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Kasseler Abendzeitung

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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Nummer 253

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 28. Oktober 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Teuerung, Löhne und Zmmrberatung.

Folgen der Teuerung.

Am die bayrische Tenernngs-Denkschrist.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Oktober.

liebet die Unstimmigkeiten in bayrischen RegierungSkreisen wegen der Teuerungs- Denkschrift bringt ein führendes Organ der Bayrischen Bolkspartei, dieAugsburger Volks­zeitung", folgende Beurteilung:Es ist Tatsache, daß sich die Lage ernstlich zugefpitzt hat und daß sich Graf Lerchenfeld vor folgenschwere Entschei­dungen gestellt sehen könnte. Da am Freitag die Tagung der Bayrischen Bolkspartei ihren An­fang nimmt, so muß schon in den nächsten Tagen eine Klärung der Lage eintreten und sich zeigen, ob Graf Lerchenfeld unter den gegebenen Ber- iwltnissen noch die Möglichkeit steht und geneigt ist, sein Amt weiterzuführen. Auch dieMünche­ner Neuesten Nachrichten" sagen, daß die Partei­tagung der Bayrischen Bolkspartei Klarheit brin­gen mutz. i»e für die gedeihliche Fortführung der Geschäfte naturgemäß gefordert werde« muß.

crklärung des Schiedsspruches wird der Reichs­fohlenrat am heutigen Freitag die neuen Kohlen­preise für die nächste Zeit festseuen.

s

Störung der Brotverforgung!

Düffeldorf, 27. Oktober. (Privattelegramm.) Da die wegen Lohnstrcitigkeiten ausständigen Transportarbeiter die Mehlzufuhr zu verhindern suchen, ist die Brotverforgung der Stadt Düffeldorf gefährdet. Die knap- pin Vorräte der Bäckereien gehen zu Ende. Im Hafen, an den Güterbahnhösen und vor den Bäckereien überwachen starke Bosten der Ausstän­digen jede Ab- und Zufuhr. Das Anerbieten der Stadtverwaltung zu einer Vermittlung ist von den Arbeitgebern abgelehnt worden.

Kohlenpreis-GrhöhMg.

Die Verteuerung des Wirtschaftslebens.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Oktober.

Die durch Schiedsspruch den Bergarbeitern zugesvrochene Lohnerhöhung wird voraussichtlich eine Erhöhung des Kohlenpreises um etwa fünfzig Prozent zur Folge haben. Diese Erhöhung wird sich naturgemäß auf das ge­samte Wirtschaftsleoen sehr stark ver- euernd auswirken. Durch das Neberschichten- Abkommen hat die Kohlenförderung bisher nur eine leichte Besserung erfahren, so daß die Koh- lenfragc nach wie vor als außerordentlich ernst anzusehen ist, zumal die Erweiterung der En­tente-Forderungen droht. Als für die Fortfüh­rung des Bergbaues bedrohlich wird in Berg­baukreisen die Lage auf dem Hvlzmarkt an­gesehen. Der veberschutz an Grubenholz ist gegen das Borjahr erheblich zurückgeblieben. Es schwe­ben gegenwärtig Verhandlungen über einen ver­stärkten Holzimport, der eine weitere Verteue­rung der Produktionskosten bedingen wird. Der Kubikmeter Grubenholz kostet ab L November durchschnittlich 22 000 Mark, was einer über zwölfhundertfachen Verteuerung gleichkommt.

(Eigene Drahtmeldung.)

München. 27. Oktober.

Griechenland, Aegypten und Norwegen und elf unbekannter Staatsangehörigkeit.

Dieser Entwicklung kann aus die Dauer mcht untätig zugesehen werden. Der ganze Umfang des Grundstücks aber erhöht sich um die große Zahl der Verträge über Metenverluste und Ad- mieten von Wohnungen an Ausländer, hier dürften Städte wie Potsdam, Wesbaden, Bonn den Vogel abschießen. Was tun? Die Frage ist noch nicht gelöst. Sie wäre gelöst, wenn nicht derFriedensvertrag" uns die Hände bände. Nach Artikel 276 des Versailler Vertra­ges müssen Ausländer völlig gleich den In­ländern in ihren Interessen und Rechten be­handelt werden. Im übrigen kommt es hier auch auf die rechtliche Formulierung nicht an; wo die Interessen der Ausländer in Frage kom­men, sorgt ein bei irgend einer Gelegenheit er­gehendes Diktat schon dafür, daß den Auslän­dern der Wille geschieht, ohne Rücksicht auf for­mulierte oder moralische Rechte Dem Verneh­men nach sind jedoch einige Städte dabei, durch eine besondere Besteuerung in den Gemeinden zu erreichen, daß wenigstens etwas für die Gemein­den dabei abfällt. Im ganzen tut Hilfe und abermals Hilfe dringend not! D. 8.

Llmlageermaßigung für bayrische Gebiete.

München, 27. Oktober. (Privattelegramm.) Das bayrische Landwirtschaftsministerium hat mit dem Reich Verhandlungen eingeleitet, die die Ermäßigung der Getreideumlagemenge für diejenigen bayrischen Gebiete bezweckt, die eine Getreidemißernte zu verzeichnen haben.

Eine Teuerungsokiion der Beamten.

Berlin, 27. Oktober. (Privattelegramm.) Die großen Spitzengewerkschasten der Beamten und Staatsarbeiter mit Ausnahme der christ­lichen Verbände haben einen neuen Vorstoß un­ternommen, um jetzt, nach Verabschiedung des Beamtenbesoldungsgesetzes, eine neue Teue- rungsaktton einzuleiten. Die Vertreter der Spit­zenorganisationen begaben sich zunächst zum Reichskanzler, um dort ihre Forderungen vorzu- ttagen. Der Reichskanzler konnte sie jedoch nicht empfangen, und so trugen die Beamten- und Ar­beitervertreter dem Ministerialdirektor v. Schlie- ben ihre Wünsche vor. Im Finanzministerium war man jedoch der Ansicht, daß eine Teue- rungsaktion noch verfrüht sei und daß gerade jetzt, unmittelbar vor den Verhandlungen mit der ReparationSkommission, derartige Be­sprechungen nicht angebracht seien. Auf Grund dieser Ablehnung traten die gewerkschaftlichen Spitzen zu einer neuen Sitzung zusammen und besHlvssen, neue Schritte beim Reichskanzer zu unternehmen, die gestern eingeleitet wurden.

Die Landesversammlung der Bayrischen Bolkspartei, die am Sonnabend und Sonntag in München stattfindet, wird auch über eine Reihe von Anträgen Beschluß zu fassen haben. So verlangt ein Beschluß des Kreisverbandes Nie­derbayern die Beseitigung der republikanischen Schutzgesetzgebung, ein Antrag des Lan­desverbandes München die Abänderung der Weimarer Verfassung zwecks unumstrit­tener Feststellung des bundesstaatlichen Charak­ters des Deutschen Reiches. Auch eine Reform der bayrischen Verfassung durch Auf­stellung eines bayrischen Staatspräsidenten, fer­ner eine zweite berufsständische Kam­mer, Erleichterung der für Dolksverlangen und Volks be ehren gestellten Anforderungen, sowie Revision des Selbstverwaltungs-Ge sttzes durch Erleichterung des Referendums wer­den beantragt. Weitere Anträge zu dcsverscmmlung beziehen sich auf die Bekamp-

Häuser-Verkauf.

Noch mehr Grundstücke a» Ausländer?

In der letzten Sitzung der Preußischen Land­tages ist ausführlich über den sehr bedauerli­chen Verkauf von deutschen Grundstücken an Aus­länder gesprochen worden. Der demokratische Abgeordnete Dominicus nannte als Grundübel die Unrentabilität des Hausbesitzes- Auch der Deutschvolksparteiler Hemming wies darauf hin, daß die wirtschaftliche Not manchen Hausbesitzer zum Verkauf zwäzLe. Auf »en Angriff des Wirtschaftsparteilers Laden- dorsf auf den Volkswohlfahrtsminister Hirtste- fer antwortete dieser und widersprach der Aus- fassung als sei der Hausverkauf an Ausländer auf die Wohnungszwangswirtschaft, die von ihm verkündigt wird, zurückzuführen. Die Aussprache war sehr lebhaft und der Sied­lungsausschuß wurde beauftragt, sich weiter da­mit zu beschäftigen. Welches auch für den ein­zelnen Verkäufer die Ursache zum Verkauf sein möge, die eine Tatsache sicht fest, daß der Aus­verkauf an Ausländer ein häßlicher Auswuchs unserer Zeit ist. Unter den geradezu entsetzlichen Wirkungen des Ausverkaufs deutschen Besitzes an Ausländer nimmt der Verkauf des Grundbe- fitzes eine besonders wichtige Stelle ein. Jetzt hat sich in Amerika ein Riesenunternehmen ge­bildet zu dem Zwecke, gute Anlagen für die in Amerika untergebrachten deutschen Geldscheine zu suchen. Mit anderen Worten: Da die Mark andauernd fällt, will das Ausland für seine un­geheuren Papierbestände Goldwerte suchen. Es kann fein Zweifel darüber sein, daß das in er­ster Reihe Grundstücke sein werden. Wer einigermaßen das Eindringen fremder Eigentü­mer in unseren Besitz verfolgt, wird entsetzt fra­gen: .Noch mehr Grundstücke den Ausländern? Nicht zu reden von Saorgebiet. von Oberschle­sien, Danzig und anderen schönen deutschen Landen nein gerade im politisch noch deut­schen Teil! Zwar kennen wir schon die unend­lich große Zahl der Ausländer, die deutsche Häu­ser besitzen, aber noch kennen wir die Zahl der Strohmänner nicht, die Platzhalter für einen Ausländer sind, ebensowenig wie die Aktionäre aller möglichen grundbesitzenden Akttengesell- fchaften, die in unendlicher Reihe Haus an Haus ankaufen, ankaufen für ein Butterbrot nach ihren Verhältnissen, ankaufen in einer Zeit, in der der Wohnungsraum so unendlich knapp für uns selbst ist. Ja, zu diesem Ankans wird noch

Mark ausgesprochen. Zur Stunde steht noch nicht fest, ob die beiderseitigen Parteien den Schiedsspruch in der Lohnfrage der Bergarbeiter__________ ---------- .

annehmen. Bei Annahme und Berbivdlichkeits- fung wirtschaftlicher Uebelstände.

Neue Lohnstreitigketten.

Die Forderungen im Bergbau.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 27. Ottober.

Durch Schiedsspruch wurde die Lohnerhöhung für die Bergarbeiter wie folgt festgesetzt: Ab L November den Arbeitern von Über 20 Jahren eine Zulage von 50 Prozent, den Arbeitern zwischen 18 und 20 Jahren 40 Prozent und den Arbeitern unter 18 Jahren 30 Prozent. Außer­dem wurde die Erhöhung der Sozialzulage (Hausstand und Kinderzulage) von 20 auf 40

SteUungnatzme von Finanz und Handel.

Berlin, 27. Oktober. In der Besprechung deS Reichskanzlers mit den Vertretern der Berliner Finanz- und Handelswelt war man sich darüber klar, daß eine Uebwwachung der Devisenwirtschaft von Slaatswrgcn durchaus am Platze ist. Durch entsprechende ge- setzliche Bestimmungen müsse dafür gesorgt wer­den, daß die Anschaffung der Devisen nur auf unbedingt lebensnotwendige Artikel beschränkt bleibt. Der Regierung sind Wege gezeigt war- den, auf denen eine solche Maßnahme wohl mög­lich wäre: hingegen ist sie int Laufe der Aus­sprache wiederholt ermahnt worden, die jetzige Form der Devifenordnung sofort a b z u a u - bern, da im Augenblick jede geschäftliche Kak- knlation auf Grund ihrer Bestimmungen unmöglich geworden sei.

Lia ausländistSer SaGverstSnbioer.

Berlin, 27. Oktober. Von den ausländischen Sachverständigen, die nach Berlin geladen wur­den, hat der erste, der Präsident her Hollands scheu Staatsbank, Visse ring, eine längere vorbereitende Aussprache mit dem Reichskanzler gehabt. Visserins hat sich ausführlich über ben sogenannten Plan Visserings mit der Jffbän* beritna Termeulens, die dieser vor zwei führen auf der Finanzkonferenz in Brüssel beAwor- tote, ausgesprochen. Die ,B. 3- schE dieser Besprechung: Was f. Zt. in Brüssel und

angereizt.

Dr. Adolf Roeder brachte in einer Berliner Zeitung ein Beispiel dafür: Der Abteilungslei­ter der Firma Emil Heinicke, Attiengesellschaft in Berlin Charles und Buck, läßt eine Broschü­re in den Lese- und Schreibzimmern bet Berli­ner Hotels zur Auslage bringen, in der er in englischer Sprache die EngländerLandsleute" anredet und die Ausländer ermahnt, den deut­schen Grundeigentümern zu verheimlichen, daß sie A u s l ä n d e r sind, wenn sie Boden- und Lausbesitz in Deo 'land erwerben wollen! Hierzu kommt die ..ift deutscher Besitzer, ein Haus weiter zu batten. Die Mietsgesctzgebnng macht dem Hauswirt, -nparteiisch betrachtet, das Leben schwer. Sein Vermögen steht er in seinem Werte deswegen zurückgehen, weil der Ertrag ihm dauernd geschmälert wird; heute bringt kaum ein Haus noch einen Nutzen. Mancher Hausbesitzer begrüßt also eine Abfindung in Dollar oder Pfund Sterling als eine Erlösung. Der Dollar steht wie ein Fels von Erz, die Mark schweigen wir; Dollar lassen sich immer versilbern. Der Auslänedr aber spekuliert, Sach­wert ist Sachwert, einmal muß dem Sachwert der Ertrag entsprechen, und bann hat sich das Geschäft gelohnt.

Beispiele reden. Nach einer von Dr. Chlom- bowsky im Aufträge des Deutschen Städtetages gut bearbeiteten Statistik wurden verkauft im letzten Vierteljahr 1921 in Aachen pon 362 Grundstücken 102 an Ausländer, in Schöneberg von 183 71 an Ausländer (wahrscheinlich so­gar 36 mehr) in Wilmersdorf von 358103 an Ausländer, in Charlottenburg von 13354 (wahrscheinlich sogar 71), in Köln von 781 100. in Wiesbaden von 290 164, in Flensburg von 82 29. in Freiburg von 216 44, in München von 579 107, in Dresden von 586 203. in Konstanz von 64 24. Das sind Stichproben. So war es schon 1921! Und so war es, ohne daß man die Käufe durch' Stroh­männer oder Gesellschaften, die in Deutschlaich zwar beheimatet, deren Inhaber aber Auslän­der sind, hinzugerechnet Hai, weil man das mit Sicherheit nicht feststellen kann. Interessieren mag an den Ausländern noch die Herkunft. Im Jc hre 1921 traten folgende Ausländer als Käu­fer aus: Holland zweiunddreißig, Spanien neun, Schweden sechs, Italien sechs, England sechs, Ukraine fünf, Polen vier, Tschecho-Slowakei vier, Amerika drei, Litauen drei. Rußland drei, Schweiz drei, Brasilien zwei, Oesterreich zwei, Rumänien drei, Jugoslavien zwei, Estland zwei je einer aus Syrien und Kuba. Frankreich,

Das deutsche Geld.

Versuche zur Festigung der Mark.

Das ständige Sinken 6er Mark hat die Regierung veranlaßt, u»i« den Partei­führern und mit Flnan»saa>verstSnSigen über Maßnahmen zur Besserung zu de- raten. Darüber wird Folgendes berikytett Die Führer der Koalitionsparteien, der Deut­schen Bolkspartei und der bayerischen Volkspar­tei hatten gestern eine Besprechung beim Reichs­kanzler Dr. Wirth über die deutsche Finanz­not. Der Kanzler legte die innen- und außen­politische Sage dar, in der er darauf hinwies, da die deutsche Regierung vor einer schweren Entscheidung stände, wie dies ja auch aus dem beorstehenden Eintreffen der Reparations- Komission in Berlin und aus der von der Re- Smg cinbcrufenen Konferenz ausländischer rungssachverständiger hervorgche. Bei der Behandlung der außenpolitischen Lage wieS der Kanzler darauf hin, daß die Regierung in der Reparations-Frage emehrfach auch im Auslände aktive Schritte unternommen habe. Für ihn sei die Koalition zwischen der Vereinigten So- zialdemokratischen Partei, des Zentrums und der Demokratie die Brücke, auf die er stehe. Hier­aus sprach Hermann Müller und Reichswirt­schaftsminister Schmidt. Müller machte davon Mitteilung, daß die sozialdemokratische Fraktion in der kommenden Woche erneut zusammentreten und über das Ergebnis der augenblicklichen Aussprache mit der Regierung beraten werde. Von diesem Eraebnis hänge ihr weiteres Set« bfeiben in der Koalition ab. Der Reichswirt, schaftsminister Schmidt legte Wert auf eine Stützungsaktion für die Mark unter Hinzuziehung des Goldes der Reichsbank. Von der Durchführung dieser Maßnahme hänge seine weitere Stellung zum Kabinett ab. Dr. Hil­fe r d i n g gab unter anderem eine Art Darstel­lung des im Vorwärts- veröffentlichten Pro­gramms. An dem Grundprogramm der Stüt- zungsaktton der Mark könne nicht mehr gerüttelt werden. Die Reichsbank müsse mit ihrem Golde eine Devisenforderung schaffen und versuchen, mit der abgesttirzten Valuta

eine aktive Handelsbilanz herbeizuführen um aus dem Taumel, der einen Teil der deut- . scheu Arbeiterschaft ergriffen habe, herauszukom­men. Das Ueberschichten-Abkommen sei vor Steigerung der Arbeitsleistung auch auf andere Jndustrieen auszudehnen. Der Abg. Dr. Stre- f e m a n n bedauerte am Eingang einer längeren Rede die Veröffentlichung beS_ sozialistischen Problems. Er forderte ein präzises Repa­rations-Programm der Regierung, daß eine endgültige Lösung ergebe. Mit Kriegsan­leihen und kurzen Moratorien wäre uns nichr geholfen. Er verlangte weiter, daß die Regie­rung ein klares Programm vorlegt, tote sie sich die Entwicklung weiter denke. In der Debatte sprachen noch die Abg. Dr. von Raumer. Dr. Kock, Klöckner, Dr. Nieser und Lange. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der sich mit den wirtschaft- sichen Vorschlägen Dr Hilferdings beschäftigen soll. Der erstgenannte Ausschuß trat unter dem Vorsitz des Reichskanzlers sofort zu einer Stt- zung zusammen. Rach einer längeren Aus­sprache über weitere Fragen wurde eine Eini­gung auf Grund der Vorschläge des Reichs- wirtschaftsministers erzielt. Die Aussprache über weitere Fragen wird fortgesetzt werden. Es ist zu hoffen, daß für die gesamten zur Debatte stehenden Fragen eine gemeinschaftliche Lime der künftigen Politik gefunden werden wild.

Die Finanz-Beratungen.

Mit Regierung, Industrie und Handel.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 27. Ottober.

Die Verhandlungen der Reparationskommis- sion in Berlin werden nicht nur mit den deut­schen Regierungsstellen, sondern auch mit Vertretern der deutschen Industrie und der deutschen Handelswelt geführt werden. Die Kornurission hat auch vorgestern und gestern ihre tiertrnulidjen Sitzungen fortgesetzt. Die Aus­sprache über die Vorschläge Bradburys und Batthous ist noch nicht zum Abschluß gelangt. Der einzige Pmckt, über den bisher Einigkeit er­zielt wurde, ist die Reise nach Berlin. Reichs­kanzler Dr. Wirth gab gestern abend zu Ehren der ausländischen Finanzsachverständigen Bishe- rinfl und Dubois ein Diner zu zwanzig Gedecken. Unter den Anwesenden bemerkte man unter ande­ren Staatssekretär Schröder, Reichsbantpräsident Havenstein und sonstige Vertreter der Bankwelt.

Lim die Mvifen-Derorvnung.

Berlin, 27. Ottober. (Privattelegramm.) DieGermania" berichtet über die gestrigen Be­sprechungen über die Abänderung der Devi­senordnung, daß sich diese Besprechungen auf Pie Vorschläge beschränken, Vie das ReichS- wirtschaftsministerimn selbst gemacht hat. Die Vorschläge gehen nur in Bezug auf die Ausfüh­rung der bereits vor Erlaß der Verordnung ab­geschlossenen Devifen-Berträge darüber hinaus.

Llm die ReiHSversaWng.

Aendernnas.AntrSge aus Bayern.