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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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R,immer 110.

Einzelnummer 150 Mk.

Dienstag, IS. Mai 1S23.

Einzelnummer 150 Mk.

13. Jahrgang.

Vorbereitung des zweiten Angebots.

Volitische Morde.

Dre Torheit drrAttentate^.

Die Ermordung des russischen Dele­gier f e n , der mit einigen Begleitern an der Lausanner Orientkonferenz teilnehmen woll­te, lmt in Rußland natürlich Empöiung und ncp£!t Haß hervorgerufen Die russische Regie- rnng befäulldigt die Regierenden der Westmäch- fc, sie die russische Delegation zurückgewiese i haben. Die Spannung ist also nur verschärft worden. Seit dem Ende des Krieges haben sich in allen Staaten der Welt die politischen Atten- :afe in geradezu erschreckender Weise gehäuft. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgend­wo eine Mrende politische Persönlichkeit den Kugeln eines oder mehrerer Fanatiker zum Opfer fällt. Man denke nur an die allerletzte Zeit (Erzberger, Rathenaus und sehe dabei ganz von den Persönlichkeiten uns der lUMvaMscheu oder unshmvathischen Stellung­nahme ab, die wir als Deutsche ihnen gegenüber einnebmcn. In Prag ist der tschechische stinaaz- minister B c n e s ch. wohl einer der bedeutend­sten Volkswirtschaftler unserer Zeit, einem At- tentor zum Opler gefallen, in Köln ist auf dc: Verräter Smeets ein Mordanschlaq versucht worden, und nun ist neuerdings wieder d-r russische Delegierte Worowski in Lausanne das Opfer einer volitischen Mordtat geworden, und am gleichen Tage haben Rovolisten in Ton- lousv einen allerdings mißglückten Angriff auf C a i l l a u r unternommen.

Von welcher Seite man auch all diese Mord­taten betrachten will, man wird sie nicht nur aufs schärfste verdammen und beklagen müssen, sEoern schwer bektreileu Mmten. Jeder einige rmaßen in der Geschichte bewanderte Mensch weiß, daß niemals ein Attentat, von trvlcher Seite es auch ausgeaangen ist. außer dem Vertreter des Snstems, dem das Attentat in seinen redlichen Zielen galt, auch dieses Sd- siem selbst getroffen hätte. Es ist möglich, daß diese Jahrtausende bekannte, also wobl auf Na­turgesetzen beruhend? Tatsache von fanatischen Schwarmgeistern vergeffen wird: aber wie ist es möglich, daß auch oft volitisch denkende Män­ner die Babu der Geschichte nicht kennen, und daß sie trotzdem kaltblütig aus dem Hinterhalt heraus unter Aufwendung großer finanzieller Mittel, vieler Arbeit und Müßen die Gesckosse der Mörder auf ein Ziel bin lenken, von dem ans diese unbedingt auf sie selbst, mit bedeutend schwererer Kraft und Wucht zurückschnellen müssen.

Schon im Altertum hat sich iene Wahrbeit, die als ewige bezeichnet werden kann, bewährt, daß das politische Attentat nur den Ver­treter eines Systems beseitigt, nickt aber dieseS selbst, sondern im Gegeneil dieses stärkt. Die Ermordung des Julius Caesar konnte das Ende der Freiheit der Republik nicht aufhalien, konnte nicht bewirken, daß Rom nicht unter die Gewalt eines Einzigen, eines Herr­schers kam, sie führte nur dazu, daß ein Schlech­terer als Caesar sich der Herrschaft Roms be­mächtigte. Und so war es durch Jahrhunderte. Ob es dem Mörder glückte, den aufs Ziel Ge­nommenen zu töten oder nicht, stets haben sich an die Tat die schwersten Folgen für die Partei des Täters geknüpft. Carl Ludwig Sand^ ein überspannter junger Fanatiker, tötete am 23. März 1819 in Mannheim den Dichter Kotze­bue. in welchem er die Jncarnation alle? Schlechten erblickte,, den für Rußland spionie­renden Feind Deutschlands, der die deutsch? Freiheit unterdrücken wollte. Und mit dem Jenenser Studenten Sand waren viele der be­sten Deutschen, war die ganze studierende Ju­gend einer Meinimg. Und doch begann mit Kotzebues Tode in Deutschland die fürchterliche Zeit der sogenannten Demagogenverfolgungen.' die den letzten Rest von Freiheit, der Deutschland noch eigen war, raubte.

Felix Orsini, der durch sein Attentat auf Napoleon HL am 14. Januar 1858 den trau­rigen Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, die Domben-Attentate eingesührt zu haben, hat Napoleon selbst mtr leicht verletzt. Aber seine Bomben töteten und verwundeten nicht nur 141 Personen, sondern wirkten auch so verheerend auf das ganze französische Volk, daß von jenem Tage an sogar ganz liberale Elemente nach ge­setzlichen Einschränkungen des politischen Le­bens verlangten, und daß jener Mordtag der eigentliche Geburtstag der französischen Reaktion unter Napoleon genannt werden kann. Am 21. Mai 1878 schoß der Leipziger Klempnerge­selle Mar Ho edel und wenige Wocken später, am 2. Juni, der Hallenser Doktor Carl Ro- biling. ein Deklassierter mt8 eigener Schuld, aus den greisen Kaiser Wilhelm I., und was dem Fürsten Bismarck vermutlich ohne diese Attentate nur schwer twlungen wäre, gelang ißm nun sehr leicht: das von ihm geplante Aus­nahmegesetz gegen dieaesäsirlicken Bestre­bungen der Sozialisten" wurde im Oktober des­

selben Jahres angenommen. Freilich mit dem von Bismarck unerwarteten, von anderen pro­phezeiten Erfolge, daß nunmehr die Stimmen« zahl der Sozialisten erst recht anwuchs. '

Es sind nur wenige markante Fälle, die hier erwähnt sind; sie könnten zu Hunderten aufge­zählt werden und ein ganzes Buch füllen. In der Geschichte aller Länder hat sich das Gleiche gezeigt, von welcher Seite oder Partei auch das Attentat ausging. Ueberall und zu jeder Zeit war ein Attentat das schlechteste Be­weismittel für eine Sache. Es hat Asien- täte gegeben, deren Taten aus edelster Begeiste­rung geboren wurden, wo Männer, die mit Mui und Entschlossenheit offen und ehrlick ihr Leben dabei zvm Opfer brachten, und dock ist ihre Tat stets beklagt worden, und immer hat die Ge­schichte sie als verirrte Toren bezeichnet. E. N.

Nach Eintreffen der Noten.

Besprechung in der Netcksregierung.

(Eigene Drahtmelduna.l

Berlin, 14. Mai.

Wir wir erfahren, werden am Montag die siesssrtbesprechungen über die englische Note be. ginnen. Tie deutsche A n tw o rj an alle Alliier­ten wird nicht von Donnerstag abgehen, viel­leicht auch erst unmittelbar vor Pfingsten. Tic Gewerkschaften und die Sozialdemokraten ver­stärken auf den Kanzler den Druck, in der neuen Rote die deutschen Garantien genau zu be- -eichnen und erforderlichen Falls zu erweitern, um iu der Grundlage von Verhandlnugen mit der. Entente tii kommen. Wie aus Parlament e rischen Kreisen verlautet, ist es unwahrschcin- lich, daß noch vor Pfingsten im Reichstag eine große außenpolitische Aussprache stattfindet. Die Parteien mit Amsnahme der beiden Flü- gelpartei-n stehen auf dem Standpunkt, daß eine solche Aussprache im gegenwärtigen Augenblick unzweckmäßig sei und daß sie bis nach den Feier­tagen ausgeschoben werden kann. Die Erklär»», gen, die der Reichskanzler über die englische «nv italienische Note abzugeben beabsichtigt, würden demnach kurz nach Schluß der parlamentarischen Pfingstferien zu erwarten sein. (Den Inhalt drr Noten stehe zweite Seite. Die Redaktton.)

Amerika Sofft auf weiteren Dorfchlag.

Newyork, 14. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Washington wird berichtet: Der Staats­sekretär Hughes war Freitag früh beim deutschen Botschafter. Das Staatsdepartement hat den Empfang der deutschen Note vom 2. Mai offiziell bestätigt, ohne weitere Mitteilungen daran z» knüpfen. Der Verlautbarung zufolge war beab­sichtigt, die deutsche Rote zum Gegenstand einer Aussprache mit den Alliierten und Deutsch­land zu machen, die schnelle französische Ableh­nung machte diese Absicht unmöglich. Die Erwartungen auf eine Verhandlungsanregung durch Amerika werden jetzt auf die kommende zweite Rote Deutschlands gestützt.

Englische Anregung.

z London, 14. Mai. (Eigene Drckhtmeldung.) Die Times berichtet: Mit dem Abgang der eng­lischen Note nach Berlin ist auch der englische Botschafter in Berlin beauftragt worden, eine neue Persönliche Anregung bei der deutschen Re­gierung zu geben. Der Botschafter wird der deutschen Regierung feinen Rat erteilen, aber ihr nahelegen, den Notenwechsel fortzu - setzcn und mit Garantien gestützte Angebote an die Alliierten zu machen.

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Italienische Vermittlung.

Zürich, 14. Mai. (Privattelegramm.) Der MailänderSerolo" meldet, daß Mussolini an seinem Entschlüsse einer diplomatischen Intervention im Ruhrkonflitt festhalte, je­doch die Grundlagen erst durch ein für Frankreich günstigeres deutsches Angebot erblicken könne.

Dauernde Besetzung.

Nene französische Maßnahmen imRuhrgebie! (Eigener Trabtbericht.)

Paris, 14. Mai.

Rach den militärischen und übrigen Borbe­reitungen zu urteilen, ist seitens Frankreichs noch kein Nachlassen der Maßnahmen in der Ruhrbesetzung zu erwarten. Im Seine­departement werden fortgesetzt noch Arbeitswil- lige für das Ruhrgebiet gesucht. Ingenieure werden mit zweijährigem Kontrakt (!) ver­pflichtet. Am 15. Juni soll auch eine eigene Flugverbindung zwischen Essen und Paris eingerichtet werden. Am Donnerstag sind über dreitausend französische Eisen­bahner neu nach dem Ruhrrevier abgegangen,

gleiche Transporte werden aus den Übrigen De­partements gemeldet. Die deutsche Note hat Po- inearss Stellung, die durch die ungenügenden Transporte aus dem besetzten Gebiet Angriffs­flächen bot, eher gefestigt. Ein Ende des Kon­flikts zwischen Deutschland und Frankreich ist nur durch gemeinsame Arbeit aller Alliierten, einschließlich Amerikas, zu ermöglichen.

Die französische Willkür. (Ein Vormarsch ins unbesetzte Mannheim. . (Eigene Drahtmeldung.)

Mannheim, 14. Mai.

Eine französische kriegsstarke Kompagnie mar­schierte mit Feldküche und Bagagewagen über die Rbeinbrücke am Hauptbahnhos vorbei zum Reckarauer Uebcrgang und bezog die bisherigen Gebäude des Brauntohlensyndikats. Zweck die. ses Vorgehens ist offenbar eine Verstärkung der Garnison. Wiederum sind also Franzoken durch unbesetztes Gebiet gezogen. Der Marsch hat diesmal die Hauptverkehrsader der inneren Stadt durchschnitten. Seit dem 9. Mai mittags ist der Verkehr mit Booten über den Rhein bei Speyer, der als Ersatz für die unterbrochene Schiffsbrücke diente, von den Franzosen v e r. boten. Damit ist der unmittlbare Verkehr zwischen Speyer und dem benachbarten badi- scheu Bahnnetz unterbrochen.

2Iu< Den Wohnungen vertrieben.

Düsseldorf, 14. Mai. (Privattelegramm.) Den Bürgermeistereien der Rheinpfalz wurde am Samstag der Befehl der französischen Komman- vontt-r zugestellt, wonach Wohnungen vor der Tätigkeit der Wohnungsämter den Mili­tärbehörden anznzeigen sind, die über ihre Beschlagnahme zu verfügen haben. In Worms haben die Franzosen 17 in Ludwigsha­fen 15 Wohnungen beschlagnahmt, deren Inha­ber bis 30. Mai zu räumen haben. Wie die , Bossische Zeitung" hört, soll Frau Bertha Krupp der Befehl zugegangen sein, binnen vier Tagen Billa Hügel zu räumen.

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Don den Franzosen erschossen.

Oberhausen, 14. Mai. (Privat - Tele­gramm.) In Oberhausen wurde ein Unbe­kannter im Stadtteil Lierich von den Fran­zosen erschossen. Gegen neun Uhr abends wurde der französische Staatsangehörige Niko­laus Eberharp aus Corbach auf dem Wege nach Sterkrade erschossen, weil er auf den Ruf eines französischen Postens nicht stehen ge­blieben war. Der Erschossene wollte seinen in französischen Diensten stehenden Sohn besuchen.

e

Die Kosten der Derleibigung.

Berlin, 14. Mai. (Privattelegra-mm.) Der FinanMinister hat angeordnet, daß für alle Prozesse vor den französischen Kriegsgerich­ten im Ruhrrevier gegen Deutsche die Kosten der Verteidigung von der Reichs lasse zu übernehmen sind. Nach amtlicher Zusammen­stellung im Reichsverfehrsministerium sind vom 1. bis 10. Mai insgesamt 1840 Eisenbahner mit Familien aus dem besetzten Gebiet a u s ge­wiesen, während mehr als 150 Eisenbahner wegen Sabotage sich verantworten sollen.

Die Nüssen in Lausanne.

®ie Delegation reist nicht ab.

(Eigene Drahtmeldun«.)

Lausanne, 14. Mai.

Die russische Delegation hat Befehl aus Moskau erhalten, nicht abzureisen, sondern in Lausanne zu bleiben. Ter schweize­rische Bundesrat bat inzwischen angeordnet, daß der polizeiliche Schutz der diplomattschen Vertre­tungen auch auf die Russen ausgedehnt wird. Der verhaftete Attentäter hat ausgesagt, daß der von ihm getötete Botschafter Wo rows- kikrüher Henker in Rischni Nowgorod ge­wesen fei, wo er Mutter, Vater und zwei Ge­schwister in grauenhafter Weise habe foltern las. sen, bevor sie hinqericktet wurden. Er habe die­sen Schandfleck deS Menschentums ausgelöscht und empfinde große Beruhigung über feine Tat.

Transport drr Leiche nach »erlitt.

Lausanne, 14. Mai. (Eigene Drahttnel- düng.) Die kommunistische Partei hatte beschlos­sen, in den Straßen von Lausanne zu demon­strieren. Die Kantonalregierung hat diese Kund, gebung untersagt mit der Erklärung, daß die Er- mordung Worowskis lediglich die Polizei und Kriminalpolizei angehe nnd mit Politik nichts zu tun habe. Ter Leichnam WorowskiS ist am Sonntag abend nach Berlin gebracht worden. Tie fyndikalistische, sozialistische und kommu­nistische Gruppe haben ihn mit ihren Fahnen bis zum Bahnhof begleitet. Diese Kundgebung wurde nicht verboten, aber es wurde nickt gestat­tet. daß irgend eine Rede gehalten wurde.

Gegen Frankreich.

Erklärung des amerikanischen Botschafters.'

Berlin, 13. Mai. .

Einer Reuter-Mttdung aus Rewyork zufolge erklärte der dort eingetroffene amerikanische Bot.

r Berlin, Houghtou, in einer Un­terredung. Deutschland habe alle Hoffnung auf Erzielung auswärtiger Hilfe bei der Regelung des Reparationsproblems aufgegeben uird et- tenne jetzt, daß es seine Schwierigkeiten allein bewältigen müsse. Er sei der Ansicht, daß Deutschland mehr als irgend ein an­deres Land die Regelung der Reparations- ftage wünsche, aber die Ruhrfrage habe zwei- sellos das Verhältnis Deutschlands zu Frank- reich noch gespannter oemndjt. Der Botschafter sprach sich weiter dahin aus, daß in Deutschland seit der Besetzung der Ruhr die Arbeitslosigkeit zugenommen habe, daß aber die deutsche Re­gierung nicht gefährdet fei, und daß Deutschland weit mehr an Arbeit als an Krieg denke. Deutschland habe den ausrich­tig en Willen, die Reparationsfrage zu lö­sen. Es sei aber auch sicher, daß durch die Be­setzung des Ruhrgebietes die Erfüllung dieser Bestrebungen sehr erschwert werde.

Beschluß englischer Studenten.

London, 13. Mai. Das Oxforder Stuben- tenparlament nahm mit 128 gegen 71 Stimmen einen Beschlußantrag an, der besagt, daß die Selbstsucht der französischen Politik feit 1918 die Menschheit zu einem neuen Weltkrieg verurteilt hat. Die französische Partei in England machte verzweifelte Anstren­gungen, um dieses Mißtrauensvotum zu verhin­dern. Die Aussprache, die gleichzeittg im Un­ter ü o u f e stattfand, stand durchaus unter dem Gedanken, den jener Beschlußarttrag ausspricht. Der Gkanzpunft war die große Anklagerede Morels gegen den französischen Mi­litarismus, welche die meisten Blätter voll­kommen totschweigen. der aber ein volles Haus mit größter Aufmerksamkeit folgte. Morel unter­strich, wie die Schuldlüge der ganzen heutigen europäischen Rot zugrunde liege. Viel bemerkt wurde auch Robert Cecils Warnung zu der Notwendigkeit einer aktiven Politik. Der junge unabhängige Konservattve Mosley, ein Neffe Curzons, kritisierte mit beißendem Witz die Po­litik der englischen Regierung, als eine Politik des Zitterns, eine Politik würdig einer Qualle.

Die Schreckenstaten der Feinde.

Unter der Knute der Schwarzen!

Wiesbaden, 18. Mai.

Die Arbeiterin Bredorf wurde in ihrer Wohnung von einem Marokkaner durch Schüsse in die Brust schwerverletzt. In den letzten Tagen waren die Franzosen dazu übergegangen, in Mainz zaUreiche am Bebel- ring wohnende Eisenbahnersamilien auf die Straße zu setzen und die Wohnungen zu be. s ch l a g n a h m e n. Die fürchterlichen Szenen, die sich dabei abspielten, lockten zahlreiche Neu­gierige herbei. Plötzlich erschien am Bebelring ein Trupp von etwa dreißig Mann S p a h i s zu Pferde und sagten mit gezogenem Sä­bel, auf der Straße und dem Bürgersteig rei- tend, die Menschenansammlung auseinander, während andere Spahis auf Fahrrädern vor den Reitern auf dem Fußsteig herfuhren und mit Reitpeitschen auf die auseinanderstiebende Menge einschlugen. Die Vorgänge hielten bis zum Einbruch der Dunkelheit an. In Mainz ist ein holländischer Schiffer von einem französischen Poften erfchoffeu worden.

Aus dem Ruhrgebiet.

Herne» 13. Mai. Auf dem Güterbahnhof in Herne waren mehrere deutfche Eisen­bahnbeamte an einem Eisenbahnwaggon be- chästigt. Plötzlich wurden sie von Franzo- en beschossen, wodurch drei Beamte so chwerverletzt wurden, daß sie in ein Kran- enhaus geschafft werden mußten. In Glad. i e ck wurde, wie nachträglich bekannt wird, ein '«nges Mädchen, das sich in Begleitung seines Bräutigams aus dem Heimwege befand, von belgischen Soldaten mißhandelt und vergewaltigt. In den darauffolgenden Ta- gen überfielen belgische Soldaten zahlreiche Einwohner und beraubten sie um Geld, ummen von 1600 bis 40 000 Mark, auch stah­len sie einem Landwirt ein Schwein aus dem Stall. Auf die Meldung an den Kommandanten ist noch keine Antwort erteilt worden.

Die französischen Diese.

Berlin, 13. Mai. Rach einer Mitteilung des Vizepräsidenten der Reichsbank v. Glasenapp haben die Franzosen mit dem Ruhreinfall nicht weniger als 27 180 Millionen Mark gewaltsam weggenommen. Aus Wies­baden wird gemeldet, daß die dortige franzö-