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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung egte» Hessische Abendzeitung

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Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der

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Nummer 136.

Einzelnummer 200 Mk.

Freitag, 15. Juni 1923.

Einzelnummer 200 Mk.

13. Jahrgang.

Gefahren durch steigende Teuerung.

Bulgariens Umsturz.

Alter und neuer Kurs.

Die überraschende Wendung der Dinge in Bulgarien hat Persönlichkeiten der alten Gesin­nung in den Sattel gesetzt, die aus den Erfah­rungen gelernt haben und nun einen Kurs ein­schlagen, der Ordnung ins Land, Demo­kratie für das Volk und Frieden mit den Nachbarn bringen soll. Bemerkenswert ist das Abrücken von der Entente und das gefühls­mäßige Zuneigen zu Deutschland. Der bul­garische Umsturz zeigt wieder einmal, daß das alte Wort auch in der Politik wahr ist:Strenge Herren regieren nicht lange." Der Bauernfüh­rer Stambuliski glaubte durch eine Dik­tatur all die Regungen und Strömungen im Innern Bulgariens niederzuhalten oder aus- löfchen zu können, die sich im politischen und wirtschaftlichen Leben Geltung zu verschaffen versuchten. Jede Regung der nichtbäuerischen bür­gerlichen Opposition war mit Gewalt unterdrückt worden. So wurde im November vorigen Jah­res ein allgemeiner Kongreß der Oppositions­parteien durch die bewaffneten Bauernparteiler mit Gewalt verhindert. Die Regierung besah damals schon mit ihren 110 van insgesamt 216 Mandaten eine nur geringe Mehrheit. In schar­fer Opposition stand schon seit Jahr und Tag die Organisation der ehemaligen Sol­daten und Offiziere. Der Offiziersbund unter der Führung des Generals Lazaroff zählte Ertde vorigen Jahres weit über fünftausend, ein ihm angegliederter Bund der Unteroffiziere über zwanzigtausend Mitglieder. Diese beiden Orga­nisationen hatten. infolge des bäuerlichen Ter­rors starken Zulauf bekommen. In Kreisen des städtischen, vorwiegend deutschfreundlichen Bürgertums hat die Erfüllungsvolitik Stambo- liskis besonders wegen seiner schnellen Einwil­ligung in die Abtretung Mazedoniens den ent­schiedensten Widerspruch gefunden. So wa­ren die aus Mazedonien vertriebenen Bulgaren seine erbittertsten Gegner. Genährt wurde dieser Haß noch durch die törichten Urteile, die An­fang April gegen Mitglieder des früheren Kabi­netts Radoslawow gefällt wurden. Wie erin­nerlich, handelte es sich hierbei um von reinem Parteigeist diktierte politische Urteile, mit deren Hilfe sich das verflossene Kabinett früherer unbequemer Minister entledigen zu kön- r:en glaubte.

Wenn es ganz besonders überraschen mußte, daß die Regierung Stambuliski gestürzt worden ist, obwohl sie im Parlament über eine Mehrheit Verfügt, so wäre zu entgegnen, daß gerade die­ser Umstand dazu beigetragen hat. daß außer­halb der eigentlichen politischen und parlamen­tarischen Atmosphäre die Widersacher sich fanden, aber auch in aller Geschlossenheit den entscheiden­den Schlag organisieren konnten. So kam es, daß die bulgarische Revolution in kaum mehr als einer einzigen Stunde zum Siege geführt hat.Somit dürfte sie hinsichtlich ihrer Dauer einen Weltrekord geschlagen haben. Und über­dies vollzog sich diese Umwälzung . < ~ Der reue Staatschef, der die Macht an sich gerissen hat, Professor Z a n k o f f, begab sich zum König, teilte ihm die vollzogene Tatsache der Umwäl­zung mit und König Boris, der Sohn des in der Verbannung lebenden Königs Ferdinand, unterzeichnete ohne Widerspruch die ihm vorge­legten Dokumente, die einmal die Absetzung der alten, sodann die Bestellung der neuen Regie­rung und zum dritten die Auflösung des bul­garischen Parlaments, der Sobranje, dekretierte.

Nun ist die Frage, wie Bulgariens VerhM- nis zum Ausland werden wird. Darüber wird in den Kreisen der neuen Männer erklärt, daß sich gegenüber der Entente nichts wesentliches ändern wird. Zankoff und feine Ministerkolleqen sind genügend kühle Köpfe, um nur auf dem Bo­den der Tatsachen zu fußen. Man wird die Entente nicht vor den Kopf stoßen, und wird nach wie vor den Friedensvertrag loval zu er- firllcn suchen. Aber innerpolitisch wird sich hof­fentlich vieles zum Besseren wenden. Und da man an den außenpolitischen Abmachungen nicht rühren wird, dürste sich auch die Entente dem vollzogenen Umschwung gegenüber neutral ver­halten. Für Deutschland bedeutet Zaft- ko f f s Ministervräsidentschaft ein entschiedenes Plus. Denn wenn er sich auch der Entente nicht schroff gegenüberstellen kann, so ist er doch im Gegensak zu Stambuliski entschieden deutsch­freundlich. Er ging nach dem Bastankriege nach Deutschland und Oesterreich, um fiir die natio­nale Sache im Verein mit einigen anderen Män­nern zu wirken. Er ist ein etwa vierzigjähriger, tatkräftiger Mann, der bisher keiner Partei an­gehörte. Während des Krieges war er Mitglied der Kommission für Volksernährung. Sein Bru­der ist Rechtsanwalt und Kommunist.

Das h-m ibm neuaebildete Ministerium um­so ßt alle Parteien mit Ausnsabme der Siambu- liskivartei und der Kommunisten. Natürlich wird auch die Bauernschaft mit der Zeit wieder ihre Vertretung im Kabinett finden. Der neue Innenminister General Russeff war während

des Krieges Führer der siebenten Armee an der mazedonischen Front. Professor Molo ff, der den Ackerbau und den öffentlichen Unterricht übernommen hat, ist nicht zu verwechseln mit dem früheren Minister Molost. Justizminister S m i l o f f war Rechtsanwalt in Varna und ge­hörte der Nationalliberalen Partei an. Der Fi- ftanzminister T o d o r o f f war Mitglied der ra­dikalen, der Handelsminister Boboschewski Mitglied der Geschowschen Volkspartei. Sto- j a n s ch e f f, der das Portefeuille für Oeffcnt- liche Arbeiten übernommen hat, ist Rechtsan­walt und Demokrat und der Verkehrsminister Kars azo ff ist Sozialist. Alle diese Männer scheinen Gewähr dafür zu bieten, daß Bulgarien einem neuen Aufstieg entgegengeht. Bulgarien konnte unter den jetzigen Verhältnissen nur ein wahrhaft konsfitutionelles Koalitionsministerium brauchen, wie es die neuen Männer bilden.

Die SRßrtenttoerhmg.

Stellungnahme der Gewerkschaften in Berlin tVrivat-Telearamm)

Berlin, 14. Juni.

Der katastrophale M a r k st u r z hat gestern zu einer Sondersitzung der Gewerkschaf­ten geführt. Ein Vertreter der Gewerkschaften begab sich in die Reichskanzlei, um von dem zu­rückgekehrten Reichskanzler eine dringende Un­terredung zu erbitten. Ter Kanzler wird die tzlcwerkschaften morgen Freitag empfangen. In den Kreisen der Gewerlschaften herrscht über die Passivität der Regierung größte Erregung. Die proletarischen Kontrollkommissionen sollen, falls die Regierung weiter versagt, mit Zuziehung der Gewerkschaften ihre Kontroll­tätigkeit ansüben und selbständig zum A » s - verkauf der Waren und zur Schließung der Läden schreiten. (!) Man scheint zu den äußersten Maßnahmen entschlossen zu sein.

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Berliner greife.

Berlin, 14. Juni. (Privattelegramm.) Gestern wurden in Berlin und Eharlottenburg für ein Pfund Butter 24 000 bis 25 000 Mark verlangt, Fett kostete das Pfund 20000 Mark, ein Ei wurde für 1200 Mark zum Kaufe nnge- boten. Das ist fast ein Viertel über den Preis des vorgestrigen Nachmittags. Vor der Markt­halle in der Turmstraße in Eharlottenburg ver­anstalteten die Erwerbslosen eine Demonstration.

Fottschrettenöe Teuerung. Höhere Kohlenpreise und Lohnforderungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Juni.

Die von der Reichsrcgierung gemeldete neue gewaltige Kohlenpreissteigerunq ab 15. Juni um durchschnittlich 52% Prozent wird von den Zeitungen im allgemeinen sehr e r n st beurteilt. Die linksstehende Presse schreibt, daß die neue Kohlenpreiserhöhung unbedingt zu einer weiteren Lohnerhöhung um mindestens 100 Prozent führen müsse. Wenn die Regierung in dieser Weise die Rohstoffe selbst verteuere, dann sei das Ende der augen­blicklichen Krisis nicht abzusehen. Auch der Lo­kalanzeiger schreibt über die Wirkung und die Ausmaße dieser Teuerung und erklärt dabei: Die Oeffentlichkeit wird sich erst dann ein Bild machen können, wenn die Löhne der Bergar­beiter abermals erböht werden, waS bereits am 1. Juli der Fall fein wird. Mehrere Blätter stellen fest, daß die Kohlenhändler in Berlin schon seit vierzehn Tagen keine Kohlen mehr liefern und daß sie angeblich erst die neue Preiserhöhung abgewartet haben.

Meder ein Justizmord.

Ingenieur Görges zum Tode verurteilt!

(Eigene Drabtmeldung.)

Mainz, 14. Juni.

In der gestrigen Verhandlung vor dem fran­zösischen Kriegsgericht in Blainz wurde der we­gen Sabotage angeklagte Ingenieur Görges zum Tode verurteilt. Er soll nach fran­zösischem Bericht die ihm zur Last gelegte Tat zugegeben haben, (?) doch habe er bestritten, daß seine Tat Sabotage darstelle. Görges protestierte gegen den Vorwurf der Feigheit, den der Ver- reter der Anklage ihm mackren wollte. Er ver- 'cherte, daß er als Patriot freudig zu t e r b e n b e r e i t sei. Er hoffe, daß noch Tau­sende ihm folgen mögen, um endlich der Fran­zosenherrschast in Deutschland ein Ende zu be­reiten. Das Schlußwort wurde dem Verurteil­ten von dem Präsidenten nicht erteilt.

Bemühung der Reichsregierung.

Berlin, 14. Juni. (Privattelegrarnm.) Die Reichsregierung hat sich gestern abend mit dem

neuen Bluturteil des französischen Kriegsgerichts in Mainz gegen Ingenieur Görges von der badischen Anilin- und Sodafabrik befaßt. Rach den in Berlin vorliegenden Meldungen ist die Verurteilung Görges zum Tode erfolgt, obwohl der Beschuldigte bis zuletzt hartnäckig bestrit­ten hat, daß er auf der Rheinbrücke Sabotage­alte vorbereitet hätte. Die Reichsregierung hat sich noch gestern abend an die englische und ita­lienische Regierung gewandt, um das Leben des neuen Opfers französischer Gewalt zu retten.

Wegen Meinungsäußerung verhaftet.

Mainz, 14. Jtrni. (Privattelegramm.) Ge­stern nach Schluß des Kriegsgerichtsverfahrens gegen den Deutschen Görges wurden drei Deutsche verhaftet, weil sie das Urteil als Schandurteil bezeichnet hatten. Sic wurden sofort in das Untersuchungsgefängnis des Kriegsgerichts eingeliefert. Ihre Freilas­sung ist bis heute noch nicht erfolgt.

Die Beantwortung der Note.

Noch keine Lösung in Aussicht. (Eigener Drahtbericht.1

London, 14. Juni.

Die Londoner Abendblätter beschäftigen sich eingehend mit dem Meinungsaustausch über die deutsche Note und ihre Beantwortung. Die Times" nkeint. die Verantwortung sei so groß, daß noch einige Wochen vergehen können, ebe man zu einer Entschließung kommt. Nach demDaily Expreß" ist Baldwin der Ansicht, daß eine Fortsetzung der Besetzung des Ruhrgebietes die Aussichten verrin­gert. von Deutschland Entschädigungen zu er- hasten. Die Kabinettsratfitzung in London wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt. Die bisherigen Beratungen in der Frage der fran­zösischen Forderung nach Aufhebung des passi­ven Widerstandes haben zu einer vermittelnden Lösung notf* nicht geführt, wobl aber ist eine Reihe von Anfragen noch Berlin gegangen. Die vermittelnde Lösung soll unter allen Umstän­den von England herbei geführt werden.

Nur Frankreichs Interessen.

Paris, 14. Juni. (Eigene Drahtmeldunq.) Poinrars ist infolge Berufsüberlastung verhin­dert, an einer persönlichen Besprechung der al­liierten Minister teilzunehmen. In Paris ist man von einer schließlicksen Einigung zwischen England und Frankreich überzeugt: die Span­nung zwischen Paris und London wird weder von der Presse noch von der Oeksentlichkeit an­ders als ein Zwischenspiel ausgefaßt. Voincarä sagte am Dienstag im Kammeransschuß für Auswärtiges, für ihn seien niemals die Wün­sche der Verbündeten, sondern immer nur die Weisungen des französ. Parlaments maßgebend.

Unter den Bestren.

Die französische Willkür dauert an.

(Eigene Drabtmeldung.)

Dortmund, 14. Juni.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Gestern abend wurde von den Franzosen wieder geschossen, wobei ein Angehöriger der Feuerwehr getötet worden sein soll. Spät abends wurde ein Anschlag der französischen Militärbehörde ausgegeben, wonach angeblich der Mörder der beiden französischen Offiziers- onMrter festgenomen wäre. Rach diesen fran­zösischen Angaben soll eg sich um einen friiheren Beamten der Schutzpolizei handeln. Der Ver­haftete fei auf dem Wege zur Wache, als er An­stalten zur Flucht getroffen habe, erschossen wor­den. (!) Der Schwindel dieser Angabe liegt klar auf der Hand. Es ist festaestellt, daß die Franzosen wegen eines Frauenzimmers in Streit gerieten und aufeinander schossen, wobei die beiden Offiziersanwärter getötet wurden.

Sin Kind ermorde!.

Düsseldorf, 14. Juni. (Privat - Tele­gramm.) Nach einer Meldung aus Castrop wurde die zehnjährige Schülerin Paula Klein von einem ftanzösischen Bahnposten in ein Bahnwärterbaus verschleppt, dort vergewal­tigt und im Anschluß daran ermordet.

Die Besatzungskosten.

Brüssel, 14. Juni. (Eigene Drahtmel­dunq.)Echo de Paris" meldet aus Brüssel: Dem Finanzausschuß der Kammer -st der Nach- tragsctat zugcgangen, der für die K o st e n der Ruhrbesetzung bis vorläufig 31. Dezember d. Js. 1.2 Milliarden Franken anfordert.

Die Markt-Gerichte.

Der Kampf gegen de» Wucher.

Da die Teuerung in den letzten Wochen fe stark zugenommen hat nnb die wrei- fchwankungen hiiustg in wucherischer Weise ausgenutzt worden find, ist der stampf gegen den Wucher verschärft worden.

Berlin. 13. Juni.

Im Anschluß an die Ausführungen des preu­ßischen Ministerpräsidenten Braun in der Land­tagssitzung vom 9. Juni über die Wucherbekämp- fung in Preußen gibt der Präsident des Landespolizeiamtes durch den »Amt­lichen Preußischen Pressedienst" noch folgende tatsächliche Mitteilungen über die Tätigkeit seiner Stelle im Kampfe gegen den volksfeindlichen Wucher:Schon vor einiger Zeit sind Rund­schreiben an die Polizeiverwaltungen hinausge­gangen, mit allem Nachdruck den Unredlichkeiten beim Erzeuger, sowie beim Groß- und Kleinhan­del nachzugehen, auf Preisaushang und Preis­schilder, auf geringes Gewicht, auf Steuer­zuwiderhandlungen zu achten und überhaupt alle unlauteren Machenschaften zu unterbinden. Ohne Rücksicht auf bereits eingeleitete Strafverfahren ist man seitdem vielfach dazu übergegangen, auf Grund der Bekanntmachung zur Fernhaltung um zuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 die Handelserlaubnis zu ent­ziehen. sofern sich die Unzuverlässigkeit der Händ­ler erweist. Am 8. Februar ist von Preußen eine neue Preisschilderverordnung

erlassen worden, die die rechtlich unhaltbaren Zustände, die bisher dadurch bestanden haben, daß Regierungspräsidenten, Gemeindeverwaltuft-- gen und Preisprüfungsstellen solche Verordnun­gen von sich aus erlassen hatten, beseitigten. Auf die Durchführung der Preisfchilderverord-- mmg sind die Polizeiverwaltungen in Verfügnn- gen und persönlichen Anweisungen hingewiesen worden. Ueberwachung der Vieh­märkte. In einer Reihe von Städten mit Großviehmärkten sind unter Hinzuziehung von Händlern und Verbrauchern polizeiliche lieber» wachirngs-Kornmissiouen eingerichtet worden, die jedesmal vor Beginn des Marktes auf Grund der vorliegenden Unterlagen

Preife für Vieh im Klein- und Großhandel feftfetzen. Durch diese Maßnahmen ist zum min­desten verhindert wokden, daß ein noch höheres Hinaufschnellen der Viehpreise erfolgte. Ge­gen den Wucher mit Obst und Gemüse ist unter dem 12. Mai ein Erlaß des Präsiden­ten des Landespolizeiamts herausgegangen, nach dem die Polizeibehörden angewiesen werden, in den Erzeugergebieten in Verbindung mit den Preisprüfungsstellen möglichst auf das Zustande­kommen von Richtpreisen in angemessener Höhe binzuwirken. Nach dem neuen Marksturz im Mai sind unter dem 25. Mai die Polizeibehörden erneut unter Darlegung der Sachlage und Hin­weis auf die furchtbare Not der Verbraucher an­gewiesen worden, in der Wucherbekämpfung nicht zu erlahmen, sondern sich ihr im Gegenteil ganz intensiv zu widmen. Auf dir

Warenzurückhaltung und das Warenhamstern und auf die Marktpreise in den Erzeugergebie­ten wurde die besondere Aufmerksamkeit der Exe- kufivstellen gelenkt. Ein Krebsschaden und we­sentliche Ursache der Preistreiberei ist die große Zahl der Händler und Auftäufer. Auf Grund der Reichsverordnung vom 9. Dezember 1922 hoben jetzt nacheinander alle Oberpräsidenten in Preußen die Ankaufserlaubnis für But­ter und Käse vorgeschrieben. Die nachgesuchte Erlaubnis ist Tausenden versagt worden, und auf Grund einer neuen Reichsverordnung vom 10. Februar 1923 über den Handel mit Le­bens- und Futtermitteln ist weiteren tausenden Händlern, die bisher auf Grund des Wander­gewerbescheines oder der Legitimationskarten rach der Reichsgewerbeordndung Handelnden, und auch anderen, im Besitz der Handelserlaub- l is befindlichen Großhändlern aus volkswirl- 'chaftlicben Gründen die erteilte Handelserlaub-- nis wieder entzogen worden. Das Lan- despofizeiamt. das allerdings nur über eine ganz beschränkte Anzahl von Erekutivbecnnten verfügt, schickt diese Beamten in die Erzeugergebiete und dorthin, wo das AufkauferuGvesen besonders be­obachtet wird. Die Beamten geben den örtlichen Behörden Anweisungen und greifen auch selbst ein, wo es erforderlich ist. Zurzeit sind Beamte des Landespolizeiamtes tätig in Schleswig-Hol­stein, in der Provinz Brandenburg und werden demnächst tätig sein tm Westen, um den gemel­deten großen Eierschiebungen auf die Spur zu kommen und sie zu unterbinden.

Die Marktgerichte.

Um eine möglichst schnelle Justiz gegen Wuche­rer und Schieber, die auch durch die Wucher­gerichte nicht immer gewährleistet ist, zu ermög­lichen. sind in Preußen Marttgerichte eingerich­tet. Diese sind besetzt mit einem Richter, der amtsrichterliche Strafbefehle erlassen kann, einem Staatsanwalt und einem Gerichtsschieiber. Mit diesem Warktgcricht arbeiten Polizei st rei­fen zusammen, die aus besonders geeigneten