Kasseler Nemste Nachrichtm
Kaffeler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Nummer 240.
12. Jahrgang.
Freitag, 13. Oktober 1922.
Fernsprecher 951 und 952
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Geldentwertung und Teuerungssrageu.
Devisen-Taumel.
Der Niedergang der Mark.
Der amerikanische Dollar, der leider der Wertmesser an den deutschen Börsen ist, macht tolle Sprünge. Innerhalb weniger Tage flieg er von 2200 Mark aus 2600, dann auf 3100 Das wat in zwei Tagen eine Steigerung um neunhundert Prozent. Wenn er heute auf 2450 zurückgegangen ist, so braucht man das nicht als eine endglültige Besserung aufzufassen denn morgen kann er wieder höher steigen. Dieser Tatnnel ist die Andeutung des völligen Niederganges der Mark. Wir reden immer von der kommenden Katastrophe und befinden uns schon mitten drin, nur werden wir es erst im Laufe des Winters an unserer bedrohten Lebenshaltung fühlen. Jeder der im täglichen Erwerbsleben steht, ttietft bereits jetzt, wie die Teuerung sich der Dollar-Raserei anpaßt. Die amtlich feftgestellüin Jnderziffern zeigen von Woche zu Woche eine Steigerikng um etwa dreißig Prozent. Alle Waren werden mit solcher Schnelligkeit teurer, daß die große Masse der Verbraucher bei den Einkäufen nickt mehr mit kommt, da die Löhne und Gehälter nicht rasch genug folgen können. Immer wieder werden neue Forderungen der Beamten-, Ange- stelkten- und Arbeiterverbände notwendig. Man rechnet die Tarife ans, während dessen steigen die Devisen mit den Greifen unter Führung deS Dollars. Es ist ein wahnsinnig-s Wettrennen dem Abgrund entgegen. Forscht man nach der Ursache, so findet man zunächst keine Erklärung, da innerpolitisch doch alles ruhig zu sein scheint und das Wirtschaftsleben im, allgemeinen einen flcienehen Gang geht. In anderen Ländern ist die Arbeitslosigkeit viel größer als bei unS. Dazu kann man mit Recht darauf Hinweis«», daß wir unseren Erfüllungswillen bei den Reparationszahlungen in weitestgehendem Maße gezeigt haben. Und doch ist es die Newhorker Börse, die zur Markentwertung den Anstoß gibt, so daß die anderen Aus- landsbörsen sofort folgen. Die Bedarskäufe der deutschen Jrchnflrie an Devisen kann eine solch' maßlose Steigerung nicht Hervorrufen. Die Devisenspekulation in Deutschland ist nicht mehr so umfangreich, daß ste ausschlaggebend wäre. Vor- flchtShalber werden aber weitere Einschrän- kungs - Maßnahmen getroffen. Die eigentliche Ursache find die Markverkäufe im Ausland«. Bewachten wir nun genauer, dann sehen wir an dsn Daten und entnehmen ans den ausländischen Zeitungen, daß der Reichsbank- auSweiS vom 80. September einen äußerst ungünstigen Eindruck gemacht hat.
Es herrscht wieder eine Flucht vor der Mark, weil man fleht, daß der ReichshauShast nicht in Ordnung zu bringen ist. so lange wir die unmöglich zu erfüllenden Verpflichtunaen an die Alliierten leisten müssen. Es ist ja begreiflich, daß die innenpolitischen Vorgänge eine gewisse Rolle dabei spielen. Mitte dieser Monats tritt der Reichstag wieder zusammen, dann wird da? Gesetz über die Präsidentenwahl beraten, wobei zu befürchten ist, daß die danach fügenden Wahlvorbereitungen das Wirt- schofisleben wieder stören werden. Man spricht von einer etwaigen Einheitsfront der bürgerlichen Parteien, die gegenüber dem sozialdemokratischen Block ein Gegengewicht bilden solle für den Fall politisch wichtiger Entscheidimgen. Das alles könnte zu einem Mißtrauen des Auslandes Grund geben. Aber diese Ereignisse, von denen noch gar nicht seststebt, daß sie vngün- stig verlaufen werden, sind nicht ausreichend, um den Geldmarkt zu erschüttern. Viel mehr und zwar ausschlaggebend wirkt der nicht ausgeglichene Etat. Es ist nicht möglich, die Ausgaben zu decken, wenn wir die Haupssraft für die Alliierten verbrauchen müssen. Und trotzdem stellt sich ein Voincarö in höchst leichtfertiger, ja verbrecherischer Weise, bin und sagt, Deutschland entwerte seine Valuta absichtlich, um sich systematisch den Wiedergutmachungs- pstichten zu entziehen. Diese Verleumdung kann nur seiner nationalistischen Gewissenlosigkeit entspringen. Es ist das unveränderte Streben, die Schuldlüge aufrecht zu erhalten und das arbeitsscheue Frankreich aus Deutschlands Kosten zu bereichern, mag Deutschland darüber zugrunde gehen.
Die bisherige Entwicklung zeigt, daß die Volksmehrbeiten in den alliierten Ländern mit der wirtschaftlichen Vernichtung Deutschlands einverstanden sind. Wird angesichts dieses Umstandes ein Mann wie Mac Kenna, früherer britischer Schatzkanzler und letziaer Präsident eines großen Finanzinstituts, noch Einfluß haben, wenn er vernünftige Worte spricht? England spielt leider eine sehr unklare R o lle Sollte es bereit sein, Deutschland eine kleine Erleichterung zu schaffen, so geschehe es nur aus Mißtrauen aegen Frankreich. Es wäre möglich, daß Mac Kenna seine bedeutsamen Ausführungen diesmal im Einverständnis mit der
britischen Regierung gemacht hat, da sie sich in derselben Richtung bewegen, die auch der jetzige britische Schatzkanzler Sir Horne eingeschlagen hat. Desgleichen decken sie sich mit den Gutachten des Morgan-Komitees. Das würde bedeuten, daß in England jetzt einmal ein für Deutschland günstiger Wind weht, zumal Mac Kenn« sagte, daß das englische Programm zur Revision des Versailler Vertrags fertig sei. Deshalb schlägt er eine gemeinsame Konferenz der Gläubiger und Schuldner vor, an der auch die amerikanischen Finanzlente teilnehmen sollten. Aber solche Vorschläge wurden schon mehrmals gemacht und waren immer erfolglos. Deshalb ist es fiir uns ratsam, sich vor unbegründetem Optimismus zu hüten. Die Lösung dieser Frage wird sich noch lange hinziehen. Währenddessen wird der Winter mit seinen Nöten herankommen, und wie die Temperatur von Monat zu Monat sinkt, wird der Markwert zusammen- schrnmpfen. Die Devisen aber werden im gleichen Maße ihren Faschingstaume! vollführen.
K. F. D. ♦ * •
Gegen die Devisenspekulation.
e Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Im Reichswirtschastsministerium ist ein Entwurf ausgearbeitet, der die Devisenspekulation einschränken soll. Welcher Art die Maßnahmen zur Bekämpsuna einer weiteren Entwertung dcr Reichsmark sind, wird vorlänfig vom Reichs wirtschastsminifterium geheimgehalten mit dcr Begründung, daß deren vorzeitige Ver- öffenttichung ihre Wirkung zum Teil illusorisch machen würde Man acht aber »fcht s-hl in der Annahme, daß die Adsicht besteht, den Devifeu- handel auf die Großbanken zu be. schränken, um der Regierung eine Kon- trolle dcr Deviscnkäusc und Verkäufe zu ermöglichen. Wahrscheinlich soll auch die Einfuhr von Luxusartikeln verboten werden.
e
Die neue Verordnung.
Berlin, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Der Wortlaut der Verordnung über Devisenankäufe steht bereits fest. Man hört, daß er bereits heute um die Mittagsstunde im Reichsge setzblatt veröffentlicht wird. Der Inhalt der Verordnung wird bis zur Veröffentlichung streng geheim gehalten, nm der Spekulation nicht vie Möglichkeit zu geben, sich schon vorher darauf einzurichten. — In Dankkreisen ist man der Meinung, daß durch die Regierungsmaßnahme die Devisen sich nur vorübergehend abschwächen werden, weil das Privatpublikum durch die hohen Beträge, die zur Devisenspekulation notwendig sind, schon lange ausgesckaltet ist. Es sei aber nicht die Spekulation am Niedergang der Mark schuld, sondern der Versailler Vertrag. Man verweist ans das Beispiel in Oesterreich, wo zwar nach Bekanntwerden des Deviscnverbots die Devisen zunächst schwächer wurden, aber einige Tage später desto höher stiegen. D. Schristltg.)
Deutschlands Finanznot.
Die Reparatronskommisfion zum Markstnrz.
(Eigener Drahkbericht.)
Paris, 12. Oktober.
Havas berichtet: Die Reparationskommissio t wird heute nachmittag wieder eine Sitzung ab- halten, in der die durch den SturzderMark geschaffene Lage erörtert wird. Die Rcpa- retiouSkommission sieht sich gezwungen, die neue finanzielle Lage Deutschlands vor der Brüsseler Konferenz zu prüfen. Es wird als feldstverfiSnd- lich erklärt, daß die Frage der deutschen Finanzkontrolle (!) aufgeworfen wird. Richt unwahrscheinlich ist, daß die nächste amtliche Sitzung besondere Maßnahmen erwägen wird, die es gestatten, die Kontrolle zu verschärfen und wirffanrer zu gestalten. — Auch die Botschafter- konferenz nahm ihre Sitzungen wieder auf. Ein offizieller Bericht wurde bisher nicht ausgegeben.
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Französische Hetze,
P o ti 3,12. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Bei der Beurteilung der Frage ist zu beatmen, daß die Moratoriumsfrage während der bevorstehenden Jnterpellationsdebatte in der Sammer eine Rolle spielen wird, so daß Poin- rate darauf gesoßt sein mnß, von oppositioneller Seite gefragt zu werden, toa-3 er zur Wahrung der Interessen Frankreichs getan habe. Extreme nationale Organe wie „Actton Francaisc" und „Liberts" haben bereits den neuen Marksturz jetzt als Beweis für den angeblichen Mißerfolg der Schonungspoliiik (!) gegcn- it&er Deutschland hingestellt. Unter diesen Umständen muß damit gerechnet werden, daß Frankreich schon in der allernächsten Zeit etwas bei dcr
Reparations-Kommission unternimmt. »m Maßnahmen gegen Deutschland dnrchzufetzcn.
Das Teuerungs-Problem.
Konferenz des Regierung und Gewerkschaften (Privat-Telegramm.)
Berlin, 12. Oktober.
lieber Maßnahmen der Regierung g e - gen die fortschreitende Teuerung haben gestern Konferenzen zwischen Vertretern her Gewerkschaften und der Reichsregierung flattgefunden. Näheres ist darüber noch nickt bekannt. Inzwischen schreitet die Tencrungs- Welle unaufhaltsam fort, ohne Rücksicht darauf, nb der Dollar steigt oder fällt. In den Großberliner Markthallen wurden gestern auch n a ck hrm Sturz des Dollar alle greife um 15 bis 30 Prozent höher angesctzt als nm frühen Margen. — Angesichts der steigenden Teuerung haben die Betriebsräte der Berliner Arbeiterschaft eine Versammlung einberufen, in der über die Notwendigkeit eines Stunden- k o h n e s von 350 Mark (!) verhandelt werden toll. Auch die Straßenbahner sowie die städtischen Arbeiter und Angestellten werden Versammlungen einberufen, in denen entfpredjenoe Mehrbezüge verlangt werden.
• Schwierigkeiten in Sayern.
München, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Der ständige Ausschuß des bayerischen Landtages nahm einstimmig die Regiernngsvorlage atif Flüssigmachung eines Kredits von viereinhalb Milliarden Mark zur Sicherung her B»-»tversv rgnng an — Vorgestern hat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeldt eine Besprechung mit dem hier weilenden ReickSkohlenkommissar, Geheimrat Stutz, über die Kohlenversorgung Bav- crns begonnen, deren Zweck die Behebung der außerordentlichen Schwierigkeiten ist, in welche sowohl die bayerische Industrie, wie die Haus, brandversorgung gekommen ist.
Um den Reichspräsiöenleu. Stellungnahme der bürgerlichen Parteien.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 12. Oktober.
Der Vorstand der Deutschen Volkspartei wird am Freitag zusammentreten, um Stellung zu der Kandidatcnfrage fiir die Reichspräsi- dentschaft zu nelMcn. Die Deutschnatio- n a l e n haben wegen eines gemeinschaftlichen Vorgehens mit ihr Fühlung genommen. Ans dem demokratischen Lager ist eine parteioffiziöse Aenßernng zu verzeichnen, worin der überparteiliche Wahlausschuß die Frage geprüft, eine Ausschaltung der Partei aber für unmöglich erklärt hat. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß dcr Ausschuß «nd die Koalitionsparteien sich am End« dahin einig werden, Herrn Ebert zu bitten, daß er auf eine Neuwahl zurzeit verzichtet und im Amte bleiben wird.
Sine nm rioafiftyn?
München, 12. Oktober. (Privattelegramm.) Die „Münchener Zeitung" meldet: Aus Einladung des Z e n t r u m s beginnen in den nächsten Tagen in Berlin Besprechungen zwischen den bürgerlichen Parteien zur Anbahnung einer sogenannten großen Koalition int Reiche.
Die Mudania-Konferenz.
Das Abkommen ist unterzeichnet.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wien, 12. Oktober.
Wie aus Konstantinopel berichtet wird, ist das Abkommen von der Türkei, Griechenland und den Alliierten unterzeichnet worden. Die griechische Abordnung nahm das Abkomme» von Mudania nur unter zwei Vorbehalten an: 1. Verlängerung der Frist für die Räumung Thraziens, 2. Beibehaltung der Grenze an der Marika. — Kemal Pascha hat sein Einverständnis mit den Vereinbarungen in Mudania an den Vorbehalt geknüpft, hc6 die Nationaloersammlung in Angora ihre Zustimmung erteilt. — In Konstantinopel hält man die Schwierigkeiten für noch nicht behoben, nachdem erst am DonnerStag durch englische Flugzeuge fest gestellt worden ifl, daß zwei türkische Divisionen gegen Sos Marmarameer vorrückcn.
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Ihn den Frieden.
Parltz» 12. Oktober. (Eigene Trahtmeldung.) Es verlautet in hiesigen politischen Kreisen, daß cS nicht möglich sein wird, die Orient- Friedenskonferenz wie beabsichtigt, am 1. November beginnen zu lassen, weil man biS zu diesem Zeitpunkt die nötigen Unterlagen noch nicht bereit hat. Man hält weiterhin daran fest, daß Vie Friedenskonferenz in Skntari stattkindct.
Unbenutzte Fahrkarten
Rückzahlung des Fahrgeldes.
In der frühere« Gepflogenheit, ttt allen Falle« der stickltdenntznng von geloste» Fahrkarte« ha« Fahrgeld «nrüSzuzatzlen, hat fetz« die Sifeubahn etne strengere Handhabung «ln^reteu lagen. Man schreibt nnS folgende« darüber: Bei d'r Reichsbahn werden jährlich Mllio- nen von Fahrkarten verkauft, die aus den verschiedensten Gründen überhaupt nicht oder nur teilweise benutzt werden. Die nicht benutzten Fahrkarten können in der Regel vor Ablauf ihrer Gültigkeitsdauer an der Fahrkartenausgabe ohne weiteres zurückgegeben oder umgctauscht werden. Bei durchlochten Fahrkarten, die nachweislich nur zum Betreten des Ba'hnsteiges benutzt sind, wird der Preis einer Bahnsteigkarte einbehalten, im übrigen wird das ganze Fahrgeld zurückbezahlt. Für teilweise benutzte, unter bestimmten Voraussetzungen auch für nicht- bcnutzte Fahrkarten kann aber das Fahrgeld zur Vermeidung von Betrügereien, wegen der Berechnung des Unterschiedbetrages, der notwendigen Zustimmung der anderen beteiligten Bahnen usw. nur auf dem sogenannten »Reklamationsweg" erstattet werden. Auch diese Fälle sind noch sehr zahlreich. So wurden im Bezirk einer einzigen Eisenbahndirektion tat Jahre 1921 rund 47 000 Erstattungsanträge erledigt. Ein großer Teil dieser Anträge erfordert außer der rein geschäftsmäßigen Behandlung eingehende Erhebungen, Vernehmungen, schriftliche Verhandlungen mit anderen Bahnen und sonstige umfangreiche Verwaltungsarbeit. Die Bearbeitung der 47 000 Anträge verursachte allein einen Aufwand von über 400000 Mark. .Hierzu kommen noch weitere Personalkosten und sächliche Ausgaben. Die Behandlung der Er- stattungsanträg« k o st e 1 der Reichsbahn jährlich viele Millionen Mark.
Die Bahn muß diese Kosten natürlich selbst bestreiten, wenn sie aus Griinden, die sie zu vertreten hat (zum Beispiel Anschlußversäumnis durch Zugverspätung, Ausfall eines Zuges, Platzmangel), zur Erstattttug des FahrgeDes verpflichtet ist. Sie hat früher von einer Deckung ihrer Kosten aber auch in den weitaus zahlreicheren Fällen abgesehen, in denen die Reise ans geschäftlichen Rücksichten, aus Laune oder sonstigen, in der Person des Reisenden liegenden Gründen unterlassen oder unterbrochen worden war. In solchen Fällen wurde also das Fahrgeld nur ans Billigkeitsgründen erstattet. Bei einem Betrieb mit großen Einnahme-Ueber- schüssen unterlag dieses weitherzige Entgegenkommen keinem Bedenken. Es kann aber bei einem wirtschaftlichen Unternehmen, das nur unter den größten Schwierigkeiten einen A"Soleick der Ausgaben Lurch die Einnahmen erzielen kann, und das daher auch kleinere Quellen unwirtschaftlicher und unnötiger Ausgaben anfdecken nnd beseittgen muh, nickst verantwortet werden. Derartig hohe Kosten können, weil sie nur auf bett Rücktritt vom Beförderungsvertrag ans persönlichen Gründen des Reisenden zu- rückzujühren sind,
nicht mehr von der Bahn getragen werden. Nachdem die zuerst eingeführte Schreib« gebühr von 1 bis 2 Mark durch die Geldentwertung voollständig unzulänglich geworden war, wurde ah 1. Mai 1922 bis auf weiteres zur Dek- fung wenigstens eines größeren Teiles dieser Berwaltunaskosten anaeorbnet, daß bei Erstattung aus Billigkeitsgründen zehn Prozent des Erstattungsbetrages, mindestens jedoch fünf Mack, abzuziehen sind und von der Erflai- tung eines Betrages von weniger als fünf Mack überhaupt abgesehen werden soll. — Solche Abzüge sind übrigens auch bei anderen Bahnen (znm Beispiel bei den italienischen Staatsbah- uen in Höhe von zwanzig Prozent) und bei Reisebureaus eingefühck. Auch private Veckaufs- r stellen, die zum Beispiel Eintrittskarten für Theater, Konzerte und dergleichen vertreiben, pflegen bei Zurücknahme oder Umtausch das »Aufgeld" einzubchaften (zum Beispiel eine der größter Berliner Verkaufsstellen zehn Prozent des Ein- ttittsprcises). obgleich die hierbei erforderliche Verwaltungsarbeit meist erheblich geringer ist, als sie der Bahn bei dcr Erstattung von Fahrgeld in den meisten Fällen erwächst.
Der Klelnwovnungsbau.
Gute Eckatz-Bauwcisen.
Die anhaltende Kohlennot und der dadurch verursachte Mangel an Ziegelsteinen haben seit etwa drei Jahren eine rege Geschäfts- und Er- findeckättgkeit auf dem Gebiete der Erfatz- bauweisen hervorgerufen. Inzwischen hat die PrariS die brauchbaren vor: den weniger brauchbaren Bauweisen gesichtet, so daß eine ganze Reihe von versuchten Bairverfabren als nicht lcbnssähig ausgeschieden sind Sn- einer soeben erschienenen, vom Ministe- mr Volks- Wohlfahrt herausgegebenen Druckschrift nrti dem Titel »Die Bauwirtschast im Kleinwohnungs- bau" wird nun dcr Versuch unternommen, die