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Meier Neueste Nachrichte

Kasseler Abendzeitung Hesstsche Abendzeitung

Nummer 160.

Mittwoch, 12. Juli 1922.

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12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Beratungen über den Zahlungsaufschub.

Der Dollar.

Wohin finkt die dentsche Mark?

Die entsetzliche Entwertung der Mark zeigt tkns den ganzen finanziellen Notstand Deutschlands. Natürlich spielen auch politische Griinde mit. Sank die Mark schon infolge der Ermordung des Außenministers Rathenau, so eilte sie erst recht ihrem Untergang zu, als der politische Bruderkampf im Volke entstand. Die Politik der Straße mit ihren Ausschreitungen, die wüsten Szenen in den Parlamenten, die un­gewisse Regierungs-Umbildung und die mögliche Reichstags-Auflösung vermindern das bißchen Vertrauen, das wir noch im Auslande genossen. Im Verlause der letzten Woche bis heute ist der Dollar, der gestern auf 530 stand, um etwa zwei­hundert Punkte gestiegen! Das ist eine bisher noch nicht dagewesene sprunghafte Bewegung. Schuld an dieser traurigen Entwicklung sind ja nicht allein die inneren Zustände in Deutschland, sondern auch das Treiben der ausländischen Spekulation. Wie ungemein gefährlich diese Lage ist, ergibt sich daraus, daß nach der Er­schütterung, die unser ganzes Wirtschafts­leben erfahren hat ist doch seit drei Wochen der Dollarstand um das Doppelte gestiegen und damit die deutsche Mark um das Doppelte in ihrem Wert gesunken alle Preiseum das Doppelte angewachsen sind. Währen- vorher wieder einmal die Hoffnung bestand, daß wir doch noch eine ausländische Anleihe erhallen könnten, ist diese Aussicht jetzt gänzlich geschwun­den. und die Reichsregierung sieht sich gezwun­gen, die alliierten Gläubiger um einen Zah­lungsaufschub zu ersuchen, da die weitere Erfüllung der Zwangsverpflichtungen eine Un­möglichkeit ist.

Gerade in diesen Tagen der fürchterlichen Dollarhausse weilt das alliierte Garantie- ko m i t e e in Berlin. Seit der Anfwärts- bcwegung des Dollars hat die Reichsdank ans ihren Devisenbeständen ganz ungeheure Mengen abgegeben, die Mr die BefchafMng der wichtigsten Lebensbedürfnisse des deutschen Volkes von außen her bestimmt waren. Das Garantie- kömitee konnte sich durch eigenen Augenschein da­von überzeugen, daß die Auffassung in der En­tente, die deutsche Regierung begünstige den Zu­sammenbruch, um sich den Verpflichtungen zu entziehen, voMommen falsch ist. Wir hüben Grund zu der Annahme, daß sich bei verschiede­nen Mitgliedern dieser Garantiekommisflon doch die Auffassungen Wer die deutsche Wirtschafts­lage zu wandeln beginnen. Die jüngste Entwick­lung, die freilich das deutsche Volk in allen sei­nen Schichten ungeheuerlich schwer beeinträchtigt, drückt aber nicht minder auf das Ausland selbst, und gerade auf diejenigen Länder, die als Gläu­biger Deutschlands das größte Interesse an einer Hebung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hätten. Wie die Dinge sich jetzt entwickelt haben, ist es ganz unmöglich, dach Deutschland die Goldzahlungen an die"Entente weiterhin leisten kann. Wenn das auch vielleicht noch für die nächste Rate von fünfzig Goldmillionrn in diesem Monat möglich ist, die bereits aufgespei- chert ist, so sieht mau doch schon heute, daß Mr die weiteren Zahlungen Deutschland tn die aller­schwerste Bedrängnis kommt. Daß die deutsche Regierung die Angelegenheit als dringend an­sieht, geht daraus hervor, daß zwei Staatssekre­täre sofort nach Paris entsandt worden such und Staatssekretär Bergmann nachreist, um mit der Wiedergutmachungskommission in Paris in di­rekte Verhandlungen einzutreten. Man kann allerdings auch bemerken, daß die Alliierten die­ser neuen Markoerschlechterung noch recht un­schlüssig gegenüber stehen.

Die Entente kann nun selbst erkennen, wie teuer auch ihrer Wirtschaft der infolge der ftan- zösifchen Haltung unglückliche Verlauf der Ge­nua-Konferenz ihr zu stehen kommt. Damals wäre es möglich gewesen, noch auf einem Dol­larstand von 250 bis 280 die Mark zu stabili­sieren. Run steht der Dollar in doppelter Höhe und die Mark ist in die doppelte Tiefe gesunken. Es ist nicht anzunehmen, daß die Wirtschaftler der Entente diese Entwicklung sich lange ansehrn. Aber auch die Spekulation wird alsbald mit ihrem Latein zu Ende sein. Es wird sich bald Herausstellen, daß es doch-rentabler ist, statt mit Devisen zu spekulieren, das Geld in Effekten anzulegen, die im Vergleich zu dem Dollarstanv bi ule vielfach noch zu ganz unverhältnismäßig geringen Preisen zu haben sind. Diese Unter« Wertung des Effektenmarktes hat ja freilich auch

ihren Grund darin, daß die Geldanspannung so ungeheuer groß ist, daß freie Mittel kaum zur VerMgung sind, wie aber auch darin, daß Mele noch auf sehr hoch erworbenen Effekten sitzen und nur auf die Gelegenheit lauern, sie mit einigem Nutzen wieder abzustoßen. Diese Erscheinungen werden gegenseitig sich die Wage halten, und zwar so, daß man sehr Wohl verstehen kann, daß die Effettenhausse einen neuen Antrieb in Gestalt einer Katastrophenhausse erfahren hat, daß aber in dem Augenblick auch diese Entwicklung zu Ende sein wird, in welchem mit dem Erwerb neuer Effekten wieder das große Risiko in die Erscheinung tritt. So ist der Dollarstand zum Fieberthermometer nicht nur für die deutsche Wirtschaft, sondern auch für die ganze deutsche Nation geworden. es.

Um den Zahlungsaufschub. Beratungen im Wiedergutmachungsausschutz (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 11. Juli.

DerTemps" meldet: Mit dem deutschen Er­füllen um Zahlungsstnndung ist bei der Repa- rations - Kommission gleichzeitig die Anzeige Deutschlands eingegangen, daß die am 15. I u l i fällige Rate von Mnfzig Millionen Goldmark bereits zur Anweisung an die Kriegslaften-Kom- mission gelangt ist. Die Reparations- Kommission tritt am Mittwoch zusam­men, um Beratungen über das neue deutsche Mo­ratorium ju führen. Neber die Aussichten des deutschen Schrittes liegen bis jetzt keine Akutze rungen von Mitgliedern der RrparattonS-Kom- mifsivu vor. In der Sitzung am Mittwoch wird man erst die deutschen Vertreter anhören.

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Befürchtung des Bankrotts.

Genf, 11. Juli. (Eigene Drahtmekdung.j Wie derCorrjere della Sera" aus Rom berich­tet. ist die tuohende Finanzlage Deutschlands in den Vechandlungen zwisll)en Schanzer und Lloyd George eingehend besprochen worden und soll auch' bei den nächsten internationalen Be- ratungen an erster Stelle stehen. In London wird die Befürchtung geäußert, daß Deutsch­land dem Bankerott entgegengehe. Infolge der Rückwirkung einer solchen Kntastrojche «ms die Eierten Länder fei eine unmittelbare Hilfe aller Länder notwendig. Ferner müßten alle Länder zusammenstehen, nm die aus einer sol­chen Katastrophe drohenden politischen Gefahren einer Vereinigung Dentfchlands mit Oesterreich oder die Bildung eines Donaustaatenbundes zu verhindern. Man habe sich eindringlich die Not­wendigkeit vor Augen geMhrt, neue Hilfsmittel zur Lösung der jetzigen Krise zu finden.

Schwierige Finanzen.

England und die deutsche Geldentwertung.

(Eigene Drahtmelbung.)

London, 11. Juli.

Im Unterhaus« kam gestern das Sinken der deutschen Mark zur Sprache. Man hegte in eini­gen Kreisen die Hoffnung, daß aus den stattfin­denden politischen Gesprächen etwas heraus­springen wird. Aus die Frage, ob die Regierung nicht einen politischen Plan entwerfen könne, «m die Reparations-Angelegenheit zu regeln, erwi­derte Lloyd George, daß weder auf ihm noch auf der englischen Regierung die Verantwortung ruhe. Die Verantwortung sei bei den verschie­denen Rattonen. Der Premierminister betonte die großen Schwierigkeiten der Reparations­frage. Er Mhrte weiter aus, die Lage werde noch dadurch ersllgvert, daß Deutschland bis zum gegenwärtigen Augenblick die Zahlungen Mr die an französischem und belgischem Eigentum be­gangenen Schäden noch nicht entrichtet habe. Lloyd George erklärte dann, daß hinsichtlich der englischen Finanzlage die Regierung nicht in der Lage fei, irgend welche Empfehlungen bezüglich des Tunnelbaues unter dem Kanal zu machen.

Zum Schutz öer Republik.

Festlegung der Neichsbeamte«.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Juli.

Die Vorlage über die Pflichten der Be­amten zum Schutze der Republik ist im Reichs­tag verteilt worden. Sie enthält u. a. folgenden Absatz im 8 10: Reichsbeamte, die in leitender, oder auSMhrender Stellung mit dem Spitze der Republik gegen Bestrebungen für Aendernng der verfassungsmäßigen republikanischen Staats- form besonders bettaut sind, haben sich auch außerhalb ihres Amtes jeder tätigen Teil­nahme an Bestrebungen zur Aendcrung der verfassungsmäßigen republikanischen Staats­form zu enthalten, auch wenn diese Be­strebungen sich im Rahmen der Reichsverfaffuna

und der Gesetze holten. Die Reichsregierunq hat diese Beamtenstellungen durch Bekanntmachung im Reichsanzeiger zu veröffentlichen. Ferner ist jeder Reichsbeamte verpflichtet, in seiner Amts­tätigkeit für die verfassungsmäßige repubUka Nische Staatsgewalt einzntrete«.

Keine Negierungsänöemng?

«iue Entspannung der Lage, (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 11. Juli.

Die sozialdemokratische Reichstags- frattivn beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, in keine Regier»ngskoalition gemein­sam mit der Deutschen Volkspartei ein« zutreten. Diese Entschließung hat zwar zu kei­ner grundsätzlichen Klärung der Lage geführt. Trotzdem ist man in parlamentarischen Kressen ziemlich allgemein der Auflassung, daß die Frage >der Regierungsumbildung durch die Entschlie­ßung der Sozialdemokraten aus dem akuten Sta­dium herausgetreten ist und daß vo r den Parla­mentsferien keine Regkerungsuntbil- d u n g mehr stattfinden wird. Die Entschließung der Sozialdemokratie spricht zwar nur von der Ablehnung des Eintrittes der Volkspartei. ES ist aber bekannt, daß die Mehrheitssozialdemo­kratie gleichzeitig auch beschlossen hat, den Ein­tritt der Unabhängigen in die Regierung Nicht zu fördern, wenn die Gesetze zum Schutze der Republik vom Reichstag vor den Parlamentsserien angenommen werden. Offi­ziell werden die Verhandlungen erst heute zu Ende gehen, wenn die bürgerlichen Parteien zu der Entfckfließung Stellung genommen haben.

Rrichsgesetzliche Feiertage.

Ein »euer Gesetzentwurf,

'Ti i,' (Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Juli.

Das Reichsmlilifierium des Innern hat dem Rcichsrat einen Gesetzentwurf zugehen las­sen, wie die Frage der Feiertage reichsgesetzlich geregelt werden soll. Als gesetzliche Feiertage des Reiches werden bestimmt: die beiden Ostertage, die beiden Pfingsttage, die beiden Weihnachtsfeiertage, der 11. August als Berfas, sungsgedenktag, in Süddeutschland der Fronleich­namstag und in Norddeutschland der Karfteitag, Der landesgesetzlichen Regelung bleibt das ReformationSfest, der Bet- und Bußtag mw der 1. Mai überlassen. Weitere Feiertage können nur durch Reichsgesetz eingeführt werden. Zu dem Verfassungsfeiertag ist aber vorgefehen, daß die Landesregierungen nach Rahmenanweisun- «en des Reiches nähere Bestimmungen zu einer ausführlichen Ausgestaltung treffen Kirnen.

Die Bergarbeiterkrije. Verhandlungen zur Verhütung des Streiks.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 11. Juli.

Angesichts der äußerst gefährlichen Situation im Ruhr-Kohlenbergbau begab sich der Reichs- arbeitsmintster Dr. Braun gestern abend nach Essen, um persönlich die schwierigen L o h n - Verhandlungen mit den Bergarbei­tern zu führe« Die Verhandlungen haben heute vormittag begonnen. Am Frettag findet in Dort­mund die Revierkonferenz der Bergleute statt, auf der zu dem Ergebnis der Verhandlun gen Stellung genommen werden wird. Ist das Ergebnis negativ, so sollen am 15. dieses Mo nats die Kündigungsschreiben den Bergwerken zugestellt werdest. Für diesen Fall ist dann mit dem Ausbruch des Streiks für Ende Juli oder die ersten Tage des Monats August zu rechnen.

Aus der MöröeesuOe.

Teils neue Spuren, teils Freilassungen. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Juli.

Die Spur der beiden flüchtigen Mörder Ratbenaus ist in der Gegend von Schwerin ermittelt worden, wo die Geflüchteten mehrfach aus Rädern gesehen worden sind. Anscheinend sind sie ohne Geldmittel, da sie mehrfach in Gutshänsern vorgcsprochen haben. Beamte des Berliner Polizeipräsidiums verfolgen im Auto die Spur der beiden Mörder. Man erwartete die Verhaftung bei Abgang dieses Berichtes stündlich. Wie jetzt mitgeteilt wird, ist Kapi­tänleutnant a. D. von Lillinger gestern aus der Hast des Berliner Polizeipräsidiums ent­lassen worden. Aus Weimar wird ge­meldet: Graf Görtz, der auf Grund einer Aenßerung über die Ermordung Rathenaus, bi» er auf der Straße einem Bekannten gegenüber getan hatte, verhaftet worden war, wurde gegen eine Kaution von 100 000 Mark freigelasscu.

Unfeit Kohlennot.

Eine deutsche Denkschrift an die Alliierte«« Da Deutsihlaird nicht mehr in der Lage ist, di« entoungenen ungeheuren «ohie-i-Lieferungen an Die Alliierten zu reiste«-, hat die «eich». Regierung, rvie gestern kurz gemeidet, um Herabsetzung der Forderung ersucht. Wir er halten darüber den narhfolge,u>en Bericht» Die von deutscher Seite ausgearbeitete Denk­schrift über die KoH-lenlage ist der Reparations- komiNtssion durch Vermittlung des ©arantictosuL. li.es zu geleitet worden. In dieser Denkschrrft wird eingehend begründet, warum die Erfüllung der deutschen ftohlenoerpflichtnngen gegenüber der Reparationskouvuriflion in letzter Zeit auf unübevivindliche Schwierigkeiten stossen mußte. Es wird darauf Hingeiviesen, daß ete Abtretung Oberschlesiens die deutsche Wirtschaft in einer äußerst tritt scheu Lage trifft. Mit Ober- schlosien gehen Deutschland zwan-zig Prozent fei­ner Gesamtkohtenförderung und siebenundsiebzig Prozent der oberschllesischen Förderung verloren. Für das Jahr ergibt das eine Menge von 33726000 Tonnen, dos sind monatlich 2 450 000 Tonnen, wenn man den Verbrauch der Indu­strie, des Hausbrandes, der Eifenbahn ufto. im abgetretenen Teil mit 350000 Tonnen veran­schlagt. Mit dem augenblicklichen Förderverlnit von 35000 Tonnen arbeitstäglich beläuft sich der monatliche Ausfall in der deutschen Kob- ienwirtschvst sodann ans 3325000 Tonnen, her somit erheblich größer ist, als das gesamte Pro­gramm der ReparationstonMission. Die Reva- rationskommissiou wird naturgemäß diesen ver­änderten Verhssl'niffen Aechnuug tragen miyen.

Das äußerst mögliche Maß für die Forrn, in welcher Vies geschehen kann, wäre nach Auffassung der Reichsregierung die Kürzung des letzten Lieferprogramms von 1,916 Millionen Tonnen um zwanzig Prozent Mr den Ausfall Oberfchlesiens und um zehn Prozent Mr den Rückgang der Förderung beson­ders an der Ruhr. Diese dreißig Prozent ergeben einen Abzug von etwa 575000 Tonnen, oder eine Program menge von 1,340 Millionen Tonnen. Der Umstand, daß die ReparationAkommisston sich daran gewöhnt hat, sich zuerst mit den besten Kohlensorten (!) eimz »decken, zwingt außerdem zur Beantragung eines anderen Sorten­program ms, durch welches die deittschen Be. dürsniffe besser geschützt werden. Hier muß be­sonders auf einer Ermäßigung der Koks­mengen bestanden werden, sowie auf Heran­ziehung der Braunkohlenbriketts. Letz­teres Brennmaterial fand in den letzten Pro­grammen eine immer geringere Berücksichtigung, so daß zurzeit praktisch nur etwa 30 000 bis 40 000 Tonnen geliefert werden. Dieses Quan­tum entspricht nicht im entferntesten einer gerech­ten Verteilung der Lasten mtf die verschiedenen Sorten und Reviere. Aus der Notwendig­keit der

EinMhr ausländischer Kohle überhaupt wird am besten die Unhaltbarkeit bst deutschen Kohlenlage erwiesen. Es sind int Mo­nat Juni dieses Jahres rund 1,2 Millionen Tonnen fremder Kohle eingeführt worden (gegenüber einer Menge von etwa 750 000 Ton­nen monatlich im Frieden). Wenn auch in eini­gen wenigen Sorten eine Preisangleichung zwi- cheu englischer und deutscher Kohle in allerletz­ter Zeit eingetreten ist, so ist doch das Einfuhr­geschäft in der Hauptsache abhängig und wird entscheidend beeinflußt durch die Gestaltung der Valuta. Wenn trotz des ungeheueren, hieraus entspringenden Risikos sich die deutsche Eisenbabn und die deutsche Industrie mit englischer Kohle eindecken, so ist hier­aus Minz besonders die K o h l e n n o t zu erken- ren! Transportlich ergeben sich hierdurch Sinn- Widrigkeiten, wie zum Beispiel die Lieferung von deutscher Kohle auf RevarationSkonto nach Rot­terdam und die Hereinnahme von englischer Kohle derselben Sorte auf denselben Kähnen für die rheinisch-westsälische Industrie/und den übrigen Verbrauch in Deutschland.

Trotz der Notlage ein Streik?

Ein Teil der Bergarbeiter im Ruhrgebiet treibt ehr sehr gefährliches Spiel. Unter Miß­achtung der innen- und außenpolitischen Lage des Reiches wollen die radikalen Führer die Bergleute in den Generalstreik treiben. Dabet ind ernste Lcchnistreitigkeiten Überhaupt nicht vor­handen. Für die Führer handelt es sich viel­mehr um die Ueberspannung des Machtgedan­kens, um den Versuch, zunächst die wirtschaft­liche und soziale Herrschaft im Ruhrgebiet an ich zu reißen. Es ist fein Zufall, daß die Genc» reift reifiiefung zeitlich zusammen fällt m t den chweren innervolittschen Kämpfen um das Schutzgesetz. Wied-r einmal wittern die Radi kalcn die günstige Stunde zum Losschlagen, utm Weitertreiben der Revolution, die in bei Eroberung der polftisschen Machtdurch das Pro. letariat gipfeln soll. Ob sich die Rnhrberg- leute dazu mißbrauchen lassen, ist noch nicht zu ül-ersehen. Sie sind aufgeforbert worden, zum 12. Juli die Massenkündiguna einzuress