Nummer 86
Einzelnummer 130 Mk.
Sonnabend, 14. April 1923.
13. Jahrgang
Einzelnummer 130 Mk.
3nfertton5preife;*)EinheimischeAuftrag« Ti-etnfpalttgeAnzeiftenzeil- 200Mark,Fami- iiennachrichi-n, die Zeile IKO Marl sie einspaltige Reklame,eile 700 Mark b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Anzelgenzeile 200 Mark, die einspaltige Reklamezeile 700 Mark, alles ein. schließlich Teuerunzs,Uschlag und Anzeig-Nfteuer. Sät Anzeigen mit besonders schwierigem Latz hundert Projeni Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch ieralprech-'c anfgegebenen An. ,eigen, sowie kür Aufnahmedaten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden Druckerei: Schlachthosürabe 2H/30. »el»ast«stell.>: Kölnische Strafte 3. Telephon Nr. 9.31 und 952
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KaM Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitnng Hessische Abendzeitung
Ser AbweWille der Luhr-Gewerkschasken.
^Lächerlich geringe" Ausbeute.
P a r i s, 13. April. (Eigene Drabttneldung.) „Echo Rational" schreibt, dass trotz des unerschül- terlichcn Optimismus des Ministers für öffentliche Arbeiten die Requisition von Kohle und Koks im Ruhrgebie teilte lächerlich geringe Menge nicht überschreite.
Frankreichs Vernunft iss abkommanvtert.
Paris, 13. Avril. (Eigene Drahtmeldung.) Mehrere Zeitungen verschiedener politischer Richtungen vom „Echo Rational" über radikale Blätter bis zur „Ere Rouvelle" beklagen sich über die Unklarheit der Regierungspolitik. Bor zwei Tagen habe man glauben können, Poinrare habe einen Plan, der zur Beruhigung der Welt dienen könnte. Seit 24 Stunden fei die Vernunft wieder obkommandiert und eine neue verschärfte Politik scheine beabsichtigt zu fein. „Temps" meldet aus London: Der nach London zurückgekekttte französische Boffchaster batte gestern im auswärtigen Amte eine lange Unterredung. Die daran ge knüpften Bermutunaen, dass er einen Auffrag VoinrarsS im Hinblick auf den Besuch Sou cheurS ausgerichtet habe, werden an amtlicher Stelle alS unbegründet bezeichnet.
Stadf) amerikanischem Vorschlag?
Berlin, 13. April. (Privattelegramm.) Der Reichsaussenminister wird, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, voraussichtlich aus die vom amerikanischen Staatssekretär Hughes vorgetragenen Gesichtspunkte zurückkommen und die Bereitwilligkeit der Reichsregierung erklären, auf einer Grundlage dieser Art zu Verhandlungen zu komme«.
der Sprengung einer Brücke der militarisierten Eisenbahn auferlegt haben. Der Magistrat protestiert energisch gegen die Behauptung, daß der Attentäter in Buer ortsansässig sei. Diese Behauptung sei durch nichts erwiesen. Der Magistrat erhebt ferner schärfsten Einspruch gegen die Wiedereinführung der Berkehrssperre. Schliesslich erklärt der Magistrat, daß er sich entschieden weigere, die Geldbusse zu bezahlen.
triumphieren kann. Gelänge es -er Steuerung nicht, ihre Ziele im Ruhrkampf zu erreichen, so würde man sagen können, sie habe Unrecht getan, außerdem noch die Industrie und das deutsche Wirtschastslel>en zu gefährden. Hingegen: kommt es zu erfolgreichen Verhandlungen, kann die Regierung Erfolge buchen, so dürfte man von überspannten Forderungen der Industrie sprechen, die nicht Ausdauer genug hatte, die Opfer für den schweren Kampf zu tragen. Die Stabilisierung fordert Opfer. Es fragt sich nur, ob diese Opfer getragen werden können ohne großen Schaden zu stiften. Im Bbwehrkamp muß Jeder Opftr bringen, deshalb muß and die Marksiabilisierung, die sehr Wohl von der Regierung in ihren Schattenseiten erkannt worden ist, durchgeführt Werden, so lange es möglich ist. Wir müssen den Schaden, den sie nebenbei hat, zu tragen versuchen, um auf der anderen Seite zu gewinnen. Hg.
Belgisch-französischer Steift.
Die Folgen der Zechenbesetzung.
, (Eigene Drahtmeldung.)
Gladbeck, 13. April.
Die Franzosen haben bekanntlich vor einigen Tagen die Zeche Matthias Stinnes, Schacht 3 und 4, b e s e tz t. Diese Zeche belieferte einen grossen Teil des Bergischen Landes durch die bekannte Fern Versorgung mit Gas. Ein Teil des Bergischen Lande sgehört zur englischen und belgischen Zone. Es war deshalb von vornherein interessant, wie sich die Bundesgenossen der Franzosen zu der Unterbindung der Gaszufuhr stellen würden. Run scheint der Zwist unter den Alliierten tatsächlich ausgebrochen zu sein, denn der belgische Kommandant von Gladbeck hat sich bereits bei dem Bürgermeister beschwert. Dieser verwies ihn aber an die Franzosen. Wie es heisst, ist der französischen Besatzungsbehörde bereits ein Protestschreiben von dem belgischen Kommandanten überreicht worden.
Die Haltung der Alliierten. Geheime englisch.sranzösische Besprechungen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 13. April.
Entgegen anderen Meldungen ,denen zufolge der französische Finanzminister Klotz gestern nach London gereift sei, schreibt die „Liberte": Klotz hat sich bereits dreiTagein London aufgehalten und ist gestern nach Paris zurückgekehrt. Es waren strengste Weisungen ergangen, seine Anwesenheit in London, von der nur die französischen Behörden wussten, der Oef- fentlichkeit zu verbergen. Wie sich jetzt herausstellt, hat Klotz in London eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Obwohl über den Zweck feiner Reise nichts verlautet, geht man wohl nicht fehl in der Annahme, einen Zusammenhang mit der Reise LoucheurS nack London zu inden. Klotz soll mit amtlichen englischen Persönlichkeiten Unterhantckungen geführt haben, was aber an amtlicher Stelle bestritten wird.
Die gefestigte Mark.
Stillstand im Geschäfts leben.
Die Verbraucherschaft hört es nicht gern, daß Industrie- und Handelskreise keinen Gefallen an der Markstabilisierung finden. Und dock hat die Markbesserung eine Gesckästsstille verursacht, die nicht unl-eachtet bleiben kann Deutschland lebte früher vom Händel. Sein Absatzgebiet war groß, die Welt war vom deutschen Mattft erobert. England wurde unser Feind, weil wir sein größter Konkurrent wurden. Tie Feinde haben es verstanden, die deutschen Auslondsverbinoungen während des Krieges zu zerstören. So mußte der deutsche Handel und die deutsche Industrie, als endlich der Frieden gekommen war, von neuem an die Arbeit gehen, sich den A u s - landmarkt zu erobern. Das fiel ihnen leicht,, da unsere Währung schlecht war und es uns möglich wurde, billiger als andere Länder zu liefern. Wir konnten überall als billigere Konkurrenten austreten. Je mehr sich unsere Mark verschlechterte, um so größer wurde unsere Ausfuhr, um so leichter konnten die billigen deutschen Waren abgesetzt werden. Indessen kam in Deutschland die Lohnbewegung, die als Folge der zunehmenden Teuerung un- misbleiblich war. Die Rohmaterialien mrtßten nach der Valuta bezahlt werden und dennoch konnten wir bisher immer noch unter Welt- marttpreis liefern, weil die Produktion billiger war, da die Ausgaben in Deutschland sich der Markentwerttmq nicht voll angevaßt hatten, namentlich die Löhne nicht den Goldwert erreichten.
Um so leichter war es möglich, unter Weltmarktpreis zu liefern, ats die Mark immer schlechter wurde und die Herstellungskosten nur langsam die Markentwertunq einholen konnten. Dadrrrch aber, daß plötzlich die Mark nm fünfzig Prozent verbessert und auf diesem Stande ge- balten wurde, war auf einmal auf der ganzen Linie der Ueberweltmarktpreis in Deittschland geschaffen. Die Löhne baben sich dem Markstande ziemlich angepaßt. D-e Rohmaterialien sind aufgebraucht und müssen zum fetzigen Dollarstande gekauft werden. Alle Ausgaben haben sich dem Dollarstande von 200M) angepaßt, sind zum Teil sogar berests darüber gestiegen. Infolgedessen ist die detttfche Industrie stn Auslande nicht mehr konkur-
Glnmütig in der Abwehr.
Gewerkschaftsführer beim Reichskanzler.
(Privat-Telearamm)
/ Berlin, 13. April.
Der Reichskanzler empfing am Mittwoch im Beisein des Reichsarbeitsminifters die Vertreter der gesamten deutschen Gewerkschaften im Ruhrgebiet, um einen Bericht über die allgemeine Sage entgegen zu nehmen. Nachdem die A r- beiterführer hervorgehobcn hatten, dass sie an der entschiedenen Abwehr gegen die eingedrungenen Franzosen und Belgier mit aller Entschlossenheit festhalten, richteten sie ihrerseits die Frage an die Regierung, ob sie auch darauf bedacht fei, den günstigen Stand der passiven Abwehr nach außen hin politisch auszuwerten. Dr. Cuno gab eine bejahende Antwort und betonte, daß das Kabinett auch weiterhin bereit sei, auf der Grundlage der Gleichberechtigung in Verhandlungen einzutreten, soweit sich eine Möglichkeit hierfür biete. Immerhin glaube er die Delegierten des Ruhrbezirks darauf aufmerffam machen zu müssen, daß sie noch lange Zeit in ihrer Abwehr verharren müssen, bis die Lage sich außenpolitisch klären wird. In Anschluß daran wurde die wirtschaftliche und finanzielle Lage besprochen, nachdem Reichsfinanzminister Dr. Hermes einen längeren Bericht gegeben hatte. Schliesslich wurde der einmütige Wille kundgegeben, dass die Gewerffchaften und die Regierung auch fernerhin im Abwehrkampfe ausharren, aber auch jede Möglichkeit $» Vor. Handlungen nicht aus dem Auge lassen.
Aus dem Ruhrgebiet.
DerkehrSstbrungsn und Zeitungsverbvte.
Rach schulärztlichen Untersuchungen im Bezirk Lichtenberg im Jahre 1921 waren un« zureichend ernährt in den Volksschulen 29 Prozent der Kinder, Otten ferner an Krankheiten der Mund-, Rasen- und Rachenhöhle in den Volksschulen 20 Prozent, in den Hilfsschulen 28 Prozent, an Hautkrankheiten in den Hilfsschulen 13 Prozent, an Wirbelsäulenverkrümmung 6 bis 7 Proz.nt — im Jahre 1922 bedeutende weitere Verschlechterung — im Bezirk Prenzlauer Berg im Herbst 1922 nach ärztlicher Untersuchung von 450 Kleinkindern im Atter von 2—6 Jahren neun Zehntel als unterernährt befunden. — Insgesamt etwa 15000 tuberkulöse Schulkinder in Berlin — im Kinderkrankenhau s (Poliklinik) 1913: 33 Zugänge an Tuberkulose oder 1 Prozent der Gesamtzugänge, 1922: 153 oder 4,8 Prozent der Gesamtzugänge. — Sterblichkeit der Kinder unter 14 Jahren an Tuberkulose von 0,41 auf je 1000 lebende Kinder unter 14 Jahren im Jahre 1913 auf 1,06 im Jahre 192 gestiegen. Als Anzeichen
seelisch-geistiger Mängel
werden aus Schulen und städtischen Erziehungs. anstalten gemeldet: Schwindelanfälle, Kopfschmerzen, Unrast, Ueberlebhaftigkeit. Ueberemp findlichkeit, Mangel an Konzentrationsfähigkeit und Willensstärke. Nachlassen der Merkfähigkeit, Verwischung sittlicher Begriffe, Lügenhaftigkeit, und Unehrlichkeit, geschlechtliche Verfehlungen — teilweise erschütternde Berichte der Schulschwestern Besonders auffällig ist auch der schlechte Gesundheitszustand der Schulentlassenen und der über 14 Jahre alten Schüler höhererLehran st alten— nach Untersuchungen im Bezirk Pankow 1922 unter Schulentlassenen 22 Prozent der Knaben, 25 Prozent der Mädchen nach Größe und Gewicht unternormal; aus gesundheitlichen Gründen nicht'berufs' fähig 31 Prozent der Knaben. 30 Prozent der Mädchen, also annähernd ein Drittel der zur Entlassung Gelangenden — seitdem noch wc- entliche Verschlechterung. Erschütternde Berichte des Jugendamtes und der Hauptfürsorgesttlle für Kriegsbeschädigte und -hinterMebener beleuchten das herrschende Elend der Kinder — zahlreiche Kinder, au* im zartesten Alter, n i e einen Tropfen Milch — warmes -Früh- tück zur Schule — als Schulfrühstück trockenes Brot — oder r 18 Aufstrich gequetschte Kartoffeln — schwere Psychosen der Mütter infolge der Entbehrungen —kein Fleisch und kein Fett — Kinder vielfach ohne Hemd, und warm? Kleidungsstücke zur Schule oder au- Mangel an Leib- und Unterwüsche ganz vom Schulbesuch zurückgehalten — Betten "nd Bettwäsche fehlen oft — in unbezogenen Betten ost drei bis vier Kinder ober zusammen mit Erwachsenen — häufig auch Zufammenschlasen der Kinder mit lungenkranken Eltern oder Geschwistern — nicht selten ferner Schlafen auf dem fckmutziaen Boden obne Betten — schwere sittliche Gefahren — Geschlechtskrankheiten — Not erstickt allmählich jedes G.fübl für Ordnung.
Auch die Wohnungsnot
trägt ihr Teil zur Verschlimmerung dieser Miß- stände bei — in einem Fall Zusammeuschlafen
renzfähig. Sic ist in vielen Dingen foaar teurer als das Ausland und die deutsche Qualitätsware. die früher, als die Preise in allen Ländern so ziemlich gleich waren, der beutfdien Industrie in den Sattel halfen, können nickst mehr in dem alten Maße heraestellt werden. Es fehlt uns an modernen Maschinen, und auch an Mitteln, nur Qualitätsware herzustellen. So ist es erklärlich, daß der Absatz immer mehr zurückgebt, daß viele Unternchmnn- cen bereits Einschränkungen ixnb Arbeit erentlassungen voriehmen müssen. Es trifft durchaus zu. was fr über wiederholt gesagt wurde: Deutschland lebst von seiner schlechten Valuta.
Es wäre nur möglich gewesen, aus der Markbesserung einen Rutzen zu ziehen, wenn sie so fortgeschritten wäre, wie es sich auch die Regie- ntng gedacht hat: Man rechnete damft, daß der Preisabbau mit der Besserung der Ma^k forttchreiten würde, daß dem Preisabbau der Lohnabba" folgen würde. Aber der Vreis- abban z. B. für Lebensmittel ist nur bescheiden gewesen und in den letzten Taaen sehen wir, daß fast alle Lebensmittel beinahe den Sttnch erreicht haben, den sie bei einem Dollarknrse von.50000 aufwiesen Unter diesen Umstünden kann man selbstverständlich nickt an einen Lohnabbau denken. Und folglich arbeitet die Industrie so teuer, daß sie an einen guten Absatz im Auslände nickst denken kann. Der deustfche Markt ab-r ist nicht aufnahmefähig »nd stark genug, die Produktton aufzunebmen. Hier' bildet sich also, worüber man endlich sprechen muß. eine Krise heraus, die nack verschiedenen Richttmgen eine böse Wirkung haben kann. Die Fordernnaen der Industrie nach Einstellung der Stabilisierung werden von der Regierung abgelehnt. Die Regierung bat die Markbesserung und ihre Stabilisierung vorgenommen, weil sie darin ein Kampfmittel gegen den Rubreinfall sah. Während aber auf der einen Seite die Mark künstlich mrt gehalten wird, wird auf der anderen Seite die Papiergeldvermebrnng fortgesetzt. Die Kredite, die nach Westfalen wandern, die Ausgaben, die aus diesem Widerstande dem Reich erwachsen, fordern die Ausgabe immer neuer, nach Milliarden zählender Roten.
Es ist sehr schwierig, dieses Problem zu lösen. Man sagt bereits, daß die Regierung Cuno nicht von den polittschen Fragen, sondern von ihrer Stellung zu der Stadtlisierrmasrage abhängig fci. Jedensalls sind Viele am Werk, die Regierung zu bekehren und wenn sie fest bleibt, so wird die Arbeit gegen sie hinter den Kulissen fortgeben, bis sie. des Kampfes müde, vom Schauplatz abtritt. Es ist schwer, dieses verwickelte Problem zu lösen, schwer zu sagen, sfo
(Eigene Drahtmeldung.)
Recklinghausen, 13. April.
Der Bahnhof Recklinghausen-Süd ist von den Franzosen besetzt worden. Damit haben sie die Verbindungslinie von der mit Be- chlag belegten Emscher-Talbahn zur militarisierten Rordstrecke geschaffen. Es ist zu fürchten, daß auch der Bahnhof Wanne, der bekanntlich ein außerordentlich wichtiger Knotenpunkt im Verkehr des Ruhrgebietes ist, binnen kurzem be- ctzt wird. Die Franzofen haben auch nach Ansagen von französischer Seite die Absicht, einen Bahnsteig mit den dazugehörigen Gleisanlagen für ihre Zwecke zu beschlagnahmen. Tas würde bedeuten daß auch dieser Bahnhof vollständig ansgeschaltet «nd die französische Organisation des Verkehrswesens ein grosses Stück weiter vorgettieben wird. — In Bochum wurde daS Organ der Zentrumspartei, die „Westfälische Volkszeitung", von der Besatzungsbehörde b!8 einschliesslich den 18. April verboten. Damit inb sämtliche bürgerlichen Zeitungen Bochums am Erscheinen verhindert; nur das sozialdemokratische „Volksblatt" darf erscheinen.
Warnung für Erwerbslose.
Essen, 13. Avril. (Privattelegramm.) In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, dass «r - beitslose aus dem unbesetzten Deittschland zur Erlangung von Arbeit in das besetzte Sebiet reifen. Da eine Ausfuhr dort her gekeilter Waren nicht möglich ist, find dir Arbeitgeber zur Einstellung weiterer Arbeitskräfte nicht in der Lage. Arbeitslose im unbesetzten Deutschland werde« daher vor kostspieligem «iü> planlosem Umherreisen gewarnt.
Die Not der Kinder.
Kriegs- und Nachkriegsfolgen.
3m Zentralpertag ff. w. 6. H. erscheint «n< der Feder »e» Berliner SverbürgrreneisterS DStz «ine knappe 3ufa«nm«oftcUung »e - Ber liner Elend« in Tatsachen nnd Zahlen »t titelt: „Die Not in Berlin--. Trotz der statistisctzen Rütie wirken diese Tatsachen nnd Zahlen erschreckend. Wir entnehmen »en Abschnitt „Kinderelrnd--.
Besonders verhängnisvoll äußern sich die Wirkungen ber zunehmenden Not für bas kinbliche
Lebensalter — in Berlin 40000 Säuglinge (0-1 Jahr). 190000 Kleinkinder (1—6 Jahre) und 500000 Schulkinder (6—14 Jahre) — Kinder bereits durch den Krieg besonders stark in, ihrer Lebenskraft geschwächt — Folgen in der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegszeit furchtbar — in den Jahren 1920 und 1921 Beginn einer erfreulichen Besserung des Gesundheitszustandes der Kinder — mit zunehmender Teuerung jedoch empfindlicher Rückschlag, Aufwuchs- und Lebensbedingungen erheblich verschlechtert — vor allem Fehlen der leichtverdaulichen Mehle, Grieß, und Eierspeisen, sowie Mich —
Folgen ber Unterernährung:
Rachitis, schlaffe Muskeln, schwache Knochen, Wutarmut, Tuberkulose, Skrofulose. Drüsener- krankungen, Stillstand ber' Entwicklung, schwere Formen der Spätrachitis — als Folge der mangelhaften Bekleidung Erkrankung ber Atmungsorgane — Magenstörungen mit Magengeschwüren, neuerdings auch bei Kindern häufiger beobachtet — Erkrankungen der Schilddrüse b.'i Mädchen — Zunahme der Wurmkrankheiten — Schmutzkrankheiten — Ungeziefer — Säuglinge in steigendem Maße mit minderwertigen oder gar schädlichen Milchsurrogaten ernährt — Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe wegen Kosten oft verzögert ober ganz unterlassen — Heil- unb Stärkungsmittel wegen hoher Preise meist unerschwinglich.
Vuer »ahlk keine Geldstrafe.
Buer, 13. April. (Privattelegramm.) Der Bertrauensausschutz des Magistrats hat sich ge-
bie Regierung Recht tut ober die Industrie be- stern in einer ausserordentlichen Sitzung mit ber rechtste Forderungen stellt. Jedenfalls wirdIGeldbutzx von fünfzig Millionen Mark Dcrienige Recht erhalten, ber über den anderen beschäftigt, die die Franzosen ber Stabt wegen