Hessische Abendzeitung
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Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Stummer 121
Einzelnummer 150 Mk<
Dienstag, 29. Mai 1923.
Einzelnummer 150 Mk.
13. Jahrgang.
Am die Llebemahme der Garantien.
Aus dem Ruhrgebiet.
Sowjetstern und Trikolore.
Welches fmb die Drahtzieher der neuesten bolschewistischen „Propaganda der ? «t" im Ruhrgebiet, dieser Bewegung, der die französischen Oklnpaiionstruppen mit so ausgeprägtem Wohlwollen gegenüberstehen? Die Leitung der k o m m u n i sti sche n Partei ist beflissen, die Verantwortung für di« Plünderua- gen uno Gewalttaten in Gelsenkirchen, Bochun-, Dortumnd und Esten abzulehnen. Tatsache ist aber jedenfalls, daß das Organ der Pattei, die „Rote Fahne", wenigstens zu Anfang der Som* munlstenPutsche mit ziemlich rückhaltloser Dym- pachte begrüßte. Bekanntlich wurde schon auf. dem kommunistischen Parteitag im Februar »vn der Opposition einer revolutionären Aktion im Ruhrgebiet gefordert; aber dir Mehrheit war damals so diplomatisch, davon nichts wissen zu wollen. Auch von Moskau ans ist wenigstens offiziell abgewintt worden, und zwar wurde das in einem Ukas der Zentrale durch folgende sehr bemerkenswerte Begründung erläutert. „So lange keine Anzeichen der massenhaften Zersetzung unter den französischen B:- satzimgstrnppcn vorhanden sind, würde d-r Versuch,einer Besetzung der Fabriken dazu füh ren, daß das Proletariat, angewiesen auf die franzögschen Desatzungsbehörden, ihnen die Kohl- liefern müßte. Daraufhin könnte der französische Imperialismus mit diesem Trumpf in der Hand leichter ein Abkommen mit denr deutschen Imperialismus schließen."
Es ist schwer zu sagen, ob man in Moskau, von wo ja die deutschen Kommunisten ihre Weisungen empfangen, im Verlauf cher Unter- dessen vergangenen drei Wochen zu der Meinung gekommen ist. daß di« Zersetzung unter den Be- satzungstrnppen Fortschritte gemacht habe, oder 0b di« Zentralleitung der deutschen Kommuni- stenpattei glaubt, in der rapiden Verteuern n a der Lebensmittel ein geeignetes Agitationsmittel zur Aufputschung der Massen g-fnndcn zu haben Tatsache ist jedenfalls, daß dte Unruhen im Ruhrrevier von einer Zentrale aus geleitet weiden, und daß die Putschisten über eine zitmlich geschlossene Organisation verfügen, was schon daraus zu ersehen ist, daß man bei den Streikenden und Plünderern vielfach einheitliche Abzeichen, grüne Schleifen, grüne Kragen und Kravatten, festgestM bar.
. Mag es nun auch nicht so leicht fein, die Beteiligung der kommunisüschen Pattei. die auS po. litischen Gründen eine Vertuschungstattik treibt, an dem Plünderungsselozug im Rnhrrevier feft- zustellen, so stellt dagegen eines mit aller Klarheit, fest, nämlich die M i t sch u l d der f r a n z ö- sischen Besatzungsarmee. Sogar die „Rote Fahne", die es doch wissen muß, erklätt es für „nicht ausgeschlossen, daß französische Agenten unbesonnene Teile der Arbeiterschaft mit Hoffnungen auf französische Unterstützung in den Kampf hineinzuziehen versuchten". Noch weil deutlicher drückt sich ein in diesem Fall gewiß klassischer Zeuge, nämlich der Berichterstatter der franzosenfreundlichen „Times" aus, der seinem Blatte aus Gelsenkirchen meldet, daß zahlreiche Ko mm u n i st e n erklären, bi« Franzosen feien ihre Freunde. Einige versichetten, daß die Franzosen die besonders die Polizei entwaffnet und auf die Feuerwehr geschossen Härten, auch hübe der bei der Plünderung beteiligte Mob den Franzosen zugejubelt. Alle diese Dinge sind von einwandfreien Zeugen bestätigt worden. Ist es doch bemerkenswert genug, daß d-e Besatzungsjustiz, welche Blututteile verhängte, wenn jemand im Besitz eine verrosteten Pistole war, den gut bewaffneten Kommunisten gegenüber eine mehr als wohlwollende Neuttalität ausübte. Auch haben ja die Franzosen durch die Vertreibung der Schutzpolizei den Kommunfften direkt in die Hände gearbeitet, ebenso wie sie. jetzt durch die schroff« Ablehnung der von der deutschen Regierung als dringeno notwendig bezeichneten Absendung von Polizei in die bedrohten Gebiete erneut bekundet haben, wie erwünscht ihnen auch diese Art der Rubrsa- botage ist. die ja der von ihnen selbst betriebenen, in die Hände arbeitet.
Es ist bezeichnend, daß in demselben Augenblick, wo Poincars seine Demissionskomödie tns Werk setzte, weil der Beschluß des Senats in dem Verfahren gegen Eachim die Regierung hinderte, mit der nötigen Schärfe gegen die kommunistischen Umtriebe in Frankreich vorzugehen, im Rnhrrevier die deutschen Kommunisten nicht nur wohlwollend duldet, smrdern mehr oder minder dirett unterstützt. Neber die Gründe und das Ziel,, welche dieser Tattik zu Gr'mde liegen, hat der journalistische Handlanger Poincarss, Herr Derttnaux, unverhüllt Auskunft gegeben mit den Worten: „Die Früchte der deutschen Arbeit werden wir erst dann genießen, wenn der Zusammenbruch die industriell« Organisatton zerschlägt, die gegen imZ olle Kräfte ges Germanismus In« ^eld führt." Was sagen die Alliierten, was sogt vor allem der neu: englische Premier zu Vielem bezeichnenden Bündnis zwischen dem
Bolschewismus und Imperialismus zwischen dem Sowjet st ern und der Trikolore? Es ist ein frivoles, gefähttiches Spiel mit dem Feuer! Dr. »k.
Bürgschaft öer Industrie.
Die Grundlagen für das neue Angebot. (Eigene Di>ähtmeldung.)
Berlin, 27. Mai.
Die Reparationsfrage ist in ihr entscheidendes Stadium getreten. Nach dem Versailler „Vertrage" hasten das Reich und di« Länder mit ihrem Vermögen für die Lasten, die sich aus dem Versailler DÄtat ergeben. Diese Garantien reichen jedoch nicht aus. Die deutsche Wirz, schäft wird deshalb die nötigen Zusatzbürg schaften liefern. Einem dahingehenden Ersuchen der Reichsregierung folgend, hat sich jetzt die deutsche Industrie bereit erklätt, diese Znsatzbürgschaften zu stellen. Die Bürn- schastcn sind im einzelnen formuliert uns zu- sammengcstellt worden. Wie wir hören, ist jedoch die Leistung dieser Zusatzbürgschaften ittu bestimmten Forderungen verknüpft worden. Das Schriftstück ist dem Reichskanzler übergeben worden. Die einzelnen Prmstc, besonders diejeni- «en, die die Forderungen dr» Industrie bttre> sen, sollen dann noch mit dem Reichskanzler einer Besprechung unterzogen werden.
Besprechung beim Kanzler.
B e r l i n, 28. Mai. (Prwattelegramm.) Die Präsidjal-Mitglieder des Reichsvrrüandcs der deutschen Industrie wurden wieder vom Reichskanzler empfangen. Die Besprechungen, über deren Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde, haben zu einem vollkommenen Einvernehmen zwischen beiden Teilen gesühtt. Die Industriellen werden also die von der Regierung dorgeschlagenen Zusatzaarantien übernehmen, deren Einzelheiten vor Veröffentlichung der deut- sthen Rote nicht bekannt gegeben werden können.
Der Streik und Klassenkamps
Schwierigkeiten in de« Lohnsrageu.
(Eigene Drahtmeldung.)
Dvttmuud, 28. Mai.
Was die Streiklage anlangt, so hat eine Massenversammlung des Deutschen Metallarbei- terverbandcs sich mit Neunzehntel-Mehrheit für die Fortsetzung des Streiks in Dortmund ausgesprochen. Wie behauptet wird, haben bereits verschiedene Zentralvcrbände den Streik als berechtigt anerkannt, nachdem zunächst die Freien Gewerkschaften vor allem gegen eine Teilnahme ihrer Mitglieder am Streik in Wort und Schrift eingetreten waren. Die feiernden Zechenbetriebe in Dortmund und im Hör- der Bezirk liegen in den allermeisten Fällen nur deswegen still, weil nicht genügender Schutz vor den kommunistischen Terroristen vorhanden ist. Von einem allgemeinen fteiwilligen Streik kann, wie selbst die sozialdemokratische „Westfälische Allg. Volkszeitung" feststellt, durchaus nicht geredet werden. Auf einer ganzen Reihe von Zechen und anderen Betrieben geht die Ar- beit weiter. Bon dem Ausfall der gegen- wättigen Lohnverhandlungen hängt es ab, ob der Streik beendet oder fortgesetzt wird.
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StRetnommene Buhestörer.
Dortmund, 28. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) In den letzten Tagen ist von der Dortmunder Polizei eine große Anzafe von Ruhestörern und verdächtigen Personen festgenom- mcn und festgesetzt worden. Die zentrale Streit leitnng beklagt sich, daß diese Personen nicht glimpflich behandelt werden. Sie hat die Betriebsräte der städtischen Gas-, Waffer- und Elektrizitätswerke zur Stadtverwaltung mit der Mahnung geschickt, die Verhafteten künftig menschenwürdig zu behandeln, andernfalls diese lebensnotwendigen Betriebe ebenfalls stillgelegt würden. Gleichzeitig ließ sie sagen, daß die über die Behandlung empöttc Arbeiterschaft bei Fott- setzung Geiseln aus Arbeitgeberkreisen fcst- nchmen und diese ebenso behandeln werde.
Lohnabzug-Ermäßigung.
Aus den neuen Steuersätze«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 28. Mai.
Dom 1. Juni ab erhöhen sich im Lohnabzug die Ermäßigungen gegenüber den jetzt geltenden Sätzen. Sie betragen von diesem Zeitpunkt: 1. Für den Steuerpflichtigen und seine Ehefrau monatlich je 1200 Mark (bisher 800 Mark), wöchentlich je 288 Mark (bisher 192 Mk.). 2. Für jedes zu seiner Haushaltung zählende minderjährige K i n V ohne eigenes Arbeitseinkommen und jedes über 17 Jahre alte Kind, daS eigenes Arbeitseinkommen bezieht, monatlich 8000 Mark (bisher 4000 Mark), wöchentlich 1920
Mark (bisher 980 Mark). 3. Zur Abgeltung der Werbungskosten und sonstigen Abzüge monatlich 10000 Mark (bisher 4000 Mark), wöchentlich 2400 Mark (bisher 906 Mark).
Es bleiben demnach zum Beispiel vom 1. Juni ab steuerabzugsfrei: bei einem unverheirateten Arbeitnehmer monatlich 112 000 Mark, bei einem verheirateten Arbeitnehmer ohne Kinder monatlich 124 000 Mark, bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit zwei Kindern monatlich 284 000 Mark, bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit vier Kindern monatlich 444000 Mark, bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit sechs Kindern monatlich 604000 Mark. Abgesehen von diesen ziffernmäßigen Aenderungen ist der Arbeitgeber nach wie vor an die Eintragungen, die von der Gemeindebehörde oder deck» Finanzamt auf dem Steuerbuch hinsichtlich der Zahl der zu berücksichtigenden Familienangehörigen ge- macht worden sind, gebunden.
Kämpfe und Plünderungen.
Wettere kommunistische Gewalttaten.
(Cigener Trabtbericht.)
Düffeldorf, 28. Mai.
liefet die Lage im Ruhrgebiet wird heute gemeldet, daß in M ü l h e i m und Oberhausen die kommunistischen Hunderffchasten in weite Gegenden des inneren Stadtgebietes vorgedrungen sind, wobei Feuerwehr und Polizei ihnen immer noch Widerstand leisten. — In Hamborn find einige Hundertschaften der Kommunisten eingerüüt. Sie haben eine Schule in per Nähr der Franzofen-K-'serne r?*v'’~V Die Lage in Hamborn ist bis jetzt ruhig. Tie Kommunisten erwarten für heute Zuzug aus Oberhausen. In Bochum haben sich gestern nacht die Unruhen wiederholt. Die Kommunisten schritten zur planmäßigen Plünderung des Bahnhofsviertels. Bei fern Feuergefecht gab es zwei Tote und acht Verwundete. Die sranzöstsefen Wachen verließen während der Plünderungen ihre Kasernen nicht.
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tteversülle und Derieidigung.
Dortmund, 28. Mai. (Privattelegramm.) Die Stadt Hörde wurde in der letzten Nacht von roten Truppen überfallen. An der Bahnlinie nach Dortmund entstand ein Feuergefecht. Soweit heute früh Meldungen vor- liegen, gelang es der Polizei und dem Selbstschutz, die Besetzung der. Stadt zu verhindern. — Die Düsseldorfer Nachrichten melden aus Gelsenkirchen: Die christlichen Gewerkschaften haben ihren Austritt aus der dort gebildeten gewerffchaftlichen Sicherheitswehr erklärt.
Die Haltung der Feinde.
Franzosen, Belgier und Kommunisten.
(Eigener Drahtbettcht.)
Paris, 28. Mai.
Der Pariser „Temps" meldet vom Sonntag, die Kommunisten im Ruhrrevier beachten die von den Franzosen und Belgiern besetzten Halden und Zechen, ebenso beachten sie die Anordnungen der Militär-Kommandantur. Dadnra, entfall« für Frankreich jeder Anlaß, sich in die wirtfchastlichen (?) Kämpfe des Ruhrreviers em- zumifchen. Dem „Matin" zufolge find b,s Samstag 29 Zechen im besetzten Gebiet von den Korn- muniften besetzt worden. -- Stuf der Zeche WN- helmine beschlagnahmten belgische .Soldaten 20 Waggon Kohlen. Die Arbeiterschaft tft hieraus in Proteststreik getreten, ferner wurde der Hasen her Zeche Bismarck von einer Abteilung französischer Soldaten besetzt, uni fee dort lagernden Kohlenvorräte zu verladen. Auch hier hat die BtteSchast die Arbeit niedergeleg,.
post und Telegraph.
Beratung über die G:bShren.Erhvh««g.
(Pttvat-Telegramm.)
Berlin, 28. Mai.
Der ReichSpostminister wird, wie uns von zuständiger Seite mitgeteitt wird, den Verkehrs- beirat beim Postministerium zu einer Sitzung Dienstag den 5. Juni einberufen, in der die Vorlage der Reichspostverwaltung über die bereits angekündigte Erhöhuhng.der Post-, Fern- sprech- nnd Telegraphengebühren fe» sprachen werden soll, lieber das Ausmaß der geplanten Erhöhungen, die voraussichtlich erst am 1. Juli in Straft treten werden, läßt sich noch nicht bestimmtes sagen, da die Vorarbeiten noch nicht beenbet sind. Es ist jedoch, wie von uiiterrichteter Seite mitgeteilt wurde, wahrscheinlich, daß die Erhöhungen sich in mäßigen Grenzen halten werden. — Reichspostminister Stin- gel ist von einer Reise zurückgekehtt.
Die Gee-Gchiffadrt.
Deutsch-amerikanische Beziehungen.
Neber die anSstchtsrelwe Verbindung der de» schen mit der amertkanistbe n E-viftahrt gibt de nachstehende Anfsach interessanten -Uuffthlnft Wenn man einen Blick auf die letztveröffentlichten Schiffsregister wirft, wird man zunächst erstaunt fein über di« geringe Neubautätigkeit in den Vereinigten Staaten. In der Vetteilnngsreihe der auf die einzelnen Länder kommenden Neubauten finden wir im letzten Vierteljahr die Vereinigten Staaten erst an sechster Stell« hinter Großbritannien, Deutschland (mit Danzig zusammen 463877 Tonnen), Italien, Frankreich und Holland, und zwar mit 139 448 Tonnen Schiffsraum. Für den, der sich mit der Entwicklung der amerikanischen Schiffahrt während des Krieges und nach dem Kriege näher beschäftigt hat, wird die auch im Verhältnis zur Gesamtsumme der im Ban befindlichen Handelsschifftonnage der Welt (2 929 311 Tonnen) recht geringe Schifssbautätig- keit in den Vereidigten Staaten kaum auffallend erfcheinen. Die amerikanische Handelsflotte kann mit Recht als die jüngste der Welt bezeichnet werden. Die eigenartigen Verhältnisse, unter, denen die Handelsschiffahrt der Vereinigten Staaten heute zu leiden hat, geht klar und deutlich aus einem aus Hamburger Schissahrtskreisen unlängift veröffentlichten Brief hervor, in welchem besonders auf die auf dem Kontinent ziemlich unfemhtet gebliebene Ablehnung des amerikanischen Schiffahtts-Suhsidiengesetzes hin- gewiesen wird.
--5T J nrding hafte -mehrfach fers,;M,„ mit Hilfe der Regierung die amerikanische Schiffahrt über die derzeitige schwere Kttse im Weltschisfahttsverkehr hiuwegznbringen. Die Regierung hatte sich bereits ziemlich stark in Schiffahrtsgeschäften engagiert. Das amerikanische Shipping Board, das zahlreiche Dampfer, darunter mehrere beschlagnahmt« deutsche Schisse, für eigene Rechnung fahren ließ, batte angesichts der ungünstigen Entwicklung im Weltverkehr einen harten Kampf zu bestehen. Die auf diese Weise entstandenen „Raten-Kriege" in der transatlantischen Fahrt gingen für die Vereinigten Staaten verloren, und man muß drüben noch zufrieden sein, daß nach dem Plan« des Herrn Harding nicht noch weiter Dollar-Millio- nen Staatsg^er verschwendet wurden. Die niedergehende Konjunktur am Wcltfrachtenmarit hatte der amerikanischen Schiffahtt gewaltige Verluste gebracht, die schwer auf dem Beutel der Steuerzahler liegen mußten. Sah sich doch das Shipping Board gezwungen, di« während des Ktteges mit einem Kostenaufwand von 300 Millionen Dollars gebauten 226 Holzschiffe für nur % Million Dollar zu verhökern. Desgleichen erwieS sich ein beträchtlicher Teil der in der Kriegszeit allzu hastig gebauten Stablschiffe in der Konkurrenz mit den Handelsflotten anderer Länder als völlig unbrauchbar. Allein für die außer Fahrt gesetzten Fahrzeuge hatte der Staat eine Zeit lang monatlich 7,5 Millionen Dollars zu tragen, noch heute muß er für die stillgelegten Schiffe 5 Millionen "Dollars im Monat auftvenden. Nach der nun dekretierten Auflösung des staatlichen Schiffabttsamtes iverden Wieder 11 Mill. Tonnen Schtfstsraum. die an 3 Milliarden Dollars gekostet haben, für einen lächerlich geringen Preis, vermutlich ausschließlich zum Abwracken auf den Markt kommen.
Aus diesen Beweggründen heraus ist die von dem einsichtigen und aroßzügia denkenden Teil der amettkanischen Schiffahrtskreise angeftrebte und erfolgreich durchgeführte Anlehnung an die Handelsmarinen anderer Länder, besonders Deutschlands, wobl zu verstehen. Die sich für beide Staaten bereits durchaus zweckmäßig und gewinnbringend erwiesenen Interessengemeinschaften zwischen amerikanischen Ree- bern und der Hamburg-Bremer Groß- schiffahrt werden aller Voraussicht nach noch eine groß« Zukunft haben, besonders, fei sich die deutsch-amettkanischen Schiffahrt? - Abkommen neuerdings nicht nur ausschließlich auf den transatlantischen Verkehr erstrecken, sondern sich auch auf andere wichtige Seegebiet«, wie Süd- Amerika, «rweitett haben.
Sine Teuerungs-Nachzahlung.
Für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene.
Berlin, 28. Mai.
Wir wir erfahren, wird die Reichsregierung in diesen Tagen veranlassen, daß in Anlehnung an di« Teuerungsmaßnahmen für die Reichsve- amten, d«n Kriegs de sch ädigten und H i «• terbtiebenen angesichts der fortgesetzten Steigerung allckr LebenZkofteu eine einmalige Mkchzahlnn« in Höh« der für Monat Mal zahl baren Tenerungszufchüff« 'gewährt wird. Die für Mai fälligen Teilettmgszufchüsse sind dm Kriegsbeschädigte» und Hinterbliebenen fe« reits im April voranSgezahlt worden. Di« Ver-