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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 137.

Einzelnummer 200 Mk.

Sonnabend, 16. Juni 1923.

13. Jahrgang.

Einzelnummer 200 Mk.

Verständigung auf Kasten Deutschlands.

Der schwere Druck.

Dars man hoffen ?

Früher einmal nahm man in Berliner politi­schen und parlamentarischen Kreisen alle Vor­gänge besonders ernst, die einen Lichtblick zu schaffen versprachen.. Berichte, wie sie jetzt aus London kommen, hätten zu anderen Zeiten die Hoffnung aufleben lassen, hätten die Stimmung durchgesetzt, daß doch auf kurz oder lang die Er­lösung kommen müsse. Heute ist der Grundton der Stimmung so pessimistisch, daß auch die Lon­doner Bemühungen, endlich Verhandlungen an­zubahnen, nicht den Himmel voller Geigen hän­gen können. Man har zu viel Enttäuschungen erlebt und hütet sich vor der nächsten. Das ist durchaus berechtigt, denn man ist in den maß­gebenden deutschen Kreisen, die die Verantwor­tung tragen, doch zu sehr an Realpolitik gewöhnt und denkt lieber an den Spatz in der Hand, als an die Taube auf dem Dache. Was nützen die Versprechungen, die hoffnungsvolleren Andeu­tungen, die man aus den Londoner Stimmen lesen kann, sagt man, wenn schließlich doch eine Verständigung auf Ko st en Deutsch­lands das Ende vom Liede ist. Und man sieht, daß niemals die deutschen Vorschläge genügen können; selbst England sagt, sie müßten zum mindesten auf die Basis der englischen Grund­sätze gestellt werden. Deutschland aber hat er­rechnet, daß größere Lasten untragbar sind. Folg­lich ist der Pessimismus berechtigt, daß, ob Ver­ständigung oder weitere Ungewißheit, eine Bes­serung der deutschen Lage nicht erwartet wer­den kann.

So stellt sich-alles, was im Wirtschaftsleben steht, alles, was am politischen Rade dreht, an eine Zeit der Ungewißheit ein, die endlos liegt. Kein Wunder, wenn sich angesichts dieser Schwierigkeiten, Deutschland aus dem Chaos zu sichren, keine Männer finden, die den Mut auf­bringen, die Führung zu übernehmen. Man spielt zwar wieder mit deut Gedanken, demnächst eine neue Regierung zu bilden, aber hütet sich wohl, die Vorarbeiten so weit zu treiben, daß sie zu einer unerwünschten Krise führen könn­ten. Auch die, die auserwählt sein sollen, Nach­folger der jetzigen Minister zu werden, scheuen sich, jetzt das Zepter zu ergreifen. So schart sich die Politik um den Kanzler, der aufrecht stehen muß, so versichert man, daß er das Ver­trauen Aller besitze und sucht ihn zu mahnen, auszuhalten. Es ist eine schwierige und undank­bare Aufgabe, die Reichskanzler Cuno zu er­ledigen hat. Und dabei ist es gewiß, daß, so­bald eine Wend« zum Schlechten oder zum Bes­seren kommt, seine Tage gezählt sein werden. Man wird dann Gründe finden, Undank zu zeigen und wird behaupten wollen, eine andere Zeit fordere andere Männer.

Inzwischen spitzt sich die Lage zu. Die Reichs- und die preußische Regierung haben jetzt besondere Sorge um das Rheinland. Der preußische Ministerpräsident Braun erklärte die­ser Tage im preußischen Landtage, es gebe keine Rheinlandfrage. Der Reichskanzler hat in Karls­ruhe eine Rede gehalten, die aus den gleichen Ton gestimmt war:Es gibt keine Rheinland­frage Man hat in Deutschland eigentlich herz­lich wenig gehört, daß sich die hohe Politik mit dem Rheinlande beschäftigte, und ist jetzt über­rascht, daß über das Rheinland wichtige Reden gehalten werden. Deshalb verlohnt es sich, dar­auf hinzuweisen, daß hier eine Angelegenheit in die Oeffentlichkeit gezogen wird, die hinter den Kulissen bislang eine große Rolle spielte. Man weiß, daß der französische Plan auf die Neutralisierung der Rheinland« hinaus- läust und hat schon vor Monaten darauf hinge­wiesen, daß die Ruhraktion mir ein Deckmantel für die Rheinland-Annektion sei.

Nun hat aber auch ein englischer Minister, Lord Robert Cecil, die Ansicht geäußert (zur Ueberraschung der bisherigen Haltung Eng­lands), man könne sich schließlich mit dem Ge­danken vertraut machen, das Rheinland dem Völkerbund zu unterstellen, also ein zweites Land zu schaffen, das wie das Saargebiet vom Völkerbund verwaltet werden solle. Und im Rheinland« hat nicht nur die sogenannte Törten- Bewegung für dieBefreiung" der Rheinlande gearbeitet, sondern mich Teile des Zentrums er­wogen ernstlich den Gedanken, ob man nicht an eine, wenn auch los: Lösung des Rbeinlandes von Preußen denken könne, in der Weise, daß es, ein selbständiges Land, dem Reiche angegliedert bleibe. Angeblich sollte es eine Ab- leitungsform sein, um vielen Forderungen ge­recht zn werden. Man hat an eine Abstimmung in den Rheinlanden gedacht, hat mit der Re­gierung verhandelt, und schließlich zeigte sich doch, daß die Gruppe von Zentrumsleuten sehr klein war. Die Parteien in ihrer Gesamtheit, Teile des Zentrums ebenfalls, waren gegen diese Rheinland-Modelung. Und es kam, da sich die Träger des angeblich »rettenden Gedan­kens" allein sahen, zu einer Verständigung, daß man in Deutschland vor allem keine Rhein-

landfrage schassen sollte, umso weniger, als die Mehrheit der Rheinländer niemals die Hand bieten würde, das Rheinland von Preußen zu trennen. So sind die Kundgebun­gen zu erklären, die zwar nach außen gerichtet sind, dennoch aber auch den innerpolittschen Trei­bern das Handwerk legen sollen. B. P.

Die Antwort der Alliierten. Fortsetzung der Beratungen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 15. Juni.

Der gestrige Ministerrat befaßte sich mit dem englischen Vermittlungsvorschlag. DerTemps" behauptet, der englische Vorschlag stelle große Ansprüche an das SolidaritätsgefM Frankreichs, da er aber die Aushebung des passiven Widerstandes für die Ver­handlungsdauer verlangt, so würde er für Frankreich nicht unannehmbar sein. Aus dem Havas-Bericht geht hervor, daß der englische Vorschlag die Regelung der gesamten Reparati- onsfraqe von der gemeinsamen Beratung und Entschließung aller Alliierten abhängig ma­chen will und die Aufnahme von Verhand­lungen mit Deutschland unter gewiffen, Deutschland zu stellenden Bedingungen wünscht. Die Beratung des englischen Vorschlags im Ministerrät, so meldet Havas, werde vom Geiste der Waffenbrüderschaft im Kriege getraKa.

Auf Kosten Deutschlands.

Paris, 15. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Man hat nach den offiziösen Prcffcstimme« den Eindruck, daß es heute oder morgen zu einer Verstau dsgung zwischen Frankreich und England kommen wird und daß dann Deutschland die Bedingungen erfährt, unter de­nen mit ihm verhandelt werden soll. Die deut­sche Hoffnung, daß England auf die deutsche Seite getreten sei, wird in Paris mit Lächeln quittiert. DerFigaro" von gestern abend schreibt zynisch; Die Kosten unserer Einigung mit England wird Deutschland tragen, das wir geschlagen haben, indem wir die Mark von einem Dollarstand von 7000 auf einen sol­chen von hunderttausend herabgedrückt haben.

Da« DtClfeiroteg.

Paris, 15. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Man glaubt hier, daß die Entscheidung über die deutsche Note am heutigen Freitag, spätestens am Sonnabend gefällt werden wird. Da­gegen meldet der BrüsselerSoir", die Entschei­dung auf die deutsche Note falle nicht mehr in dieser Woche, nachdem man sich auf eine gemeinsame Antwort geeinigt habe. In der Frage der Forffetzung der Ruhrbesetzung bis zur Auslieferung anderer Pfänder oder bis zur Be­zahlung habe sich der englische Standpunkt merklich dem französisch-belgischen genähert.

Der neue Justizmord.

Eine Darstellung des Ludwigshafener Anschlags. lVrivat-Telegramm)

Mainz, 15. Juni.

In seinem Bericht über die Verhandlung des Mainzer Kriegsgerichts gegen den Ingenieur Görges gibt dasEcho du Rhin" eine kurze Darstellung über die Entdeckung des Anschlags. Danach hat man auf der Rheinbrücke von Lud­wigshafen Explosivstoffe mit Zündschnur und Sprengkapsel gefunden. Vorher wurde auf der Rheinbrücke von Ludwigshafen ein Mann ver­haftet. der einen geladenen Revolver und einen Schlagring bei sich hatte. Durch diese Darstel­lung desEcho du Rhin" wird die Behauptung der Pariser Blätter widerlegt, daß Görges auf frischer Tat ertappt worden sei.Echo du Rhin" behauptet weiter, Görges habe nach zehn Tagen ein Geständuis abgelegt. Die Beratung des Gerichts habe ungefähr eine Viertelstunde gedauert und das Urteil fei einstimmig auf GrurÄ der Ordonnanz 147 ausgesprochen.

Deutsche Widerlegung.

Berlin, 15. Juni. (Privattelegramm.) An Berliner amtlicher Stelle wird zu der Darstel­

lung desEcho du Rhin" erklärt, daß Görges kein Geständnis abgelegt hat. Durch zehn­tägige Hast und körperliche Drangsalierung sei ein Nervenzusammenbruch des Unglücklichen er­folgt. Die zwei deutschen Zeugen, die das Alibi von Görges einwandftei nachweisen konnten, sind vom französisstchen Kriegsgericht in Mainz nicht vernommen worden. (!) Der Bruder des Angeklagten wurde vom Verhand­lungstermin so spät benachrichtigt, daß er nicht rechtzeitig in Mainz eintreffen konnte. (!) Der Protest der deutschen Regierung gegen das Mainzer Urteil ist in Paris eingegangen.

Die Teuerungs-Krisis. Aeberwachung der Lebensmittelpreise.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. Juni.

Infolge der neuen Dollarsteigerung ist, wie zuverlässig gemeldet wird, ein Erlaß des preu­ßischen Innenministers an die Polizeiver­waltungen Preußens ergangen, der die schärfste Kontrolle der Lebensmittelpreise in den nächsten Tagen durch die Polizeiorgane und rücksichtsloses Einschreiten gegen diejenigen Händler und Verkäufer verlangt, die sofort den neuen Dollarpreis ihren Verkaufssätzen zu­grunde legen. Der Erlaß des Mini^rs betont, daß allein schon in der sofortigen Anpassung der Verkaufspreise an den jeweiligen Dollarstand der Tatbestand des strafbaren Wuchers und der Un- zuverlässigkeit des Händlers enthalten fei.

Forderung Berliner Eisenbahner.

Berlin. 15. Juni. (Privattelegramm.) Die Berliner Eisenbahnarbeiter verlangen sofottige Auszahlung einer Wirtschaftsbeihilfe von 300 000 Mark die Erhöhung der Gehälter und Löhne um mindestens 100 bis 150 Pro­zent und die Zurücknahme der Massenentlaffun- jen. In der Entschließung, die ferner die Fest» etzung von wertbeständigen Bezügen verlangt, jeißt es, daß nur durch die Zahlung der ver­langten Wirtfchastsbeihilfe noch im Laufe dieser Woche angesichts der Nottage der Arbeitnehmer ein allgemeiner Streik vermieden werden könne. Die Entschließung der Eisenbahn-Arbei­ter ist der Reichsbahndirektion und dem Reichs- verkehrsministerium übermittelt worden.

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Drohungen mit Maßnahmen.

Berlin, 15. Juni. (Privattelegramm.) Ein neuer Kongreß der revolutionär en Betriebsräte des Reiches und der Er- werbslosenräte ist für Sonntag nach Ber­lin einberufen. Der Kongreß findet hinter ver- chloffenen Türen statt und soll sich mit schnell zu ergreifenden Maßnahmen des deutfchen Pro­letariats gegen die Fortsetzung der Teuerung befassen. Anfchläge in den Berliner Metall- äbriken fordern wieder einmal die Bereitfchaft res Proletariats. Auch die Berliner st 8 d t i - chen Arbeiter drohen mit dem Streik für den Fall der Ablehnung ihrer Lohnforderungen.

Kabinettswechsel in Belgien.

Rücktritt aus inuerpolitischeu Gründe«.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 15. Juni.

Wett der belgifche Senat einen Gesetzantrag über die Flamisieruug der Universi­tät Gent abgelehnt hat, ist das Kabi­nett gurütf getreten. Man nimmt an, daß sich die neue Regierung aus Flamen und So­zialisten zusammensetzen wird und erwartet von dieser Regierung eine englandfreundliche Politik. Allgemein wird befürchtet, daß der Rück­tritt des Kabinetts auf das neutrale Ausland, insbesondere aber ans Deutschland, einen günstigen Einfluß haben werde. Umso mehr werde aber Poincarö seine bekannten For­derungen gegenüber Deutschland vertreten.

Die (Mangel bleiben ?

Brüssel, 15. Juni. (Eigene Drahtmel- dung.) Man sagt, der Eesamtrücktritt des belgi­schen Kabinetts habe nur formalen Charakter. Ob das bisherige Kabinett Wiederkehre, oder »6 eine Neubildung zustandekomme: die Mängel der bisherigen Regierung werden doch blei- ben. Der BrüsselerSoire" meldet: Freitag früh habe der König den Wunsch ausgesprochen, daß das Kabinett im Amte bleibe. Ehe der Kam merpräsident und der Präsident des Senats beim König gewesen sind, fei die Entscheidung des .Königs in diesem Sinne erfolgt.

3n fremden Fesseln.

Deutsche Gefangene im besetzten Gebiet.

Heber Me traurige Lag« unserer Landsleute, di« da« Unglück Haden, in franzilfiseher ®e- fangentzhafr iu sitzen, weil sie treue Deutsche find, Sicher« sich der Präsident de« deutschen Roten Kreuzes, Landesdirektor v. Winier. feldt, einem Mitarbeiter de« B.T. gegenüber.

In einer Unterredung über die Lage der po­litischen Gefangenen sagte der Präsident des Ro­ten Kreuzes, v. Winterfeldt, der Zutritt zu den Gefangenen hat, zunächst Einiges über

die Unterbringung.

Dabei betonte er, daß er die H a l t u n g unserer gefangenen Landsleute bewunderungs­würdig gefunden hat. Keine Klage, kein Vor­wurf wurde laut gegen die uns zur Machtlosig­keit verdammenden unglücklichen Umstände, über aller persönlichen Not und aller körperlichen und seelischen Qual stand ihnen das Vaterland, für das sie willig und bereit sich zum Opfer brin­gen wollten. Ich sah kurz vor der Verurteilung Krupp und seine Direktoren. Auch ein To­desurteil hätte diese Männer nicht gebeugt. Es sind gegen dreißig Gefängnisse, in de­nen die Verurteilten untergebracht sind, und zwar in Werden bei Essen, Derendorf bei Düfsel- b-orf, Bochum, Castrop, Duisburg, Anrath, Aachen, Sterkrade, Bonn, Trier, Koblenz, Wies­baden, Mainz. Kreuznach, Zweibrücken, Landau, Kaiserslautern; dreißig Gefangene hat man nach Belgien, nach Vervicrs, abtransportiert, weil angeblich die Gefängnisse in Aachen überfüllt wa­ren. Die Gefängnisse sind frühere Zuchthäuser, Gefängnisse und Untersuchungsgefängnisse bei Amts- uns Landgerichten, die von den Franzo­sen entweder ganz, wie in Zweibrücken, oder teil- weise beschlagnahmt worden sind. Die Unter­suchungshaft steht allgemein unter franzö­sischer bezw. belgischer Aufsicht, die Strat- vollstreckung hat man in vielen Fällen der deutschen Gefängnisverwaltung überlassen. In Zweibrücken ist ausschließlich französische Ge­fängnisverwaltung, in Bonn herrscht von drei Gefängnissen in einem die französische Ver­waltung. Wie ist nun im allgemeinen

die Behandlung der Gefangenen?

Sind ihre Leiden so furchtbar, wie vielfach ge­schildert worden ist? Was darüber berichtet wurde, ist kaum übertrieben. Das Schwerste ha- ben die Verhafteten bei der Verhaftung selbst in den Händen der Unterorgane und in der Un­tersuchungshaft auszustehen. Die Untersuchungs­haft wird oft ungewöhnlich lange hingezogen. Einen Tag vor der Verhandlung wurde den Gefangenen die Anklageschrift zugestellt, vorher wurde ihnen auch nicht der Besuch des Anwalts gestattet. Es vollzogen sich da leider ost genug Dinge, die sich der öffentlichen Wiedergabe ent­ziehen. In Essen dient als Polizeigewahrsam das Gebäude des bekannten Kohlensyndikats. Mit dem Gesicht g'egen die Wand ge- stellt und den Mißhandlungen der fran­zösischen Soldaten ausgesetzt, so wurde mir kürz­lich aus einem Gefängnisse authentisch berichtet, mußten die Gefangenen zehn, zwölf, ja toter« undzwanzig Stunden zubringen, ehe sie ver­nommen und weiter abgeurteilt wurden. Sie Wurden dann in Zellen gesperrt, die von

Schmutz und Ungeziefer

starrten. In den Zellen, in denen vorher Ma­rokkaner untergebracht waren, liefen die Klosett­kübel über. Es wurde kein Wasser gestellt, auch nicht zum Trinken. Me Räume waren eng, feucht und fensterlos. Die Leute mußten auf der bloßen Erde schlafen. Da der Platz nicht ausreichte mußten sie entweder gekrümmt liegen oder die Beine an den Wänden hinauf hochhal­ten. Eine Art Verfolgungswahn hatte ie befallen. Es kam vor, daß sie, wenn man ihre Setten öffnete, aufschrien vor Augst, daß sich wieder ein entmenschter Peiniger auf sie stürzen will. Wann setzte die

Hilfstättgkit des deittschen Roten Kreuzes ein; stteß sie auf Schwierigkeiten bei der Besat­zungsbehörde? Herr von Winterfeldt äußerte: ^Sogleich beim Beginn der Verurteilungen, An- äng bis Mitte Februar dieses Jahres, bat das deutsche Rote Kreuz Schritte getan, die Für- orge für die Gefangenen zu übernehmen. Der Oberbefehlshaber, General Degoutte, gab in An- crkenmwg der Schutzbefugnis deS deuffchen Ro­ten Kreuzes die Vollmacht, sämtliche Gefängnisse zu besuchen. Schwierigkeiten hatten wir n Mainz und Zweibrücken, wo die Aufsicht aus» Mi ßlich französisch ist. In Duisburg sind wir an die Gefangenen bisher überhaupt nicht heran- gekommen, auch der Vertreter einer schwedischen Hilsskonmmssion wurde rundweg abgewie- en. Am schwierigsten war der Verkehr mit ' >cn Untersuchungsgefangenen, obwohl gerade sie schnellster Hilfe bedurft hätten. Mit dem beson­deren Auftrage der Gefangenen fürs orgn sandte daS deuffche Rote Kreuz seinen Delegierten. Herrn Westrick, nach Essen. Später wurden wet-, fere Delegierte in Aachen, Koblenz. Trier, Mainz' Neustadt (Pfalz), sowie als Generaldelegierter