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Hessische Abendzeitung

Freitag, 25. Mai 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 150 Mk<

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Kassckr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Nummer 118. Einzelnummer 150 Mr.

Aufruhr mit fraurösischer Unterstützung.

Dkr Aufstand im Ruhrgebiet.

Städte und Zechen unter der <S2toc.lt der Kommunisten.

Duisburg, 24. Mai. (Privattelegramm.) Aus Gelsenkirchen wird heute früh 7 Uhr gemeldet: Um die innere Stadt wurde um Mit­

ternacht noch gekämpft, Ununterbrochen hörte ntan Gcwehrfeuer und das Einschlagen von

Handgranaten. In das Knappschaftskran- kcnhaus find Verwundete eingeliefert wor­den, darunter elf Polizeibramte und drei­zehn schwerverletzte Anführer der Kommuni­st e n. Auch drei Russen sind unter den Ver­letzten, die Personalausweise der Berliner Sow-

setgesandtschaft bei sich führten. In Gelfenkir- chrn haben gegen Mitternacht in der inneren

Stadt Plünderungen begonnen, denen ge­gen 2 1161 die Franzosen ein Ende machten. Mehr als zwanzig Geschäfte sind to­tal a n s g e r a u b t. Ans dem Hauptbahnhof Gelsenkirchen haben die Kommunisten die Sta­tionskasse erbrochen im) mitgenommen. Die französische Wache auf dem Bahnhof verhielt sich passiv. (!) Das Polizeigefängnis in Gelsen- kircksen wurde von den Kommunisten erstürmt und die Fnsaffen sind den roten Hundertschaften einverlcibt worden. Heute früh sah man auf einer

schicht erschienen, wurden mit Knüppeln ver­trieben. Die kommunistische Bewegung hat auch auf Recklinghausen übergegrisfen. Die Kommunisten haben in Recklinghausen gestern abend den Güterbahnhof besetzt.

Die Roten in Kerne.

Dortmund. 24. Mai. (Privattelegramm.) Ans Herne wird gemeldet: Von Harpen aus sind gestern acht kommunistische Hun­dertschaften militärisch in Herne eingerückt. Nach einem Appell vor dem Hauptbahnhof wurde eine Anzahl Gasthöfe für die Unterkunft regui- Urrt. Die Ruhe war bis Mitternacht gestört. Herne ist in der Gewalt der Kommunisten. Heute früh waren fünf Zechen vor der Stadt von kommunistischen Trupps besetzt.

Die fremde Gewalt.

Düsseldorf, 24. Mai. (Privattelegrmnm.) Der PariserTempB" uieldet, daß der Minister rat den Marschall Fach mit einer Sonder­miss: on in das besetzte Gebiet beauf-

Anzahl öffentlicher Gebäude die rote Flagge.

tragt habe. Marschall Fach und mehrere Gene­räle weilen bereits feit Dienstag in Mainz.

Besitzung Von Äe<ven.

Dortmund, 24. Mai. (Privattelegramm.) Auf den Zechen Tremonia, Scharnhorst und Gneisenau haben in der Nacht kommuni­stische Stoßtrupps die Schachtanlagen be­setzt. Arbeiter, die heute früh zur Früh-

(Yestern abend verhafteten die Belgier in Horst- Emscher den Polizeiinspettor Kühlmann wegen angeblicher Geheimbündclei der Schutz». Die Reue Rheinische Beamten.zeitung" wurde für die Zeit vom 3. Juni bis 23. September von der Rheinland-Kommission verboten.

Der steigende Dollar.

Was wird aus der Mark?

Es ist lange her. seit man von der .Groschen- Mark" sprach. Dann wurde das Schlagwort Pfennigmartt geprägt. Lang, lang ists her, und es ist heute sehr schwer, eine genaue Be­zeichnung für die Paviermark zu finden. Tenn der Kurs, den der Dollar am Tage nach dem Pfingstfest notierte, nämlich 57000, bedeutet, daß die Mark danach mir dem 196 st en Teil eines Pfennigs zu bewerten ist. Wir be­merkten bei einer Erörterung der Dollarhausse unlängst, daß der Kampf, den die Reichsbank zur Stützung der Mark kämpit. mit untauglichen Mitteln geführt werde; vielleicht handelt es sich auch um einen Versuch am untauglichen Objekt. Die Entwicklung, die die deutsche Valuta seit­dem genommen hat, legt die Besorgnis nahe, daß die letztere Annahme die richttge ist. Die Neichsbank hat zwar in den letzten Tagen*noch Devisen abgegeben, um ein sprungweises Hinauf­schnellen des Dollars nach Möglichleit zu ver­hindern; aber die Wirkung war gleich Null. Zwar hört man allerlei Geheimnisvolles über die neuen Pläne, die im Reichhwirtlchafts- ministerium zur Bekämpfung des De­visenhandels erwogen werden, aber es steht zu befürchten, daß das Konzilium der Aerzte erst dann zu einem positiven Ergebnis ge­langt, wenn der Patient tot ist.

Der Kampf, den die Negierung und die Neichsbank gegen den Dollar führten, war eben fruchtlos, weil man den Ursachen nicht bei- zukonunen vermag, die den chronischen Rückgang der Mark verschulden. Diese Gründe liegen in der F i n a n z m i s e r e und in der P 0 l i t i k, die beide eng zusammenhängen. Das Anwach­sen der schwebenden Schuld des Reiches, die nach dem letzten Ausweis der Reichsbank be­reits auf über achtundeinhalb Billionen Mark angeschwollen war, macht alle Anstrengun­gen der Neichsbank zunichte, und die Devisen, die sie aus ihrem durch den Fortfall der Repa­rationszahlungen angehäusten Fonds ahgieüt, bedeuten nur einen Tropfen auf den heißen Stein.

Die Katastrophe der Mark ist aber eine Kata­strophe für Jedermann, und nicht ohne Grund lautet die tägliche Frage: Wie stchtder Dol­lar? Es ist eine Lebensfrage für jeden, der in Papicrmark zahlt und in Papiennark bezahl: wird. Die Wirkung der neuen Markbaisse macht sich denn auch bereits in weiteren Preisstei­gerungen auf der ganzen Linie bemerkbar. Eine neue Teuerungswelle hat eingesetzt und mit ihr der Kampf um die Lohn- und Gehaltserhöhungen, deren unzweifel­haftes Endergebnis wiederum neue Preissteige­rungen Hervorrufen muß. Es tft die Schraube ohne Ende, an der auch die Reichsregieruug, die doch eigentlich den Marksturz aufhalten wollte, gewissenhaft" Mitarbeiter in Form der Er­höhung der Eisenbahntarife (um hunbett Prozent für die Personen- und fünfzig für die Gütertarife), denen die Posttarife bald folgen werden. Eine ebeuialls recht uner­freuliche Nebenerscheinung der neuen ibwrkbaisse ist die Katasrrophenhausse an der Börse, die ja aus der Flucht vor der Nkark beruht. Alles drängt nach Sachwerten.

Die neue Martbaisse hängt natürlich eng und unlösbar zusammen mit der Ruhrfrage, mit der dorr von den Franzosen betriebenen Wctt- vernichtung und den ungeheuren Anforderungen, die damit an die Reichstage gestellt werden. Wir dürfen nicht vergessen, daß oer Dollar vor dem Ruyreiabruch mit knapp 10000 Mark bewertet wurde, während er seitdem auf nahezu das Sechsfach« gestiegen ist. Die Aussichten für die Lösung des Reparations pröble ms sind aber angesichts der französischen Obftruttions- polittk sehr ,raswürdig, und der Kabinettwechsel in England bedeutet eine weitere unerfreuliche Verzögerung. > Wenn es durch den geplanten neuen Schritt des Kabinetts Cuno überhaupt zu Verhandlungen kommen sollte, so werden sie jedenfalls sehr schwierig und langwierig sein, und ein Ergebnis, wenn ein solches überhaupt zu erzielen ist. würde auf alle Fälle die Auf- bürdungsoschwererLastenfür Deutsch­land, die Auferlegung so drückender Reparations­leistungen bedeuten, daß auch das wieder eine ungeheuer schwere Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft, für die Mark darstellcn würde. Die Aussichten auf einen Ausweg aus dem Labyrtnt der MarUarastrophe sind also nur

gering. Die Reichsfinanzen haben zwar in den letzten Wochen eine gewisse Entlastung erfahren. Es ist endlich gelungen, die rückständigen Steuerbeträge einzukassieren und für Steuervorschiiffe in immerhin beachtlichem Umfange Sorge zu tragen. Der starke Zufluß an Bargeld macht es dem Reiche weniger schwer, den neuerdings erhobenen Gebaltsforderungen zu entsprechen. Aber das wird nur vorüber­gehend sein, solange der Druck der Feinde auf Deutschland lastet. Der MahnrufD u r ch h a l - ten!" ist jetzt von besonders schwerwiegender Bedeutung. Dr. «k.

Englands neues Kabinett.

Die bisherige Richtung bleibt.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 24. Mai.

Stanley Baldwin wird als Premicrmini- ter keine Aenderung der auswärtigen Politik herbeiführen. Er verdankt feilte Ernennung neben der alten Fehde zwischen den Diehards und Lord Curzon insbesondere dem allgemeinen Gefühl gegen einen Premier, der Mitglied dcS Oberhauses ist. Baldwin ist Premier vom Schlage Bonar Laws und sieht die Reparations. frage mit den Augen des grasten Geschäftsman­nes an. Er ist der City sehr willkommen. Wir gemeldet, macht die Nertbildung des Ministe­riums Fortschritte. Baldwin erklärte, er hoffe, ein Kabinett bis Freitag zusammengestellt zu haben. Vier endgültige Ernennungen stehen fest: Es bleiben Lord Curzon (Außenmini- ter). Lord Derby (Kriegsminister) Hoare (Luttfahrminister) und Wilson (Hauptein­peitscher). Auf die Glückwünsche, die der neue Ministerpräsident von Pressevertretern erhielt, erwiderte er:Ich brauche Ihre Gebete, nicht Glückwünsche."

Sin Ministerium Ser Konservativen.

London, 24- Mai. iEigener DrahtberiLt.s Die Bemühungen Baldwins richten sich vor allen Dingen darauf, in der Innenpolitik durch die Wiedervereinigung der in gewisse Gegen ätze geratenen Gruppen der konservativen Partei ein möglichst starkes Ministerium zu­stande zu bringen. In den späten Abendstun­den erfuhr man gestern, daß Lord Robert C e. eil sich bereit erklärt habe, in das neue Mini- terium einzutreten, ohne dal- man allerdings weiß, welches Portefeuille er übernehmen wird. Chamberlain, der von seinem Frholungö- airfenthalte in Frankreich nach London zurück- kehrte, wird in politischen Kreisen weiterhin nie Mitglied deS neuen Kabinetts genannt und wird voraussichtlich Schatzkanzler, nachdem es nun­

mehr als sicher erscheint, daß Sir Robert Horne, der diesen Dosten bereits einmal versehen hat, die Uebernahme seines früheren Amtes ablehnt.

Opposition Lloyd Georges.

L 0 n d 0 n, 24. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Da die politischen Kreise der Ansicht sind, daß die letzte Rede Lloyd Georges als eine starke Opposition gegen die konservative Partei zu betrachten sei. hält man die Mitarbeit der frühe- ren konservativen Mitglieder des Kabinetts Lloyd George für erleichert. Man glaubt, daß sie durch die Haltung Lloyd Georges ihren Ver­pflichtungen gegenüber ihrem früheren Regie- rungschef enthoben seien. Baldwin hat die Absicht geäußert, am Freitag nach Eheyner zu rei­sen, wo er sich vor der Uebernahme der Kabi- nettKnldung aufhielt, um sich auf die in der kommende Woche bevorstehende parlamentarisck)e Arbeit entsprechend vorzubereiten.

Am Deutschlands Note.

Immer noch Besprechungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin. 24. Mai.

Die Besprechungen innerhalb der Reichs- regierung über die Antwortnote gehen wei­ter. Der Beschluß der Parteiführer steht auch jetzt noch nicht fest. Ohne Schlußfolgerun­gen daraus zu ziehen, sei die Tatsache mitgeteilt, daß am Mittwoch früh der erste italienische Botschaftssekretär fast eine Stunde mit Herrn von Rosenberg im Auswärtigen Amt kon- criert hat. Im Kabinett hatte bei Abgang die- cs Berichtes immer noch nicht die Schlußformu­lierung der Antwortnote begonnen. Aus London wird gemeldet: Der amerikanische Fi- uanzmann Morgan ist am Dienstag hier ein- getroffen. Er hatte am Zeichen Tage eine Be prechung im Schatzamt. Wenn sein Besuch auch licht unmittelbar mit den ReparationS- ragen zusammenhängt, so kann doch sestgeßell! werden, daß Morgans Europareise aus besun deres Ersuchen des bisherigen Schatzkanzlers l,nd jetzigen Premierministers erfolgt ist.

Die Reporotionsseage.

London, 24. Mai. (Privattelegrarmn.) Die Times melden, der neue Premierminister hat sick entschieden, Bradbury mit einem neuen R e - parationsvorschlag tu der RevarationS- kommission zu beauftragen. Die gesamte Lon­doner Presse erwartet von Baldwin eine erhöhte Aktivität zur Beilegung des R n h r k 0 n f l i k t s Unter dem Eindruck der Berufung Baldwins stiegen bei Lloyd die Wetten auf 1 gegen 4.

Die Geldentwertung.

Wie das deutsche Volk verarmt.

Der deutsltze Vvlkskvrper zeigt stiindig flöß mehrende Anzeichen des Verfalls. Die UN. aufhaltsam steigende» Preise haben dazu gerührt, datz etwa 8 Millionen Deursche ftcfc im Zustande langsamen Verhungerns befinden.

Ganze Volksschichten gehen zugrunde. In erster Linie der sogenannte Mittelstand. Die kleineren Privatvermögen sind verschwunden; sie waren meist inmündelsicheren" Papieren (An­leihen des Reiches und der Länder) oder in Hy­potheken angelegt und sind völlig entwertet. Der geringe Rest ist aufgezehrt, da der Zinsbetrag überhaupt nickst mehr in Frage kommt. Das irgendwie noch entbehrliche Mobiliar ist verkauft. Wer nicht mehr arbeiten kann, fällt dem Staate zur Last oder ist auf die Unterstützung Anver­wandter angewiesen. Ungefähr 60 v. H. aller erwerbstätiger Menschen haben die moralische oder gesetzliche Verpflichtung, ein bis zwei ver­armte Angehörige zu unterhalten. Hierdurch wird nicht nur das wirtschaftliche und soziale Niveau, sondern auch das gesundheitliche tief herabge- driickt. Jede staatliche Hilfe muß bei der unge­heuren Ausdehnung der Notlage notwendig un­zulänglich bleiben- Wo es möglich ist, treten die vielfach entstandeüen Privatvereinigungen hel­fend ein, doch auch ihrer Wirksamkeit sind natur­gemäß enge Grenzen gezogen.

Besonders schlimm ist die Lage der Sozial­rentner, deren Versorgung seit mehr als drei­ßig Jahren durch die Sozialversicherungsgesetze geregelt war. Die Sozialrente, obwohl zahlen­mäßig, gegen die Vorkriegszeit, von 16 Mark monatlich auf 1500 Mark erhöht, ist dennoch, was ihre Kaufkraft anbelangt, erheblich gesunken. Wenn möglich noch schlimmer ist die Lage der Kriegsbeschädigten, deren Zahl mehr ats viereinviertel Millionen beträgt. Von diesen kön­nen überhaupt nur solche vom Staate unterstützt werden, die über 20 v. H. erwerbsunfähig sind. Es haben 1275 000 Kriegsbeschädigte und 1945000 Kriegshinterbliebene Anspruch aus Ver­sorgung. Dazu noch eineinhalb Millionen Kin­der von Kriegsbeschädigten. Die Renten, die bei der Finanzlage des Reiches gewährt werden können, bleiben weit hinter den Lebensbedürf­nissen zurück. Noch im Jahre 1920 waren dnrco diese Rente die Lebenshaltungskosten zu 30 bis 100 v. H. gedeckt, heute sind sie es nur noch zu 8 bis 27 v. H.!

Die Lage der Schriftsteller und K ü n st - l e r ist zum größten Teil katastrophal. Eine große Anzahl von Tageszeitungen und Zeitschriften ha­ben ihr Erscheinen einstellen müssen, Bücher we­niger bekannter Autoren können wegen der hohen Herstellungskosten und des damit Verdun- betten Perleger-Risikos kaum noch gedruckt wer­den. Ebenso sind die Mindeftgaaen der Schau­svieler zur Bestreitttng des Lebensunterhaltes nicht ausreichend. Die Musiker leben znm großen Teil int krassen Elend. Nicht viel an­ders die Gelehrten, die meist durch den Ver­kauf ihrer wertvollen Büchersammlnng sich noch über Wasser hatten und deren Arbeit im übrigen auch dadurch schwer gefährdet ist. daß eine zu­reichende Ergänzung der öffentlichen Biblio­theken. geschweige denn der privaten, nicht mehr möglich ist. Trostlos ist auch die Lage unseres wissenschaftlichen Nachwuchses. der StudeN" t e n. Das Existenzminimum für den Studenten betrug am 1. Januar 1922 in Berlin etwa 16 000 Mark. Nur 15 v. H. der Hochschüler verfiigen über derartige Mittel. Die weitaus größte Mehr- zahl muß sick> die Mittel zum Studium in Neben- bentfen (als Ebanffere. Kellner, Hauslehrer. Eintegelstlfen, Bnreauangestellte, Bergarbeiter usw.) erwerben. Daß dies nur auf Kosten der leiblichen Gesundheit und geistigen Widerstands­fähigkeit geschoben kann, ist ohne weiteres ft ar.

Auch der Aerzte st and befindet sich in .iner schweren Krisis, bereit Zeichen sind: Rnck- oang der Privatvraris Zugunsten der Kasson- praris. Millionenkosten der Instrumente, Un- crschwinalichkoif der Transportmittel aus dem Lande. Auch das Einkommen der Anwälte dielt nickst mit der Gelbenwertung Schritt, son­dern müße sich der allgemeinen Verarmung an- ''gssen. Die Unkosten sind hier so gestiegen, daß die gegenwärtigen Gebühren zu ihrer Deckung ocrrtSe ausreichen. Schließlich sei noch traf die Notlage der Geistlichen bingowicsen. Auch hier ist der Nebenberuf etwas alltägliches ae- worden. Evangelische Pfarrer arbeiten die Hälfte der Woche als Fabrikarbeiter, Bergarbeiter. Ktmdlnnasgehilfln niw. Aus diesen wenigen Stichvroben erbefft zur Genüge, w'e weit die Rot in Deutschland vorgeschritten ist.

Boykott frani5flf$er Erzeugnisse.

Beschluß der deutschen WeinhandelsverbLnde.

Rach einer Meldung der Geschäftsstelle der Deutschen WeinhandelsverbLnde Berlin erstreckt sich der von dieser Organisation beschlossene Boykott französischer Erzeugntssc auch auf elsässische Erzeugnisse. Trotz des Boykotts werden immer noch elsaß-lothringische