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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abedzeitung

.^eues>^,Nachrtchtcn Erscheinen wnch°nMch sechsmal UNS xwar a v end s. Der Inf ertionspreif °:«) EtnhetMche Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzetle SOO Mark,Fami.

Nummer 142

Freitag, 22. Juni 1923

Einzelnummer 200 Mk.

13. Jahrgang

nzelnummer 200 Mk

SZÄ

oincore.

Opposition gegen

gebracht hat, bezweckt alliierten Entscheidung

riS der

können, wozu sich der Premier flimmung Lloyd Georges Uebereinstimmend wird zum daß die Reparationsfrage vo oder vor einer W e n d un g st geben Englands sei in keine denken. Eine neue eng ljjf DicnStag nach Paris gegang Ergänzung der franZüsts Die Note, die Lord Grewe

Paris. 21. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Ter früher: Finanzminister Klotz hat gestern in der Kammer gegen die Verbreitung der Rede Poincares gestimmt. Mit ihm sind vierzehn Abgeordnete des nationalen Blocks in die Opposition getreten. Aus der Rede des früheren Finanzministers, die HavaS verschweigt, meidet dasPetit Journal", datz Klotz die Rnhrdesetznng an sich billigt, die militärischen Maßnahmen zur Ausbeutung des Ruhrrcviers aber als verfehlt und ohne Aussicht auf einen wirkliche»! Erfolg bezeichnet. (Wünscht Klotz eine mildere oder eine schärsereBesetzung?)

Auch Noincarz unnachgiebig.

Paris, 21. Juni. (Eigener Drahtbericht.) ImEcho de Paris" teilt Pertinax mit, welchen Standpunkt Frankreich neuerdings in der Frage des passiven Widerstandes einnchmc. Poincar: verlange, daß die Rcichsrcgierung alle seit dem 11. Januar an die Behörden, Beamten und Staatsarbeiter ergangenen Instruktionen, Erlasse nnd Verordnungen unverzüglich z u - r ü ck z i e h e. Die Zurücknahme dürfe jedoch nicht nur rein formeller Natur fein, sondern die d e u t- schcnBeamten beiderseits des Rheines müh­ten ihre Haltung vollkormnen ändern. Die steichLregiernng muffe ferner sofort sämtliche R « h r k r e d i t e an die Industrie e i n st e l l e n, wodurch dieFinanzierung" des passiven Wider- Bandes aufzubörcn habe. Hinsichtlich der Rückkehr Frankreichs zu derunsichtbaren Besetzung", wie 1c am 11. Januar bestand (?), würde Frankreich seine Dispositionen nur nach Mastgabe der deutschen Reparationszahlungen tref­fen. Frankreich würde sich hüten, die in feiner Hand befindlichen Mittel zu Zwangsmaßnahmen vorläufig aus der Hand zu geben.

Die Aussichten der Antwort.

Englischer Widerstand gegen Frankreich.

(Eigener Druhtberichk.1

London, 21- Juni.

Lloyd G co r g e hat am Dienstag Baldwin einen längeren Besuch abgeftattet. Dieser Besuch

wortung ooer Gewähr tn feinem Falle übernehmen, btückzahlung BeS' BezugLgeldes ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Stattens und Belgiens Haltung.

Zürich, 21. Juni. (Privattelegramm.) Der Eorriere della Sera" meldet aus Rom, zwi­schen dem englischen und dem französi­schen Borsckckag der Antwort an Deutschland ist keine Ucberbrückung möglich, Italien steht auf feiten Englands. Tas Schicksal der deutschen Note liegt jetzt in Brüssel, und es hat den Anschein, dass Belgien dem englischen Standpunkt zuvi Siege vcrhelken wird.

Die teuere Lebenshaltung.

Verdoppelung der Kosten in einem Monat.

Don der zweiten Mai- bis zur zweiten Juni« Woche, vorerst aus der weiteren Verschlechte­rung des äußeren Markwertes resultierend, hat ich nach den Berechnungen derIndustrie- und Handelszeitung" in der vergangenen Woche

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Stützung der Mark.

Am «eus Maßnahmen der Regierung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 21. Juni.

Die geplanten Maßnahmen gegen den Marksturz haben gestern den HauptgespräckfS- stoff in den Wandclgängen des Reichstags abge­geben. Sie beeinflußten auch die Besprechungen mit den Parteiführern, die Rcickfskanzler Dr. Cuno, der selbst im Reichstag erschienen war, einberufcn hatte, um die Frakttonen darauf auf­merksam zu machen, daß angesichts des Ernstes der Lage ein Kompromiß über das B r o t v e r - sorgungsgcsetz unbedingt zustande kommen

' müsse. Dem Eingreifen des Reichskanzlers ist es auch. zuzuschreiben, daß die Vorlage in der

> gestrigen ziveite« Sitzung des Reichstages verab­schiedet werden konnte. Zur gleichen Zeit wurde im Reichstag unter dem Vorsitz des Reichswirt­schaftsministers eine nochmalige Konferenz der Wirtschafts-Sachverständigen abgehalten. Die Besprechungen konnten gestern noch kein ab­schließendes Ergebnis bringen. Sie werden heute wieder ausgenommen, um im Laufe des Tages zu Ende geführt zu werden.

VesHrönkung im DSrsenhanvel.

B e r l i n, 21. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Regierung hat den Wunsch, Gutachten der maßgebenden Vertreter der deutschen Wirtschaft für die Pläne der Regierung ent- gegenzunchmcn. Der Reichswirtschaftsminister ließ in seinen meh ralS einftündigen Ausführun­gen in der gestrigen Konferenz keinen Zweifel darüber, daß die Regierung diesmal nicht davor zurückschrecken wird, mit ganz erheblich einschnei­denden Maßnahmen hervorzutreten, um die Auswüchse an der Börse auszuscheiden. Der Kreis der Bankfirmen, die berechtigt sind, mit Devisen zu handeln, soll sehr eng begrenzt werden, bestimmte Handelsgeschäfte überhaupt untersagt und unter sehr hohe Strafe gestellt wer­den. Ferner sind Maßnahmen beabsichtigt, die tief in die Freiheit des Effektenhandels hineingreifen. Diese Maßnahmen sollen den Zweck verfolgen, abschreckend zu wirken vor Ge­schäften, bei denen Geld riskiert wird.

gehen. Es wird daher weiter vorgefchlagen, die Methode der Jndexberechnung des Sta­tistischen Reichsctmtes einer gründlichen, zeitgemäßen Reform zu unterziehen und vor allem für eine Feststellung in geringeren Zeit- Perioden als der monatlichen, sowie für eine we­sentlich schnellere Veröflentlichung zu sorgen. Schon mir Rücksicht auf die wachsende Unzufrie­denheit, die sogar zu dem Gerücht von einem an­geblich drohenden Generalstreik geführt hat, ist eine ernstliche und dringliche Betreibung dieser Angelegenheit dringend erforderlich. Dr. «k.

hat den Morgenzeitungcn Anffm zu lebhaften Erörterungen gegeben. Man glalbt auf eine be-

GmenM in öer Entente.

Baldwin will Llssma'. fest bleibe».

(Eigener Drabtbericht.)

London, 21. Juni.

In amtlichen Kreisen verlautet, daß der bri­tische Ministerpräsident den französischen Forde­rungen diesmal nicht nachgrbcn will. Es sei im Gegenteil wahrscheinlich, daß die englische Regierung die Rückkehr Frankreichs zurunsicht­baren Besetzung" im Ruhrgebiet verlangen werde. Baldwin werde sein Möglichstes tun, um ein Einverständnis mit Frankreich zu erzielen; er 'ei weiter bereit, seinem Lande große finanzielle Tpfer aufzuerlegen. Sollte indessen die Politik Poincarss keine Aenderung erfahren, so bestehe kein Zweifel darüber, daß sich in der auswär­tigen Politik Englands sehr bald ein Umschwung vollziehen werde. Diesem Stand- punftc der englischen Regierung lägen zwei un­bestreitbare Tatsachen zugrunde: Erstens sei man in den englischen Wirtschastskreisen davon über­zeugt, daß die Wiederherstellung der europäischen Märkte für Englands Han­del unerläßlich sei. Zweitens stimme im Unter­haus die Mehrheit der Konservativen mit der ge­samten Opposition darin überein, die franzö­sische R u h r p o l i t i k a b z u l.e h n e n. Wenn Baldwins Versuche, eine Verständigung mit Frankreich herbeizuführen, scheitern sollten, so werde kein neuer Schritt zur Versöh­nung mit diesem Lande erfolgen. Die englische Regierung werde dann eine doppelte Poli­tik einschlagen, um ihr Hauptziel, eine Wieder- k>crstcllung der kontinentalen Märkte, zu erreichen.

Wertbeständigkeit.

Preise unb Löhne.

Das rapide Steigen des Dollars in der vorigen Woche hat eine neue gewaltige Teuerungswelle über uns gebracht, und in dem Wettrennen zwischen den Preisen auf der einen und den Löhnen und Gehaktem auf der anderen Seite drohen die letzteren stark zurücl- zubleiben. Werden doch alle Lohn- und Ge­haltsvereinbarungen durch das sprunghafte An­ziehen der Preise für Lebensmittel und Ge­brauchsgegenstände schon bald nach chrem Inkraft­treten hinfällig gemacht. In den Kreisen der Arbeiter und Festbesoldeten macht sich infolge­dessen eine wachsende Besorgnis bemerkbar, die auch bereits zu positiven Schritten geführt hat. Zwischen dem Reichsarbeitsmini st er

vorstehende Erklärung deS Premierministers im Unterhause über die Rührst ' e schließen zu inister die Zu­sichern wolle, sdruck gebracht, einer Krilsis . An ein Nach- Falle mehr zu e N o t e ist am e wünscht eine Gegenvorschläge, sönlich nach Pa- Beschleunigung

und den Vertretern der Gewerkschaften hat eine Besprechung stattgefunden, bei der neben der Frage der Hilfe für Sozialrentner und Er­werbslose vor allem die Schaffung eines M i n - destlohnes bezw. eines wertbeständi- ge n Lohnes^ erörtert wurde. Die Vorschläge der Gewerkschaften gingen dahin, daß der Reichs- index reformiert werden und ein Mindestreal­lohn für einen Vollarbeiter über 21 Jahre fest­gesetzt werden soll, während für Frauen und Ju­gendliche entsprechende Abschläge eintreten wür­den. Bei den Aenderungen des Existenzmini­mums sollen nach den Gewerkschaftsvorschlägen die Unternehmer gesetzlich verpflichtet werden, den Lohn entsprechend abzuändem. Die Reichs- regierung hat am 15. dieses Monats in einem Schreiben an die Gewerkschaftskommissiou sich bereit erklärt, diesen Fragen näherzutreten.

Die Forderung nach dem wertbeständigen Lohn ist keineswegs neu, aber sie ist durch das ungeheuerliche Sinken der Papiermark wieder im höchsten Maße aktuell geworden, und die Lage vieler Festbesoldeten zwingt dazu, nach einer Formel für die Lohn- und Gehaltsregu­lierung zu suchen. Nun hat man freilich in Oesterreich mit der sogenannten gleitenden Lohn- und Gehaftsflala, worunter ein System zu verstehen ist, bei dem sich der Lohn in kürze­ren Zeiträumen automatisch den Preisverhält­nissen anpaßt, ungünstige Erfahrungen gemacht; aber das mag auch daran liegen, daß man die Sache am falschen Ende anfaßte, daß man vor allem zu schematifch vorging. Der Vor­schlag, der jetzt von den Gewerkschaftlern in die Debatte geworfen wurde, ist schon früher in ähn­licher Form von namhaften Wirtschaftspolitikern gemacht worden. Er geht dahin, die prozentuale Anpassung nicht nach dem individuellen Einkom­men vorzunehmen, sondern sie zu einem fixierten Min d est-U nte rh altsb etra g in Be­ziehung zu setzen. Gehälter und Löhne sollen in zwei Teile zerlegt werden, in den Erundlohn und den Teuerungszuschlag; der letztere soll automattsch nach der gleitenden Lohnflala be­messen werden, so daß man auf diese Weise zu einem veränderlichen Existenzminimum kommen würde.

lieber die Formen und die Einzelheiten die­ses Systems gehen die Meinungen noch weit auseinander; aber in den Kreisen der Arbeit­nehmer ist jedenfalls der Wunsch allgemein, daß irgend eine Anpassung an die Indexziffer vorgenommen wird, während die Arbeitgeber bisher eingewendet haben, daß ein solches Ver­fahren das Hinauffchnellen der Preise begün- sttgen würde. Auch in den Kreisen der Gewerk­schaften hat man sich bis vor einiger Zeit noch ablehnend gegen die gleitende Lohnskala verhal­ten, doch ist jetzt ein völliger Stimmungs-Um­schwung erfolgt, und auch in manchen Kreisen der Arbeitgeber beginnt eine Wandlung, da die bei dem bisherigen System sich ergebenden chro­nischen Lohnkämpfe eine dauernde Beunruhigung der Wirtschaft darstellen. Dabei hat besonders der Vorschlag der Vereinigung der leiten­den Angestellten, die Gehalts- und Lohn- Anpassung nach dem Großhandelsindex zu be­rechnen, Beachtung gestmden. Eine Lösung der Frage ist schwierig, da nach wie vor ein Keil den andern treibt. Eine wirkliche Besserung die die Festbesoldeten befriedigen könnte, würde erst durch eine Höherwertung der Mark und einen dadurch bedingten Preisrückgang erreicht werden. Solange dies aber nicht eingetreten ist, bleibt das Preis- und Lohnprvblem offen.

Jedenfalls ist die einfttdie und unverzügliche Erörterung dieser Frage dringend geboten, wo­bei man sich aber darüber klar ist, daß die vom Stattstischen Reichsamt aufgestellte Indexzif­fer völlig versagt hat und reformbedürftig ist. Wenn der Index für Mai mit dem 3816fachen des Friednspreises berechnet wurde, so liegt das weit hinter der tatsächlichen Entwicklung zurück und beruht auf einer allzu geringen Einschätzung des Lebensbedarfs Freilich wäre es fraglich, ob es richtig ist, an die Stelle dieses Index den der Großhandelspreise zu setzen, die eine auf einer Anzahl von Börsennotterungen vielfach ausländischer Rohstoffe basierende Durchschnitts­berechnung darstellen und manchmal über den Gradmesser der Dnrchschnittsteuerung hinaus-

Dle Frage einer Soidanleiye.

Berlin, 21. Juni. (Privattelegramm.) Heber eine neue Goldanleibe wurde eben­falls gestern beraten. Die Besprechungen der Re­gierung mit den Wirtschastsvertretern konnten noch nicht zum Abschluß gedeihen. Die Aus legung einer solchen Anleihe soll weiter Gegen­stand von Erörterungen werden. Der Gedanke ist dabei leitend, daß Gehaltsbezieher, die ihr Gehalt bereits für mehrere Monate im Borans erhalten (Beamte), die Möglichkeit haben müs sen, ihr Geld für kurze Zeit wertbeständig anzulegen, um nachher nicht entwertete Mark zu erhalten. Die Konferenz dauerte bis acht Uhr abends und wurde dann abgebrochen. Sic wird heute nachmittag fortgesetzt werden. Inzwischen ging der Dollar Weier zurück. Die Dollar-Parität in Newyork war gestern nach­mittag unter 115 940 und am Abend 112000. Rn der Berliner Abendbörse notierte man freiblei­bend Kurse von 108000 bis 109 000.

, ------- .....----Aufträge: Dteeinspaltige Anzeigenzetle 500Mark,Fami-

liennachrtchtrn die Zetir 400 SDlatteic einspaltige Rellamezeile 1500 Marl b) Auswärtige Auf­träge: Dte einspaltige An;etgen»che 400 Mark, die einspaltige ReklamezeUe 1500 Marl, alles ein­schließlich Teuerungszuschlag uai^Anzeigensteuer. ftür Anzckgen mit besonders schwierigem Latz hundert Prozent Aufschlag. Für dte Rtchttgleit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An- geigen, forote für Anfnahmetz«^ und Plätze kann eine Sernähr nicht übernommen werden Trnäerei: Schlachthofslraße 2>iMÄeschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 und 952

Papier oder Gold.

Das Währungsproblem.

Dte Frage, od man and) weiterhin Goldschatz den durch Papiergeld ablragcn kann, beschäftigt immer mehr Vie Seffentlichkcit. Bemerkens- wert ist, daß viele Gerichte die Geldentwertung beriirkflchtigcn und die Schuldsumme erhöhen.

Wer sich heute wegen einer Schuld verklagen läßt, erlebt vor Gericht meist sehr unangenehme Uvberraschungen, weil auf Anttag des Gläu­bigers fast automatisch die geschuldete Summe um die Entwertungszahl verviel­facht wird. Man muß also vorsichtig sein. Es empfiehlt sich mehr und mehr, bei Empfang einer Ware oder bei Anerkennung einer Forderung sofort in bar zu bezahlen, auch dann, wenn man nicht sofort gemahnt wird. Die Zeiten, wo man auch int täglichen Leben an der Geldent­wertung Unsummen verdienen konnte, indem man Ware kaufte und nach Wochen oder Mo­naten, wenn die Ware das Zehnfache kostete, mit entwertetem Gelde bezahlte, sind, von eini­gen Gebieten abgesehen, endgültig vorbei. Die deuflche Papiermark ist eben

kein dauernd gültiges Zahlungsmittel mehr. Eine Ausnahme macht noch der Verkehr mit den Banken. Die Banken sind die ein­zigen Gläubiger, die grundsätzlich davon Ab­stand nehmen, auf E n tw e rtungss chade n zu klagen. Sie berechnen ihre, allerdings fehr hohen," Zinsen. Das Bankleben ist aber auch so ziemlich der einzige Zweig des öffentlichen Lebens, wo diese Dinge noch möglich sind. Die Geschäfte beginnen allmählich ziemlich unnachsichtig von säumigen Zahlern Ersatz zu verlangen. Es fit natürlich, daß diese Gerichtsentscheidungen, deren umwälzender Charakter vom Publikum wahr­scheinlich erst in einigen Monaten in sei­ner ganzen Schwere empfunden werden wird, dem Wirtschaftsleben einen neuen, nicht unbe­denklichen Zug von Unsicherheit verleihen. Ge- radezit sensationell aber dürften die Vorgänge sein, die sich im Hypothekenwesen vorbe­reiten. Die Reichsregierung hat es zwar vor einigen Wochen ab'gele h'n't', an der Um­wandlung alter Hypotheken-Markschulden in Goldmark oder mindestens in Summen, die der Entwertung Rechnung tragen, mitzuwirken. In­zwischen aber haben sich fast in allen Teilen des Reiches die Gerichte auch in dieser Frage auf einen gerade entgegengesetzten Stand­punkt gestellt. Sie haben dem Hypothekengläubiger

die Umwandlung der Hypotheken

gemäß der Entwertung zugcbilligt. Das Kam­mergericht Berlin hat sich dieser Auffassung aller-' diugs bisher noch nicht angeschlossen. Tas Reichsgericht hat grundsätzlich ausge-' sprachen, daßMark nicht Mark" sind und daß der Inhaber einer Markforderung, die unter an­deren Valutaverhältnissen entstanden ist, nicht mit dem zahlenmäßig glei.hen Betrag in Pa­piermark abzuspeisen ist. Zahlreiche O k> e r l a n- desgerichte haben diese Reichsgerichtsertt- scheidung bereits auf Hypothekenklagen angewen­det, und es ist kaum ein Zweifel möglich, daß diese Auffassung mehr und mehr durchgreift. Es ist anstandslos entschieden worden, daß der.

einer Hypothek von zwanzigtausend Mark aus dem Frieden heute vom Hausbesitzer Millionen verlangen könne. Es liegt auf der Hand, daß diese Entwicklung das Bestreben der Reichsregierung, den Verfall der Mark aufzu­halten, aufs empfindlichste stört. Denn je all­gemeiner die Zahlungspflicht des Entwertungs­schadens sich durchsetzt, umso mehr verliert nie. Mark den Charakter eines Zahlnngsnfltels, umso stärker wird die M a r k f l u ch t in die Sach- und Valutawerte einsetzen. Deshalb hat es auch in den Kreisen, die der Regierung am nächsten stehen, zunächst starkes Befremden erregt, daß das Reichsgericht bei feinen Entscheidungen der Wirtschaftslage des Reiches nicht Rechnung ge­tragen hat, sondern im Gegensatz zu allen Be- ftrebungen der Regierung die Mark hat fallen lassen. Insbesondere im Hinblick daraus, daß an der Spitze des Reichsgerichts heute einepo­litische" Persönlichkeit steht, hätte man das Ge­genteil erwartet. Das Reichsgericht hat aber als feine Pflicht angesehen, politische Erwägun­gen, auch wem ite in hohem Grade im patrioti­schen Interesse liegen, auszuscheiden und ledig­lich die yrivatwirtschasttichen Gesichtspunkte für die Auslegung des Rechts angewendet. In allen diesen Gerichtsentscheidungen sehen volkswirt­schaftliche Sachverständige bereits den Uebergang zur Festmark, zur ftemden Währung oder min­destens zu den automatisch gleitenden Tarifen für Löhne. Gehälter, Beförderungswesen, so- tt-ie auch für den Warenkauf.