Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Meier Neueste Nachrichten

Infertil' eise:») Einheimische Austriige: Tie einspaltige Anzsigenzetls 350 Mark, Fcmck - , liennachi^ .s Zeil: 280 Mark,die einspaltige Rsklamezetls 1000 Mark, b) Auswärtige Wtfe träge: " paMge Anzeigenzeile 350 Mark, die einspaltige Retlamezetls 1000 Marl, alle» ein» ' "}-

fchlts' .euerungszufchlaz und Anzeigsnsteuer. ffür Anzeigen mit besonders schwierigem 1 So" !rtProzent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebeneu An lC' - ! je a, sowie für Aufnahmedaten imd Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden-

L lerzi: Schlachthofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 und 952

Tie Kasseler Neuesien Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbonnsmentSprsis beträgt monatlich 4600 Marl bei tretet Zustellung ins Haus in der Geschäftsstelle abgeholt 4500 Mark monatlich. Bestellungen werden sederzei: entgegen, genommen. Verlag und Redaltion: Echlachthofstraße 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion eine Gerant, wortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Berugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Nummer 134

13. Jahrgang.

Mittwoch, 13. Juni 1923

Einzelnummer 200 Mk.

Einzelnummer 200 Mk.

Geringe Aussicht suc die deutsche Lote.

Rührige Diplomatie,

tim die Antwort der Alliierten.

Der Draht spielt, -die Fäden werden gespon­nen. Die Entente-Diplomaten empfangen und machen Besuche. Sie sondieren und bringen An­sichten ihrer Regierungen. Es fcheitlt ein buntes Gewirr von Meinungen, Ansichten und Absichten sich zu bekämpfen, nach einem Ausweg zu suchen. Noch weiß man nicht, wie die Einigkeit zwischen den Alliierten festgestellt werden wird. Aber diesmal soll eine gemeinsameAntwort an Deutschland erfolgen. Wenn demnach von Pa­ris aus bereits das Unannehmbar verkündet wird, so bedeuten diese Stimmen nicht viel. Paris, oder richtiger P o i n c a r e allein kann nicht mehr handeln. Aber seine Ansicht ist doch richtunggebend. Er wird st« durchzusetzen ver­stehen und der gemeinsamen Antwort seinen Stempel aufdrücken. Eine gemeinsame Antwort heißt demnach auch ein Nachgeben der übrigen Alliierten, die Unterwerfung unter PoincarSs Willen. Gewiß wird auch der französische Mini­sterpräsident Konzessionen machen, wird sich ver­stehen, seine Forderungen etwas herabzuschrau- ben und versöhnlicher zu scheinen. Aber damit rechnet er eben, daß er Entgegenkommen zeigen muß, um die Alliierten für seine Pläne zu ge­winnen. Und deshalb wird er seine Forderun­gen eben von vornherein hoch schrauben, um dann sich soweit abhandeln zu lassen, als er von Anfang an als Bedingung angesehen hat. Man kann diesen alten und gewiegten Juristen als einen Geschäftsmann von früher anseben, als es noch nicht die sogenannten festen Preise gab. Da­mals kalkulierten die Geschäftsleute ihren Ver­dienst in den Grundpreis und schlugen dann, je nachdem sie von den Kunden wußten, ob sie viel handelten oder nicht, auf diesen Preis bereits ails, um beim Verhandeln etwas nachlassen zu können.

Aus den Verhandlungen der Diplomaten wird demnach die Linie erscheinen, die Poincare gezogen hat. Wir können mit der Großmut Frankreichs nicht rechnen, wollen sie freilich auch nicht. Aber uns wird auch nicht unser gutes Recht. Die französischen Bedingun­gen, Aufhebung des passiven Widerstandes, Einverständnis mit der Besetzugn des Ruhr­gebietes, bis die Zahlungen erledigt sind, wer­den bestehen bleiben. Und jedenfalls werden die Engländer und Italiener dieser Forderung zu­stimmen, wenn Poincarä ihnen sagt, damit habe er schon viel von seinen Plänen gestrichen. Die Berliner Börse weiß schon Bescheid, denn sie treibt den Dollar weiter hinauf. Und wenn wir diese Börsenmache auch nicht lieben können, so haben wir doch Ursache, ihre Ansicht durchaus ernst zu nehmen. Tie Spekulation würde sich nicht so stark engagieren, wenn sie damit rechnen könnte, daß etwa die Pläne, die von den anderen Alliierten ausgearbeitet worden sind oder aus­gearbeitet werden sollen, sich durchsetzen lassen könnten.

Schauen wir genauer hin, so bedeutet auch der englische Plan Mac Kennas bereits eine Annäherung an Frankreich, obwohl er im­merhin Zeichen der Sympathie für Deutschland zeigt. Und in Rom hat wieder einmal Musso­lini davon gesprochen, er wolle den Frieden Europas. Sagen sie aber nicht auch, Deutschland müfle mehr zahlen? Wenn der italienische Diktator der Ansicht ist die Besetzung des Ruhr- aebietes verschärfe die Reparatiönskrise, so schließt das nicht aus, daß er der französischen Bedingung zustimmen kann, die Krise zu besei­tigen, durch einen teilweisen Abbau nach Maß­gabe der deutschen Zahlungen zu erreichen. Und wenn Mussolini territorialen Umwälzrtngen und Abänderungen nicht zustimmen will, so 'wird er von Frankreich hören, solches sei nicht geplant, er könne ruhig im Druckbunde gegen Deutsch­land mittun. Und er wird nicht abseits stehen. Poincare macht ja Konzessionen. Er läßt von den vorgezeichneten Preisen ab. Schließlich Bel­gien. Man dachte, es wolle allen Ernstes eine Liquidierung des Ruhrunternehmens. Tas schei­nen nur Phrasen gewesen zu sein, die man wäh­rend der Anwesenheit Poincarös in Brüssel be­grub. Denn liest man nicht, daß Belgien sich schon sehr gut auf die französischen Gedanken­gänge eingestellt hat? Es will antworten: Deutschland müsse eine feste Summe nennen, denn die Berufung einer Finanzkommisston stehe nicht im Versailler Vertrag. Die Garantien seien noch nicht hinreichend und Bedingung sei die Aufgabe des passiven Widerstandes. Mit Belgien wird es Poincar« also nicht schwer haben.

Wenn in Berliner politischen und maßgeben­den Kreisen trotz dieser klaren, für uns ungün­stigen Lage, die sich immer deutlicher zeigt, und die sich aus den Diplomaten-Unterhaltungen ver­dichten wird, immer noch Optimismus zur Schau getragen wird, so steht man vor einem Rätsel. Haben wir noch nicht genug gelernt, uns nicht einlullen zu lassen? Haben uns nickt schon ge­nug Hoffnungen betrogen? Man wird a b l e h - n e n und vielleicht (was die Engländer und Italiener durchsetzen) eine bessere Form der Ab­

lehnung finden. Man wird schließlich neue Vorschläge fordern und so geht die Zeit der Beratungen über neue Vorschläge weiter, der­weil die deutsche Wirtschaft schwächer und kränker, die Inflation größer und un­sere Mark gänzlich wertlos wird. Und eine Note folgt der anderen, bis Deutschland mürbe ge­worden ist und Frankreich leicht nehmen kann, was es jetzt noch nicht zu wünschen wagt. Un­sere Lage ist ernst. Dann nur könnte Frankreich in Verlegenheit kommen, wenn wir erklären würden: Der passive Widerstand hört auf, mit der etappenweisen Räumung sind wir einver­standen. Aber Frankreich weiß, Deutschland kenn solche Zugeständnisse nicht macken, deshalb schiebt es einstweilen Bedingungen vor, die die Verständigung notwendig erschweren müssen, die sie immer weiter hinausziehen.

Am das öeutsche Angebot.

Die Beratungen in England.

(Eigener Drahtbericht.l

London, 12. Juni.

In London liegen nock keine Beschlüsse vor. Die britische Regierung gibt im Parlament nur ausweichende Antworten. Die deutsche Erwar­tung aber, daß England sofort die deuffchen Borschläge im Gegensatz zu Frankreich unter­stützen wolle, fdjeint sich nicht zu erfüllen, denn schon besprechen die Londoner Montagszeitun­gen die Forderung einer Aufhebung des deutschen vassiven Widerstandes, um Frankreich zu Verhandlungen zu veranlassen. Das Kabinett hat gestern drei Sitzungen abgr- balten. Am Nachmittag waren der französische und d«r italienische Botschafter im Auswärtigen Amt. Auffallend ist die Haltung derTimes". Das Blatt schreibt, Poincarss Vorschläge gingen dahin, daß man mit Deuffchland ve r h a n - deln wolle, aber für die Dauer der Verhand­lungen müsse der passive Widerstand aufgegcben werden. Dieser Vorschlag wäre beachtenswert.

Londcn-Varffer Linstimm gkeiten.

Paris, 12. Juni. (Eigene Drcchtmeldung.) Den Pariser Rachmittagsblättern vom Montag ist deutlich zu entnehmen, daß N n st - m m i g k e i - ten zwischen London und Varis in der Be­handlung der deutschen Rote ausgetreten sind. DerTcmps" meldet, daß fortgesetzt eng­lische Anfragen im französischen Auswärtigen Amt eingehen, die jedoch nicht im Sinne der englischen Politik ihre Erledigung finden. Das PariserEcho" schreibt, die Behandlung der deutschen Vorschläge zwischen London und Paris habe noch zu keiner Uebereinstimmung geführt, sei vielmehr weit davon entfernt.

3?Ritoort nicht vor Kndr biffer Woche.

Zürich, 12. Juni. (Privattelegramm.) Der MailänderSecolo" meldet: Die Beratungen im italienischen Kabinett über die deut­sche Note sind unterbrochen worden. Nach Ber­lin sind Anfragen gegangen, deren Beant­wortung abgewartet werden soll. Mussolini war am Samstag beim französischen Botschafter. In Rom rechnet man, daß eine vorläufige Antwort nicht vor Ende der Woche abgehcn kann.

*

Frankreichs ablehnende Haltung.

Paris, 12. Juni. (Eigene Drahtmelduna.) Journal des Debats" meldet: Die von der Re­gierung eingesetzte ministerielle Prüfungs­kommission ist zu der einstimmigen Auf­fassung gekommen, daß die deutsche Note in der vorliegenden Form für Firankreich u n - a n u e h m b a r sei. Mik der englischen Anre­gung eines Meinungsaustausches batte sich die Prüfungskommission nicht zu befassen. Die Pariser sozialistische Kammerfraktion hat, um eine Spaltung der Partei zu verhindern, eine Stellungnahme zu dem deuffchen Angebot bis nach den Erklärungen vertagt, die die Regierung im Parlament geben wolle. Poincarö wird am Freitag Mitteilungen machen.

<

Rewysrk ist pessimistisch.

New York, 12. Juni. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Newyorker Börse hält mit ihrer ungünstigen Beurteilung der Sachlage nicht zurück, was in dem weiteren S t u r z der deutschen Mark zum Ausdruck kommt. Sie ist überzeugt, daß die deutschen Vorschläge Frank­reich nicht zur Aufgabe seiner Ruhrbefetzung be­stimmen werden und daß auch die kommende Aussprache zwischen den Alliierten nicht die Ablehnung des deutschen Planes aufhalte.

Der bulgarische Ltmfturz.

Der frühere König kehrt zurück.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wien. 12. Juni.

Die Agentur Stefani meldet aus Sofia: RadoSlowa wird am Donnerstag in Sofia

erwartet. Es heißt, der verbannte Exkönig Ferdinand weile bereits auf ungarischem Boden, um die Annullierung seines Auswei­sungsbefehls durch die neue Regierung abzuwar- tcn. Die Straßen von Sofia sind reich beflaggt. Man sieht wieder viele F a h n e n der e i n st mit Bulgarien verbündeten Mächte. Die verhafteten bisherigen Minister sind dem Kriegs­gericht unterstellt worden, das sie schon nächste Woche aburteilen soll. Man beschuldigt sie schtve- rer Amtsverbrcchen, besonders in der Frage der Erteilung von Konzessionen an Angehöffge der Ententestaaten und des übrigen Auslandes. *

Ein französisches Blutbad.

Sechs Deutsche erschaffen.

(Privat-Telegramm.)

Dortmund, 12. Juni.

Der noch völlig unaufgeklärte Tod der zwei französischen Unteroffiziere in Dortmund (vom Sonnabend) hat die Lage in der Stadt sehr ernst gestaltet. Die Franzosen haben sofort über Dort­mund den Belagerungszustand verhängt und eine Berkehrssperre in den Straßen von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens an- gcordnet. WeitereSanktionen" sind angekün­digt. Die von den Franzosen verhängte Verkehrs­sperre war gestern abend noch nicht allen Teilen der Bevölkerung bekannt. Als einige Passanten nach neun Uhr abends auf den Straßen von fran­zösischen Patrouillen angetroffen wurden, eröff­neten diese gegen die harmlosen Spazier­gänge r ein G e w e h r f e u e r. Fünf von den ahnungslosen Pafsantesi wälzten sich in ihrem Blute und verstarb en auf der Stelle. Ein Opfer st a r b noch später. Die von den Franzosen ermordeten Deutschen wurden zunächst an der Stelle niedergelegt, an der man die erschossenen französischen Unteroffiziere aufgefunden hatte. Später wurden sie in das Luisen-Hofpital ge­bracht. Die Franzosen entfalteten nachts eine beispiellose Schreckensherrschaft.

Der Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr wur­den stillgelegt. Der ftanzösiscke Kommandant machte den Magistrat für den Vorfall verant­wortlich; als Geiseln wurden der stellvertre­tende Oberbürgermeister Dr. Fischer, Stadt­schulrat Dr. Fluhme und Regierungs-Assessor M a r t i l u s, der Vertreter des Polizeipräsi­denten, verhaftet. Gestern vormittag besetzten die Franzosen das Stadthaus, in dem sich auch das Polizeipräsidium befindet. Etwa hundert Soldaten, mit Maschinengewehren ausgerüstet, halten das Stadthaus in weitem Umkreis ab- gesperrt. Am Südwall haben starke französische Kavallerieabteilungen Aufstellung genommen.

*

Ueber hundert Personen sind verhaftet.

In Dortmund herrscht große Auflegung, man befürchtet, daß die Franzosen noch schärfere Maßnahmen ergreifen werden, obwohl noch nicht festfteht, ob die Tat von Deutschen began­gen worden ist. Bon den Tätern fehlt bisher noch jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Dorflnund hat eine vorläufige Belohnung von fünf Millionen Mark ausgesetzt, für An­gaben, die auf die Spur der Töflr führen kön­nen. An der Kronenburg werden alle männlichen Straßenpaffanten nach Waffen unteffucht.

Keine deutschen Töter.

Dortmund, 12. Juni. (Privattelegramm.) Aus den Umständen hat man festgestellt, daß die Täter vom Sonnabend keine Deutschen wa­ren. Die Verletzungen, durch welche die beiden Franzosen getötet wurden, rühren von Geweh­ren oder Karabinern her. Tie Behauptung in der französischen Presse, die Tat in Dortmund sei ein Widerhall der Kanzlerrede in Münster, ist deshalb schon unsinnig, weil die Rede und die Tat zeillich ungefähr zusammenfallen, die Kanz­lerrede konnte daher überhaupt noch nicht bekannt sein. Bei der Besetzung des Dortmunder Stadthauses haben die flanzösischen Eindring­linge 41 Millionen Mark gestohlen.

Hunbertfanfundsiebzig Geiseln!

Berlin, 12. Juni. (Privattelegramm.) Nach stier vorliegenden Pariser Meldungen ist für die tz rsckießung der beiden französischen Offiziere in Dortmund die Festnahme von weiteren Gei­seln durch die flanzösische Regierung angeord- aet worden. Ans Dortmund wird bis heute früh die Festnahme von hundertfünfund- sicbzig Personen gemeldet. Fast alle sind nnaefehcne Bürger und Beamte. Unter den Verhafteten befinden sich L«nz willkürlich heraus- aeariffene Persönlichkeiten, die mit der Tat in aar keinem Zusammenhang stehen, so auch die ge­samte Beamtenschaft des Hauptfinanzamtes.

Aus dem Süden.

Deutschfreundliche Stimmung in Italien.

Während die italienische Regierung steh bciniiht, zwischen Deutschland und den Alliierten zu ver» mittein, wächst im italienischen Volke die Ab. neignug gegen Frankreich und damit die Zu­neigung zu Deutschland. In einem dentsctzcn Bries aus Italien hettzt cs unter anderem, Was den Hauipteindruck des heutigen Italiens ausmacht, ist die Fascistenherrschaft. Di« schwarzen Hemden" der Gründungszeit und des Staatsstreiches vom vorigen Jahre sind aller­dings den feldgrünen Uniformen der »Ratio- nal-Miliz" gewichen, aber überall begegnet man dem Fascio, dem römischen Rutenbündel mit dem Richtbeil, dem Abzeichen der Partei. Und vor allem: Mussolini! In jeder Zeitung, jedem Schaufenster, aus den Etiketten von Scho­koladen, Bitterwassern, auf Krawattennadcln, Taschenspiegeln, als Uhranhänger überall sieht man den Namen und das Bildnis des Mannes, der für einen großen Teil der Italie­ner heute identisch ist mit dem Glanz und der Größe ihres Vaterlandes. Schon sein Bild har etwas Ecgenartiges und unterscheidet sich so von den herkömmlichen. Bildern anderer Staatsmän­ner. Ein schwerer, großer Kopf, eine hohe Stirn und vor allem der seltsame, fast hypnotisierende Blick aus seinen großen Augen geben ihm einen Ausdruck von Strenge und Energie, der einen unwiMürlich an die alten Römer erinnert, an jene, die die Hände ins Feuer halten konnten, ohne Schmerz zu zeigen. Man versteht die Be- geistcruna der Italiener, wenn man diesen Kopf studiert. Und noch etwas hat dem Fascio sicher viel Anhänger zugeführt, die wunderbare Me- lvdie. seines MaffchliedesGiovinezza". Diese flüssige, feurige Melodie hat etwas so Harmcui- fches und gleichzeitig Begeisterndes, daß sie selbst dem Fremden, der sie ein- bis zweimal gehört hat, unwiMürlich in oen Ohren bleibt. Und to-.e muß dieses Lied erst auf die sangesfrohen Her­zen des italienischen Volkes gewirtt haben!

Die antideutsche Stimmung der Kriegszeit wenn eine solche in den Massen wirklich bestanden hat ist heute voMkommen v e r!s chw u n d e n. Zwar hört man vereinze-ie Worte des Mitleids mit den verwüsteten Gebie­ten Frankreichs, aber im großen und ganzen ist die Stimmung geradezu deutschfrcund- l i ch man kennt hier und schätzt Deuffchland und seinen Arbeitsgeist, seine Unermüdlichkeit, die deutsch« Technik, den redlichen Geist des deut­schen Kaufmanns. Vielleicht der allergrößte Teil, mindestens aber die Hälfte aller Waren, die man in den Schaufenstern Mailands und Genaus findet, sind deutsche Fakri kate. Auf der Mailänder Straßenbahn liest man das Fabrik­zeichen einer Berliner Großfirma, Nürnberger wohlbekannte Motorradmarken sausen am mar­mornen Dome vorüber, und daß die Spielwa­rengeschäfte, die Schreibwarenläden fast ganz aus Nürnberg beliefert werden, sieht man an den wohlbekannten Trompeten und Eisenbahnen, den Reißzeugen und Bleistiften, die die Aus­lagen schmücken. Tausende von Fäden verbin- den so das wirtschaftliche Leben der beiden Län. der, und man freut sich als Deutscher aufrichtig, von ehemaligen Feinden bestätigt zu bekommen, daß man heute das deutsche Volk noch genau so achtet und bewundert wie einstens. Der Werff unseres Volkes liegt nicht in unserer einstigen militärischen Stärke >md politischen Machfftel- lung, wir haben tiefere und bleibendere Werre, die uns keine französischen Tanks rauben können.

Damit sind wir wieder bei den Franzosen angelangt. Trotz aller Skepsis, die man solchen Aeußerungen entgegenbringen muß, hört man Ausdrücke des Hasses und der Feindschaft gegen die Franzosen so oft, daß dies sicher die Meinung eines großen Teils des ita­lienischen Volkes sein muß. Ich habe mit Kaufleuten, Hoteliers, aber auch mit Droschken­kutschern und einfachen Arbeitern gesprochen und immer wieder dieselbe Ansicht gehört. Frank­reich habe die Hilft Italiens vergessen, habe 1919 ihm die Frückte des Sieges wcggenommen nsw. Bezeichnend ist der Ausdrucksorella totrina, den man hier in Ironisierung der bekannten flanzösisschen Phrase von der lateinischen Schwe­ster des öfteren zu hören bekommen kann. Und fo ist es begreiflich, daß das ireiheitslicbende italienische Volk den brutalen Gewalttaten der Franzosen an der Ruhr mit Abscheu gegenüber­steht. Die passive Resistenz De'ftschlands Wim gelobt Aufgabe Deutschlands muß es sein, durch lluge Politik auch das offizielle Italien ans fti- net Neutralität herauszuziehen.

Neues Geld für Boulen.

Tie Erhöhung der Baustoffpreise.

Don den 430 Milliarden Mark, die das Reichskabinett den Ländern und Gemein­den für Neubauten, als Bauvorschsisse und zur Ferttcfftellung begonnener Bauten in Form von Darlehen auf die einzuzieherrde Wohnungsbau­abgabe zur Verfügung sftllen kann, sind der Bauwelff, Berlin, zufolge im Lause W Mv*