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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 107.
Einzelnummer 150 Mk.
Donnerstag, 10. Mai 1923.
MBMWBMMM—rri ■ BIT III—
Einzelnummer 150 Mk.
13. Jahrgang.
England hofft aus Verständigung.
Das Schandurteil von Werden. Der Rechtsbmch in Werden.
DaöHimmeffahrtSfest.
„Von uutr« her — von oben herab."
Wer im Verlaufe der letzten Tage die Verhandlungen des sogenannten Kriegsgerichts in
Deutscher Protest gegen französisches Gewalturteil.
Von
Artnr Braasewetter.
Werden verfolgte, dem mutzte ohne weiteres klar sein, datz man es auch jetzt, wie in allen vorauf- gegangenen Kriegs gerichtsverhandlungen der Franzosen, mit ausgesprochenem Raffinement darauf anlegte, den ganzen Gegenstand der Pro- zetzvcrhandlung auf ein falsches Geleise zu schieben, indem man versuchte, die französischen Verbrecher. die zu den Arbeitermorden in Effen geschritten waren, als Märtyrer hinzustellen und dafür den Vorsitzenden des Av.fiichtsrates der Kruppwerke, sowie eine Reihe von Direktoren und Betriebsratsmitgliedern auf die Anklagebank zu zwingen.
Die ganze prozessuale Verhandlung war nach deutschen Begriffen eine ungeheuerliche Komödie, deren Ziel und Zweck von jedem Laien durchschaut werden mußte. Die Angeklagten im Werdencr Prozeß konnten daher von vornherein (und mit ihnen das deutsche Volk) damit rechnen, datz ihre Verurteilung erfolgen werde. Nun ist am gestrigen Nachmittag der Spruch ergangen, der in seinen Ausmaßen noch weit über alles das hinausgeht, was selbst die wildeste Phantaste unter dem Bewußtsein französischer Zügelt» siflke ft unb französischen Verbrechertums auszudenken vermochte. Krupp von Bohlen wurde, wie wir an anderer Stelle unserer Nummer mitteilen, zu fünfzehn Jahren Gefängnis und hundert Millionen Mark Geldstrafe, die übrigen Angeklagten zu zwanzig und zehn Jahren Gefängnis und entsprechend phantastischen Geldstrafen verurteilt. Würden wir in Deutschland die Nation, die sich in aufgeblähter Selbstüberhebung die »große" zu nennen pflegt, nicht in ihrer ganzen Jnhaltlosigkcit und Würdelosigkeit seit Jahrzehnten schon gekannt haben, dann müßten wir uns heute von Ekel erfüllt von einem Volke abwendcn, das es fertig bringt, Recht und Gesetz mit Füßen zu treten und sich auf einen Standpunkt zu stellen, den man in der Negerrepublik Liberia gewohnt sein mag.
Hellste Empörung durchzittert ganz Deutschland, eine Empörung, die ihren vollen Ausdruck findet in dea Telegrammen. die von dem Reichspräsidenten und von dem Kanzler mt die Kruppwerke und an die Verurteilten in Werden gerichtet worden sind. .Was gestern verkündet wurde, ist verächtliche Verhöhnung der Begriffe von Recht und Urteil. So tief der Werdener Spruch das Voll erniedrigt, das solche Beschimpfung echter Treue in seinem Namen aussprechcn lätzt, so hoch erhebt es Sie und Ihre Mitvcrurteilten." So telegraphierte Dr. Cuno an Herrn Krupp von Bohlen. Er hat damit den Empfindungen Ausdruck verliehen, die heute durch das ganze deutsche Volk gehen. Unzweiselhaft ist es, datz Frankreich, so- roeit es sich durch seine bisherigen skandalösen Manipulationen noch nicht außerhalb der Kulturnationen stellte, das jetzt mit dem Weidener Urteil getan hat.
Wir Deutsche haben es nicht nötig, den Alliierten eines solchen verlotterten Staates unsere S^npathien zu bezeigen, wenn diese Alliierten es auch jetzt noch zulassen, daß ihr .ruhm- gekrönter" KrieMamerad sich dauernd zu verbrecherischen Handlungen verleiten läßt, über die jedenfalls das neutrale Ausland in seiner Beurteilung einig ist mit allen Deutschen. Ein Weltstand al hat sich in Werden abgespielt, als würdiges Glied in der Kette von Schmrd- taten, die geboren sind aus dem Gefühl des wildesten Hasses unseres Kriegsgegners; ein Weltskandal, der sich durch nichts mehr von Frankreich nehmen läßt. ... Die heute bei uns eingegangenen Depeschen besagen daß seitens der Verteidigung Revision angemeldct werden soll. Ob diese Revision eine nennenswerte Abänderung, oder gar eine Aufhebung des von Idioten und Verbrechern französischer Herkunft gefällten Spruches bringen wird, daß mutz leider bezweifelt werden. Es wäre ein Wunder zu nennen, wenn das Kriegsgericht in Düsseldorf, vor dem in Balde die Werdencr Tragödie von neuem sich abrollen wird, ein anderes Resultat als das von Werden brächte. Wäre es der Fall, so könnte man es nur dem Eingreifen der Alliierten des französischen Mustcrvolkes zuschreiben.
Machtlos müssen wir Deutsche diesen wahnsinnigen Zuständen zusehen und nur die Hand vermag sich in stiller Wut zu
Berlin, 9. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Amtlich wird mitgeteilt: Ein französisches Kriegsgericht hat am Dienstag nachmittag in Werden an der Ruhr, wo es nach Recht und Friedensvcrtrag nichts zu suchen hat, den Chef der Kruppwcrke, Herrn Krupp von Bohlen Halbach zu 15 Jahren Gefängnis und 100 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt, leitende Beamte der Kruppwerle zu Gefängnisstrafen von zehn bis zwanzig Jahren und je 100 Millionen Mark Geldstrafen, ein Betriebsratsmitglied zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. In unerhörter Vertauschung der Rollen haben die französischen Ber> brecher über ihre Opfer zu Gericht gesessen und ein Urteil ausgesprochen, datz die erste Untat durch eine zweite verdecken soll. Ein Gericht, das kein Gericht ist, weil es
keine Spur von Recht hat. auf deutschem Boden Recht zu sprechen, hat das Urteil gefällt, daS kein Urteil ist, sondern eine reine Gewalttat. Nicht die Mörder der vierzehn deutschen Arbeiter, die am Karsamstag dem sranzöfisck/en Militarismus schuldlos zum Opfer.fielen, hat die Militärjustiz verurteilt, sondern zehn ehrenhafte, vaterlandsliebende deutsche Bürger, Männer, die nicht einmal an der Demonstration der Krupparbeiter gegen den militärischen Ueberfall auf ihre Arbeitsstätte sich beteiligten, sind mit maßlosen Strafen bedacht worden. Mit einem Schrei des Entsetzens wird dieses Schandurteil in Deutschland ausgenommen werden; mit einem
Schrei der Empörung mutz eS in der ganzen Welt, wo nicht das Gefühl für Menschlichkeit ausgestorben ist, zurückgewiesen werden. Nickst Recht zn sprechen galt es hier für das französiische Militärgericht, sondern sich in den Dienst machthungriger Gewaltpolitik zu stellen. Die französische Justiz hat sich damit unverhüllt zur Dirne des französischen Militarismus erniedrigt! Die „Richter" haben sich selbst verurteilt und niemand wird ihnen ihren Platz am Pranger neiden, auf den sie sich selbst gestellt haben! Ruhrgebiet und Rheinland werden, dessen find wir gewiß, auch diesem Beispiel eines Terrors des Peinigers nickst erliegen, sondern in gleicher
ballen. Wer noch der Ansicht war, daß trotz allem Vorgefallenen die Zeit kommen werde, in der Deutschland und Frankreich sreundnach- borlich nebeneinander leben könnten, der wird wohl endlich durch den Richterspruch von Werden eines anderen belehrt worden sein. ***
Die Reparationsfrage.
In Erwartung der englischen Antwortnote. (Eigene Drahtmeldung.)
London, 9. Mai.
Der Text der englischen Antwortnote an Deutschland, der inhaltlich gestern fertiggestellt worden ist, wird noch endKiltig redigiert. Es ist möglich, datz die neue Fassung noch einmal dem Ministerrat vorgelegt werden wird. Jedenfalls wird die enKische Antwort an die Reichsregierung in sehr kurzer Fritz übermfttelt werden. Sie beschränkt sich daraus, die deutschen Vor- schlage ziemlich energisch zurückzuweisen, gibt jedoch gleichzeitig der deutschen Regierung den Rat weitere Borschläge zu machen. — Schatz- sekretär Baldwin empfing die Vertreter der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften. Er sagte u. a.: Er hoffe, daß die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich durch das deutsche Angebot eiugeleiret würde. England werde alles tun, um diese Verständigung der beiden großen Böller des Festlandes zu fördern und zu erleichtern.
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Englisch-italienische Llebereinstirnmung.
London, 9. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Times melden: Der MeiuungsauStau,ch zwischen London und 3i o tu hat zu einer völligen Uebereintzimmung in der Auffassung des deutschen Angebots und in der Antwort an Deutschland geführt. Beide Regierungen werden am Mittwoch antworten. Sobald daun die deutsche Gegenantwort eingeht, werden beide
Opserwilligleit und Treue wie bisher, die alle Schichten der Bevölkerung an den Tag gelegt haben, ausharren, bis Recht wieder Recht geworden ist! (DaS Urteil stehe unten.)
Telegramm des sreichsprafidenten.
Berlin, 9. Mai. (Privattelegramm.) Reichspräsident Ebert hat an das Direktorium und den Betriebsrat der Kruppwerke folgendes Telegramm gerichtet: Aufs Tiefste empört erhielt ich die Nachricht von dem Machtspruch des französischen Militarismus, der dem Vorsitzenden des Ausfichtsrates, den Mitgliedern des Direktorinms und des Betriebsrates der Kruppwerkc zu schwe. ren Freiheitsstrafen verurteilt. Dieser, jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Gewaltakt wird überall, wo noch Gefühl für Recht und Gerechtigkeit besteht, mit Entrüstung und Verachtung ausgenommen werden und in der Geschichte der Völker als eines der gräßlichsten Beispiele organisierter Unterdrückung des Rechtes durch rohe Gewalt weiterleben.
»er Kanzler an die Kruppwerke.
Berlin, 9. Mai. (Privattelegramm.) Reichskanzler Dr. Cuno hat an die Direktion und den Betriebsrat der Krupp-Werke A.-G. in Essen folgendes Telegramm gerichtet: Der Werdencr Spruch kann die Schuld am Essener Arbeitermord nicht von den der Welt bekannten schuldi- .qen französischen Gewalthabern nehmen, au deren Stelle nun Krupp und die Mitverurteilten büßen müssen. In den von dem französischen Militarismus Vergewaltigten ehrt das deutsche Volk die durch keinen Alachtspruch zu beugenden Kämpfer des deutschen Widerstandes.
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Der Kanzler an Herrn Krupp.
An Herrn Krupp von Bohlen und Halbach im Gefängnis zu Werden telegraphierte der Kanter: Was heute in Werden verkündet wurde, ist verächtliche Verhöhnung der Begriffe von Recht und Urteil. So tief der Werdener Spruch das Volk erniedrigt, das solche Be- schimpfunMn echter Treue in seinem Namen aus- spreck>en läßt, so hoch erhebt es Sie und Ihre Mitverurteilten. Mit mir neigt sich das deutsche Volk vor dem Vorkämpfer für das edelste Recht des Mannes, der Aufrechterhaltung der Treue bis zum letzten Augenblick. In gleicher Trrne werden wir unermüdlich d ar auf hinwirken, datz den Verurteilten baldige Freiheit wird!
Regierungen zu der Frage eines gemeinsamen Vorschlags am die Alliierten Stellung nehmen. Lord Grewen ist aus Paris eingetrofsen und hrtt an der Sitzung am Montan teilgenommen.
Französisches Schandurteil.
Gefängnis und Geldstrafen im Krupp-Prozeß.
(Eigener Drahtbericht.)
Werden (Ruhr), 9. Mai.
Gestern gegen Abend ging der Krupp-Prozeß unter einer fürchterlich bedrückenden Spannung zu Ende. Ter Gerichtssaal hatte sich mit einer dichtgedrängten Menschenmenge gefüllt, die das Urteil, das wieder einen unerhörten französischen Rvchtsbruch bedeutet, erwartete. Bon %6 bis 6 Uhr dauerte die Urteilsverkündung. Die Schuldfragen werden first durch- weg bejaht.
Krnpp von Bohlen itnb Halbach wird zu 15 Jochren Gefängnis und hundert Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Die Direktoren Hartwig und Oesterleu zu denselben Strafen. Direktor B r u n s z« 10 Jahren Gefängnis und hundert Millionen Mark Geld strafe. Die Direktoren Baur» Schaeffer, Cunz und Schräpler in Abwesenheit zu 20 Jtchren Gefängnis und hundert Millionen Mark Geldstrafe. Groß in Abwesenheit zn 10 Jahren Gefängnis und 50 Millionen Mark Geldstrafe. Das Betriebsratsmitglied Müller wird zu sechs Monaten Gefängnis, sowie die beiden des Mowrdiebstahls Beschuldigten zu Mei Monaten Gefängnis verurteilt. DaS Urtell gegen Krupp wurde mit drei gegen zwei Stimmen beschlossen, die anderen Urteile einstimmig.
Nach Schluß der Sitzung wurde die Straße wieder wie gestern gesperrt und die Verurteiltem fuhren wieder in ihre Haftz
.Zwei Seel.n roohnen, ach, tn meinet Brüll D e eine rota sich von her andern trennen TI: «ine hält in d-rber StebeMuft
Eich an die Well mt! Hammeniben Organen, Stic andre ße.t geroaltfant sich vom Tust Zn den Gefilden hoher Ahnen."
Es gibt einen Dualismus, den keine mono- iheistische Lehre unv keine moderne Forschung ausreven kann. »Ihr seid von unten her. Ich bin von oben herab", sagt Christus in seiner bedeutsamen Unterredung bei Johannes. Er steht vor seiner Himmelfahrt. Von oben stammt er. Rach oben muß er zurückkehren. Schließlich kehrt ein jeder immer zu dem ihm Ursprünglichen zurück. Das ist das Gesetz jeder Entwicklung. Man wird nicht ein anderer— man wird, der man ift
In uns allen lebt etwas, das vom Himmel ist. Und etwas, das von der Erde ist. Das macht die zwei Seelen in uns aus. Es gibt einen fundamentalen Unterschied Mischen ven Menschen: Die von unten her. Und: Die von oben herab. Die »von unten her", das sind die an der Erde und dem Stoffe Hängenden, die Gleichgültigen imd Satten. Die Menschen ohne Sehnsucht und Ideale, bereit Leben und Streben in einer Losung untergeht: »Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot." Die Knechte sind es. Die von »oben her", das sind die von: der ErscheinungenArmut, der Tage Gleichmaß Unbefriedigten. Die sind eS, die von der Flamme heiliger Sehnsucht durchglüht sind, über allem Vergänglichen daS Ewige, über allein Schein die bleibende, die göttliche Wahrheit zu suchen und zu finden. Die immer strebend sich bemühenden sind es, denen Christi Verheißung gilt: »Selig sind die da hungert und dürftet nach: der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden." Die Herren sind es.
ES gibt Klüfte, die sich nicht überbrücken las. sen, gibt eine unabänderliche Trennung von Mensch zu Menisch. »Von unten her — von oben herab", das ist eS. Und Himmelfahrt bringt uns das klar zum Bewußtsein, weckt zu^eich die Sehnsucht nach dem »von oben herab." Rur kein Mensch »von unten her". Rur nicht das Beste, das Einzige, das uns m allem Zerkall der Zeiten geblieben, hingoben für ein Linsengericht! Himmelfahrt ist Himmelssehusucht. Der Mensch von unten her kann in keiner Entwicklung alles werden: ein kluger, ein gelehrter, ein die Form beherrschender, bit Lage meisternder Mensch — ein Mensch von oben her kann er nie werden. Entweder lebt ein Zug von oben her in ihm. Dann kann ihn kein Schicksal int Guten oder Dösen, keine Erfahrung, kein Ereignis tilgen. Ja, er mag gleiten und fallen, auf seine scheinbar untere Stufe seines Daseins und seiner Entwicklung kommen — er bleibt immer der Mensch von oben her. Oder es lebt solch ein Zug nicht in ihm, dann mag er sich Antos kaufen und Landhäuser, mag nach Italien und Aegypten reisen, mag sich Schliff und Politur aneignen — er bleibt immer der Mensch von unten her, bleibt immer der Knechk.
Also Vorherbestimmung? Unabänderliches Gesetz der Entwicklung? Vielleicht. Wenn Mei Mächte nicht wären, die ihr entgegenarbeiteten: die Sehnsucht und die Gnade. Die eine sucht. Die andere findet. Die »von oben herab" sind keineswegs die Fertigen. Sie sind die unablässig Kämpfenden, die Irrenden, ja. die Zweifelnden — und doch Findenden. Die Gnade sucht und findet sie. Sie sind das Instrument, auf dem sie ihre Weifen ertönen laßt. Sie gkbt ihnen Kraft, leiht ihnen Flügel, die st» über alle Er- densclwere, über das Alltags Not und Tod zn der nie versiegenden Quelle des Lebens fiihrcn.
Der von unten her sucht die Gnade auch. Sie kann gar nicht anders. Denn Suchen ist ihr Wesen. Aber das Element, dem diese angehören, läßt der Gnade Strahlen so schwer durch den groben Stoff bringen, »Und zu ber Erde zieht sie bie Begierde." »Ihr seid von unten her — ich bin von oben herab." Ueberall gibt es eine Verständigung, eine Vereinigung — hier nicht. Himmelfahrt weckt in uns die heiße Sehnsucht, caß wir zu denen »von oben her" gehören möchten. Und wo diese Sehnsucht ift und den ganzen Menschen erfüllt, da ist ist auch die Kraft und die erlösende Gnade. In den »von oben ber" liegen Wesen und Größe dessen, was wir Per- sönlichkcit nennen. So wird Himmelfahrt 4>im eigentlichen Fest ber christlichen Persönlichkeit. Und ber himmelwärts ziehenden Gnade.
Raub deutscher Patente.
Schädigung Privater durch die Alliierten.
Bor einigen Tagen wurde berichtet, daß di« französische Regierung auf Grund des Versailler Friedensvertrages ftanzästsche Patente, die deutsche Erfinder genommen haben, beschlag. ,n (i hm t und die el/tl darauf bestehenden Lizenz-