Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
Nummer 65
Sonntag, 18. Marz 1923
13. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 953
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Nur eine private Fühlungnahme.
preise und Löhne.
Eine Beständigkeit T
Der halbe März liegt bereits hinter uns und wir sehen immer noch nicht klar, wie die feit Anfang Februar von der Rcichsregiening eingelei- tdc „Stabilisierungs-Aktion", auf deutsch die Maßnahme zur Währungs-Stetigkeit, weiterge- siihrt werden soll. Die Festigung der Mark ist ja auf absehbare Zeit gelungen, wenigstens wird von amtlicher Seite erklärt, daß die Regierung genügend Devisen besitze, um gegen jeden Versuch der Marlverschlcchtcrung ein greifen zu können. So ist also damit zu rechnen, daß für Wochen, vielleicht Monate, die M a r k zum Dol- l a r int Verhältnis von etwa zwanzigtausend stehen bleiben wird. Man will die Zwanzigtau- scndmark-Grenze nicht wi^er überschreiten kaffen, nm den Verbrauchern eine stetige Preislage zu schaffen. Man will aber auch nicht unter diese Grenze gehen, um 4er Industrie, die bei hohem Dollarkurs eingekaust hat, nicht noch größere Verluste zuzufügen, die zweifellos Betriebsein- schränknngen zur Folge hätten. Im Zusammenhang damit steht die P r e i s b e w e g u n g. Auch darin ist es gelungen, auf den meisten Gebieten einen Rückgang herbei,zuführen. Vor allem macht sich dieser Rückgang bemerkbar bei Waren, die vom Auslände bezogen werden, zum Beispiel Kaffee, Kakao, Tee, Reis, Fett, Getreide, sowie bei Rohprodukten. Die inländischen Preise sind mittlerweile gefolgt, aber nicht im gleichen Maße, sondern um ungefähr zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent. Es gibt auch Gegenstände, die weniger oder gar nicht billiger geworden sind und manche, die trotz allem noch gestiegen sind. Dabei besteht ein beträchtlicher Unterschied zwischen den Großhandels- und den Kleinhandelspreisen. Die Rückgänge htt Großhandel, wie sie zum Beispiel auf Auktionen festgestellt werden, haben sich noch nickst auf den Einzelverkauf übertragen, weil die Zwischenstufen, Verarbeitung, Transportkosten, die Mckwärtsbewegung unterbrechen. Immerhin mußte, wenn die Festigkeit der Mark lange genug anhält, auch dieses Hindernis überwunden werden.
Jedenfalls geht die Regierungspolitik darauf hinaus, die Preise weiter zu senken, wobei vielleicht die Banken durch Krediteinschränfimgen mitwirken werden, damit die Kagerbestäude gelockert und in Verkehr gebracht werden. Für die Kaufleute ist dies keine beneidenswerte Lage, wenn, wie es vielfach geschieht, die Kundschaft onsbleibt und mtf billigere Preise wartet. Da tanckit nun die große Frage auf: Werden die Preise noch weiter sinken? Eine bestimmte Antwort darauf wäre sehr gewagt, denn niemand kann politische Zwischenfälle vorans- sehen, die die Wirtschnstslaae beeinflussen. Soweit die kein wirtschaftliche Seite in betracht gezogen werden kann, haben sich Leipziger Kauf- leute nach Beendigung der Messe geäußert. Sie machen keine Hoffnung auf weitere wesentliche Derbilliauna. Ihre Ansicht begründen sie damit, daß manche Waren im Januar nicht den beben Dollarsiai'd erreicht hätten, also auch nicht so stark znrückgeben könnten, außerdem seien alle Waren, die einen langen Weg der Verarbeitung durchlaufen müßten, von den Lohnen beeinflußt, die noch nicht zurückaeganoen, zum Teil weiter gefticnen feien.
Es ist richtig, bas; die Löhne und Gehälter nicht zurückgegangen sind, was sich sehr ein» mch daraus erklärt, daß sie bei dem durch die Geldentwertung verursachten Ansteigen der Ziffern weit hinter den Preisen zurückgeblieben waren. Wenn also Valuta und Preise auf ihrem knigen Stand stehen bleiben, wären die Löhne hn Vergleich zu d-n Ziffern des .i-andelsindex oder des Lebeusbaltungsinder nicht z» hoch. Es ist nun ei" Teil des Reffierungsprwramms. bei der Schaffung einer allgemeinen Wertbeständigkeit auch die Entlohnung der Arbeit auf einen festen Stand zn bringen. Geben die Preise weiter zurück, so sollen auch die Löhne und Ge hAter verringert werden: bleiben die Preise stehen, sollen auch die Löhne und ltzebästcr unverändert bleiben. Diese Absicht ist aber schon heim ersten Versuch auf Schwierigkeiten gestoßen. Atz die Regicruna beschloß, an den staatlichen Besoldungen den Anfang zu machen -und für März feine neue Nachzahlung zu bewilligen, lehnten sich die Fübrer der Veämten-Ver- bände und -Gewerkschaften dagegen ans. Verhandlungen im Reichs-Finanzministerium hatten daraufhin das Ergebnis, daß doch eine Erhöhung der Drtszuschläge erfolgen soll. Den Beamten, folgten die anderen Gewerkschaftsvertreter, deren Beratungen noch im Gänge sind. Inzwischen werden an einigen Orten im Reiche Lohnstreitia- keiien ausgesochten, um die Sätze auf eine bestimmte Höhe zu bringen, wobei man wieder mit Streik nnd Aussverruna kämvst.
Es wäre wirflich zu wünschen, daß end- licb einmal eine Stell äfft t ins Wirtschaftsleben firme. Jeder Angestellte, Arbeiter und Be- antte wurde es begrüßen, wenn die Kosten für eie Lebenshaltung einen Ruhepunkt fänden der-
tfolle mii
neuen Ma
bei
Fahnenflüchtige Belgier.
Bottrvpp, 17. März. (Privattelegramm.) Unter den belgischen Truppen kommen täglich Desertionen vor. Mit Sicherheit ist ftfigestelft, daß in den letzten Tagen von de« ans der Mühle Spickenbaum mttcrgebrachten Belgiern drei- zehnManndesektiert sind. Schon einige Tage vorher waren «ms einem andern Quartier vier Mann geflüchtet. Di« Desertionen sind muso bemerkenswerter, atz die Dienstzeit bet dort liegenden Belgier am 1. April beendet ist und die belgischen Offiziere ihren Soldaten et» flirt haben, saß sie in einigen Tagen von anderen Truppen abgelöst würden. Die Soldaten schenken also diesen Erklärungen keinen Glauben.
Belgische Vropaganva.
Bottrop, 17. März. (Brivatelegramm.) 8« welchen Mitteln die Belgier greifen müssen, um die Stimmung in der Heimat zu Leeiuflttffen, zeigt folgender Vorfall: Die Einwohnerschaft Bottrops iß überwiegend katholisch. Die Männer gehen an den neben den Straßen aufgeßrll- ten Kreuzen nicht vorüber, ohne das H au p t zu entblößen Bor einigen Tagen stellten die Belgier neben einem Kreuz eine belgische Fahne auf und photographierten die grüßenden Einwohner und die Fahne, aber so, daß das Kreuz nicht auf die Platte kam. Die Ausnahmen find schon in den belgischen Zeitungen veröffentlicht worden.
; Aus bem besetzten Gebiet.
Die Nottage der Krankenhäuser.
(Privat-Telegrmnm.)
. —. Bochum, 17. März.
Infolge der Gütersperren durch die Besatzungsbehörden geraten fetzt die Krankenhäuser in Rot. So iß z. B. das Augustakrankenhaus in Bochum ohne jeden Vorrat an Narkose- mittel u, die für ein Krankenhaus unentbehrlich sind. Drei Kästen mit diesen Narkosemitte l>« lagern seit Anfang Februar in der Güterabfertigung in Kalk bei Köln und werden in das Sperrgebiet nicht Hereingelaffen. Auch Morphium und Mkshol kommen infolge der Güter sperre nicht nach Bochum. Die zuMndigen Siel, len haben bei der Besatzungsbehörde Schritte unternommen, damit die Einführung lebenswichtr. ger Güter in das Sperrgebiet ermöglicht wird.
Der Kohlenrauv»
Gelsenkirchen, 17. März. (PrwaiMgramm.) Französische Truppen begannen im Hafen der Zeihe Bismarck mit dem Verladen von Kohlen. Darauf wurde dcnt'chcrseiis jede Arbeit im Hasen eingestellt. Dir Arbriters«hast ist in einen »4-stitNdigen Proteststreik cingeiretcn. Die Truppen bemühen sich, die Kohlen ohne andere Mithilfe selbst abzuttansporticren.
Neue Besetzungen.
WeiLererVortnnrfch der feindliche« Truppe«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Elberfeld, 17. März.
Der Bormarsch der Franzosen Über Vohwinkel hinaus um die englische Zone herum wurde auch gestern fortgesetzt. Weit in das b e r - gische Land hinein sind Kavalleriepatrouillen vorgedrungen und haben in mehreen Ortschaften Quartiere bezogen. — Belgische Trupyrnab- teilungen haben die Rheinhäfen Walsum und Schweiger und den Thyffen-Hafen besetzt. Tie Rhein-Werkstätte der Gute Hoffnung - Hütte in Walsum ist bis jetzt noch nicht besetzt würden.
ort, datz keine neuen Forderungen gestellt z« werden brauchten. Besonders auch jede Hausfrau sehnt die Zeit der sesten Preise herbei, die es ihr ermöglichen, wieder mit einem bestimmten Haus- haltungsgekd zu rechne». Es war in den letzten Jahren ein niederdrückender Zustand, daß sie fast täglich ein Wettrennen mit den steigenden Preisen veranstalten mußte und von Geschäft zu Geschäft eilen, um zu sehen, wo die Ware noch billiger zu kaufen war. Und wie würden erst die
Die Vemrttttungsfrage.
eine private englische Fühlungnahme. (Eigener Trahtbericht.)
Berlin, 17. März.
In hiesigen gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß in allettürzester Frist eine maßgebende englische Persönlichkeit in Berlin eintreffen wird. Es handelt sich um den Direktor der Bank von England, Montagne Norman«. Dieser halt sich feit einiger Zeit in Paris auf und dürste beim Erscheinen dieser Meldung bereits seine Reise von Paris nach Berkin ange- treten haben. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen datz er in Paris mit maßgebenden französischen Kreisen, wenn nicht mit Mitgliedern der franzSflschen Regiernng über die Richrfrage gesprochen hat. Rormann kommt, wie versichert Wirb, nickst als offizielle englische Persönlichkeit nach Berlin, aber es ist in den letzten Jahren fast zur Gewohnheit geworben, daß private Persönlichkeiten in kritischer Zeit das Gelände sondieren und mit den Eindrücken, die sie auf der einen Seite empfangen haben, bei den anderen Regierungen ihre Schritte unternehmen.
England HÜN flch amtlich jurfltf.
London, 17. März. (Eigene Drahtmeldung.) Reuter berichtet: Da weitere Gerüchte über eine Vermittelungsaktion im Umlauf sind, wirb nochmals festgestellt, daß Großbritannien an feiner Neutralittät gegenüber der Ruhrfrage festhält nnb bie Auffassung vertritt, daß bie offenbare Lösung darin bestehen dürfte, daß Deutschland in Frankreich u. Belgien sondiert.
Küntrollmaffnastmen angesagt, an denen sich wiederum auch belgische und französische Offizier in Uniform beteiligen werden. Halbcmrttich Wirb zu ber fremden Militär-Kon- Steilt, baß die Reichsregierung bie ahmen außerordentlich' bedauert. Es lleibt ihr nunmehr nur übrig, die Oeffentlichkcit darauf hiuzutveisen. baß die fnmzöstschen und belgischen Mitglieder ber Interalliierten Militär-Kommission für uns nicht als Vertreter ihrer Regierungen, fondern als Organe einer interalliierte« Körperschaft gelten, in ber auch solche Mächte vertreten sind, bie sich an dem Ruhr-Einfall nicht beteiligt haben. Die Reichsregierung weist darauf hin, daß Ausschreitungen gegenüber de« französischen und belgischen Mitglieder« ber Kommission ber Reichs reaierung unübersehbare außenpolitische Schwierigkeiten bereite« würbe«.
Unter MMMrkoMwlle.
Gegen die Franzosen nnd Belgier.
(Privat-Telegramm 1
Berlin, 17. März.
Zwischen dem Auswärtigen «Bit und ber amtierten Militär-Kommission bat während der setzten Wochen ein Schriftwechsel ftatfeefunben über bic Beteiligung von fron zösifchen mtb belgischen Offizieren an Kon- trollhandlungen bet Kommission. ES ist der deutschen Regierung nicht gelungen, bic Kommission zu bewegen, die Beteilimmg ber französischen und belgischen Offiziere vo-läusig zurück,«stellen, im Grgentefl. die Kommission erklärt, datz sie die bis zum 15. März geübte Rücksicht «nfgeben muß unh daß die französischen und belgisch"« Offiziere künftig a« allen Kontrollhandfimgen b e - ttillftt fein werten. Die Kommission Hai be- rrtts für Ende der nächsten Woche eine Reihe
Aus alten Briefen.
Zustände tote heute.
Da toi» uns beute in einem nationalen Elend befinden, ist cs angebracht, einmal an ähnliche Seiten ju erinnern. «US alten Briefen hat Dr.A SaaS folgende Schilderungen entnommen.
Frankfurt, 8. August.
„In Frankfurt ist alles tätig und lebhaft, und das vielfache Unglück scheint nur einen allgemeinen Leichtsinn bewirst zu Haden. Die
atmen, alten Rentner ausatmen, wenn sie einmal eine Besserung der Verhältnisse wahrnehmen könnten. Kann man sich schon Hoffnung machen? Man darf heutzutage nicht zu optimistisch sein. Während sich mancherlei Ausgaben des täglichen Bedarfs verringern, gibt eS andere, die sich vermehren. Glücklicherweise werden zunächst einmal mit dem beginnenden Frühjahr die hohen Heizur.gSkosten geringer und die Beleuch- tungskosten vermindern sich. Dagegen werden die Mietpreise durch die hohen Abgaben und Steuern außerordentlich gesteigert. Würde wirflich, im Ganzen genommen, eine Beständig- feit in den Preisen und Löhnen erreicht, dann wäre damit schon eirt Lichtblick eröffnet. K. F. D.
Millionen Kriegskontributioucn, di« man im vorigen Jahre den vorgedrungenen Franzosen hingegen mußte, sind, so wie die Not jener Augenblicke, vergessen, und Jedermann findet eS äußerst unbejuem. daß er nun zu den Interessen und Abzahlungen auch das Seinige beitragen soll. Ein jeder beklagt sich über die äußerste Teuerung und fährt doch fort, Geld auszugeben und den Luxus zu vermehren, über den er sich * 'iobe ich auch schon einige wun
derliche md unerwartete Ausnahmen bemerken können." .... „Ein Patriot beklagt sich, daß nach der Revolution keine Revolution sei, und daß gerade Alles «och seinen alten aristokratischen Gaiig gehen wolle. Natürlicherweise hat. wie überall, die liebe Gewohnheit nach den ersten lebhaften : Bewegung wieder ihr Recht behauptet, und alles
sucht sich wieder auf die Füße zu stellen. .."
Frankfurt, 18. August.
„Es wäre vielleicht eine für die gegenwärtige Zeit intereffante Untersuchung, darzustellen, wie das VE den Regenten, die nicht ganz absolut regieren, von jeher das Regiment sauer gemacht. Es wäre dieses absolut keine aristokratische Schrift; denn jetzt leiden alle Vorsteher der Republiken an diesen Hindernissen." Franksurt, 19. August.
„Bon dem großen Spitt um Geld, das hier gespielt worden, hört man überall reden. Es gehört diese Seuche mit unter die Begleiter des Kriegs; denn sie verbreitet sich am gewaltsamsten zu den Zeiten, wenn großes Glück und Unglück auf der allgemeinen Wagschale liegt, wenn bie Glücks güter ungewiß werben, wenn der Gang der öffentlichen Angelegenheiten schnellen Gewinnst und Verlust auch für Par- tikuliers erwarten läßt. ES ist fast in allen Wirts- bäufem gespielt worben, außer im Roten Haust. Die eine Bank hat filt einen Monat, mir fürs Zimuwr ... bezahlt. Einig- Bankiers haben Frühstück und Abendessen aufs Anständigsie für die Pointeurs austragen lassen. Jetzt, da man nach und nach von seilen dos Rats diesem liebel zu steuern sucht, deicken bie Liebhaber aus andere Auswege. Aus dem Sandhofe, aus deutsch- herrischem Gründ und Boden, hat man eine kostbare Anstalt einer neuen Wirtschast errichtet, die gestern mit dreißig Couverts eröffnet wurde. Die Möbel sind auS der Herzoglich Zweibrückischen Auktiem, tote btt ganze Einrichtung überhaucht sehr elegant fein soll. Dabei ist alles zuletzt auf6 Spielen angesehen.
Tas Hauptinteresse sollte eigentlich gegenwärtig für die Frankfurter die Wiederbezahlung ihrer inneren K ri egSf chulden und die einfÄveMge Verinterefsterung derfelben fein; da aber die Gefahr vorbei ist, haben wenige Lust, tätig mitzuwtrken. Der Rat ist hierüber in einer unangenehmen Lage; et nnb der wackere Teil ber Bürger, der sein bares Geld, fein Silber- oeschtrr, seine MvnzküvIneNe und wo» sonst noch des edlen Metalls vorrätig war. freiwillig hin- gab, bat nicht allein damals kflerdurch und durch die persönlichen Leiden der rveggeMrtekt Geisel« die Stadt und den egoistische» flüchtigen Teil der Reiche» vertreten und gerettet, sondern tft auch gutmütig genug gewesen, für bte nicht Schutzve^ wandten, als bic Stifter, Klöster und deutschen Orden ufw., die Kontributionen in der Masse mitzuerlegen. Jede Art von neuer Abgabe drückt irgendwohin, und unter den hundert und mehr Menschen, die mizusprechen hüben, findet sich immer Einer und der Andere, der die Last von seiner Seile ganz w«MUwälzen versucht.
Frankfurt, 20. August.
„Ein Jeder hat fu erzählen, wie es ihm üt jenen gefährlichen und kritischen Tagen ergangen, wobei denn manche lustige und abenteuer- iche (^schichten vorkommen. ... Der Franzose ist nicht einen Augenblick still, er gebt, schwatzt, bringt, pfeift, sinnt und macht durchaus einen ölchen Lärm, daß mim in einer Stadt oder einem Dorfe immer eine größere Anzahl zu höre» glaubt, als sich dri» befinden. ... Wenn man rfrrc Svrache nicht versteht, werden sie unwillig; sie scheinen diese Forderung an die ganze Welt zu machen: sie erlauben sich alsdann mancher, um sich selbst ihre Bedürfnisse zu vcrfckrnfsen. Auch er.zÄhlt man von ihnen nwncheS E r p r e s - 'ungSgeschichtchen unter allerlei Vorwänden, wovon verschiedene lustig genug sind. So sollen sie an einem Orte, wo Kavallerie gelegen^, beim Abzüge verlangt haben, daß man ihnen den Mist bezahle. Als man sich dessen geweigert, setzten sie so viel Wagen in Regnsiticm, als nötig waren, Mtt diesen Mist nach Frankreich zu führen; da man sich denn natürlich ent-
Frankreichs Mißerfolg. ■
Die französische Industrie gegen Poincar«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 17. März.
„Journal industrielle" verstchert, daß die Ruhraktion ohne vorheriges Befragen der französische« Großindustrie unternommen morde« sei. Sie gibt ihr Bedauern zu verstehen, daß Poincar« die Großindustrie auch jetzt noch nicht zu Rate ziehe. Rach Angaben des Blattes sind feit Begin« der Aktion nur einige SSa6= gons Koks aus Deutfchland nach Frankreich gelangt. Die französische Metallindustrie habe dadurch allein Mvanziq Millionen Franken ei«- gebüßt. Das Blatt crHärt mit frappierender Offenheit, daß Arbeitslosigkeit, Teuerung und selbst sozialistische flnruhen in Frankreich zu befürchten seien, falls eS nicht gelinge, die vierhunderttausenv Tonne« Koks «ach Frankreich zu schassen, die angeblich im besetzte« Ruhrgebiet versandbereit liegen.