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13. Jahrgang

Freitag, 9. Februar 1923

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 33

Fernsprecher 951 und 952

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Verschärfung der feindlichen Gewalt.

Gewalt vor Recht?

Deutschlands Einigkeit.

Die Kanzler-Reise ins Ruhrgebiet hat Unbedingt große Bedeutung gehabt. Die Regie­rung erkannte, wie wertvoll es sei, mit den Kämpfern im Ruhrgebiet in engem Zusammen­hang zu sein. Und bekanntlich ist es immer von größter Wichtigkeit gewesen, wenn Führer und Heer sich kennen und wissen, daß die gleichen Ge­danken und Hoffnungen sie bewegen. Die Re­gierung aber hat die Führung. Sie hat den Widerstand, der aus den Krisen der Unterneh­mer, der Arbeiter und Beamten herauswuchs, zu ihrer Aufgabe gemacht, hat ihre Politik dahin eingestellt und so tut sie durchaus recht, die enge Verbindung zu halten, daß die Männer im Ruhrgebiet wiflen, sie werden von der Rc- g i e r u n g nicht im Stich gelassen. Es unter­liegt heute Wohl keinem Zweifel, daß die Quer­treibereien, die auf eine Regierungskrise hinar­beiteten, abgetan sind und die Regierung fest im Sattel sitzt. Mit gutem Grund erklärte der so­zialdemokratische Führer Dr. Hilferding in Paris, die Sozialdemokraten dächten nicht daran, jetzt eine Regierung zu übernehmen, denn jetzt komme für Deutschland nur eine Regierung in Frage, die die Abwehr erfolgreich durchführen könne, eine nationale Regierung. Die Franzosen erkennen denn auch immer mehr, daß alle Versuche, eine Bresche in die deutsche Front zu schlagen, nutzlos sind und daß sic mit Unter- wüblungen diesen Krieg nicht gewinnen werden.

So erklärt sich die Nervosität, die immer deut­licher aus den Pariser Zeitungen tönt, so ist es erklärlich, wenn in der fr a n z ö si schert, R e- gierung eine Unstimmigkeit auftriti und zwei Richtungen um die Macht kämpfen, die eine, die alles militärisch regeln möchte, die an­dere, die den leisen Hintergedanken an Verhand­lungen heat und erkennt, wie schwer es sei, tat­sächlich Erfolge zu erzielen. Wenn jetzt sck-on ein Matt wie derFigaro", der den Franzosen nicht als deutschfreundlich verdächtigt erscheinen kann, festzustellen wagt, daß seit der Besetzung des Ruhrqebietes keine Kohle nach Frankreich ge- kommen fei, weder Koks noch Farbstoffe in Frankreich eintrafen, so spricht das genug. Und oiesem Pariser Blatte werden sehr bald die an­deren folgen müssen mit der gleichen Festftellung, denn in ganz Frankreich macht sich bereits der Kohlenmange! bemerkbar und die Ein­fuhr englifcher Kohle muß die Entwertung des französischen Franken beschleunigen. Außerdem sprechen die Stillegung vieler Hochöfen in Frankreich, die - A r b e i t e r e n t l a s i u n. gen ja deutlich genug gegen die Politik der Gewalt. Frankreich muß erkennen, daß doch nicht immer Gewalt vor Reckt geht, wenn das auch imTenips" als eine Notwendigkeit her­vorgehoben wird. Der Umstand, daß cs Frank­reich nicht gelingen will, moralische und wirt­schaftliche Vorteile aus der Ruhraktiou zu zie­hen, hat immer mehr die Nervosität aufkommm lassen, die es dahin führte, daß heute niemand mehr wagt, die ersten Phrasen Poincaräs zu stützen, die von einer friedlichen Aktion redeten. Man schreibt und spricht und handelt heute nur nach dem Grundsatz- Gewalt muß angewandt werden. Gewalt ginge vor Recht. Deutschland sei rechtlos und könne zu Boden getreten werden.

Indessen: diese Offenheit hat doch den mo­ralischen Kredit Frankreichs bereits wesentlich beeinträchtigt, denn namentlich die englischen Zeitungen weisen nicht nur darauf bin. das; Frankreich mit seinen Sanktionen einen Mißerfolg erlitten habe, sondern sie betonen, die miliärische Aktion habe einen politischen Charakter und verfolge Ziele, die schließlich dte englische Regierung nicht länger schweigen lassen könne Di« Ziele Frankreichs werdenjetzt von der englischen Presse so gezeichnet, wie man sie in Deutschland vom ersten Augenblick an sah: Stärkung der milttärrschen Macht Frankreichs, Ausdehnung des französischen Gebietes, Annek­tionen, Hebung der französischen Industrie. Tas sind alles Dinge, die tatsächlich England besorgt machen, denn sie rüAen sichgegenEngland, weil sie Frankreich zu einer England überragen­den Weltmacht machen sollen und dahin fuhren müssen, daß Frankreich die ausschlaggebende Wacht in Europa wird. Die englnche Zeitschrift Outlock" sagt mit Recht. Frankreich sichre eine antteuropäische Politik. Man könne nicht mehr davon reden, ob die Freundsckoft mit Frank­reich aufrecht erhalten werden fistle, denn diese bestehe nicht mehr. Man müsse heute nur von der Feindschaft zwischen Frankreich und England sprechen, da die Pcstitik Frankreichs in der Hauptsache aus der tief wurzelnden Feind­schaft gegen England geboren worden sei. Tie Zeitschrift weist weiter aus die früheren Kriegs- «ele Frankreichs hin, wie sie durch ine Enthül­lungen Fswolksfis bekannt wurden. Die Ruhr- aktiou. beweise, daß Frankreich den Krieg ;or!- setze. um seine letzten Ziele zu erreichen.

' Macht golft Frankreich heute vor Reckt. Aus das Recht kann es sich auch nach dem Urteil des

Auslandes nicht stützen. Und weil der Krieg Frankreichs gegen Deutschland sich nach und nach zum Schaden aller europäischen Länder auswachsen muß. müssen sich diese einmal, mags auch erst später sein, zusammenschlietzen, um Frankreich klar zu machen, daß es endlich ablassc von seinen Zielen und der Verderbung Europas. Eine Macht, die alles aus Gewalt gestellt hat, ist niemals in der Geschichte Sieger geworden. Für Fahre vielleicht. Nicht für immer. Tenn cs kommt das aus der Masse der Völker geborene, in der Masse lebende Rechtsgefühl schließlich doch zum Durchbruch, und wenn sich auch Re­gierungen dagegen wehren wollen, sie müssen letzten Endes elementarem Volksbegehren fol­gen. So wird sich auch einmal der Zusammen­schluß aller Mächte Europas, die in bittere Not durch den französischen Frevel gekommen sind, gegen Frankreich ergeben. Die Zeit läßt niemals den Grundsatz: Gewalt vor Reaft! bestehen. Sie korrigiert ihn, hebt das Recht wieder über die Gewalt! Hg.

DSe LuMnSe im Westen.

Störung des Eisenbahnverkehrs.

(Eigene Drahtmeldung.)

Frankfurt, 8- Februar.

Zur Streckung dcr Kohlenvorräte fallen ge­genwärtig im Frankfurter Hauptbahnhos über dreißig Züge aus. Außerdem än­dert sich der Fahrplan fortwährend durch die Zugveränderungen, die sich als eine F o l g c der Ereignisse im Ruhrgebiet auch im Eifen­bahndirektionsbezirk Frankfurt a. M. fühlbar machen. Die Aufstellung eines Rotsahrplancs ist vorläufig nicht möglich. Die Störungen sind die Besetzung des Bahnhofes Höchst durch die Fran­zosen und die weitere Sperrung der Ricdbahn nach Mannheim durch Besetzung der Orte Born­berg und Goddelau. Durch den Streik im Direktionsbczirk Mainz des besetzten Gebietes ist dcr links- und rechtsrheinische Eisenbahnver­kehr völlig unterbrochen. Ter Eisenbahn­verkehr ruht vollkommen auf den Strecken nach den rechtsrheinischen Orten Wiesbaden, Rüdcs- heim, Kaub, Oberlahnstcin usw. und nach den linksrheinischen Plätzen Mainz, Bingen, Bache­rach, Boppard, Koblenz. Die Strecke nach Tarrn« tobt ist für den Zugverkehr noch in Ordnung.

*

Keine KvdrentransVvrte.

Düsseldorf, 8. Februar. (Privat-Tele- grainiit.) Die Lage im Ruhrgebiet wird von dem Berichterstatter desPetit Journale" als sehr be­denklich geschildert. Dreihundert Kilometer des Eisenbahnnetzes seien verstovst. Lo­komotiven und Wagen setzen Rost an. Die Kohlenförderung habe um 75 Pro­zent nackgelasfcn, sie werde in wenigen Ta­gen um 80 Prozent geringer sein. Die Kohlcn- fjuufctt erreichten die Höhe von kleinen Bergen und dehnten sich immer mehr in die Lande, weil man die Kohlen nicht höher auftürwn wolle, um Selbstentzündungen zu vermeiden. Es fehlt an W a g e n und Lokomotiven, um 1c fortzutrnnSporticren. Die Eisenbahnlinien, die in Betrieb gesetzt sind, funktionieren schlecht. Für eine Fahrt von Düsseldorf nach Mainz brau­che der von franzSsifckiem Personal geführte Zug dreißig Stunden. Die nächsten Wochen werden schon entscheidend fein. Tiefes alles wird auch von anderen Blättern bestätigt.

Rrlchswirischastsrot und Nuvrbksetzung.

Berlin, 8. Februar. (Privattelcgramm.) Der vorläufige RcicstSwirtschastsrat war am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen getreten, um über das ArbeitS-citgefetz für Angestellte zu beraten. Bor Eintritt in die Berattmg sand eine eingehende Aussprache über die Lage im Ruhrgebiet statt. Ter Reichswirtschaftsrot olS Vos deMscke Wirtschastsparlarnent Hobe die «us- qobe, die M o ß n o h m e n zu erwägen und vsr- zubcreiten, die nötig wären, um die Wirtfckatt und die Ernährung in Teutschlond sicherzustetten.

Deutsche Hanbefsschiffobtt.

Erfirebnng der früheren Stellung s

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 8. Februar.

DieWestminster Gazette" weift in ziemlich mysteriösen Ausführungen darauf hin, daß Deutschland grgenwärttg in London Schritte un­ternehme, um seine frühere Stellung als Schisfahrtsnation wieder zn gewinnen. Diese Bewegung sei von Stinnes und dessen Vertretern in London nnb Southampton ins Werk gesetzt worden. Eine vor dem Kriege be­kannte deutsckic Schiffahrtsgesellschaft werde tn der nächsten Zeit in London wieder ein Bureau ci^fncn. Ein Vertrag zwischen einer bekann­

ten deutschen und einer ausländischen, aber nicht englischen Gesellschaft sei in Vorbereitung. In diesem Jahre werde eine Konferenz von Ver­tretern englischer und deutscher Schiff- sahrts-Jntercsscnten in England stattsinden.

Der Druck der Besatzung.

Grenzenlose französische Willkür.

(Eigener Drahtbericht.)

Bochum. 8. Februar.

Hier hat die Besatzungsbehördc unter anderem gefordert: ein vollständig eingerichtetes Wohnhaus mit zwei Salons, vier Schlafzim- meru, einer Auto-Garage, einer Küche und Unter­kunft für fünfzig Mann. Tie von der Zivil­bevölkerung in Bochum abgegebenen Waffen inb von den französischen Behörden beschlag- n a h mt worden. Im Laufe des gestrigen Tages haben hier Lohlreist-e Ausweisungen und Verhaftungen von Beamten und Zivilper­sonen stattgefundcn. In Herne wurde ein Postmeister und ein Postsekretär ohne Angabe von Gründen ausgewiesen. Tiefe Ausweisung gegen den Postmeister wurde auf zwei Jahre ver- ügt und ihm mitgetcilt, daß er nach seiner Rück­kehr ins besetzte Gebiet nach Algier gebracht werden würde. (!) Ter Polizeiassistent Lüdeckc in Bochum wurde von ftanzöstschen Offizieren verhaftet und schwer mißhandelt, weil er Kindern verboten hat. Nahrungsmittel von

. französischen Feldküche mlzunchmen.

Weiterer Bormarsch i

Elcherseld, 8. Februar. (Privat - Tele­gramm.) Die Franzosen sind von Lennep und Radevormwald weiter marschiert und haben Votzberghauscn und andere Orte besetzt.

Aus dem besetzten Baden.

Verwirrung durch die Franzosen.

(Eigene Drabtmeldung.)

Offenburg, 8. Februar.

Die Bedrückung der Offenburger Be­völkerung wächst, während die französi­schen Ofsiziere und Besätzungstrup­pen schwelgen. Ter Obcrpostsckretär Frei und der Rcdatteur Lüdke wurden verhaftet, weil sie den Postmeister Steig grüßten und ihm Mut" zuricsen. Sie wurden aber nach vier Stunden wieder freigelassen, nachdem sie von den Franzosen beschimpft und mit Fußtritten bedroht worden waren. Tie Franzosen nehmen große Requisitionen an He». Stroh, Betten, Lei- ncnzeug, Wohnräumen usw. vor. Tie Kinos bringen französischeFilm stück e zur Auf­führung Tie Banken leiden an Geldman­gel. In der Stadt wächst die Teuerung. Viel fremdes Gesindel ist hcreingekommen. Ter Generalstreik ist in bedrohliche Nahe geruckt, da die Gewerkschaften neue Forderungen stellen. Die Kommunist! l drohen mit Sonderaltionen.

Zugkontrolle.

Appenweier, 8. Februar. (Privat - Tele- giamm.) Tic Franzosen haben hier den Eisen­bahnern das Ansinnen gestellt, einen Kohle n z u g nach Straßburg zu führen, was jedoch a b - gelehnt wurde. Tic Zollkontrolle scheint in ben nächsten Tagen verwirklicht zu wer­ben. Auf verschiedenen Stationen treffen fron- zöfische Zollbeamte ein und haben Räume in den einzelnen Bahnhöfen mit Beschlag belegt. -

Am die Orientknse.

«rufter britisch-französischer Gegensatz.

(Eigener Druhibericht.1

London, 8. Februar.

Wie aus Lausanne mitgeteilt wird, ist der größte Teil der türkischen Telegation nach Angora a b g c r c i st. Jsrned Pascha sagte, daß er vor Ablauf von mindestens drei Wochen nicht zurückkehren werde. Ter französisch englische Konflikt ist offenbar viel tiefer als angenommen wurde. Außenminister Lord Curzon hat nach seiner Rückkehr in London eine offizielle Erklärung für die Presse abgege­ben, worin er in feiner direkten Rcdcweife sagte, er befürchte feine Kriegsgefahr wegen des Konferenzabbruches. Tie Türken würden sich schon zn einer Einigung bereit finden. Sehr u n. angenehm sei ihm die Hanblungswcifc der -kranzoscn gewesen. Tas fei die Schuld Poincar6s, der nach Laufannc ebenso stö­rend am Telephon dazwischensprack, wie er cs gegenüber Llovd George von Paris nach Genna getan habe. Diese verblüffend offene Aeußerunz ist der erste Angriff Englands gegen Poincarch

3m Kinzigtal.

Di« Gegend von Offenbnrg nrrd Appenweier. Heber das badische Eebiet, das di- Franzose» vor einigen Tagen besetzt Haven, ?vird nnS von dort die rraehftehende Schilderung geschrieben r

In eine der lieblichsten Gegenden Badens ha­ben die Franzosen freventlich ihren Fuß gesetzt. Was sie veranlaßt hat, bis nach Appenweier und nach Offenburg vorzudringen, ist nicht allein die Absicht, diese wichtigen VerkehrSknvten- punfte Südwestdcutschlands in ihre Hand zu be­kommen; es ist die Nähe der Festung Straßburg, bereit Bezirk auch nach Osten auszndehnen, sicherlich schon seit langem das Streben des französischen Militarismus gewksen' ist. Schon die Besetzung der badischen Rhein- tadt Kehl im November 1918 war ein dreister Hebelgriff über die WaffcnstillstaudsbedinWNgen hinaus, in denen lediglich die Räumung Elsaß- Lothringcns vorgeschricbcn war. Wer das Straßburger Fcstungsgelände hat sich ja schon nter der deutschen Herrschaft erheblich weiter östlich ins Badische hinein erstreckt, wo mehrere Kilometer öftstlich von Kehl das Fort Bose beim Ort Kork den am weitesten östlich vorgeschobenen Teil der Stratztzburgcr Festungsanlagen bildete. Heute, unter der Herrschaft der weittragenden Geschütze mußte dcr Wunsch des Militärs na­türlich dahingehcn, den FcstungSbezirk noch wei­ter cmszudehnen, und Frankreich hat sich nun ganz im Stil der wicderaufgelebten Raub- Politik Ludwigs des Vierzehnten einfach das genommen, was es auch mit dem blassesten Schein eines Rechts niemals hätte erlangerrl können. i

Eben und fruchtbar, wie das ganze^Rheintal, ist das Gebiet, Las sich östlich Wir Siraßvarg. auf badischem Gebiet bis an die Abhänge des Schwarzwaldes erstreckt. Etwa zwanzig Kilo­meter breit ist hier die östliche Seite des Rhein» tales, und die wichtige Eisenbahnlinie von Straßburg über Kehl nach Wvenwcier schneidet cs in seiner ganzen Breite. Appenweier ist nur ein kleines Dorf mit etwa zweitausend Ein­wohnern; aber es ist, als wichtiger Eisen­bahnknotenpunkt, eines der bekanntesten Dörfer im ganzen Reiche. Hier schneidet die ge­nannte Bahnlinie die große rechtsrheinische Route Heidelberg-Basel, und über Appenweier hinaus nach Osten führt die Renchtal-Äahn nach Oberkirch an den Fuß des Schwarzwaldc.s und folgt dem Gebirge südostwärts bis nach Op- ettau, an den Fuß des K niebis. die höchste Erhebung im mittleren Schwarzwald, die bis zu 965 Meter aufsteigt. Tas mächtige Kniebis- massiv setzt dem weiteren Vordringen der Eisen­bahn ein Ziel; eine Dnrchstechuna des Kniebis und eine direkte Verbindung mit dem auf seiner Ostseite liegenden Freudenstadt würde die ge- radc Verbindung zwischen Straßburg und Stutt­gart schaffen und den IlMwcg über Karlsruhe vermeiden. Vielleicht wäre diese Bahn und der Knicbistumtel einmal gebaut worden, wenn Straßburg in deutscher Hand geblieben wäre; heute ist, von der wirtschaftlichen Unmöglichkeit ganz abgesehen, der Wert einer selchen Turck- i;angsvorbintntng für Deutschland nur noch gering.

Nördlich von Appenweier, an der in Vir Rich­tung nach Karlsruhe und Heidelberg führenden Hauptstrecke. liegt als erste Station, etwa ebenso groß wie Appenweier, das Dorf R e n Ä c n. das in der Literaturgeschichte eine Reffe spielt. Hier wirkte seit dem Fahre 1665 Fans Facob Ehr:staf­fel von Grimmelshausen, der berühmte Dichter des Simplizissimus, in den Diensten des Straßburger Bischofs Egon von Fürstenberg als Schultheis, und zn Renchen ist er im Fahre 1675 auch gestorben. Fm Jahre 1879 hat man ihm hier an seinem Todestag ein Denkmal crrichtci, die einzige, aber literarhistorisch bemerkenswerte Sehenswürdigkeit dieses sekundlichen badischen Dorfes.

Die in Offenburg eingerückte Kavallerie sandte starke PaGouillen länaZ der flößbaren Kinzig hinauf nc«h dem idyllischen Winzerdorf Ortenbera. von wo aus die in Offenburg beginnende Schwarzwaldbahn immer tiefer in den Schwarzwald bineinfiibrt, immer im Tal der brausenden Kinzig, der kraftvollen Tochter der Schwamwaldberae, nach Gengenbach. dem ehemals reichunmittckbaren Kleinstadtjuwel. nach Heslach nnd über Hernach weiter nach Tribcrg, der Schwarzwaldverle. Rings umgeben von der wcingesegneien Ortenau, ist Offenburg der Handelsplatz für deren liebliche Weine. Re­ben dem Weißen wäcksi hier ein wonniger Roter und dann noch der schillernde Weißherbst, kurz­weg .Schiller" genannt. Fessenbach, Käfcrsberg, Bühlweg, das sind einige der klingendsten Na­men der Ortenancr Weine. Offcnbura. der Hel­len, heiteren Hauptstadt der Ortenau, seben viele wohl ihre alten ntfmtboCen Zeiten kaum an. Und dock» war sie einst freie Reichsstadt, und bis zum Preßburger Frieden war sie dcr S'tz des kaiferlichön Landvogtes ist der Ottenau, die da­mals, auch .Mortenan" genannt, zum Herzog­tum Schwaben oder Alemannicn gehörte. Zu