Kasseler Abendzeitung
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13. Jahrgang
Nummer 14.
Fernsprecher 951 und 952
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Donnerstag, 18. Januar 1923.
Verschärfung der französischen Gewalt.
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Zm desetztm Gebiet.
Stadt» und Landkreis Gelsenkirchen.
, -4V* v Berlin, 17. Januar.
Die ReichSreqiert'ng hat gestern eine Kab: nettssitzung abgrhnlten, in der fie sich auch mit den Schießereien in Bochum beschäftigt hat. Auch die Frattionen haben nachmittags nach der Plenarsitzung die derzeitige politische Lage beraten. Wenn Herr PoincarS angenommen bat, daß die in Aussicht genommene« Maßnahmen im Ruhrgebiet genügen werden, um die Reichsregierung in drei bis vier Tagen zu entgegenkommender Haltung zu bewegen, so dürfte er sich doch sehr geirrt haben. Die Haltung der Reichsregiernng isi nach wie twr un- erschüttert und dollkdmme« fest. Me bleibt bei ihren bisherigen BeschlÜsien und denkt vor allen Dingen nicht daran, in irgendwelche Verhandlungen einzntreten. solange noch ein fron- zösischer oder belgischer Soldat aus dem Gebiete
Die Schießerei in Bochum.
Feste Haltung der Reichsregirrung. lPrtvat-Lelegrmnm.)
lPrivat-Telegrainm.)
/ Gelsenkirrhrn, 17. Januar.
Gestern abend war der O b e r b ü r g e r m e t- st e r in Begleitung eines Regierungsassessors zum französischen General Vedalou ins Divisilmshauptquartier nach Recklinghausen b e - sohlen. Der General erklärte, daß «unmehr Stadt und Landkreis Gelsenkirchen für 6cfc 1«t zu gelten hatten und das! er der für beide Teile zuständige O b r rbeseh.lsh ab er sei. Die Bekamttmachtmg des kommandierenden 63c.-
Wie Dortmund besetzt teure?.
Dortmund, 17. Januar. iPrrvattelegramm.) Am Dienstag vormittag 11%. Uhr sind französische Truppen in Stärke von 15 Offizieren und 100 Mann Infanterie in feldmarschmäßiger Ausrüstung in Dortmund cingrrückt. Der Oberbürgermeister forderte in einem Aufruf die Bevölkerung auf- Ruhr und Ordnung, sowie Besonnenheit zu bewahren. Bürgermeister Dr. Fischer teilt über die Besetzung Dortmunds mit: Die Franzosen sind vorgestern abend an der Ruhr vorgegangen bis Witten, das noch abends von Truppen besetzt worden ist. Nördlich von Dortmund sind die Franzosen bis Lünen vorgcstoßcn. Im Laufe des gestrigen Bormittags wurden der EisenLahndirektion Dortmund verschiedene Truppentransporte an. gemeldet, die gegen Mittag eintrafen. Eine französische Jngenieurabteilung ist auch in Tortmund-Dorstfeld ebenso in Mengede stationiert.
sen Zweck ablehrtt. Weiter' kündigt die Pan, er i Presse die Erhebung der K o h l e n st e u e r i in allen besetzten Gebieten, also auch auf dem 1 linken Rheinufer an.
Es kümntert Frankreich offenbar wenig, daß : der Versailler Vertrag eine .Generalhypothek" 1 für sämtliche Alliierten gemeinsam 1 Vorsicht. Wenn nun also Frankreich auf eigene Jaust eine bestimmte Einkommensquelle Deutsch- lnads angreist, so vollzieht es einerseits Deutsch- ■ land gegenüber nichts anderes als eine räuberische Handlung, seinen Verbündeten gegenüber zugleich einen Akt geschäftlicher Treulosigkeit. Aber nicht alleine eine Koblen-, sondern auch eine Holzsteuer will man im besetzten Gebiet erheben. Während die Kohlensteuer vierzig Prozent ausmachen soll, wird die Holzsteuer aus zwanzig Prozent beziffert. Wie man sieht, ist Frankreich einigermaßen in Verlegenheit, wie es die „Pfänder", die es ergriffen Lat, ..produktiv" machen kann. Drohungen und Erpressungen werden Offenbar für geeignete. Mittel hierfür angesehen. Daß die deutsche Regierung den gewalttätigen Franzosen ein entschiedenes Nein gegenüberstellt, wird auch von den Bergarbeitern des Ruhrgebiets gutgeheitzen, dte nicht für die Feinde arbeiten wollen, während das deutsche Volk Not leidtt. Diese Ansicht be- steht allgemein im besetzten Gebiet, denn man weiß, daß sich die Franzosen darauf eingestellt haben. Schritt für Schritt vorzugehen und auch Eroberungen $u machen. Nach allen Anzeichen spielt dabek derrollendeFranken mit. Die Auswirkungen der Besatzung werden sich jetzt erst allmählich zeigen. Mr stehen vor einer neuen Teuerungswelle. Um der Teuerung entaegenzuwirken, drängen die Parteien darauf, daß man aus dem Stadium der Erwägungen heraus zu großen entscheidenden Entschlüssen kommt. Namentlich sieht man vor der Frage, ob eine Neuregelung der Lebensrnittel- und Brennstoff-Versorgung eintteten soll. Die Beratungen bewegen sich unter anderem auch in der Richtung einer neuen Art von WvauaSwirtschast. Wenn man auch in der Oef- fentlichkeit alles tun muß, um die geschlossene Abwehr-Stimmung aufrecht zu erhalten, so müssen wir uns doch Rechenschaft Wer die vielsäl- ttgen, sehr großen Gefahren geben, die sich bei einem längeren Anhalten des gegenwärtigen Zustandes und aus seiner Verschärfung ergeben. Daraus entsteht eine große Verantwortung für die wirtschaftlichen Organisattonen.
In politischer Hinsicht ist jedenfalls von der Reicksregierung der richtige Weg beschritten worden. Mit dem Verbot tttt die Regiermtg einen weiteren Schritt auf der Linie jener Politik, die vom Reichskanzler Dr. Cuno in seiner Rede am vergangenen Sonnabend imrrissen worden tfi, und die sich vielleicht am besten mit der Bezeichnung der Politik des deuffhen Rechtes umschreiben laßt. Kein Zweifel ist darWer möglich. daß dieser Antwort auf das brutale Vorgehen der Franzosen mit weiteren Zwangsmaßnahmen begegnet werden wird. Aber es kommt heute darauf an, daß wir uns auch durch Re- tretzalien nicht von dem Weg« unseres guten Rechtes abbringen lassen. Bisher hat die ftan- zösische Politik uns jederzeit durch allerhand Schreckmittel zum Nachgeben zwingen können. Man versucht auch heute das gleiche Verfahren. Es wird zweifellos sehr schwer sein, der ftanzö- sischen Regierung die Ueberzeugung beizubrin-
eins gleich einer Million " < ist. Mit anderen Worten: WaS vor dem Krieg« in Rußland einen Rubel kostete, erfordert gegenwärtig einen Aufwand von einer Million Sttw» jetrubel. Dabei schreitet die Preissteigerung nut einer unbeirrbaren Regelmäßigkeit fort. In einem einzigen Monat, vom 15. April bis zum 15. Mai 1922, stieg die auf Grund der Kalorien errechnete Indexziffer Mr die Ernährung in Moskau von 999 auf 3496, in Petersburg von 1184 auf 2286, in Charkow Von 911 auf 2158, in
lumpige 75000 Rubel ts schließen, daß
steht, das, selbst nach dem sehr weitgehenden Friedensvertrag von Versailles nicht besetzt werdendarf. Es wird damit gerechnet, daß die französische Regierung die Requisition der B e r g w e r k e in den nächsten Tagen durch- führt, aber auch das wird die Reichsregierung nicht veranlassen, von ihrem einmal gefaßten Standpunkt abzugehen. Die Lage wird daher allgemein als ernst angesehen.
DwhLmg mit RnegSMrßcht.'
Sie Franzosen verschärfen de« Druck. lPrivat-T elegramm)
Essen (Ruhr). 17. Januar.
Die Verhandlungen der französischen Gewalthaber im Ruhrgebiet mit den deutschen Industriellen wurden am Dienstag Nachmittag fortgesetzt. Dabei wurde bekannt gegeben, daß man nicht mehr an ihren guten Willen appelliere, sondern daß man ihnen Forderungen st eilen werde, und daß. falls diese n-cht erfüllt würden, nicht nur die Bergwerke mit Beschlag belegt, sondern im Falle der Leistung von Widerstand mit einer Stellung der betreffenden Industrielle« vor ein Kriegsgericht vorgegangen werden solle. Alle Maßnahmen, zu denen der Belagerungszustand das Recht gibt, sollen verwirklicht werden. Insbesondere soll gegen Arbeitseinstellung eingegriffen werden. Der Direktor des Veckehrs- wesens, General Payot, nahm bereits eine Reihe von Maßnahme« in Aussicht, ra Eftenbakmma. isrial im Ruhrgebiet rnrückzubehalten.
*
Feste Haltens auf den Lechen.
Essen, 17. Januar. lEigener Drahtbericht.) Der Leiter der Fachgruppe Bergbau des Reichs- verbandes der deutschen Industrie, Landtngsab- geordncter Dr. Pinkerneil, ein bekannter Sach- vcrstÄndiger für alle bergbaulichen Fragen, äußerte sich gegenüber einem Vertreter der „Zeit" dahin, daß dir Haltung der Zechendirektoren einmütig und außerordentlich fest sei. Ohne ihre Mithilfe liege für Frankreich nicht die mindeste Möglichkeit vor, den Rhein- und Ruhr- bezirk wirtschaftlich in Gang zu hatten. Fraglos werde der kommandierende General den Zrchen- direktoren mit Pressionen. Verhaftungen usw. drohen Sollte er diese auSsühren, so dürfe er sich keinem Zweifel darüber hingeben, daß die Vertreter der Bcrhafictcn oder die Verwaltung ihrer amtsverhinderten Direktoren genau nach de« Weisungen handel« würden, die sie bereits erhalten haben. Die französischen Ingenieure seien ganz außerstande, die Betriebe zu leiten, zumal ihnen ein nicht kon ttollierbarer und auch nicht abwendbarer Widerstand aller untergeordneten Organe entgegentreten werde. Der deutsche Berg- baubeamte werde seine Anordnungen mir von gewohnter Seite entgegennehmen. Wen« die Franzosen etwa anderes annehmen sollten, so hätten sie sich über den Charafter des westfälischen Bergmannes gewaltig getäuscht.
Französische Besehie.
Die Alliierte« fordern Eisenbahnwagen.
(Privat-Telegramm.)
Essen, 17. Januar.
Die interalliierte Unterkommission hat zum Durchlauf Wagen über die deutsche Grenze von der Reichseiscnbahndirrftion in Köln angefordert und verlangt die Aufhebung der dort vorhandenen Sperre. Die Reichsrisenbahn- direktion hat dem Zwange nachgcbend die Bahnhöfe entsprechend angewiesen. Bis jetzt sind keine Eingriffe der Besatzung in de« Eisenbahnbetrieb erfolgt, jedoch sind Kontrolltrupps für aus dem besetzten Gebiet ausgehende Güter- z ü g e eingerichtet worden. Die Zugführer müssen den Kontrollposten die Frachtbriefe vorzei- aen. Die von der Feldeisenbahnkommisfion verbotene Betriebspause am Montag ist von dem Eisenbahnpersonal in den Bezirken Essen und Dortmund nicht eingehalten^worden.
(Sins wirksame Antwort.
Essen, 17. Januar. lPrivattelegrarmn.s Gestern versuchte eine Kommission, bestehend aus ftanzöstschen Offizieren, einige Zechen im Norden von Essen zu besichtigen. Der Be- trieb Seat erklarte hierauf, daß die Arbeiter sofort die Arbeit niederlegen würden. Sie wollten nicht unter Bajonetten arbeiten, worauf die Franzosen die Zeche verließen.
*
Die belgischen Trabanten.
9'r ff ff etft. Janttär. (Eigene DrahtMel- tantfl.) „Etoile Belge" betont, daß die Franzosen im Ruhrrevier keine Entscheidung tteffrn, ohne sich mtt Belgien in Verbindung gesetzt zu haben.
und fein Begleiter erhoben gegen diese Urttersttk ter.fi des Stadt- und Landkreises unter fremde Gewalt Einspruch. Der General nahm davon Keitntnis, erklärte aber, daß er feine Befehle mrssühren müsse und daß er im klebrigen durchaus keilt gewaltsames Borgehen wünsche, inr Gegenteil habe er das ihm unterstehende Militär angewiesen, gegen die Bevölkerung korrekt vor- zngehen, er erwarte aber mich ein korrektes Ber- ßalten der Bevölkerung gegenüber den Truppen.
LuMs- und BergnügungsauSgabentz
Mnß matt zu diesen entbehrlichen AuZgaDM catch das Haarfchneiben, das in Rußland heute drei Millionen kostet, oder das Stiefelputzen zählen, wofür man 300000 Rubel bezahlen mutz? .Ich habe/ so verrät der italienische Korrespondent, „für das Aufbügeln meines Anzugs acht Millionen und für das Stacken und Plätten von zwei Hemden und drei Kragen sieben Millionen bezahlen müssen. Eine Zigarre kostet die Kleinigkeit von vierzig- bis achtzigtausend Rubel; für die kleinste Fahrt muß man dem Kutscher wenigstens zwei Millionen anbietcn, um ihn zum Fahren zu bewegen. Die Posttackfe haben begreiflicherweise eine schwindelnde Höhe er« reicht, und rm Theater mutz man für einen Logenplatz Wirf bis fünfzehn Millionen bezahlen. Wenn der Arbeiter sich einen Weckanzug machen lassen will, so muß er dafür zwanzig Millionen anlegen; ein besserer Anzug kostet vier- bis iünf-
Wenn die Wahrnehmung, daß es dem Nachbar noch ungleich schlechter geht, als uns selbst, trostteich zu wirken geeignet sein sollte, so wird man diesen Trost aus einer Darlegung Mer die gegenwärtigen Kosten der Lebenshaltung in Rußland schöpfen können. In der Tat illustriert nichts so drastisch die Geldentwertung, die unter der Herrschaft des Sowjets mtt unheimlicher Schnelligkeit fortgeschritten ist, tote das Zahlenmaterial, das der Moskauer Berichterstatter eines Mailänder Blattes in einem diesem Thema gewidmeten Aussatz beibringt. Man tut gut, sich dar allem klar zu machen, daß in Sowjetrußland, soweit seine Währung in Betrmht kommt,
gen, daß die bisherige Methode der Behandlung deutscher Regierungen ihr Ende gefunden hat. Diese Aufgabe ist eben wegen der bisherigen Erf-chrungen, welche Frankreich mit seiner Po littk der Drohungen gesammelt hat, doppelt schwer zu lösen. Aber wir haben keine andere Wahl. Es kommt gar nicht so sehr auf die Koh- lenlieserungen an, als auf unsere eigene Selbstachtung. Der Weg, der vor uns liegt, ist mit Schwierigkeiten und Opfern besät. Aber wie wir den Mut besessen haben, ihn zu beschreiten, so müssen wir jetzt den Mut beweisen, ihn auch weiterhin zu gehen. Daß die Regierung entschlossen ist, fest zu bleiben, geht aus dieser letzten Abivehrma ßnahme unzweideutig hervor. Es Wick» jetzt auf die Haltung der deutschen Nation ankommen, wo es gilt, der Regierung bei ihrer Politik der nationalen Sewstbehauptung Den Rücken zu stacken.
3m Kreise Mettmann.
Vohwinkel, 17. Januar. (Eigener Drabt- bericht.) Nachdem am Sonnabend der nördliche Teil des Kreises Mettmann von den Franzosen besetzt worden war, begab sich am Montag der Landrat tu dem französischen General in Badener, und erklärte ihm, datz er die Besetzung des Kreises Mettmann für einen Bruch des Völkerrechtes und des Versailler Vertrages halte. Im Namen der Bevölkerung erhob er Einspruch gegen die Besetzung und fügte hinzu, er werde als Beamter ferne Pflicht erfüllen und sich nicht von feiner deutschen Gesinnung abbringen lassen. Der General nahm diese ErNSrung schweigend zur Kenntnis.
DeuWk Weigerung.
Keine Kohle» für die Feinde.
Das vom deusschen Reichskohlenkommlssar er- »angene Verbot der Kohlenlieferung an die Entente schafft eine neue Lage. Bekanntlich mußte sich die Entente, nachdem das Kohlen- syndikat verschwunden war, mit den einzelnen Zechen wegen der Lieferung von Kohlen in Verbindung setzen. Die Zechertverwattungen erklärten sich zur Belieferung bereit. Da es sich jedoch nach Lage der Dinge nicht um Reparationskohlen handele, könne das nur gegen Bezahlung geschehen. Dafür sollten Vorschüsse von Frankreich geleistet werden. Der Kommandant der ftanzöstschen Truppen war in sehr peinlicher Lage und er sagte deshalb die Bezahlung zu Die Zechen-Direktorerr haben aber sofort darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich an das Angebot nur halten könnten, wenn nicht die Abgabe von Kohlen an Frankreich überhaupt verboten Würde. Das ist nun durch den Äeichskohlenkorn- missar geschehen. Kohlen dürfen nicht an Frankreich und Belgien geliefert werden, auch wenn eine vorschußweise Zahlung erfolgt. Im übrigen hat schon die Pariser Presse gar keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Zusage des französischen Essener Generals gar nicht gehalten worden wäre. Man hätte sie nur gegeben in Furcht vor Stillegung der Zechen, falls sie ihre Arbeiter nicht mehr hätten bezahlen können. Tic Pariser Presse kündigt nun auch bereits Eingriffe gegen die örtlichen Banken an, um die Llchnung für die Bergarbeiter zu beschaffen, falls die AfÄAsbaak M W"
ZgWn-VerrMM.
Die Preise in Rußland.
Angesichts de» deutsch«« OcIbcBttoertuKg ift es interessant, die rssfischen Preis« ,n Leobochte«. Es ist trabet allerdings der Lnterschied ,tt machen, baß bie deutsche <Se!dentwe»tnng durch den Drnck der äntzere« Feinde ver ursacht wird, wührend die russische «eldentwertung von den Sowjet« Herrührt.
das Leven za Hause ' nicht so unerschwinglich teuer ist. Mall Mißssch jedoch vergegenwärttgen, daß M den Kosten für die Lebensmittel hier auch noch die für Wasser, Heizung und Licht treten. Eine Familie muß fiir den Wasserverbrauch ekwd zwölf Millionen, Rubel, für die Beleuchtung bon zwei Simmern mindestens fünfzig Millionen im Monat rechnen.
Für eine__.. ________ . . . ...
50000, sirr eine Zeitung 160 000 Rubel. Bei diesen handelt es sich selbstverständlich mtt um kommunistische Blätter, von denen die „Prawda" und die .Levefha" am besten geschrieben sind. Die wirtschaftlichen Fragen werden ausschließlich von der .Eeonomiceskaqa Sbffn" behandelt, deren Mitarbeiter sich beim Schreiben der größten. Freiheit erfreuen. Während der eigentlichen revolutionären Periode war der Verkauf voll Zeitungen, wie der aller anderen GeaenstLnde verboten; über vre Regierung fah sich bald außerstande, die für Vie Beckeilung aft bte Bürger erforderlichen Gratlserempkare zu drucken Und mußte dacher dazu übergehen, auf Mauern, und Zäunen Plakate, die die äffetttlichen Nachrichten enthielten, atrskleben zu kaffen, eine Rachrichten- verbreiturba, die das Volk spöttisch als »Zaun- literatur* bezeichnete. Wo beginnen nun die
noch tm Dezember 1921 für 100000 Rubel ein gutes Mahl einnehmen konnte, forderten im August 1922 bereits vier Millionen für das Menu ohne Kaffee und Wein. Eine Flasche eiicheimi- schen Weines kostet zwischen vier bis neun Mil-' timten, während Ver ausländische Wein sich auf einundzwanzig Millionen stellt. Die Preise für das Gedeck nach der Kacke betragend Suppe vier Millionen, Beeffteak fechs, Käse fünf, Gemüse fünfeinhach. eine Apfelsine vier, sine Flasche^ Bier drei, Kaffee eineinhalb, zwei Stück Zucker^ eine Million Sowjetjrubel. .Ich erinnere mich,' so schreibt der italienische Berichterstatter, »daß ich des öfteren zehn Milkwne« Rubel Kr eine' Mahlzeit bezahlen mußte, die sich aus Mei Eiern, einer Tasse Kraftbrühe, einer Scheibe Schinken, einer halben Flasche Mineralwasser und einem Glas Tee zusamurensetzie. Im Laden verkauft man ein Kilogramm Fleisch für sechs Millionen, je ein Kilogramm Zucker für drei, Brot für eine, Butter für ekwa hier Millionen, während eine Zitrone fchon für eine Million zu haben ist, und ein Ei nur lumpige 75000 Rubel kostet. Man könnte daraus schließen, daß