Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 50.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 1. März 1923

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 mW 952

AanMsche Sozialisten stimmen VoivM zn

h

i

''7-1

knffe 8! mit sch

iwercn Strafen bedroht. Die dritte Berord-

I

LS

-

::

I

führen, wird verboten, die Waren nach bim unbesetzten Gebiet weiter zu leiten ohne die Zölle und G e b ü h r e n an die Zoll.

>u bezahlen. Zuwiderhandlungen werden

biet, ob mit Recht oder Unrecht, auf jeden Fall u n I l u g war (nur unklug»), und daß England auf dem rechten Wege sei, wenn es seine Trup- Vcn so lange wie möglich am Rhein belasse, da England ebenso wie andere Mächte, an der Lösung des Sieparationsproblems interessiert sei. Diese Lösung sei nicht Frankreich, Belgien und Italien allein Vorbehalten, sie sei ein internatio- nales Problem und er glaube und hoffe, daß die Lösung durch eine internationale Unternehmung erfolgen werde.

nung besagt, daß alle Verbrechen und Vergehen gegen die Besatzungstruppen und alle Sabotage­akte gegen die Verkehrsmittel schwer geahndet werden. Werden die Verüber der vorgenannten Taten nicht ermittelt, so können dafür die in dem betreffenden Orte verantwortlichen deu - schen Beamten verhaftet werden.

LeöensmlNel beschlagnaymt.

Essen, 28. Februar (Privattelegramm.) Am Dienstag vormittag wurde ein Lasikraftwagcn mit Kolonialwaren einer hiesigen Großfirma beschlagnahmt und nach Bredcney ge­bracht. Das gleiche Schickfal ereilte einen Kraft­wagen einer Duisburger Margarinefabrik, der mit hundert Zentner Margarine beladen war. Ter Schaden, den die Franzosen in den letzten Tagen in ltzelsenfirchen angrrichtet haben, beträgt ungefähr sechzig Millionen Mark.

Mißbilligung ceeenüber Frankreich.

London, 28. Februar. (Eigene Drabtmel- dung.) Bonar Law erklärte im Unterhause, die Maßnahmen der Franzosen und Belgier im Ruhrgebiet dürften keine Erhöhung der Besatzungskostrn bringen. Weiter betont er, daß die englische Regierung die französischen Behörden im Ruhrgebiet verständigt habe daß inderenglischenZonckeine neuen Ver­haftungen mehr vorgenommen werden dürf­ten. ohne daß die englische Regierung vorher verständigt worden sei. Weichzeitig wird ge­meldet, daß Bonar Law auf die letzte Forderung Pojnrares über die Abtretung neuer Gebiets­teile in der englischen Besatzungszone höflich, aber bestimmt geantwortet habe, daß England diese Forderung ablehnen müsse. Die eng­lische Regierung sei der Ansicht, daß Frankreich die Rhrinschiffahrt in Gang bringen solle, um die Nuhrlohle abzuführen.

Lord Curzon sprach gestern über die politi­sche Lage. In großen Zügen entwickelte er ein Bild der allgemeinen Weltlage, das voller Haft, nung war in Bezug auf England, die Türkei, Polen, die Tschechoslowakei, Oesterreich und Ita­lien. Es gebe aber auch schwarze Flecken auf der Landkarte. Rußland, der nahe Osten und schließlich die Ruh r. England sei in vielen Testen der Welt von langwierigen und unwillkommenen Aufgaben in Anspruch genom­men, in gefährliche und kostspielige Aufträge ver­wickelt und es stehe im Ruhrgebiet einer schwierigen und Besorgnis erregenden Lage gegenüber, die das Wirtschaftsleben der Welt schwer trübe und gefährliche Rück­wirkungen aus soziale und industrielle Pro­bleme ausüve. Er glaube, daß die öffentliche Meinung Englands die jetzige englische Politik in der Ruhrfrage verstehe und unterstütze und mit der Regierung dahin übereinftimme, daß der französische Einmarsch ins Ruhrge-

Englands Haltung.

Amtlicher Bericht im britische« Unterhaus.

(Eigene Dravttnelduna.)

London, 28. Februar.

An der deutfHen Ostgrenze.

Polnische Hetzpropaganda in Ostpreußen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 28. Februar.

In einer kleinen Anfrage der Landtagsfrak- tiou der Deutschen Volkspartei wurde darauf hingewrefen, daß die in Allenstein erscheinende polnischeGazeta Olsztynska" D e u t f ch l a n o, Preußen und Ostpreußen dauernd mit Schmun bewerfe, die deutsche Vergangenheit herab- würdigr und gegen den gegenwärtigen StaatS- bestand Hetze. Dieses Verhalten, so wurde aus- gesührt, könne weder dem inneren Frieden, »och der Aufrechterhaltung korrekter Beziehungen zwischei Deutschland und Polen dienen. Auf die Anfrage, was das Staatsministcrium gegen diese verhetzende Tätigkeit zu tun gedenke, ant­wortete der Minister des Innern, die Preußische Staatsregiermig verfolge mit Aufmerksamkeit die Haltung derGazeta Olfztnnska" und werde nicht verfehlen, einzufchreiten, sobald ihr die be­stehenden Gesetze dazu die Möglichkeit bieten.

ein enqlandfelndNchrr Block?

Was England befürchtet.

London, 27. Februar. Die Londoner Zeitung Observer" besagt sich in einem Leitartftel mit der Möglichkeit einer französisch - bel. gisch-italienischen Annäherung, der Eng, land nicht gleichgültig gegenüberstehcn könnte. Das Blatt schreibt: Die englische Regierung vcr-

Tt« Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich iechsnial uns zwar ab end«. Der AbonnemenlSprel« detrüai monatlich 2500 . Mark bei freier Zustellmiz ins Haus in der «eschästSftelle abgeholt Mark monatlich. Auswärts durch die Polt l-zogen 2500Mark monatlich einscht Zustellung, «eftellungen werden leoerzett entgeg-ng-n-mm-n. Druckerei

Redaktion» Schlachthosftraße 28/30. Für unverlangt eingesandt-BeUräge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieserung ausgeschlossen.

reits eine Klärung erfolgt fein kann. Vielmehr werden wahrscheinlich erst dann, wenn der Ver­mittlungsvorschlag den beiden Regierungen In Berlin und Paris weiter gegeben wurde, di- Verhandlungen zwischen den vier Mächten be­ginnen, welche Aufgaben die internationale Kommission neben der Feststellung der deutschen Zahlungsfähigkeit noch zn leisten hat. Denn weder Amerika, noch England, weder direkie Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutsch­land _ können eine Entscheidung bringen, die Deutschland in der Frage der Wiedergutmachung des Unrechts an der Ruhr befriedigen kann. Auch darüber hätte unseres Erachtens am beste« und unparteiischsten die internationale Kommis, sion zu besttmmen. Sie würde dabei gleich in der Lage sein, ihre Ansicht über die Unzulässigkeit der französischen Aktion zu sagen. P. k.

Eine Vermittlung?

England und Amerika.

Seit einigen Tagen verlautet in Berliner politischen Kreisen, daß zwischen England und Amerika Verhandlungen stattfänden, die auf eine Vermittlung dieser Staaten in dem Ruhr­kampfe hinzielen. Die letzten Nachrichten dar­über lauten widersprechend, man weiß nicht, was daran richtig ist. Immerhin wird durch den amerikanischen Botschafter in London. Har­beit, erklärt, daß man sich darüber unterhalten habe. Nun stcht freilich noch nicht fest, ob die Mitteilung zutrifst, daß in längstens vierzehn Tagen der Schritt der beiden Mächte unternorn-- men werden solle. Denn es sprechen bei dieser Intervention doch verschiedene Umstände mit, die von Amerika tote von England beachtet werden müssen. Sie werden es nicht darauf anfommen lassen, sich von Frankreich einen Korb zu holen, sondern nur dann Vorgehen, wenn sie der Zu­stimmung Frankreichs von vornherein sicher st.no. Frankreich wird dabei besondere Bedingungen stellen. Und wenn die Vermittelung auftritt, so muß man von vornherein annehmcn, daß sie zu­nächst mit Frankreich den Schritt vereinbart hat. Die Vermittlung will den einzigen Weg geben, der sich gehen läßt, um keine der beteiligten Par­teien zu verletzen. Sie will die Untersuchung der Lage Deutschlands Vorschlägen, eine inter­nationale Finanzkontroll-Kom­mission schaffen, und nach deren Gutachten sollen die deutschen Zahlungen und Leistungen festgesetzt werden. Frankreich soll sich dar­auf aus dem Ruhrgebiet zurückziehen, auch gegen eine Annektion der Rbeinlande wehren sich England und Amerika. Sie werden also nach dieser Richtung hin Erklärungen von Frank­reich fordern müssen.

Es fragt sich nun, wie würde Deutsch­land solchen Vorschlägen gegenüberstehen. Zu- nächst werden wir dadurch belastet, daß uns eine internationale Kontroll - Kommission aulerlegt wird, deren Kontrolle wir uns zu unterstellen haben. Es ist aber zu beachten, daß von einer internationalen, nicht von einer interalliierten Kontroll-Kommission die Rede ist. Die Kom­mission wird sich demnach auch aus Mitgliedern der neutralen Länder zusammensetzen. Da­durch wäre uns, so unsympathisch auch die dau­ernde Konttolle wäre, doch die Gewähr gegeben, daß die Kommission objektiv arbeitet und nicht von Frankreich beeinflußt ist. Geg-nterl könnten wir, wenn andere französisch beeinffußte Kommissionen dadurch favm. mit dieser Aende- rung einverstanden fein. Da wir bereits aus dem Munde der Finanzsachverstöndigen vernom­men haben, was zu geschehen habe und die st 3 Urteil anerkannten, da wir ferner von den Fi­nanzmännern der Welt hörten, daß Deuffchland unmöglich die bisherigen Leistungen aufbrinaen kann und die Forderungen des Veriailler Ver­trages nicht auftecht zu halten sind, könnten wir, da wahrfcheinlich die Kommission aus. Finan­ziers gebildet werden würde, eine solche Ver­mittlung annehmen,

Mr könnten nur wünschen, daß die Dinge sich so entwickeln, wie sie geplant sind und hin­ter den Kulissen zur Gestaltung kommen sollen. Denn wir würden am meisten zufrieden fein. Wenn endlich die schweren Tage vorüber Wären und der Himmel zu klären sich begänne. Aber dennoch hätten wirForderungen.die von der internationalen Kommission nicht übersehen werden könnten. Wer macht den S ch a d e n gut. bett die Franzosen im Ruhrgebiet verur­sacht haben? Soll etwa Deutschland die großen Lasten tragen, die Frankreich sich selbst durch ein willkürliches Vorgehen jetzt aufgebürdet hat. Wir müßten es ablehnen, auch nur einen Pfennig von den Kosten zu übernehmen, die Frankreich durch Rechtsbruch heransbeschtooren. Frankreich müssen die Beträge, die Deutschland zmn Wie­deraufbau des Ruhrgebiets braucht, in Rech­nung gestellt werden dürfen. Der Schäden, der den Bewohnern an der Ruhr, der der Jndu- ftrie, den Städten verursacht wurde, zahlt nach Milliarden. Frankreich wird auf einige Raten zu verzichten haben und daS deutsche Konto wesentlich abstreichen müssen, wenn Deutschland den Aufbau auf eigene Kosten be­ginnen soll.

Wie Frankreich sich iu dieser Frage stellt, weiß man noch nicht. Es wäre richttg. wenn die deutsche Regierung sofort ihre Stimme er­heben würde, um auf diese ihre Forderungen binzuweisen, denn sehr leicht könnte der Ver­ständigungswille Amerikas und Englands bte Entscheidung treffen, daß die Kosten der Ruhr- attion zn teilen sind oder Deutschland von seinen Zahlungen in Abzug gebracht werden mußten. Das wäre eine Belastung, bte Deutschland nicht übernehmen kann eine Bestrafung für die Abwehr eines ftevelbas- ten Vorgehens eines Völkerrechtsbrechers. Schon wenn man die Einzelheiten, die zu regulieren sind, überdenkt, muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß unmöglich in vierzehn Tagen bc»

3nfertton5pretfe:i) Einheimisch- Aufträge: Di-etnfpalttge Au^tgenzeile M. 160.-,Kamt- liennachrichten, bte Zetir M. 140.,bte einspaltige Retlamezetle M. 600,. b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Änzelgenzetle M. 160., die etufpalttge Reklamezeile M. 630, alles ein. schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigensteuer, fiür Anzeigen mit besonders schwierigem Latz hundert Prozent Aufschlag. Für di-Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An- zeigen, sowie für Aufnahmebaten unb Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben Druckerei: Schlachthofstrab« 26/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straß« 5. Telephon Nr. 951 und 952

Sn fremden Gefängnissen.

Paris, 28. Februar. (Eigene Trahtmeldung,) Die interalliierte Rheinland-Klmmrission hat gestern die Verfügung getroffen, daß bei Verur- teittmgen durch das Militärgericht der Armer- kommandant in allen Fällen, wo auf eine höhere Strafe als auf fünf Jahre Gefängnis erkannt wurde, die Verbüßung der Strafe in einem nicht-deutschen Gefängnis verlangen kann. Die interalliierte Rheinlandkomission hat die Berordmina des deutschen Finanzmini­steriums vom 9. Januar, in der für die Steuer­zahlung ein Aufschub gewährt wird, nun« mehr für ungültig erklärt.

Unter dem fremden Aoch.

Frauzöfische Strafbesttmmunge».

(Privat-Telegramm.)

Duisburg, 28. Februar.

An den Duisburger Anfchlagfäulen machen die Franzofen in großen Plakaten bekannt, daß alle Vergehen gegen die französischen Verordnun­gen mit Strafen bis zu fünf Jahren Ge­fängnis und zehn Millionen Mark Geld­strafe belegt werden, falls nicht das MUitär- sttafgefetz noch höhere Strafen Vorsicht. Die Verordnung tritt mit fofortiger Wirkung in Kraft. Allen Perfonen, die Waren ein- und aus-

Geld-Transporte.

D»rfichtige Beförderung großer Summen.

»,d«p bte Ar , tote gros-e ©elbfnmmen trans, portiert werden trab weiche Vorsicht dabei an. gewandt Weeden muß, wirb ans geschrieben r Bekanntlich haben die Franzosen in Hengstey aus der Eisenbahn einigen Reichs- bankbecmtten den Betrag von zwölf Milli­arden Papiermark abgenommen. Man fragte sich unwillkürlich, wie ein solch größer Geldtransport möglich war und Wie es über­haupt möglich war, daß nur zwei Beamte, in der dritten Klasse fahrend, den Transport vor- nehmen konnten. Es bestehen nun für Trans­porte von Geld und Geldwerten der Reichsbank, besondere Vorschriften. Größere Transport« Werben in eisernen Koffern durch min­destens drei Beamte besorgt, die gewöhnlich in Zivil gekleidet sind, um nicht aufzufallen. Aber es wird gewöhnlich auch niemals eine derart große Summe auf einmal transportiert. Viel­mehr werden, Wenn sich größere Transporte not­wendig machen, immer mehrere Transporte auf de nWeg gebracht. Auf der Eisenbahn haben die Transporteure großer Geldmittel gewöhnlich immer einen Abteil für sich, bei kleineren Trans­porten fahren sie in der zweiten Klasse. Ihr Ge­päck ist nicht auffällig, denn es läßt sich in zwei kleinen Koffern schon eine Menge Geld fortschas- sen. Die Eisenkosfer, deren Schlüssel gewöhnlich ein höherer Reichsbankbeamter besitzt, der in einem anderen Abteil fährt, sind verschlossen. Der Verschluß soll

unterwegs wiederholt geprüft werden.__

Gewöhnlich Werden die Eisenkoffer in übliche Reisekoffer gestellt. Die Hauptsache ist, daß der Transport nicht Aussehen macht und bekannt wird. Die Begleitbeamten sind zudem bewaff­net. Im besetzten Gebiet war nun Wohl, aus den Verhältnissen gegeben, eine andere Art des Transportes nötig. Mau schickte nur zwei Be­amte unb auf einmal mit der großen Summe, weil es weniger auffiel. Es ist auch ganz aus­geschlossen. daß die Transporteure ausgefallen sein könnten. Um jeden Verdacht zu vermeiden, haben sie schon die dritte Bahnklasse gewählt. ES scheint demnach Verrat von einer Seite vor- zuliegen, die von dem Transport trotz aller Ge­heimhaltung gewußt hat. Auch in den Städten, innerhalb deren ein großer Geldtransport er­folgt, wird immer größte Geheimhaltung geübt. Fn Berlin werden die Transporte der Reichs­bank gewöhnlich in einem geschloffenen, eisernen Kastenwagen befördert. Die Summe darf nie­mals eine bestimmte Grenze überschreiten. Der Transport ist immer stark gesichert. Es wird auch sehr selten Vorkommen, daß auf diese gro­ßen Gelbtransporte Uebersölle vorgenommen wurden. Die Sicherheiten, die bisher Üblich Waren, genügen vollkommen. Im Zusammen. Hang stehen die Goldtransporte. Sie Waren früher mehr üblich als jetzt, da heute Gold nicht mehr so zum Ausgleich der Zahlungen benutzt wird wie früher, vor allem die Goldtransporte von einem Staat zum anderen. Die Ausführung von Gold durch Privatpersonen ist ja überhaupt verboten worden. Dennoch sind die einzelnen Länder aber bemüht, sich Goldbestände zu schaf­fen oder ihre Goldbestände zu vermehren. Sie lasten

durch Zwischenmänner Gold auftaufen

und es auf Schleichwegen befördern und Über die Grenze bringen. Dieser Tage wurde in Ber­lin ein Italiener verhaftet, der einen heimlichen französischen Goldtransport beraubte. Die Fran- zosen hatten, obwohl das auch dort verboten ist, in der Türkei Gold aufaekauft und versuchten es in einem aeschlossenen Sack, der zahlreiche kleine Kasten, gefüllt mit Gold enthielt, nach Frankreich zu sckmuageln. Diele Transporte werden noch heimlicher und vorsichtiger vorgenommen als die offiziellen der Rei<!^- unb Staatsbanken. Denn es ist nicht nur UeberfaK und Raub zu erwarten, sondern auch eine Beschlagnahme durch den Staat, durch den das Gold transportiert wird, und Über besten Grenze es hinausgefchafft werben soll. ES gibt verschieben« Arien biefer Transporte. Gewöhnlich Werden die Goldbar­ren in den Kleibern versteckt, selten so trän8« vertiert, Wie es die Franzosen taten. Unauf­fällig. als Reifende Wollten diese Transporteure erscheinen. Unb es gelingt ihnen auch zumeist, das Golb nach Hause zu bringen, denn Wir hö­ren selten davon, daß Gold beschlagnahmt wird. Tatsächlich aber wird auch ans Deutschland viel Gold trotz des Verbotes ausgeführt.

Zuversicht in Frankreich?

Auch di« Sozialisten stimmen zu.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. Februar.

Rach einer Pariser Privatmeldung derBase­ler Nacheichten" trug Ministerpräsident Poin - earö in den letzten Tagen bezüglich des Aus­ganges der Rnhraktion große Zuversicht zur Schau. Auch im Parlament habe der Optimis­mus stark zugenommen. Insbesondere hätten sich zahlreiche Deputierte der Linke» von der Notwendigkeit (!) der Operationen über­zeugen lasten. Die Regierung Poincarö es mit Bezug auf die Linke fthr gut verstanden, auai bem Ruhrabenteucr ein uneigennütziges Män­telchen umzuhüugen, indem ste ihr erklärte, baß der Sieg an ber Ruhr die Macht des Alldeutsch­tums brechen und der deutschen Demokratie zum Siege verhelfen werde. Diese Formel scheint gewissen Parlamentariern zu gefallen.

Auf anderem Wese.

Paris, 28. Februar. (Eigene Drahtmelduug.) Der Jntranstgeant schreibt: Wenn die England--, uns keine Zugeständnisse machen, werben wir reine andere Möglichkeit haben, als den Weg in das Ruhrgebiet uns über Elberfeld zu fWrn. Eine solche Linie gibt es. Sie zweigt von Siegburg, ber Station vor Urbach ab und durchlauft die tinbesetzten Teile DculfchlandS, die nach Versailles entmilitarisiert sind.

Täglich neue Qßerßaftunoen.

Bochum, 28. Februar. (Privattelegramm.) Gestern morgen wurden am Hauptbahnhof zwei Zivilisten, zwei Schüler und der Fahrdienstleiter verhaftet, weil vor dem Bahnhof zwei französische Spitzel vom Publikum ver­prügelt wurden. Der Bahnhofsvorsteher und ber Pförtner, die bei der Prügelei anwesend wa­ren, konnten nicht verhaftet werben. Weil sie sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. In der Stabt selbst würben einfranzösischerOfft- zier und ein Unteroffizier von ber Menge der­art verprügelt, daß fie polizeilichen Schutz in Anspruch nehmen mußten Der Präsident ber Reichsarbeitsverwaltung, Sirup. ist auf ber Rückreife von in Köln geleiteten Schlichtungsver­handlungen in Vohwinkel verhaftet worben.