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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Aberr-zeitung

Hessische Abendzeitung

Stammet 97

13. Jahrgang

Freitag, 27. April 1923.

Einzelnummer 130 Mk.

Einzelnummer 130 ML.

Sie Raflelcr R«ies!«l Nachrichten erscheinen wSchentttch sechsmal tmb jroert abend«. Der Ad«»e>nentSprei« beträgt monatttch 3300 Mark bet freiet ZuNellunz ins Han« in der Geschäftsstelle abgeholt 8155 Mark monatlich. AuSwärtr durch die Post betzLgen 8350 Mark mouallich einschl Zustellmtg. Bestellungen werden jeberjeit entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaltton. Schlachthosstratze 28/30, Für unverlangt etngesandt» BeUrLge kann die Slebahto» eine «erantroortung oder Gewähr in feinem Falle übernehmen. Rückzahlung bei Bezugsgelde« ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmäßiger Lieferung anSgefchrossen.

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Sie Besprechungen über bas Angebot.

Mk Diskonterhöhung.

Ursachen »ad Folge«.

Am Geldmarkt ist die Lage noch schwieriger geworden, als sie bisher schon war. Infolge der Knappheit an Barmitteln gehen die Zahlungen nur zögernd ein und hennnen daS Geschäfts­leben. Nun kommt dazu noch das neue Hemm­nis durch die Diskonterhöhung von »Wölf auf achtzehn Prozent, ein ungewöhnlich hoher Sprung, wie er vordem nicht für wahrscheinlich gehalten wurde, weil durch Krediteinschränkung im allgemeinen Produktion und Handel stark in Mitleidenschaft gezoaen werden. In diesem Falle Icheint jedoch weniger Befürchtung zu bestehen, ia. wie uns mitgeteilt wird, die von den Pri­vatbanken zu gebenden Kredite nach wie vor beibebalten werden sollen, um den Handelsverkehr nicht zu stören. Rur soweit die Reichsbank mit Reichsmitteln in betracht kommt, sollen scharfe Eingriffe erfolgen. Die Maßnahme richtet sich hauptsächlich gegen die Spekulation, die die Kredite nicht zu produttiven Zwecken ver­wandte, sondern ihre persönlichen Interessen in den Vordergrund stellte. In dieser Hinsicht wer. den allerdings Bedenken laut, ob die Maßnahme ficht schon zu spät kommt und ob es der Reichs­bank noch gelingen wird, die Regulierung der Markwährnng in der Hand zu bchalten. Die Zweifel werden dadurch bestärkt, daß die Mark- Verschlechterung, die Mitte der vorigen Woche eintrat, auch heute noch anhält. Es hat den Anschein, als richte man sich darauf ein, den jetzigen Dollarstand, der von zwanzigtau­send auf dreißigtausend sprang, als die neue Basis anzusehen. Man spricht davon, daß die Mark nun auf diesem Stande stabilisiert werden soll. Damit wird bestätigt, daß die Lage .nicht hoffnungsvoll aussieht. In Finanzkreisen will man wissen, die Reichsbank habe sich sehr stark anstrengen müssen, um die Mark nicht noch wei­ter sinken zu lassen.

Die Ursache dieser ernsten Entwicklung ist natürlich in erster Linie in unserer politi- schen Zwangslage zu suchen. Der Ruhr­einbruch der Feinde Hat unser bestes WittschaftS- gebiet lahmgelegt und auch das unbesetzte Deutschland wird schwer davon betroffen. Trotz­dem ist es selbstverständlich, daß die deutsche Ab- webraktion unvermindert fortgeführt werden muß, weil wir nicht daS Sklavenvolk für Frank­reich werden wollen und wir daher den Kampf gegen di« Unterdrücker führen muffen, bis diese einsehen, daß sie mit Gewalt nichts erreichen. Die dadurch entstehenden Verluste sind natürlich außerordentlich, aber die Opfer sind des hohen Zieles wert. Deshalb Hai die Reichsbank, um die Abwehr und di« damit verknüpfte Bescsti- gunß unserer Währung und den eingeleiteten Preisabbau zu unterstützen, volle drei Monate von einer Erhöhung des Diskonts abgesehen. Die frivokn Bestrebungen aber von anderer Seite, die feste Markwäbrung zu «rschüt- fern, haben dazu geführt, daß die Diskont» erhöhung jetzt "in so großem Ausmaß erfolgte. Wie der Reicksbankpräsident Dr. Havenstein in seiner Begründung sagte, kann der Abwehr­kampf noch lange dauern, und wir müssen unS darauf einrjchten, ihn noch lange mit Erfolg zu führen. Wie es heute die Pflicht jedes Deut­schen ist, sich mit in Reih und Glied zu stellen, mutz auch die Reichsbank ihre Matznahmen auf diese Haftung einstellen. Die Markstützung ist ja ein wesentlicher Teil dieser Abwehr und es ist notwendig, daß unser Volk und vor allem die Kreise der deutschen Wirtschaft auch dies voll erfassen und danach handeln. Daß dies leider nicht immer geschehen ist. geht schon aus dem be- trWltchen Ergebnis der Dollaranleihe hervor. Es ist zweifellos viel mchr Devisenbesitz in Deutsch­land, als durch die Anleihe herausgekommen ist. Die Zurückhaltung der Devisenbestände hat die Anleihe um den Erfolg gebracht, denn sie sollte der Fond für di« Markstützuns sein, di« infolge­dessen auch nicht so wie b«absichtigt durchgeführt werden konnte. So sind wir nun wieder auf einem Stand von dreißigtausend Mark für den Dollar angelangt.

WaS weiden aber die Folgen der Markver­schlechterung sein» Die ganze Marktlage, die Lohn- und Gehaltsverhältnisse haben wieder «inen empfindlichen Stotz erlitten, da unter diesen Umständen der Preis- und Lohn­stillstand nicht festgehalten werden kann. In der Beamtenschaft war ja schon mit einem wetteren Gleiten gerechnet worden, WaS zu der bekannten Auszahlung eines besonderen Monatsgehaltes führte. In der Privatindustrie finb die Lohn­tarife. die in der letzten Zett nur noch von Woche zu Woche abgeschlossen wurden, die sich aber im April im wesentlichen halten konnten, von den Arbeitnehmern gekündigt worden, und in den ersten Tagen des Mai wird überall über eine neue Festsetzung der Entlohnung verhandelt wer- den. Me uns aus Berlin gemeldet wird, haben die Angestellten der Berliner Metallindustrie für April eine Erhöhung ihrer Bezüge um dreißig Prozent gefordert. In einigen anderen Jndu- st' ien sind ähnliche Forderungen gestellt worden.

Die bisherigen Verhandlungen sollen, mit eini­gen Ausnahmen, ohne Reibung verlaufen sein. Hoffentlich wird auch bei den kommenden Ver­handlungen ein Ausgleich erzielt. Wenn es nicht möglich ist, die Mark wieder zu bessern, so sollte doch von der Regierung alles daran gesetzt wer­den. um wenigstens den jetzigen Stand zu halten, denn es ist eine sehr ernste Tatsache, daß unser Erfolg an der Ruhr eng damit ver­knüpft ist. Je besser die Mark, desto länger kön­nen wir durchhatten. Und das Gelingen des Ab- wehrkampfes ist die Voraussetzung nicht nur für unsere politische Selbständigkeit, sondern auch für das Wiederaufleben unserer Wirtschaft, von der jeder Gknzelne betroffen werden kann. K. F. D.

Um das deutsche Angebot.

Besprechung«» in de« Industrie.

lVrivat-Telegramm >

Berlin, 26. April.

Am gestrigen Mittwoch trat der Reichsaus­schuß der deutschen Industrie zu Beratungen der Reparationsfrage zusammen. Die Sitzung war durch die am Dienstag erfolgten Besprechungen des Reickskanzlers mit dem Reichsoerband der Industrie veranlaßt. Die Be­sprechungen galten besonders der G a r a n t i e n. f r a g e, der anscheinend auch die Reichsregierung für ihr neues Angebot an die Reparationökom- mission besondere Bedeutung beilegt. Wie es heißt, soll man in Regierungskreisen mehr zu der Ansicht neigen, daß ein festes. Zahlungs­angeboi untunlich sei. weil die französische Regierung gegen eine Ziffer, die der deutschen Leistungsfähigkeit angepaßt sei. sofort einen Entrüstungsfeldzug organisieren und Berhand- luugen üSei eine solche ablehnen werde.

Die Frage der Schuibenstreichung.

London, 26. April. (Eigener Drahtbericht.) Das liberale Unterhausmitglied Lambert hat im Unterhause eine Anfrage gestellt, ob es richtig sei, daß die englische Regierung eine Strei. chung der gegenseitigen interalliierten Schul­den vorgeschlagen habe, ob diese Regelung von der Zahlung Deutschlands an England a b h ä n g i g sei und in welchem Verhältnis dies zu den britischen Schulden in Amerika stehe. Darauf antwortete die Regierung, daß fi« tatsäch, lich in Paris damals vorgeschlagen habe, die Rettosumme der gegenseitigen Schulde« zu strei. chrn und daß sie diese Regelung von einer Zah­lung Deutschlands an England abhängig gemacht habe. England würde bei dieser Regelung etwa 900 Millionen Pfund Sterling aufgeben, wo­gegen die englischen Schulden in Amerika 1000 Millionen Pfund Sterling betragen.

Frankreich winkt schon ad.

P a r i S, 26. April. (Eigene Drahtmelduna.) In französischen diplomatischen Kreisen hält man eS für gewiß, daß das demnSchstige deutsche Angebot keinegenügendernste Grund­lage für Berhandlungen darstellen werde und daß es wahrscheinlich von der französischen Re. gierung einfach abgelehnt werden würde. Ein Korrespondent erhielt die Mitteilung, daß die französische Regierung eS mit der Einleitung von Verhandlungen nicht eilig habe, weil sie angeblich glaube, daß ein starker Druck die all­mählich- Lahmlegung der d-uttchen Industrie herbeiführen werde, wodurch die Reichsregierung bekehrt werden könnte. Aehnlich äußert sich der Newqork-Herald". Rach diesem Matt erklärt man am Quai d'Lrsev, daß ein Vorschlag zur Bezahlung von dreißig MMarden uneröff- «et der deutschen Regierung zurückge- sandt würde.

Für Frieden und Abrüstung.

«Ine seltene Stimme au« Frankreich.

(Eigene Drahtmekdung.)

Pari«, 28. April.

Der Generalrat des Departements Haute Vienne hat eine oegen die französische Ruhrpoli­tik «richtete Entschließung angenommen, vor der Abstimmung entfernte ffch der anwesende Prä- fett. Die Entschließung geht davon aus, daß daS wirtschaftliche Gedeihen Frankreichs nur durch eine auf den endgültigen Frieden und vollkommene Abrüstung gerichtete Vo- littk zu erzielen sei und bedauert, daß die llie- gierunq sich zu Handlungen stabe hinreißen las­sen, die di« internationale Lage diplomatisch, finanziell und wirtschaftlich verschlechtern und die Wiederaufbauansprüche Frankreichs verzögern.

Kohlen für die Bergleute.

Gewerkschaften «egen Kommunisten.

(Privat-Telegramm.)

Bochum, 26. April.

Die kommunistischen Betriebsräte und die Angehörigen der syndikalistischen Union fordern

in einem Auftuf dazu auf, die Beschlag­nahme der Depntatkohl« durch die Franzosenmtt allen Mitteln, auch mit Mas- senkundgebungen und allgemeinem Streik, zu verhindern. Die Bergleute sollten die Kohle auf Karren nachhause fahren. Zur Vorberei­tung dieser Maßnahmen hatten die kommunisti­schen und syndikalistischen Betriebsräte gestern Versammlungen einberufen. Die freien Ge­werkschaften warnen vor einem solchen Beginnen und cfflärtn in einer Kundgebung, daß sie an sich die Forderungen der Bergarbeiter aut HauSbrandkohle anerkennen und alle« tun werden, um st« im Rahmen des passiven Wider­standes durchzuführen, daß sie aber die von den Kommunisten und Syndikalisten vorgeschlagenen Wege nicht anerkennen können, da sie als erste Etappe zu einem Blutbad zu betrachten find.

Unter dem feindlichen Äwang

Belagerungszustand und Verurteilungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Essen, 26. April.

Aus Herne wird berichtet: Die Eisenbahn- Oberkommissare Heusler und Bönscheid mußten ihre Wohnungen räumen. Der Belagerungszu­stand ist hier nicht mehr von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, sondern schon von 9 Uhr abends, da die Wirtschaften nicht vorschriftsmäßig am 10 Uhr geschlossen hatten. Die Besatzungsbehör­den ordneten ferner an. daß sämtliche Wirtschaf len für die nächsten ad:;. Tage geschlossen bleiben müssen. Das Kriegsgericht in Hat- tim gen verurteilte «egen GehorsamSverwerge'-. runa den Oberstaatsanwalt Eiteldingen auS Bo­chum zu zwei Monaten G-sSngniS und 500 000 Mark Geldstrafe, den GefiingniSvorsteher Stilb rot und Inspektor Leßmann zu einem Monat Gefängnis und % Million Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt, der in längerer Untersuchungshaft vollkommen zufammengebrochen ist. wurde aus der Hast entlassen. Der Postdirektor Detter ist vom Kriegsgericht Eastrop wegen Verteilung verbotener Zeitungen zu 6 Monaten Gefängnis und 6 Mill. Mark Geldstrafe verurteilt worden.

Tkrbeiweinstellung.

P a r i», 26. April. (Eigene Drabttneldung.) Wie aus dem besetzten Gebiet berichtet wird, ist die Arbeit in den am letzten Sonntag besetzten Orten niedergelegt worden. Das Personal der Bergwerke bei Talhansen hat beschlossen, daß 600 Arbeiter Rotstandsarbeiten »errichten und wei­tere 300 Arbeiter einen regelrechten Urlaub an« treten. Die übrigen achthundert Arbeiter sollen von dem sest der Besetzung deS Ruhrgebiets zur Vermeidung etwa übcrflüsfigen Personals eingerichteten Urlaub Gebrauch machen.

Di« Moffenauvwkisung.

PariS, 26. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die Blätter berichten aus Düsseldorf: Die Aus­weisung der deutschen Eisenbabner wird fort­gesetzt. BiS jetzt mußten dreitausend Be­amt r mit ihren F a m i l i e n das besetzte Gebiet verlassen. Die sranzöfische Eisenbahnverwaltuna des besetzten Gebietes wird einen neuen Ausruf an die deutschen Eisenbahner zur Wiederauf- nahm« der Arbeit erlassen. Sollte dieser Auf­ruf keinen Erfolg haben, fe müssen sich die Fran­zose« an das polnische Personal wenden.

Deutschland und Rußland.

Abkommen über beschlagnahmt, Schiff«.

(Sigenr Drehtmeldung.)

Berlin, 26. April.

Wie au« Moskau berichtet wird, wurde vom Rate der Bolkskommissare ein Zusatzabkommen zum Paragraphen IdeSRapallovertragS angenommen. Da« Abkommen ist nunmehr in Moskau durch den deutschen Botschafter Graf Brockdorf-Rantzau und rufstscherfeits durch den stellvertretenden Volkskommissar für Auswärti­ges unterzeichnet worden. Da» Abkommen be­trifft die während deS Weltkrieges in den Befitz des anderen BertragSunterzeichners übergegan­genen Handelsschiffe. Diese Frage wird nach dem Grundsätze der Gegenseitigkeit der Art geregelt, daß die Handelsschiffe, die sich bei Kriegsbeginn in feindlichen Häfen befanden und beschlagnahmt wurden, der gegenseitigen Auslieferung unterliegen. Die beiden Bertrags- schließenden erkennen jedoch die Entscheidung der Prifeugerichte ht den Jahren 1916 bis 1919 ge­genseitig i.n. Da« getroffene Abkommen trat sofort nach der Unttrzeichnung in Kraft.

Soziale pflichten.

Maßnahmen der Stadt Kassel.

«u« bem «egen CtatfberiAt de» Magistrat«, den vdeedtiege»«etster »«beibemann in der MontagsfiHrrng de« «asieler «tadtpaelament« erstattete, tei heute ein Spiegelbild der sozial- politisch«« Betätigung in staffel wiebergeg-ven. In erster Linie ist bei der Betrachttmg der großen Aufgaben und Leistungen des Sozialen Amts die Durchführung und N e u g e st a l- tuna der Quäkerhilfe zu erwähnen. In der Zeit vom Juni 1920 bis Oktober 1922 wur­den in der Stadt insgesamt 22 710 Personen ce- speist, davon 707 Kinder unter sechs» Jahr«.!, 19 357 Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren, 166 Kinder bis zu achtzehn Jahren uno 440 stillende Mütter. Im Dezember 1922 wurde die Kinderspeisung in der Weise fortgeführt, daß von den zur Versiianng gestellten Lebensmitteln täglich die Bürgerschulen 2000 und die Mittel» und höheren Ähulen 240 Portionen für ein warmes Schulfrühstück erhielten. Ferner wurden täglich geliefert an den Verein Tuberkulosefür­sorge 200 Portionen und an die Kinderhorte 80 Portionen. Die Speisung verbrauchte bisher rund 212 Zentner Schmalz, 82 Zentner Kakao, 331 Zentner Zucker, 70 600 Dosen Milch, 413 Zentner Reis, 1528 Zentner Mehl und 414 Zent­ner Bohnen. Zu der notwendig erforderlichen

Durchführung von Notstandsmaßnahmen aller Art bswilligten die städtischen Körperschai- ten einen Kredit von zehn Millionen Mark. Die Mittel dienten zur Zahlung besonderer Sachbci- hilfen an langfristig Erwerbslose, außerdem zur Beschaffung von Schuhen, Kseidungsftoffen und Lebensmitteln. Richt innerhalb der städtischen Geschäfte, aber Lurch den Qberd üTgrnn.'ifter tt-r. anlaßt und städtischerseit, sowie durch die Rent- Iierhil'fe lebhaft unterstützt, fand im letzten Jahre eine Sammlung zugunsten der hiesi­gen Klein- und Sozialrentner statt, die sowohl in der Stadt, "als mich in den Land­kreisen regste Unterstützung fand. Es besteht aller Anlaß, den Gebern herzlichst zu danken in der begründeten Ueberzeuguna, daß ihre Opferwillig­keit für diese Zwecke in Zukunft nicht erlahmen wird. IM November 1922 wurde das Bose­heim seinem Zwecke als Rentnerheim über­geben. Die Leitung des Heims wurde einem eigens gewählten Kuratorium anvertraut. Der Ausbau des Heims, daS die Familie Henschel mit einer ersten Zuwendung bedachte, ist unter weit­gehender Förderung vonseiten der Stadtverwal­tung erfolgt. Die Arbeiten der

Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte konnten nur unter großen Schwierigkeiten durchgSführt werden. Die vom Reichsarbeits- ministerlum zur Verfügung gestellten sozialen Mittel reichten bei der steigenden Gekdentwer- tung oftmals bei weitem nicht aus, um auch nur in den dringendsten Notfällen einigermaßen nachhaltig helfen zu können. An Beihilfen wur­den im. Berichtsjahre insgesamt gezahlt ntnb 22 Millionen Mark, der Zuschuß der Stadt be­trug rund neunhunderttausend Mark.

Dar Arbeitsfeld der Zugenbamtt bietet wenig ttöstliche Zukunstsblicke. Zuneh. mende Fürsorgebedürstigkeit einerseits und Man­gel an ausrejchenden Mitteln andererseits kenn­zeichnen die Lage auf allen Gebieten der In- gendfürsorge. Die Erfüllung der gesetzlichen Auf- gaben des Jugendamtes verschlingt enorme Summen. Der Zuschuß der Stadt zu oen Kosten deS Jugendamtes beträgt im abgelaufenen Jahre lunb zwanzig Millionen Mark. Durch die Ein­führung des Bezirksfürsorgesystems wurde die gesamte Fürsorgearbeit intensiver ge- stattet und erleichtert. Zwölf Fürsorgerinnen sind jetzt, jede in einem getrennten Stadtbtezirk, auf allen Gebieten der Jugendfürsorge tätig. Die Mütterberatunsstellen mutzten von sechs auf neun vermehrt werden. Die privaten Kinderhorte befinden sich in einer außer- ordentlich schlechten Finanzlage. Di« Stadrver- waltung hat mehr als zwei Millionen Mark Un- tcrstützungsgelder gewährt. Von der Erho­lung s f ü r f o r g e des Jugendamts konnten 904 Kinder zur Erholung ausgesandt werden. Die Kasseler Ferienkolonie und andere ähnliche Ein- ttchtungen wurden finanziell unterstützt. (So be­kommt die Ferienkolonte nach einem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung statt 600000 Mark runde drei Millionen. An besonderen Unterstüt- zrmgSmatznahmen sind zu erwähnen: die Bersor- gung der Kinder unbemittelter Personen mit verbilligter Milch, wofür vom Reiche 8800000 Mark zur Verfügung gestellt worden sind, und die Abgabe billigen Holzes an die minderbemittelte Bevölkerung. Es wurden insgesamt rund 68000 Zentner Holz abgegeben. Die Fürsorge für Alkoholkranke bat feit dem 1. Oktober 1922 einen beamteten Trinkerfür- sorger erhalten, der in ständiger Verbindung mit den alkoholgegnerischen Vereinen die prak­tische Fürsorge "für Alkoholkranke ausübt. Zur Untersetzung von Rentenempfängern der Inda-