Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Nummer 70» Fernsprecher 951 und 952 Sorrrraöerrd, 24. März 1923. Fernsprecher Wl und 953 13. Jahrgang.
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Einigkeit zwischen Nord und Süd.
Gefahren im Osten.
Der tttauisch-polnisch-rus sische Streit.
Des Kanzlers Münchner Neöe.
Die Lage an den Grenzen der Osüänder spitzt sich zu. Gegen die gewaltsamen Veränderungen K'chen Memel und Litauen, sowie zwi- Polen, Galizien und Rumänien baden die Russen erneut Einspruch erhoben. Sie beschränken sich nicht auf Vorstellungen in Wilna und Warschau, sondern wenden sich gleich cm, die richtige Adresse nach Paris, wo die Wurzel alles Uebels steckt. Der russische Außenminister. Tschitscherin hat dem französischen Ministerpräsidenten Poincarö mitgeteilt, daß die alliierten Regierungen für allen Schaden. der aus der Grenzverwirrung der Oftländer entsteht, verantwortlich gemacht werden. Die Protestnote deutet zugleich an, daß der jetzige Anstand nicht anerkannt wird, woraus über kurz »der lang ernste Verwicklungen entstehen müflen. Es war also eine kurze Freude für den .allmächtigen* oder wenigstens Allmacht markierenden Botschastrrrat der Alliierten, der letzthin wieder einmal Weltkarte genlacht hat. In den Berichten über die in Paris abgehattene Sitzung wird kund und zu wissen getan, daß die im Rigaer Vertrag festgesetzte polnisch-russisch-litau- i s ch e Grenze vom Botschasterrat anerkannt und Wilna Polen zugesprochen wurde, während über Ostgalizien und die polnisch-rumä- nischeGrenze noch keine endgültige Entscheidung gefällt ist. Aber sowohl gegen die endgültigen wie gegen die -nichtendgültigen Entscheidungen protestiert nicht nur Rußland, sondern alle Interessenten. So erklärt die Warschauer Regierung, daß sie auf der Einverleibung von Ostgalizien bestehe, während die Regierung der Sowjetukraine in einet Rote an die Ententeregierungen das Selbstbestimmmngsrecht für die Bevölkerung Ostgakiziens fordert und sich gegen die geplante Annektion durch Polen verwahrt. Diesem Einspruch kommt umso mehr Bedeutung zu, als nach den Meldungen aus Moskau auch die r « s s i s ch e Sowjetregierung dahinter steht und diesen Protest unterstützt. Aehnlich liegen die Dinge in bezug auf die Absteckung der polnisch-rumänischen Grenze, bei der die alliierten Regierungen den polnischen Forderungen weit entgegengekommen sind, wogegen Rumänien Einspruch erhebt.
Handelt es sich hierbei um Fragen, die noch in der Schwebe sind, so wird aber mich gegen die endgültigen Entscheidungen von den Beteiligten oder genauer gesagt den Benachteiligten Stu»« gelaufen. So hat der litauische Gesandte in London im Auswärtigen Amt Protest gegen den Beschluß der Botschasterkonferenz, durch den Wilna Polen zugesprochen wird, er« hohen mit der merkwürdigen Erklärung, daß diese Entscheidung den Grundsätzen, für die die Mliierten und mit ihnen die Litauer gekämpft hätten, widerspreche. Daß die Litauer sich nachträglich zu Kampfgenossen des Weltkrieges zu stempeln versuchen, ist auch einer von den blutigen Witzen der Weltgeschichte. Was Ober besagte Grundsätze betrifft, worunter die alliierten Phrasen vom Selbstbestimungsrecht der Völker verstanden werden, so hat kaum irgend jemand so sehr dagegen gefrevelt wie gerade die Litauer durch ihren, unter nachträglicher Sanktion der Alliierten verübten Gewaltakt an dem rein- deutschen Memelstaat, der wider alles Men. schen- und BMerrecht zu Mauen geschlagen wurde. Es ist daher sehr bemerkenswert, daß die litauische Regierung zwar die Bedingungen der Botschafterkonferenz betreffend das Memel- gebiet vorbehaltlos angenommen hat, aber die Wilna-Zession cm Polen als schweres Unrecht bezeichnet. Auf der anderen Seite wird von Warschau aus erklärt, daß »jeder, der die Zugehörigkeit des Wilnaer Kreises zur Republik Polen in Frage stellen wollte, darauf gefaßt sein muß, daß dieses Vorhaben rücksichtslos und mit Hilfe aller zu Gebote stehenden Mittel zurückgewiesen würde".
Die scharfe Sprache, welche Polen gegen Litauen führt, hat freilich tiefere Gründe, sie sind in der Memelfrage ja suchen. Man weiß, daß Polen sich ebenso wie Litauen aus den Memelraub spitzte und in dieser Beziehung weit- gebende Zusicherungen von Frankreich erhalten hatte! Aber die Litauer waren diesmal früher aufgeffanben und haben klügere Politik getrieben. Den Franzosen war in diesem Rennen um Memel die Rolle der blamierten Mttteleitro- päer zugefallen, und es ist gerichtsnotorisch, daß der Kommandeur von Memel, Herr Petisnö. bei dem Einbruch ins Memelland auf polnische Freischaren gerechnet hatte urtb sehr unangenehm überrascht war. als die erwarteten Polen sich als Litauer entpuppten. Hat Frankreichs Prestige bei den Ostvölkern durch den unrühmlichen und pi ogrammwidrigen Ausgang deS Memel-Abenteuers einen schweren Stoß erlitten, so lehrt ein Blick in die polnische Presse, daß man in Polen keineswegs geneigt ist, die Entscheidung über Memel als endgültig hinzunehmen, wobei das Endziel sichtlich die „Vereinigung" Polens mit Litauen, will sagen die Annektion Litauens
Erklärungen über die Reichspolitik.
München, 23. März. (Eigene Drahtmeldung.) Im bayrischen Landtag wurde Reichskanzler Dr. Cuno, wie Überall, herzlich begrüßt. Die Rede des Reichskanzlers dauerte etwa vierzig Minuten. Sie wurde an verschiedenen Stellen mit starkem Beifall aufgenom- men, der sich mehrfach zu brausenden Kundge- bnngen gestaltete. Das betrifft namentlich die Stelle der Rede, bei der der Kanzler sagte, daß die Behauptungen der französischen Regierung über das deutsche Verhalten vor Ausbruch des Krieges als erfunden ober entstellt erwiesen seien. Ferner gab eS brausende Zustimmungskundgebungen bei dem Satze des Kanzlers, daß
ohne eine Räumung des Ruhrgebiets keine Verhandlungen stattfinden können. Er erklärte sich gegen eine Loslösung des Rheinlandes und verficherte, daß an den angeblichen B er mittlungsbitten der deutschen Regierung keinwahresWort sei. Auch die Auslassung des Kanzlers, in der et die Parteien ermahnte, die Austragung der Gegensätze zurückzustellen, würbe mit Beifall ausgenommen. Was wir a b - lehnen, sagte der Kanzler, und immer ablehnen müssen, das sind nicht die schweren Lasten, die wir tragen wollen, sondern die
Forderungen ,die über unsere Kraft, gehen, denn damit würde uns wieder ein Strick um den Hals geworfen werden, an dem der Gegner ziehen kann, wie es ihm beliebt. Richt nur um die wirtschaftlichen Leistungen, die über die Kräfte gehen, handelt es sich, die zu einem PreiSgeben des eigenen Lebens führen würden, sondern um unsere politische Vernichtung unter dem Titel „Die Sicherung Frankreichs acaen das entwaffnete Deutschland". Das ist eine Fälschung des Namens der „Sicherung". Daß im Rahmen der eigenen Staatshoheit noch das wehrlose Deutschland zu Abkommen be
reit war, benwist daS Abkommen bezügfich des Rheinlandes und unsere Bereitwilligkeit, dem Gedanken auch die Form zu geben.
Eingriffe in die Staatshoheit aber sind unerträglich.
Verbindung von Nord und Süd.
CunoS Verhältnis zu Bayern. (Eigene Drahimeldung.)
München, 23. März.
Besten Eindruck machte es in der Rede des Reichskanzlers, als er über sein Verhältnis zu Bayern sprach. „Ich bin in diesem Lande kein Fremder. In meiner Tätigkeit in Reich und Wirffchast habe ich stets Verbindungen von Nord und Süd zn pflegen gesucht. Mein Wirken in München galt damals der Gründung deS „Bayrischen Lloyd", dessen Auf- sichtSraj ich angehörte. Als wir auf dem Trümmerhaufen der alten deutschen Handelsflotte wieder eine neue Handelsflotte zu bauen hatten, war ein Schiff mit dem Namen „Bayers das erste, dnrch das die Hamburg- Amerika-Linie den Verkehr zwischen den Bereinigten Staaten und Hantbnrg wieder ausgenommen hat. Wenige Tage, bevor der Ruf des ^eichßpräsidenteu an m-ch erging, hatte ich in München Gelegenheit, mit dem Ministerpräsidenten von Knilling über Fragen der inneren und äußeren Politik z't sprechen und hier war eS auch, wo ich die telephonische Aufforderung erhielt, das Amt als Reichskanzler zu übernehmen, das ich heute genau vier Monate führe. Eine starke Stütze ist mir das Bewußffein, daß eine alte, gerade, ehrliche deutfche Poli- tik nach innen und außen die Unterstützung Bayerns finden wird." Am Schluffe der Rede wurde dem Reichskanzler durch lang andauernde Zwischenrufe und Händeklaffchen gedankt.
ist. Freilich eine ziemlich aussichtslose Spekulation, da außer Litauen rnttb Sow- jetrnßland nnirsdet, das ebenso gegen Po-len wie Polen gegen Rußland rüstet. Alts alledem geht hervor, daß die gewaltsame »Lösung" des Memelproblems alles eher als eine endgültige ist, wie sie auch weder von den Memelern, noch von Deutschland anerkannt werden kann. Und so hat die selbstherrliche, kurzsichtige Diktat- volitik der Alliierten ebenso wie ftn Westen, auch im Osten die Grundlos für unbegrenzte Kampfmöglichkeiten geschaffen, die auch für Deutschland, vor allem für das von litauischer wie von polnischer Begehrlichkeit bedrohte, durch die alliierte ZerWckelnnastakttk isolierte Ostpreußen eine ernste Gefahr bedeuten. Dr. -k.
In der britischen Sone.
FrauzSsifch-englkscheVerkehrSverhandlungen (Eigene Drahimeldung.)
■ Düsseldorf, 23. März.
Zwischen den Engländern und Franzosen ist es noch zu keiner Vereinbarung über den Verkehr im besetzten Gebiet gekommen. Die Engländer haben drei Forderungen aufgestellt: 1. ES wird eine von französischen Kontrollposten freie Verbindung Köln-London geschaffen; die betreffende Eisenbahnlinie würde, wenn französische Kontrollposten auf ihr nicht vorhanden wären, von deuffchen Eisenbahnern geführt werden. 2. Die Belieferung der Industrie des englischen Besetzungsgebietes mit Kohlen, Eisen und Erzen auS dem unbesetzten und nenbesetzten Gebiet. 3. Ungehinderte Ausfuhr aller Waren ans dem unbesetzten Gebiet nachEngland. Der dritte Punkt soll noch dahin erweitert werden, daß die ungehinderte Warenausfichr vom englisch-besetzten Gebiet auch neutrale« Staaten gegenüber wirffam sein soll. Da die bisherigen Verhandlungen in Düffeldorf zu keinem Ergebnis führten, findet heute bei der Interalliierten Rheinlandkonnnis- sion eine neue Verhandlung statt, von deren Ergebnis die Klärung der Angelegenheit ab hängt.
Täglich neue Gewalttaten.
Maffenverhaftnng von Zoll-Beamten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Düffeldorf, 23. März.
Sämtliche Beamte des Zollamts des Landesfinanzamts Düsseldorf wurden gestern verhaftet, und zwar ein Regierungsrat, ein Zoll- mnttnann. sechs Lberzollinspektoren, drei Cber= zollsekretäre, vier Zollsekretäre, ein Kanzleibeamter, drei Zollwachtmeister, ein Angestellter, ein
Zollsupermnnerar und ein Stenerasflstent. Vom Finanzamt Essen-Land wurde Oberregie. rnngSrat Blechner verhaftet. Fetner wurden ausgewiesen bei der Zollinspektion Wittlich achtzehn Zollbeamte, bei der Inspektion Losheim fünf Zollbeamte, Aachen zweiundzwanzig Zollbeamte, Heinzberg fünf Zollbeamte. — OberzoL- fekretär Hehling von Lanzenauer, der Sohn des ousgewiefenen Landesffnanzamtspräsidenten, so- wie der Zollsekretär Spittler wurden z« drei Monaten Gefängnis »entWeilt; außerdem wurde auf eine Geldstrafe von 500000 Mark erkannt.
Scharfe Derkeffrseinfchrünkung fn Herne.
Herne, 23. März. (Privattelegramm.) In Herne hat der komandierende General scharfe Verkehrseinschränkungeu befohlen. Alle Lokale find von neun Uhr abends an gefchloffen zu halten. Mehr als zwei Personen dürfen nicht zusammen sein. Niemand darf auf der Sttaße stehen bleiben. Die Posten find angewiesen, bei Nichtbefolgen dieser Verordnung sofort auf Zuwiderhandelnde zu schieße«.
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<5le vervasten amy Frauen k
23. März. (Prrvatteleg-ramm.) Hier verhafteten die Franzosen zwei Frauen, ^itnngen auLgetragen hatten. Sie wurden tm Aitto abtransportiert. Der gestern verhaftete Portier der Zeche Minister Stein ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
<gln Arbeiter erschossen.
Fn der vorletzten Nacht wurde 8er Kessel- In detvotletzten Nacht wurde der Kessel« Heizer Hermann Droste von einem französischen Posten erschossen. Welche Umstände zu dieser neuen Bluttat führten, ist nicht bekannt.
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DilbersMrmerri brr Franzosen.
Esse«, 23. März. (Privattelegrcrmm.) Das Schreibwarengeschäft Fluttnann gegenüber dem Rathaus wurde von den Franzosen geschlos« fern Die sich ansammelnde Menschenmenge wurde mH Bajonetten auseinander getrieben. Die Schließung erfolgte, well im Schaufenster ein Bild Friedrichs des Große« hängte, daS die Un- terfchrist trug: ,ZridericnS Rex, JrnmortaliS".
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Gefesselt Ins Gefängnis I
Krefeld, 23. März. (Privattelegramm.) Der zu sechs Monaten Gefängnis verurteilte Schriftleiter titt „Reuß-Goevenbroicher Zeitung, Dr. Heinrich Stab, tontbe gefesselt von zwei französischen Gendarmen aus dem Gerichtsgefängnis nach Anrath überführt.
Anerbenrecht.
Degen das Zerschlage« der Landgüter.
Cin bee bemerkenswertesten Fragen, mH denen sich die am morgigen Sonnabend »u- sammentretende Vollversammlung der lut- yesststHen LandwirtsidaftSkammer belchSf- tiflrn wird, ist das Anerbenretdt, das Me alten Erbfilten in »nrhegen erhallen soll.
Die führenden Kreise der heimischen Landwirtschaft haben sich schon lange mit der Erd- rechtsfräge der bäuerlichen Bevölkerung beflißt, die gerade in der heutigen Zeit der Umaoandlung von Alttiberkommenem in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung ist. Wenn nun die Vollversammlung der Lanvlwirtschastskammer zu der Frage der Einführung eines Anerbe «rechter in unserem Regierungsbezirk Stellung nehmen soll, so geschieht dieS mit der Begründung, daß daS Erbrecht und das eheliche Güterrecht des Bürget- ffchen Gesetzbuches in bezug auf die Beter- bungderLandgüterim größten Teilr des Regierungsbezirks Kassel nicht den Vererbungssitten der ländlichen, besonders der Säuerlichen' Bevölkerung entspricht und daß aus diesem Grunde und zum Zwecke der Abwendung der nach der übereinstimmenden Ansicht landwirtschaftlicher Kreise unwirtschaftlichen Zerschlagung der Landgüter im Bezirk Kassel die Regelung der Erbfolge in den Landgütern durch ein besonderes Gesetz und Zwar im Sinne eines Anerben rechts als Intest at-Erbrcchts dringend erwünscht ist. Dieses Gesetz ist in allen Gebieten, in denen die Sitte der Naturalteilung der Grundstücke herrscht, nur unmittelbar zur Geltung zu bringen, indem die Begründung eines Landguts als Anerbengut nur auf Antrag derjenigen zuzulassen ist, die über da? Gut letztwil- lig verfügen können. Auf Antrag der Letzteren ist in diesen Gebietsteilen die Anerbengutseigen- schaft jederzeit zu löschen. Für den Regierungs- beizrk Kassel, so heißt eS in einer entsprechenden Vorlage der Landwirtschaftskammer, entspricht das Vorrecht deS älteren Sohnes, und in Ermangelung von Söhnen der älteren Tochter auf das Anerbengnt den herrfchende« Gewohnheiten und Rechtsanschauungen. Ei« derarttges Anerbengesetz besteht seit 1898 in der Provinz Westfalen. Es soll unter sinngemäßer Ueberiragung seiner Svnderbestinmmngen znm Vorbild genommen werden, allerdings mit einigen Ausnahmen. So wird jetzt angeregt, daß «u Bezirk Kassel bei Besitzungen mit einem Grund- üeuerreinertrag von weniger als 90 Pfennigen die Prüfung, ob sie ein Landgut im Sinne des Gesetzes darstellen, nur auf Antrag des Eigentümers zu geschehen hat. Der Voraus des Anerben ist auf ein Drittel des Anrechnungswertes, in der Grafschaft Schaumburg bis zur Hälfte zu bemessen. Eine besondere Anrechnung des Wirt» schastsinventars hat, mit Ausnahme des Schaumburger Kreises, nicht stattzusinden Selbstverständlich bedürfen die Bestimmungen über den Anrechnungswert einer Abänderung und Anpassung an die veränderten Verhältnisse. Die erforderliche Abfindung der Geschw i- st e r, di« nach dem Ertragswert zu bemessen ist, darf die Möglichkeit zur Erhaltung deS Landguts in der Familie und zur Fortführung der Wirtschaft nicht gefährden. Die Wertermittlung des Gutes und der Renten hat nach FriedenS- toert zu erfolgen unter Anwendung eines nach dem Geldwert schwankenden, nicht zu hohen Mul- iiplffators. Steht daS Anerbengut im Mtteigen- tum von Ehegatten, fo hat der überlebende Ehe» gatte Me Befugnis, den Anteil deS Verstorbenen an dem Gute zu übernehmen, wenn das Gut von seiner Sette herstammt. In Mesem Sinne wünscht die Landwirtschaft ein Gesetz eingeführt zu sehen. Zur Erleichterung der Abfindungsver- bindlichkeiien de? Anerben sind allerdings beson, der« Krediteinrichtungen notwenMg, und diese könnten am zweckmäßigste« durch den Ausbau der LandeSkrsMSaffe in Kassel erfolgen. «a=
Kulturkampf kn Sachsen.
ReligionSfeindliche Bestimmungen in Sachse«.
Der Reichstag erledigte am Donnerstag zu- näMt eine Reihe von kleinen Vorlagen, geneh- migte den Gesellentwurf über die Eintragung von Schiffspflmdrechten in ausländischer Währung, die <Meschiffcchrtsatte, das Vorbereitungs- gefetz zum ReichsenilaffnngSgesetz und die Aen- berunfl deS Fernsprechgebührengeset- zeS. wonach der einmalige Beittag von ttmsenp Mark, den die FernspreMeilnehmer im Jahre 1920 zum Ausbau des Fernsprechnetzes zahlen mußten, zurückgszahlt werden soll. — Dann beschäftigte flch das HcniS nrtt den sächsischen Fei' ertagserlassen aus Grund zweier Interpellationen. Me vom Zentrum und den Deuffchnattona- len efngebracht wurden. In der Zentrumsin- terpellatton wurde gegen die sächsischen Ver. ordrrnngen protestiert. wonach
an religiösen Feiertagen
Lehrern und Schulern keine UnierrichtSbesreiung zum Zwecke der Teilnahme an religiösen Handlungen gewährt werden soll und wonach jede Art