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Mckr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 47.

Sonntag, 25. Februar 1923

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Der Boykott im Abwehrkampf.

Gegenmaßnahmen.

Abwehr gegen die Einbrecher.

Seit dem 11. Januar hatten -die Franzosen und Belgier das' Ruhrgebiet, in das sie mit Raubabsichten etngebrcchen sind, besetzt, und ihr Regiment hat sich von Woche zu Woche verschärft- Mit heuchlerischer Maske kamen sie herein unter denr Vorwand, sich nur wirtschaftliche Pfänder zu Mern, wozu das Militär als Schutzbeglei- tung nötig sei. Eine Schutzbegleitung von drei­viertel Millionen Mann mit Maschinengewehren, Geschützen und Tanks fitr -.. vierzig Ingenieure! Wir Deutschen wußten ja, daß der militärische Einmarsch andere Ziele verfolgte. Wir wußten, daß dieser Kampf gegen die Reichs- regierung, die das Vertrauen des Volles hat, gerichtet war und ist. Sie soll gestürzt wer­den, damit der Widerstand gebrochen und Chaos geschaffen wird. Und die allgemeine Verwirrung wollen die Feinde benutzen, um das Rheingebiet zu. annektieren, das Ruhrgebiet von Frankreich abhängig zu machen und das deutsche Reich zu zertrümmern, in ohnmächtige Kleinstaaten zu zerschlagen, die sich wie ehemals befehden wür­den. Dann würde Frankreich Herrscher über Europa sein, zumal es mit dem Ruhrkoh­lengebiet in Verbindung mit den lothringischen Erzgruben im Besitz der Waffenschmiede wäre, die ihm dauernd die Aufrechterhaltung des stärk­sten Heeres ermöglichen würde. Zur Erreichung dieses politischen Zieles ist Voraussetzung, daß auch Deutschlands Wirtschaftskraft zerstört wird Das glauben die Franzosen zugleich durch die Abschnürung des Ruhrgebietes bewirken zu lönnen. x

Wir kennen die Absichten. Auch kluge Leute im Auslande durchschauen die geheimen Pläne welscher Machtgier. Leider gibt es in der Welt sehr wenige kluge Leute auf dem Gebiete der Po­litik, und so ist es den Franzosen immer noch möglich, den alliierten und neutralen Bollsmas- fen durch eine großzügige, nie ermüdende Pro­paganda Sand in die Augen zu streuen und alle Schuld auf die bösen Deutschen abzuwAzen Da­her die Gleichgültigkeit, die im Auslande gegen­über den Vorgängen an der Ruhr herrscht. Wenn es für uns Deutsche in diesem Elend noch einen Trost gibt, dann ist es der, daß bet uns alle Volksschichten die Wirklichkeit erkannt, die Absichten Frankreichs durchschaut haben' Allein diese Erkenntnis und der Wille, das fran­zösische Joch abzuschütteln, haben uns die Kraft zum Widerstand gegeben. Nur dadurch kam die gemeinsame Abwehrstont des ganzen Volkes zu- stände. Da wir das feindliche Ziel kennen, wis­sen wir auch, daß wir alles daran setzen müssen, um die Wege, die dahin führen können, zu ver­barrikadieren. Es ist ein Kampf wie im S1 e h- lungskrieg: dauernde Angriffe von der einen Seite, zähe Abwehr von der andern. Aus Leiden Seiten hat es bisher schwere Verluste gegeben und zwar für Frankreich in der Art, daß cs für die Besetzung große Geldmittel aufwen- Len muß und auf den Eingang von deutschem Geld, Kohlen und sonstigen Materialien zu verzichten gezwungen ist. Die deutschen Verluste liegen in der schweren Störung des Wirtschasts- lcbens, wogegen ein gewisser Ausgleich dadurch geschaffen wird, daß wir keine Sachlieferungen und auch keine Barzahlungen mehr an den Feind leisten.

Es kommt nun daraus an, daß wir in der Ausdauer dem Gegner überlegen sind, alle sein« Bemühungen wirkungslos machen, bis er seine Pläne als undurchfiihrbar aufgibt. Wir nehmen erfreulicherweise wahr, daß unsere Tak- trk erfolgreich ist. Zwar sind wir gegen die mi­litärische Gewalt, gegen die brutale Anwen­dung von Revolver, Bajonett und Reitpeitsche, machtlos. Die hart betroffene Bevölkerung muß viel Drangsal und Entehrung erdulden, wenn die wilden Horden deutsche Geschäfte und Pri­vatpersonen ausplündern und bestehlen, pflicht­treue Männer verhaften, ausweisen oder gar zu Strafen verurteilen. Dagegen kann nur gummi- arttge Zähigkeit helfen, die nach jedem Druck so­fort wieder emporschnellt. Aber im Wirt- schaftskampf haben wir stärkere Waffen. Tie Versuche, unsere Kohle zu rauben, sind durch tie tapfere Weigerung der deutschen Eisenbahner und Bergleute zunichte geworden. Staatsbeamte. Kommunalbeamte und Privatleute verweigern jede Hilfsleistung. Gestützt wird diese aufrechte Haltung durch die vortrefflichen Erlasse der Re­gierung, wonach jede D i c n st l e i st u n g für de» Feind untersag; ist. Verboten ist neuerdings

auch das Zahlen von Steuern oder Zoll an die Feinde. Fm ganzen deutschen Lande wird der Bohkott der französischen und belgischen Waren durchgeführt und der Verkehr mit Fran­zosen und Belgiern wird gemieden. Das sind Mittel, mit denen wir auf unbegrenzte Dauer durchhalten können. Aber sie genügen noch nicht. Wir müssen und können mehr tun. In Berliit und anderen Großstädten treiben sich noch zahl­reiche Franzosen und Belgier umher, darunter Jene, die zu den Kontrollkommissionen gehören. Diese Leute sollte die Neichsregierung a u s w e i- s e n als Vergeltung dafür, daß Deutsche in Mas­sen aus dem Ruhrgebiet von Haus und Hof ver­trieben werden. Wir sollten uns nicht scheuen, alle Mittel anznwenden, die uns zur Verfügung stehen, denn irgendwelche Rücksicht wird von den Franzosen doch nicht gewürdigt. Sie müssen aße fühlen, daß wir sie verachten! K. F. D.

Durchführung öes Boykotts.

Ein VereinSvorsitzender verhaftet.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wanne, 24. Februar.

Der Vorsitzende des hiesigen lauf män. nijchen Vereins, Issel, ist von französischen Soldaten verhaftet und nach Recklinghausen geschleppt worden. Der Anlatz ist wahrscheinlich darin zu erblicken, datz der kaufmännische Verein beschlossen hat, keine Waren an die Besat­zungstruppen zu verkaufen. Die Kaufmann­schaft hat diesen Beschluß einheitlich durchgeführt. Vorstellungen bei dem General in Recklinghausen um Issels Freilassung waren bisher erfolglos. Die Kaufmannschaft hat zum Protest vierund- zwanzig Stunden die Läden geschloffen.

Drr-Mung des Schabens.

Essen, 24. Februar. (Privattelegramm.) Eine Kommission unter Führung der Essener Handelskammer ist beim Arbeits-Ministerium vorstellig geworden, um die Frage des durch frei« willige Boykottierung der Kaufmannschaft ent­standenen Schadens zu regeln. Der Kauf- Mannschaft des Einbruchsgebietes sind befrie. digende Zusicherungen gegeben worden. Jeder durch' freiwillige Boykottierung den Kaufleuten und Gewerbetreibenden im Einbruchsgebiet ent­standene Schaden wird vergütet.

Engttsch-sränzöMche Ghe.

Die Harmonie der Entente.

(Eigene Drahtmeldnng.)

Düsseldorf, 24. Februar.

Der Düsseldorfer Vertreter derEvening News" hatte eine Unterreditng mit dem ftan- zösischrn General Payot. Dieser sagte:Ich bin mit den Eisenbahnzugeständnis­sen Englands durchaus zufrieden. Sie werden uns fehr nützlich fein. Ich bedauere zwar, datz unfere Wünfche, die wir in den Lon­doner Bcfprechungen vorgetraaen haben, nickst völlig erfüllt worden find, aber ick bin der festen Neberzengung, daß die englisch - französische Freundschaft durch diesen Kompromiß nicht be­einträchtigt wird. Daß die Engländer nicht Arm in Arm mit uns denselben Weg beschreiten, ist verständlich; auch in Ehen gehehn Mann und Frau nicht immer Arm tn Arm. Aber Konzessionen auf beiden Seiten stellen dann die Harmonie immer wieder her. So ist es auch mit der englifch-ftanzöstfchen Entente.

Die Llnschuibslämmer.

Der Gipfel der Heuchelei.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 24. Februar.

Das Republikanifche Komitee für Handel, In- duftrie und Landwirtfchaft tagte in Anwefenheit des Präsidenten der Republik. PoincarS konnte fein fünfndzwanzigjähriges Jubiläum als Mitglied feiern. Aus triefe« Anlatz wurden von den Vertretern triefet Wirtfchasts- Organisation Ansprachen gehalten, in denen PoincarS als ein vollkommen und aufrichtig den Frieden liebenderMannu. als Gegner territorialer Eroberungen, (?) sowie militärischer Berhcrr- schäft (?) bezeichnet wurde. Der Vorsitzende des Komitees bctontr, datz die Mrtschastsstände Frankreichs die Absicht haben, ihren Rechten Gel­tung zu verschirffen n»d die Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Verwüstungen zu fordern. Eine einzige Monte könnte die Zu- tunst Frankreichs gefährden. Zum Schluffe nahm der Präsident der Republik, Millerand, das Wort. Er sagte: Die Ereignisse im Ruhrgebiet haben

der ganzen Welt die Hintergedanken Deutschlands (!) verraten. Frankreich, das sich frei weiß von jeder Absicht einer Erobe- tung oder Annektion, (?) wird sich durch nichts von feinem Ziele abbringen lassen. Ebenfo wie der Krieg von den Franzosen Opftr an Blut Nsordert habe, fordere das jetzige Unternehmen wirtfchaftliche Opfer zur weiteren Aufrechterhal­tung des französischen Kredit».

Sine richtige druifche Qlnttoort

London 24. Februar. (Eigene Drahtmel- öung.) Das Vorstarwsmitglted der Deutschdemo- iratischen Partei, der Reichstagsabgeordnete und Gewerkschaftsführer Erkelenz, ist in London cingetroffen, um mit englischen gewerk­schaftlichen und industriellen Kreisen, mit denen er schon vor dem Kriege in Verbindung stano, wieder in Fühlung zu treten. In einem Inter­view erflärte er gestern, eS sei die unverkennbare Absicht Frankreichs, Deutschland zu zersplittern und in kleine Staaten aufzu­lösen, um so dieSicherheit", das heißt die französische Mtlitärgew alt über die europäischen Staaten zu gewährleisten.

Frankreich WIN die Vorherrschaft.

L o n d o n, 24. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Der Pariser Berichterstatter derTimes" macht Andeutungen über politische Ziele der französischen Regierung. Danach beabsich­tigt PoincarS einen neuen Vertrag mit Deutsch­land abzufchlietzen. Das Versailler Diktat soll damit nicht aufMhoben, sondern nur ergänzt wer­den. Belgien und wahrscheinlich auch JtÄien dürsten als weitere Unterzeichner des neuen Ab­kommens austreten. Der Times-Bertreter mißt diesen Plänen, die die vertragliche Festlegung der französischen Vorherrschaft Über den Kontinent bedeuten, größtes Gewicht bei.

Anter feindlichem Zoch. Roch meh: französische Truppen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Herne, 24. Februar.

In Herne find außerordentlich starke T r u p- penverstürkungen eingetroffen. Man sieht in den Straßen fast nur noch Militär. Außerdem sind Tankgeschwader hier statio­niert. Der kommandierende General hat in allen Besprechungen mitgeteilt, daß weitere starke Maßnahmen gegen die Bevölkerung 6c- vorstehen. Beabsichtigt sei, sämtliche Geschäf­te zu s ch l i e ß c n. In den Plakaten, die für die Besatzungstruppen von den beiden Herner Zeitungen gedruckt werden sollen, befindet sich auch ein Aufruf des Generals an die Bevölke­rung, woringutgefinnte Bürger" attfgefordrrt werden, sich mit bem. Genera! in Verbinduna zu setzen, um mit den Franzosen zusammen die Ber, waltttngsgeschäfte der Stadt zu übernehmen. Fn Essen versuchten die Franzosen wiederum, die Schutzpolizei zu überfallen. Sie zogen mit großem Aufgebot vor das Rathaus in Effen-Rütterscheid, das jedoch bereits geräumt war, fodatz sie wieder abziehcn mutzten.

Die schwarze Schmach.

Essen, 24. Februar. (Privatteleqramm.) Die Einquartierungen des zum größten Teil aus Negern bestehenden 7. SolottialregirnentS in Werden und Ku Pf erd re h hat in den genannten Ortfchasten in allen Teilen der Be­völkerung dauernd« Erbitterung hervorge- rnfen. Befondcrs hart wird empfunden, daß die Schwarzen nicht in Kasernen, sondern in Quar- tieren, Wirtschaften >ssw. cksttergebracht sind. Die Reger werden auch im Straßen­dienst verwandt. Zwei Niger stehen vor dem Rathaus in B e l b e r t. Tie Offiziere lassen sich von Schwarzen begleiten. Die Vertreterin der amerikanischen Hcarstvresse, Marolina Keer, die die Nachricht nicht glauben wollte, begab fich selbst dahin itttb ist empört übet die entwürdi­genden französischen Maßnahmen. Auf dem Dürenet Bahnhof verladen die Franzosen durch farbiges Militär Kohlen und Koks aus den Schuppen der Eisenbahnverwaltung.

*

Franzvfischcck Raubgesindel.

DuiSburg, 24 Februar. (Privat-Tele- gramm.) In Duisburg wurde die S t a t i o n ö- taff e des Hauptbahnhofs mit 100 Millionen Mark Inhalt von französischen Truppen be­schlagnahmt. Seit gestern wird auf dem Bahnhof Vohwinkel eine scharfe Kontrolle der Reifenden durchgefühtt unter der Lei­tung französischer Gendarmen. Seit gestern ist der Bahnhof Niederlahnstein von den Franzosen besetzt. Der Betrieb ist eingestellt. Die Züge verkehren nur bis Wrenbreitstein.

Hohn auf Volncari.

Französische Karrikaturen.

Mizerfvlg »er französischen Gewaltpolitik iot Stntzrgebiet hat den Pariser Witzblättern Gelegen Helt gegeben, PoincarS »ach Gebühr',» verhöhnen Wenngleich die Ruhrpolitik Poincarös sich der ebenso unentwegten wie verzweifelten Un- tersiützung der französischen nationalistischen Presse zu erfreuen hat, so sorgen anderseits doch die französischen Witzblätter dafür, der Regierung die Wahrheit des Wortes zum Bewußtsein zu bringen, datz, wer den Scha­den hat, für den Spott nicht zu folgen braucht. Zur Kennzeichnung der um sich grei­fenden Erkenntnis, daß die Gewaltpolitik Poin- carSs ein Schlag ins Wasser ist, verdienen diese bitterbösen satirischen Verulkungen immerhin Beachtung, umsomehr, als gerade in Frankreich der Witz eine Waffe ist, die tödlich wirkt.

In einem Witzblatt findet man da in gro­ßer Aufmachung das Telegramm einer Agentur, die triumphierend verkündet: .In Paris ist jetzt endlich die erste Kohle aus dem besetzten Ruhrrevier angekommen. Le Trocquer hat sich beeilt, sie in der Deputiertenkammer auszustellen. Es ist ein sehr schönes Stück, bas mindestens 250 Gramm wiegt. Tie Kohle wurde von dem donnernden Applaus der Abgeordneten begrüßt! Nachdem sich der Beifall gelegt hatte, erklärte der Minister: »Meine Herren! Sie sehen, Deutschland bezahlt wirklich und diesmal zahlt es nicht in leeren Worten, sondern, tote da» Kohlenstück beweist, in realen Werten." Eine andere Notiz besagt: »Die Deutschen, bereit dia­bolische Tücken und Listen nur zu gut bekannt sind, haben sich der Täuschung hingegeben, unS dadurch Schwierigkeiten zu bereiten, daß sie die Bergleute im Ruhrrevier $trm Streik zwingen. Sie haben dabei gehofft, die Okkupationsarmee des Heizstosfs ztt berauben und unsere Inge­nieure durch die Kälte zum Rückzug zu zwingen. Glücklicherweise ist dieser Höllenplcm durch die Aufmerksamkeit unserer Regierung verhütet tost» den. lieber den Plan unterrichtet, hat Herr PoincarS unverzüglich befohlen, daß 20000 Ton.« neu Kohlen, die im französischen Koh­lenbecken van Anzin zur Verladung bereit la­gen, um nach Paris zu kommen, sofort nach d e r R u h r aus den Weg gebracht werden."

Daß die Regierung an alles denkt, beweist eine andere Scherzmeldung, die besagt, daß der Kriegsminister die berühmte Sängerin der Pariser Oper Marthe ChSnal einberufen und in plombiertem Wagaon nach der Ruhr gesandt hat, um den M u t der T r u v V e n durch den Vortrag der »Marsaillaise" und des SangeS der Ingenieur» gemeint ist der Gesang der Ab- marschicrenden zu beleben. Zur Behebung der Zuversicht dient auch ein Artikel aus der Feder des Oberstleutnants Rottffet: »Wir sind schon über drei Wochen im Ruhrgebiet. schreibt der SachversEndige, und auch das' schärfste Auge kann nicht das kleinste Zeichen der Ermüdung erkennen, weder ans unserer Seite noch auf der des Feinde s. Ich brauche nicht erst .ruszuführen, wie ermutigend diese Er­kenntnis für jeden wahren Patrioten sein muß. Was haben uns die Pessiniistcn nicht alles für Enttäuschungen in Aussicht gestellt! Nicht? da­von ist eingetroffen, dank der weißen Polittk des Herrn PoincarS."

Spaßhaft wirft auch der Bericht, den ein Dpeizialkorrafvondent auS Essen seinem Blatt sendet: ..Seitdem die mit Herrn Le Trocquer eingetroffenen sranzösischen Ingenieu­re ihre Tätigkeit anftlenommen haben, hört man hier nur noch von Eisenbahn unsal-» len. IM ganzen sind bereit? dreißig Züee in» etnanderaefabren.-nd an einem einzigen Tage zähste man 22 578 Tote und 30 Verwundete. Alle im Ruhrgebiet anaestrllten französischen Warn­ten fordern, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, in der Hoffnung, als Missetäter nachhause abgeschoben zu toerben. Um die mit. widerspenstigen deutschen Beamten überfüll­ten Gefängnisse zu entlasten, erwägt man zurzeit die Möglichkeit, die Gefangenen als Ztoanqsreifendc aus der Ei'evbahn zu benutzen. Die Kohlenmagnaten werden zwar auch dann halsstarrig bleiben, weil sie nicht mH der Babn fahren, sondern sich ihrer eigenen Automobile bedienen. Am Pariser Ministerrat fit man aber bereits dabei, einen Plan für die Reuanlaae für Automobilstraßen auszuarbeiten, der zweifellos dazu dienen wird, den Starrßnn der Jnbustriebarone zu h reiben"

Le Trocquer bat sich, fo beisst c? an anderer Stelle, nach dtßn Rnbrbezirk begeben, um in großem Maßstab den Abtransport der Deutschen in die Weae z" leiten. Aber cf? man daran ging, die Züge Ar die Ausaetv^esenen fertig zu machen, stellte stch heraus, daß man keinen Hsi.z- stgsf für die L.gksmoftpen batte: dmn an der N«br findet man bekanntlich aff»*, nur kei­ne Kohle. Was sollte man tun? Vielleicht wäre stier der Jtzudwirtfaaffsministor EbSron der rechte Mann am rechten Platze. Nach seinen.