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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 236.

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 8. Oktober 1922. Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Keine Lösung der Orientkrise.

Der sinkende Kurs.

Wohin führt der Weg?

Die Börse hat in der abgelaufenen Woche wieder einmal ein betrübliches Zeichen von der Abwärtsentwicklung gegeben. Etwa vier Wochen lang schien es, als wollte eine gewisse Stabili­sierung der Mark eintreten, als der Dollar um vierzehnhundert herum stehen blieb, nachdem die Deviseabausse von Ende Ilugust überwunden war. Man war zu günstiger Annahme umso mehr berechtigt, als mittlerweile auch daS Abkommen mit Belgien abgeschlossen worden war, wonach Lurch die Ausgabe der deutschen Schatzwcchsel eine sechsmonatige Zahlungsfrist läuft, die so­genannte Atempause. Aber weder dieses Ab­kommen noch unsere ganze Erfüllungspolitik Hai uns etwas genützt. Unser Erfüllungs- Wille wird von den Alliierten nicht aner­kannt, wie aus den letzten Aeußerungen engli­scher u. französischer Blätter erneut zu ersehen ist. Deutschland wird beschuldigt, die Verschlechte­rung der Mark selbst verursacht zu haben. Die Franzosen gehen in ihrer Verleumdung so weit, immer noch zu behaupten, das deutsche Reich treibe bewußte Bankerottpolitik. Das ist na- rilrf k, nur üble französische Mache, denn in Pa j, weiß man gan, genau, daß der Repa­ration s z w a n g die wahre Ursache ist. Auch in London scheut man sich nicht, ähnlichen Un­sinn zu äußern. Demgegenüber ist es umso er­freulicher, wenn ab und zu ein Ausländer den Mut findet, die Wahrheit zu sagen. So weist setzt der bekannte schwedische Nationalökonom Professor Cassel, im Londoner .Daily Tele­graph" darauf hin. daß die Entwertung der Mark nur dadurch entstehe, daß das Auslanb weniger Vertrauen auf Deutschlands Wirtschaft setze und sich seiner Markwerte nach und nach entledige. In demselben Blatte betont Oberst­leutnant Dicker, wie gestern in einem unserer Telegramme erwähnt wurde, daß Deutschland nicht das leisten könne, was von ihm verlangt werde. Es ist klar, daß durch die aufgrund des Versailler Diktats verübte Ausplünderung das deutsche Volksvermögen täglich geringer wird und demzufolge die Geldentwertung sortschreiten muß. Die Folge davon ist die ständig notwendig werdende Vermehrung des Papiergeldes, die Inflation". Wäre den Alli­ierten ernstlich daran gelegen, Deutschland zur Stabilität zu verhelfen, dann hätten sie es längst tun können, denn in ihrer Hand liegt leider die Macht, die Deutschlands Geschick beeinflußt.

Endlich sind wir, Gott sei Dank, in Deutsch­land so weit, daß alle Parteien diese Sachlage erkannt haben und ihre Ueberzeugung auch aus­sprechen. Die frühere widerliche Gepflogenheit gewisser Politiker, das eigene Volk zu beschimp­fen und den Feinden Zuträgerdienste zu Kisten, woran man letzt wieder durch den Münchener Fechenbach-Prozeß erinnert wird, hat aufgehört. Auch -wie Radikalsten werden der französischen Aussaugungspolitik überdrüssig, wenn sie sehen oder erfahren, wie die alliierteBesatzung im Rheinlande und die Kommissionen in Berlin auf unsere Kosten schlemmen, wäh­rend im deutschen Volke das graue Elend sich ausbreitet. Noch ist ja der tiefste Stand der Not nicht erreicht. Der lange, harte Winter steht vor der Tür. Dann erst wird sich der Mangel in weiten Volksschichten geltend machen, wenn die Kohlen zum Heizen fehlen, wenn Nahrungs­mittel und Kleidung so teuer werden, daß die Löhne und Gehälter nicht rasch genug folgen können. Es besteht kein Zweifel mehr, daß die Teuerung fortschreitet, denn die hohen De­visenkurse werden sich erst in Wochen und Mo­naten auswirken. Die Eisenbahn- und Post-

Dolkshhmne erklärt hat, nehmen Fühlung wegen einer gemeinsamen Kandidatur. Auch auf der Linken sucht man Zusammenschlüsse. Es macht sich auch Stimmung bemerkbar,Friedrich den Vorläufigen", also den Präsidenten Ebert, als Zukünftigen" vorzuschlagen. Wie dem auch sei, die kommenden zwei Nlonate werden dem Reichstag wieder prachtvolle Gelegenheit zu end­losen Partei reden geben. Aber die vorliegenden zahlreichen wirtschaftlichen Fragen werden dem Parlamente den Weg vorschrerben. K. F. D.

Steuer Konflikt im Osten.

Die unterbrochene Konferenz in Mudania.

(Eigener Drahtvericht.)

Wien, 7. Oktober.

Infolge verschärfter Forderungen der Türken ist die Orientkonserenz in Mu­dania unterbrochen worden. Die alliierten Ge­neräle sind nach Konstantinopel zurückgekehtt. Man glaubt, daß die alliierten Vertreter den Wunsch haben, mit der alliierten Kommission in Konstantinopel über bestimmte Punkte zu ver­handeln. Der Vertreter desNewqork Gerald" in Konstantinopel erfährt, daß die g r i e ch i - f ch e Delegation nach Instruktionen aus Athen sich geweigert hatte, vor dem endgültigen Friedensschluss Thrazien zu räumen. Eine Reutermeldung aus Konstantinopel besagt, daß General Harrington und die anderen Generäle am Freitag abend nachMudania zurück- gekehrt seien. Auch der Vertreter des Exchange Telegraf" meldet, daß die Konferenz von Mudania wieder ausgenommen sei. Die Alliierten werden aber den kemalistischen Truppen verbieten, vor der Entscheidung der Friedcnskopferenz die Meerengen zu überschrei­ten und in Thrazien zu landen. Die Situation bleibt nach wie vor äußerst gespannt.

Meinungtzverfchievenhett der SHIiterten.

London, 7. Oktober. (Eigene Drahtmel­dung.) Gestern mittag fand hier unter dem Vor­sitz von Lloyd George ein Ministerrat statt, der sich hauptsächlich mit dem Orient beschäftigte. Die allgemeine Lage im Osten wird als kri- tisch bezeichnet, da Mustapha Kemal Pascha, wie verschiedene Meldungen erkennen lassen, in die neutrale Zone eingedrungen ist. AuS Paris wird berichtet: Lord Curzon, der gestern in Paris angekommen ist, hat sofort seine Beratung mit Poincars ausgenommen. Die Be­sprechung füllte die Nachtstunden auS. Man be­hauptet in gewissen Kreisen, daß die Reise Cur­zons nach Paris ein Anzeichen dafür sei, daß die Vertreter Frankreichs in Mudania sich in eiheblichen NkeinungSverschiedenhei- te« mit den Engländern befinden.

«

Die türkische Forderung.

London, 7. Oktober. (Eigene Drahtmel- dung.) Bo» unterrichteter Seite wird zu der Lage im Osten erklärt: Anfangs waren die Ver­handlungen in Mudania erfolgversprechend. Ge­stern jedoch ändetten die Türken plötzlich ihre Haltung. Sie verlangten die sofortige Be­setzung Thraziens und lehnten ab, irgend welche Bürgschaften für die nationalen Minder­heiten zu leiften. Dieser Forderung der Türken konnte die Mudania-Konferenz nicht entsprechen, weil dadurch politff^ Fragen gesteift würden, die außerhalb der Befugnisse der Konferenz lie­gen. Infolgedessen wurde die Konferenz abge­brochen, um nach weiteren Ueberlegungen voraussichtlich bald fortgesetzt zu werden.

tarifgebühren, deren allmonatliche Erhöhung schon bis zum Januar hinein vorbereitet ist, des­gleichen die amtliche Festsetzung des steigenden Brotpreises für November und Dezember, find untrügliche Vorboten. Als Hoffnung bleibt noch, daß die Industrie den Winter über in ge­nügendem Matze beschäftigt bleibt und daß die reichliche Kartofselernte frühzeittg im Reiche Verteilt wird.

Angesichts solcher Schwierigkeiten sollte man darauf bedacht sein, dem deutschen Volke un­nützen Hader zu ersparen. Aber die Parteien wollen, daß Anfang Dezember die Neuwahl des Reichspräsidenten stattfindet, die wahrscheinlich nicht ohne einen verletzenden Wahffampf von links und rechts vorübergehen wird. Denn da der Reichspräsident verfaffungs- gemäß vom ganzen Volke gewählt wird, werden sich alle Parteien kräftig ins Zeug legen. Der Beschluß des Reichskabinetts, die Präsidenten­wahl noch vor Jahresschluß zu veranstalten, kam ,nit einer merkwürdigen Plötzlichkeit, nachdem schon seit einem Jahre davon gesprochen, aber nichts getan wurde. Schon beginnt die Qual der Kandidatensuche. Die bürgerfichen Parteien, denen der bisherige Präsident, Herr Ebert, im allgemeinen sympathisch war, weil et sich in wohlmeinender Zurückhaltung zeigte, besonders auch, da er das .Deutschlandlied" wieder zur!

Gespannte Kriegslage.

Türkische, britische und russische Streitkräfte (Eigene Drahtmeldung.)

London, 7. Oktober.

Der Sonderberichterstatter desDaily Chro- nicte" meldet aus Tschanak, daß die Zusammen­ziehung der kemalistischen Truppen sottdauett und daß die britischen Trup­pen jetzt in Fühlung mit Jnfanterieabteilunge« der zweiten kemalistischen Armee sich befinden, die den Griechen die Niederlage beigebracht hat­ten. Die kemalistische Artillerie sei noch eine be- trächffiche Strecke entfernt. Der griechische Ge­neral Morden habe die eingetroftenen Verstär­kungen sofort eingesetzt nnd seine Linien verlän­gert. Eine Reuter-Depesche auS Konstantinopel meldet, daß fünf britische Flieger gestern über Konstantinopel erschienen seien. Rach einer Meldung derTimes" hat sich die S o w - jetregierung entschlossen, die Flotte im Schwarzen Meer zu mobilisieren und den Seeleuten den Urlaub zu versagen.

Vorkehrungen in Konstantinopel.

Paris, 7. Oftober. (Eigener Trahtbericht.) DerTemvs" meldet aus Konstantinopel, daß

zur Aufrechterhattung der öffentlichen Sicher­heit und Ordnung von dem Kommandan­ten der türkischen Gendarmerie und der Polizei- kommandos Vereinbarungen getroffen worden seien für den Fall, daß beunruhigende Ereignisse eintreten. In diesem Falle sol­le« Gendarmerie und Militär zusammenarbei- trn, um jedwede Unruhe im Keime zu ersticke«. Die Stärke der Polizei wird erhöht werden.

Militärische Besprechungen.

Konstantinopel, 7. Oktober. (Eigener Dvahtbericht.) Der hiesige Sertreter desJour nal des Debats" meldet, daß gestern die alliier- ten Generäle Besprechungen mit dem alliierten Oberkommiffar hatten, wobei wichtige Be­schlüsse erzielt worden seien.

Deutschlands Weg.

Der Reichskanzler über seine Politik.

(Eigene Drahtmeldung.)

Karlsruhe, 7. Oktober.

Beim Reichskanzler Dr. Wirth, der am Bo­densee seinen Urlaub verbringt, waren Vertreter der Karlsruher Behörden, sowie die Abgeordne­ten des Reichs- und Landtages aus dem Bezirk Konstanz zu Gaste geladen. Dabei hielt der Reichskanzler eine Rede. Er bezeichnete es als Hauptaufgabe der deuffchen Politik der letzten Jahre, die Einheit des Reiches zu retten; das sei gelungen. Die Atmosphäre des Haffes schwinde von Jahr zu Jahr. Das Repa- rattonsproblem sei heute in ganz andere Bah­nen gelenkt, als z« Anfang. Der Reichskanzler rechfferttgte die deutsche Politik. Ettte andere Parteikonstellation könne keine andere Politik treibe«. Deutschland könne allein das deutsche Volk retten. DaS ganzeVolk müffe mit hel­fen. Nach dem Zusammenbruch habe Me Parole gegoltenChaos oder Republik", dann hieß die ParoleRepublik oder Monarchie". Der Reichs­wehr widmete der Reichskanzler Worte der An- rekennung und wandte sich zum Schluß gegen die Aufbürdung der Alleinschuld am Krie­ge. Diese Lasten könne auf die Dauer kein Volk tragen, ohne daß es zugrunde gehe.

Deutsch-msflscher Vertrag.

Lieferung auf längeren Kredit.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 7. Oktober.

Zwischen den Siemens-Schlickert- Werken in Berlin und dem russischen Elektrotrust ist in den Warenkreditverhand­lungen jetzt ein Ergebnis erzielt worden, das zum endgültigen Abschluß eines Lieferungsver- ttages geführt hat. Es handelt sich um die Lie­ferung vo« Installationsmaterial im Wette von vielen Millionen. Die Abwicklung erfolgt allmählich, der Vertrag ist auf der Grund­lage eines Umschlagkredites aufgebaut. Damit ist zum ersten Male zwischen Sowjetruss- land und privaten deuffchen Wetten ein Liese- rungsvettrag auf Kredite für längere Zeit abge­schloffen. Die von einem Berliner Blatt gebrachte Meldung von Bestellungen des Jndustriebüros des Nordwestgebietes bei Siemens-Schuckett auf Reserveteile für Turbinen im Werte von fiinfund. zwanzig Millionen Matt trifft jedoch, wie wir in diesem Zusamenhang Mitteilen können, nickst zu.

Garung in Rorditalien.

Erneute Umtriebe der Faszisten.

(Eigener Trahtbericht.)

Rom. 7. Oftober.

Ministerpräsident de Faeta ist gestern vor­mittag nach Rom zurückgekehrt. Der Minister­rat wurde fofort einberufen. Im Vordergrund seiner Beratungen steht die innere Lage Jiali e«6 mit dem Problem, ob die Kammer mffgelöst und die Spitzen der Verwaltung ge­wechselt werden sollen. Die Faszisten haben zwischen Bozen imd Saturn die Gemeindehäu­ser besetzt. Eine Veffammlung der Vorsitzenden der sozialistischen Patteien kündigte dem Gewer­beverband den Bundesvertrag und erflärte, seine Ziele ohne politische Auflehnung durch Klaffen­kampf mit nationaler Tendenz zu verfolgen.

Die Haltung der Tiroler.

Wien. 7. Oftober. (Eigene Drahtmeldung.) Auf Antrag der deuffch-völkischen Arbeitsge­meinschaft fand gestern in Innsbruck eine Pro testkundgekmg gegen die Faszisten statt. Die Redner betonten, eS denke «jemand daran, an den Italienern, die sich ht Rordtirol aufhalten. Gleiches mit Gleichem zu vergelten Ein Faszisten Ueberfall in Innsbruck ober könnte unabsehbare Folgen zeitigen. Auf Ersuchen des Landeshauptmannes sind die Grenzbehörden angewiesen worden, alle Einreifende« streng nach Waffen zu untersuche«.

Die Preisgestaltung.

Gegen Wucher und Preistreiberei.

Di« fortwährend« Steigerung der Preis« niruht e» den» reellen Kandel schwer, sich gegen di« unerwünschten Elemente ;.u schütze«, die al» Preistreiber anstreteu nnd Me VollSgesamthett schädigen. Wan schreibt «ns folgende« «der diese Frage: Die Geschichte lehrt, daß in allen Not- und Huugerzeiteu Selbstsucht und Habgier scharf in die Erscheinung treten. Gewisse »Händler", die dem reellen Handel sehr unerwünscht sind, ver­mehre« sich in dem Maße, wie die Ware weni­ger und teurer wird. Die ElendsLonjunttur wird auSgenutzt, die Preise werden in die Höhe getrieben und es wird gewuchert. Wohl «och nie aber ist eine solche Notzeit über die ganze Welt gekommen wie heute. Wohl noch nie ha­ben auch Wucher und Preistreiberei so in Blüte gestanden wie heute. Schieberei und Wucher sind heuteinternational". Die Masse des Volkes will sich dagegen wehren, muh sich wehren. In allen Notzeiten hat es Kämpfe und Maßnahmen gegen Wucher gegeben. Wir ha­ben sie heilte auch, wir haben sie i« ausreichen­dem Maße. Die gesetzgeberischen Maßnahmen, die V o r s ch r i f i e n zur Ueberwachung und Beeinflussung der Preisbildung und des Wa- renvettaufS reiche «hin, um die ärgsten Ausschreitungen zu unterbinden. Wo ihre An­wendung nicht den gewünschten durchgreifenden Erfolg bat. liegt dies nicht so sehr an dem Ver­sagen der voir Gesetzgebung und Verwaltung vorgesehenen Einrichtungen, als vielmehr an dem tollen wirtschaftlichen Wirrwarr, der es zuwege gebracht hat, daß, anders als in Zetten wirtschaftlichen Gleichgewichts, vielfach

die Cteenzen nicht mehr bestinkmbar sind, wo der berechtigte Verdienst des Waren­verkäufers aufhött und der Wucher beginnt. Sehen wir uns die Mittel zur Wucherbekämp­fung an. Das erste schreibt di« höchstzuläiflige Preisgrenze zahlenmäßig vor; diese« Weg hat die Höchstpreis-Gesetzgebung besshrit- ten. Das zweite Mittel besteht ht der amtlichen Feststellung angemessener Preist, deren Ueberschreitung den Verdacht des Preiswuchers begründe« soll; es handelt sich dabei um die Festsetzung von Richtpreise«, d. h. von Preisen, die bet durchschnittlichen Gestehungs­kosten einen auskömmlichen Gewinn gewähren. Der eigentliche Preiswucher ist nun von der be­hördlichen Festsetzung zahlenmäßiger Preisgren­zen nicht abhängig. Die Mittel zu seiner Ver­folgung gibt die Preistreiberei-Verordnung Nach ihr wird z. B. bestraft, wer vorsätzlich Mr Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise for­dert, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse einen übermäßigen Gewinn enthalten, wer Gegenstände des täglichen Be­darfs in der Absicht zurückhält, trat durch ihre spätere Veräußerung einen übermäßigen Ge­winn zu erzielen usw. Reden dem gerichtlichen Verfahren in Wuchersachen bestehen zu feiner Er­gänzung und sachgemäßen Berattkng bereits seit den Kriegsjahren

die PreiSprüfuugsstellen, zu deren Schaffung Gemeinden mit mehr als zehntausend Einwohnern verpflichtet sind. Schließlich fei noch auf das in Preußen be­stehende Landespolizeiamt beim Ministerium des Innern (das frühere Kriegswucheramt) ver­wiesen, das zu einem mit der Aufsicht und Lei­tung der gesamten Polizei auf wirtschaftlichem Gebiet betrauten preußischen Wirischaftspolizei- amt ausgebaut ist. Die Aufgaben der übri­gen Wucher ämter find entsprechend denen des Preußischen Landespolizeiamtes abgegrenzt. Bef den Polneiverwattunge« der größeren Stabte und der Standorte der Industrie wurden beson­dere wirtschaftspolizeiliche Abteilungen gebildet iWucherstellen), die sich ausschließlich mit der Bekämpfung der Preistreiberei und des Schleich­handels sowie der wilden Ein- und Ausfichr befassen. Sie haben in zahlreichen Fällen gut gewirtt. Daß man mit den Gesetzen und Ver­ordnungen zur Wucherbekämpfung und mit den zu ihrer Durchführung eingesetzten Behörde« der Teuerung völlig Herr werden kann, ist leider ausgeschlossen. Aber mit ihrer Hilfe ist die B e» kämpfung der Auswüchse der Preisbil­dung und der Ausbeutung der allgemeinen Not­lage möglich.

Franzöflsche Flotten-vropaganda.

Vorführungen im Film.

Zweifellos ist der Film eines der vorzü^ichr sten Propagandamittel, dessen Wirksamkeit offen­bar auch die ftanzöstsche Regierung zu schätzen weiß. Nach dem neuen französischen Midget steht nämlich. wie die .Lichtbild-Bühne" zu berichte« weiß, für die Flotte ein Betrag von fiinshundett- tausend Franken zur Anfertigung von Propa- gandafilmen zur Verfügung. Zwei Filme sind schon der Firma Comptoir Cinematographiaue in Auftrag gegebn worden. Die Aufnahmen