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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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NArrrrner 11.

Fernsprecher 951 und 953

Sonntag, 14. Januar 1923.

Fernsprecher 951 und 953

13. Jahrgang.

Tmuersonntag im deutschen Reich.

Des Volkes Trauer.

Kundgebuuge« im Reichs!

Es ist ein tröstliches Ereignis, Laß jetzt in ganz Deutschland Trauerkunvgebungen veranstal­tet werden, um das aus Leid und Empörung geborene Weh des Dolles auszudrücken, als Ant­wort auf den frevelhaften Einmarsch der Fran­zosen. Es müßte ein gefühl- und gedankenloser Mensch fein, denr die neue Schandtat der sran- zösischen Abenteurer, die das deutsche Volk ent­rechten, nicht ans Herz griffe. Schnöder Miß-- brauch der Waffe ist es. wenn auf Geheiß der fanatischen Rationalisten das Militär deutsche friedliche Städte als Krieastammelplatz betrach­tet. Es ist eine Verhöhnung jedes Rech­tes, wenn Verträge, die von zahlreichen Mäch­ten feierlich unterzeichnet sind, durch dreiste Gew altmaßnahmen gebrochen werden. Und welch klägliche Rolle in den Augen der Welt spielt dabei sowohl die französische Regierung als auch die Heeresleitung. Um die gemeine Besitz­gier einer mächtigen Gruppe in Frankreich zu befriedigen, sucht Poincarö Vorwände und ent­wirft wie ein feiler Winkeladvokat eine Anllage- schrist wegen angeblicher Verfehlungen Deutsch­lands. um daraufhin sofort mit verbrecherischer RechtÄübertretung eine Strasexpedition ins bederttendste deutsche Industriegebiet zu schicken. Und die Truppen kamen in voller Kriegsansrüstung mit Infanterie, Kavallerie, Ar­tillerie, sogar mit Panzerautos, um sich als Her­ren über eine wehrlose arbeitsame Äe° vöIkernng aufzuspielen. Daß sich die Gene- rale und ihre Offiziere ob solcher .Heldentaten^ nicht schämen, sondern herausfordernd austreten, rst bezeichnend für ihren Eharaktcr. Die größte Verachtung komme über eine fofehe Regie­rung und ihre Truppen!

Glauben die Franzosen wirklich, daß sie au diese Weife schneller in den Besitz des deutschen Geldes kommen, öder daß sie an dem Raub der deutschen Kohlenbergwerke bauernden Nutzen ha­ben werden, oder gar die Bewohner des Ruhr- gebietoS und Rheiulandes auf ihre Seite ziehen Krotten? Es gehört schon die Nichtswürdigkeit einer seit Jahrzehnten auf .Revanche* einge­stellten Politik und der Größenwahn zufälli­ger sogenannterSieger* dazu, um derartige Verbrechen zu ermöglichen. Nur wenn man sich Frankreichs Träume, die herrschend« Macht über Europa zu sein, vorstellt, läßt sich das Vorgehen erklären. Vier Fahre nach dem Weltkrieg wird nun schon dieser einseitig militärisch«, wirtschaft­liche und kulturelle Krieg gegen ein unterwor­fenes Volk fortgesetzt. Deutschlands beispiellos dastehende EntschädiMngs-Leistungen, die unge­heuren Geldzahlungen und Sachlieferungen, die schon auSgestihrt sind und zu deren weiterer Ausführung sich die deutsche Regierung bereit er­klärt haste, werden nur dazu benutzt, um Deutsch- land auszupressen bis zur völligen Verarmung und Frankreich mit der Beute zu bereichern. Un- sere Reichsregierung hat getan, was in rhren Kräften stand und hat weiter alles zuge- sogt, was das deutsche Volk überhaupt zu- leisten imstande war. Aber alles ist von Frank­reich mit Hohnlachen und Haß ausgenommen worden, weil es immer nur das letzte Ziel im Auge hatte: Deutschlands wirtschaftliche Vernichtung und staatliche Zertrüm­merung. Es ist schon ein« sehr große Strecke dahm zurückgelegt und fast scheint es so, als sei daS Ziel nicht mehr weit. Wirtschaftlich ist es allerdings nahe, politisch aber noch nicht. Und wir meinen, daß das politische Ziel nie- m a ls erreicht wird! Selbst wenn die Franzosen das Ruhrgebiet beherrschen und das deutsch« Volk durch die Kohlensperre mürbe zu machen beabsichttgen, und wenn sie auch mch durch Be­setzung der Mainlinie Süddeutschland von Nord- dentschland zu trennen versuchen würden, dieses Ziel, die Zerstückelung des Reiches, sollen sie nicht erreichen!

Die heutigen Veranstaltungen überall, soweit die deutschen Grenzen das Land umfassen, sind die Gewähr für den gesunden Sinn des Volkes. Es scheint, daß wir erst noch größere Schmach erdulden mußten, um zur Besinnung zu kommen. Die Parteien, die Gewerkschaften, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, alle Schichten sind sich darin einig, daß es jetzt um politische Freiheit oder Sklaverei geht, um wirtschaftliches Gedeihen oder Untergang, Arbeit oder Not, Brot oder Steine. Zerfiele das deutsche Volk im Bruderzwist, dann wäre unser Schicksal besiegelt, dann hätten wir den Feinden in die Hände gearbeitet. Sind wir aber einig und zeigen wir eine geschlossene Front in derAbwehr der fremden Unter­drückung, dann sind wir einer Wendung sicher. An einem harten und zähen deutschen Volksblock wird sich der Franzose die Zähne ausbcißen. Die Reichsregierung hat schon erklärt, daß unter der mtlitärrschen Vergewaltigung Deutschland nicht mehr in der Lage rst, die geforderten Lei st ungen zu erftillen. In dieser ablehnen­den Haltung sicht endlich das ganze Volk -schlossen hinter der Regierung. Es ist nirr zu

bedauern, daß die Einmütigkeit in dieser Frage nicht schon viel früher vorhanden war. Wir stän­den heute besser da. Nur wer sich geduldig pressen läßt, wird immer wieder gequält. Mögen die heutigen Proteste hinausgehen in alle Welt, damit man draußen erfährt, daß wir das uns angetane Unrecht auch als solches empfinden. Möge die neue Einigkeit unserem Volke eine innere Stä.kung und unserer Jugend ein Wegweiser in die Zukunft sein! Wenn Deutschland jetzt zum Selbftbewußtsein erwacht, so feuchtet uns doch noch die Morgenröte einer

Lm be Wen RMmehiet.

Besprechung mit den Franzosen.

Z (Eigene Drahtmelduna.1 -

Essen, 13. Januar.

Die vom französischen Kommandieren­den General angefetzte Besprechung mit de» Vertretern der Eisen- und Kohlenin- d u st r i e hat gestern stattgefunden. Anstelle der amtlich eingelädrnrn Bergwerksdirektoren von Stinnes, Thyssen und Krupp waren Vertreter er­schienen. Der ftanzöstfche General gab zwei Ver­ordnungen bekannt, und zwar 1. die Vollmacht der Kontrollkommission und 2. die Kontrollmatz- nahmen der Kohlenkommission. Der Regie­rungspräsident erklärte wiederum, daß weder er »och eine sonstige amtliche Stelle gesetzlich in der Lage seien, an der Durchführung der zweiten Verordnung mitzuarbeiten. Die franzSfi­sche Regierung müsse stch mit der deut­schen Regtxroug in Vcrbtadnno setzen. De- französische General erklärte darauf, die Zechen unterständen nicht mehr den Weisungen Berliner Steifen, sondern deuBehördendes besetzten Gebiets. (!) Der Düsseldorfer Regicrtmgspräsidcnt verlangte hierauf eine schriftliche Festlegung dieser Ausführungest, die ihm auch zugesagt wurde. Ter General erklärte, seine Ingenieure sollten sich sofort mit den Werkleitungcn in Verbindung fetzen und zwar sollte ein Teil der Ingenieure sofort die Büros auffttchen, um Unterlagen zu gewinnen für das Verhältnis der Kohlenproduktton im Jahre ISA zu 1923. Damit wurde die Besprechung abge­brochen, an deren Schluss der RegierungsvrSst- dent noch Pr o t e st gegen den Zwang erhob.

Dir Ksktten fßr Vie Entente i

Düsseldorf, 18. Januar. (Eigene Draht- mekdnng.) Die Reichsregiernng Hot be­kanntlich einen Aufruf erlassen, wonach in­folge der Besetzung des Ruhrgebiets die geför­derten Kolften nicht zu Reparationszwccken, son­dern in erster Linie für deutsche Zwecke verwen­det werden sollen. Der französische Ober- kmnmissar der Rhcinprovinz, Tirard, hat nun gestern einen Geocnaufruf erlassen, in dem es heißt, daß die Verfügung der RetchSrrgierung für null und nichtig erklärt wird, weil diese laut Friedensvertrag kein Reckt habe, im besetzten Gebiet Erlasse z« veröffentlichen. Infolgedessen so erklärt Tirard, sind die ftanzöstschen und bel­gische« Ingenieure angewiesen worden, die ge- förderten Kohlen in erster Linie für Enteutezwecke zu verwenden. (!)

Dir miittürische KMiou.

Dortmund, 13. Jßnmar. (Privat-T!efe. gramm.) Die Nachrichten aus den Ruhrftädten lauten widersprechend. Von einer Seite wird berichtet, dass die Franzosen nach Gelsenkir­chen und Bochum vorgerückt feien, wogegen von anderer Seite gemeldet wird, dass diese Nach- rickt nicht zutreffe. Jedenfalls waren vis gestern mittag etwa fünfzig Vrozentder westfäli­schen Steinkohle in dem von den Franzosen besetzten Gebiet. Der Generalvetrieb der Reichsbahn in Essen, dom auch die Kovlenvertei- luna mttersteht, ist von Essen nack Elberfeld verlegt worden. Der Telephonverkehr im neubesetzten Gebiet wird von franzöfi. chen Offizieren und Militär überwacht und vrtdauernd unterbrochen.

DuZsbmgSBesetzungslaften.

Protest 6ee Stadtverordnete«.

(Privat-Telegramm.)

Duisburg, 18. Januar.

Die Stadtverordnetenversammlung hieft ge- iem eine ausserordentliche Sitzung ab, in der ein Schreiben gebilligt wurde, das Oberbürgermeister Dr. Jarres au den französischen Obeckomumndie- renden gerichtet hat. In diesem Schreiben wird erSärt, dass die Stadt Duisburg nicht mehr in der Lage ist, die schweren Besatzungs­lasten zu tragen. Diese Behauptung wird durch zahlreiche Dokumente unterstützt. Im Namen d--r Frauen der Stadtverordnetenversammlung rich­tete Frau Kremmer einen Appell an alle Frauen und Mütter der Lulturwelt und

fordert die Freigabe aller Räumlichkeiten, die für die Tätigkeit der Säuglingsfürsorge, der Mütter, beratungsstellen und der Tuberkulose-Fürsorge erforderlich sind, damit die Tätigkeit dieser Stel­len und Einrichtungen ermöglich! wird. Auch die im Duisburger Städtparlament vertretenen Po­len stimmten dem vorerwähnten Protest zu.

Wi&r dem fremöm Beseh?.

®te deutschen Beamten int Ruhrgebiet, (Privat-Tefegramm.)

Essen (Ruhr), 13. Januar.

In einem Befehl des Generals Degoutte heisst es unter anderem: Das Personal der öf­fentlichen Dienste, also Eisenbahn, Schiffahtt, Telegraph und Telephon, unterstehen dem Befehl des kommandierenden Gene­rals. Dieses Personal untersteht somit auch den militärischen Gesetzen und Ver­ordnungen. DaS Personal hat feinen Dienst weiter zu versehen und allen Anweisungen Folge zu leisten, die ihm durch die Oberleitung und Kontrolle V«r verschiedensten mit den Verkehrs­mitteln bettauten französischen und belgischen Militärbehörden gegeben werden. Die wichtig­sten Berrehrsvehörden sind: die Generaldirettion des Armecverkehrs »itb Berpflegungswesens, das Feldbahnkomitee nnd die Unterkommission für Essen, die Kommission für die Armeeschiff, fahrt, sowie die Nnterkommisstonen für Duis­burg-Ruhrort und Rhcin-HerNje- Kanal, sowie die Direftion des Telegraphenwesens.

HWere AoWrrp?^se.

Einstimmiger Beschluß tot Reichskohlenrat.

(Privai-Telegramm.)

Berlin, 13. Januar.

Heber die neuen KohlenpreiSerhöhungen von fünfzig Prozent für das besetzte Gebiet betra­gen sie 67,7 Prozent erfährt man von unter­richteter Sette, der Beschluss über die Erhöh­ung der Kohlreipreise ist zum erstrnmale vom Reichskohlenrat einstimmig gefaßt wor­den. Auch der Reichswirtschaftsmimster, der ihn noch vor einer Woche abgelehnt hat, hat fein Veto in Anerkennung der inzwischen veränderten politischen Lage nicht eingelegt. Der Sch-ieds. spruch Über die Löhne der Bergarbeiter, der vor einigen Tagen erfolgte, ging über die tatsächliche Teuerung der Lebenshaltung hinaus. Zwischen der Erhöhung der Löhne und der Kohlenpreis- erhöhung liegt die Besetzung des Ruhrgebietcs. Die ausserordentliche Kohlenvreiserhöhung har bomit nicht nur der Lohnerhöhung, sondern audi der polit-sch-veränderten Lage Rechnung zu tra­gen. In der gestern in Berlin abgebaltenen Sitzung des Reichskohfenrates wurde beschlos­sen, den Weis für westfälische Fettför- verkohle um 10185 Mark pro Tonne zu er­höhen ausschließlich Neuern. Die Preise der übrigen Kohlensorten richten sich «ach dieser gaugbarsteu aller Lohlenn-ten.

Wer »adv die Löhne?

Essen, 13. Januar. (Pttvattelegramm.) In einer Besprechung von Bergwerksdirektoren, die sich mit den Erklärungen des stanzöfischen Ge­nerals bestltzten, wurde darauf hingewiesen, daß ehte ausserordentlich ernste Lage entstehen müsse, wem, die WerkSleitungen gezwrmgen wer­den, ReparattonÄo^e zu liefern, nachdem die Reichsregierung die Erklärung abgegeben hat, dass sie für diese Reparatiouskoh le keine Zahlungen leisten könne. Dadktrch würden die Werlsleitungen nicht mehr in den Besitz der Mittel kommen, mn die Löhne auszuzahlen. Diese Nichtbezahlung der Löhne würde zweifel­los sehr ernste Folgen nach sich festen.

Dke RepamttonskommWosr

Reue Beratung über Deutschland.

(Eigener Trahtbericht.)

Paris, 13. Januar.

PoincarS hat gestern vormittag die beiden französischen Mitglieder der Reparationsfonnnis- sion Batthou und Mauelaire empfangen, die ihm den Plan der französischen Delegation überreich­ten, den dieser heute der Reparationskoimnission vorlege« wird. Die Reparationskommifsion tritt zusammen, um zur Frage des d e u i s ch e n M o- ratoriums.Ersuchens vom 13. Novem­ber Steltong zu nehmen. Ferner wird die Re- paratiouskommifsion einem englischen Vor­schlag näher treten, der sich mit der deutschen Kapitalflucht befasst. Endlich soll die Repara- tionskommisfion über eine Note, die die Auf- merffmukeft auf gewisse Organisationen in Deutschland lenkt, deren Arbctt angeblich mcht im Sinn- der Kommission ausgeführt wird, beffnden. An der Sitzung wird, was bedetttungS- voll ist, sowohl der ämerikanische Beobachter als auch der Vertreter Englands stÄlnehmen.

Essens Entwicklung.

Aus de« Stadtgeschichte.

Sie feindliche Besetzung von «gen ist von de- (enbeter Bedeutung auch dadurch, vag feit »netze al« einem Jahrhundert teilt feindliche» Miiitft» und feit Jahrzehnten kein deutfche« Militär in «gen lag. Leber «gen« «efchicht» ist folgende Zufammenfaffnng von Arnold Kdllnrr infolge der «refenig« beachtenswert t Mit tiefem Schmerz, aber auch mit (Srbiite- runy gedenkt man in diesen Tagen überall, wo Deutsche wohnen, der mächtigen Jndustrie- stadt an der Ruhr, dieses Mittelpunktes der deutschen Schwerindustrie und des rheinisch-« ivestsälischcn Kohlenbergbaus, dessen sich mit einem geradezu lächerlich wirkenden Heerbann nunmehr die Franzosen ohne jeden Schein des Rechts bemächtigt haben. Keine andere Stadt in deutschen Landen spiegelt so sinnfällig den ge- walttgen Aufschwung wider, den das deutsche Volk seinem Gewerbefleiß und der Unterneh­mungslust seiner Industrie verdankt, .wie Es­sen, das die Ausländer bezeichnenderweise das deutsche Pittsb-urg genannt haben. In der Tat, wahrhaft amerikanisch und beispiellos auf dem Kontinent ist das Wachstum, ist bte städtische und industrielle Entwicklung von Essen und in den fetzten zwei Jahrzehnten vor dem Krieg« gewesen, ustd auch Deutschlands Niederbruch hat den gigantischen Rhythmus dieser Metropole schwerster Arbeit nicht M hemm«, vermocht. Mehr als eine halbe Million Seelen vereinte heute der Stadtkreis <£ffen in seiner BaumnÄle,

Jndustrievororte, wie Altendorf, Vordeck. Men- effen und anderen zu einem einheitlichen Gemein­wesen politisch und wirtschaftlich verwachs«*, Essen in seiner heutigen Gestalt ist durchaus eine Schöpfung der neuen Zeit, mft der der me Krupp eng verknüpft ist. M *Ly

Wenig« Jahrzehnte ' x

haben genügt, um aus einer flennen, stillen Pro» vinzstadt einen RieseUvrWmismus M machen,! der unter den Großstädten Preußens nach Ber­lin und Köln fetzt an dritter Stelle steht. Bei der Volkszählung von 1895, also in den ersten! Jahren des Anfangs der großen taimstriellent Entwicklung, befand sich Essen noch nicht einmal unter den Großstädten; es hatte damals erst 96000 Einwohner. Aber schon tot Jahre 190» war es auf 119000 Seelen augewacEen und hatte alte KulturftSdie wie Krefeld nnd Kassel bereits überflügelt. Im Jahre 1905 hatte Essen sich schon wieder fast verdoppelt und 230000 Einwohner. Rund hundert Jahre; früher, tat Jahre 1803, als die Stadt an Preu­ßen gekommen war, war Essen noch ein Keines Landstädtchen mit dreitausend Bewohnern ge­wesen. Wie sah es damals in Essen aus? Durch die engen, erbärmlich gepflasterten Gäßchen, die so berichtet ein Schikderer Nachts jeder Beleuchtung entbehrten, und die durch zahlreiche Düngergruben fast unpassierbar waren, beten Gebäude größtenteils aus Scheunen und Vieb- stälfen bestanden, trieben di« städtischen Hirten di« Kühe nnd Schwein« der Bürget auf die Wei- de vor die Stadtmauern hinaus. Mauern, Reste mittelalterlicher Befestigungen waren noch da, sollten aber mm bald fallen, «sitzt etwa, toett ein plötzlicher Bedürfnis zur Ausdehnung deS Weichbildes vorlag, sondern weil man das üble Pflaster endlich einmal verbessern wollte, und weil die alten Mauern das billigste Material da­zu lieferten. Wer damals Essen mtffuchen muß­te, suchte so bald wie möglich a«S dem ungast­lichen Ort wieder fortzukommen, well seine Gastbänssr ht besonderem Verruf standen; denn ie waren weniger als primitiv, sie waren mise­rabel. DaS wär Essen

vor etwa hundert Jahren.

Wenn bte Stadt in ihrer Entwicklung so zurück­geblieben war, so war daS nicht zum geringste« Teil die Schuld ihrer damaligen Obrigkeit; denn diese würde durch eine Aebtissin repräsentiert. Essen war ehen^als nämlich der Ditz einer Bene- diMner-Frcmeuabtei, die im Jahre 873 vorn Bischof Alfred von Hildesheim als Ronnenklo- ter gestiftet und 409 Jahre später, anno 1275, in eine reichsnnmittelbare, gefürstete FraueTt- abtei umaewandelt wurde, die zwar auch zwan­zig Stistsherren enthielt, aber dauernd unter weiblichem Regiment blieb. Den großen Wen- dew.mft in EsfenS Geschichte bildete dar Jahr 1803. das unzähligen kleinen geistlkchen Herr- ckaften ein Ende machte. Mft ihnen allen zu- üimnen wurde auch das Sttst Essen fäftckarisiett mb kam an Preußen. Durch den unglücklichen Krieg mit Navoleon ging eS aber mit allen fei­lten westdeutschen Besttzungen auch Essens wieder verluOg. und im Frieden von Tilsit wurde die Stadt nrtt dem GroßherzogN'm Berg vereinigt. Im Jahre 1815 wurde Essen an Preußen zurück- aeaehex. ^8bSi von da ab RS zum beutiam