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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 37,

Mittwoch, 14. Februar 1923,

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 953

Weitere vesetznug und schwerer Zw aus

Mißhandlung deuisGer VofiSesrnirn.

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mit zu rechnen, daß weiterhin auch die übrigen Zugänge zu dem besetzten Gebiet in Kürze in der gleichen Weise besetzt werden»

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar ad ends. Der AbonnementSpreiS beträgt monatlich 1300Mart bet freier Zustellung ins Haus in der SeschLstsstelle abgeholt 1270. Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 1310.Mark monatlich einfchl. Zustellung. Bestellungen werden seder-eil entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaktion-, Schlachthofstraße 28/30, Kür unverlangt eingesandle Beiträge kann die Redaktion eine -Verantwortung oder Äewähr in keinem Kalle übernehmen. Rüllzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Dormarsch am Niederrhein.

Köln, 13. Februar. (Privattelegramm.) Wie der Külnisckstn Volkszeitung von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, wird beim Reichskommis­sar in Koblenz eine voy dem französischen und belgischen Vertreter bei der Rheinlandkommission unterzeichnete Rote überreicht worden, nach her der französische Einmarsch in Emmerich und Wesel für heute angekündigt wird.

MiiltürgrwaN üder die Eisenbahn.

Paris, 13. Februar. (Eigene Drabttncldung.) Es verlautet, daß an die deutschen Eisen­bahner im besetzten Gebiet eine Note gerichtet werden soll, in der diese aufgrfordert werden, entweder die A r b e i 1 in normaler Form auf. zunehmen, oder sie vollständig niederzu. legen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die vSl- lige Uebcrnahmc der Ruhreisenbahnen an die französische Militärverwaltung durch Anschläge im Ruhrgebiet bekannt zu geben.

droht rrnd mißhandelt worden. So wurde in Palenberg ein Postschaffner von einem in den Bahnpostwagen eingedrungenen französi­schen Unterleutnant ohne Grund mit der Faust unter das Kinngestoßen und ins Gesicht gc. schlagen. In Krefeld wurde ein Postschaffner von einem belgischen Posten, obwohl er diesem seine Ausweiskarte vorgezeigt hatte und den Zweck seiner Anwesenheit auf dem Bahnhof an­gegeben hatte, als er sich zum Weggehen an- schickte, mit dem G«vchrkolben indenRücken ge stoß eia. Ein anderer Schaffner wurde in Türen auf dem Wege zum Bahnpostwagen eine Böschung hinabgeworfen.

Jnsertlonspreise'.«) Einheimische Aufträge: Die einspalttge Anzeigenzeile M. 80., Kami, liennachrichten, die Zeile M. 60., die einspaltige Reklamezeile M. 301.. b) Auswärtige Auf. trage Die einspaltige Anzeigenzeile M. SO., die einspaltige Reklamezeile M. 300, alles ein. schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensieuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An» zeigen, lowle für Aufnahmedaien und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlachthofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 und 952

post- und Tclegraphenverwaltung die Arbeit niedergelegt. Die Franzosen besetzten sofort das Dienstgebäude. Nachdem in den Verhandlungen die Beamten die Zu­rückziehung der Po st en durchgesetzt hatten, wurde um 11 Uhr 30 die Arbeit wieder aufge- nommcn. Die Verhandlungen wegen der Frei­lassung der Verhasateten dauern zurzeit noch an.

FestgeHaltklst- Züge.

Essen, 13. Februar. (Privattelegramm.) In der vergangenen Rackst sind zwei Züge, dir von den Werken mit Stahl beladen sind und nach Remscheid bestimmt waren, festgehalten worden. Auch die verschlossenen Güterwagen wer­den ungehalten und darauf untersucht, ob in ihnen sich Stahl oder Eisen oder Erzeugniffe aus Eisen nnd Stahl befinden. Auf den bisher von den Franzosen militarisierten Strecken verkehren am Tage nur ein bis zwei Personen­züge ohne festen Fahrplan, Güterzügeüber- h a u p t n i ch t. Die von den Franzosen gefahre- rcn Züge werden von dem deutschen Publikum gemieden, obwohl die Franzosen Freifahrscheine anbieten. Alts der Strecke Düsseldorf-Kettwig fand sich vorgestern nur vier Reisende bereit, auf diese Fahrscheine zu fahren.

Die Franzosrn als VutömobürLuder.

Dortmund, 13. Februar. (Privai-Tele- granMl.) Seit gestern beschlagnahmen die Fran­zosen in Dortmund alle Personen- und Lastkraftwagen. An der Kruse bei Hörde sind bereits zwölf Lastkraftwagen angebalten worden. Al? ein Chanffeur mit seinem Wagen ansreißrn wollte, wurde von französischer Seite geschossen. Dadurch, daß man nicht nur nach Osten, sondern auch' nach allen Richtungen hin Kontroklstationen auf den Landstraßen einrichtet, geht hervor, daß der gesamte Krast- wagcnverkehr unterbunden werden soll. Der französische General in E s s c n verlangte von der Stadtverwaltunq die Lieferung von z w e i u n d siebzig Personenkraftwagen mit vol­ler Ausrüstnng »nd auch die Gestrlluna der Chauffeure. Ohne sich an einen Dermin zu hallen, gingen Vie Franzosen bereits dazu über, Automobile wegzunehmen. Der Oberbür­germeister hat gegen dieses Berfakren bei dem französischen General protestiert, gleichzeitig aber auch erklärt, daß er den Befehl zur Requisition der Kraftwagen nicht ausführen werde.

AbfchEmW des Verkehrs.

Etraßensperrs im Frantsrrrter Gebiet.

lPrivat-Telegramm.)

Frankfurt, 13. Februar.

Aus Paris kommt die Nachricht, daß als wei­tere Sanktions-Maßnahme für die Ruhr der zwangsweise Berkans der Ruhrprodukte ins Auge gefaßt werden soll. Seit gestern wer. den die aus Frankfurt führenden S t r a tz e n an der Grenze des besetzten Gebietes durch franzö­sische Hosiierungcn bewacht, zum Teil sind Schlagbäume errichtet bczw. im Bau. Fahr­zeuge werden kontrolliert und in das besetzte Ge­biet wohl- hinein, jedoch nicht mehr heraus ge­lassen. Soweit festgestellt wurde, handelt es sich zunächst um folgende Straßen: Goldfteincr Weg, .fi'lder Landstraße, Höchster Sf-as.g M-in-z»

VettchmMg des ZwMMs.

Besetzung unserer Seehäfen?

lEigrne Trahtmeldung.)

Paris, 13. Februar.

In Pariser politischen Kreisen, die zur fran- zösischen Regierung die besten Beziehungen ha­ben, verlautet, daß Vorbereitungen getrof­fen werden, um Hamburg und Stettin, und sogar das unter dem Völkerbund stehende Danzig zu besetzen. Die Besetzung habe den Zweck, die dort einkommenden Seezölle zu beschlagnahmen. Bon der französischen Re­gierung find bereits Maßnahmen in Aussicht ge­nommen. um für die französische Flotte in der Ostsee einige Flottenstützpunkte auszuersrhen.

Kundgebung in Baben.

Deutsche Liederund Aussprach« in Karlsruhe.

(Privat-Telegramm.)

Karlsruhe, 13. Februar.

Französische Verbrecher.

Immer neue furchtbare Bluttaten.

(Eigene Drahtmeldung.)

Gelsenkirchen, 13. Februar.

In Recklinghausen wurde der Leiter des dor­tigen Polizeiwesens, Oberst Berg, als Geisel für die in Gelsenkirchen bei der Schießerei ver­letzten französischen GendarMericoffiziere festge­nommen.--- Der in Ausübung seines Dienstes gestern Vormittag von französischen Soldaten schwer verletzte Oberwachtmeister der Schutzpolizei, Hutmacher, »ft seinen Brr- letzungen erlegen. In Recklinghausen wurde einem Gemüsehändler durch einen Kolbenschlaq der Schädelaufgefchlagen, sodaß der T o d sofort eintrat. Die Leiche wurde in die Engelsburg geschnstf und ist noch nicht freigegeben worden. In Düren wurde der Schupo . Betriebsasfistent Schneider durch einen Gewehrschuß in den rechten Oberschenkel schwer verwundet.

Gestern abend fand auf dem Platz vor dem Präsidialgebäude eine große Kundgebung statt. Das Sängerquartett des Karlsruher Arbet. ter-Sängerbnndes leitete die Veranstal­tung mit einem GefangSvortrage ein, worauf Bürgermeister Sauer ht einer An. spräche erklärte, der Besuch des Reichspräsi­denten sei der beste Beweis dafür, welches In­teresse man in Berkin an den Vorgängen in Baden nimmt, durch die auch die Stadt Karls­ruhe in eine schwierige Lage gekommen sei. Am Schluffe seiner Rede betonte er, daß der deittsche Geist noch lebe und uns zur Freiheit «nd zu einer bcfferen Zukunft führen werde. Die Menge stimmte mit Begeisterung in die Hochrufe ein und sanq das Deutschland-Lied. Ratio­nale Lieder singend zogen die Menschcnmasscn dann durch die Straßen. Heute wird der Reichs­präsident Mannheim und Darmstadt besuchen.

Einführung des Betriebsrätegesetzes hat die französische Bergbau - Verwaltung abqelehnt. Ebenso eine Verbilligung der Meten für die Grubenwohnungen entsprechend den deutschen Gesetzen. 35 bis 50 Francs müssen die Berg­arbeiter pro Monat Miete zahlen! Ter Anschau­ungsunterricht, den das Saargebiet der gesamten deutschen Arbeiterschaft gibt, wird stärker sein als die französische Lügenpropaganda. Jeder Deutsche weiß heute, daß von Frankreich nur Un­heil und Verderben kommen kann. Darum wird die deutsche Front unerschüttert bleiben und weiter kämpfen, bis die französische Gewalt­politik an ihrem Uebermaß und ihrer Wider­natürlichkeit zusmmnenbricht. D. S.

Der Dttrosrne.

Ein Weckruf des Prinzen Max von Baden.

Prinz Max von Stoben, der letzte deutsche Reichskanzler während des Krieges, veröffentlicht im ,83. T." den Wortlaut einer Rede, die er jüngst gelegentlich einer vaterländischen Feier ge­halten hat. In diesem Weckruf svricht er beson­ders Warte an die Vereinigten Staaten, zu de- nett er sagt:Ich habe ein Recht, die Ver­einigten Staaten an den Vertrag der vierzehn Punkte zu mahnen, denn mit

Was uns jetzt nottut.

Eine Betrachtung aus diese« Tage«.

Vom

Geheimen Justizrat Wvrzer in Kassel, OöcrlandgerichtSrat a. D.

Seit den ältesten Zeiten ist der Glaube Ie'6'Ctt« big, daß es keine größere Mißachtung der Gott­heit gibt, als die maßlose Selbstüberhebung, die Uebcrschreitung der der Menschheit gezogenen Schranken hohe heilige Mächte walten, die den Frevler früher oder später in das Verderben stürzen. Sie führen die Bestrafung herbei durch das Gerechtigkeitsgefühl und den Selbsterhaltungstrieb des Unterdrück­ten selbst: das Uebcrmatz des Unrechts erzeugt in ihm eine solche Steigerung aller seiner Kräfte, daß er feines Unterdrückers Herr wird. Aber nicht mühelos verleihen ihm die Gewalten den Sieg, sie fordern von ihm die tapferste Ge­genwehr und die größten Opfer. Das ist der Sinn des strengen und wunderwirkenden Wor­tes Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!

Dieses Frevelmuts haben sich unsere Feinde schuldig gemacht; die Franzosen in einem Maße, daß alle sittlichen Mächte herausgefordert wor­den sind. Wird das deutsche Volk jetzt durch Er­füllung der ihm von der Weltordnung auferleg- ien Pflichten die Hilfe des Schicksals herbeiru­fen? Oder ist es schon zu spät? Sind wir nicht bereits rettungslos dem Tod verfallen? Der Tod zeigte sich schon am Wendepunkt beä 19. Juli 1917. Biele Baterl0nd?freunde, die der Schmerz und die Liebe wissend und sehend ge­macht hatte, sie erschauten bett Tod alsbald, wie er sich dem deutschen Volke näherte; sie riefen es den Volksgenossen zu und beuteten auf ihn hin, aber die konnten ihn nicht erkennen. Und wei­ter wurde er sichtbar auf allen folgenden^Staito­nen unseres Päfitonsweges, bei der Revolution bei dem Friedensschluß und in Spaa, London und Genf, er wich uns nicht mehr von bei Seite. Aber man sah ihn immer noch nicht. Der Blick richtete sich nur auf die nette Staatsform, die uns zum freiesten Volk bei Erde machte, auf den Frieden,den der Völkerbund brachte und jedes neue Blutvergießen in das Reich der Unmög­lichkeit verwies. Man sah das Wort des Je- faias erficht: Wolf und Lamm reden zugleich!

Jetzt endlich ba der Tod an der Spitze der französischen Regimenter in das Ruhrgebiet einzieht, jetzt endlich erkennt man ihn. Daß dem deutschen Volke wenigstens in dieser Stunde die Augen geöffnet worden sind, und es sich jetzt wenigstens des unmittel­bar drohenden Untergangs bewußt geworden ist, scheint eine letzte Gnade des Schicksals ;u fein. Noch eine letzte Frist zu seiner Rettung ist ihm gewährt. Läßt es auch die verstreichen, dann schließen sich die" Tore und der Weg zur Freiheit ist ihm für immer verschlossen.

Aus welchem Weg ist die Rettung z« suchen? Sicherlich nicht auf den, den wir vier Jahre lang gegangen sind. Noch am 9. November konnte ein Parteiführer seinen Zuhörern zurn- fen:Wollt Ihr, daß wieder HunderttaUsende Fahr für Jahr in den Kasernen für neuen Mas­senmord ausgebildet werden?" Heute würde er diese Worte nicht wiederholen, Henn beute würde vor den Augen seiner Zuhörer alsbald das Bild erstehen, wie wirtlich wieder Hunderttausende von jungen Deutschen Jahr sür Jahr in den deutschen, in Znknnft französisch gewordenen Ka- fernen ausgebildet werden, aber nicht mehr, um sür das Vaterland zu kämpfen, sondern um für die Machtgier der fremden Landesherrn ihr Le­ben hinzu geben. Die Zuhörer würden es heute auch nicht mehr begreifen, wie die Verteidigung des Vaterlandes Massenmord sein könnte.

Die Rettung wird darin gesucht, daß wir bte Franzosen vor der ganzen Welt anklagen, daß wir an das Gewissen der Welt und an ihre Unterstützung appellieren, und daß wir um die Hilfe bei Internationalen bitten. Richt eine Hand wird sich rühren, «nd wie das Gewissen der Welt anssieht, das sollten wir aus dem Kriege wissen. Gegen Gewalt gibt es nur Ge- genaewält. Wenn auch zur Zeit nicht an die Möglichkeit einer bewafsneten Gegenwehr be- steht, so imteTliegt es doch keinem Zweifel, daß nach dem Raturgesetz unsere Rettung nur durch den Widerstand erkämpft werden kann. Tie. sen Widerstand zu stärken mutz unser Ziel fein.

Erkenntnis.

Hinter den französischen Kulissen.

Am 5. Februar sind die fitnfuudsiebziglausend deutschen Bergarbeiter des Saargebietcs in den Streik getreten. Am 8. sind die lothringischen Bergarbeiter ihnen gefolgt. Das ist sehr peinlich für die französische Politik. Die deutsche Repa­rationskohle bleibt aus, statt neunhundert- tausend Tonnen rollten vierzigtausend Tonnen in zwanzig Tagen nach dem Westen und feit 1. Februar wurden insgesamt ... 850 Tonnen im Rrchrgebiet beschlagnahmt. Der gänzliche Aus­fall der Saarkohle macht sich für die französische Industrie jetzt unangenehm bemerkbar. Nun bleibt die lothringische Kohle auch aus. Aber auch in dem gesamten französischen Bergbau herrscht Streik st irnmuny. Die Rückwirkung auf die Ruhrpolitik Frankrerchs und auf den deutschen Widerstand liegt auf der Hand. Am peinlichsten aber ist der Streik der Saarbergleute im Vergleich zur französischen Propaganda im Ruhrgebiet. In Tausenden von Flugbläitern wird der Ruhrarbeiterschaft auseinandergesetzt, das Vorgehen Frankreichs richte sich nicht gegen die deutschen Arbeiter, sondern gegen dieKapi­talisten" und diekapitalistische deutsche Regie­rung". Der Arbeiterschaft follh im Gegenteil geholfen" werden. Frankreich Wolle ihr eine wirklich ausreichende Löhnung" und dieDurch­führung bei Sozialgesetze" sichern. Also Frank­reich, das in ein wehrloses Land einfättt, das ganze Wirtschaftsleben hemmt und verwirrt, das damit eine weitere Entwertung der Mark, ein weiteres irrsirmtaes Siciaen der Teuerung ver- vr facht, oMtz Gsivaltpolltfler rsvLeu' die Lrbci- terfchast glauben machen, sie seien zu ihrer Hilfe", zu ihremBesten" in das Land einge­fallen. Wie die französischeHilfe", wie die Sicherung einer ausreichenden Löhnung" aus­sieht, davon gibt der Streik der deutschen Berg­arbeiter im Saargebiet der Ruhrarbeiterschaft einen glänzenden Anschauunas - Unterricht. Warum streiken die fünf unbftcbäigtmtfenb Bergarbeiter? Weil ihre Löhnung zum Leben einfach nicht mehr ausreicht. Und wer ist der Arbeitgeber? Der französische Staat!

Wie Frankreich die Saararbeiter getäuscht und dann betrogen hat, ist mit ein paar Worten gesagt: Im April 1920 zwang die französische Grubenverwaltung den Saarbergarbeitern die Frankenlöhnung auf. Nicht ausWohlwollen" für die Arbeiterschaft, sondern aus politischen Grün­den. Eine kurze Zeit ging es ihr darob sehr gut. Dann aber traten die von den Franzosen erstreb­ten politischen und wirtschaftlichen Folgen ein: die Trennung der gesamten Saarwirt­schaft von seinem natülichen Absatzgebiet Deutschland. Absatz- und Produktion sftok- kung stürzten das Land in eine dauernde schwere wirtschaftliche Krisis. Die französische Industrie wußte die Konkurrenz der Saarindu­strie aus dem Lande fernguhalten. Die Krisis wäre zu einer Katastrophe ausgewachsen, wenn Deutschland durch Belieferung mit Lebensmitteln zu Inlandspreisen nicht geholfen hätte. Die so­genannte neutrale Regierungskommission er­zwang die Einführung der Frankenlöhnung auch bei Post und Eisenbahn und bei dem größten Teil der überfremdeten Industrie. Den Fran- kenlöhnen folgten Frankenpreise, die sich schnell der Höhe der Preise in Frankreich näherten. Und so kam es, daß die Frankenverdiener mit ihren Franken löhnen sich bald nicht mehr kau­fen konnten, als früher mit ihren Mark Verdien­sten. Heute sichen sie nicht besser da als ihre Kollegen in Deutschland. Im Gegenteil, sie stehen sich schlechter feit dem Sinken des Frankenkurses.

Was aber tat die französische Beroverwal- tung? Trotzdem die Teuerung infolge der teil­weisen Einführung der Frarrkenwährung dau­ernd stieg, baute sie die Löhne ab. 1921/22 um ein ganzes Drittel. Nachdem das polittsche Ziel der Frankenwährung erreicht War, die Los­lösung der Saarwirtschaft von der deutschen, die Spaltung der Saarbevölkerung in Franken- freunde und Frankengegner, war ihre Arbei- terfreundlichkeit zu Ende. Mochten sie cruskom- men ober nicht. Alles Kämpfen der Arbeiter­schaft um Lohnerhöhungen war umsonst. Die Not hat sie nun gezwungen, in den Streik zu treten. Wir haben die Macht in Eurova und wer­den auch damit fertig weiden," erklärte ein fran­zösischer Ingenieur den Gewerkschaftsführern. Also Ankündigung militärischer Gewaltmaßnah­men gegen die Streifenben. Die Gruben sind denn auch bereits von französischem Mlitär besetzt.

Die Franzosen find im Irrtum, Wenn sie glauben, die deutsche Arbeiterschaft sei über die Lage und Vorgänge im Saargebiet nicht unter­richtet. Sie weiß genau, was sie von der fran­zösischenArbeiterfreundlichkeit" zu halten hat. Sie weiß auch genau, daß Frankreich das sozialpolitisch rückständigste Land in Europa ist. Sie weiß, daß den größten Teil der Sozial- versicheruna im SaarberHbau die Arbeiterschaft tragen muß. Die Abgaben für Sozialversicherung betragen zwölf Prozent des Gesamtlohncs. Die

»roteffflrtil in Wiesbaden.

a Zurückziehung der Poste«.

(Privat-Teleaiamm.)

Wiesbaden, 13. Februar.

Alg Protest gegen die Verhaftung des Ober- postdireftors Rasch «nd des Obcrpofidirektors Hamel vom Telegraphenamt hat heute früh 8 Nhr das gesamte hiesige Personal der Reichs­

Köln 13. Fcbrua''. (Privattelegramm.) In

______________________ -. ,-UU fint in der vsn den Belgiern ««»" Landstraße und Schwanheimer Straße. Es ist besetzten Zone mehrmals Post-

amte bei der Ausübung ihres Dienstes be-