Ausnahme sinken. Für sie ist ein kleiner Teil des Promenadendecks Vor­behalten. Das Essen können diese Fahrgäste am Kapitänsttsch, in einem besonderen Speisesaal, einnehmen. Weil nun jeder überflüssige Luxus auf den SchiffenBayern",Württemberg" und Vaden" airsgeschattet wurde, können fast ach Passagiere der dritten Klaffe

in luftigen Kammern untevgebracht werden. Es sind größere und kleinere Räume für zwei, vier oder fechs Perso­nen eingebaut worden, sodaß für Familien die Möglichkeit besteht, während der Ueberfahrt zu­sammen in einer Kammer untergebracht zu wer­den, was bei der früheren Beförderung im Zwi­schendeck, d. h. in Massenräumen, nicht möglich war. Die Kammern der dritten Klasse sind hell und sauber und mit einer bequemen Waschge- legeicheit versehen. Außerdem aber befinden sich an Bord noch eine Barbierstube und Branse- und Wannenbaderäume, in genügender Anzahl, so daß die Reifenden in der dritten Klasse für einen geringen Neberfahrtspreis auch hygienifch auf das beste versorgt sind. Und weiter: Ge­sellschaftsräume. wie sie die erste und zweite Klasse auf den Kajütspaffagierschiffen ha­ben, sollen in einfacherer, zweckentsprechenderer Form auf .Bayern",Württemberg" undBa­den" den Reisenden der dritten Klaffe zur Ver­fügung gestellt werden. Und es ist möglich ge­worden, auf diesen Schiffen für den Reisenden der dritten Klasse neben Kammern auch Gesell- schastsräume einzurichten, die mit einfachen Mtteln den Aufenthalt während der Ueberfahrt denkbar angenehm zu gestalten vermögen. So befinden sich an Bord große Speisesäle, in denen an feftftebenben Tafeln das Essen von Steivards ferbiert wird. Die Räume sind ge- srtznockvoll eingerichtet, und für die so wichtige Frage der guten und reichlichen Verpflegung wird vortrefflich geforgt. Außerdem aber sind noch weitere Gefellfchastsräume, ein Damen« und ein Rauchzimmer zur gemeinsamen Benutzung für den geselligen Verkehr vorhan­den. Eine reichhaltige Bibliothek liefert Lesestoff und eine Bordkavelle sorgt für mnfikalifche Unterhaltung: Erholung in frischer Seeluft finde» die Reifenden auf den geräumi­gen und breit- n Promenadendecks, und zur grö- ßenren Behaglichkeit find auch noch eine Anzahl Deckstühle vorhanden, die gegen eine Gebühr für die Dauer der ganzen Ueberfahrt gemiete werden können.

Für die Sicherheit

auf den Schiffen, die alle der Höchstflasse beS Germanischen Lloyd angehören, sind die neue­sten und vollkommendsten technischen Einnchturs'