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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 117.

Einzelnummer 150 Mk.

Donnerstag, 24. Mai 1923.

Einzelnummer 150 Mk.

13. Jahrgang.

Frankreich bereitet einen Stnrm vor.

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Englands Kabinett

Was bedeutet der Wechsel für uns?

Um einen Regierungswechsel in Eng- kand, nicht nur um eine Veränderung in der Mi- nister-Präsidentschast handelt es sich bei den ge­genwärtigen Vorgängen in der inneren engli­schen Politik. Nicht nur, daß auch jetzt die alte englische Tradition gewahrt wird, wonach beim aVüdtritt des Kabinettsleiters jeweils eine Um­gestaltung der ganzen Regierung erfolgt, sondern auch im Hinblick auf die gegenwärtige gesamte weltpolitische Lage wird in England eine neue Regierung sich bilden. Ja, wir hallen dafür, daß die allgemeine Zuspitzung der Dinge einen Kabinetts- und damit Führerwechsel geradezu als notwendig erscheinen ließ. Die diesmal wirk­lich vorhandene Krankheit des bisherigen eng­lischen Premierministers Bonar Law hat die Geschäftsführung der englischen Regierung ganz außerordentlich erschwert. Als Lord Curzon vor einiger Zeit seine bekannte Rede hielt, hatte maa sofort diesen Umstand im Sinne eines beabsich­tigten Herdortretens derjenigen Strömung in England, die eine aktive Anteilnahme Englands an den europäischen Geschehnissen wünschte, deuten können. Ja, es hat nicht an Stimmen gefehlt, die aussprachen, daß Lord Cur- Zon mit seiner Unterhaus-Rede, mit der er ent­scheidend in die ganze Reparationsfrage eingriff, einen beabsichtigten Vorstoß machte, um die Füh­rung an sich zu reißen und Bonar Law zum Rücktritt zu veranlassen.

Stanley Baldwin, der bisherige Finanz­minister, ist bereits zum Ministerpräsi­denten vom König ernannt worden. Was hat man von ihm zu erwarten? In einer Redei die jetzt nach der Annahme des Postens eines Mini­sterpräsidenten eine besondere Bedeutung hat, verwies Baldwin auf die Bedeutung eines völ­ligen Friedens in Europa im Zusammen­hang mit der Wiederherstellung des Handels,. Er sagte unter anderem, es könne keine allge­meine Ausnahme des Handels geben, bevor eine völlige Lösung des Reparations-Pro­blems zwischen den Deutschen und den Alli- ierten erfolgt sei. Es bestehe natürlich eine Lage von außerordentlicher Schwierigkeit durch die wircklichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Belgien aus der einen und Großbritannien auf der anderen Seite. Man müsse jetzt auf wettere Mitteilungen von Deutschland Watten, die, wie zu hoffen, et­was enthalten würden, was eine Vereinbarung zwischen den Miietten zustande bringen und schließlich zu einer Regelung führen werde.

Diese Aeußerung klingt ganz gut, besagt aber nichts, was nicht jeder andere Staatsmann auch fc.gt. Alle find der Meinung, daß das Repa­rationsproblem völlig gelöst und der Frieden völlig wiederhergcsstellt werden muß. Es kommt aber aus dasSie" an. Darüber darf es bei uns nicht den geringsten Zweifel und nicht die mindeste Täuschung geben, daß in dem eigent­lichen Kurs der englischen Polttik keine Aen- d e r u n g eintreten wird! Das gilt insbeson­dere für die Stellung Englands zur Reparations­frage und zu der Debanslung der fetzt schweben­den großen Fragen, bei denen wir nun in dem reuen Angebot eine bestimmende Rolle einzu­nehmen haben. Hätte Gur$on die Regierung übernommen, so wäre das nur das Anzeichen dafür, daß wir im Sinne einer verständnisvol­len Wertung unseres gegenwärtigen Kampfes absolut nichts zu erwatten hätten, denn die von Curzon selber unterschriebene englische Antwott- Note spttcht ja Bände. Ein Wechsel im System kann und Witt» ober auch unter Baldwin nicht eintteten, Weil die konservattve Gruppe für ab­sehbare Zeit die englische Politik beherrscht, und die Liberalen mit Lloyd George und Asguich im Parlament keine Mehrheit darstellen. Eine gründ­liche System-Aenderung wäre nur von Neuwah­len zu erwarten, aber es ist ausgeschlossen, daß dieses gegeniwättige englische Pattament sich selbst auflöst.

Die Pariser Presse erwattet vom Kabinett Baldwin, daß es die bisherige Politik fortsetzen werde. Noch vor ftrrzem hat die bis­herige btttische Regierung den Grundsatz aufge­stellt, unter allen Umständen an dem Entente- Verhältnis mit Frankreich festzuhalten. Das einzige Ziel und Streben der englischen Konservativen geht dahin, bei der Gestaltung der europäischen Dinge mitreden zu können. Gewiß will niemand in England eine überragende Stet» hing der Franzosen aus dem Festlande. Aber gerade um die Franzosen von zu weitgehenden Plänen abzuhalten, ist die gegenwärtig in Eng­land herrschende Richtung nur zu sehr geneigt, den Franzosen große Zugeständnisse zu machen. Wir müssen uns bewußt fein, daß nie von einer englischen Regierung der Gedanke eines auto­nomen Rheinstaates so offen vettrtten, ja auch gefordett worden ist wie von der Regie­rung, die die Lloyd Georgesche Richtmtg ablöste. Hatte Lloyd George durch steigenden Widerstand gegen die französischen Ansprüche unter Umstän­den auch einen Konflikt mit Frankreich auf sich

nehmen wollen, so ist bei der bisherigen und jet­zigen konservativen englischen Regierung, die in ihrem Grundcharatter auch nicht geändert wer­den wird, die Tendenz immer dahin gegangen, auf Kosten Deutschlands mit Frankreich zu Kom­promissen zu kommen. Wir haben also für die deutsche Politik nicht? von dem Regierungswech­sel in England zu .'warten, sondern nur von ihm zu fürchten. Baldwin wird die englische Politik, nach seiner Gesinnung zu urteilen, so sehr unter dem Gesichtswinkel des alleinigen eng­lischen Interesses sehen, daß das deutsche Ele- ment aus der Weltpolitik ausgeschaltet wird.

Eurzon will ouoschelvrn.

London. 93. Mai. (Eigene Drahtmekdung.) ES erscheint unsicher, ob Lord Curzon sich be­reit crHören wird, in einem Kabinett Baldwin weiter tätig zu fein, sodaß also unter Umstän­den eine vollkommene Neubildung des Ka­binetts notwendig sein wird. DerDaily Chro nieal" behauptet ermächtigt zu sein, mitzuteflen, daß Lord Curzon sich weigern wird, in ein Kabinett Baldwin einzutreten.

FmMerchs Gewattpottttk.

Bor einem Sturm im Ruhrgebiet k (Eigener Trahtbericht.)

Patts, 23. Mai.

Die Nachricht, daß die Deutschen höhere als die bisher angebotene Reparationssumme nennen wollen, wird hier ohne Hoffnung aus einen Erfolg ausgenommen. Der englische Kobinettswechsel läßt die ~tatur.feu befürchten, daß Deutschland nur bemüht bleiben werde, den englischen Wünschen entgegenzukonrnren, dir Frankreich bisher nicht angenommen habe. In zwischen fitzen die Franzosen an der Ruhr zum entscheidenden Sturm ein. Am ersten Pfingsttag sind im Seinedevartement alle Genietruppen von sechs Reservejahr­gängen einberusen worden. Zur Aus­dehnung der Eisenhahnkontrolle sind weitere Korps nach der Ruhr unterwegs.

Die Schaffungvollendeter Tatsachen".

Paris, 23. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der Regierungswechsel in London beschleunigt die letzten französischen Maßnahmen gegen Deutschland. Der neue Ministerpräsident Baldwin soll vollendeten Tatsachen g>.- aenübergestellt werden. Marschall Fach und die Generäle Cattelnau und Biuvelle sind am Mon­tag nach Mainz gereift. Der Kabinettsrat hat beide Ferettaax über getagt. Frankreich beflirch- tet eine Koalition Englands mit Italien gegen die Ausdehnung der Besetzung.

Abgabe vom Besitz.

Undurchführbar, solange Frankreich raubt.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 23. Mai.

Wie wir erfahren, hat der Reichsverband der Industrien den sozialdemokratischen Hermann Müllettchen Vorschlag, ein Fünftel des Be­sitzes für Reparationen zu verpfänden, für solange undurchführbar erklärt, als nicht vorher die französische Bereitschaft fiftzustellen sei, daß mit dieser Belastung die französischen Raubpkäne gegen die deutsche Industrie zu einem Abschlüsse kommen.-' In den besetzten Fabriketr der Ruhr und Rheinhessens haben die Franzo­sen i« mehr als zwanzig Fällen die streng ge­heim gehaltenen FabrikationsMethoden und die Kalkulationstabellen beschlag­nahmen bezw. durch Einbruch aus den Tres- sors entwenden lassen.

*

Frankreich verlangt mehr.

Paris, 23. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) DerTemps" nimmt zu dem Borschlag deS deutschen Sozialiftenführers, Hermann Müller, die deutschen Industrien, Banken, Bermögens- institute usw. mit einem Fünftel ihres B-^es für Reparationszwecke haften zu lassen Stel­lung. DerTemps" bezeichnet den $orr-"f"n als diskutierbar, nur müßten statt einem Fünftel drei Fünftel übereignet werden «nd auch die sehr hoch bezahlttn deutschen Lohnemp­fänger müßten gleiche Lasten übernehmen.

Englands neues Kabinett.

Baldwin als Ministerpräfident.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 23. Mai.

Der bisherige Schatzkanzler Stanley Bald­win ist vom König zum Leiter des neuen Ka­binetts ernannt worden. Baldwin hat das Amt übernommen. Damit ist die konservative Rich­tung an der Herrschaft geblieben und die bishe­rige englische Außenpolitik wird sich wohl nicht

ändern, sodaß die Reparationssrage nicht geför- dett werden wird. Man bezeichnet Baldwin als einen vorzüglichen Politiker, der hinter dem glatten und nichtssagenden Aeußeren des engli­schen Geschäftsmannes eine gewisse Kühnhett der Entschlüsse und sehr viel Zielbewußtsein ver­berge. Bor allem bemerkt man, daß er im We­sentlichen aus die Wirtschaftspolitik eingestellt ist. Aus wirtschaftlichem «nd finan­ziellem Posten insbesondere im Handelsamt habe er seine ersten großen politischen Erfolge er­rungen. Bor der Konferenz von Genua habe er als Leiter des wirtschaftlichen Komitees Lloyd George dazu veranlaßt, vor ieber endgültigen Abmachung mit den Sowjets Garantien zu ver­langen. Bon der stanzösifchen Presse wird Baldwin mit Hurstckhaltnng ausgenommen

LLm öas deutsche Angebot.

FranzSsisch-belgische Stellungnahme.

(Eigene Drabtmeldung.)

Bttissel, 23. Mai.

Zwischen Belgien und Frankreich er­folgt ständig ein Meinungsaustausch Über die Reparationen und über eine gemeinsame Antwort an Deutschland. Der BrüsselerSoir" veröffentlichte gestern abend eine Note, die allem Anschein nach offiziösen Charakter trügt und fol­gende Richtlinien der belgischen Poli­tik erkennen läßt: 1. Keine Veröffentlichungen der Alliierten, bevor die deutsche Note eingetroffen ist. 2. Eine internlliiette Note, die einheitlich redigjett und gemeinsam an Deuffchland gerich­tet würde, würde offensichtlich der Welt gegen- über einen besonderen woralifchen Eindruck ma­chen. Es muß dahingestellt bleiben und unter­sucht werden,b eine derartige gemeinsame Re­daktion mögl-ch ist. 3. Man darf nicht zu früh leine Rläne diskutieren, bevor man die Abfas­sung der dettffchen Bottchläge kennt.

Loucheur verlangt 50 Gold-FINMarden.

Paris, 23. Mm. (Eigene Drahtmeldrmg.) Minister Somffettr sprach in der Generalfitzung des Wiederaufbaukomitees der zerstötten Gebie­te, die in der Pariser Sorbonne stattfand. Lou- ch e u r nannte, im Gegensatz zu allen bisherigen französischen Verlautbarungen, eine Summe von fünfzig Milliarden Goldmark als einen der deutschen Leistungsfähigkeit enffpre- chenden Vorschlag, den Frankreich erwarten müsse.

Verzögerung der DorschiSge

London, 23. Mai. (Eigener Draküberiebt.) Rach englischen Blättermeldungen sind die deutschen Vorschläge noch nicht so bald zu erwarten. In den Gesvrächen des Kanzlers mit dem englischen Botschafter sollen zwtt Pläne erörtert worden sein und es scheine, daß die deutsche Regierung aus innerpolitischen Gründen einem annehmbaren Angebot zuneige.

Anter der fremden Gewalt.

Derkehrsbeschränkung und Geldraub.

lEigene Drahtmeldung.)

Düsseldott, 23. Mai.

Seit den Psingstfiiettagen ist über das links­rheinische Gebiet des Düsseldorfer Be- zirks eine schwere VerkehrSbeschrän- kung verhängt. Vom 1. Pfingstfeiertag an wur­de jeder Fuhrwerksverkehr im Gebiet der Linien der rheinischen Bahnaesellschast von 9 Uhr abends an unfrrfggt Am Sonnabend beschlag­nahmten belgische Kttminalbeamte in der städti­schen Gasanstalt in Krefeld über 10 Millionen Mark Erwerbslosengelder. Am Sams­tag nachmittag wurden in der Stadthalle eben­falls durch belgische Kriminalbeamte Unter- ftützungSaelder für die Arbeiter der Kruppschen Werke in Höhe von 135 Millionen Mark beschlagnahmt. Ans der Eisenbahnstrecke Krefeld-München-Gladbach explodierte eine auf die Schienen gelegte Bombe. Lokomotive und ein Güterwagen wurden schwer beschädigt.

Die Illassen-Tluswtisungen.

Düsseldorf, 23- Mai. (Pttvattelegramm.s Während der Pfingsttage sind auS dem besetzten Gebiet ölOPersonenausgewiesenwor- den. Das Rttchökabinett hat einen weiteren Kre­dit von einer Milliarde Mark zu dringenden Un- tettlützungSzwecken für auSgewiefene Deutsche und deren Familien bereitgestellt.

«Naßer aM Ersatz.

Karlsruhe, 23. Mai. (Privattelegramm.i Wie aus Straßburg gemeldet wird, find am Montag IZOZollbeamte der elsässischen Zollregie nach Offenbnrg in Baden transportiert worden. Dem PariserMatin" zufolge soll die neue Zollinic in Süddeutschlnnd die wichtige Bahnlinie Frankfnrt-Dafil einschließen.

Nur Verwüstung.

Das Ergebnis der Franzosenherrschaft.

Folgender Brief an« Trier, der nnS $ttr Verfügung gestellt wird, schildert die fürchter­lichen Znftitnde unter der Franzosen -Willkür.

Ich hoffe, daß dieser Bttef dich errttchcn wird, wenn auch nach einet langwierigen und komplizierten Reise. Seit die Franzosen hier den Transport von Briefsachen auf der priaten und Moselialbahn Trier-Bullay und mich durch improivsterte Automobillinien verboten haben, sind wir jo gut wie abgeschnitten von aller Welt. Du kennst mich und meinen Stand­punkt und ich denke immer noch wie früher: sie sind schon ost hier gewesen, aber nie geblieben. Du verstehst. Unsere Altvorderen haben aller» Hand durchmachen müssen; aber immerhin, wenn es ihnen zu viel wurde, dann schlugen sic drein. In der Eifel und auf dem Hunsrück war man einigermaßen sicher. Siehst du, das können wir heute nicht. Wir können einfach nicht, wir rnüs- fen aushalten. D i e Franzosen sind überall. Es gibt kein Kreisstädtchen diesseits des Rheins, in dem nicht ein Haussen Soldaten und ein Kreisdelegierter der Rheinlandkomnus- sion sitzen.

Am schlimmsten ergeht es jetzt den deut­schen Eisenbahnern. Wenn ihr auch brü- den davon lesen werdet, einen richtigen Begriff davon könnt ihr euch nicht machen. Erinnerst du dich an den kleinen Ort Ehrung, wo die Eiset- und Moselbahn zusammenlaufen? Dott gibt es neuerhaute Kolonien für Eisenbahnbeamte und Arbeiter. Kürzlich, an einem Montag, so gegen 10 Uhr morgens kommen zwei Schwadronen Spahis und öeubareVri», -

geln eine der Kolonien, treiben alles Le­bendige zusammen auf den großen Pbg in der Mitte und geleiten den Zug von über fünfzig Menscben zur Bahn. Dort werden sie in mehrere Waggons hiueingeluckt und fort geht's über den Rhein. Es wurde den Männern samt ihren Frauen und Kindern nicht einmal Zeit gelassen, sich ordentlich anzuziehen, ein paar Lebensmittel und etwas Gettänk für die Reise mikzunehmen. Ein Teil der Kinder war in der Schule u. steht jetzt buchstäblich verlassen aus der Straße. In der Siedlung in Euren unp in Conz-Kcr-thans ist es den Eisenbahnerfami- tien genau so ergangen. Dir kannst dir unsere Geistesverfassung vorstellen. Wenn es den Fran, seifen paßt, dann treiben sie uns wie das Vieh utfmitmen mit Peitfchen und Gewehr! Kolonialmethoden! Das kann kein gutes Ende nehmen.

Wo soll das hinführen? Selbst wenn eine Einigung irgendwie Mischen Deutschland und Frankreich erzielt werden könnte, die Zustände hier würden sich kmrm ändern können, jeden­falls nicht von heute auf morgen. Wie soll die Bahn wieder in Betrieb genommen werden? Die gan.ze Direktion ist ausgewiesen, vier Fünf­tel des mittleren und unteren Dienstpersonals ebenfalls. Die Wettstättenarberter von Trier- West. Ebrang, Conz-Karihaus sitzen anck» jenseits des Rheins. Die Lokomotiven find ver­rostet. nicht fahrbar, die Stellwerke funktionie­ren nicht, wenn es zumFrieden" kommt, öe&tS, doch nicht. Es sind keine Eisenbahner da und die ganzen Bahnanlagen sind in den vier Mo­naten vollkommen verlottert. Und siebst du, das schrecklichste für uns ist dabei der Gedanke, die Erkenntnis, daß der Frawose die Zerstörungs-i atbeit mit allem Vorbedacht und mit Ueberleg-, tng durckfühtt. Er rächt sich an uns Rheinlän­dern. Wir sind ihm nicht zu Willen, wir be­kämpfen feine Annerinospläne, wollen von der .rheinfJen Republik" nichts wissen. Und nun haust er vier, wie alle französischen Invasions­armeen Küher gehaust haben. Was liegt ihm an Reparationen und Wiederaufbau der Kriegsge- biete. Daß er it ns den Fuß aufdeu Nak- ken fetzen, daß er uns die Pe itsche überhauen kann, das ist ßhm wichtiger. Und wenn er schon das linke Rbttnufir nicht kriegen kann, dann will er es wenigstens minieren. Du kennst meinen Standpunkt, glaub' mir. mit dieser Ration war nie Frieden zu halte" imb wird auch nie Frie- den w batten sein. Es wird, wie immer letzten Endes, hatt auf hart gehen, auch diesmal, a.

BeWens 2XbW von Trankre!ch?, Für eine alliierte Einheitsfront.

In derEre Nouvelle" lenft der politische Mitarbeiter die Busmerksamkttt auf den Um­schwung in der belgischen Politik. Er schreibt: Sehr genaue Mitteilungen erlauben unS die Versicherung, daß wir in kurzer Zeit d a S E « d c der Politik vom 11. Iammr etteben werfen. König Albert hat die Initiative ergriffen, da ihm die diplomatische Isolierung, in die sich Belgien infolge der Methoden von T h e u n i 8 und P o i n c n r 6 hineinbegeben bot, sehr beunruhigt. ES bestätigt sich die An­sicht, daß diese Befürchtung von hervorragenden Persönlichkeiten geteilt wird, daß der König an eine Kabinettsumbildung denkt und