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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Rümmer 63

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 16. Marz 1923.

Mmnriiir~in ivwiTiii um uiiihih'

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Wtzer und Franzosen für unsere Vergiverke.

Die Ausgewiefenen.

Auerfchiitterliche Pflichttreu«.

Von

Dr. Herbert Stegemann.

Unter dem täglich wachsenden Druck der Feinde hat sich erfreulicherweise im ganzen Deutschland das Solidaritütsgefiihl, das in den ersten Zeiten nach dem Zusammenbruch und dem Versailler Diktat nahezu völlig ausgeschaltet war, wieder mehr gestärkt, und das Schicksal der Ver­hafteten und Ansgewiesenen findet im unbesetz­ten Deutschland mindestens einen Teil der tiefen Anteilnahme, die ihm gebührt. Die Zeitungen bringen kurze Biographien der Märtyrer des Deutschtums, und von feiten der Reichsregierung geschieht, soweit es unsere Ohnmacht erlaubt, alles, um das Los der Ausgewiesenen und ihrer Familien zu erleichtern. Die ungeheu­ren Ausgaben und die dauernde Anspannung, die uns unser Abwehrkampf an Rhein und Ruhr auferlegt, darf uns nicht dazu verführen, gcwis- ftrnurßen unsere Verwundeten auf dem Felde liegen zu lassen und die Opfer, die der einzelne Ausgewiesene bringt, gering zu schätzen. Im un­besetzten Gebiet protestiert es sich überaus leicht und bequem, und wir dürfen keinen Augenblick vergessen, daß gerade die Verhafteten und Aus- gewiefenen die Hauptträger des deutschen Wider­standes waren und im vordersten Schützengraben lagen.

Gewiß ist auch das Los des unbesetzten Gebietes in den gegenwärtigen Tagen schwer und nichts kann irriger sein, als die hin und wie­der im besetzten Gebiet verbreitete Vorstellung, daß das unbesetzte Deutschland herrlich und in Freuden lebte. Die wirtschaftlichen Schwierigkei­ten, unter denen Deutschland leidet, dürsten im unbesetzten Gebiet kaum wesentlich geringer sein als im besetzten. Mer was das besetzte Ge­biet ebenfalls an Lasten dem unbesetzten vor­aus hat, ist die t ä g l i ch e und stündlicheBe- drückung durch die fremden Eindringlinge, das Aufhören feder, auch der bescheidensten per- sönftchen Freiheit und die andauernde nervöse Unruhe, die die französischen Provokationen mit sich bringen. So kann es keinem Zweifel unter­liegen, daß trotz aller Lasten, die auch das un­besetzte Gebiet trägt, gerade das besetzte Gebiet in patriotischer Opferwilligkeit an erster Stelle steht und daß den Leuten des besetzten Gebietes, die sich dorr als Vorkämpfer des deutschen Wi­derstandes dem feindlichen Vernichtungs- und UnterdrückungSwillen entgegengestellt haben, der tiefste Dank und die wärmste Anerkennung des gesamten Vaterlandes gebührt Es muß als eine nationale Ehrensache gelten, jeden Einzelnen, der durch die feindliche Willkür aus seiner Heimat im besetzten Gebiet vertrieben wird, und da­durch Dinge verliert, die wir im unbesetzten Ge­bier kaum zu ermessen vermögen, nunmehr als einen Helden und Märtyrer aufzunehmen und alles zu tun, um ihn materiell und moralisch das, was er verloren hat, vergessen zu machen. Er hat gswiß nur getan, was seine Pflicht war, Aber er hat um dieser Pflichterfüllung willen gelitten.

Dieses Leiden hebt ibn aus der großen Schar aller derer heraus, die jetzt nach langen Fahren der Schlaffheit für das deutsche Vaterland arbei­ten und dulden. Trögt aleich der Verhaftete und der Ausgewiesene das Bewußffein einer vater­ländischen Tat in sich und sindet darin reicheren Trost, als die menschliche Teilnahme zu gewäh­ren vermag, so sollten wir doch nicht vergessen, daß gemeinsame Hilfe in gemeinsamer Rot die Grundlage jedes Volkslebens ist und daß auch das moralisch selbstverständlich der An­erkennung und der Aufmunterung bedarf. Er­scheint es so mtf der einen Seite nötig, den Mär­tyrern des Deuffchtirms nun im unbesetzten Ge­biet jede Anerkennung und Fürsorge zuteil wer­den zu lassen, so sollte man auf der anderen Seite die grundsätzliche Brandmarkung der Verrä­ter, die sich der Besatzung zur Verfi'iavna stel­len, noch mehr ausgestalten und im unbesetzten Deutschland vollständige Verräterlisten «um Ab- dru-k bringen. Man darf Wohl kaum hosten, daß diese Verräter sich durch den Druck der öffent­lichen Meinung und die allgemeine Verachtung von ihrem verbrecherischen Treiben abbalten las­sen werden, aber es wäre mit. wenn man diesen L-uter- begr-iflich machen könnte daß noch nicht aller Trrae Abend ist. daß man mit ibnen abrech­nen wird, sobald die Franzosen »rrückoeben.

Für nieder? Rastu-en ist der Egoismus noch, immer der beste Zahlmeister, die Fvr-hs noch .irnmer die beste Triebkraft aewesen. Heute be­wegt sich ein Teil der Feiglinge und 'Verräter im besetzten Gebiet noch immer in dem Wabn. selbst tm Falle eine- sranröstschen Rückzuges würde ebnen nichts Nnanaeuebmes paMeren 'wd das. was sie zur Schmach Deutschlands begehen, werde bei der bekannten Gutmütigkeit des deut­schen Rationalchorakters bald vergessen sein. ES wäre gut, wenn diese Leute beute schon begriffen, daß man ?bre Taten nicht vergessen und daß man mit räucher Faust zupacken wird, sobald

die DerhMnisse eS gestatten. Die wenigen Er­folge, die der Franzose bisher im Ruhrgebiet erreicht hat, wären ohne die Mitarbeit der Ver­räter ganz unmöglich gewesen. Urft» deshalb ist die rechtzeitige Abschreckung Lieser Verräter nicht, nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung für den glücklichen Ausgang unseres Abwchrkampfes. Es wird mit diesen Verrätern nicht so kommen, wie Theodor Storm in seinem schönen Gedicht gesagt bat: -Laßt sie, wenn frei die Herzen klopfen, verschol­len und vergessen sein, und mischet nicht die Wer- muttrvpfen in den bekränzten deutschen Wein!" Das, was wir erlebten, ist zu gramvoll und furchtbar, als daß man vergessen könnte.

Die FranzofenWiMür.

Besetzung, Verhaftungen, Ausweisungen. (Vrivat-Telearamm.s

Remscheid, 15. März.

Eine Kompagnie des französischen Infante­rieregiments 21 hat gestern die Stadt Rem­scheid besetzt. Bon Velbert sind die Truppen wieder zurückgezogen, nachdem sie die Schutzpolizei durch Ausweisung entfernt hatten. In Lennep ist noch immer eine starke Besat­zung. Die Stadtausgänge sind sämtlich besetzt. Alles darf in die Stadt, aber niemand heraus.

Ms Geiseln verschlepvt.

Essen, 15. März. (Privattelegramm.) Im Laufe des gestrigen Tages wurde in Steele der Amtsgerichtsrat Dr. Kermitz und Geheimrat Dr. Wirtz verhaftet. Die beiden Herren wurden nach Aussage des Zivilkommiffars in Bredeney als Geiseln festgenommen. weil am Tage zuvor die militarisierte Eisenbahnstrecke Steele-Horst von unbekannten Tätern an einer Stelle unbrauchbar gemacht worden ist.

Deutsche Schriftleiter verhaftet.

Dortmund, 15. März. (Privattelegramm.) Gestern früh erschien ein französisches Komman­do in Stärke von 25 Mann mit Maschinengeweh­ren, besetzte die Betriebsräumc der Dortmunder Zeitung" und schritt zur Ver­haftung einiger Redakteure. Die Gesuch­ten waren aber nicht auf der Redattion anwe­send. Nach einer Stunde rückten die Franzosen wieder ab, während welcher Zeit sie die auf den Schreibtischen liegenden Manuskripte und die eingegangene Post durchstöberten. Hierauf bega­ben sie sich zu den W o h n u n g e n der Gesuchten und verhafteten die beiden Redakteure.

Zm Mwehttampf. Tutschließung de» Arbeitgeber-Verbände.

(Privat-Telegramm.z

Berlin, 15. März.

Bei der Besprechung der Ruhrfragen faßten die Arbeitgeberverbände eine Entschließung zum ungeschwächten Durchhalten. Sie danken ihren Brüdern imbesetztenGebietfür das, was sie in diesen schweren Tagen für Deutschlands Ehre und Wohl tun und leiden. Sie geloben, in unerschütterlicher Treue zu ihnen zu stehen, sie in dem schweren Kampf um Frei­heit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung mit allen Ärftftett und Mitteln zu unterstützen und ihnen jede mir mögliche wirtschaftliche Erleichte­rung zu gewähren, denn der Kampf am Rhein und an der Ruhr ist unser aller Sache. Auf Ge­deih und Verderb find wir deuffchen Arbeitgeber mit Rheinland und Westfalen und seinem Schick­sal verbunden. Die deiftfrve Arbeitgeberschaft tritt in treuer K a m e r a d s ch a f t mit der deut­schen Arbeiter- und Angestellten­schaft hinter die kämpfenden und duldenden Brüder im altdesetzten und Einbruchsgebiet. Sie ist sich indes bewußt, daß es gilt, unter grästten Schwierigkeiten monatelang zäh durchzuhalten und daß die letzten Reserven daran gegeben wer­den müssen, um die Freiheit zuriickzügewinnen.

Rvhrhtife der Landwirtschaft.

Berlin, 15. März. (Privattelegramm.) Nach Mitteilung des Reichsausschusses der deut, scheu Landwirffchast find in den ersten sechs Wochen bis «tm 10. d. Mts. für das Ruhrgebiet inSnesamt m-chr als 14W Wagen mit Lebens­mitteln aller Art verladen worden.

DermiMungö-Gerüchte.

Wird England feine Haltung ändern?

(Eigener Drahtbericbt.l

London, IS. Mvrz.

In hiefigen politischen Kreisen treten jetzt hartnäckige Gerüchte aus, die fich schlecht nachprü­fen lassen. Man kann fle wie folgt zusammen- faffen: Nachdem der deutsche Reichskanz­ler durch nichtamtliche britische Stellen eingc- ladcn worden sei, seine Pläne bekannt zu ge­

ben, sei man jetzt hier zu der Ansicht gelangt, daß die BrüsiÄrr Besprechungen doch zu einer Vermittlung führen können. ES heißt, Dr. Cuno werde aufgefordett, zu erklären, ob er bereit sei, Vorschläge aus Amerika anzunehmen und ob er den Gedanken einer Wirtschafts- Konferenz zur endgültige« Entscheidung des Reparationsstreits unterstützen werde. Hochge­stellte Persönlichkeiten, die aber nicht unmittel­bar mit der Regierung in Verbindung stehen, zeigen eine große Bettiebsamtcit nach dieser Richtung. Man spricht von der Aussicht, Bonar Law könne gezwirngen werden, in einer um­schriebenen Weise Frankreich klar z« machen, daß der Tag der friedlichen Regelung gekommen sei. Der Minister des Aeußern veröffentlicht heute eine ausführliche Antwort auf die Berliner Er­klärung über die deutschen Eröffnungen vom Dezember 1922. Es wird darin anerkannt, daß der deutsche Botschafter Dr. Maver am 7. De­zember dem Direktor der politischen Abteilung am Quai d'Orsetz den Wunsch der Reichs, regierung, drei Großindustrielle um» zwar Stinnes, Klöckner und Silbcrberg. möchten in Paris empfangen werden, übermittelt hat

Franzosen in den Gruben.

Als Ersatz für Streikende.

(Privat-Telegrammst

Essen, 15. März.

Die französische Regierung hat der Jngenieur- kommission im Ruhrgebiet mitgeteilt, daß etwa viertausend französische bezw. elsässi­sche Bergarbeiter für die Arbeit in den deuffchen Schächten zur Verfügung ständen und daß auSsichtsreikk Verhandlungen mit Belgien im C-ange seien, um auch belgische Arbeiter für den genannten Zweck zu erhalte«. Im übri­gen hat die Fngenienrkonnnission den Plan ge­faßt, bei Nebernahme des Betriebs der deuffchen Bergwerke bei etwaiger Weigerung der deutschen Arbeiter diesen ein Ultimatum zu stel­len. das ihnen im Falle des Beharrens in der Weigerung die Ausweisung von der Zeche und auS ihren Wohnungen androht.

linier feindlichem Feuer.

Französische Schießerei in Lürw».

(Privat-Telegrcnnm.l

Dortmund, 15. März.

In Lünen entstand, angeblich, weil von deutscher Seite ein französischer Posten an der Biktoriaschule beschossen worden sein sollte, eine regelrechte Schießerei. Sämtliche Wachen wurden alarmiert, Maschinengewehre in Stellung gebracht «nd die Straßen abgesperrt. Alle ankom- urcndrn Zivilisten wurden festgenom­men und auf Waffen durchsucht. Eine im Stadtiunern patrouillierende Polizeimann­schaf t, die mit der ganzen Sache nicht das Ge­ringste zu tim hatte, wurde von den Franzosen umstellt und. entwaffnet. Nach mehreren Stunden wurde« von den zahlreichen Verhafte­ten etwa dreißig wieder entlassen. Um fernerhin derartige Ereignisse hintanzuhaften, hat der Orts­kommandant den verschärften Belage­rungszustand verhängt. Jeder Verkehr von st Uhr abends bis morgens 6 Uhr ist gesperrt.

Schnellfeuer aus einen Süterzug.

Gelsenkirchen, 15. März. (Privat-Teke- gramm.) Der fahrplanmäßiae Gütcrzug Wanne- Bottrop, der 1,40 Uhr nachts den Bahnhof Gel­senkirchen--alke passierte, wnrde auf der Nord- strrnbrücke aus einer Entfernung von dreißig bis vierzig Meter von den Franzosen durch Zeichen aufgefordett, zu halten. Trotzdem so sott alle Bremsen einsetztcn, rutschte der Zug noch einige Meter über die Brücke hinaus. Die Franzosen eröffneten soAeich ein wütendes Schnell - feuer auf den Führerstand der Lokomo­tive «nd verwundeten de« Heizer durch zwei Brustschüffc schwer.

Die Lage in Duer.

Weiterer Proteststreik der Bergarbeiter. lPrivat-Telearamm.)

Buer, 15. März.

Nachdem die Bergarbeiter auf der Zeche Westcrbold die Arbeit uiedergelegt ha­ben, wird nun auch auf den Zeche» BergmannS- glück und Scholweu gestreikt, weil die Fran­zosen Ne dort liegenden KokSvorräte abtranS- porkreren lassen wollten. Dir Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung schreibt in ihrem heuttgen Leltcrttfkrl, daß die Note der Reichsregierung wegen der Zwischenfälle in Buer rnttäufcht hat. D«S Blatt «refft ben Vorschlag desMan- chestrr Guardian" auf, eine neutrale Stu- dienkommission ins Ruhrgebiet zu entsen­den und betont, daß es Sache der Rrichsregie- ruag sek, für eine wirksamere und geschicktere Propaganda Sorge zu tragen.

Die jüngste Großstadt.

Buer in Westfalen.

Da infolge vcS Morde; in Bner und der SwrecrenS- tzerrfchast der Franzose« jtent viel von dieser Stadt die Rede ist, wird unseren Leser« die «achstrhende Scchtkvrrnng (Von Arnold Könnet) willkommen sein.

ES ist gerade ein Jahr her, daß man, zum efftenmale, von Buer sprach. Damals dachte noch niemand an die Möglichkeit solcher Schandtaten, wie sie die Franzosen jetzt in Buer begangen haben; damals feierte Buer etn freudiges Er­eignis: die Ankunft seines yunberttausendsten Bürgers in Gestalt eines kleinen BergmannSlköch- lerchenS, des elften Kindes dieser gesegneten Fa­milie. Seither, fett dem X Februar 1922, ist Buer in die Reihe der deutschen Großstädte eingetreten, deren jüngste eS bis zum heutige« Tage geblieben ist. Aber wenn man hier von Großstadt spricht, darf man nicht die Maßstäbe anlegen, die man sonst mit dem Begriff einer Großstadt verbindet. Biler ist nicht nur die jüngste deuffche Grotzstadi, eS ist eine der aller-' jüngsten Städte überhaupt, uikd es hak erst im Jahre 1911 Siadkrechte erlangt. Dabei ist die Landgemeinde Buer, im Kreis Recklinghausen gelegen, durchaus nicht etwa eine neue Siedlung. Ganz im Gegenteil: Bncr ist nicht viel weniger als ein Jahrtausend alt; denn im Jahre 1003 wird zum erstenmal einer OettlichkeitPuire" urkundlich Erwähnung getan. Freilich weiß man ans der Geschichte des Ottes bis an die Gren­zen der Neuzeit so mit wie nichts; der Ort ge­hörte zum Bistum Köln und bildete im Mittel- alter mit der umgebenden Landschaft die Frei­heit V-uer, mtf deren Boden eine ganze Anzahl Den Mi-ergeschlechtern ihre feften Burgen batte. Inmitten der Freiheit Buerda, wo sich noch heute der Mittelpunkt der Stadt befindet, stand eine prächtige romanische Kirche, deren Ornamente zum Teil noch heute tot Museum aufbewahrt sind.

Man darf sich unter der retten Stadt aber auch baulich noch fein einheitliches, vollständig miteinander verwachsenes Gemeinwesen vorstel­len. Der Kern, B u e r - M i 11 e, der rnttner noch am volkreichsten ist, hat dreißigtaufend Bewoh­ner; an ihn gliedern sich mehrere andere Otte" wie Erle, Hassel, Beckbanfen; aber Mischen bett' einzelnen Ortsteilen, früheren selbständigen Ge­meinden, liegt noch viel frekkS Land und diese weiten, grünen Flächen, die im Sommer keines­wegs ohne landschaftliche Reize find. geben der htngett Großstadt für die Zukunft die Möglich­keit zu einer Entwicklung, die sich wesentlich von der anderer junger Industriestädte unterscheidet. Wie ein Gelöbnis für diese kommenden Zeiten wirkt der Neubau des Rathauses von Buer, der mit seiner reichen Gliederung nnd feinem stolzen Turm völlig frei inmitten iveitgedehnter,' grüner Anlagen steht.

Fm Herzen der Stobt, am Altmarkt, in der Hochstraße und Essener Straße mifcht sich jüngste Eirtwicklung Mit Ueberkommenem aus früheren Kleinst adttagen. Es spricht nicht gegen die Stadt, daß ihr Bild noch vorwiegend diesen Kleinstadtcharakter trägt, und daß die groß­städtischen Errungenschaften, khrr modernen Kaufläden, der zn manchen Stunden recht leb­hafte Verkehr, noch ein wenig fremdartig in der Umgebung anmuten. Aber Lebhaftigkeit ist ia überhaupt kein Merkmal nur der großen Stadt; eS gibt in Deutschland genug aroße Städte, biti stiller sind alS manche an Volks zahl weit klei­nere Genieinwefen. Und so findet man tot Het­zen von Buer Vetkehrspimkte, an deren zu ge­wissenZeiten lebhaftes Treiben herrscht; we­nige Minuten abseits freilich gähnt die ver- träumte Stille etrer scheinbar schlummernden Kleinstadt. Diese Gegensätze sind doll Reiz, zu­mal in sonnigen Frühlings- und So-mmettage«, wenn über den weiten, grünen Flächen und Fel­dern, wenn in den Strnnen der alten Kafimnen- bäirme die Vögel zwitschern und Weiße Wolken am blauen Himmel sieben. Aber in dieser jun­gen Industriestadt reckt sich auch in ihren charak­teristischen scharfen Linien die moderne Tech­nik empor; mächtige Fördcrtürme. langgestreckte Hütten und Halden, dröhnende Maschinen und schwarzer Qualm der Schornsteine lassen erken­nen, was in einem einzigen Menschenalter die­ses Gemeinwesen hat »irr Großstadt werde« lassen.

Buers monumentalstes Bauwett kst jedoch nicht das stolze neue Rathaus auf freiem Platze; es ist die prächtige UrbanuSkirche, ein ao»' tt scher Bau von gewaltigen Abmessungen, dessen bundett Meter hoher Turm der höchste STtnfitrmr in ganz Westfalen Ist Trotz feiner Massigkeit überragt er schlank und elegant die Stadt, und das reiche Arabeskenwerk des flgürltchew Schmucks dieses GotteShaufeS verleibt ihm hohen künstlerischen Reiz. Ai'ch tot Inner« ist die St. UrbairuS-Kirch« etoe SehenSwürdftffett, «nd die mächktoe Orgel hat toeR und Brett nicht ihresgleichen.

Schon eimnal in feiner Geschichte hatte Buer unter franzöfffchen Drangsalen schwer zu leiden. Es war im April 1757, als französische Truppen