Kasseler Neueste Nachrichten
JrrserttonSp reise: a) Gi-ch-tmtsch« «ufträgc Die eta[pa£ttge Anzetgenzell« 58. , die
etnfpalttge StellamezeUe M. 30,—. b) Auswärtige Auftrüg-: Di« einspaltig« Duzeigeozetle M. 10.-, die einspaltige Reklamezeile M. 30.—, aM -iaschlieSltch DeperwigSp-kchlag enb Anzeigenstener. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Probat Aufschlag. Für die RtchtigleU aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeige», sowie für Lufnahoee- daten und Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werden, __ Druckerei: Schlacht,
Hofstraß« 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5, Telephon Nummer 851 und 952.
Kasseler Abendzeitung
Tie Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchenllich sechsmal und zwar abends. Der Adonnementspreis beträgt monatlich 120.— Mark bei freier Zustellung int Haus, in der Geschäftsstelle abgeholt US.— Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 120.— Mark monatlich etnschl Zustellung. Bestellungen werben jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Äerlag und Redaktion-. Echlachthosstratze 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de» BqugsgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Hessische Abendzeitung
Nummer 236.
Fernsprecher 951 und 952
Sonntag, 8. Oktober 1922. Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Keine Lösung der Orientkrise.
Der sinkende Kurs.
Wohin führt der Weg?
Die Börse hat in der abgelaufenen Woche wieder einmal ein betrübliches Zeichen von der Abwärtsentwicklung gegeben. Etwa vier Wochen lang schien es, als wollte eine gewisse Stabilisierung der Mark eintreten, als der Dollar um vierzehnhundert herum stehen blieb, nachdem die Deviseabausse von Ende Ilugust überwunden war. Man war zu günstiger Annahme umso mehr berechtigt, als mittlerweile auch daS Abkommen mit Belgien abgeschlossen worden war, wonach Lurch die Ausgabe der deutschen Schatzwcchsel eine sechsmonatige Zahlungsfrist läuft, die sogenannte Atempause. Aber weder dieses Abkommen noch unsere ganze Erfüllungspolitik Hai uns etwas genützt. Unser Erfüllungs- Wille wird von den Alliierten nicht anerkannt, wie aus den letzten Aeußerungen englischer u. französischer Blätter erneut zu ersehen ist. Deutschland wird beschuldigt, die Verschlechterung der Mark selbst verursacht zu haben. Die Franzosen gehen in ihrer Verleumdung so weit, immer noch zu behaupten, das deutsche Reich treibe bewußte Bankerottpolitik. Das ist na- rilrf k, nur üble französische Mache, denn in Pa j, weiß man gan, genau, daß der Reparation s z w a n g die wahre Ursache ist. Auch in London scheut man sich nicht, ähnlichen Unsinn zu äußern. Demgegenüber ist es umso erfreulicher, wenn ab und zu ein Ausländer den Mut findet, die Wahrheit zu sagen. So weist setzt der bekannte schwedische Nationalökonom Professor Cassel, im Londoner .Daily Telegraph" darauf hin. daß die Entwertung der Mark nur dadurch entstehe, daß das Auslanb weniger Vertrauen auf Deutschlands Wirtschaft setze und sich seiner Markwerte nach und nach entledige. In demselben Blatte betont Oberstleutnant Dicker, wie gestern in einem unserer Telegramme erwähnt wurde, daß Deutschland nicht das leisten könne, was von ihm verlangt werde. Es ist klar, daß durch die aufgrund des Versailler Diktats verübte Ausplünderung das deutsche Volksvermögen täglich geringer wird und demzufolge die Geldentwertung sortschreiten muß. Die Folge davon ist die ständig notwendig werdende Vermehrung des Papiergeldes, die Inflation". Wäre den Alliierten ernstlich daran gelegen, Deutschland zur Stabilität zu verhelfen, dann hätten sie es längst tun können, denn in ihrer Hand liegt — leider — die Macht, die Deutschlands Geschick beeinflußt.
Endlich sind wir, Gott sei Dank, in Deutschland so weit, daß alle Parteien diese Sachlage erkannt haben und ihre Ueberzeugung auch aussprechen. Die frühere widerliche Gepflogenheit gewisser Politiker, das eigene Volk zu beschimpfen und den Feinden Zuträgerdienste zu Kisten, woran man letzt wieder durch den Münchener Fechenbach-Prozeß erinnert wird, hat aufgehört. Auch -wie Radikalsten werden der französischen Aussaugungspolitik überdrüssig, wenn sie sehen oder erfahren, wie die alliierteBesatzung im Rheinlande und die Kommissionen in Berlin auf unsere Kosten schlemmen, während im deutschen Volke das graue Elend sich ausbreitet. Noch ist ja der tiefste Stand der Not nicht erreicht. Der lange, harte Winter steht vor der Tür. Dann erst wird sich der Mangel in weiten Volksschichten geltend machen, wenn die Kohlen zum Heizen fehlen, wenn Nahrungsmittel und Kleidung so teuer werden, daß die Löhne und Gehälter nicht rasch genug folgen können. Es besteht kein Zweifel mehr, daß die Teuerung fortschreitet, denn die hohen Devisenkurse werden sich erst in Wochen und Monaten auswirken. Die Eisenbahn- und Post-
Dolkshhmne erklärt hat, nehmen Fühlung wegen einer gemeinsamen Kandidatur. Auch auf der Linken sucht man Zusammenschlüsse. Es macht sich auch Stimmung bemerkbar, „Friedrich den Vorläufigen", also den Präsidenten Ebert, als „Zukünftigen" vorzuschlagen. Wie dem auch sei, die kommenden zwei Nlonate werden dem Reichstag wieder prachtvolle Gelegenheit zu endlosen Partei reden geben. Aber die vorliegenden zahlreichen wirtschaftlichen Fragen werden dem Parlamente den Weg vorschrerben. K. F. D.
Steuer Konflikt im Osten.
Die unterbrochene Konferenz in Mudania.
(Eigener Drahtvericht.)
Wien, 7. Oktober.
Infolge verschärfter Forderungen der Türken ist die Orientkonserenz in Mudania unterbrochen worden. Die alliierten Generäle sind nach Konstantinopel zurückgekehtt. Man glaubt, daß die alliierten Vertreter den Wunsch haben, mit der alliierten Kommission in Konstantinopel über bestimmte Punkte zu verhandeln. Der Vertreter des „Newqork Gerald" in Konstantinopel erfährt, daß die g r i e ch i - f ch e Delegation nach Instruktionen aus Athen sich geweigert hatte, vor dem endgültigen Friedensschluss Thrazien zu räumen. — Eine Reutermeldung aus Konstantinopel besagt, daß General Harrington und die anderen Generäle am Freitag abend nachMudania zurück- gekehrt seien. Auch der Vertreter des „Exchange Telegraf" meldet, daß die Konferenz von Mudania wieder ausgenommen sei. Die Alliierten werden aber den kemalistischen Truppen verbieten, vor der Entscheidung der Friedcnskopferenz die Meerengen zu überschreiten und in Thrazien zu landen. Die Situation bleibt nach wie vor äußerst gespannt.
Meinungtzverfchievenhett der SHIiterten.
London, 7. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern mittag fand hier unter dem Vorsitz von Lloyd George ein Ministerrat statt, der sich hauptsächlich mit dem Orient beschäftigte. Die allgemeine Lage im Osten wird als kri- tisch bezeichnet, da Mustapha Kemal Pascha, wie verschiedene Meldungen erkennen lassen, in die neutrale Zone eingedrungen ist. — AuS Paris wird berichtet: Lord Curzon, der gestern in Paris angekommen ist, hat sofort seine Beratung mit Poincars ausgenommen. Die Besprechung füllte die Nachtstunden auS. Man behauptet in gewissen Kreisen, daß die Reise Curzons nach Paris ein Anzeichen dafür sei, daß die Vertreter Frankreichs in Mudania sich in eiheblichen NkeinungSverschiedenhei- te« mit den Engländern befinden.
«
Die türkische Forderung.
London, 7. Oktober. (Eigene Drahtmel- dung.) Bo» unterrichteter Seite wird zu der Lage im Osten erklärt: Anfangs waren die Verhandlungen in Mudania erfolgversprechend. Gestern jedoch ändetten die Türken plötzlich ihre Haltung. Sie verlangten die sofortige Besetzung Thraziens und lehnten ab, irgend welche Bürgschaften für die nationalen Minderheiten zu leiften. Dieser Forderung der Türken konnte die Mudania-Konferenz nicht entsprechen, weil dadurch politff^ Fragen gesteift würden, die außerhalb der Befugnisse der Konferenz liegen. Infolgedessen wurde die Konferenz abgebrochen, um nach weiteren Ueberlegungen voraussichtlich bald fortgesetzt zu werden.
tarifgebühren, deren allmonatliche Erhöhung schon bis zum Januar hinein vorbereitet ist, desgleichen die amtliche Festsetzung des steigenden Brotpreises für November und Dezember, find untrügliche Vorboten. Als Hoffnung bleibt noch, daß die Industrie den Winter über in genügendem Matze beschäftigt bleibt und daß die reichliche Kartofselernte frühzeittg im Reiche Verteilt wird.
Angesichts solcher Schwierigkeiten sollte man darauf bedacht sein, dem deutschen Volke unnützen Hader zu ersparen. Aber die Parteien wollen, daß Anfang Dezember die Neuwahl des Reichspräsidenten stattfindet, die wahrscheinlich nicht ohne einen verletzenden Wahffampf von links und rechts vorübergehen wird. Denn da der Reichspräsident verfaffungs- gemäß vom ganzen Volke gewählt wird, werden sich alle Parteien kräftig ins Zeug legen. Der Beschluß des Reichskabinetts, die Präsidentenwahl noch vor Jahresschluß zu veranstalten, kam ,nit einer merkwürdigen Plötzlichkeit, nachdem schon seit einem Jahre davon gesprochen, aber nichts getan wurde. Schon beginnt die Qual der Kandidatensuche. Die bürgerfichen Parteien, denen der bisherige Präsident, Herr Ebert, im allgemeinen sympathisch war, weil et sich in wohlmeinender Zurückhaltung zeigte, besonders auch, da er das .Deutschlandlied" wieder zur!
Gespannte Kriegslage.
Türkische, britische und russische Streitkräfte (Eigene Drahtmeldung.)
London, 7. Oktober.
Der Sonderberichterstatter des „Daily Chro- nicte" meldet aus Tschanak, daß die Zusammenziehung der kemalistischen Truppen sottdauett und daß die britischen Truppen jetzt in Fühlung mit Jnfanterieabteilunge« der zweiten kemalistischen Armee sich befinden, die den Griechen die Niederlage beigebracht hatten. Die kemalistische Artillerie sei noch eine be- trächffiche Strecke entfernt. Der griechische General Morden habe die eingetroftenen Verstärkungen sofort eingesetzt nnd seine Linien verlängert. Eine Reuter-Depesche auS Konstantinopel meldet, daß fünf britische Flieger gestern über Konstantinopel erschienen seien. — Rach einer Meldung der „Times" hat sich die S o w - jetregierung entschlossen, die Flotte im Schwarzen Meer zu mobilisieren und den Seeleuten den Urlaub zu versagen.
Vorkehrungen in Konstantinopel.
Paris, 7. Oftober. (Eigener Trahtbericht.) Der „Temvs" meldet aus Konstantinopel, daß
zur Aufrechterhattung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung von dem Kommandanten der türkischen Gendarmerie und der Polizei- kommandos Vereinbarungen getroffen worden seien für den Fall, daß beunruhigende Ereignisse eintreten. In diesem Falle solle« Gendarmerie und Militär zusammenarbei- trn, um jedwede Unruhe im Keime zu ersticke«. Die Stärke der Polizei wird erhöht werden.
•
Militärische Besprechungen.
Konstantinopel, 7. Oktober. (Eigener Dvahtbericht.) Der hiesige Sertreter des „Jour nal des Debats" meldet, daß gestern die alliier- ten Generäle Besprechungen mit dem alliierten Oberkommiffar hatten, wobei wichtige Beschlüsse erzielt worden seien.
Deutschlands Weg.
Der Reichskanzler über seine Politik.
(Eigene Drahtmeldung.)
Karlsruhe, 7. Oktober.
Beim Reichskanzler Dr. Wirth, der am Bodensee seinen Urlaub verbringt, waren Vertreter der Karlsruher Behörden, sowie die Abgeordneten des Reichs- und Landtages aus dem Bezirk Konstanz zu Gaste geladen. Dabei hielt der Reichskanzler eine Rede. Er bezeichnete es als Hauptaufgabe der deuffchen Politik der letzten Jahre, die Einheit des Reiches zu retten; das sei gelungen. Die Atmosphäre des Haffes schwinde von Jahr zu Jahr. Das Repa- rattonsproblem sei heute in ganz andere Bahnen gelenkt, als z« Anfang. Der Reichskanzler rechfferttgte die deutsche Politik. Ettte andere Parteikonstellation könne keine andere Politik treibe«. Deutschland könne allein das deutsche Volk retten. DaS ganzeVolk müffe mit helfen. Nach dem Zusammenbruch habe Me Parole gegolten „Chaos oder Republik", dann hieß die Parole „Republik oder Monarchie". Der Reichswehr widmete der Reichskanzler Worte der An- rekennung und wandte sich zum Schluß gegen die Aufbürdung der Alleinschuld am Kriege. Diese Lasten könne auf die Dauer kein Volk tragen, ohne daß es zugrunde gehe.
Deutsch-msflscher Vertrag.
Lieferung auf längeren Kredit.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 7. Oktober.
Zwischen den Siemens-Schlickert- Werken in Berlin und dem russischen Elektrotrust ist in den Warenkreditverhandlungen jetzt ein Ergebnis erzielt worden, das zum endgültigen Abschluß eines Lieferungsver- ttages geführt hat. Es handelt sich um die Lieferung vo« Installationsmaterial im Wette von vielen Millionen. Die Abwicklung erfolgt allmählich, der Vertrag ist auf der Grundlage eines Umschlagkredites aufgebaut. Damit ist zum ersten Male zwischen Sowjetruss- land und privaten deuffchen Wetten ein Liese- rungsvettrag auf Kredite für längere Zeit abgeschloffen. Die von einem Berliner Blatt gebrachte Meldung von Bestellungen des Jndustriebüros des Nordwestgebietes bei Siemens-Schuckett auf Reserveteile für Turbinen im Werte von fiinfund. zwanzig Millionen Matt trifft jedoch, wie wir in diesem Zusamenhang Mitteilen können, nickst zu.
Garung in Rorditalien.
Erneute Umtriebe der Faszisten.
(Eigener Trahtbericht.)
Rom. 7. Oftober.
Ministerpräsident de Faeta ist gestern vormittag nach Rom zurückgekehrt. Der Ministerrat wurde fofort einberufen. Im Vordergrund seiner Beratungen steht die innere Lage Jiali e«6 mit dem Problem, ob die Kammer mffgelöst und die Spitzen der Verwaltung gewechselt werden sollen. Die Faszisten haben zwischen Bozen imd Saturn die Gemeindehäuser besetzt. Eine Veffammlung der Vorsitzenden der sozialistischen Patteien kündigte dem Gewerbeverband den Bundesvertrag und erflärte, seine Ziele ohne politische Auflehnung durch Klaffenkampf mit nationaler Tendenz zu verfolgen.
•
Die Haltung der Tiroler.
Wien. 7. Oftober. (Eigene Drahtmeldung.) Auf Antrag der deuffch-völkischen Arbeitsgemeinschaft fand gestern in Innsbruck eine Pro testkundgekmg gegen die Faszisten statt. Die Redner betonten, eS denke «jemand daran, an den Italienern, die sich ht Rordtirol aufhalten. Gleiches mit Gleichem zu vergelten Ein Faszisten Ueberfall in Innsbruck ober könnte unabsehbare Folgen zeitigen. Auf Ersuchen des Landeshauptmannes sind die Grenzbehörden angewiesen worden, alle Einreifende« streng nach Waffen zu untersuche«.
Die Preisgestaltung.
Gegen Wucher und Preistreiberei.
Di« fortwährend« Steigerung der Preis« niruht e» den» reellen Kandel schwer, sich gegen di« unerwünschten Elemente ;.u schütze«, die al» Preistreiber anstreteu nnd Me VollSgesamthett schädigen. Wan schreibt «ns folgende« «der diese Frage: Die Geschichte lehrt, daß in allen Not- und Huugerzeiteu Selbstsucht und Habgier scharf in die Erscheinung treten. Gewisse »Händler", die dem reellen Handel sehr unerwünscht sind, vermehre« sich in dem Maße, wie die Ware weniger und teurer wird. Die ElendsLonjunttur wird auSgenutzt, die Preise werden in die Höhe getrieben und es wird gewuchert. Wohl «och nie aber ist eine solche Notzeit über die ganze Welt gekommen wie heute. Wohl noch nie haben auch Wucher und Preistreiberei so in Blüte gestanden wie heute. Schieberei und Wucher sind heute „international". Die Masse des Volkes will sich dagegen wehren, muh sich wehren. In allen Notzeiten hat es Kämpfe und Maßnahmen gegen Wucher gegeben. Wir haben sie heilte auch, wir haben sie i« ausreichendem Maße. Die gesetzgeberischen Maßnahmen, die V o r s ch r i f i e n zur Ueberwachung und Beeinflussung der Preisbildung und des Wa- renvettaufS reiche «hin, um die ärgsten Ausschreitungen zu unterbinden. Wo ihre Anwendung nicht den gewünschten durchgreifenden Erfolg bat. liegt dies nicht so sehr an dem Versagen der voir Gesetzgebung und Verwaltung vorgesehenen Einrichtungen, als vielmehr an dem tollen wirtschaftlichen Wirrwarr, der es zuwege gebracht hat, daß, anders als in Zetten wirtschaftlichen Gleichgewichts, vielfach
die Cteenzen nicht mehr bestinkmbar sind, wo der berechtigte Verdienst des Warenverkäufers aufhött und der Wucher beginnt. Sehen wir uns die Mittel zur Wucherbekämpfung an. Das erste schreibt di« höchstzuläiflige Preisgrenze zahlenmäßig vor; diese« Weg hat die Höchstpreis-Gesetzgebung besshrit- ten. Das zweite Mittel besteht ht der amtlichen Feststellung angemessener Preist, deren Ueberschreitung den Verdacht des Preiswuchers begründe« soll; es handelt sich dabei um die Festsetzung von Richtpreise«, d. h. von Preisen, die bet durchschnittlichen Gestehungskosten einen auskömmlichen Gewinn gewähren. Der eigentliche Preiswucher ist nun von der behördlichen Festsetzung zahlenmäßiger Preisgrenzen nicht abhängig. Die Mittel zu seiner Verfolgung gibt die Preistreiberei-Verordnung Nach ihr wird z. B. bestraft, wer vorsätzlich Mr Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse einen übermäßigen Gewinn enthalten, wer Gegenstände des täglichen Bedarfs in der Absicht zurückhält, trat durch ihre spätere Veräußerung einen übermäßigen Gewinn zu erzielen usw. Reden dem gerichtlichen Verfahren in Wuchersachen bestehen zu feiner Ergänzung und sachgemäßen Berattkng bereits seit den Kriegsjahren
die PreiSprüfuugsstellen, zu deren Schaffung Gemeinden mit mehr als zehntausend Einwohnern verpflichtet sind. Schließlich fei noch auf das in Preußen bestehende Landespolizeiamt beim Ministerium des Innern (das frühere Kriegswucheramt) verwiesen, das zu einem mit der Aufsicht und Leitung der gesamten Polizei auf wirtschaftlichem Gebiet betrauten preußischen Wirischaftspolizei- amt ausgebaut ist. Die Aufgaben der übrigen Wucher ämter find entsprechend denen des Preußischen Landespolizeiamtes abgegrenzt. Bef den Polneiverwattunge« der größeren Stabte und der Standorte der Industrie wurden besondere wirtschaftspolizeiliche Abteilungen gebildet iWucherstellen), die sich ausschließlich mit der Bekämpfung der Preistreiberei und des Schleichhandels sowie der wilden Ein- und Ausfichr befassen. Sie haben in zahlreichen Fällen gut gewirtt. — Daß man mit den Gesetzen und Verordnungen zur Wucherbekämpfung und mit den zu ihrer Durchführung eingesetzten Behörde« der Teuerung völlig Herr werden kann, ist leider ausgeschlossen. Aber mit ihrer Hilfe ist die B e» kämpfung der Auswüchse der Preisbildung und der Ausbeutung der allgemeinen Notlage möglich.
Franzöflsche Flotten-vropaganda.
Vorführungen im Film.
Zweifellos ist der Film eines der vorzü^ichr sten Propagandamittel, dessen Wirksamkeit offenbar auch die ftanzöstsche Regierung zu schätzen weiß. Nach dem neuen französischen Midget steht nämlich. wie die .Lichtbild-Bühne" zu berichte« weiß, für die Flotte ein Betrag von fiinshundett- tausend Franken zur Anfertigung von Propa- gandafilmen zur Verfügung. Zwei Filme sind schon der Firma Comptoir Cinematographiaue in Auftrag gegebn worden. Die Aufnahmen