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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 25

Mittwoch, 31. Zanriar 1923.

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 953

3n f er tton«p reife; a) Einheimische Auftrage: Die einspaltige Anzeigenteile M. SV., Fami- liennachrichten, die Zeile M. 4«., die einspaltige Retiamezeile M. 300,. b) Auswärtige Aus. träge: Die einspalttge Änzeigenzeile M, 50., die einspaltige Rellamezeile M. 200, alle; ein. schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer. Sür Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An­zeigen, Sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Drurlerei: Echlachthplsirabe 2S/30. Geschäft»stell-: Kölnische Straße 6, Telephon Nr. 951 und 952

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Set Mwehtkampf gegen hie Feinde.

Erklärung der bayrischen Regle-ung:

München, 80. Januar. (Privattelearamm.) In einer amtlichen Mitteilung nimmt die Bay­rische StaatSzeitung Stellungzu der Anschauung, daß zur Verhängung des Ausnahmezustandes kein Anlaß gegeben sei. Angesichts der D r o h « n- gen der Nationalsozialisten sei die Verhängung des Ausnahmezustandes nicht zu umgehen gewesen, um der Regierung die für den äußersten Fall notwendigen Befugnisse in die Hand zu geben. Tie Maßnahmen haben auch ihren Zweck der Sicherung von Ruhe und Ordnung erreicht. Es sei jetzt nicht an der Zeit, ungehemmten Leidenschaften die Zügel schie­ßen zu lassen. Jeder müffe der Regierung im Kampf gegen den äußeren Feind zur Seite stehen.

die innere Stadt mit starken Kavallerie- und Jn- fanteriepatrouillen belebt. Auf dem Telegraphen­amt erschienen gestern französische Soldaten mit ausgepflanztem Bajonett und schlossen das Ge­bäude vollkommen ab. Das weibliche Per­sonal des Amtes wurde von den Offizieren mit der Reitpeitsche aus dem Saal getrieben.

»t ^rerftanö.

Paris, 30. Januar. (Eigene Drahtmel- dllng.) Der Düsseldorfer Korrespondent des Matin" gibt eine Beschreibung des deutschen Widerstandes im Ruhrgebiet und kommt zu der Ileberzcugung, daß die Sabotage der deut­schen Beamten außerordentlich großen Umfang annimmt. So seien alle Telephönverbindungeu in französischer Sprache unwiderruflich zu un­terbrechen. Auch im Eisenbahnbetrieb häufen sich die Störungen infolge der Sabotageafle.

ÄM Abwehrkampf.

Stellungnahme der Arbeiterverbände. lPrivat-Telegramm.)

Bochum. 30. Januar.

Der Bergarbeiterverband hielt gestern eine Konferenz ab, auf der zweihundert Delegierte und Funktionäre vertreten waren. Außerdem waren vertreten der Afabnnd, der Mctallarbei- terverband und der Verband der Heizer und Ma­schinisten. Nach einem mit stürmischem Beifall nufgenommenen Referat des Verbandsvorsitzen­den über dre gegenwärtige Lage ergab eine leb­hafte Aussprache volle Einmütigkeit über die Abwehr der französischen Gewaltpolitik, wie sie von den Hand- und Kopfarbeitern ge­meinsam zu führen sei. Von der Regierung er­wartet die Konferenz eine Politik der stündigen Abwehr und der Bereitschaft zu friedlicher Ver­ständigung sobald solche möglich ist. Ohne Ver­zicht auf seine grundsätzliche Stellung zum sozia­len Kampfe wird der Verband den Abwehrkampf gegen französische Politik entschloffen führen helfen. Er vertraut darauf, daß die Bergarbci- ter den Lockungen und Drohungen der Fran­zosen mutig widerstehen werden.

Rücktrttisgesuch de« 3nnenm!nl?Urs.

München, 30. Januar. (Privattelegramm.) Auch der Montag ist vollständig ruhig in Mün­chen verlaufen. Wie verlautet, hat der Staats­minister des Innern, Dr. S ch w e y e r, dem Mi- »istcrprästdcuten sein Rüütrittsgcsuch überreicht.

der Reitpeitsche gegen Frauen.

Dertmund, 30. Januar. (Prwattele- gramm.) Aus Düsseldorf wird gemeldet: Infolge der zahlreichen AuSweisunMn von Be­amten und des rücksichtslosen Eingreifens der Bcsatzungsbehorden im Eisenbahn- und Postbe­trieb herrscht unter der Bevölkerung eine erbitterte Stimmung. Auch gestern war

Man kwin gewiß ungerecht werden, kann £n'r JSl biefer "der jener Artikel nicht zu den Valutawaren gehöre. Man wird auch dazu neigen, oft unmotivierte Beschuldigungen vor­zubringen. Denn wo die Preistreiber sitzen, ist ^Er lchwer festzustellen. Ost aber ist eine SkifÄSF*. durch die Erhöhung der Löhne uud Rohprodukte bedingt. Deshalb müßte mit nnberen Mitteln, tote sie jetzt angewandt toer- tteM der Polksausbeutunq entgegen * ?^en Die Gefahr liegt sehr nahe, daß ton in diesem schweren Kampf durch einen

Dolchstoß von hinten, das heißt durch die Wu­cherer. kampfunfähig gemacht werden. Er­schreckend ist die Not im Lande, trübe Gesichter in allen Schichten, und die Katastrophe rückt vie­len erkennbar näher. Sie muß aufgehalten wer­den, vor allem durch die Regierung, die die Mit­tel dazu hat. Der Einzelne kann sich gegen den Weg ins Verderben nicht wehren, er ist unfähig zwischen den Vielen, die auch diese Zetten über­dauern können, sich in dem großen Wirtschafts­kampf zu behaupten. Zusammenschluß und Ausgleich mutz die gemeinsame Not ertragen helfen. Hg.

Kksse in Bayern.

Die Angriffe gegen die Regierung. (Privat-Telegramm.l

München, 30. Januar.

Unter der UeberschristDie Krise in Bayern, Wechsel im Ministerium" unternehmen die Münchener Neuesten Nachrichten" einen äußerst scharfen Vorstoß gegen die Staats­regierung, die seit Freitag sich um jede per­sönliche Autoirtät gebracht und allgemein das Ur­teil herbeigeführt habe, daß so nicht regiert wer­den könne. Wenn der Minister sich derart vor der Oeffentlichkeit blotzgestettt habe, wie es der Minister der Innern in diesen Tagen ge­tan hat, so verlange das parlamentarische System um der Staatsautorität willen, daß dieser Mini­ster sofort zurückttete. Noch dringlicher sei der Rücktritt deshalb, weil die Verhängung des Aus­nahmezustandes das staatliche Acksehen Bayerns in Deutschland und in der Welt in einem ganz außerordentlichen Maße geschädigt habe. Nicht die Absichten Hitlers hätten München am Sonn­abend vor den Bürgerkrieg gestellt, sondern die Maßnahmen der Regierung. (?) Das Blatt for­dert schließlich, daß der bayrische Landtag sofort ein Gesetz über den Staatspräsidenten erlasse, damit in Bayern eine Instanz geschaffen werde, der die breiten Massen der nationalen Be­völkerung auch wirklich ihr Zutrauen schenken. Es sei notwendig, daß rasch gehandelt werde.

Nie franzöfifchen Drohungen.

Dortmund, 30. Januar. (Privat - Tele- graimn.) Aus Essen wird gemeldet: Bei einer Vorladung der Essener Presse wnrde die­ser durch den französischen Vertreter Stras- maßnahmen angedroht, falls sie sich in der Schreibweise nicht ändere. Die Vertreter der deutschen Presse verwahrtensich gegen jede Beschränkung der Pressefreiheit, soweit sie nicht durch deutsche Gesetze bedingt fei. Darauf erwiderte der französische Vertreter, die Presse dürfe nicht vergessen, daß sie unter Belagerunas- zustaud stehe. Wie die französischen Blätter melden, haben die Besatzungsbehörden gegenüber dem Widerstand der deutschen Beamten beschlos­sen, sofort alle oberen Beamten, die in ihrem aktiven und passiven Widerstand beharren, auszuweisen. Die Anwendung dieser und anderer Maßnahmen hat bereits begonnen.

*

Verschärfung in Aachen.

Aachen, 30. Januar. (Privaitelegramm.) Der belgische Kommandierende General gibt bekannt, daß die deutschen Polizeibe- amten von jetzt ab ihm allein unterständen. Die Truppen wären angewiesen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Der seit gestern verhängte kleine Belagerungszustand wurde durch die Früherleguna der nächtlichen Ver kehrs- sperre verschärft. Der Hanptbahnhof ist mili­tärisch abgespent, der Eisenbahnverkehr ruht.

Unter der fremden Gewalt.

Der frauzöstsche Mißerfolg.

(Prival-Telegramm.)

Köln, 30. Januar.

Die Urteile der französischen Zeitungen über die Lage im Ruhrgebiet stellen ohne jeden Unter­schied den Mißerfolg der ersten Wochen fest. Unnütz, mit Worten zu spielen," schreibt Miüet imParis Midi".Die vorläufige Bilanz ist negativ." In andere« Blättern werden der Rc- lierung Fehler in der psychologischen Abschätzung der deutschen Widerstandskraft imd in der Me­thode vorgeworfen. Deutschland halte besser a « s, als man erwartet habe. Die Ent­täuschung ist also groß, aber die Erbitterung über den Widerstand scheint in einem Teil der Presse noch größer zu sein.An die Mauer mit den Saboteuren!" verlangt ein Mitarbeiter des GauloiS", der sonst gemüßigter schreibt.

Schwindende Mark.

®$e neuen Valutaschwirrigkeiten.

Was der Reichskanzler ankündigte, daß eine schwere Zeit für Deutschland anbrechen werde, die den iiiut und die Entschlossenheit zum Durch­halten verlange, ist eingetroffen. Seit dem fran­zösischen Einfall in das Ruhrgebiet ist unsere Mark dauernd bergab gegangen. Von 6600 und 8000 ist der Dollar sprunghaft auf 10000, auf 15 000, auf 20000 gestiegen. Die Grenze von 20000 währte nicht lange. In zwei Tagen war das dreißigste Tausend erreicht und überschritten. Und noch läßt sich die weitere Entwicklung der Devisen, die Verschlechterung der Mark nicht absehen. Poincarö hat immer behaup­tet, Deutschland trage selbst die Schuld an der Markentwertung. Er wagte zu erklären, die Re­gierung und interessierte Kreise wünschten eine schlechte Valuta, um Deutschland zahlungs­unfähig zu machen. Es ist schon wiederholt von maßgebender Stelle darauf hingewiesen, daß Deutschland an einen solchen Selbstmord nicht denke. Wer jetzt liegt doch wohl der untrüg­liche Beweis vor, daß allein Poincarö die Schuld an der deutschen Finanzlage trägt. Während er .auszog", um Deutschland zum Zahlen, zur Erfüllung seiner angeblichen Ver­pflichtungen zu zwingen, ist die Mark zu einem zagen hasten Schemen geworden.

Deutschland kann unter solchen Umständen überhaupt nicht mehr daran denken, etwas zu zahlen. Und wenn das Londoner Ultimatum mir seinen Zahlungsbedingungen wieder in Kraft ge­setzt worden ist, so ist das noch lange kein Zwang für Deutschland, Zahlungen zu leisten. Es kann das noch weniger als frührr und wird seine lungsunsähi gleit mit dem fran­zösischen Rechtsbruch begründen. Selbst­verständlich gibt es unter den Alliierten auch Mächte, die sehr wohl einsehen, daß Frankreichs Politik Deutschland nicht nur zahlungsunfähig macht, sondern sie um die deutzchen Zahlungen bringt. Aber sie haben noch immer nicht den Mut gefitnben, ihre Interessen wabrzuehmen. Der Schaden, den Frankreich aber selbst durch seine Politik erleidet, liegt auf der Hand, daß mit Recht der Weltmarkt, die Weltbörse bereits den französischen Franken fallen, sinken lassen. Man rechnet also damit, daß der Erfolg des fran­zösischen Vorgehens darin bestehen wird, die 'ranzösischen Finanzen nodj mehr zu zerrütten und Frankreich um alle Zahlungen von deutscher bringen, daß Frankreich sich überspannt und folglich der Kredit Frankreichs mindcrhoch anzuschlagen ist.

Mär uns im Innern aber hat diese Entwick­lung eine Verteuerung der Lebenshal- lltl" katastrophaler Weise gebracht. Wenn auch die Lohn- und Gehaltssteigerungen teilweise dre Teuerung auszugleichen versuchen, so bleiben sie doch stets beträchtlich hinter der Preissteige- rung zunick. Aber es gibt Viele, die überhaupt kuwt m der Lage sind, ihr Einkommen irgendwie zu erhöhen. Hier klopft heute die Not gebie- tcrisch an die Tür. Dnrchhalten mag auch ihr Bestreben sein. Aber sie fragen sich mit Reckt, wie sie durchhatten sollen. Der Hunger tut weh. Und es muß unbedingt etwas getan werden, wenn dre Gefahr der inneren Unruhen vermie- r^ato<m^n -E Zwar: die Regierung hat be- retts Maßnahmen getroffen, um nur die aller- notwendigsten und berechtigten Preissteiaerun- gen zu dulden. Gegen jeden Wucher soll "schar?

Indessen: man hat doch das Gefühl, daß es Mele Volksgenossen gibt, di-> benn^b letzt am deutschen Volke bereichen: und es dem Volke außerordentlich schwer machen sein Leben zu fristen und Mut zu zeigen. Es rst undenkbar, daß die Markentwertung, so weite r^1' Es erfassen kann, was zum menschlichen Leben notwendig ist. Man muß zusehen, daß zum Beispiel Milch und Mehl so verteuert werden, obwohl sie doch gewiß mH Zu tun haben. Man muß er- !eben, daß Butter und Fett, das lange schon in -oeui,chland liegt, sich dem Dollarkurs anpaß« muß erleben, daß Fische, die lange schon Tonnen liegen, dem Dollar gleich Sprünge Dre Konsumenten sind die Leidtragen­den. Aber wie zollte der Kaufmann bestreu, 1 nicht so ansetzte, daß er neue ' Waren wieder anschaffen kann? Es ist ein UEwes Pröble das sich mcht einfach lösen : 9vUT ßitfcr SSiffc Iwn (tUcti (Seiten fnnn 1 dabei ansglcichend wirken. " I

Gesetzliche Maßnahmen.

Ci« Abtorhrgefetz gegen die Feinde.

lVrivst-Telegramm.)

Berlin, 30. Januar.

Wie wir erfahren, haben in den letzten Tagen in Berlin wichtige Verhandlungen zwischen der Regierung und den maßgebenden Vertretern der deutschen Industrie stattgefunden, an de­nen vor allem Mitglieder der Ruhrkonzerrre teil- genommc« haben. Man hat sich dabei über einen Gesetzentwurf unterhalten, der von der Reichsre- gicrung ausgrarbeitet Wörden ist. Dieser Ge­setzentwurf stellt gewissermaßen ein Maniel- g e s e tz dar, das die gesamten Maßnahmen um­schließt, die zur Abwehr der Besetzung des Ruhrgebiets getroffen find. Man hatte zunächst vor, biefe Maßnahmen auf dem Wege der Ver­ordnung des Reichspräsidenten gcsetzgeberifche Kraft zu geben, ist dann aber wieder von die­sem Plan abgekommen. Das neue Gesetz soll be­reits am Mittwoch im ReichSwkrtschaftsrat be­raten und beschlossen werden.

Berliner Bauten.

Hochhäuser und Aufstockungen.

et» ein Ersatz für Rendanten ist nenerding« die ErhShung Oen Käufer» anznfrhen. Datz Man in Berlin damit ich.» in »asther ent- witklnng ist, lützt folgendcrDeri-Ht erkennen.

Die Baukatastrophe im Mosseschen Hause zu Berlin hat die Aufmcrffainkeit weiter Kreise auf das neue Verfahren gelenkt, das darin be­steht, durch Aussetzung weiterer Stock­werke aUf Geschäftshäuser den erforderlichen Raum zur Ausdehnung der Betriebe zU schaf­fen, der unter den obwaltenden Umständen auch mit dem Aufwand größter Mittel durch Neu­bauten nicht beschafft werden tonn, weil es in­folge des Mieterschutzes zurzeit nicht möglich ist, Grundstücke im Jstnern der Städte stceizumachen. Früher hat man bei uns nur selten Häuser nach oben hin erweitert; gewöhnlich erwies es sich als vorteilhafter, ältere Bauten gänzlich nieder- zulegen und von Grund auf neu zu bauen. Bei Wohnhäusern verbietet ei sich auch jetzt meist, Stockwerke aufzusetzen, einmal Wegen der außer, ordentlich hohen Baukosten, bann mit Rücksicht auf die statischen Verhältnisse der Gebäude, die eine erhebliche Mehrbelastung nicht zulassen. Die neueren Geschäfts- und Industriebauten find jedoch meist weit solider errichtet und gestatten ohne Bedenken eine Erhöhung trm mehrere Stockwerke. In Berlin betrug die zulässige

Bauhöhe fünf Etagen

einschließlich des Erdgeschosses. Aus diese Höhe sind auch alle technischen Einrichtungen wie Wasserdruck und Löscheinrichtungen der Feuer» tvehr zugeschnitten. An eine Erhöhung der Häu» ser würde man in Berlin ohne den Krieg und seine verhängnisvollen Folgen sicherlich noch lange nicht gedacht Haben; die topographischen Verhältnisse der Reichshauptstadt, die nach Ein- gemeiuduna aller Vororte zurzeit an Areal die größte Stadt der Welt ist, Hätten an sich den Bau höherer Häuser nicht notwendig gemacht. Ganz anders liegen die Dinge in New York, das Mit seinen Wolkenkratzern vor etwa 40 Jähren einen ganz neuen Gebairdetypus geschaffen hat. Die Metropole der Neuen Welt liegt in ihrem Sern auf der Halbinsel Manhattan, die von drei Sei­ten durch Meeresarme begrenzt ist, im Osten und Süden vom East River im Westen vom Hudson River. Der zunehmende Raumbedarf bet Ge- fchästsfftadt wies unter diesen Umständen ganz von selbst den Weg in die Höhe, der in den acht­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zuerst von einem Zeitungshaus, dem World Butwtng, beschritten w'.rrde. Längst ist dieser erste Wol- kenkratzer durch ungleich mächtigere und höheres Bauten in den Schatten gestellt worden: gegen» toäriig ist das Woolworth-Building MH sechse undfAufzig Stockwerken

das höchste Haus der Wett. .

Der Errichtung so gigantischer Bauwerke kommt der Untergrund der Manhattan-Halbinsel zu- statten, die einen riesigen Fels dar stellt und infolge dessen einen absolut sicheren Baugrund bietet. Ob eS in Berlin möglich ist, Wolken­kratzer von so ungeheurer Höhe zu errichten, er­scheint zweifelhaft, da Berlin ausAlluviar^ hoben steht, der schon wenige Meter unterhalb! des Straßenniveaus aus weichem Sand ge!bil=i bet wird. Dieser reicht so tief hinab, daß bie1 Schaffung eines festen Untergrundes für die Fundamente riesige technische Sckssvierigleiten und nock höhere Kosten bedingt. An manchen Stellen tft der Untergrund von Berlin, und zwar im Herzen der Stadt, sogar sumpfig, und schon mehrfach war es notwendig, größere Ge­schäfts- und Jndnstriehäuser auf Pfahlrosten zu fundamentiercn, eine Methode, die man bei­spielsweise auch beim Bau der NordM-Unter- grundbcchn, die soeben fertiggeftefft worden ist, stellenweise anwenden mußte. Für die unge»! ßeure Last eines Wolkenkratzers von sehr hohen Ausmaßen dürste diese Art der Fundamentie« ntng alber kaum in Betracht kommen. Man denkt deshalb in Berlin an den Bau sogenannter

Turmhäuser in müßiger Höhe,

die äber kaum über 15 Stockwerke nennenswert' hinausreichen wird. Bauten dieser Art find bc», reitS an einigen Stellen der Stadt, vor allem am Bahnhof Friedrichstraße geplant, jedoch noch nicht in Angriff genommen. So viel steht je» densaills fest, daß mit der Errichtung von Turm­häusern, an die ja auch in anderen deutschen Großstädten gedacht wird, die Silhonctt: unserer großen Städte ein ganz neues Aussehen erhol--- ten wird. Auch die um mehrere Etagen auf», gestockten Geschäftspaläste werben in' Berlin schon binnen kurzem das Stadtbilb nichts unwesentlich verändern. Vorläufig find es meist die Großbanken, die sich in dieser Weise Raum nach oben hin schaff.«, und die gegenwärtig fast alle unter riesigen (sterilsten stehen, hinter denen: sich die Aufstockung vollzieht. Man darf sich die Schwierigkeiten und die Kosten solcher Aufstockungen keineswegs gering vorstellcn, selbst wenn man die derzeitigen obneh-' enormen Baukosten in unserem entwerteten Geld würdigt.