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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 196. Fernsprecher «51 unb 952 Mittwoch, 23. August 1922. Fernsprecher 951 unb 952 12. Jahrgang.

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Der Streit um das Moratorium.

DKLiga derRationen.

Deutschlaub unb der Völrerbunb.

In der letzten Zeit sind besonders von eng» Uscher Leite wiederholt inofiziellc Anregunget an die deutsche Regierung gelangt, die Ausnah­me in den Völkerbund nachzusuchen. Die deut­sche Regierung hat sich bisher, nicht zuletzt, weil sie durch wichtigere Dinge in Anspruch genom­men war, noch nicht mit der Angelegenheit be­schäftigt; do aber binnen kurzem eine neue Ta­gung der Plenarversammlung des Völkerbun­des bevorstcht, und sie allein über die Aufnahme eines neuen Mitgliedes entscheiden kann, so müßte sich Deutschland sehr bald in der einen oder anderen Richtung entschließen.

Es ist nicht anzunehmen, daß englische Staats­männer, zu denen auch Lloyd George gehört, Deutschland den Eintritt in den Völkerbund nahe legen würden, wenn sie nicht überzeugt wären, daß ein entsprechender deutscher Antrag auf Annahme zu rechnen hätte. Es müssen also Besprechungen zwischen London und Paris in dieser Frage stattgefunden haben. Es ist nicht anzunehmen, daß man Deutschland verleiten würde, ein Annahmegesuch zu stellen, um es gleichzeitig dem Risiko einer Ablehnung auszu­setzen. lieber eine veränderte Stellungnahme Frankreichs in dieser Angelegenheit ist bisher indessen nichts bekannt geworden, und man muß sich zunächst Wundern, daß jene mehr oder we­niger deutlichen Aufforderungen an Deutschland einzig und allein von England ausgegangen sind. Dabei ist allerdings in Betracht zu ziehen, daß Frankreich sich bis in die jüngste Zett so schroff ablehnend gegenüber dem Gedanken, mit Deutschland zugleich dem Völkerbünde anzuge- hören, verhalten hat, daß von ihm nicht erwar­tet werden kann, es wolle die Vergangenheit in solchem Maße verleugnen, daß eS jetzt seiner­seits Deutschland bittet, der Liga der Stationen beizutreten. Etwas anderes wäre es, wenn es, so­bald einmal ein dahingehender deutscher Antrag vorliegt. seinen Widerstand gegen die Annahme diese. Antrages aufglbt.

Die deutsche Politik in der Frage des Ein- tritts Deutschlands in den Völkerbund war von Anfang an folgerichtig und bestimmt. Deutsch­land stellte sich auf den Standpunkt, daß es sich nicht in eine Gesellschaft drängen werde, in der e? nicht gern gesehen sei, und daß ein solcher Völkerbund für die Dauer nur ein Torso ohne große Bedeutung sein könne, wenn ein Land vom Range Deutschlands nicht in der Reihe seiner Mitglieder zu finden ist. Andererseits kann der Völkerbund sehr wohl eine Einrich­tung von segensreicher Bedeutung werden, wenn wirklich in ihm alle Kulturnationen der Welt vereinigt sind, und so mußte e sder Wunsch aller Freunde des Friedens und des Fortt'chritts sein, daß die Völkerfamilie, die in der Liga der Rationen vertreten ist, möglichst vollständig fei. Einstweilen fehlen ja von großen Staaten be­kanntlich 'außer Deutschland auch n och Rußland und Amerika. Ist erst Deutsch­land Mitglied des Völkerbünde?, dann wird sich sebr bald erweisen, ob Hefe Einrichtung wirk­lich den Wert eine? völkerversöhnenden und friedenstiftenden Instrumentes hat. Bisher war das internationale Rumpfparlament van Genf nicht viel mehr als ein Erestltivorgan der Sie- aerstaaten des Weltkrieges. Die von ihm bis­her gefällten Entscheidungen waren daher wenig geeignet, die Inte reffen Deutschlands zu befrie­digen, das dem Bunde nicht angebörte. Wohl hatte es sich durch den Versailler Frieden ver­pflichtet, die Beschlüsse des Völkerbundes als bindend anzuerkennen, eine Einflußnahme aus feine Entscheidungen blieb ihm jedoch versagt.

Welch tragische Folgen dieser Zustand für das deutsche Volk gehabt hat. erbeut aus dem Verlust Oberschlesiens, aus der Französizierung des Saargebiets, aus der Lösung der Moresnet- fraqe und anderer für Deutschland lebenswich­tiger Angelegenheiten. Deutschland war bisher Objeft des Völkerbundes, nicht Subjekt, und wenn es auch nicht hoffen darf, daß sich mit einem Schlage die Stimmung der Majorität zugunsten Deutschlands verschieben wird, wenn es Mitglied des Bundes ist. so hat eS doch im­merhin in diesem Falle Geleaenh-tt, feinem Wort in allen internationalen Fragen Geltung zu verschafsen und außerdem zur Bearbeitung der wichtigen Konfliktstoffe feine ausgezeichneten, lachverständiaen Kräfte zur Verfügung zu stel­len. Der Völkerbund wird ohne Fraoe auch in Zukunft im Leben der Rationen eine Rolle spie­len, selbst wenn Rußland und Amerika bis aus weiteres abseits Reben. Sobald sich die Ver- höltnisse in Rußland konsolidiert haben, wird sich auch seine Ausnahme in den Bund nicht um­gehen lassen, und daß dann Amerika als einzige Großmacht sich auf die Dauer' sernhalten sollte, ist kaum anzunehmou, da eine solche Isolierung kaum ixt Sinne seiner Politik läge. Ist erst Deutschland Mitglied des Völkerbundes, dann wird cs vor allem seine Stimme erheben kön­

nen, um vor aller Welt daS Unrecht darzutun, das ihm durch den Versailler Verttag und seine Auswirkungen zugefügt wor­den ist. Ist dann der Völkerbund wirklich das, was er sein will und fein soll, ein Hort des Friedens und der Völkerverbrüderung, dann wird er auch Deutschland gegenüber das begangene Unrecht gut machen müssen, genau wie er sich sonst zum Anwalt der vergewaltig.en Nationen aufgeworfen hat. Für Deutschland kann es danach nicht zweifelhaft fein, welchen Weg es wählen soll, den ttotziger Opposition oder den einer aktiven Einflußnahme ... -ö-

Etunöen der Spannung.

Die Berliner Beratungen.

lVrivat-Telegramm.)

Berlin, 22. August.

Nach der Anlunst der beiden Mitglieder der Reparationskommission fand gestern nochmals eine Chefbesprechung statt, um das Material für die Beratungen vorzuberciten. Um die Mit­tagsstunde begannen im Reichssinanzmiittsterium dir Verhandlungen, an denen u. a. Reichsfinanz­minister Dr. Hermes, Staatssekretär Hirsch, Staatssekretär a.D. Bergmann und Staats­sekretär Sim so» teilnehmen werden. Ueber die Pläne der beiden Mitglieder der Repara- ttonSlommisflon verlautet aus zuverlässiger Quelle, daß es sich nicht darum handeln wird, das gesamte Reparationsproblem aufzurollen. Die Kommission hat lediglich die Aufgabe, fest zusteven. welche Garantien die deutsche Regie­rung für das neugeforderte Moratorium zu ge­ben in der Lage ist. Dir Kommission unterschei­det dabei sehr sorgfältig Mischen den Goran tien, Vie das Garantiekomitee für das auf Grund des Bradbury-Abkommens bewilligte März- Moratorium erlangt hat und zwischen den Ga­rantie», die Deutschland für das neue Mora- torium bieten kann. Man hat deshalb auch dem Franzofen Mauclöre zu den Beratungen Änzugezogen, weil er gleichzeitig Mitglied des Garantiekomitres ist. Herr Mauclere hat sich schon damals bei den Verhandlungen als ein sehr ruhiger und wirtschaftlich klug denkender Unterhändler gezeigt, der nicht Beamter, sondern aus dem Wirtschaftsleben hervorgegangen ist.

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Frankreichs SSveigeraffei.

Paris, 22. August. (Eigene Drahtmeldung., Die Vorbereitungen zur Besetzung des Ruhr­gebiets sind beendet und die Besetzung kann in­nerhalb vierundzwanziz Stunden dnrchgeführr sein. Es steht eine so hinreichende Truppen- macht zur Verfügung, daß keine Reserven ein- berufen zu werden brauchen. Zuerst sollen die Hauptindustrieorte und die Eisenüahnknoten- vunkte besetzt werden, damit keine Pause in den Gruben und JnVuftriewerken eintreten kann.

Oesterreichs Verzweiflung.

Die zentrateuropäische Krise.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 22. August.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Sei­tz e l wird heute aus Prag hier eintreffen. Die Entente, die den unmöglichen österreichifchcn Staat gebildet hat, über dessen Eristenzunfähig kett niemand mehr im Zweifel kein kann, treibt den führenden Staatsmann nun dazu, bei an­deren Völkern um Hilfe zu erfuchen, weil sie dem Staat felbst jede Unterstützung ver- weigert. Datz Oesterreich bittere Rot leidet, weih nachgerade die ganze Welt, wenn ttotzdem die Entente niMs tut, um ihm zu helfen, dann bleibt dem Bundeskanzler nichts anderes übrig, als sich mit den Nachbarstaaten in Verbindung z« setzen, um wirtschaftliche Hilfe zu fuchen. Mit einmal ist jetzt auch die latente damit einverstan­den. Das deutsche Volk hat von jeher für die österreichischen Stammesbrüder und für ihre Not großes Interesse gehabt, und die deutfche Regie- rung wird alles tun, um dem Druderstaat, so- iveit eS feine schwachen Kräfte zulasseu, zu hel- fcn. Mit der Frage des Anfchkuffes an Teutfchland hat die Reife Dr. Seipels n i ch t s z u t« n. das geht fchon daraus hervor, daß er auch Prag und Rom feinen Besuch ab- ftattet. Bon einer Regelung der Anschlutzfrage kann jetzt aus bekannten Gründen noch nicht die Rede fei«. Deutfchland muß alles vermeiden, bannt ihm keine neuen Schwierigkeiten entstehen

linier tsHechifHer Kontrolle?

Paris, 22. August. (Privattelegramm.i Der Korrespondent eines englischen Mattes Will wis-

fttt, daß der österreichische Kanzler Dr. Seipel,, der seine Reise nach Prag und Berlin angetretcuj hat, um über eine Hilfsaktion für Oesterreich zu unterhandeln, beabsichtige, der Regierung in Prag für eventuelle Anleihen in Oesterreich die Ver­waltungskontrolle der österreichi­schen Eisenbahnen anzubieten.

»

Besuch aus der Donaustadt.

Berlin, 22. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der deutsche Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, trifft heute in Berlin ein, um an den Besprechun­gen zwischen dem österreichischen Bundeskanzler und dem Reichskanzler teilzunehmen. Der Bun­deskanzler selbst trifft, von Prag kommend, heute nachmittag in Berlin.ein. Er wird am Bahnhof vom Reichskanzler und dem öster­reichischen Gesandten in Berlin empfangen.

Belgien und Frankreich.

Zu Brüssel ist man unsicher.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 22. August.

Eine hiesige Zeitung hat vom belgischen Mi­nisterpräsidenten die Mitteilung erhalten, daß die belgische Regierung weder ihren Vertreter in der Reparationökommisston de la Croix beauftragt hat, sich seiner Stimme ,u enthalten, noch daß sie sich Frankreich gegenüber die Hände gebunden hat. Die belgische Regierung hält sich an den Vertrag von Versailles, der ihre Unter schrift trägt. Theunis hat erklärt, Eng­land müsse begreifen, daß Frankreich g e- wiffe Garantien verlange» müsfe. Ueber die Ausführung der Garantien lasse sich fprechen, nicht aber über die Garantien als sol- che felbst. Die belgische Regierung fei optimi- stifch und glaube bestimmt, daß die Prüfung der allgemeinen Regelung bald beginnen müsse.

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eine Verschiebung ver «Sesomttage.

Bafel, 22. August. (Privattelegramm.) Die Gesamtlage hat JautBaseler Anzeiger" eine Verschiebung zuungunsten Deutsch­lands dadurch erfahren, daß der belgische Mi­nister Theunis in Brüssel amtlich erklären ließ, er könne mack Lage der Tinge die Berech­tigung der stanz "fischen Einwendungen gegen lange Dauer des Moratoriums nicht bestreiten.

München und Berlin.

Die Haltung des Ministerrats.

(Eigene Drabttneldung.)

München, 22. August.

Die beiden bayerischen Minister, die von ihren Besprechungen in Berlin zurüü- gelommen sind, haben dem gestrigen Minifterrat Vortrag gehalten. Der Ministerrat ist der An­sicht, daß die Bedenken, die bisher gegen die Berliner Abmachungen bestanden haben, nun­mehr im Wesentlichen behoben sind. Das endgültige Ergebnis wird erst nach Mit- tettung an die Vertreter der Koalitions- varteien der Presse bekannt gegeben werden. Die gestrige Abendsitzung der bayerischen Koa- litionSparteicn hat neue Vorbehalte zu dem Berliner Abkommen beschlossen. Infolge­dessen hat der bayerische Minifterrat vorerst die Bekanntgabe der Genehmigung des Ber­liner Abkommens ausgesetzt.

Sine ßemeinfame Sitzung.

Bttinchen, 22. August (Privattelegramm.i Wie die heutigen Morgenblätter melden, wird im Lause des heutigen Tages eine gemein­same Sitzung der Koalitionsparteien mit dem Ministerrat stattfinden. Man hofft, daß es in dieser Sitzung zu einer Einigung kommt.

Der Kanzler über öle Lage.

Dr. Wirkst und die P-irlamentarier.

(Privat-Tklegramm.)

Berlin, 22- August.

Zu der gestrigen Besprechung des. Reichskanz lers mit den in Berlin anwcttndrn Parla­mentariern wird bekannt: Die Besprechung fand im Anschluß m die Chefbesprechung in der Reichskanzlei statt. Der Kanzler gab dabei ein Bild der Gesamt!aqe. Obwohl dir Be­sprechung felbst vertraulich war kann mitactrilt werde», daß der Reichskanzler die Lage für Deutschland nicht als hoff­nungslos ansiht und daß er bestimmt mit einem Moratorium und mit einer sich dar­aus ergebenden Besserung der deutschen Valuta rechne«.

Das besiegte Lustmeer:

Motorlose Stunbenslüge.

Zn der gestrigen Nummer Haven wir be­reits beä Auflegen erregenden, motorlosen Flugs tn der Rhön Erwähnung getan und gemeldet, datz steh »wer Flieger lang« Zeit auf ihren Apparate» tn der Lust halten tonnten. Ein Meilenstein in der Geschichte des Flug- wesens und damit der kulturelle Fortschritt des Menschen ist gesetzt worden der erste, als es zum elften Male gelang, mit Hilfe der int Kohlenwas­serstoff gebundenen, im Motor freiwevdendeir Energiemenge sich über dem Erdboden zu erheben und nach seinem Willen ein Luftfahrzeug zu steuern, und der zweite, als ein Mensch zeigte, daß es möglich ist, die unendlich- Arbeitsmenge, die in bewegter Lnft enthalten ist, auch für die Zwecke des menschlichen Fluges dienstbar zu machen für eine Zeitdauer, die nur durch das Vorhandensein von Wind überhaupt und durch die Nervenkräfte des steuernden Führers be- schräntt wird.

Bon den .Segelflugzeugen- sind die beiden Eindecker der Technischen Hochschule Hannover (von dieser konstruiert und von der Hannover-- scheu Waggonfabrik gebaut und gestiftet) zu den bemerkenswertesten zu rechnen. Der Flug von Diplom-Ingenieur Hentzen (über den wir in der gestrigen Ausgabe kurz telegraphisch berichret haben. D. Red.) dieser Hochschule zeigte erst- malsvorZcugeuden menschlichensegel . sing, den stundenlangen Flug eines ohne mo­torische Kraft sliezenden Brenschen! Ein hohes Sehnen des Menschen ist erfüllt! Es sei er­wähnt, daß der Führer dieses Seglers sich mit den ihm von unt.-n zujubelnden Zuschauern in oller Ruhe unterhielt. Von grundsätzlicher Bc- dentung ist weiterhin die .Ente- des erste» Rhönsiegers aus dem Jahre 1920, Diplom-In­genieur Klempner. Seine Konstruktion, die den sogenanntenEntentyp-, das heißt das vor dem Flugzeug liegende Höhen- und Settensteuer auS der ersten Zeit der Fliegerei, wieder zur Anwen­dung bringt, zeichnet sich durch die Fülle kühner Ideen aus. Allgeinein hat bei den Konstruktiv- nen derSegelflugzeuge- in diesem Jähr das Flugzeug der Technischen Hochschule Hannover des vorjährigen Wettbewerbs stark zum Vorbild gedient. Der Eindecker überwiegt bei weitem den Doppel decker. Die Fahrgestelle sehlen zumeist.

Der Weltrekord von Martens ist vv» Hentzen mit zwei Stunden zehn Sekunden g> schlagen worden. Hentzen flog den auch vo» Martens benutzten Eindecker der fluchvissenschaft- l:chen Gruppe der Technischen Hochschule und des Vereins für Flugwesen Hannover. Hentzen stieg gleich noch Abflug hundert Meter über die Was- serkuppe und später zweihundert Meter darüber und hielt diese Flughöhe während seines wun­derbar gleichmäßigen Fluges bei sieben dis neun Meter-Wind (Böen dis ekf Meter). Als nach eindreiviertel Stunden der Wesö-Rordwest unter fünf Meter abflaute, schloß der Hannoversche Student den für den H urtbe ritt auf e ud- Mark-Prer s voroeschriebenen Streckenflug an. Er landete an derselben Stelle wie Tags znvo-r sein Kommili­tone Martens. Auch Darmstädter Studenten führten Segelflüge aus unb zeitweilig schwebten mehrere Maschinen zum Entzücken der Zuschauer in lautloser Stille am Abendhimmel...

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Unter den bei der Flugveranstalttmg erwarte­ten, noch ausgebliebenen Gästen befindet sich der ehemalig deutsche, jetzt holländische Flug» zeugkonftricktenr Fokker, dessen Flugzeuge im Kriege bei uns einen ausgezeichneten Ruf hatten. Auch einige Angehörige benachbarter ehemaliger Feindlander konnten sich die Teilnahme als Zuschauer nicht versagen. Es steht zu hoffen, daß künftig bei derartigen Veranstaltungen die Er­laubnis zur Teilnahme vom Grundsatz uneinge­schränkter Gleichberechtigung unserer Flieger in den betreffenden Ländern abhängig gemacht wird. Das Flieger lager macht in di-s-m Jahre einen wesentlich besser organisierten Ein­druck. Diese Organisation war nur möglich in­folge einer Beteiligung breiterer Teil der dem» chen Luftfahrt durch allgemeinere Unterstützung der bisher mehr örtlichen Interessen. Die Ver­pflegung ist vorzüglich. Die Post hat durch Ka­belleitung eine ausgezeichnete Verbindung zmn eine Stunde entfernten Gersfeld gelegt. Zweimal täglich läuft Krastposivertthr der Reichspost in beiden Richtungen. Die örtliche» Behörden der Postverwaltung haben einen Zu­fahrtweg Herrichten lassen. Alle fünfzig an der Veranstölltung teilnehmenden Flugzeuge und die Mehrzahl des Personal haben in festen Baracken Unterkunft gefunden. Trotz der UnMttst der Wit­terung hat der sportlich vorbildliche Geist der be» teiligten Flieger nie gelitten. Der erste schöne Nachmittag, der 16. August, brockte einen Flug» Letrieb, einen Einsatz aller Persönlichkeilcn tm Wettbewerb, der die sportliche Freude, das wis­senschaftliche Streben unb die alte Fliegerkame» radfchaft aufs deutlichste in der aus früheren Zetten bekannten Weise erkennen ließ. Rach