Nrrrumer 248
So««tag, 22. Oktober 1922
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Zns-rtlonSprkis-r a) Einheimische Sufträfle: Die eiafoatttge »metgenjeile R. 10.—, bi« einspaltige Reklamezetl« M. 30,—. b) Auswärtige Auftrcige: Die einspallige Anzeigenzetle M, 10.—, bi« einspallige Rellamezetle M. 30—, alles einschließlich TeuermrgSiuschlag und Anzeigensteuer. 7rür Anzeigen mtt besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Sewühr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht. Hofstraße 2S/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße ä, Telephon Nummer 951 und 952.
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Noch immer politische Verschwömngen.
zum neuen Kabinett gehört.
K. F. D.
Bravdurys Stellung ist fest.
in
Donar Laws ffirflärung.
2luf den Spuren.
Berlin, 21. Oktober . (Privattelegramm.) Wie zu den Mitteilungen des Reichskanzlers über das Bestehen eines Komplotts gegen ihn noch bekannt wird, erfolgte die Verhaftung, von der Dr. Wirth sprach, im Rheinlande. Der Verhaftete, dessen Angaben man noch nn Einzelnen nachprüft, soll nach Berlin überführt werden. Eine zweite Spur, die von der Polizei verfolgt wird, soll nach Berlin weisen.
bürgerlichen Ehrenrechte auf je zehn Jahre ab erkannt worden.
Urteil im Münchner Arozeß
Der Laudesverratsprozeh Fechenbach.
London, 21. Oktober. (Privattelegramm.) Im britischen Auswärtigen Amt wird erklürr, dass die Stellung des englischen Delegierten in der Reparationskommission, Sir John Bradbury, durch die neugeschasiene Situation England in keiner Weise berührt werde.
Mordplan gegen Dr. Wirth
Aufdeckung durch Briefkontrolle.
(Privat-Telegramm.)
Deutschlands Zahlungen.
Kontrollmaßnahmen und Pfänder!
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 21. Oktober.
Havas teilt halbamtlich mit: Die Rrpara- tionskommisfion hielt gestern nachmittag ihre offizielle Freitagssitzung ab. Auf der Tagesordnung standen zahlreiche Fragen zweiten Ranges und laufende Angelegenheiten. Im Astoria- Hotel wurde erklärt, es sei unter den gegebenen Umständen nicht sicher, dass B a r t h o u seinen Kollegen von dem vorgestern aufgestellten G e - setzentwurf Kenntnis geben könnte, dessen ganze Bestimmungen veröffentlicht worden sind, da dieser Geqenentwurf das gleiche Ziel verfolgt, wie das Programm Bradbury 8, nämlich die Stabilisierung der deutschen Mark. So befasste er sich nur mit der Einrichtung strenger finanzieller Kontrollmatznah men in Verbindung der evtl. Beschlagnahme von Pfandern. Dagegen wird die Regelung aller übrigen, von den englischen Delegierten aufgeworfenen Fragen, als dem Zuständigkeitsbereich der alliierten Regierungen oder der geplanten interallierten Konferenz in Brüssel gehörend betrachtet.
Die Konservativen.
London, 21. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Sonar Sato ist gestern den ganzen Tag über in seinem Haufe geblieben und hat sich mit der Prüfung der Probleme der neuen Lage beschäftigt. Die Versammlung der konservativen Parteck, von der Bonar Law zum Führer ernannt werden soll, ist für Montag nachmittag im Hotel Cecil in London festgesetzt worden. Anschließend daran hat Bonar Law eine Besprechung beim König. Bei dieser Gelegenheit wird er wahrscheinlich den Premicr- ministerposten definitiv an nehmen.
Unter seiner Kabinettsleittmg wurde der große VerleumdungSfeldzug, eine der übelsten britischen Taten, mit dem geisteskrank gewordenen Lord Northcliff an der Spitze, in Szene gesetzt. Wer im Auslande gelebt hat oder wer ausländische Zeitungen zu lesen versieht, der weiß, daß unter den nichtswürdigen britischen Lügen das deutsche Volk in dieser und noch der nächsten Generation zu leiden haben wird. Als schließlich Deutschland unter der feindlichen Uebermacht zusammengcbrochen war, setzte sich Lloyd George mit dem Fanatiker Clemcnceau zusammen, warf die berühmten vierzehn Punkte des Ideologen (oder Heuchlers?) Wilson über den Haufen und knebelte das in hinterlistiger Weise wehrlos gemachie deutsche Volk durch das Versailler Diktat, raubte unsere Kolonien, unsere Handelsflotte, unsere Ueüer- seekabel, zerstörte unseren Ueberseehandel und unsere Reichsfinanzen. Das Zersiörungswerk Hwird noch fortgesetzt durch die Versailler Bestimmungen. Es war Lloyd Georges unbestrittenes Streben, Deutschland so gründlich wie möglich zu vernichten, um es für die nächsten fünfzig Jahre am Wiederaufbau zu bindern, wie er dem britischen Volke versprach. Er war ein Scharfmacher, der nur das britische Nationalinteresse kannte.
Manches ist nun anders gekommen als es Lloyd George gedacht hatte. Er bat dem poli- ttsch gut dressierten britischen Volke auch Vieles versprochen, wa? er nicht gehalten hat, was er bewußtermaßen nicht halten konnte. Er war überhaupt ein Vielredncr. späterhin ein hohler Schwätzer. Man erinnere fick nur an seine Reden, die er vor jeder Alltiertenkonferenz hielt, wenn über die deutschen Wiedergutmachungs- Pflichten beraten werden sollte. Nach althergebrachter englischer Taktik spielte er sich nun als Friedensfreund auf, der dem Besiegten doch noch das Leben gönnt, machte Andeutungen, daß dem ausqepreßten Deutschland geholfen werden müsse, aber er fiel jedesmal um, weil er Po- incarös Forderungen nicht widerstehen konnte oder nicht wollte. Jedenfalls gelang es ihm auf diese Weise, für die Sünden de.z Reparations- zwanges die Franzosen verantwortlich zu machen. Mit dieser kraftlosen Halttmg aeriet er immer mehr in die Abhängigkeit von Poinearö und verlor schließlich selbst jeden Einfluß in der europäischen Politik.
Betrachtete man Llovd George in der Kriegs- zett und noch kurz danach als den mächtigen und fähigen Staatsmann, solange es galt, einen v-" Feinden umringten Gegner auszuhungern, se • ■ wies er sich in den letzten zwei Jahren als ein kurzsichtiger Politiker, als es nun darauf ankam, das große Werk des Wiederaufbaues einzuleiten. Zwar führte er in seinen Reden friedliche Worte int Munde, aber es gelang ihm nicht, sie in die Tat umzu letzen. i In der letzten Zeit konnte man wohl aunehmen, daß er Deutschland ein wenig mehr Bewegungsfreiheit zubilligen wollte, er- 1 "tens weil die englische Industrie und der Han- । del unter dem mittel- und osteuropäischen Chaos ■ litten, zweitens weil ibm Poinearö zu mächtig । geworden war. Aber seine Versuche, Deutsch- , land eine Erleichterung zu verschaffen, schlugen , alle fehl. Ihm gegenüber behielt der gistae- , schwollen? Poinearö die Oberhand. Lloyd Gr- ' arge unterlag in der Revarationsvolitik, er un- 1 terlag in der Abrüftungsfrage, und er unterlag ■ Zuletzt in der Orientvolitik und wußte die irische 1 ^rage nicht zu lösen. Mißerfolg auf der Linie! Wenn er trotzdem so lange i
Berlin, 21. Oktober.
Zur Aufdeckung des MordPlaneS gegen Dr. Wirth teilt der „Tag" folgende Einzelheiten mit: Es wurde bisher sestgcstellt, daß tatsächlich mit einem Anschlag auf den Kanzler zu rechnen war. Ueberall wurden infolgedessen polizeiliche Briefkontrollen verhängt, wo man Verbindungen in den Kreisen vermutete, in ve- nett etwa das Attentat geplant sein konftte. Hierbei wurde der Brief eines jungen unreifen Burschen in Leipzig namens Schulz an einen Bekannten abgefangen, in dem er diesem mit teilt, daß er Dr. Wirth erschießen werde. Dieser Brief und der Verbäckst, daß ein Anschlag unmittelbar bevorstche, hat dazu geführt, daß "er Schutz des Kanzlers außerordenttich verstärtt wurde. Die Reichstagswache erhielt Verstärkung. Zahlreiche Kriminalbeamte hielten sich dauernd in der Nähe des Kanzlers aus. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit nimmt ihren Fortgang. In Berlin waren gestern Gerüchte von einem bevorstehenden Militärputsch von rechts im Umlaufe. Sie entbehren der Grundlage
Das britische Kabinett.
Bonar Law und seine neuen Mitarbeiter.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 21. Oktober.
Die Abendblätter veröffentlichen folgende voraussichtliche Ministerliste: Ministerpräsident Bonar Law, Lordkanzler: Salisbury, Auswärtiges: Lord Curzon, Krieg: Lord Dcr- b y, Schatzkanzler: Baldwin. Bon besonde- rcm Interesse ist, daß sowohl Curzon wie Derby sich zur Mitarbeit im Kabinett Bonar Law bereit erklärt haben. Derby ist bekanntlich ein eifriger Vorkämpfer für ein französisch-englisches Bündnis. Rach einer anderen Auslegung wird Derby vielleicht baS Außenministerium üoernch men, während Curzon als Lordkanzler eintritt.
Notwendigkeit der Erhöhung
. der Preise für das erste Umlagedrittel an - . erkannt und beschlossen: Für die Festsetzung , des ersten Drittels der Umlage sind die Jndex- , ziffern für August, September und Oktober zu- gründe zu legen. Außerdem ist der Ernte-
, ausfall des lausenden Wirtschaftsjahres ge- : genirber normalen Jahren zugrunde zu legen. [ Die Reichsregierung bat bei den Verhandlungen . über das diesjährige Getreidegesetz stets die Anf- , safsung vertreten, daß der Umlagegetreidepreis einen Ersatz der Produktionskosten der diesjäh- riaen Ernte, einen angemessenen Gr- w i n n für den Landwirt uirb außerdem einen Anteil am Ausgleich für die bei fortschreitender Markentwertung sich ständig steigernden Produktionskosten der nächsten Ernte in üch schließen müsse. Sie glaubt daher, überein» stimmend mit den Beschlüssen des volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstages und des nach Paragraph 50 des Gesetzes zusammenberufenen Ausschusses, daß für die Berechnung der Preise für das erste Drittel eine Aenderung schon jetzt bei der in diesem Maße nicht voraus- sehbar gewesenen Markentwertung notwendig ist und erachtet es ferner mit dem letztgenannten Ausschuß für erforderlich, daß bei der Berechnung den Jnderziffern der Herbstmonate 1922 eine besondere Berücksichtigung zuteil wird. Die in den beiden Vorjahren angewandte Methode, die durchschnittliche Jnderzabl des jeweiligen Produkttonsiahres der Preisermittelung zugrunde zu legen, würde bei der
sprunghaften Markentwertung
bei Ende dieses Jahres den berechtigten Forderungen der Landwirtfchafl nicht genügend Rechnung tragen. Rach dem vom Ausschuß vorae- schlagenen Durchschnitt der Jnderziffern für August, September und Ottober würde sich ein Preis von 23 619.30 Mark für die Tonne Roggen errechnen. Würde man dazu noch entftw chend dem Wunsche der Mehrheit der Kommission 20 v. H. für den angenommenen Ernteausfall zuschlggen. so käme ein Preis von 2^ 343,10 Mark zustande. Die Reichsregierung erachtet diese Aufstellung für zu weitgehend. Sie kann ihr auch schon um deswillen nickst znsttmmen, weil die von dem Ausschuß gewählte Grundlage der Jnder^ablen für die Monate August bi? Oktober 1922 insofern nicht genügend zuverlässig erscheint, als lediglich für den ersten Monat August die ziffernmäßigen Unterlagen vorhanden find, während für September und Oktober Schätzungen Platz greifen müssen. Es wird ferner zu der Anregung des Ausschusses, bei der Preisbestimmung auch den Ernteaussall des lan^nden Jabres gegenüber normalen Jahren zugrunde zu lesen, auch ohne die sachliche Berechttgung dieses Ausbruchs näßer zu prüfen, • ohne weiteres das gewichtiae Bedenken zu erheben sein, daß die F e st st ellungen des Statistischen Reichsamtes über den Ernteausfall noch nicht zum Abschluß gekommen fein Werden und sich daher im gegenwärtigen Zei
Die Brotversorgung.
Regelung der Getreide Umlage.
Heber die Gerr«ivepreife, di- für die pflicht, mäßige Lieferung amtlich festgesetzt Word«» sind, ist viel gestritten worden. Die Erzeuger finden den Preis ,n gering, die Verbraucher ,« poch. Dazu wird von Negierungsseite folgende beachtenswerte Darlegung gegeben- Der Reichs - Ernährungsminister hat dem Reichstage nun den formulierten Entwurf zur Abänderung des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 vor- gelegt. Danach beträgt der Preis für das erste Drittel der Umlage für Roggen 20500, für Weizen 22500, für Gerste 19 000, für Hafer 18000 Mark je Tonne. Demgegenüber bewegten sich in der zweiten Halste des September die Jnlandsgetretdepreise nach der amtlichen Feststellung der Produktenbörse zu Berlin zwischen 38000 und 69 000 Mark für Weiten, 48000 und 62000 Mark für Roggen. Die Auslandspreise waren noch höher. Die Landwirtschast fordert allgemein, die Preise für das Umlagegetreide sobald als möglich zu erhöhen, da sonst eine Ablieferung wirtschaftlich, insbesondere mit Rücksicht auf die Reproduktionskosten, last unmöglich sei. Zumal für die gegenüber dem Vorjahre weit stärker belasteten Mittelbetriebe, denen in Gegenden mit geringer Ernte nach Ablieferung des Umlagesolls vielfach nur wenig Getreide für den freien Verkehr übrig bleiben werde, bedeute die Aufbringung der Umlage zu den jetzigen Preisen die Unmöglichkeit der Fortsetzung ihrer Wirtschaft. Der Volks- wirtschaftliche Ausschuß des Reichstages hat sol- gude Entschließung angenommen: Die Reichs- regtenntg zu ersuchen, ungesäumt den im Paragraphen 50 des Gesetzes vorgesehenen Ausschuß zusammenzuberufen, um mit ihm einen den völlig veränderten Verhältnissen Rechnung tragen« den neuen Preis für das erste Drittel der Umlage festzusetzen. Dieser Ausschuß ist am 16. September zusammengetreten und har nach eingehender Beratung mit Stimmenmehrheft die
Aerzte und Krankenraffen.
Ergebnislose Verhandlungen.
(Privat-Telegramm.)
Leipzig. 21. Oktober.
Tie Verhandlungen, die am 19. Oltobrr zwischen den Spitzenverbänden der deutschen Aerz- tcschast und der Krankenkassen über die ärztlichen Forderungen begonnen haben, sind gescheitert. Die Forderungen der Aerzte erstreck ten sich auf Erhöhung deS Honorars für das dritte Vierteljahr 1922 über den vorn Reichsar- beitsministeriurn ergangenen Vorschlag hinaus. Die Vertreter der Krankenkassen lehnten sowohl jeden Zusckstag ab, der über den vom Reichsarbeitsminister festgesetzten Zuschlag von 225 Prozent hiimusgelst. Ebenso lehnten it einen Antrag der Aerzte ab, das ganze Tarifabkommen vom März auf andere Grundlagen zu stelle«.
London. 21. Ottober. (Eigene Drahtmeldunz.) Bonar Law hat gestern nachmittag folgende Erklärung abgegeben: Für den Augenblick bin ich noch eine bürgerliche Privatperson. Illi werde nicht vor der Versammlung der Konservativen die am Montag stattfindet, zum König de- hen. Wenn ich dann von der konservativen Partei zu ihrem Führer erwählt werde, kann ich in der Lage sein, den König zu beraten und die ofortige Auslösung deS Parlaments anzuordnen. Trotzdem wird reichlich Zeit fein, um das irische Homerule-Gesetz durchzubringen.
Georges Abgang.
Erne verfehlte Politik.
Der Rücktritt des britische:: abinctts Lloyd George war nicht nur für England, sondern allgemein eine Ueberraschung. Aber schließlich muß auch ein Ministerpräsident das Feld räumen, auch wenn er noch so schr an seinem Amte klebt. Llovd George ist der Staatsmann, der die Kollegen in allen anderen Ländern überdauert hat. Im dritten KriegSjahr (1916) wurde er als Rachfolger des damaligen Ministerpräsidenten Asquith mit der Kabinettsbildung betraut, nachdem er sich c'3 -bgeordneter, Handelsminister, Schatzkanzler und Munitionsminister hervorgetan hatte. S: ne Politik war im Kriege dadurch gekennzeichnet, daß er in schärffter Weise die britischen KriegZrüstungen gegen Deutschland be. trieb. Wie er bei der Beschaffung der Kriegs sinanzen die Parole ausgab, daß derjenige den Krieg gewinne, der am längsten mit go l- denen Kugeln schieße, so begründete er als Ministerpräsident die rücksichtslose Durchführung der Militärpflicht damit, daß derjenige den Krieg gewinnen werde, der den letzten Mann einfctze. Er war es, der das britische Reich trotz aller militärischen Niederlagen und aller maritimen Erfolglosigkeit immer wieder anzutreiben verstand. In den Mitteln dazu war er nicht wählerisch und es standen ihm ja genug Hilfskräfte zur Verfügung, die ebenso skrupellos waren.
(Privat-Telegramm.)
München, 21. Ottober.
DaS Volksgericht hat gestern in dem vor acht Tagen zu Ende geführten Landesverrats-Prozeß Fechenbach einstimmig folgendes Urteil ver- kündet: Der Angettagte Fechenbach wird wegen des Verbrechens des vollendeten Landesverrats und des verfnchten LandeÄierrats zu einer Gesamtzuchihausstrase von elf Jahren verurteilt. Tr. G a r g a s wurde wegen versuchten Landes- Berrates zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Beiden wurden je zwei Monate der Untersnch- ungshast angerechnet. Der Schrifüeiter Karl Heinz Lembke wurde wegen verfnchten Landesverrats zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Ihm wurde ein Manat der Untersuchungshaft angerechnet. Allen drei Verurteilten sind die
im Amte geblieben ist, fo erflärt sich dies daraus, daß es politische Wirrnisse gibt, die kein Anderer lösen mag. — (Etwas Aehnliches beobachten wir ja bei uns, wo sich niemand zu finden scheint, der den Posten des deutschen Außenministers zu übernehmen geneigt wäre oder der mit der Erfüllungspolitik Schluß machen wollte.) — Was wir von dem neuen britischen Ministerpräsidenten, dem konservativen Führer Bonar Law, zu erwarten haben, ist noch ungewiß. Vielleicht ist es ein günstiges Zeichen für uns, daß die Franzosen ihn nicht mögen! Ungünstig tst aber, daß Lord Derby, ein Franzosenfreund,
Mißbrauch von Jugendlichen.
Berlin, 21. Ottober . (Prävattelegramm.) Der Parlaments-Pressedienst erfährt zu dem Attentatsplan gegen Dr. Witth: Durch Zufall ist die Polizeibehörde nicht nur auf die Spur eines einzelnen Komplotts, sondern mehrererAn- schlage gegen den Reichskanzler gekommen. Eine jugendliche Persönlichkeit über deren Herkunft aus erklärlichen Gründen nichts gesagt werden kann, war von Kreisen, die dem Attentat auf Wirth nahestehen, zu hohem Solde gedungen worden, den Kanzler zu ermorden. Gewissensbisse haben den jungen Mann veranlaßt, von der Ausführung des Planes Abstand zu «ehmen und über die Vorbereitung felbst der Polizei Mitteilung zu machen. Er wurde in Haft genommen und machte Auskünfte, die stichhaltig find und die Polizei auf neue Führ- ten in der Angelegenheit gelenkt haben.