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Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 158.
Fernsprecher 951 und 952
Sonntag, 9» Juli 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Die Wirkung des Marksiurzes.
Auf einem Vulkan.
Die Erschütterungen im Reiche.
Deutschland gleicht einem Vulkan, in dessen Innerem wilde Glut und Gärung tobt, als kenne jeden Augenblick eine Explosion erfolgen Alan vergegenwärtige sich nur einmal die wüsten Szenen in den Parlamenten, wo sich die beiden Gruppen der äußersten Linken und Rechten als erbitterte Feinde befehden. Mußte es denn so, weit kommen, daß alles Gefühl für Anstand und gute Sitte mit Füßen getreten wird? Was man einist als „parlamentarische Sitte" bezeichnete klingt wie ein Märchen aus früherer Zeit. Da- nials war der parlamentarische Brauch ein Maßstab für den guten Ton. Wenn ein Abgeordneter sich nur einen kränkenden Zuruf zuschulden kommen ließ, wurde er zur Ordnung gerufen Lärmende Störungen gab es ja auch dann und wann, aber doch selten und immer in den Grenzen, daß die Autorität des Präsidenten noch geachtet wurde, der alsbald die Ruhe wiederherzustellen vermochte. Heute aber? — Fast täglich ertönen Zuruse, die im gewöhnlichen Leden unter den Paragraphen grober Beleidigung und Verleumdung fallen und nach dem Strafgesetzbuch streng gesühnt werden. Andere Zeiten, andere Sitten. Schimpfworte wie „Verräter", „Schuft", „Halunke", „Mörder" sind schon ge- wohnheitsniäßige Ausdrücke, und wenn der Präsident des Hauses einen Ordnungsruf zu erteilen wagt, schallt ihm selbst eine Beleidigung entgegen. Aber neuerdings begnügen sich die Herren Abgeordneten nicht mehr mit Schimpf- Mworten. Wo der Geist fehlt, da wallet die rohe F a u st. Daß kürzlich ein Redner sich erlaubte, die vor dem Rednerpult stehenden, ihm widersprechenden Abgeordneten mit Wasser zu begießen, konnte man noch als plumpen Scherz auffassen im Vergleich zu dem Benehmen, das in den letzten Freitagssitzungen gezeigt wurde. Ließ man es im Reichstage noch bei Lärmszenen, die einem Jndianergeheul gleichkamen, bewenden, so ging man im preußischen Landtag zu Tätlichkeiten über. Man glaubte wohl, ein Manöver mit Artillerievorbereitung und Sturm- angriff vorführen zu müssen. Zunächst flog dem deutschnationalen Redner von den Gegnern ein Aktenbündel an den Kopf, worauf er von einer Sturmkolonne verprügelt wurde. Es entstand ein allgemeines Handgemenge! Die Sitzung wurde unterbrochen, und war nicht möglich, die Beratungen an diesem Tage fortzufetzen! — Das sind unsere Volksvertreter! Dafür erhalten sie Tagegelder aus unseren Steuern. Wenn das die „Würde der Ration" ist, dann können wir uns begraben lassen. Man braucht sich danach nicht zu wundern, wenn die Straßenkundgebungen zu Plünderungen und Gewalttaten a u s a r t e n. Armes, deutsches Volk!
Was ist es denn, das zu solchen Ausschreitungen führt? Da streitet man sich herum, ob ein Sondergesetz geschaffen werden soll, das die Mtt- gliederder Regierung schützt und den Bestand der republikanischen Staatsform gewährleistet. Der Gesetzentwurf sieht weitgehende Verbote und Strafen vor, die unzweifelhaft die Angriffe auf die Republik sehr einschränken würden. Das Bedenkliche, das dem Entwurf durch den unvorsichtigen Ausspruch des Reichsjnstizministers Radbruch anbastete, wonach die Verbote nur gegen rechts gerichtet seien, beseitigte Herr Radbruch jetzt durch eine Erklärung, daß das Gesetz nicht nur gegen rechts, sondern auch gegen links anoewendet werde. Auch die Zentrumspartei hat bei der Beratung beantragt, das Gesetz nach dem Grundsatz „gleiches Recht kür alle" nach rechts wie nach links anznwenden. Daß eine solche Aenderung den Widerspruch der Linken Hervorrufen würde, war zu erwarten. Ihre Dienstags-Kundgebungen waren ja daraus gerichtet, sogar eine Verschärfung des Gesetze? zu fordern. Wer weiß, was nun kommen wird? Es ist von juristischer Seite nebenbei geltend gemacht worden, daß anstelle eines Sondergesetzes auch ein gangbarer Weg wäre, schärfere Straf- bestinrmungen in das Strafgesetzbuch einzufügen. Wie dem auch sei. Irgend ein Schutz ist notwendig, das Gesetz ist in Beratung und soll rasch vollendet sein, um sehr bald wirksam zu werden. Während die Deutschnationalen es ablehnen, sind Deutsche Volkspartei. Demokraten und Zentrum bereit, es mit gewissen Aenderungen anzunehmen. Dagegen beantragen die Sozialdemokraten mindestens die Annahme des Entwurfs, möglichst aber mit Verschärftlngen. Die Unabbän- fligen und Kommunisten wollen, wenn nicht ihre Forderungen erfüllt werden, das Gesetz zu Fall bringen und auf die Reichstagsauf- l ö s u n g hinarbeiten. Nach alledem ist es heute roch ein Rätsel, wie das Gesetz schließlich aus- schen wird.
Was aber wird werden, wenn der zweitgrößte deutsche Bundesstaat, Bayern, das Gesetz nicht zur Ausfiihrung bringen wird? Wir wissen, daß die bayrische Regierung dagegen protestiert hat. Außerdem haben die preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Nteder-
und Oberschlesien, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hessen-Nassau Einspruch erhoben. Bei den genannten Provinzen hat dies nur theoretische Bedeutung, denn sie müßten sich der Entscheidung Preußens fügen. Kommt das Gesetz zustande, dann ist es ja für das ganze Reich gültig. Von größtem Ernst ist dann aber Bayerns Haftung. Wie würde sich die künftige Entwicklung gestalten, wenn in Bayern das Gesetz nur auf dem Papier stände? Wo bliebe da die Einheit des Reiches? Im Hinblick aus diesen möglichen Zwiespalt hat die bayrisck/e Regierung sich vor- belmften, daß die Landeshoheit nicht so, wie es das Gesetz mit sich bringe, geschmälert werden dürfe, hat aber dach den Grundsatz aufgestellt: Bayern im Reich und für das Reich! Obwohl München in vielen Dingen in scharfem Gegensatz zu Berlin steht, muß man doch annehmen, daß Bayern fest zum Reiche hält. Wenn die französischen Machenschaften, wie sie jetzt durch den Leoprechting-Prozeß enthüllt worden sind, es nicht vermocht hälfen, den deutschen Süden vom Norden loszureißen, wird auch in Zukunft keine äußere Macht dazu imstande fein. Soll es nun durch inneren Bruderkamps zu gefährlichen Reibungen kommen? Möchten doch alle Beteiligten bedenken, was auf dem Spiele steht. Draußen steht der.F e i n d und wartet auf die Gelegenheit, über das deutsche Volk, wenn cs politisch und wirtschaftlich zerrüftet ist, herzufallen! Man beachte das Warnungszeichen: ein Dollar über fünfhundert Mark!! K. F. D.
Besorgnisse um die Mark.
Die Wiedergutmachung ist fraglich.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 8. Juli.
Die neue Markkatafirophe wird in parlamentarischen Kreisen sehr ernst beurteilt. Man weist darauf hin, daß unter diesen Umständen die nächsten Reparationszahlungen kaum werden aufgebracht werden kännen Die Reser- oen der Reichsbank an Devisen, die fr t Beginn der Reparationszahlungen nicht bedeutend fein konnten, sind so stark durch den Marksturz in Anspruch genommen und cS ist bei dem jetzigen Kursstand so schwierig, neue Devisen z,i beschaffen, daß selbst wenn die Iul'znhlmia voll geleistet werden kann, es bei der A u g n st z a b- l u n g fraglich wird, ob die Miitei noch aufgebracht werden können. Austerft-m aber er* fchüttert die Markkatastrophe alle bisiöeitgw Fi- nanzplSne; die Balanzierunq des Etats wird unmöglich und alle Steuerpläne uav Sparmaß. nflfmttn der Reichsrcgierung w-rden dadurch illvivr sch. Auch in Kreisen des Gr-rontickom'- tres krobachftt n.an die Bewezi G de- Mark mi> großer Besorgnis und erken ck an daß da- reue Sn, wierigkei e t fti de: Finanzlage der Regierung erstehen könnten.
Snkllanv ist beunruhigt.
London, 8. Juli. (Eigene Drahtmeldung.s Nach einem Bericht aus Finanzkreisen verfolat man in England das rapide Sinfen deS Mark- knrses mit großer Beunruhigung. Ein englischer Kabinettsrat bat sich bereits mit dieser Frage befaßt. Angesickfts der drohenden Gefahr für ganz Europa sei die englische Regierung in der Frage der Wiedergutmachung und der Anwendung des Vertrags von Berkailles .wohl »u Zugeständnissen bereit. Llond George äußerte sich, daß niemanb an die Möglichkeit deS Marksturzes ans 2000 Mark für das Bfund Sterling mit Aussicht auf eine weitere Entwertung gedacht habe. — Diese Behauptung ist unrichtig, denn angesehene englische Dolkswirtschastler haben solchen Fall als eine sichere Folge der alliier- ttn Reparationsvolitik bestimmt prophezeit. Der Schatzkanzler erklärte im Unterbause, er kmltc DeutMand heute nicht mehr für zahlungsfähig
Auch Frankreich wird betroffen.
Paris, 8. Juli. (Eigene Trahtmeldung.s Die Befürchtung der hiesigen Finanzkreise, daß auchder Franein den neuen Mark stürz mitaerifsen werde, scheint sich überraschend schnell ?.u erfüllen. Das englische Pkund ist gestern um fast zwei Franc, von 54,72 auf 56.58, der Dollar von 12,26 auf 12,65 gestieaen. Die sehr beträchtlichen Kündigungen enolischer und amerikanischer Guthaben bei den Pariser Banken lasten einen weiteren Rückgang des Franckurfes befürchten. Trotzdem glaubt man nicht, daß Frankreich zu einer milderen Behandlung Deutschlands bereit fein wird.
Welters Ausschreitungen.
Empörende lleberfälle in Halle.
(Privat-Telearamm.f
Halle (Saale), 8. Juli.
In der Rächt wurde an der Alten Promenade ein Mitglied des Vereins „Stahlhelm" von jun
gen Burschen überfallen und geschlagen. Auch zwei andere Personen, die sich später als Schuvo-Beamte legitimierten, wurden augerem- velt. Im Verlaufe des Streites fielen Schüsse. Eine Untersuchung der Revolver der Beamten ergab aber, daß sie nicht geschossen hatten. — Ein zweiter sehr ernster Ueberfall ereignete sich in der Hardenbergstratze. Zwei junge Burschen überfielen einen Lehrer, der mit seiner Schulklasse nach dem Bahnhof ging und rissen ihm das „Stahlhelm"-Abzcichen ab. Ehe sich der Lehrer zur Wehr fetzen konnte, erhielt er Stock- s ch l ä g e aus den Kopf, auch wurde er mit einem M e f f e r bearbeitet. Schwer blutend mutzte er nach der Klinik geschafft werden.
Die Folgen der Dienstag-Kundgebungen'
Berlin, 8. Juli. (Privattelegramm.) Die „Tageszeitung" meldet: Nach einer Zufammen- stellung der Berichte über die Vorgänge im Reiche anläßlich der Dienstag-Demonstrationen „zum Sckyrtze der Republik' sind insgesamt sechsutssdfünfzig Personen getötet und vierhundert schwer verwundet worden. Im Zwickauer Revier sind allein fünfzehn Tote und viernndzwanzig Verwundete, in Voelpke bei Magdeburg sieben Tote und vierund- zwanzig Verwundete festgestellt worden.
Die Regierungs-Umbildung
Biirgerblock gegen die Linke?
(Privat-Telegramm.)
Berlin. 8. Juli.
Der „Vorwärts" schreibt unter anderem zum Briefweckffel zwischen den Fraktionsvorständen der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten über die Regierungsumbildung: Da die Sozialdemokraten und die Unabhängigen nicht daran denken, die Partei des Herrn Strefe- mann in die Koalition aufzunehmen, handelt es sich bei diesem ganzen Briefwechsel um nichts anderes als um ein politisches Luftgeschäst. Tie „Rote Fahne" schreibt: Die Deutsche Volkspartei ist bereit, in die Regierung einzutreten und beabsichtigt hiermit, einen Bnrgerblock gegen die geschlossene Front der Linken zu stellen.
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Fraktlons-DespreHungen.
Berlin, 8. Juki. (Privattelegramm) Buch im Laufe des Freitags fanden feine interfraktionellen Besprechungen über die Regierungsumbildung statt. Erst heute vormittag wollten die Koalitionsparteien unter dem Vorsitz des Kanzlers zu einer Besprechung zusammentreten, in der unter anderem das Regierungsproblem eingehend besprochen werden wird. Die Reichsregierung ist über die Auffassung der Soziak- demokralie gegenüber einer Regierungserweiterung nach rechts bereits unterrichtet worden.
Bayern und das Reich.
Bayern besteht auf der Landeshoheit.
(Privat-Telegramm.)
München, 8. Juli.
Von zuständiger bayerischer Seite wird gemeldet, daß der in der vorgestrigen Reichstags- fitzung vom sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Bogel erwähnte Erlaß des bayerischen Ministers Dr. Schwener, wonach ein Ersuchen des Oberreichsanwaltes um Verhaftungen in Bayern zunächst dem bayrischen Minister des Innern vorzulegen ist und von dort entsprechende Weisungen abzuwarten sind, tatsächlich bestehe. Einen ähnlichen Erlaß hat auch das preußische Justizministerium herausgegeben. Darin ist aber keine Sabotiernng der Verordnung des Reichspräsidenten zu erblicken. Das beweist die Tatsache, daß ein Ersuchen des Oberreichsanwaltes um Verhaftung einer Reihe angeblich der Organisation C angehörenden Münchener Studenten zunäcksst von der zuständigen bayerischen Behörde Vorgelegen habe und von dott sofort in bejahendem Sinne erledigt wurde, sodaß die Verhaftung ohne jede Gefährdung alsbald vor sich ging.
Die bayerische MMeipartel.
Nkünchen, 8. Juli. (Privattelegramm.) In Augsburg fand eine Zusammenkunft der Arbeitsgemeinschaft für SMvaben der bayerischen Mittelpartei statt. Es kam einmütig die lieber« zeuqnng zum Ausdruck, daß ein Auf zwinge n des verfassungswidrigen Ausnahmegesetzes bei der erbitterten Stimmung des bayerischen Volkes unabsehbare Folgen auslösen würde und bat* dem Lande eine schwere Erbitterung nur erspart bleiben könne, wenn die bayerische Regierung gegenüber dem Berliner Druck fest aus dem eingenommenen Standpunkt auch in Zmunst vrharttz.
Neue deutsche Schiffe-
Personen- und Frachtdampfer.
Cin etfteuUtticT Ausblick, trotz aller Wirtschaft» lichen Not, ist die Arbeit der dcutsttzcll Schiff- sahrts-G-sellschaften, die durch Reudaulen und „eurDerbindungen mit fremdenLündernDeutsch. land wieder in den internationalen Verkehr ein, führe». Mast schreibt uns dariiber Folgendes» Um den veränderten Verhältnissen der Nachkriegszeit Rechnung zu tragen, hatte die Ham- burgMmerika-Linie einen ganz neuen Schlffstyp in ihr Bauprogramm ausgenommen; es sind dies die Dampfer der Länderflaffe „Bayern", „Württemberg" und „Ba- d e n". Mehr denn je mußte beim Wioderauf- bau der Handelsflotte auf Wirtschaftlichkeit geachtet werden, um sich einerseits nach der Auslieferung der Handelsflotte vor weiteren Verlusten zu schützen, andererseits die Beförderung von Passagieren möglichst billig zu gestatten. Daneben wurde aber doch angestrebt, den einfachen Fahrgästen ein Höchstmaß von Annehmlichkeit zu bieten; und so entstanden die Spezialschiffe für die Beförderung von Passagieren dritter Klaffe, „Bayern", „Württemberg" und „Baden", die eine ganz neuartige Form der Verbindung von Personen- und Frachtenbe- sörderung darstellen. Nur die unteren Raum- teile des Schisses sind für Frachtgüter bestimmt; die oberen Räume dagegen tragen Einrichtungen für die Beförderung von
Fahrgästen dritter Klaffe.
Und damit ist etwas ganz Neues geschaffen worden, eine Einrichtung, die den Forderungen des neuzeitlichen Verkehrs in geradezu Vorbild- kicher Weise Rechnung trägt. T.e Dampfer „Bayern", „Württemberg" und „Baden" sind auf der Vulkan-Werst in Bremen-Vegesack erbaut worden. Es sind stattliche Dampfer von 142 Meter Länge, 10 Meter Tiefe und 17 Meter Breite. Die Tragfähigkeit beträgt zwölftausend Tonnen, der Bruttoraumgehallt neuntausend Tonnen. Dan Antrieb erhalten die Schisse durch Dreifach-Etzpansionsmaschinen. mit denen sie eine Fahrgeschwindigknit von etwa zwölf Seemeilen iy der Stunde zu erreichen vermögen. Vollbesetzt vermögen sie stebenhundertachtund- sechzig Passagiere in der dritten Klaffe zu befördern, davon die weitaus größte .Zahl in Kammern Außerdem können noch zwöbf Ka- jütspassagiere Ausnahme sinken. Für sie ist ein kleiner Teil des Promenadendecks Vorbehalten. Das Essen können diese Fahrgäste am Kapitänsttsch, in einem besonderen Speisesaal, einnehmen. Weil nun jeder überflüssige Luxus auf den Schiffen „Bayern", „Württemberg" und „Vaden" airsgeschattet wurde, können fast ach Passagiere der dritten Klaffe
in luftigen Kammern untevgebracht werden. Es sind größere und kleinere Räume für zwei, vier oder fechs Personen eingebaut worden, sodaß für Familien die Möglichkeit besteht, während der Ueberfahrt zusammen in einer Kammer untergebracht zu werden, was bei der früheren Beförderung im Zwischendeck, d. h. in Massenräumen, nicht möglich war. Die Kammern der dritten Klasse sind hell und sauber und mit einer bequemen Waschge- legeicheit versehen. Außerdem aber befinden sich an Bord noch eine Barbierstube und Branse- und Wannenbaderäume, in genügender Anzahl, so daß die Reifenden in der dritten Klasse für einen geringen Neberfahrtspreis auch hygienifch auf das beste versorgt sind. Und weiter: Gesellschaftsräume. wie sie die erste und zweite Klasse auf den Kajütspaffagierschiffen haben, sollen in einfacherer, zweckentsprechenderer Form auf .Bayern", „Württemberg" und „Baden" den Reisenden der dritten Klaffe zur Verfügung gestellt werden. Und es ist möglich geworden, auf diesen Schiffen für den Reisenden der dritten Klasse neben Kammern auch Gesell- schastsräume einzurichten, die mit einfachen Mtteln den Aufenthalt während der Ueberfahrt denkbar angenehm zu gestalten vermögen. So befinden sich an Bord große Speisesäle, in denen an feftftebenben Tafeln das Essen von Steivards ferbiert wird. Die Räume sind ge- srtznockvoll eingerichtet, und für die so wichtige Frage der guten und reichlichen Verpflegung wird vortrefflich geforgt. Außerdem aber sind noch weitere Gefellfchastsräume, ein Damen« und ein Rauchzimmer zur gemeinsamen Benutzung für den geselligen Verkehr vorhanden. Eine reichhaltige Bibliothek liefert Lesestoff und eine Bordkavelle sorgt für mnfikalifche Unterhaltung: Erholung in frischer Seeluft finde» die Reifenden auf den geräumigen und breit- n Promenadendecks, und zur grö- ßenren Behaglichkeit find auch noch eine Anzahl Deckstühle vorhanden, die gegen eine Gebühr für die Dauer der ganzen Ueberfahrt gemiete werden können.
Für die Sicherheit
auf den Schiffen, die alle der Höchstflasse beS Germanischen Lloyd angehören, sind die neuesten und vollkommendsten technischen Einnchturs'