Kasseler Neueste Nachrichten
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Kaffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Wummer 55.
Fernsprecher 951 und 952
13. Jahrgang
Mittwoch, 7. Marz 1923.
Fernsprecher 951 und 953
vahnhossraub und Verkehrsstörung.
infolgedessen steht der ganze Betrieb. Sein deutscher Eifenbahner ist auf den weiten Anlagen der Rangiergeleise geblieben. Die französtsch-en Eisenbahner sind bemüht, die auf den Geleisen Vorgefundenen Wagen und Maschinen abzusah- rem Wau» der Bahnhof dem Verkehr wieder freigcgcbcn wird, ist ungewiss, ebenso, ob der Verkehr von deutscher Seite aus überhaupt wieder ausgenommen werden kann. Durch den fran- zöfiscl-cn Raub wird der Bestand an deutschen« Material von Tag zu Tag geringer. — Auf dem Bahnhof in Vorhalle ist ein französischer Fahrplan ausgehängt worden, der den Personenverkehr zwischen den Bahnhöfen vo» Vorhalle und Düsseldorf regeln soll.
Aus der gestrigen Sitzung.
Den Vorsitz führte der stellvertretende Vor«
D-Süge nach dem Westen.
Sicherstellung vor der, Frsnzofe«.
(Privat-Telegramm.)
Essen, 6. März.
Wie hier verlautet, geht die Eisenbahnverwal- tung mit dem Gedanken um, den D - Z u g v e r - kehr im Ruhrgebiet einzustellen. Die zahllose» Beschlagnahmen von Bahnmaterial durch die Franzosen hat das kostspielige D-Zug- materia! stark verringert, sodaß sich die Reichsbahn außerstande sieht, noch wettere D-Züge dem Zugriff der Franzosen auszusrtzr». Man erwägt zurzeit, den D-Zugverkehr nur noch bis Hammzu führen und von dort aus Paflagiere und Güter durch Pendelverkehr in das Elnbruchsgebiet zu schaffen. Ob es zur Durchführung diess Planes kommt, sticht noch nicht fest, da es jedoch den Franzosen fetzt gelungen ist, mit Hilfe elsässischen Personals einen Teil der Beutezüge abzutransportieren, müssen vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, damit nicht noch weitereBeutc in die Hände der Einbrecher fällt, die ohnehin schon hundcrtdrcitzig £a. komotiven mit Beschlag belegt haben.
Bochum, 6. Mär;.
Nach hier cingeMngenen Nachrichten haben die Franzosen Remscheid und Cronenberg besetzt. Gerüchtweise heißt eS, daß auch Wipperfürth besetzt sei, doch fehlt hierüber bisher eine sichere Bestätigung. Weiter wird aus Elberfeld berichtet, daß dort sowie in Barmen bie Besetzung durch die Franzosen, befürchtet werbe.
Wie sie Kohlen stehlen.
Hamborn, 6. März. (Eigene Drabttnel- dung.) In Anschluß an die Besetzung des Bahnhofs Neumühl und deS Zechenüahnhoss des Steinkohlenbergwerks Würben dreiundfünfzig mit Kohlen und Koks beladene Reichs- bahnwagen und vienmdzwanzig mit Kohlen und KokS beladene Privatwagen der Guten Hoffnungshütte in Oberhausen und der Gewerkschaft August Thvffen widerrechtlich ast- transportiert. Seitens des Betriebsrates und der Zechenverwaltung ist telegraphisch bei General Dcgoutte Protest erhoben worden.
sicher Obermeister Schnell. Es ging ruhig unid glatt. Der Sozialdemokrat Schade wurde eingeführt. Ohne Weiteres sand die Erhöhung der H u n d e st e u e r die Zustimmung der Stadr- verordneten, ebenso die Weitererhebung der seitherigen Vergnügungssteuer.
Bewilligung von einer f-"— ”*■=
gssteuer. lieber die halben Million für die
Raub auf BcchnWfm.
Die Franzosen stehle» Geld und Frachten. (Eigene Drahtmelduna.)
Mülheim, 6. März.
Auf einem hiesigen Bahnhof, der Wie andere Bahnhöfe Mülheims 24 Stunden besetzt war, fehlten nach dem Abzug der Truppen der I n- halt von zwei Kaffen in Höhe von 250 000 Mark. Die Stationskassc felbst blieb unversehrt. Beschlagnahmt Wurden eine Anzahl Waggons mit Kohlen, Getreide und Stückgütern. Ruf einem anderen Bahnhof sind ebenfalls Waggons befchlagnahmt und Weg» geführt worden. Auf der gleichfalls besetzten Eisenbahnwerkftätte versuchten die Franzosen Lokomotiven und Wertvolle Material- stüüe wegzusühren. was ihnen aber anscheinend nur schwer gelang. Im Stadtteil Dempten drangen die Franzosen gewaltsam in ba3 Postamt ein, das von dem Postvorsteher beim Herannahen der Franzosen geschloffen wurde, b e. schlag »ahmten die vorhandene Post und verhafteten den Postmeister.
Weitere Besetzung?
Remscheid, Lronsnberg, Elberfeld, Barme« (Privat-Telegramm.)
Täglich Berhaftuugen.
Beamte und Vberrealschiiler festgeuomMen.
(Privat-Telegramm)
Bochum, 6. März.
Gestern wurde der hiesige Obcrbürger- meister Grafs verhaftet. Desgleichen wurden icbzehn Oöcrrcalfchüler festgenommen. — Nachdem in der vorigen Woche der Ober bahnhofsvorsteher von Buer-Nord, Kaetzler, von den Franzosen verhaftet worden war, wurde gestern auch der Oberbahnhofsvorstel-er Freund aus Westerhold verhaftet. Wie jetzt bekannt wird, werden diese beiden von den Franzosen als G e i- elu auf den Lokomotiven der mllitarisierten Nordstrecke mitgeschleppt. — Wie zuverlässig mitgeteilt wird, befindet sich sett einiger Zeit der französische Propagandaches für das Daargebiet, Major Richard, im Einbruchsgebiet.
Ruhrspende wird an anderer Stelle berichte:. Tann berichtete Stadtv. Bock (Soz.) über die Bewilligung der Gelder für bie Erweiterung bet städtischen Obstbaumzucht, von der Stadw. Geck (Fr. b. V.) erklärte, daß es sich hier um eine gute Anlage handelt. Es könne» nickst genug Obstbäume angepflanzt werden. Auf Empfehlung durch Pfarrer Stein (Dem.) wurde der in dieser Zeit des MarkticsstanLes leichten Ablösung von Jahresrenten hiesiger Kirchen- gemeinde» zugestimmt. Eingehend begründete Stadtv. Zimmermann (Dem.) die Ächerung des städtischen Baustofflagers an der Bunsenstraße gegen Diebstahl und Wifterung. Stadtv. K. 25. Schmidt (Fr. b. V.) beleuchtete die Unsicherheit auf diesem Matz: es muffe jetzt schon Vorsicht geübt werden. Einstimmig wie diese Vorlage wurden auch die bekannten NachbewMgnngen für die Wohnungen an der Vfendurgstraße, im Fasanenhos, auf dein Finkenherd usw. genehmigt, lieber den 34,8-Millio-- u.en-Zuschnß zur Straßenreinigung beachtete Stadtv. Hornschu (Dem.), worauf Stadtv. Bohr (Fr. b. V.) darauf hinwies. daß diese Nacksorderuno nickt die letzte sein wird. Dann fragte Stadtv. Kreiß (Fr. b. V>), was bereits geschehen sei, um zu Ersparnissen und z« Vereinfachungen zu kommen. Stadtrat W i 11 r o ck erwiderte, daß der Magistrat in die- ser Beziehung bemüht ist. Es sind sechzehn Arbeiter entlaffcn, mehrere Pferde verkauft usw. Bis jetzt wurden sechzig Millionen eingekpart. Der neue Etat wird eine Summe von über sechshundert Millionen aufwetfen. Im übrigen aber bat er darum, zunächst die völlige Reorganisation des Reinigungswefen?
Neue s ranzösifOeMvi-btaten.
Die Verbrecher im Ruhrgebiet.s (Eigener Drahtberickt.)
Essen, 6. März.
Aus der Zeche Westerhold bei Gelsenkirchen ist der B e r g m a n « Fritz G r o »t e von einem ftanzoflschen Posten erschossen worden. Der Bergmann war unterwegs zur Schicht-Einfahrt Die gesamten Belegschaften von Westerhold^ und der Zeche Bergmannsglück sind in den P r otefist re i k eingetreten. — Bei der Umzingelung des dolizeircviers 7 in Essen würben bie Beamten in rücksichtsloser Art verhaftet, wobei ohne Grund von der Waffe Gebrauch gemacht würbe: em Schuß traf die Gasuhr, die infolgedessen explodierte. Der de« Polizeirevier gegenüber wohnende Iustizbeamte Löwe befand sich auf dem Wege zu feiner Wohnuna, als er vor bem Polizeirevier von einem Franzofen anqeru- ftn nnb noch ehe er antworten konnte, durch einen Bauchfchuß getötet wurde -
Verkehrsstockung in Essen.
Effen, 6. März. (Privattelegramm.) Der hiefige Hauptbahnhof ist r.odi immer besetzt und
einer Tagung dieses Verbandes erklärt: .An eine militärische Aktion denkt in Deutschland kein vernünftiger Mensch. Dos Ziel des deutschen Widerstandes ist, als Gleichberechtigter mit Frankreich über eine vernünftige wirtschaftliche Lösung des Reparationsproblems zu verhandeln. Wir mässen uns hüten, uns von dieser Bahn durch Unbesonnenheiten oder durch Herausforderungen abdrängen zu lassen. pro.
Es ist erklärlich, daß unter diesen Umständen auch bedeutende militärische Persönlichkeiten in aller Oeffentlichkeit gegen den Gedanken eines aktiven Kampfes gegen Frankreich ausgetreten sind. Der General von Zwehl hat in der „ Kreuzz eittmg' ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es ja Frankreichs Tendenz ist. Deutschland von der passiven Abwehr, die ihm so außerordentlich unbequem ist, abzudrängen auf doS Gebiet des a'ftven Widerstandes, auf welchem Frankreich mit seiner Armee von über 750000 und mit feinen Reserven von zwei bis drei Millionen, mit einer Heeresrüstung, wie sie der Weltkrieg selbst nicht gesehen hat, ganz selbstverständlich die Oberhand behüten müßte. Und der General der Infanterie a. D. von Daimling hat in der Presse ausgesprochen: „Steht, Deutschland kann in dieser Lage keinenKriegmit Waffen führen. Kein denkender Mensch wird ihn wollen. Er würde auf deutschem Boden ausgetragen werden WaS das heutzutage bedeutet, weiß jeder, der die Ruinen in Nordfrankreich gesehen hat." Im selben Sinne äußert sich ein anderer bervorragen- der militärischer Fachmann Wie folgt: „Es wäre bet unserer militärischen Ohmnacht der Helle Wahnsinn, ihnen mit Waffengewalt entgegentreten zu wollen. Obgleich sie das .Gruseln" be- femmen, wenn sie an Zarnps benJcn, würde bte Politik des Herrn Poinearö nichts willkommener sein, als wenn wir uns auf bewaffneten Widerstand einlassen würden Wir dürfen und können cs nicht, auch nicht auf Kleinkrieg, der immer und überall, wenn man von Spanien 1809 bis 1814 absieht, wo ganz andere Verhältnisse waren als beute, mit einer 9Hetvrtage her Bevölkerung geendet hat.' Deutschland ist nickt Spanien. Die Franzosen können spielend das Zwanzigfache an Truppen aufbieten, was Napoleon in Spanien hatte, und der Welt sagen: Wir wollten nur wirtschaftliche Maßnahmen, aber die Deutschen haben den Krieg gemacht, wir müffc.i die Boches ausrotten.'
Do kommt man ganz von selbst zu dem Schluß, daß der von der gegenwärtigen Regierung proklamierte passive Widerstand unter den gegebenen Verhältnissen das einzig richtige und mögliche ist. Diese Auffassung wird auch in den maßgebenden W irtscha ftskr e i sen unferes Volkes durchaus vertreten. So hat dieser Tage der Geheimrat Bucker, der Geschäftsführer des ReichSverbandes der Deutschen Industrie, auf
Die versEvrene 2siekfe.
Berlin, 6. März. (Privattelegramm.) lieber die Gründe, die den Kanzler veranlaßten, feine nach München und Stuttgart geplante Reife aufzufchieben, sind in politischen «reifen mannigfache Gerüchte verbreitet. Noch der einen Lesart feß der Reichskanzler von einigen Parlamentariern dringend gebeten worden fein, über die politif che Lage so schnell wie möglich eine Erklärung abzugeben, während nach einer anderen Version der Grund für die Verschiebung darin zu suchen sein soll, daß der Kanzler gerade in diesem Augenblick eine Rede in München und Stuttgart vermeiden wolle, die vielleicht überhitzte Kundgebungen im Ge. folge habe» könnte. Die Wahrheit wirb wohl in bet Mitte liegen. Wahrscheinlich wird der Kanzler Ende dieser Woche nach München reisen.
Am die KaMerreöe.
Keine Verhandlungen vor des Diiiumrmz.
(Vrivat-Telegramm.)
Berlin, 6. März.
Der „Tag" berichtet: Wahrscheinlich wird heut? Tr. Cuno nach einem Protest wegen der Besetzung der Städte Mannheim, Karlsruhe und Darmstadt und nach einem Protest gegen die letzten Maßnahme» der Franzosen im Ruhrgebiet, insbesondere gegen bie Androhung der Todesstrafe für Eisenbahner, auch auf politische Fragen zu sprechen kommen. Sollte der Kanzler feine Erklärungen ab geben, so würde er wieder davon ausgchen, daß an Verhandlungen mit Frankreich und Belgien nicht zu dcn- <cn fei, solange nickst das Ruhrgebiet geräumt ist. Z» unterscheiden wären davon n-ttür- l>ch allgemeine internationale Verhandlungen unter Beteiligung aller für den Wiederaufbau Europas in Betracht kommende» Mächte, bei denen Deutschland volle Gleichberechtigung genießen könnte. Zusagen könnten aber auch in solchen Verhandlungen nach den Anschauungen der überwiegenden Mehrheit des Reichstages nur unter der Voraussetzung gegeben werden, wenn die Räumung des Ruhrgebictes eine unbedingt feststehende Tatsache sei.
Ungleiche Waffen.
Ei» Kriegsproblem.
Das Kriegsproblem ist in den letzten Tagen vielfach erörtert worden. Es ist nur natürlich, daß die Schmach, die das deutsche Volk gegen- toärtig über sich ergehen lassen mutz, auch de» Gedanken einer aktiven Abwehr des feindlichen Einbruch-' in das Ruhegebiet aujkoni- men läßt. Die Dinge haben große Wellen geschlagen. Der Reichstag beschäftigte sich mit ihnen, und hinter den Kulissen werden all diese Angelegenheiten ernstlich erörtert. Wir leben nicht in normalen Zeiten, und so ist es zu erklä- ren, daß dieser eben erwähnte Gedanke dec aktiven Gegenwehr inkleinerenGruPpe» auch schon zu organisatorischen Versuchen geführt hat. Mr haben nichts zu verschweigen, und darum hat auch der Reichswehrminifter bei den Debatten über den Heeresetat int Reichstage sich offen darüber ausgesprochen. Es haben sich Orgaiu- satione» mit dem Kriegsproblem und seiner Behandlung schon Praktisch befaßt. Man hat in verschiedenen Städten Deutschlands junge Leute zusammenströmen sehen, die, durch irgendwelche Nachrichten veranlaßt, wirklich des Glaubens waren, es würde zur Bildung mllitärischer Formationen und zu Waffenausgaben kommen uns dergleichen mehr.
Solche Erscheinungen liegen im Schoße unserer Zeit. Aber wir müssen die Dinge sehen, wie sie sind. Ein Versuch zur militärischen Abwehr, zum Kampfe mit Waffen im Ruhrrevier würde mit einem Schlage bie Verwirklichung aller französischen Hokfnungen und Erwartungen mit sich bringen. Denn das Atel der Franzosen im Ruhrevier ist ja nicht nur ein wirtschaftliches, sondern im Grunde ein hochvo- littsckes. Man würde es auf der Gegenseite nur begrüßen, wenn nun endlich der V o r w a n d ge- schaffen würde, um dieses Ziel in die Tat umzu- setzcn. Denn dann wären die Feinde frei von. allen Hemmungen, bann könnten sie schalten und walten, wie sie wollten, dann könnten sie gegen bie Bevölkeruna unter Kriegsrecht vorgehen und könnten das Staats- und das persönliche Eigentum nach eben demselben Recht behandeln. Alle »nd alles wäre dann vogelfrei. Würde der jetzt waffenlose Kampf von unserer Seite in einen Kampf mit Waffen umgewandelt, dann würde das Ruhrrevier, das wirtschaftliche Herz Deutschlands, zu einem Trümmerhaufen. Damit allein wäre es aber nicht getan: Die ganze deutsche Wirtschaft wäre ruiniert, und die politische Einheit Deutschlands könnte in diesem Falle ebenfalls n i ch t m e h r erhalten werden.
Das Ruhr-Opfer.
Spende des Kasseler Stadtparlaments.
Sine in mehrfacher Hinsicht bemerkeuswert« AnSsprache gab eS i t der gestrigen Ättfie er Stadtvervrdneten-Dersanimlnng bei der Dr> totKtgunfi eines Beitrag« für die Ruhrspende. Den bereits bekanntgegebenen Antrag deS Magistrats der Stadt Kassel, eine halbe Million Mark für die Notleidenden im Ruhrgebiet zu bewilligen, begründete der sozialdemokratische Stadtverordnete A st e r o t h. Ich bin überzeugt, erklärte dieser, sich zu den Stadtverordneten wendend, daß Sie gern einen höheren Betrag bewilligen würden, aber in Anbetracht der bedrängten Lage unserer Stadt und mit Rücksicht darauf, daß wir durch die b cs o nd er e N äh >> d e s R u h r-! Gebiets mehr als eine andere Stadt betroffen werden und in der Zukunft noch belastet werden können, bitte ich, der Vorlage zuzustimmen. Zudem ist der Kampf noch nicht abgeschlossen, und es ist nicht unwahrscheinlich, baß wir noch einmal in die Lage versetzt werden, uns mit der Gewährung einer Unterstützung zu beschäftigen. Im Auftrage der demokratischen Fraktion erklärte Stadtverordneter Hornschu, baß der Betrag von einer halben Million Mark für eine Stadt mit 160000 Einwohnern zu minimal ist. Auf den Kopf der Bevölkerung lomimen kaum drei Mark. Die demokratische Fraktion tritt deshalb für Erhöh nngder Spende ans eine Million Mark ein. In diesem Sinne äußerte sich auch für bie Freie bürgerliche Vereinigung der Stadtverordnete Geck, ebenso für das Zentrum der Stadtverordnete Schwab. Bürgermeister Brunner unterstrich die Asterothshchen Ausführungen, daß wir wolfl nickt das letztemal belastet sverdcn. Außerdem werden Wir auch durch
die Sorge für die Flüchtlinge sehr in Anspruch genommen. Wie die Verhältnisse der Stadt Kassel bestellt sind, wurde bereits vcS Oestecen dargelegt. Es ist dem Magistrat sehr schwer geworden, schon bie Summe der Vorlage zu beantragen. Wir haben große Not, in dieser Zeit durchzukommen. Das Wort ergriff dann der demokratische Stadtverordnete Sanitätsrat Dr. von Wild. Er hob hervor, daß es der großen Mehrzahl der Kasseler Bürger auch schwer sollt, größere Beträge flüssig zu machen für einen Zweck, für den unbedingt Gelder vorhanden sein müssen. Wenn die Stadt Kassel jetzt eine halbe Million bewilligst so muß dabei zumindestens zum Ausdruck kommen, daß es sich um eine erste Rate handelt. Anders können Wir nicht von den Bürgen: unserer Stadt verlangen, daß sie Z-hntausenoe hergeben, die unter den obwalten den Verhältnissen gegeben Werden müssen. Mit dieser Formulierung, bte Dr. v. Wild vorschlug, erklärte sich Bürgermeister Brunner einverstanden und die Bewilligung einer ersten Rate von einer halben Million für bie Ruhrspende wurde einstimmig ausgesprochen.