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Meier Mueste MchMm

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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N,»m Mer 26.

Fernsprecher 951 und 952

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Donnerstag, 1. Februar 1923.

Fernsprecher 951 und 952 13. IaHrgaNg

ZnmMfche Versuche mit neuen Rohlingen.

Sem oder Nichtsein.

Vor dem Abgrund.

Wie oft hatte man vor etwa einem Jahr, als für den Dollar noch hundert oder zweihundert Mark gezahlt werden mußten, gesagt, Deutsch­land gehe dem Abgrund entgegen, und doch lebte man von Monat zu Monat weiter, ohne daß die Katastrophe eintrat. Anders ist aber die Lage heute. Jetzt ist es b i t t e r e r n st, da der Feind uns an der Gurgel hat und es ihn ge­lüstet, zuzubrücken.Wenn es je£t nicht gelingt," schrieb der bekannte französische Polftiftr Gu­stave Hcrvck in seinen Betrachtungen über die Ruhr-Besetzilng,bekommt die Bevölkerung an der Ruhr keine Lebensmittel mehr und kann vor Hunger krepieren". In ähnlichem Tone schrieb dasEcho de Paris":Mr richten uns nicht für Monate ein. sondern für Jahre." Nun wissen wir, was Frankreich erstrebt. Wir wis­sen aber auch, wie heute der Kampf geführt wer­den muß und daß wir gar nicht anders können alS Widerstand leisten bis zum Aeußer- stcn. Nachgeben, Unterwerftma. würde die Be­setzung und Ausbeutung des Ruhrgebietes auf unbegrenzte Dauer zur Folge haben. Es ist bei der heutigen Lage fast überflüssig, noch darauf hinzuweisen, waS die Franzosen im Ruhrgebiet wollen. Gegenwärtig sperren die französischen Divisionen mit Maschinengewehren und Kano­nen das ganze Ruhrgebiet von Deutschland ab. Gerade sind die französischen Behörden dabei, alle höheren preußischen Beamten im alten und neu besetzten Gebiet auSzuweiieu.

Sie richten sich nicht ein aus Monate, son­dern aus Jahres Sie scheuen nickt davor zurück, die Huu gerpeitsch e zrr schwingen, katastro- lAiufc- S&irifcWlC-- Lruäh, un.gtzschtvf-'ÄA' leiten hcrauszubeschwören. Was liegt ihnen daran, Rhein- und Rilhrgebicte müssen franzö­sisch werden, müssen den Ansbeutungsplänen unterworfen werden. Sie haben Hunderttau- fenbe von Soldaten, haben Kanonen, Maschi­nengewehre und Tanks. Derboche" aber (rot nichts Das ist die harte Wirklichkeit, das ist die Lage, vor der das deutsche Volk steht. Es muß um sein Leben kämpfen, lind dieser Kampf wird nicht leicht sein. Denn Frankreich schnürt uns an Mein und Ruhr die Lebens­ader ab. Nur ein paar Zahlen: Obwohl das Industriegebiet von Rheinland und Westfalen nur sieben Prozent der deuifchen Bodens'ächr .umfaßt, wohnt dort ein Mertel der deutschen Arbeiterschaft. In dem Gebiet werden neun /Zehntel der deutschen Kohlenproduktion geför­dert, vier Fünftel an Koks, drei Viertel an Teer und Ammoniak, zwei Fünftel an Blei und mehr als zwei Fünftel der deutschen Zinkproduktion erzeugt.

Ohne diese wirtschaftliche Herezkammer das Leben Deutschland zu ei halten, ist eine Aufgabe von ungeheurer Schwierigkeit. Sie muß gelöst werden, die Wirtschaftskraft Deutschlands mutz erhalten werden. Denn von dem Weiterleben der deutschen Wirtschaft bangt einfach die nackte Eristenz von sechzig Millionen ab. DaS ge­rade aber ist die Hoffnung Frankreichs, durch Abschnürung des Ruhrgebietes dem deutschen Volke das Leben zu unterbinden und auf die­sem Wege den Widerstand gegen seine Raub­politik zu breckeu. Die zehn Millionen an Rhein und Ruhr sollen dann nach dem Plan Frank­reichs als rechtlose Sklaven und Fronarbeiter für diegrande Nation" schaffen und bluten, der Rest Deutschlands aber zusammenbrechen, aus- einanderfallen und im Hungerelend sich auflö- fen. Auch alle Verhandlungen, alle Unterwer­fung wird das deutsche Volk vor diesem Los nicht bewahren können. Nochmals: Frankreich richtet sich nicht auf Monate, sondern auf Jahre ein im Ruhrgebiet. Und nochmals: Wir können gar nicht anders, uns bleibt kein anderer Weg als Widerstand gegen diese Gewalt- und Mordpolitik. Widerstand, bis die franzö­sisch« Gewalt sich selber zugrunde richtet, bis sie an dem eigenen Uebermaß, an ihrer eigenen Ueberspannung erstickt.

Die Franzosen sind jetzt im Begriff, uns in den Abgrund zu stürzen, denken aber nicht daran, daß wir sie mit in die Tiefe reißen, wie der ge- meinfame Niedergang der Mark und deL Franken dartut. Wie die deutsche Währung infolge des französischen Raubzuges dahin­schwindet, zeigen uns die Vorgänge an den Börsen, Es ist Dummheit und Verleumdung, wenn die Franzosen sagen, Deutschland ver­schlechtere absichtlich sein« Valuta Das Ver­hältnis zwischen den ausländischen und inlä idi- schen Zahlungsmitteln läßt sich gar nicht von Deutschland willkürlich regeln, sondern entsteht dadurch, wie das Ausland die Mark bewertet und wie hoch der deutsche Bedarf an ausländi­schen Waren ist. Wenn der fortwährenden Markentwertung auch die Esseften nachkommen, so ist das nichts anderes als eine natürliche Mreissteigerung, wie wir sie täglich an den L'- -rnü«Eelo und sonstigen Waren erleben. Die

Nachfrage lach den Sachwerten, als welche man die Jndustriepapiere mit Recht ansehen kann, be­wirkt die Preiserhöhung. Aber was so sehr nachGewinnen" aussieht, ist doch in Wirklich­keit nur Schein. Zehntausend Prozent Gewinn an einem Esfektenpapier sind bei dem heutigen Dollarstande etwa zehn Goldmark. Eine Divi­dende von hundert Prozent für eine Tanfend- mark-Aktie macht etwa zehn Pfennige von früher aus. Das muß man sich vor Äugen halten, wenn man die Aufblähung an der Börse betrach­tet. Wir sind gegenwärtig im Zuge der Entwick­lung der Wiener Börse zur Zeit des Zusammen­bruchs Deutsch-Oesterreichs. Wenn man beob­achtet, wie die Großhaniielspreise mit der Aus­landswährung zusinnm-.mhängen, wird man die jetzige Entwicklung leichter verstehen. Da jetzt jedes Kind in Deutschland weiß, daß die Ur­sache in dem Druck von außen liegt, ist es auch Jedermann klar, weshalb wir die Fran­zosengewalt ab wehren müssen. Der Weg zum Erfolg ist schwierig. Wer engste Volks- und Schicksalsgemeinschast kann den Lei­densweg überstehen. Das ist mit Verordnungen und Gesten nicht allein z.i macken. Fester Wille und treue Gesinnung gehören dazu! »ss»

Immer neue Drohungen.

Mit dem Revolver gegen Wahnbeamte. lEigene Drabtmelduna.1

Düsseldorf, 31. Januar.

Die Verkehrslage im Ruhrgebiet erfährt augenblicklich wiederum eine Verschärfung. Der Eisenbahnverkehr nach dem unbesetzten Gebiet ist noch im vollen Umfange im Gange. Die Triip- penkommandos an der Dftgrenze des Nuhrg>. biets cnih-.tten sich »ach druersiisi.stc.au teststreikS jeden Eingreifens. Dagegen ist der Verkehr aus dem Ruhrgebiet nach dem We­sten und Süden vollständig unterbun­den. da die Eisenbahner hier zum größten Teil in den Ausstand getreten sind und den Firan- zosen viel zu schassen machen. Linksrheinisch liegt der Personen- und Güterverkehr vollständig still. An verschiedenen Orten wurde das Loko- motivpersoual, das deutsche LcSensmfttelzüge beförderte, mit vorgehaltenem Revol­ver gezwungen, franzSsische Trans­porte zit fahren. General Degoutte ließ einen Befehl anschlagcn, wonach alle Eisen­bahner den Dienst aufrecht zu erhalten haben, widrigenfalls kriegsgerichtlich vorgegangen wird.

e *

Lothringische Deserteure.

Essen, 31. Januar. tPritvatelegramm.) Die französische Besatzunqsbehörde hat einen Er­laß herausgegeben, nach dem jede Zivilperson mit zehn Jahren Zuchthaus bestraft wird, die einem Soldaten der Befatzungsbehörde Zivilkleider aushändigt. Diese Bekannt­machung ist um so bedeutsamer, weil es bekannt ist, daß in den letzten Tagen viele lothringische Soldaten desertiert sind.

*

BelLgerunftzzvstarid in Mainz.

Mainz, 31. Januar. (Eigene Trahtmel- bung.) Durch Plalatanschlitq macht der franzö­sische Befehlshaber bekannt, daß bis auf weite­res keine Versammlungen, Zusammenrottungen oder Ansammlungen geduldet würden, nötigen­falls werde der Rachtverkehr gänzlich verboten. Mehr als fünf Personen dürfen vom heutigen Tage an nicht auf einer Stelle zusammenstchen.

Frankfurt» Etavtwald beschlagnahmt.

Frankfurt, 31. ftenitar. (Privat-Tele- gramm.) Die Franzosen haben den Distrikt Un- terwald des Frankfurter StadtwaldeS beschlag­nahmt. Es ist der Distrikt, der an Golbstein- Asenburg grenzt rmd der stark besucht wird.

Meuer TNvrV.

Dßchum, 31. Amrtar. (Privattelegramm.) In Hervest-Dorsten wurde ein Zugschaffner von "ranzöstschrn Soldaten erschossen. Zur Mittagszeit war in Bochum äußerlich die Lage ruhig, obwohl die Verhängung des verschärften Belagerungszustandes große Unruhe hervorrief.

Gegen polnische Helfer.

Che eeregtev Zwischenfall in Elberfeld.

lPridat-Telkgrgm«)

Elberfeld, 31. Januar.

Gestern nachmittag kam es in Elberfeld zu erregten Zwischenfällen. Offenbar auf Grund einer von ftanzösischer Seite ergangenen Auf. forderung sind Polen aus dem früheren preu­ßischen Gebiet, die fließend deutsch sprechen und

schreiben, auf dem Elberfelder Bahnhof ange­kommen, um den Franzosen bei der Durch­führung des Bahn- und PostvcrkchrS Hilfe zu leisten. Die Leute befanden sich unter der Führung eines in Zivil reisenden Franzosen, der, als er erkannt wurde, sich nur mit Hilfe der deutschen Schutzpolizei vor dem Gelynchtwerden reiten konnte. Die eingetroffenen Polen wur­den sofort wieder mit der Bahn an die deutsche Ostgrenze abgefchoben. Außerdem ist Vor­sorge getroffen, daß auch weitere Trupps von polnischen Beamten aus dem ehemals preußi­schen Gebiet nicht ins Ruhrgebiet gelangen kön­nen, soweit der Rcisewcg durch Deutschland geht.

LLnter der fremden Gewalt.

Frankreichs Eisenbahn» nnd Zollpläne.

(Gigene Drahtmeldung.)

Düsseldorf, 31. Januar.

lieber den französisch-belgischenKriegsratz' im DüsseldorferStahlhof" verlautet, daß in erster Linie die Frage das Eisenbahncr- streiks im besetzten Gebiet besprochen worden ist. Trotz der schlechten Erfahrungen, die man in diesen Tagen genug gemacht hat, glaubt man immer noch, mit viertausend französische« Eisen­bahnern und Zollbeamten die Riesenarbeit be­wältigen zu können. Der Plan geht dahin, mit Hilfe der französischen Eisenbahner zunächst die Hauptstrecken in Gang zu bringen. Alle deutschen Beamten, die sich weigern, Dienst zu tun, sollen ausgewiesen werden. Ganz ähnlich will man mit den Zollämtern und ihren Beamten verfah­ren. In die Produktion soll nicht mehr eingegris- fen werden, da man hofft, durch die Kontrolle des Bahnverkehrs und der ?>£'<- das zu erlangen, ^vaS man zu erlangen Vie Absicht hatte: Koks ü.ov Geld. Tk Aittwart ans Viesen Plan geben bereits Aar und deutlich die beiden Ver- vidnunMn des Reichsverkehrsrninisters Gröner, wonach die deutschen Beamten französische Be­st hle unter keinen Umständen befolgen dürfen.

Wettere DerschLrfung.

Dortmund, 31. Januar. (Privat-Tele­gramm.) Der verschärfte Belagerungs­zustand ist durch den kommandierenden Gene­ral Degoutte für Dortmund vom Mittwoch den 31. Januar ab und zwar mit Wirkung von fünf Uhr nackMittags an verhängt worden. Po- kitische Versammlungen sind bis auf weiteres verboten- In Hörde sind elf Tanks und eine Kompagnie des 172. Infanterie-Regiments ange­kommen. Gestern wurde von der Befatzungs­behörde die Eifcnbahndirektion E f f e n g e - sperrt. Verhaftet sind bis jetzt Oberregie­rungsrat Richtberg, der die Vertretung des Prä­sidenten übernommen hatte, Oberbaurat Berg­holz »Np Baurat Grevel. Kreissekrctär BLfchner und Amtmann Befsing in Wellinghofen sind von den Franzosen verhaftet worden.

*

Vir Haufen wie die WiiSeni

Essen, 31. Januar. (Privattelecftamm.) Hier waren bekanntlich beim Einmarsch der Franzosen achtzehn Schulen mit Militär belegt worden, darunter eine neue höhere Mäd­chenschule in Alteneffen, die am Tage vor dem Anmarsch der Franzosen neu eingeweiht wor den war. Nachdem die Truppen in diesen Tagen weitertranSportiert worden sind, sind dje Schu­len, vpr allem die höhere Mädchenschule, in tröst, losem Zustand zurückgelassen worden. Die ganz neuen Bänke waren zerschlagen und zum Feueranzünden verwendet worden. Vie Schulzimmer in höchstem Grade verun­reinigt nnd die Klosetts der Schule mit Weiß­brot verstopft. In der Bevölkerung herrscht über diese Taten die größte Erregung.

Die bayrischen Vorgänge.

Anfragen Im Landtag«.

(Privat-Telesramm.)

Münckten, 31. Januar.

Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Haus- Haltsausschusses des bayrischen Landtages stellte der sozialdemokratische Abgeordnete Nmm die Frage, ob die ^taatsregicrung keine Veranlas­sung nehme, den Mitarbeitern des Haushalts- ausschusseS Mitteilungen über die Vörgänge der ietzteiu Tage zu machen. Der anwesende Kultus­minister Dr. Mann erwiderte, daß er keine Er­mächtigung zu betartigen Erklärungen habe und daß ein dahingehender Wunsch dem Minister­präsidenten übermittelt werden müßte. Der Aus- fchutzvorsitzende stellte dann auf Ersuchen des de­mokratischen Abgeordneten Dr. Hammerschmidt fest, daß er dem Ministerpräsidenten Dr. v. Knil- ling mitteilen werde, daß im Ausschuß dieser Wunsch nach entsprechenden Mitteilungen durch die Staatsregierung laut geworden (ei.

Sie Kohlenpreist.

Was ist in dem »ohlenpreis enthalten 1

Veranlagt Lurch die fortschreitende Teucrnnz find cb 29. Iannar in einer «itzung unter 6tm Borsitz des ZkeirtzSarveitSministerium« für den Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau und fo. mit auch für Vic Beegardeiter bcS Jtaffelet 9tc. vier» neue Lohne festgesetzt und diese Haden vom gleichen Tage die Steigernng zur Folge. Es ist natürlich, daß diese Steigerung erneut Klagen der Verbraucher auslösen wird. Koh­lenhändler und Zechen werden mit diesen Kla­gen besiürnil werden, obgleich diese nicht die richtigenEmpfangKftelleu" für solche Klagen stirb, denn sie sind machtlos gegenüber ben Fak­toren, durch die heute der Kohlenpreis bestimmt wird. Wie entsteht denn überhaupt der Kiohlcn- itreiS ? Seine Festsetzung liegt durchaus nicht, wie vielfach noch immer angenommen wirb, in den Händen der Zechen. Er wird von einer Reicksorganisation aufgestellt, die durch das Kohlenwirtschastsgesetz dadurch beauftragt ist. Der Rcichskohlenverband setzt die Preise auf Vorschlag der Syndikate fest, die ihren Vor­schlägen die Selbstkosten zu Grunde legen. Diese Preisfestsetzung ist an die Zustimmung des

Preisausschuffes dcS Reichskohlenrats gebunden, in dem Arbeiter und Verbrauchet vertreten sind. Ueberwacht werden die Preise durch ben Reichswirtschaftsminister, ber ein Einspruchsrecht in biefer Frage hat. Erst wenn dieses nicht cmsgeübt wird, werden die Preise im ReichZanzciaer veröfsentlicht, die damit ver­bindlich sind. Vom 29. Januar ah beträgt der Preis für die HauKbrmrdlvble des Kasseler Re­viers ab Zeche an den unsere Hausfrauen bei ihren täglichen Sorgen um die Heizung und die Versorgung des Küchenherdes zuerst denken, für hie Sinrn» izt) Zentner) 24 723 .* beKv. im Lanbaösü°ft f-.S 5<Rk Po km Empfang ve» Recht nung ober bei ber Bezahlung Wirb aber meist nicht daran gedacht, daß in dem Preise folgende Beträge enthalte i sind, die ben Zechen nicht zu­fließen: Umsatzsteuer 482 M, Heimstättenheitrag 120 M, Kohlensteuer 5833 M, b. h. mit anberen Worten etwa ein Viertel des Kohlenpreises ab Zeche fließt den Zechen überhaupt nicht zu.

Der Heimstättenbcitrag soll zur Hebirna ber Kohlenförderung dadurch Mitwirken, daß durch ihn die Wohnungsnot für die Bergleute behoben und ihre Seßhastmachnng gefördert werden soll. Die Kohlensteuer dient dem Reiche zur Begleichung der Verpflichtungen, die ihm durch den Versailler Vertrag entstanden firtb. Der gesamte Jahresertrag der Kohlcn- jfewr, tttm der kein Mensch viel Redens macht, wird aus die Dezemberpreise berechnet, auf etwa 400 Milliarden geschätzt. Dr her Verteuerung ber Köhlenpreise durch solche, durch ben Ver­sailler Vertrag herbeigesührte Steuern kann cs jedem klar werden, wie verhängnisvoll sich die Versklavung unseres Volkes tagtäglich auch in jedem Haushalt geltend macht.

Die Gäbewerrfchaft in Trier.

Bericht über Einzelheiten.

Ueber die Vorgänge auf den Straßen Triers während des Generalstreiks vor einigen Tagen wird von einem Augenzeugen berichtet, daß die Haltung der französischen Truppen in diesem Falle von Spahis Wobl das Skandalö­seste dargestellt habe, was man sich nur denken könne. Aks nach der Ausweisung der zehn höhe­ren Beamten der Ausnahmezustand seitens der Franzose«, der nicht ausdrücklich als Belage­rungszustand bezeichnet Wurde, verhängt Worden War, durfte sich niemand in der Zeit von abends neun Uhr bis morgens sieben Uhr auf der Straße aufhalten. Die Bekanntgabe dieser Anordnung kam aber erst abends gegen zehn Uhr heraus. Von neun Ubr ab Wurden die Spahi 8 in ihrer gefährlichen Wildheit auf die Menge losge- (affen. Sie durchschritten in einzelnen Trupps bie Straßen ber Stabt und schlugen sofort mit bem Säbel um si-b, wo sie nur e'-nen Deutschen erblicken konnten. Sehr erhebliche Ver­wundungen ftnb in großer Zahl festgestellt Wor­den, vier oder fünf Personen trugen

schwere Verletzungen davon. Es Wurde beobachtet, Wie die Spahis ein erleuchtetes Schaufenster mit Säbelhie­ben einfckluaen, vor dem überhaupt nie­mand zu sehen War. Die Vermutung liegt nahe, daß bie Fr mzosen burch Abbildungen den, Ein­druck erwecken Wollten, als ob bie Zerstörung <ine Folge von beutsckerseits veranstalteten Un­ruhen sei. An einem Morgen säuberte eine Ab­teilung Svahis in Stärke von etwa dreißig Mann mit einem Offizier die Fleisckstraße, ob- ivobl ber Verkehr in biefer Straße infolge des Generalstreiks außerordentlich geringfügig war. Bon einer Ansammlung konnte schon gar nicht die Rede sein. Das Borges,en ber Truppen er- folatc derart, baß bie Dorr ei ter bie Bevölkerung ruhig Passieren ließen, die Hauvttruppc aber in etwa hundert Meier Abstand auf jeden mit Sä­belhieben dgreinhieb. Die Deutschen Waren