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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Kasseler Neueste Nachrichtm

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Nummer 67. Fernsprecher 951 und 952 Mittwoch, 21. März 1923. Fernsprecher 951 und 952 13. Jahrgang.

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Frankreich wartet auf deutsches Geld.

Börse und Geldmarkt.

Die Schwierigkeiten.

Die Lage an der Börse und am Geld­markt ist weiter außerordentlich unsicher und lustlos. Die Effekten-Verkäufe von Handel und .Industrie, namentlich aus Kreisen des Wa­ren- und nicht zuletzt des Getreide-Handels, hal­ten an. Die großen, nach Milliarden zählenden Verluste verschiedener Getreidefirmen, die unter, deffen auch zusammengebrockien sind, haben zahl­reiche Bestände gelöst. Mele an der Produkten- dürfe beteiligten Kreise mußten zu zwangsweisen Effektenverkäusen schreiten. Die Zahlungs­schwierigkeiten im Getreidehandel dürf­ten auch noch nicht abgeschlossen sein. Wie die Dinge liegen, sprechen übrigens viele Anzeichen dafür, daß auch noch weitere Zusammenbrüche im Warenhandel und in den auf unsolider uno Schein-Basis aufgebauten Unternehmungen, die in den letzten Jahren entstanden sind, erfolgen. Daß gerade die Getreidefirmen am stärksten be­troffen wurden die Verluste gehen hier durch­schnittlich in die Milliarden liegt daran, daß hauptsächlich auf diesem Gebiet spekulative An­sammlungen von Vorräten in Erwartung der Ausnutzung der Devisen-Steiqernng vorgenom­men wurden. Da auch das Publikum sich wie­der mehr zurückMt, das zum großen Teil En­gagements in Effekten löst, fft die Tendenz ge­genwärtig nach unten neigend, und es ist auch keine Aussicht, daß in absehbarer Zeit nach die­ser Richtung hin ein Wandel Eintritt

Die Tatsache, daß die Deviscnsenkung zu einer durchgreifenden Preissenkung bisher ncai nickt geführt hat, daß vielmehr nicht nur die Kosten für die täglichen Lebensbedürfnisse zum Teil weiter gestiegen sind, sondern auch Rohm-, terialien weiter im Preise anziehen, man denke nur an die jetzt zehntaufendfache Verteuerung des Papiers, an die Preise der Kohlen, von denen doch alles im industriellen und privaten Leben abhängt, und an die fabelhaften Holz- preise diese Tatsache hat es auch mit veran­laßt, daß gewissermaßen zwangsweife eine Geld­flüssigkeit herbei geführt werden mutz. Das P u - blikum ist geldlich nicht mehr so beweg, u n g s f r e i wir das bisher der Fall war, trotz der großen Vermehrung der Zcchlimgsurittrl. Diejenigen, die auf einem kurzen Atem bet Reichs bank bei ihrer. Devisen-Senkungs-Aktton spekulierten, sind die Hineingefallenen. Es ist merkwürdig zu beobachten, daß gerade die ge­rissensten Spekulanten sich unter den Leidtragen­den befinden. Aber es sind auch Anzeichen dafür zu beobachten, daß die soliden Mrtschaftskrene, die den Grundsatz der Geldflüssigkeit auch in den schwersten Zeiten gewahrt haben, jetzt erheblich in Mitleidenschaft gezogen sind.

Die Anpassung ist jetzt zum großen Teil vollzogen. Und aus der Stellungnabme der Regierung ergibt sich, daß sie fürs erste, wenn nicht ganz besondere Umstände es notwendig machen, eine Fortsetzung ihrer Aktion nicht beabsichtigt. Es muß jetzt vielmehr das Augen­merk auf die Erhaltung der gegenwärtigen Basis gerichtet werden. Allerdings wollen wir keinen Zweifel darüber lassen, daß die jetzige Situation auch sehr große Gefahren für die künftige Preisgestaltung in sich birgt. Wäh­rend wir nämlich bis jetzt beobachten konnten, daß zwischen der Innen- und Antzenbewertung der deutschen Mark eine recht erhebliche Span­ne war, und daß es doch immer eine geraume Zeit dauerte, bis der JnlandSwert der Mark dem Außenwert folgte, sehen wir jetzt, daß sich die Inlands preise fast reMos der Auslands- bewertung der Mark anaeqlichen haben. Und hierin liech eine große Gefchr. Denn bei jeder weiteren Steigerung deS Dollars würde man unter Hinweis auf die jetzige Situation die so­fortige unmittelbare Angleichung der Inlands­preise an die Außengeltung der Mark vollrieben.

Gerade auch aus diesem Punkt ist es bedauer­lich daß es bis jetzt nickt möglich war, die Senkungspolitik in eine wirkliche Preis s?n- kunqsvositik überzuleiten. Daß bis jetzt noch verbältniSmäßig wenig Warenlager zwangs­weise aufgelöst werden mußten, zeigt, in welch ungeheurem Ausmaß Bestände aufgestaveli hntr. den. Beispielsweise wollte man in unterrichte­ter Kreisen in Berlin wissen, daß allein in der Reickshauptstadt Papier aller Sorten für einen Bedarf von mindestens einem Jahre angebäuft ist. Die kleineren Kaufleirte freilich sind gezwun­gen, allmählich mit ihren Waren herauszukom- men, und so kann man auch in steigendem Maße Waren-Angebvte beobachten, wobei Kon­ventionspreise teilweise nm über die Hälfte un­terboten werden. Die Reaie-Tung wird aber, da? alcnrben wir sagen zu können, ihr Augenmerk auf die Preispolitik im Großhandel weiter rich­ten und nur noch eine Frist gewähren. Würde bann die Zursichbaltima in svekusativer Erwar- tnng fortaesekt, so bliebe nichts ander-s übrig, als die Devisen-Reserven erneut in Bewegung zu setzen und den Dollar weiter hinunterzudrük- ken. Für Engagements auf dem Geldmarkt ist die jetzige Zeit die denkbar UMünstigste. Die

Gefahren, die die Spekulation an der Börse in Devisen und auch in Effekten mit sich bringen, und das große Risiko, das damit ver­bunden ist, sind so drastisch aufgezeigt Worden, daß man wohl annehmen muß, daß bei nächster Gelegenheit mit größter Ueberlegung und Vor­sicht solche Verbindlichkeiten übernommen werden.

Frankreichs Finanznot.

Wen« die deutschen Zahlungen ausbleiben. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 20. März.

Im Finanzausschuß des Senats, der be- schloffen hatte, den Budgetentwurf der Kammer und die neue Anleihe des Fehlbetrags zttr Tek- kung des Fehlbetrags abzulehnen, erschien Poin- carö, um persönlich zu dem Beschluffe Stellung zu nehmen. Der Ministerpräsident erklärte, daß Frankreich sich infolge des Ausblei­bens der deutschen Zahlungen in einer ungewöhnlichen Lage befinde. Der vor­handene Fehlbetrag decke sich mit bett im Rückstände befindlichen deutschen Zahlungen. Der Betrag mutzte daher unter die wiederein­treibbaren Ausgaben verbucht werden; nur aus Korrektheit habe man ihn in die ordentlichen Ausgaben übernommen. Die Regierung habe von der Kammer eine besondere Steuer verlangt, wonach ein Zuschlag von zwei Zehn­teln von allen vorhandenen Steuern erhoben werden soll. Die Kammer hat diesen Vorschlag abgelehwt und gegen die Ansichten der Re­gierung einen Antrag auf Aufstellung einer neuen Anleihe angenommen. Zweifellos stehe die Kammer jeder neuen Steuer im Augen, blick ablehnend gegenüber. PoincarS bat den Scnatsausschutz, den unter solchen Umständen eingebrachten Budgetcntwurf gegebrnfalls zu vcrbeffern u. zu kritisieren, aber nicht abzulehnen.

Seibftfchutz-Organisattonen.

Der frühere Frekkorpsführer verhaftet.

(Vrivat-Telegrmnm.)

Berlin, 20. März.

In einer Versammlung von jüngeren Leuten in Wannfee ist der frühere Freikorpssübrer Ober, leutnant Roßbach verhaftet worden. Die Versammlung wurde aufgelöst. Es ist gegen ihn ein politisches Ermittlungsverfahren wegen drin, genden Verdachts des Verstoßes gegen das Re- vubliffchntzgesetz im Gange. Rach Abschluß die. fes Ermittlungsverfahrens wird Roßbach dem Richter zugeführt. Unbeschadet von diesem ge­richtlichen Verfahren wird ein vom Obcrpräsi- bentcit von Oberschlesirn gegen ihn erlassener Schutzhaftbefchl vollstreckt werden. In Ober- schiessen wurden auf Veranlassung Severings vier Unterführer von Selbstschutzorganisa­tionen durch sächsische Schutzpolizei verhaftet unp alsbald nach Leipzig gebracht-

Englandhalt zu Frankreich.

Die arme» ..bedrohten Franzosen".

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 20. März.

Lord Robert Cecll, der demnächst nach Ame. rika fährt, sagte zu Pressevertretern, er habe in seinen Besprechungen mit Franzosen gefunden, daß diese die Reparatjons - und Sicher- heitsfrage als ein unzertrennbares Ganzes betrachten. Frankreich dürfe noch mehr »-er­langen (!) und zwar die Entmilitari- s i e r u n g der Rheinland« und die K o n t r o l. le über die rheinischen Eisenbahnen. Hierdurch werde die Souveränität nicht verkleinert (?) und die Besatzungsdauer nicht verlängert. Es werde am besten sein, wenn Frankreich von sich die Initiative ergreife, um sowohl die Reparations. wie die Sicherheitsfrage vor den Völkerbund, deffen nächste Versammlung trat 10. April statt- finde, zu bringen. Sonst aber könne sowohl England, wie auch jeder andere Staat nichts tun. Daß aber der Gedanke, Westdeutsch» land unter eine weitgehende Aufsicht zu stellen, au» schon in den Kreisen deS englische» Liberalismus Anhänger gefunden habe, wird von demObserver" bestätigt. Es heißt, daß gewiffe Leute in Enaland gleich den Franzose» vorschlügen, das Rheinland und auch da» Ruhr, gebiet z« internationalisieren. (!)

FranzSsifcfie Vropsgavvarevea.

L o n d o n, 20. März. (Eigene Drahtmeldung.) Der französische Minister Loucheur hielt itt Gre­

noble eine bemerkenswerte Rede. Er sagte «. a das Deutschland von heute werde von den Ver­tretern der BiSmarckschen Schule regiert und sei noch keineswegs a»f demokratischen Grundsätzen aufgebaut. Wer sei denn eigentlich in Deutsch­land Träger der Autorität? Der Reichstag, der noch im ersten Freiheitsgestammel begriffen sei oder die Staatsmänner? Frankreich sei in das Ruhrgebiet einmarschiert, um sich be» zahlt zu machen. Deutschland solle sich ja nicht einoilden, daß es imstande fei, Frankreichs Entschluß rückgängig zu machen. Auf der Brüs­seler Konferenz habe Frankreich die B e d i n - gungen mitgeteilt, unter denen eS das Ruhr­gebiet zu räumen bereit sei. Außer der Rrpara- tionsfragc müsse Frankreich seine Sicherungen im Auge behalten. Das Rheinland müsse von Deutschland losgelöst werden.

Unter der fremden Gewalt.

Die Versuche der Kohlentransporte.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 20. März.

Der französische Arbeitsminifter traf gestern in Düffeldorf ein und besuchte die Grube Kon­kordia, auf der die Besatzung im Begriff ist, drei­tausend Tonnen Koks für Frankreich zur Ver­ladung zu bringen. Dann fuhr er nach Esten, um den französischen, belgischen und italienischen Ingenieuren für ihre bisher erzielten Erfolge (?) Anerkennung ausznsprechen. In einer Unter­redung mit ftanzösischcn Pressevertretern erklärte er, daß Ende dieser Wollte vom Lagerplatz der Konkordia ungefähr achttausend Tonnen pro Tag al ira u S P votiert werden können. (?) Er Hobe den Rhein-Herne-Kanal besichtigt, an dem die Deutschen Mittel anwandtcn, um die Schiff­fahrt zu zerstören. Der Schiffsverkehr könne aber sofort wieder ausgenommen werden. Der Mini­ster kehrte gestern nach Paris zurück.

Geiseln und ©träfe.

Essen. A). März. (Privattelegrmmn.) Ge­nera! Fournier hat durch Maueranschlag die Fest- nahme der Geiseln bekannt gegeben und aus- brfidlid) erklärt, daß der Mörder deS französi­schen Postens unbekannt ist. Die Geiseln würden in Freiheit gesetzt, sobald der Urheber der Tat den Franzosen übergeben fei. Falls der Schul­dige nicht entdeckt wird, behält sich der General vor, der Stadt Essen eine Geldstrafe in ftstzusetzendcr Höhe aufzucrlcgen. (S. 2. Seite.)

Fortgesetzte Brutalität.

Essen, 20. März. (Privatielegramm.) Zwei Kriminalbeamte wurden von den Fran­zosen in den Handelshof geschleppt und dort so schwer von ihnen mißhandelt, daß einer der Kriminalbeamten dienstunfähig ist.

Aus dem besetzten Gebiet.

Mißglückter Etsenbahn-Sprengversuch.

(Privat-Telegramm.)

Hagen i. W., 20. März.

In der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag ttmrde von unbekannter Hand versucht, die Eisenbahnuntersührung bei Vorhalle. Vollmarstein unweit des Gutes Schönfeld an der militarisierten Strecke Borhalle-Ap- pingen-Boehlle zu sprengen. Sie wurde aber nur geringfügig beschädigt. Die Franzosen vor- hafteten sechs Personen, darunter einen Dircfior. Um die Brücke wieder Herstellen zu lassen, nah. men sie Spaziergänger fest und holten die Ein­wohner aus den Häusern. Diese mußten in ihren SonntagsNeidern Steine tragen und die Brücke wieder instand setzen helfen. Um 4 Uhr wurden sie aus dem Frondienst entlassen.

Die Franzosen gegen die Gewerkschaften.

Krefeld, 20. März. (Privattelegramm.) Gestern haben die Franzosen die L i st e der Ge­werkschaftsführer verlangt und die Stadtverwal­tung aufgefordert, diese Männer ihnen innerhalb der nächste» Tage zur Verfügung zu stellen.

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Die Bus gewiesenen.

Koblenz, 20 März. (PrivattelEMUN.) Die interalliierte Rheinlandkommission hat dem Kom­missar für die besetzten Gebiete eine A u s w e t - sungSliste von insgesamt 334 Personen über­sandt. ES handelt sich bei den Ausgewiescnen hauptsächlich um Post- und Zollbeamte, außerdem Um eine große Anzahl von Lehrpersonen, Eisen- bahnbeamten und verschiedenen Redakteuren. T!e Zahl der aus dem altbefetzten Gebiete Busgenne- scncn hat nunmehr fünfzehnhundert überschritten.

Hessische Gorgen.

Tragödie unserer Landstraßen.

aS Ereignis der gestrigen Vollfitzung des 51. Kommunallandtag« in Staffel bestand in nnwiderleglrthen Darlegungen iiber den jammervollen Zustand des Verkehrswesens, das einstmals der Stolz von Segen gewesen ist. Es steh« zu fürchten, dast in absehdarer Zet« viele »tragen gesperrt werden mllssen- Der Kommunallandtag trat gestern nachmit­tag wieder einmal zu einer Vollsitzung zusam­men. Seine Verhandlungen ziehen i«h ganz außerordentlich in die Länge. Präsident v. K eu- d e k l stellte öffentlich fest, daß di« Geschäfte nicht so gefördert worden sind, wie es gotvünscht wer­den muß. Das bezieht sich vor allem auf die Ausschußberatungen. Jetzt hofft der Präsident, daß der Landtag feine Arbeiten am Mittwoch be­enden kann. Das Wesentlichste der gestrigen Sit­zung war die an anderer Stelle toiebergegcbcne Beratung über den Zustand unserer hei fischen Verkehrswege. Wir sind bereits gewohnt, bei vielen Befürchtungen ruhig zu bleiben und der Zukunft die Besserung wenigstens in der Hoffnung zu überlassen, aber ... technische schwere Schäden, wie die an unseren Straßen, sind in ihren Wirkungen mathematisch genau und unschwer zu errechnen und geben der Hoffnung auf Besserung in künftigen Zeiten keinen Raum. Es ist in der Tat unglaublich, daß die Staats­regierung in ungewöhnlich geringer Einsicht heute wie vor zwanzig Fahren fünfviertel Mil­lionen für den hessischen Straßenbau überweist! Hinzrl kommt, daß die Fahrzeugindustrie, die man heranziehen will, jede entsprechende Gestal­tung deS in Betracht kommenden Gesetzes nach Möglichkeit zurückhält. Bei Fortdauer der Stel­lungnahme des Reiches, des Staates und der Interessenten ist mit mathematischer Sicherheit im kommenden Winter die Periode beS direk­ten Verfalls der wichtrgsten Verkehrs­wege in Hessen vorauSgesagl! DaS Befahren solcher Strecken mit Kraftfahrzeugen wird dann allein auf eigene Gefahr beS Fahrenden noch möglich sein. Schon heute gleicht manche Straße d-enWegen", die unS auS Rußland bekannt sind. Nicht auszudonken ist die Möglichkeit, daß wert­volle Kulturgüter das hessische Verkehrswesen zugrrmde gehen sollen. Und baS alleS nur dank der Bequemlichkeit der Regierung!

Eine ganze Anzahl Milliarden kön­nen das allein weitmachen, denn die Riesen- summe, die der Dezirksverbmrd schon in seinen Etat stellt, laugt kaum bin, das Allerdringendste notdürftig zu tun. Wohl oder übel muß man sich mit dem Gedanken vertraut machen, bei zu­nehmender Arbeitslosigkeit Zehntaufende von Leuten, statt sie hermnlaufen zu lassen, an die Straßenarbeit zu stellen. Pflicht der Abgeordne­ten aller Parteien Hessens ist eS, durch gemein­sames Vorgehen bei den zuständigen Stellen Sicherbeiten für die Zukunft zu erreichen und deren Hilfe herbeizuleiten. ES geht nicht länger an, nntägige Zuschauer der Tragödie unserer hessischen Landstraßen $u sein?

Die hessischen Allee».

Mit bitterer Ironie bemerkte der Abgeordnete Sautter-Kassel, daß eS in dieser furchtbaren Zeit da eS um Sein oder Nichtsein des VolkS- ganzen gebt, an häuslichen Unstimmigkeiten nicht fehlen darf. Er beantragte folgendes: .Der Kom- munallandtag ist mit dem bekannten Beschlüsse des LandesaiisschnsseS einverstanden, wonach die bestehenden Hauptalleen nach Möglichkeit geschont und daher nicht auS finanziellen Erwägungen beseitigt werden sollen. In diesen Alleen sollen nur die den Verkehr hindernden und abständigen Bäume beseitigt werden. Insoweit hierdurch Nenpflanznngen auf größeren Strecken notwen­dig werden, follen diese nach forfttechnischen Grundsätzen bewirkt werden. ES handelt sich, wie der Abgeordnete hinzusügte, für uns nickt darum, ob, foudern wie wir unsere Alleen schützen. Auch sie sind nicht von ewiger Dauer. Wer ihre Erhaltung wünscht, »ich ihre inneren Werte künftigen Geschlechtern sichern will, darf vor nötiger Neuvflanzung nickt zurückschrecken. Niemand kann ohne fefber zu schaffen, Erhalter nnd Schützer sein. In ähnlichem Sinne äußerte sich Landeshauptmann von Gehren. Unsere alten hessischen Alleen sollen geschont und ge­schützt werben, soweit bieS möglich ist. Er er­klärte da? ausdrücklich vor aller Oeffentlichkeit. Bevor der oben wiedergegebene Antrag des .HauptauSsckusseS einstimmige Annahme sand, stellte Präsident v. Keudelk fest, baß der Alleenstreit nunmehr in einer allen Kreisen weit entgegenkommenben Weise geschlichtet worden ist.

Versuche mit Kleinpfiaster.

Zugestimmt wurde ferner der Aufnahme einer Kleinpflasteranleihe von 250 Millionen. Es handelt sich um einen ersten Versuch, mit die­sen Mitteln und unterstützt durch Gemeinden und Industrie Kleinpflaster wiederherzustcllen. Die Anleihe ist zu tilgen in fünfzehn Jahren. Die 250 Millionen stellen einen Rahmenbelckeid