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Nummer 134
13. Jahrgang. •
Mittwoch, 13. Juni 1923
Einzelnummer 200 Mk.
Einzelnummer 200 Mk.
Geringe Aussicht suc die deutsche Lote.
Rührige Diplomatie,
tim die Antwort der Alliierten.
Der Draht spielt, -die Fäden werden gesponnen. Die Entente-Diplomaten empfangen und machen Besuche. Sie sondieren und bringen Ansichten ihrer Regierungen. Es fcheitlt ein buntes Gewirr von Meinungen, Ansichten und Absichten sich zu bekämpfen, nach einem Ausweg zu suchen. Noch weiß man nicht, wie die Einigkeit zwischen den Alliierten festgestellt werden wird. Aber diesmal soll eine gemeinsameAntwort an Deutschland erfolgen. Wenn demnach von Paris aus bereits das Unannehmbar verkündet wird, so bedeuten diese Stimmen nicht viel. Paris, oder richtiger P o i n c a r e allein kann nicht mehr handeln. Aber seine Ansicht ist doch richtunggebend. Er wird st« durchzusetzen verstehen und der gemeinsamen Antwort seinen Stempel aufdrücken. Eine gemeinsame Antwort heißt demnach auch ein Nachgeben der übrigen Alliierten, die Unterwerfung unter PoincarSs Willen. Gewiß wird auch der französische Ministerpräsident Konzessionen machen, wird sich verstehen, seine Forderungen etwas herabzuschrau- ben und versöhnlicher zu scheinen. Aber damit rechnet er eben, daß er Entgegenkommen zeigen muß, um die Alliierten für seine Pläne zu gewinnen. Und deshalb wird er seine Forderungen eben von vornherein hoch schrauben, um dann sich soweit abhandeln zu lassen, als er von Anfang an als Bedingung angesehen hat. Man kann diesen alten und gewiegten Juristen als einen Geschäftsmann von früher anseben, als es noch nicht die sogenannten festen Preise gab. Damals kalkulierten die Geschäftsleute ihren Verdienst in den Grundpreis und schlugen dann, je nachdem sie von den Kunden wußten, ob sie viel handelten oder nicht, auf diesen Preis bereits ails, um beim Verhandeln etwas nachlassen zu können.
Aus den Verhandlungen der Diplomaten wird demnach die Linie erscheinen, die Poincare gezogen hat. Wir können mit der Großmut Frankreichs nicht rechnen, wollen sie freilich auch nicht. Aber uns wird auch nicht unser gutes Recht. Die französischen Bedingungen, Aufhebung des passiven Widerstandes, Einverständnis mit der Besetzugn des Ruhrgebietes, bis die Zahlungen erledigt sind, werden bestehen bleiben. Und jedenfalls werden die Engländer und Italiener dieser Forderung zustimmen, wenn Poincarä ihnen sagt, damit habe er schon viel von seinen Plänen gestrichen. Die Berliner Börse weiß schon Bescheid, denn sie treibt den Dollar weiter hinauf. Und wenn wir diese Börsenmache auch nicht lieben können, so haben wir doch Ursache, ihre Ansicht durchaus ernst zu nehmen. Tie Spekulation würde sich nicht so stark engagieren, wenn sie damit rechnen könnte, daß etwa die Pläne, die von den anderen Alliierten ausgearbeitet worden sind oder ausgearbeitet werden sollen, sich durchsetzen lassen könnten.
Schauen wir genauer hin, so bedeutet auch der englische Plan Mac Kennas bereits eine Annäherung an Frankreich, obwohl er immerhin Zeichen der Sympathie für Deutschland zeigt. Und in Rom hat wieder einmal Mussolini davon gesprochen, er wolle den Frieden Europas. Sagen sie aber nicht auch, Deutschland müfle mehr zahlen? Wenn der italienische Diktator der Ansicht ist die Besetzung des Ruhr- aebietes verschärfe die Reparatiönskrise, so schließt das nicht aus, daß er der französischen Bedingung zustimmen kann, die Krise zu beseitigen, durch einen teilweisen Abbau nach Maßgabe der deutschen Zahlungen zu erreichen. Und wenn Mussolini territorialen Umwälzrtngen und Abänderungen nicht zustimmen will, so 'wird er von Frankreich hören, solches sei nicht geplant, er könne ruhig im Druckbunde gegen Deutschland mittun. Und er wird nicht abseits stehen. Poincare macht ja Konzessionen. Er läßt von den vorgezeichneten Preisen ab. Schließlich Belgien. Man dachte, es wolle allen Ernstes eine Liquidierung des Ruhrunternehmens. Tas scheinen nur Phrasen gewesen zu sein, die man während der Anwesenheit Poincarös in Brüssel begrub. Denn liest man nicht, daß Belgien sich schon sehr gut auf die französischen Gedankengänge eingestellt hat? Es will antworten: Deutschland müsse eine feste Summe nennen, denn die Berufung einer Finanzkommisston stehe nicht im Versailler Vertrag. Die Garantien seien noch nicht hinreichend und Bedingung sei die Aufgabe des passiven Widerstandes. Mit Belgien wird es Poincar« also nicht schwer haben.
Wenn in Berliner politischen und maßgebenden Kreisen trotz dieser klaren, für uns ungünstigen Lage, die sich immer deutlicher zeigt, und die sich aus den Diplomaten-Unterhaltungen verdichten wird, immer noch Optimismus zur Schau getragen wird, so steht man vor einem Rätsel. Haben wir noch nicht genug gelernt, uns nicht einlullen zu lassen? Haben uns nickt schon genug Hoffnungen betrogen? Man wird a b l e h - n e n und vielleicht (was die Engländer und Italiener durchsetzen) eine bessere Form der Ab
lehnung finden. Man wird schließlich neue Vorschläge fordern und so geht die Zeit der Beratungen über neue Vorschläge weiter, derweil die deutsche Wirtschaft schwächer und kränker, die Inflation größer und unsere Mark gänzlich wertlos wird. Und eine Note folgt der anderen, bis Deutschland mürbe geworden ist und Frankreich leicht nehmen kann, was es jetzt noch nicht zu wünschen wagt. Unsere Lage ist ernst. Dann nur könnte Frankreich in Verlegenheit kommen, wenn wir erklären würden: Der passive Widerstand hört auf, mit der etappenweisen Räumung sind wir einverstanden. Aber Frankreich weiß, Deutschland kenn solche Zugeständnisse nicht macken, deshalb schiebt es einstweilen Bedingungen vor, die die Verständigung notwendig erschweren müssen, die sie immer weiter hinausziehen.
Am das öeutsche Angebot.
Die Beratungen in England.
(Eigener Drahtbericht.l
London, 12. Juni.
In London liegen nock keine Beschlüsse vor. Die britische Regierung gibt im Parlament nur ausweichende Antworten. Die deutsche Erwartung aber, daß England sofort die deuffchen Borschläge im Gegensatz zu Frankreich unterstützen wolle, fdjeint sich nicht zu erfüllen, denn schon besprechen die Londoner Montagszeitungen die Forderung einer Aufhebung des deutschen vassiven Widerstandes, um Frankreich zu Verhandlungen zu veranlassen. Das Kabinett hat gestern drei Sitzungen abgr- balten. Am Nachmittag waren der französische und d«r italienische Botschafter im Auswärtigen Amt. Auffallend ist die Haltung der „Times". Das Blatt schreibt, Poincarss Vorschläge gingen dahin, daß man mit Deuffchland ve r h a n - deln wolle, aber für die Dauer der Verhandlungen müsse der passive Widerstand aufgegcben werden. Dieser Vorschlag wäre beachtenswert.
Londcn-Varffer Linstimm gkeiten.
Paris, 12. Juni. (Eigene Drcchtmeldung.) Den Pariser Rachmittagsblättern vom Montag ist deutlich zu entnehmen, daß N n st - m m i g k e i - ten zwischen London und Varis in der Behandlung der deutschen Rote ausgetreten sind. Der „Tcmps" meldet, daß fortgesetzt englische Anfragen im französischen Auswärtigen Amt eingehen, die jedoch nicht im Sinne der englischen Politik ihre Erledigung finden. Das Pariser „Echo" schreibt, die Behandlung der deutschen Vorschläge zwischen London und Paris habe noch zu keiner Uebereinstimmung geführt, sei vielmehr weit davon entfernt.
3?Ritoort nicht vor Kndr biffer Woche.
Zürich, 12. Juni. (Privattelegramm.) Der Mailänder „Secolo" meldet: Die Beratungen im italienischen Kabinett über die deutsche Note sind unterbrochen worden. Nach Berlin sind Anfragen gegangen, deren Beantwortung abgewartet werden soll. Mussolini war am Samstag beim französischen Botschafter. In Rom rechnet man, daß eine vorläufige Antwort nicht vor Ende der Woche abgehcn kann.
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Frankreichs ablehnende Haltung.
Paris, 12. Juni. (Eigene Drahtmelduna.) „Journal des Debats" meldet: Die von der Regierung eingesetzte ministerielle Prüfungskommission ist zu der einstimmigen Auffassung gekommen, daß die deutsche Note in der vorliegenden Form für Firankreich u n - a n u e h m b a r sei. Mik der englischen Anregung eines Meinungsaustausches batte sich die Prüfungskommission nicht zu befassen. — Die Pariser sozialistische Kammerfraktion hat, um eine Spaltung der Partei zu verhindern, eine Stellungnahme zu dem deuffchen Angebot bis nach den Erklärungen vertagt, die die Regierung im Parlament geben wolle. Poincarö wird am Freitag Mitteilungen machen.
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Rewysrk ist pessimistisch.
New York, 12. Juni. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Newyorker Börse hält mit ihrer ungünstigen Beurteilung der Sachlage nicht zurück, was in dem weiteren S t u r z der deutschen Mark zum Ausdruck kommt. Sie ist überzeugt, daß die deutschen Vorschläge Frankreich nicht zur Aufgabe seiner Ruhrbefetzung bestimmen werden und daß auch die kommende Aussprache zwischen den Alliierten nicht die Ablehnung des deutschen Planes aufhalte.
Der bulgarische Ltmfturz.
Der frühere König kehrt zurück.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wien. 12. Juni.
Die Agentur Stefani meldet aus Sofia: RadoSlowa wird am Donnerstag in Sofia
erwartet. Es heißt, der verbannte Exkönig Ferdinand weile bereits auf ungarischem Boden, um die Annullierung seines Ausweisungsbefehls durch die neue Regierung abzuwar- tcn. Die Straßen von Sofia sind reich beflaggt. Man sieht wieder viele F a h n e n der e i n st mit Bulgarien verbündeten Mächte. — Die verhafteten bisherigen Minister sind dem Kriegsgericht unterstellt worden, das sie schon nächste Woche aburteilen soll. Man beschuldigt sie schtve- rer Amtsverbrcchen, besonders in der Frage der Erteilung von Konzessionen an Angehöffge der Ententestaaten und des übrigen Auslandes. *
Ein französisches Blutbad.
Sechs Deutsche erschaffen.
(Privat-Telegramm.)
Dortmund, 12. Juni.
Der noch völlig unaufgeklärte Tod der zwei französischen Unteroffiziere in Dortmund (vom Sonnabend) hat die Lage in der Stadt sehr ernst gestaltet. Die Franzosen haben sofort über Dortmund den Belagerungszustand verhängt und eine Berkehrssperre in den Straßen von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens an- gcordnet. Weitere „Sanktionen" sind angekündigt. Die von den Franzosen verhängte Verkehrssperre war gestern abend noch nicht allen Teilen der Bevölkerung bekannt. Als einige Passanten nach neun Uhr abends auf den Straßen von französischen Patrouillen angetroffen wurden, eröffneten diese gegen die harmlosen Spaziergänge r ein G e w e h r f e u e r. Fünf von den ahnungslosen Pafsantesi wälzten sich in ihrem Blute und verstarb en auf der Stelle. Ein Opfer st a r b noch später. Die von den Franzosen ermordeten Deutschen wurden zunächst an der Stelle niedergelegt, an der man die erschossenen französischen Unteroffiziere aufgefunden hatte. Später wurden sie in das Luisen-Hofpital gebracht. Die Franzosen entfalteten nachts eine beispiellose Schreckensherrschaft.
Der Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr wurden stillgelegt. Der ftanzösiscke Kommandant machte den Magistrat für den Vorfall verantwortlich; als Geiseln wurden der stellvertretende Oberbürgermeister Dr. Fischer, Stadtschulrat Dr. Fluhme und Regierungs-Assessor M a r t i l u s, der Vertreter des Polizeipräsidenten, verhaftet. Gestern vormittag besetzten die Franzosen das Stadthaus, in dem sich auch das Polizeipräsidium befindet. Etwa hundert Soldaten, mit Maschinengewehren ausgerüstet, halten das Stadthaus in weitem Umkreis ab- gesperrt. Am Südwall haben starke französische Kavallerieabteilungen Aufstellung genommen.
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Ueber hundert Personen sind verhaftet.
In Dortmund herrscht große Auflegung, man befürchtet, daß die Franzosen noch schärfere Maßnahmen ergreifen werden, obwohl noch nicht festfteht, ob die Tat von Deutschen begangen worden ist. Bon den Tätern fehlt bisher noch jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Dorflnund hat eine vorläufige Belohnung von fünf Millionen Mark ausgesetzt, für Angaben, die auf die Spur der Töflr führen können. An der Kronenburg werden alle männlichen Straßenpaffanten nach Waffen unteffucht.
Keine deutschen Töter.
Dortmund, 12. Juni. (Privattelegramm.) Aus den Umständen hat man festgestellt, daß die Täter vom Sonnabend keine Deutschen waren. Die Verletzungen, durch welche die beiden Franzosen getötet wurden, rühren von Gewehren oder Karabinern her. — Tie Behauptung in der französischen Presse, die Tat in Dortmund sei ein Widerhall der Kanzlerrede in Münster, ist deshalb schon unsinnig, weil die Rede und die Tat zeillich ungefähr zusammenfallen, die Kanzlerrede konnte daher überhaupt noch nicht bekannt sein. — Bei der Besetzung des Dortmunder Stadthauses haben die flanzösischen Eindringlinge 41 Millionen Mark gestohlen.
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Hunbertfanfundsiebzig Geiseln!
Berlin, 12. Juni. (Privattelegramm.) Nach stier vorliegenden Pariser Meldungen ist für die tz rsckießung der beiden französischen Offiziere in Dortmund die Festnahme von weiteren Geiseln durch die flanzösische Regierung angeord- aet worden. Ans Dortmund wird bis heute früh die Festnahme von hundertfünfund- sicbzig Personen gemeldet. Fast alle sind nnaefehcne Bürger und Beamte. Unter den Verhafteten befinden sich L«nz willkürlich heraus- aeariffene Persönlichkeiten, die mit der Tat in aar keinem Zusammenhang stehen, so auch die gesamte Beamtenschaft des Hauptfinanzamtes.
Aus dem Süden.
Deutschfreundliche Stimmung in Italien.
Während die italienische Regierung steh bciniiht, zwischen Deutschland und den Alliierten zu ver» mittein, wächst im italienischen Volke die Ab. neignug gegen Frankreich und damit die Zuneigung zu Deutschland. In einem dentsctzcn Bries aus Italien hettzt cs unter anderem, Was den Hauipteindruck des heutigen Italiens ausmacht, ist die Fascistenherrschaft. Di« „schwarzen Hemden" der Gründungszeit und des Staatsstreiches vom vorigen Jahre sind allerdings den feldgrünen Uniformen der »Ratio- nal-Miliz" gewichen, aber überall begegnet man dem Fascio, dem römischen Rutenbündel mit dem Richtbeil, dem Abzeichen der Partei. Und vor allem: Mussolini! In jeder Zeitung, jedem Schaufenster, aus den Etiketten von Schokoladen, Bitterwassern, auf Krawattennadcln, Taschenspiegeln, als Uhranhänger — überall sieht man den Namen und das Bildnis des Mannes, der für einen großen Teil der Italiener heute identisch ist mit dem Glanz und der Größe ihres Vaterlandes. Schon sein Bild har etwas Ecgenartiges und unterscheidet sich so von den herkömmlichen. Bildern anderer Staatsmänner. Ein schwerer, großer Kopf, eine hohe Stirn und vor allem der seltsame, fast hypnotisierende Blick aus seinen großen Augen geben ihm einen Ausdruck von Strenge und Energie, der einen unwiMürlich an die alten Römer erinnert, an jene, die die Hände ins Feuer halten konnten, ohne Schmerz zu zeigen. Man versteht die Be- geistcruna der Italiener, wenn man diesen Kopf studiert. Und noch etwas hat dem Fascio sicher viel Anhänger zugeführt, die wunderbare Me- lvdie. seines Maffchliedes „Giovinezza". Diese flüssige, feurige Melodie hat etwas so Harmcui- fches und gleichzeitig Begeisterndes, daß sie selbst dem Fremden, der sie ein- bis zweimal gehört hat, unwiMürlich in oen Ohren bleibt. Und to-.e muß dieses Lied erst auf die sangesfrohen Herzen des italienischen Volkes gewirtt haben!
Die antideutsche Stimmung der Kriegszeit — wenn eine solche in den Massen wirklich bestanden hat — ist heute voMkommen v e r!s chw u n d e n. Zwar hört man vereinze-ie Worte des Mitleids mit den verwüsteten Gebieten Frankreichs, aber im großen und ganzen ist die Stimmung geradezu deutschfrcund- l i ch man kennt hier und schätzt Deuffchland und seinen Arbeitsgeist, seine Unermüdlichkeit, die deutsch« Technik, den redlichen Geist des deutschen Kaufmanns. Vielleicht der allergrößte Teil, mindestens aber die Hälfte aller Waren, die man in den Schaufenstern Mailands und Genaus findet, sind deutsche Fakri kate. Auf der Mailänder Straßenbahn liest man das Fabrikzeichen einer Berliner Großfirma, Nürnberger wohlbekannte Motorradmarken sausen am marmornen Dome vorüber, und daß die Spielwarengeschäfte, die Schreibwarenläden fast ganz aus Nürnberg beliefert werden, sieht man an den wohlbekannten Trompeten und Eisenbahnen, den Reißzeugen und Bleistiften, die die Auslagen schmücken. Tausende von Fäden verbin- den so das wirtschaftliche Leben der beiden Län. der, und man freut sich als Deutscher aufrichtig, von ehemaligen Feinden bestätigt zu bekommen, daß man heute das deutsche Volk noch genau so achtet und bewundert wie einstens. Der Werff unseres Volkes liegt nicht in unserer einstigen militärischen Stärke >md politischen Machfftel- lung, wir haben tiefere und bleibendere Werre, die uns keine französischen Tanks rauben können.
Damit sind wir wieder bei den Franzosen angelangt. Trotz aller Skepsis, die man solchen Aeußerungen entgegenbringen muß, hört man Ausdrücke des Hasses und der Feindschaft gegen die Franzosen so oft, daß dies sicher die Meinung eines großen Teils des italienischen Volkes sein muß. Ich habe mit Kaufleuten, Hoteliers, aber auch mit Droschkenkutschern und einfachen Arbeitern gesprochen und immer wieder dieselbe Ansicht gehört. Frankreich habe die Hilft Italiens vergessen, habe 1919 ihm die Frückte des Sieges wcggenommen nsw. Bezeichnend ist der Ausdruck „sorella totrina“, den man hier in Ironisierung der bekannten flanzösisschen Phrase von der lateinischen Schwester des öfteren zu hören bekommen kann. Und fo ist es begreiflich, daß das ireiheitslicbende italienische Volk den brutalen Gewalttaten der Franzosen an der Ruhr mit Abscheu gegenübersteht. Die passive Resistenz De'ftschlands Wim gelobt Aufgabe Deutschlands muß es sein, durch lluge Politik auch das offizielle Italien ans fti- net Neutralität herauszuziehen.
Neues Geld für Boulen.
Tie Erhöhung der Baustoffpreise.
Don den 430 Milliarden Mark, die das Reichskabinett den Ländern und Gemeinden für Neubauten, als Bauvorschsisse und zur Ferttcfftellung begonnener Bauten in Form von Darlehen auf die einzuzieherrde Wohnungsbauabgabe zur Verfügung sftllen kann, sind der „Bauwelff, Berlin, zufolge im Lause W Mv*