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Meier Mueste NachMtm

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 119

Sonnabend, 26. Mai 1923.

Einzelnummer 159 Mk.

13. Jahrgang

Einzelnummer 150 Mk.

Vorübergehende Kabinettskrise in Frankreich

zurückziehe. Der Senat selber denke im Ueüri-

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Gelsenkirchen, 25. Mm.

Gestern wurde in dem Nordviertel von Gel-

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Um den Markstuez.

Untersuchung im Reichstagsausschutz.

ffen gar nicht daran, dieser Abstimmung eine für Poincars ungünstige Bedeutung bcizulcgen. Millerand erklärte schließlich, daß er unter den augenblicklichen Verhältnissen nur seine Pflicht erfülle, wenn er die ihm angebotcne Demis. sion zurückweife und wenn er die öffent­liche Meinung zum Richter machen würde, wenn Poincars auf seinem Entschluß bestehe. Er wer- de die Debatte vor die Nation tragen. Dies be­deute, daß er dann persönlich die Folgen daraus ziehen würde und nicht für seine eigenen Funk­tionen hafte. Diesen Gründen hat P o i n c a r 6 sich nicht verschließen können und hat darauf seine Demission zurückgezogen.

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Noch zwei bis drei Wochen.

London, 25. Mm. (Eigener Drochkbericht.) Daily 9letoS" meldet: Die Rcgierungserkläruna im Unterhaus am kommenden Montag wird die Ruhrfrage nur soweit berühren, als es ohne Kenntnis drS neuen deutschen Angebots möglich ein wird. Das Blatt schreibt weiter: In Lon­doner amtlichen Kreisen erwartet man jetzt ein ausführliches neues deutsches Reparations­angebot nicht vor zwei bis drei Wochen. (?) 3» wohlunterrichteten Kreisen ist man der An­sicht, Deutschland werde sofort oder im Laufe der Verhandlungen eine Gcsamtreparations- umme bis 40 Milliarden Goldmark anbieten.

Voincars behalt die Wacht

Paris, 25. Mai. (Eigene Drahtmeldung.- Wie dasEcho de Paris" mitteilt, wird heute rüh im Anschlüsse an die gestrige Krise ein Ministerrat stattfinden, um die Lage zu beraten. Es besteht kein Zweifel, daß das Kabinett w e i

Wie «Seid verschleudert wird.

Aus der kommunistischen Internationale.

In der kommunistischen Internationale und :m Präsidium des Zentralkomitees der russi­schen kommunistischen Partei berichtete Bucha­rin in Moskau über die Untersuchung der- ligkeit der Vertretungen der konnnnniftischeu In­ternationale im Auslande, softvie über die Las, scnbestände. Aus Drängen Krassins war »ie

Ausbehnungs-Drrsuche.

Bo chum, 25. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Tie Kommunisten versuchen weiter, ihre Herr- sckmst muh auf das Bochumer Revier auszu­dehnen. Gestern forderten sie in verschiedenen Zechen die Arbeiter zum Streik auf und zwan­gen die Maschinisten, das Expedieren der Körbe cinzustellen. Im Revier von Langendreer sind ebenfalls eine ganze Reihe von Zechen im Ausstande. Mehrere hundert Kommunisten zogen nach dem Marktplatz und bemächtigten sich der Ware» der Händler. Sämtliche Händler verließen so schnell wie möglich den Warft. Die Kaufhäuser der Umgegend haben ihre Läden geschlossen. Der Bergarbciterverband erklärt in einer Kundgebung, daß er alles ausidieten würde, um die Vergewaltigung der Arbeiterschaft durch die Kommunisten zu verhindern.

DerKomimwiften-Aufftanb

«eine Ruhe in Gelsenkirchen.

(Eigener Trahtbericht.)

Milleranbs 2Zrgununtf.

Paris, 25. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Gegenüber den Ausführungen Poincarss waren die Argumente des Präsidenten der Republik, Millerand, etwa folgende: Was muß die öffentliche Meinung in Frankreich und im Aus- lande denken, wenn eine derartige Krise in dem Augenblick eintrete, in dem die Politik Poincarss fast einstimmig gutgeheitzen wird. Im Ucbrigen sei seine Politik im Begriffe, auch die Zustimmung der wenigen Alliierten zu er­reichen, die ihr bis dahin ablehnend gegenüber gestanden hätten. Man dürfe sich sagen, daß in der Weigerung des Senats, die K o m m u n i - sten zu verfolgen, die vier Tage vor der Ruhr- besetzung mit den deutschen Kameraden verhan­deln wollten, eine Zurückweisung der Be- setznngspolitik selber liebe. Eine derartig« Aus­legung, hätte Deutschland ungeheuer ermutigt. Millerand erklärte schließlich, daß die Abstim­mung keine politische Abstimmung gewesen fei. Sie habe nur den Charakter eines zu heftigen Aktes, den ein Gericht gefällt habe und nicht den Charakter eines Mißtrauensvotums. In, Ueürigrn werde man bald selbst zu dieser Uebcr- zengung kommen und der Senat werde selbst Wert daraus legen, das Mißverständnis zu zer- lreuen, in dem er das Vertrauen dem Kabinri zum Ausdruck bringen werde.

enkirchen noch gekämpft. Die'Kommunisten laben in der Rächt Zuzug aus Schalke und Bochum erhalten und find auch im Besitz von Handgranaten. In das Bahnhosshotel wurden mehr als fünfzig Verwundete ein geliefert, in das Knappschaftsspital an d r c i - ?ig Verwundete. Im Vorort Bismarck sind in der Rächt fast alle Berkaufslä dc n zertrümmert worden. Die Plünderer flüch eten in mitgebrachten Automobilen. In der Gel­senkirchener Brrgwerksgesellschaft haben bewaff­nete Kommunisten die Lohngelder b e - chlagnahmt. In Altencffcn sind fünf kom- n u n i st i s ch e Hundertschaften unter den Augen der Besatzungsarmce eingerückt.

Ruhr und Reparatton.

Reue belgische und französische Pläne.

(Eigener Drahtbcricht.)

Paris, 25. Mai.

Auf der Konferenz, die Sonntag und voraus­sichtlich auch Montag in Paris zwischen den bel­gischen und französischen Ministern be­vorsteht, werden sich voraussichtlich rin belgischer und ein ftanzösischer Reparationsplan gcgcn- überstehen. Es erscheint klar, daß, wenn sich die belgischen und französischen Minister auch wie­derum als eine Art Aufsichtsrat des Ruhrgebie­tes unterhalten werden und von gewisser Seite beabsichtigt wird, neueMaßnahmen" inS Auge zu fassen, um die deutsche Widerstandskraft im Ruhrgebiet zu brechen, den Abtransport der Kohlen zn beschleunige» und oie" Avrrchuungs- geschnfte der alliierten Behörden in Essen zu vervollkommnen, die größeren Fragen der end­gültigen Regelung des Rcparationsproblems im Vordergrund stehen werden. Mit anderen Wor­ten: Die ganzen schwierigen Probleme der ge­meinsamen bclgisch-stanzösischen und daran an­schließenden alliierten Front, die bei der letzten Antwort auf das Angebot der deutschen Regierung nicht zustande gekommen ist. werden auf dieser Konferenz anfgrrollt werden.

Herzlose Freunde.

Bittere Erlebnisse auf einer Spanienreise.

Von

Karl Albin Balacek.

Weil bei euch in der Heimat euer einziges Denlen und Sinnen nur den Brüdern gilt, die an b?r Ruhr in hartem Kampfe für Deutsch­lands Ehre, für Deutschlands Zukunftsglück, für Deutschlands Weltmission stehen, deshalb glaubt ihr, auch in der Fremde müsse man teilhaben an diesem Ringen eines geknechteten Volkes, an diesem Streiten wider Unrecht und Haß. Ich verstehe eure Fragen, die ihr deshalb an mich stellt, nur zu gut; denn dieselben Fragen trug ich ja im Herzen, als ich dieses Land betrat. Ich will euch die Fragen beantworten, ehrlich und ohne Umschweife. Und ihr werdet, wie ich sebst, aufs bitterste enttäuscht sein.

Auf welcher Seit > des Spaniers Sym' pathie steht, auf der französischen oder deut- !chen? Auf keinerI Wie man über die Schande im Ruhrgebiet und Rheinland derckt? Garnicht denkt man darüber nach! Das sind alles für die Leute hier recht gleichgültige Sachen, nicht wichtiger als die türkische Frage oder die Erschießung eines russischen Erzbischofs oder ein Revolutionchen in Hintcramerika. Man spürt wohl die Folgen der Ruhrbesetzung im Außen­handel, gewiß, aber sonst läßt einen die ganze Angelegenheit da droben am Rhein kalt. Mai» interessiert sich nur dafür, ob der König eine Reise nach Kartagena unternimmt, ob er je.nan. den zum Präfekten ernennt, ob eS in Madrid ein Attentat gegeben hat aber daß ein «raßes Beff, ein Zentrum dcr Welt vernichtet toufr .un­blutig, hämisch, das ist gleichgültig. Man schreckt wohl etwas zurück, wenn ich von den Tausenden erzählen, die in diesem Winter in Deutschland erftoren oder verhungert sind, man stutzt, wenn ich von Bordellen berichte, die im R^inland firx Reger errichtet werden mußten Aber das alles ist nur ein Augenblickserfolg. Im nächsten Mo­ment ist die Ausstellung im .Siglo* Barcelo­nas Wertheim weit wichtiger.

Im Grunde neigt man ja doch auf Frankreichs Seite. Gewiß, die Geistlichkeit und das Heer, die beiden stärksten Faktoren des Lan­des, sind deutschfreundlich. Deutsche Wis­senschaft. deutsche Industrie, deutscher Hande! sind führend und doch, das Her, fühlt sich immer wieder nach dem göttlichen Parig hingezogen. Schon die Sprache da drüben wie

Die Untersuchung des Reichstages über den Marksturz wird am Dienstag den 29. Mai be­ginnen. An diesem Tage tritt der vom Reichs­tag . geforderte besondere Untersuchungs- Ausschuß zusammen. Dieser Ausschuß ist jetzt gebildet worden. Er besteht aus dem Abgeord­neten L a n g - Hegermann (Zentrum) als Vor­sitzendem, dem der frühere Reichswirtschafts- minister und sozialdemokratische Abgeordnete Ro­bert S ch m i d t als Stellvertreter zur Seite steht. Des weiteren sind die Parteien wie folgt vertre­ten: Die Deutschnationalen durch den Abgeord­neten Helfferich, die Deutsche Volkspartei durch den Abgeordneten DäüH. die Demokra­ten durch den Abgeordneten D e r n b u r g. die Sozialdemokraten durch Dr. Herz, die Bay­rische Voffspartei durch den Abgeordneten Em­minger und die Kommunisten durch den M>° geordneten Fröhlich. Man ist bei der Zusam­mensetzung davon ausgegaugen, in gleicher Weise Die wirtschaftlichen, wie aber auch die juristischen Persönlichkeiten zu berücksichtigen, um ein objek­tives Urteil zustande zu bringen. Die Verhand­lungen selbst werden öffentlich stattfindcn, soweit nicht für die Erörterung besonderer Fragen der Ausschluß der Ocfsentlichkeit erfolgt. Die Ver­handlungen werden eröffnet werden mit den Ausführungen des Reichsbank-Präsidenten H a - venstein über die Mark-Stützungsaktion der Reichsregierung und der Reichsbank und ibr ge­genwärtig offensichtliches Fiasko.

Der Mißerfolg der Markstützungsversuche ist sticht mehr zu leugnen. Die Frage, ob die Re- gterung nochmals einen Versuch machen kann, ist verbunden mit der Frage nach dem Maß der Kraft, über welche diese Negierung noch ver- süat. Sie hat das muß man ihr zum Vorwurf machen es an einer entschiedenen Energie lei­der viel zu lange fehlen lassen. Nachdem die ersten Wälle der StützungsaktionrLurch den kon­zentrischen Vorstoß der Spekulation seinerzeit ge­brochen waren, hat sie sich drei Wochen mit den­selben Interessenten an einen Tisch gesetzt und über Maßnahmen zur Bekämpfung der Erschei- nilngen, die zum Zusammenbruch führten und gegen die Wiederholung dieser Vorgänge bera­ten. In der Zwischenzeit konnte sich die Speku­lation mit Devisen ungefährdet eindeckcn, und als die Devisen-Verordnung heraus war, hatten sie die nötigen Mittel, um nun mit der Regie­rung Katz unb, Mans zu spielen. Jetzt werden dieselben Devisen, die unter Riedrighaltung des Kurses auf dem Wege der Äbgaben von Rcichs- bankgeldern, also von öffentlichen Mitteln, die der Volksgesamtheit gehören, eingehamstert wur­den, dem Reiche und damit der Volksgesamtheit mit Niesengewinnen wieder verkauft und die Vc- vvtkerung muß die Kosten dafür tragen.

Aber noch eine Mveite, sehr üble Erscheinung ist gegenwärtig an der Börse zu beobachten: Ein wildes Spekulations-Objekt sind die Dollar- s ch a tz a n w e^i s u n g e n des Reiches geworden, Damals, als sie zur Zeichnung aufaelegt wurde, ist dtese Anleihe förmlich sabotiert worden Das Zeichnunzsergebnis war kläglich. Run aber wer­den diese Dollae-Sckmtzanweisungen gegen das Reich und ge-,eu die Interessen der Volksgesamt- be».t ausgespielt. Das lebhafteste Termingeschäft tu diesen Dollar-Schatzanweisungen floriert, und das bat dazu geführt, daß für eine Dollarfchatz- c»Weisung schon 3090 bis 5000 Mark mehr be- zahlt werden, als der Dollar notiert. Dollarschatz- a «Weisungen auf Termin mit Ende Juni sind bereits mit 75 000, für Ende Juli mit weit über 80000 Mark für den Dollar gehandelt. Run ist es ja richtig, daß auf diese Weise die Reichsregie- ruNg einen Teil ihrer damals nicht gezeichneten Tollar-Schatzanweisungen los wird. Aber die Rückwirkung, die sich aus solchem Geschäft auf dem Devisenmarkt und damit auf die ganze Pret^estaltuug ergibt, ist so stark, daß unver­züglich strengste Vorkehrungen getroffen werden muiien, am nicht von dieser Seite her das biß­chen Wirtschaftskraft, das wir noch haben, uns zertrümmern zu lassen.

Die Reichsregierung hatte seinerzeit mit vol- llm Recht erklärt. daß chre Preispolitik, wie sie in der Mark-Stützungsaktion zum Aus­druck kam, einen wesentlichen Bestandteil der ge­samten Rhein- und Ruhrpolitik bilde zoeute ist die Lage trostlos. Mr stehen unmit­telbar vor einer Verdoppelung des Preises für das Brot. Eine Kohlenpreiserhöhung ist bereits in Kraft. Sie wird sich in allernäch­ster Zeit auf alle Produkte, alle Waren kurz auf alles, was wir zum täglichen Lebens­unterhalt brauchen, ausbreiten. Verdoppelung der Eisenbahn- und Posttarife treten in den näch­sten Tagen in Kraft, ja, man muß heute schon darauf vorbereiten, daß es dabei nicht bleiben, sondern daß neue Erhöhungen und neue Ver­doppelungen Platz greifen werdest. Kurz, wir stehen vor einer radikalen Zertrümmerung un­serer gegenwärtig schon furchtbaren, zerrütteten Lerhältnipe. C'--

Dir variser Kommunisten.

Paris, 25. Mai. (Eigene Drahtmeldung.i Während der gestrigen Sitzung des Senats, die sich mit der Frage des Staatsgerichtshofes befaßte, fand in der Nähe des Senatspalastes eine kommunistische Demonstration iatt. Ungefähr tausend Manifestanten hatten sich eingefunden. Die republikanische Garde griff ein und die Zugänge zum Garten wurden ab- gesperrt. Die Internationale wurde gesungen. Rufe ertönten:Amnestie! Amnestie!" Eine An­zahl Redner hielt Ansprachen. Es kam jedoch nicht zu ernsten Zwischenfällen.

P a r t s, 25. Mai. (Eigene Trahtmeldung.) Zu dem Rucktrittsgesnch Poineorös sagte Präsi- v - . v - - u......... deut Millerand noch: Am Vorabend einer deut-

o tetne raptbc Verschlechterung der scheu Antwortnote, am Tage vor den bedeutsa-

^e^n»holtu,tg tri dw erneute ^olge, denn die men Beratungen mit den belgischen Alliierten

FremMifOe Kabinettskrise.

PoiricarLS Neigung zum Rücktritt.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris. 25. Mai.

Von der Unterhaltung, die gestern abend ge­gen neun Uhr zwischen Poincars und Mil - lerand stattfand und in der Poincars zurück­treten wollte, aber zur Zurückziehung seines De- misfionsgesuches veranlaßt wurde, gibt der Matin" folgende Darstellung: Poincars habe vor Miüerand ausgeführt, daß der Be­schluß des Senats gegenüber den Komm», nisten die Durchführung der Erfüllungspolitik, die das Land in den harten Kämpfen für die Er­zwingung des Vertrages führe, unmöglich mache. Die Abstimmung gelte ihm als M i ß t r a u e n s- votum. Poincars führte weiter aus, daß in dem Beschluß des Senats ein politisches Manö­ver vorliege, dessen Folgen ein Schwächung der Regierung und vielleicht sogar ihren Sturz bc- deuten würden. Die Senatoren, die sich für die Zuständigkeit ausgesprochen Hütten, habe er am Vorabend wissen lassen, daß er entschlossen sei, zurückzutreten, wenn der Staatsgerichtshof den Prozeß gegen die Kommunisten nicht durchführe.

t e r unverändert an der Macht bleibt.

2lm Dorabenv brr deutschen Role.

neue Lohnwekle, die durch das Land geht,.werde niemand verstehen, daß das Kabinett sich wird letzten Endes von dem geringen Rest von Substanz nur noch mehr Wegnehmen. Eine schürfe Strömung, die sehr ernst betrachtet wer­den muß, ist die, die jetzt von der Sozialdemo­kratie begünstigt wird und die auf die Erzielung von Goldlöhncn hinausgeht. Der Unter­suchungsausschuß des Reichstages hat also eine schwierige und vielseitige Aufgabe zu lösen.

- verwandt sie ist! Das Deutsche i ft «extrawbo- ; inco", ein Wort, dessen Wert zwischen .merkwür- > btfl* und .verrückt* liegt. Und dann erhält die­ses .unbeeinflußte* Land Spanien seine Aus- landsnachrichten fast ausschließlich von Havas; nur ein bis zwei führende Blätter brin­gen bisweilen andere Berichte, in die sich sogar auch mal ein deutscher verirren kann, alle ande- ien begnügen sich mit Havas. Und man muß Ha- Vas-Nachrichten gelesen haben, um verstehen zu können, daß einem als Deutscher der Ekel an­kommt bei der hämischen Niederträchtigkeit die­ser Lügemneldungen

Havas erflärt ganz einfach, Deutschland bat nicht bezahlt, also ist doch der Ruhr- einfall mit Recht erfolgt, höre ich deshalb immer wieder von spanischer Seite, Ich sage demgegen­über, welche Summen oder vielmehr Unsummen wir unter schwierigsten Verhältnissen bezahlt ha­ben, dann kommt man aber wieder laut Ha­vas mit dem Hauptargumcnt: Deutschland bat absichtlich sein Geld zerstört. Alle Hinweise auf das Wahnsinnige dieser Behaup­tung fruchten nichts; denn man hat diese Geld­zerstörung ja am eigenen Leibe gespürt. In den Jahren 19 und 20 hat ganz Spanien wie über­haupt das ganze Ausland auf Mark spekuliert, hat große Gelder dafür hergegebcn, nun sind wese Gelder verloren Die deutsch? Regierung bat sie erhalten; um ein gutes Geschäft zu ma­chen, hat sie eben die Mark vernichtet. Ich wider­lege die Absudidtät dieser Vorwürfe, a&.-r hilft nichts. Die Leute haben taufend Peseten b i «gegeben und bekommen jetzt nur noch eine da- chr: das sagt alles. Für einen Deutschen ist es, wie ihr seht, selbst im .deutschfreundlichen« Aus­land zum Verzweifeln. Und schließlich verzerrt sich ungewollt die Tragödie zur Burlesk«. Zur Stunde, da am Ostersonnabend in Essen französische Maschinengewehre deutsche Ar­beiter hinmähten, erklangen aus Spa­niens Kanonen zweiundzwanziq Schüsse zur Wie' derauferstehung nnseres Herrn Jesu Christi