Meier Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
12. Jahrgang
Freitag, 14, Juli 1922
Nummer 162
Fernsprecher 951 und 952
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Mrgnisse der Alliierten um die Mark
L
Äwej Verdächtige.
solle, wozu sie aber bisher noch keine Neigung zeigt, wenn auch diese Frage jetzt immerhin in etwas positiverer Form erörtert wird. Jedenfalls liegt die Gefahr vor, daß, bevor die Herren Doktoren sich über das Heilmittel einigen, der Pa- sient unterdessen zu Grunde geht, will sagen, die Mark auf ein Niveau sinkt, bei dem jeder Re- paraturversuch hinfällig werden würde, damit zugleich aber auch jede Reparationszahlung!
macht. Er hat sich noch gestern abend mit dem Reichspräsidenten in Freudenstadt in Verbindung gesetzt und ihn gebeten, sofort wieder nach Berlin zurückzukrhrrn.
G e n t i n, 13. Juli. (Privattelegramm.) D'e beiden Täter sollen in der vergangenen Nacht nach übereinstimmenden Meldungen in der Jugendherberge in Schöningen übernachtet haben. Gestern früh sind sie mit ihren Rädern abgefahren und zwar ohne Angabe des Zieles. Aus ihren Reden war zu entnehmen, daß sie beabsichtigen, Thale im Harz zu erreichen. Kriminalbeamte sind bereits dorthin entsandt worden. Nm ein Uhr nachmittags sollen sich die Täter in Wittenberge ausgchaften haben. Ein Hörster aus Lenzen, der im Verdacht steht, dir Mörder beherbergt zu haben, ist verhaftet worden. Er ist geständig und hat zugegeben, daß zwei junge Leute von einem Kaufmann aus Kaltes ihm mit der Bitte überwiesen wurden, hnen fortzuhelfen. Tie Untersuckuua darüber dauert noch an
Englische Maßnahmen.
London, 13. Juli. (Eigene Drabtmeldung.) Lloyd George hatte eine länger« Beratung mit dem englischen Schatzkanzler Sir Robert Horne und dem Minister Chamberlain. Es verlautet in amtlichen Kreisen, die englische Regierung wolle schnellstens eine Konferenz der Finanzminister aller Bersailler Vertrags- Mächte mit der Reparationskommisfion einüeru- fen. Zur Besprechung dieser Absicht trat gestern der englische Kabinettsrat zusammen. Der Sitzung wohnte aych der amerikanische Vertreter bei. Als Ergebnis dieses Kabinettsrates werden in otntlWn Kreisen folgende Beschlüste bezeichnet: Lloyd George wird sofort den sranzö- stschn Ministerpräsidenten PoincarS zu einem zweiten schnellsten Besuch in London einladcn.
Auf der Verfolgung.
Die Suche «ach de» Racheuau-MSrder».
(Eigener Drahtbericht.
Stellungnahme der Linken.
Berlin, 13. Jul« (Privattelegramm.) Gestern nachmittag fand"" Besprechungen der Gewerkschaften mit den sozialistischen Parteien statt, in denen die Gewerkschaften erneut ihre Nnzufriedenheit mit den Beschlüssen des Ausschusses zu dem Gesetzentwurf rum Schüße der Republik znm Ausdruck brachten. Die Sozialdemokraten betonten, daß sie entgegen anders lautenden Zeitungsnachrichten unbedingt auf der Erweiterung der Koali- t i o n nach links bestehen. Dem Reichskanzler wurde von diesem Beschluß MittcUvna ae-
VerhMung des Marksturzes.
Englischer Antrag auf Ermäßigung.
(Eigener Bericht.)
Paris, 13. Juli.
In der Sitzung der Reparationskommission stellte der englische Vertreter Sir John Bradbury in sehr energischer Form die folgenden Anträge: Deutschland muß ein mehrjähriges Moratorium für Barzahlungen bewilligt werden. Die Sachleistungen sind zu e r - mäßigen. Die am 15. Juli fällige Ra- te, die sich nach einer spät abends erfolgten Veröffentlichung der Reparationskommission unter Anrechnung luxemburgischer und amerikanischer Zahlungen nur auf zwciunddreißig Millionen Goldmark beläuft, soll zunächst nicht in Anspruch genommen werden, sondern hinterlegt bleiben. Sämtliche Delegierten stimmten dem englischen Antrag zu. Nur der Franzose Dubois bekämpfte sie hartnäckig. Er hatte deshalb nach der Sitzung sogleich eine Konferenz mit PoincarS und Delasteyrie. PoincarS soll, um Frankreich nicht wieder isoliert zu lassen, Dubois bereits ermächtigt haben, dem Moratorium gemäß dem'englischen Anträge mit Vorbehalt zuzustimmen. (?)
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Berlin, 18. Juli.
Zur Verstärkung der bisher an der Verfolgung der RatKenau-Mörder teilnehmenden Beamten der politischen und der Schutzpolizei ist gestern ein neues Kommando in Stärke von fünfzig Schntzpolizeibeamten in das Fahndungsgebiet entsandt worden. Auch sie sind wie die übrigen Beamten mit Motorrädern, Fahrrädern und Polizeihunden ausgerüstet. An Hand von Generalstabskarten werden sämtliche Bauernhäuser und Land- und Feldwege, dnrch die mutmaßlich die Svur der Mörder führte, mit Spürhunden abgefuckt. Zuverlässige Anzeichen sprechen dafür, daß es den Flüchtlingen darum zu tun ist, eine Großstadt, wahrscheinlich Berlin zu erreichen. Aus der Shrede nach Berlin sind alle Chauseen und Wege gesperrt und zwar in der Weise, daß jeder Fußwanderer und Radler solange aufgehalten wird, bis seine Person völlig einwandfrei scstgestellt wird. Desgleichen werden die Bahnstationen der Staats- und Kleinbahn überwacht. Der Chef des Polizeipräsidiums, Oberregierungsrat Dr. Weiß, kehrte noch gestern abend nach Berlin zurück, um hier alle erforderlichen Maßnabmen für den Fall zu treffen, daß die Mörder vielleicht schon heute in der näherem Umgebung von Berlin austauchen.
tim öenAahlungS-Auffchub.
Beratung in der Reparationskommission.
(Eigene Drahtmeldung.)
Genf, 13. Juli.
Gestern vormittag begann in Paris die Sitzung des Reparationsausschusses über das deutsche Moratorium-Ersuchen. Der Vorsitzende teilte mit, daß deutsche Sachverständige in Paris zur Verfiigung der Reparationskommisfion ständen. Auf Antrag des Belgiers Delacroix wurde beschlossen, daß die deutschen Sachverständigen zunächst nicht gehört werden sotten, daß man aber Aufträgen an Sie schriftlich formulieren will. Gestern nachmittag dauerten die Besprechungen nock an. Ein offtzieller Bericht war bis dahin nicht ausgegeben. Der „Matin" meldete gestern, daß die Besprechungen in der Reparations-Kommission auch noch am Donnerstag und Freitag fortdauern fallen.
Zahlungö - Aufschub.
Am das Gesuch der Regierung.
Die englische Presse stellt fest, daß das neue Gesuch der deutschen Regierung um Stundung der Reparationszahlungen naturnotwendig kommen mußte, und sogar die Pariser Zeitungen heucheln diesmal keine Ueber- rafchung. Schon das auf den Widerstand Frankreichs zurückzuführende Scheitern der Anleiheverhandlungen hatte zerrüttend auf die deutsche Valuta eingswirkt. aber durch die Jnteroentions- toufe der Reichsbank und durch die Zurückha»- tung der deutschen Industrie wurde damals dem weiteren Hinabgleiten der Mark Einhalt getan, umso mehr, da das Ausland darauf vertraute, daß die Banfterkonferenz nur vertagt sei, und deshalb an seinen Markbeständen zunächst festhielt. Unterdessen aber kmn im Anschluß an das Attentat auf Ratbenau die schwere innere Krisis, die noch keineswegs behoben ist und die über den Rabmen einer Koalitionskrii'is weit binaus- geht. Während die ausländischen Markbesitzer, ängstlich geworden, ihre Bestände abzustoßen begannen, sah sich die Reichsbank genötigt, für die am 15. Juli fällig werdenden Reparationszahlungen Devisen aufznkausen, und zugleich trat an die Industrie die Notwendigkeit zur Eindeckung heran. Da bedurfte es keiner Spekulationsmachi- nationen, um den Tiefstand der Mark herbetzu- führen, der in einem Dollarkurs um fünfhundert Mark herum seinen erschreckenden Aus- diuck fand.
Unter diesen Umstünden gab es fiir die Reichsregierung nur einen Weg. Nachdem sie das Garantte-Komitee schon früher mehrfach darauf aufmerksam gemacht hatte, daß sie die nächsten Reparationszahlungen bei einer weiteren Vek- fchlechteritng der Valuta nicht einhalten könne, hat sie sich nach vorangegangener Fühlungnahme mit einzelnen Regierungen zur Einleitung von Verhandlungen zwecks neuen Zahlungsaufschubs entschließen müssen, die von den Staatssekretären Fischer und Schröder, sowie von dem aus dem Haaag nach Paris zurückgekehrten Staatssekretär a. D. Bergmann geführt werden. Es handelt sich zunächst um inoffizielle Besprechungen mit den Mitglie- vcrn der Reparattonskommission. Das Bestreben geht auf deutscher Seite dahin, die Verteilung Der fiir 1922 festgesetzten Zahlungen aus längere Zeiträume zu erwirken. Soviel man weiß, ist e die Zahlung der am 15. Juli fälligen Beträge, die sich auf dreiunddreißig Millionen Goldmark belaufen, da ntnb siebzehn Millionen durch Sachleistungen gedeckt sind, einigermaßen sichergestellt, aber die Beschaffung der Devisen ist eben auf Kosten der deutschen Valuta erfokgt, die dadurch den letzten Stoß erhalten hat
In Engl md ist man denn auch angesichts der Markkatastrophe zu der Einsicht gelangt, das; schnelle Hilfe nicht nur auf dem Wege eines Moratoriums not tut, sondern daß es höchste Zeit ist, jetzt die Verhandlungen über d-ie Anleihe und einen weitgehenden Repari- iionsnachlaß wieder auszunehmen. Das offizielle Frankreich stellt sich diesen mahnenden Stimmen gegenüber noch etwas schwerhörig; aber die Presse zeigt doch einen starken Pessimismus und weist darauf hin. daß mit der Mark der Franken sinke, wenn auch natürlich nicht in dem gleichen Tempo, das sich erst einstellen wird, wenn die beutfdK Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist! Auch in Amerika beschäftigt man sich eingehender mit dieser Entwicklung. Der „Rewyork Herold" erklärt, daß man in amerikanischen Finanzkreisen den ersten Schritt zur Lösung der Krise darin erblicke, ein für allemal die deutsche Schulde n l a st so festzusetzen, daß man mit einer früheren Erfüllung rechnen könne. Das gleiche Matt versichert, von maßgebender Stelle in Deutschland erfahren zu haben, daß die nächste Zahftmg vom 15. Juli nicht geleistet werden könne,' eine Auffassung, die von sämtlichen anderen Blättern nicht geteilt wird. Die .Daily Mail' bringt im Gegenteil die ent'chiedene Versicherung, daß der größte Teil der für die I u l i- rate sättigen Summe bereits in Golddevisen bei der Deutschen Bank bereitstehe und daß die Reichsregierung diesen Verfalltag pünktlich einhalten werde, über eine Stundung für das näckste Jahr zu verlangen beabsichtige.
Im übrigen wird von Paris aus offiziös er- ckärt. daß man erst den Bericht des Garantic- ousschusses abwarten müsse, der Ende dieser Woche erstattet werden soll, bis die Reparation s- kommission sich mit dieser Materie befassen könne. Alles in allem scheint jetzt eine stärkere Neigung zum Entgegenkommen zu herrschen, wobei man freilich auch aus dieser Blume Honig zu saugen versucht, indem man als Aeguivalent bereits eine Finanzkontrolle über Deutschland forbert, womit jenes Entgegenkommen natürlich hinfällig gemacht würde. Weiter betont man in Paris, daß die Frage der deutschen Reparationen erst geregelt werden könne, wenn vorher die der Kriegsschulden der Alliierten unter einander gelöst sei. das heißt, daß die Union von Amerika auf ihre Forderungen verrückten
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Ersatz-Reife.
Erholung des Heim-ArlauberS.
In biefem Jahr« wird infolge der Teuerung Mancher seinen Urlaub daheim znbringen miissen, der sonst in fremde Gegenden reiste. Was ist dann als Ersah zu tu»? Darüber wird uns nun das Nachfolgende gesthrieben« Wem es nicht vergönnt ist eine Erholungsreise zu machen, der sollte wenigstens zu Hause Körperpflege treiben. Die Hauptsache ist: gute frische Luft, die nicht nur die Lunge de» Menschen, sondern auch der ganze Körper braucht. Hier stehen in erster Linie regelrechte Luftmahlzeiten und Luftbäder. Die Lunge, die ein ganzes Jahr hindurch im Büro, im Laden oder im Fabrikbetriebe nur mit wenig Saucr- siwss in Berührung gekommen ist, außerdem durch sitzende Lebensweise oder andere Umstände wenig aufnahmefähig war, muß während des Urlaubs reichlich mit Lust gefüttert werden. Mehrmals am Tage trete man an das geöffnete Fenster und lasse die gute Luft durch kräftige Atmungsbewegungen in die Lunge cin- strömen. Unterstützt wird dieser Vorgang durch Freiübungen, bei denen vor allem das Emporrecken der Arme bei tiefer Oesfnung des Brustkorbs die Hauptrolle spielt. Auf dic,e Weise kommt besonders, wenn die frische Luft lauge genug in der Lunge einbehalten wird, eine Menge Sauerstoff mit dem Blut in Berührung.
Die Folge ist Blutauffrischung, Vermehrung der roten Blutkörperchen und da- mit Abwehr der Bleichsucht, die besonders das Kennzeichen unserer werktätigen Frauen und Mädchen ist. Nach Luft verlangt aber auch der ganze Körper, der nickt nur mit der Lunge, sondern auch mit den Poren der Haut atmet, durch die er die schlechten Säfte abstüßt, um dafür den Sauerstoff der Luft einzutauschen. Auch dieser Heilvorgang muß nachdrücklichst unterstützt werden: durch mechanische Anregung der Haut. Jeden Tag sollte jeder, besser am Morgen als am Abend, seinen Körper tüchtig frot- tieren, sei ez mit der trocknen Hand, sei es mit dem feuchten Tuch. Darüber hinaus aber sollte sich jeder, wiederum am besten nach dem Aufstehen, eine Viertelstttnde lang dem anregenden Reiz der Luft aussetzen, indem er, frei von allen beengenden Kleidungsstücken, Luftbäder macht, Natürlich ist die Wirkung der Luftbäder umso besser, je ozonreicher die Lust ist, und wer ich ein solches Luftbad in der freien Natur, im Walde, oder auf dem Dachgarten leisten kann, ist besser daran, als wer zu dieser Kur auf dte bloßen vier Wände, angewiesen ist. Ein seh, wesentlicher
Heilfaktor ist das Wasser.
Hier bietet zuhause schon die feuchte Abreibung des bloßen Körpers einen gewissen Ersatz, wer aber nickst an organischen Leiden krantt, wird tn den meisten Fällen ein kurzes kühles Bad oder eine kühle Dusche vorziehen, wie sie sich fast jebet Städter im Hause — auch ohne den teuren Koks — verschaffen kann. Nickt weniger wesentlich für die körperliche Erholung ist je nachdem Rübe oder Bewegung. Wer in feiner beruflichen Tätigkeit an einem Uebermaß von körperlicher Bewegung zu leiden hat, wird eine außer- ordentliche Erholung erfahren, wenn er, wiederum am besten in guter Lust, eine Liegekur macht. Das Her? hat, wenn der Körper in wage rechter Stellung ruht, begreiflicherweise nur eine wesentlich geringere mechanische Leistung zu vollbringen, als wenn es bei dem hestäudig aus den Füßen befindlichen Menschen die Mutwellen bis in die äußersten Spitzen der Blutbaün irciben muß. Der so geschwächte Körper bedarf mehrere Wochen hindurch stttndenlangen Liegens, bis der Organismus soweit gestärkt ist, daß das Herz wieder mit voller Kraft
seine Arbeit verrichten kann. Derjenige jedoch, der das ganze Jackr an den Stuhl gefesselt ist, Mer den Schreibtisch oder Wer die Schreibmaschine gebeugt, die inneren Organe an der natürlichen Entfaltung hindert, und vor allem Magen und Darm in ihren Funktionen schwächt, muß darauf bedacht fein, während des Sommers durch allmählich steigende Bewegung diejenige Elastizität wiederzugewinnen, die ihm im Lause de« Jahres verloren gegangen war. Jeder wird beobachtet haben, daß manche Beschwerden, an die sich der Kranke zu Hause mit stoischem Gleichmut gewöhnt bat, nach kurzem Aufenthalt auf dem Lande verschwinden. Tas ist hauptsächlich eine Folge des vielen Herumwanderns, Schwimmens und sonstiger Bewegungen, die sich draußen von selbst einstellen. Sehr wesentlich ist -aber, daß man es auck in dieser Hinsicht zu Hause nicht fehlen läßt. Einen tüchtigen Spaziergang kann sich auch der Städter leisten, ganz besonders — in der schönen Umgebung von Kassel, und wenn er dem Körper etwas besonders Gutes antun will, so möge er sich, mit dem nötigen Mundvorrat versehen, schon in aller Herrgottsfrühe aufmachen und den ganzen Tag bis zur bereinbrechenden Nacht im Walde oder sonst wo im Freien zubringen. Das sogenannte .toann# Essen" ist für den Körper keineswegs
Rur gegen Sicherheiten.
Genk, 1,3 Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Der durch „Havas" vorgestern berichtete Be- schlntz, daß der französische Ministerrat das neue Moratoriumscrsuchen Deutschlands nurgegen neue Sicherheiten gewähre, ftndet die Zustimmung der gesamten Pariser Blätter vom Mittwoch. Der „Matin" schreibt, auch das belgische Kabinett habe seine Vertreter in der Re- parationskommissivn im gleichen Sinne angewiesen. Der „TempS" und das „Journal deck Debats" verlangen die sofortige Wiedercin- bertlsung der franzöfischen Kammer, falls der Raparationsausfchntz entgegen der Haltung der französischen und belgischen delegierten einen endgiltigen Beschluß fassen sollte.
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Um den lttaviungstermin.
Paris, 13 Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Staatssekretär Schröder, der seine Rückreise nach Berlin antreten wollte, wird voraussichtlich genötigt fein, noch einen Tag länger in Paris zu bleiben. Die Entscheidung ob der Zahlungstermin des 15. IM eingehalten werden muß, wird im Laufe des heuttgen Donnerstag Bormittag erwartet. Es fehlt noch an irgend einer Andeutung über die Haltung, die die Rc- parationskommission dem deutschen Atttrag gegenüber einzunehmen gedenkt.
Das Gchutzgesetz in Gefahr. Reue Zuspitzung der Lage.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 13. Juli.
Das Sclsicksal des Gesetzes znm Schutze der Republik ist auch nach der gestrigen Reichstagssitzung noch immer ungeklärt. e§ scheint sogar im Augenblick wieder völlig gefährdet. Die Detttsche Bolkspartei zwar hat sich inzwischen mit dem Gesetz befreundet und auch die bürgerlichen Regierungsparteien werden ihm zustimmen. Aber bei den Sozialdemokraten tauchen Plötzlich Widerstände gegen die Annahme des nach ihrer Meinung verschlechterten Gesetzes auf. Tie Unabhängigen haben gestern im Reichstag mehrfach mit den Kommunisten zusammen gestimmt und lassen immer dentticher erkennen, daß sie kein Interesse mehr an der Annahme des Gesetzes haben, seitdem es Formen angenommen hat, die ihren Wünschen nickt entsprechen. Dazu kommt, daß dnrch das Scheitern der Regiernngserweiterunq nach links sie auch jede Garantie für eine scharfe Anwendung des Gesetzes vermissen. Die nnabhäng'ge Fraktion wird sich sofort mit dieser Frage beschäftigen und die Stellung der sozialdemokrati
1 scheu Fraktion wird zum Teil von dem Schritt der Unabhängigen abhängen.