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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 304.

Fernsprecher 951 und 953

Sonnabend, 30. Dezember 1922.

Fernsprecher 951 und 953

12. Jahrgang.

Keine Besserung durch die Konferenzen.

Vor kritischen Tagen.

Die Alliierten-Koufereuz.

Der Konferenz, zu der sich am 2. Januar in Paris die Ministerpräsidenten der großen und der kleinen alliierten Staaten zufammenfin- den, sieht man in Deutschland ntit begreiflichem Mißtrauen entgegen, nicht Hur, weil die Spuren der früheren Konferenzen schrecken, son­dern weil die Ouvertüre, die uns an der Seine anfgespielt wird, allzu starke Dissonanzen enthält, durch die jedenfalls nichts von dem verheißungs­vollen Leitmotiv:Friede aus Erden" hindurch- klingt Die Londoner Konferenz wurde durch den berüchtigten Kabinettsrat im Elhsee einge­leitet, auf dem der Annexionsfeldzug gegen das Ruhrrevier, den freilich das britische Kabinett zu Fall brachte, ausführlich besprochen wurde. Der Pariser Konferenz gehen zwei Aktionen voran, der Mnisterrat und der Beschluß der Reparationskommission, der eine .absichtliche Verfehlung Deutschlands" verbucht, lieber die Verhandlungen des Pariser M in i st er­rat S ergeht die französische Presse sich in be­haglicher Breite, wobei zum Teil der Wunsch der Vater des Gedankens sein mag. Immerhin dürfte die Meldung desMatin", wonach .der französische Plan zur wirtschaftlichen Ausbeutung des linken Rheingebte' tes im Zusammenhang mit der Errichtung ei­ner Zol lbarriere zwischen dem Rhein und dem Ruhrgebiet einerseits und dem Deutschen Reich andererseits in allen Teilen aus gearbeitet sei", ungefähr den Tatsachen entsprechen, wenn es sich auch noch nicht um endgilltige Beschlüsse handeln mag. Wenn versichert wird, daß die, Jlch-rdsMion des MtliärSnur" insoweit vor­gesehen sei, .als dies Zum Schutz der für die Er- heÄuug der Zölle und der Kontrolle des deut­schen Staatswesens bestimmten Beamten not­wendig sei", so ist damit bereits der Weg anae- zeigt, der von der wirtschaftlichen zur mili­tärischen Aktion führen könnte, nach dem Willen Doincarss führen soll.

Dm französische Ministerpräsident hat ja auch bereits den Punkt genannt, wo der Hebel ange­setzt werden soll, nämlich in dem Beschluß der Reparationskommiffion, wonach Deutsch­land mit seinen Holzlieferungen im Werte von zwei Milliarden Goldmark im Rück­stand geblieben sei Die schwerwiegende Be­deutung dieses Beschluffes liegt nach Ansicht des Pariser Berichterstatters des .Daily Telegraph" darin, daß jede etwaige auf der Pariser Konfe­renz von der französischen Regierung erhobene Forderung nach einer Aktion gegen Deutschland .durch die vorherige Derzugserklärung gerecht­fertigt wäre" Zwar hat der englische Vertreter, Sir John Bradbnrh, gegen den französischen Antrag gestimmt, auch die Versicherung des .Asiatin", daß England dem Unternehmen zu- stimme und sich vielleicht nach einem neuen Ul­timatum daran beteiligen wolle, entspricht kaum den Tatsachen: ober die Uebereinstimmung Eng­lands in der Reparationsromimission läßt bereits einen Schluß auf den Geist zu, in der die Ver­handlungen auf der Pariser Konferenz geführt werden dürsten.

Auch die Hoffnung, daß von amerikani­scher Seite ein mäßigender Einfluß ausgeübt werden wird, ruht auf schwachen Füßen: denn von der so pomphaft angekündtgten Aktion der Vereinigten Staaten ist es einigermaßen still ge­worden. und der Antrag des Senators Borah auf Einberufung einer neuen Weltwirtfckafts- konferenz ist auf den Einspruch Hardings gesto­ßen, der offenbar der Meinung ist, daß angesichts des französischen Widerstandes die Vorbedin­gung für eine endgültige oder gar bestiedigen- de Lösung des Reporalionsproblems noch nicht gegeben sei. So stehen die Aussichten für die Pariser Konferenz leider schlecht und das Reichskabinett wird mit seinen revi­dierten Vorschlägen, die jetzt im wesent­lichen fertiggestellt sind, einen schweren Stand haben. Die deutsche Regierung will, wenn mög­lich. eine Zwischenlösung vermeiden und eine endgültige 8ösun g durchsetzen, da uns bei der Fortsetzung der bisherigen sogenannten Atempausen nicht über kurz oder lang, sondern über kurz der Atem ausgeben muß. Die Ver­treter der Industrie haben bei der Bespre­chung mit der Reichsregierung in diesen Ta­gen diese Tendenz gebilligt. Der größere Teil der Jndnstrievertreter hat erflärt, daß er aber auch, wenn unter den obwaltenden Umständen eine andere Lösung nicht möglich wäre, an einer Zwischenlösung mitzuarbeiten sich bereitfinden würde. Der Reinere aber mächtigere Teil, die in den Trusts und Syndikaten der Stinnes'schm Richtimg zusammengefaßten Gruppen haben ihre Mitarbeit nur an eine endgültigen Lösung der Frage im ganzen Umfange angeboten. Die Reicksregierung will nun diesen Kreisen der In­dustrie Gelegenheit geben, ihre Absichten durch­zuführen. Es sind daher zurzeit Verhandlun­gen im Gange ersten sdarüber, welche Ge­samtsumme die Reichsregierung anbietet,

zweitens, wie und mit welchen Mitteln, vor al­len Dingen, durch welche materiellen Werte die Industrie Garantien bereitstelle.

Andererseits beziehen sich die Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Vertretern auf die Mittel und Methoden, mit denen eine Steigerung der Produktion herbeigeführt wird. Die Reichsregierung hofft in den nächsten Ta­gen im Gange erstens darüber, welche Ge- fertigen Plan den Entente-Regierungen vorle­gen zu können. Auf jeden Fall kann sie nicht eineLösung" annehmen, die uns neue, das deutsche Wirtschaftsleben schwer schädigende und die Souveränität Deutschlands beeinträch­tigende Pflichten auferlegt, noch dazu ohne daß uns eine nennenswerte Reparations-Entlastung zuteil wird, wie das bei den laut genug bekannt gemachten Plänen Poincaräs vorauszirfehen ist, dessen Einfluß sich als ausschlaggebend erwiesen hat. Die Aussichten für die Pariser Konferenz sind mithin denkbar ungünstig, wa§ umso schlim­mer ist, da ja die Lösung der Reparations^ frage vor dem 15. Januar, diesem kriti­schen Tage erster Ordnung erfolgen soll und muß. Dr. »k.

Vor der Variier Konferenz.

Sin englischer DermiLtlungsvorschlag.

(Eigene D.ahtmeldung.j

Paris, 29. Dezember.

Leber die Borbereitung zur Pariser Konferenz durch die englische Regierung wird mitgeteilt, daß laut einer Meldung desPetit Parisien" der englische Premierminister einen vom Schoß- minister und Sachverständigen gerneins.mr ar?ö- gearbeitcten Vorschlag nach Paris übermit­telt. der sich mit der Finanz - und Münz- reform und mit einer Deutschland zu ge­währenden internationalen Anleihe beschäf­tigt, sich also auf der Basis der Maßnahmen be­wegen wird, die in den Augen der englischen Re­gierung eine Anwendung der französischen Pfänderpolitik überflüssig machen könnte. Im Gegensatz zu einer Meldung der fran­zösischen Presse hat die englische Regierung nicht die Absicht, der französischen Regierung ihre Vor­schläge vor der Pariser Konstrenz mitzuteilen.

Geringe tAutzstchien.

L o n d o n, 29. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Hier ist allgemein die Ansicht verbreitet, daß der Mehrheitsbeschluß des Reparations-Aus­schusses die an sich geringen Aussichten der Pariser Konferenz aus ein Geringes zurück- geschraubt hat. Es ist bekannt geworden, daß Po in rarH auf einen Beschluß weitest­gehender Forderungen dringen wird, aber man zweifelt daran, daß ihm Italien und Belgien folgen werden. England bestreitet die französische Auslegung des Paragraphen 18, An­hang 2, und dürste eine autoritative Auslegung beantragen. England bestreitet ferner Frank­reichs Ansprüche auf das Recht, Strafen, die die Entscheidung des Ausschusses einzuschränte!! ver­mögen, feftznsetzen in einem Falle, wo der Aus- Miß die vorgesehene Strafe selbst bestimmt hat.

Der deutsche Vertreter.

Berlin, 29. Dezember. (Eigene Drahtmel- dnng.) Dem Berliner Korrespondenten des ^Pe­tit Parisien" zufolge wird in Berliner gutinfor­mierten Kreisen behauptet, Reichskanzler Kuno werde zur Pariser Konferenz keine schriftlichen VorschlSae (?) einsenden, sondern Staatssekretär Bergmannbeauftrageu.die neuen Vor­schläge der deutsthen Regierung persönUch der Prüsung der Konferenz zu unterbreiten.

Deutschlands Ausbeutung. Keine Verfehlung in den Solzlieferuugeu- tPrivavTelegramm.)

Berlin, 29. Dezember.

In der betttfd)cn Antwortnote an die En­tente wird dargelegt, daß die ReparationSkom- Mission keinevorsätzliche" Verfehlung Deutsch, lands, sondern eine Nichterfüllung schlechthin festgkstcllt hat. Juristisch liegt also die Angelegenheit so, daß Deutschland auf Grund des Artikels 17 des Versailler Friedensvertrages lediglich gezwungen werden kann, die fehlenden Holzlieferungen durch Zahlungen ht bar «i er- setzen. Die deutsche Regierung weist auf ihre großen Anstrengungen hin, die sie zur Erfüllung der Holzlieferungen gemacht hat. Zum Schluß stellt die Regierung die Bitte um Verlän­gerung der Uebernahme- und Liefer­zeiten bis zum 1. April 1923. Damit wurde für die gesamten Hölzer eine tatsächliche Liefer­zeit von zwölf Monaten gegeben sein, die auch sicher seitens der beteiligten alliierten Sachver­ständigen bei den Verhandlungen Anfang Ja­nuar ins Auge gefaßt war. Die Darstellung schließt mit der Feststellung, daß im Hinblick

darauf, daß Verzögerungen in der Abnahme hervorgerufen wurden, dieser Antrag der Bst- ligkest zu entsprechen scheine.

Regierung und Gewerkschaft.

Di« Wünsche der Spitzenverbände. (Privat-Telegramm.) .

Berlin, 29. Dezember.

Beim Reichskanzler fand gestern eine von den Spitzenverbänden der Gewerkschaften an­geregte Besprechung statt. Einleitend betonte der Reichskanzler, daß die Regierung es als ihre Pflicht betrachte,: t allen Parteien und Klassen an der Regelung der schweren Fragen zu arbei­ten, mit denen wir uns zu beschäftigen haben, und daß nur Mangel an Zeit es bisher noch nicht zu einer Besprechung mit den Gewerkschaften habe kommen lassen. Die Spitzenverbände hatten ihre Wünsche vorher schriftlich unterbreitet. Sie betrafen unter anderem zunächst den zu er­wartenden Brotpreis und die Frage, wie die Preiserhöhung der werttätigen Bevölkerimg er­träglich gemacht werden könne. Der Reichsernäh- ritzmsminister erklärte dazu, daß bereits Vor­bereitungen aus dem Gebiete der Lohn- und Gehaltsfragen getroffen seien und daß so­fort nach Festlegung des Ausgabe-Preises die Reichsgetreidestelle neue Fühlungnahme mit den beteiligen Ressorts sowohl als auch mit den Wirtschaftsvevbärwen herbeiführen werde.

Dis Aussprache.

Berlin, 29. Dezember. (Privattelegramm.) In der Aussprache beim Reichskanzler über das Re-chsrinkommensteuer -Gesetz wurde von den Gewerkschaften ans die starke Belastung der Lohn- und Gehaltsempfänger und auf die Unbilligkeit hingewiesen, die sich als Folge der Geldentwertung aus verspäteten Stenerzahlim- gen anderer Kreise ergibt. Bei der Frage der Wohnungsfürsorge wurde darauf hinge- wiesen, wie sehr die gesteigerte Wohnimgsbau- abglwe-Berordnung auf die Presse der Baustoffe und des HolzeS gewirkt bat und daß eine wei­tere Dorausfetzung für die Beibehaltung der Wohnunasbauabgabe die Aufrechterhaltung der jetzigen Wohnungsgefetzgebung sei. Die Erörte­rung hierüber wird von der zuständigen Abtei­lung weitergeftihri werden. DeS weiteren würbe über die Preisgestaltung und die Möglich- heit der Verhinderung übermäßiger Verteuerung der Waren gesprochen. Die hierbei gegebenen Anregungen sollen von den zuständigen Refforts verkalkst werden. Im weiteren Verlauf der Aus­sprache über innerpolitische Maßnahmen erflärte ber Reichskanzler, baß nach bem Willen bet Re­gierung zur Tragung der nnüberwindlichen Lasten, die nns anferlegt worden sind, alle Kreise unseres Volkes ganz nach dem Maße ihrer Lei­stungsfähigkeit heranzuziehen seien.

Meue Krise in Lausanne.

Die Türken weigern sich wieder.

(Eigener Drahtbericht.)

Lausanne. 28. Dezember.

' Gestern vormittag fand wieder eine Dollver- sammluna der Orienttonferenz statt, in der durch den italicnifchin Vorsitzenden festgestellt wurde, daß in der Frage der juristischen Kapitulatton keine Uebereinstimmung mit der türki­schen Delegation zu erzielen gewesen sei. Die Großmächte seien gewillt, die Kapitulation auf- znhebcn. aber erst dann, wenn sie dnrch genü­gende (Garantien ersetzt worden sei. Diese Ga­

rantien weigert sich aber die türkische De­legation zu geben. Auch weigert sie sich, die Einsetzung eines gemischten Gerichtshofes aus ausländischen und türkifchen Richtern anzu- erkennen. Jsmed Pafcha erwiderte, daß der Vorschlag der Großmächte bezüglich der Kapi­tulationen noch über die alten Bedingungen hinausqehe. Die Aufrechterhaltung der Kapi­tulation, wie sie von den Großmächten vorge- Magen werde, könne von der türkifchen De­legation niemals gittgeheitzeu Werden.

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Sin vorzeitiges Ende?

London, 29. Dezember. (Eigene Draht-mel- dunq.) An Londoner politifchen Kreifen sst der Optimismus, der noch vor einer Woche in Lau- fanne herrschte, eine Befürchtung gewichen, daß die türkische Obstruktionstaktik die Konferenz zu einem vorzeitigen Ende bringen wird. Die Hartnäckigkeit, die die Türken jetzt entfalte», hat die Verhandlungen zweifellos in ein kriti­sches Stadium gebracht. Man betont feier, daß bei Festhaltung der gegenwärtSgen türkischen Einstellung eine Lösung der Schwierigkeiten nachgerade unmöglich Wird. Die alliierten Missionen werden wahrscheinlich in einigen Ta­gen den Türken ihre Beschlüffe vvrlegen könne!, und die Türken werde» sie dann entweber end­gültig annehmen, oder ablehnen müffen. Die Berichte aller Untcrkomrnissionen sind Wahrschein­lich in den nächsten Tagen fertig, sodaß die Alliierten ihre Beschlüffe formulieren können. 1

Die Fremdenlndustrie.

Tagung der hesfifch-waldeckischen Hotelbesitzer.

3m Hotel Nordischer Hof ta Raffet fand gestern der 5- Verbandst«« des Hotelbesitzer. Verbandes ftir Hessen and Walbeck statt, de» einen in rnetz» als einet Hinsicht be. merkenswerten Verlaus genommen ha»

Das deutsche Reich, so erklärte der erste Vor­sitzende des Hotelbesitzer-Verbandes für Hessen und Waldeck, Hotelbesitzer Ma n n - Kassel, in sei­ner Rede zur Begrüßung des gestrigen fünften Verbandstages dieses Verbandes, galt früher als das Land, das die besten Verkehrsmittel besaß. Mit seinen glänzenden Verkehrsmitteln stiegen auch die Hotel- und Gaftstätten-Verhältnrsse zu beträchtlicher Höhe und großem Ansehen. Aus dem Zusammenbruch des Reiches aber konnten auch die Verkehrseinrichtungen nicht ohne Schaden zu nehmen hervorgehen, und seit 1918 fuhren diese einen schweren Kampf nm die Existenz. Die Hoff­nungen, daß die Regierung mit der Fremden­industrie ein Einsehen haben würde, erwiesen sich als trügerisch, ja der Repräsentant des hei­mischen Hotelgewerbes konnte nicht umhin, der Negierung wie auch den Gemeindeverwaltungen den Vorwurf zu machen, daß sie dem in Betracht kommenden Gewerbe, nm das Wort feindlich zu vermeiden, nicht wohlwollend gegenüberstehen. Alles, was an Lasten und Steuern ersonnen wird, ergießt sich über das Hotel- und Wirts­gewerbe, das in einen Steuersumpf geraten ist, aus dem es kaum noch zurück lann. An diesem Jcchresschluß hängt ber Himmel wieder voller Steuerwollen, und was sie bringen, wenn sie sich ergießen, kann noch niemand wissen. Diese Lage zwingt zu h»; cnßrrem ZnsmnmensKld'f; Tiiln Kampfe mit der Regierung und den Gemeinde­verwaltungen, und in der Tat bestand die gestrige Tagesordnung lediglich aus Kampf- frogen. Nachdem Dr. Halbleib als Vertreter der Kasseler Handelskammer versichert, daß die Kammer bereit ist. dem Hotelgewerbe in Hes­sen und auch in Waldeck, das noch nicht zunt Kammerbezirk gehört, jede Unterstützung ange­deihen zu lassen, richtete der nach seiner schweren Krankheit im Vorjahre erstmalig wieder erschie­nene Ehrenvorsitzende, Hotelbesitzer Paul Lahu­st ein-Kassel Worte der Aufmunterung an den Verband, während der Vorsitzende des Provin- zialverbaNdes der Gastwirte in Hessen-Nassau und Waldeck, Alfred Hartleb, die gemeinsa­men Interessen beider Verbände betonte. Der von dem Schriftführer, Hoteldirettor Opel- Kassel, erstattete Jahresbericht stellte einen ck- gang des Verkehrs fest und verwies auf die ungeheuerlichen steuerlichen Belastungen, die wiederum tu Aussicht stehen, er erwähnte auch die sehr ernst zu nehmenden Bestrebungen ber Moholgegner, die die Vernichtung vieler Exi­stenzen zur natürlichen Folge haben werden und bemerkte: Das Gewerbe steht vor einem entschei- deuden und kritischen Wendepunkt seiner Ent­wickelung! Ein Vortrag von Hoteldirektor Blume- Witzenbausen löste eine Ausipracke über Steuer fragen aus, in deren Verlause Dr. H a l b l e i b auf die

Bedeutung des 31. Dezember 1922 für die Einkommen- und Vermögenssteuer, wie auch für die Zwangsauleibe verwies und drin­gend empfahl, bei der Inventur am 31. De­zember nur die vorhandenen Bestände an Waren, Vorräten. Maschinen und sonstiges einzusetzen, mit der Einsetzung der Werte aber abzuwarten, bis rm Laufe des Januar die neuen Richllinicu

tfrür die Wertbemessimg erscheinen. Dringend emp­fohlen wurde im wetteren Verlaufe der Aus­sprache eine zeitgemäße Feuer- und Haftpflichtversicherung und schließlich gab der Vorsitzende noch den guten Rat: Tun Sie nichts ohne einen Steuersach- verständigen! Die Steuergesetzgebung ist eine Wissenschaft geworben, in der sich nur aus­kennt, wer sich mit ihr als Spezialfach beschäf­tigt. Die große Neuerung der Zeit kam auch in einer Auseinandersetzung über die Preis­politik zum AuÄruck. Von einem Kasseler Hotelbesitzer wurden die reinen Unkosten für ein Bett auf täglich 1199,50 Atari berechnet, ohne Steuer, Gehälter für Direktoren re. und Verdienst, so daß ein Bettpreis pro Tag von 1800 Mark herauskommt. Was die Saison-Pensio- uen in Badeorten betrifft, fo ist die Frage aufgeworfen worden, ob nicht unter den obwal- tertben Verhältnissen zu empfehlen sst, nur die Zimmerpreise und auch diese unter Vorbehalt sestzulegen, Frühstück, Mittagessen ustv. aber nach den jeweiligen Tagespreisen zu berechnen. Die Weitererörterung dieser Frage wurde einer be­sonderen Kommission übertragen. Provinzial- verbandsversitzender Hartleb verbreitete sich, fobrnrn über die Gefahr des Schank st ät- tengefetzes. Er erinnerte an die große Kaf- seler Protestverfammlung und hob hervor, daß sich der Kampf der Wirte und der interessierten Industrien nicht gegen das Gesetz zur Bekämp­fung der Trunksucht als solches richtet, sondern gegen die Auswüchse, die eine Vernichtung vie-, lei Existenzen bedeuten. Die Dreisentwickbftra