Kasseler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 145
Einzelnummer 200 Mk.
Dienstag, 26. Juni 1923
13. Jahrgang
Einzelnummer 200 Mk
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Sonderbündelei am Rhein
Vergeblich« frauzöfifche Bemühungen.
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Wettere MaHr.ahm?» in Aussicht.
Berlin 25. Juni. (Privattelegramm.) Rach der erfolgten Beschränkung des Devisenhandels find am Sonnabend die Verhandlungen im Reichskabinctt über die weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung der Börsenspekula t i o n fortgesetzt worden. Ein Ergebnis wurde noch nicht erzielt. Uster eine Sitzung der Bank- vertreter beim Finanzminister am gestrigen Sonntag liegt noch kein Bericht vor. Sollte es zu neuen Beschränkungen des Börsenhandels kommen, so wird jedenfalls erst eine abermalige Befragung der Sachverständigen vor- genommcn. Am Sonnabend erörterte man >m Kabinett die Beschränkung des Effektenhandels auf Beträge über eine gewiffe Höhe hinaus. Mit dieser Maßnahme soll die sog. kleine Spekulation unmöglich gemacht werden.
JnserttonSpreise:») Einheimische Auftrüge: Die einspaltige Anz-lg-nz-tl- soo Mark, Fami. ltennachrichtcn die Zeile 400 Mark, di-einspaltige Reklamezeile 1500 Mark b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Lnzeigenzeile 400 Mark, die einspaltige ReNam-zeile 1500 Mark, alles ein. schließlich T-uerunzszuschlag und Anzetgensteuer. ffür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine lSswühr nicht übernommen werden Drullerei: Schlachthofstrabe 2H/30. Geschäftsstelle: Kölnische Strabe 5. Telephon Nr. 951 und 953
scheu Börsen, desgleichen das Zusammenwirken mit Newhorker Stellen, die ein Interesse an der Markbefferung haben, tut schon merllich seine Wirkung, wie aus der neuesten Markbesserung (siehe die Telegramme) hervorgehl.
(Eigener Drahtberichtfl
London, 25. Juni.
Der Korrespondent des Observer veröffentlicht einen vertraulichen Bericht über Dorten, den die französische Regierung durch ihren Vertreter im Rheinland erhalten hat. Dieser Bericht ist vom 16. April 1922 datiert und' gibt eine lieber- ficht über die von Frankreich unterstützte separatistische Bewegung in den letzten vier Jahren und über die Beziehungen, die die franzo- rschen Behörden zu dieser Bewegung gehabt haben. Das englische Blatt „Observer" bespricht dieses Dokument eingehend und verurteilt die Politik des rheinischen Separatismus als gefährlich und vergeblich Mr Frankreich.
Krankheitsursachen und Keime, und wir vermögen dementsprechend auf die Mittel zu ihrer Bekämpfung zu sinnen. Was ist jetzt zu tun? Wir müssen vor allem Vorsorge dagegen treffen, daß nicht neue geraubte Milliarden Papiermark zu einer Wiederholung dieses lebensgefährlichen Experiments verwandt werden.
Bei der Verkehrs- und verwaltungstechnischen Lage, in welche die Franzosen das Ruhrgebiet und da.s Rheinland gebrächt haben, können wir schon lange nicht mehr soviel Geldzeichen in d-tfes Gebiet hineiuvringen, wie zur Aufrechterhaltung des dortigen Wirtschaftslebens notwendig wäre. Man hat daher dazu übergehen müssen. den Banknotendruck in das Gebiet selbst zu verlegen. Davon wird man aber nach den jetzt vorgekommenen Räubereien und ihren Rückwirkungen absehen müffen. Es wird garnichts anderes übrig bleiben, als daß ein besonderes Rhein- und Ruhrgeld geschaffen wird. Vorbedingung dabei ist, daß dieses Notgeld denselben Kurs wie die sonstige Papiermark hat. Dieser Kurs müßte gesetzlich festgelegt, und die Reichsbank müßte zur jederzeitigen Einlösung dieses Geldes gesetzt lich verpflichtet werden. Nm aber zu verhüten, daß dieses Geld wieder auf die Auslandsbörsen geworfen wird, müßte es als nur im Inland gültig bezeichnet und erklärt werden. Das wäre die eine Maßnahme. Andere, die ste ergänzen und erweitern, müssen folgen. Wir haben dabei weniger Vorschriften im Äuge, die den Tevisenverkehr, seine erweiterte Kontrolle oder seine Zentralisierung und dergleichen betreffen, : flä vielmehr finanztechnische und finanzorgani- falorische Vorkehrungen, die unsere innerwirtschaftlichen und innerfinanziellen Verhältnisse aus eine ganz neue Basis stellen. 1
Wir müssen neben dem politischen auch noch 1 den wirtschaftlichen passivenWider-
Was ist zu tun?
Wirtschaftlich« Gegenmatzuahmen.
Die entwertete Mark.
Beunruhigung in englischen Geschäftskreisen.
Der schlechte Stand der Mark verursacht ist englischen Geschäftskreisen weiterhin große Beunruhigung. Die Zeitungen bringen Umfragen unter den großen Firmen der City über die Frage wie die deutsche Valutakata. strophe auf Deutschland und auf die Weltwiri- schäft wirken. Einer der Hauptfinanzfirmen der City stellt dabei folgende Behauptung auf: (£3 werden seit einigen Tagen große Men/ten e.....
Kampf um die Lohnsätze.
Neue Forderung«» in Berit«.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 25. Juli.
Die Markbefferung.
Unsichere Lage an den deutschen Börsen.
lPrivat-Telegramm)
Berlin, 25. Juni.
Für die heutige Effekten-Börse erwartet man noch keine Wirkung durch die Markbefferung in Newyork und durch den Rückgang des Dollars. Bis Sonnabend lagen bei allen Großbanken aus dem Reiche fast nur Kaufaufträge vor, man befürchtet jedoch, daß der Sturz des Dollars doch nicht ohne Wirkung sein wird. Für die heutige Börse ist noch kein Rückgang zu erwarten. Dieser dürfte vielmehr erst am Mittwoch eintreten. In Börsenkreisen wird erfidrt, daß die deutschen Jn- dustrie-Esfekten, mehr als andere Waren weit hinter der Markentwertung zurückgeblieben sind und daß die vom Devisenmarkt verdrängte Spekulation sich dann dem Esfekentmartte zuwenden wird. Die plötzliche beträchtliche Kursbesserung der Mark in Newyork soll als eine im Auftrage der Reichsbank begonnene Jnterventionstätigkeit anzusehen fein, andererseits auch auf börsentechnische Momente zurückzuführen fein, die durch den Semester-Ultimo begründet sind.
Am das Ruhrgebiet.
Roch keine englifch-sranzösisch: Einigung.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 25. Juni. ®
Der englische Botschafter in Berlin ist am Freitag nach dreitägiger Anwesenheit nach England zurückgekehrt. Am Sonnabend fand eine Sitzung des englischen Kabinetts statt, in der, wie die „Times" erfahren, beschlossen wurde, ein nochmaliges dringliches Ersuchen nach Frankreich zu richten zum Zwecke der Beantwortung der englischen Anfragen über die bisherigen französifchen Mitteilungen, die eine Stellungnahme Englands noch nicht ermöglichen. Lord Grewen, der wieder in London geweilt hat, soll mit der neuen Benachrichtigung am Sonnabend nach Paris zurückgekehrt fein.
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Die Ernteaussichten.
Besorgnis der Landwirtschaft.
Die anhaltend nage und takte Witterung hat das Wachstum der Feldfriichte in bedrohlichem Matze behindert, sodatz ein Versagen der Ernte befürchtet wird. Darüber schreibt SofralProf.Müller.Lenharht Wir sind seit Kriegsbeginn durch gute Ernten nicht verwöhnt, Trockenheit oder Nässe haben in den letzten Jahren häufig viel Schaden an- gerichtet, und Rekordernten werden immer seltener. Für den Rückgang der Erträge ist allerdings nicht immer die gerade herrschende ungünstige Witterung allein verantwortlich zu machen. Die Erträge vor dem Kriege sind bei weitem auch deshalb nicht erreicht worden, weil eine i n - tenfibe Betriebssorm bei den immer mehr ansteigenden Preisen für Düngemittel, Futtermittel, Maschinen, Arbeitslöhnen und Reparaturen in den selten st en Fällen voll durchgeführt werden kann. Darüber braucht sich niemand zu wundern, kostet doch heute ein Zent- ner Stickstoffdünger (schwefels. Ammoniak) 250 000 Mark, ein Zentner Futter-Leinmehl 230 000 Mark, ein Pflug eineinhalb Millionen Mark, während die Preise Noch in den ersten Kriegsjahren 12, 10 und 50 Mark betrugen; man hat es hier also mit einer Steigerung um das 20—30 000 fache zu tun, an die lange nicht die Steigerung der Preise für die landwirtschaftlichen Produtte heranreicht. Nur diejenigen Landwirte, die ihre Gewinne von Anfang an zur Verbesserung ihres Betriebes verwendet haben, können heute noch den Betriebserforderuis- ’cn einigermaßen gerecht werden, aber auch diese müffen schon in hohem Maße Kredit in Anspruch nehmen, der immer schwerer zu beschaffen ist.
Um den Widerstand des deutschen Volkes brechen, hat, wie wir in der vorletzten Woche leben mußten, Frantteich im Bunde mit Polen durch das Hinwerfen der im Ruhrgebiet gerauo ten Milliarden Papiermark auf die Weltbörsen das deutsche Volk von der wirtschaftlichen Seite her zu zermürben versucht. Es ist gut, daß wir rasch die Tattik und ihr Ziel erkannt haben. Aber jetzt, da diese Tage hinter uns liegen, wird mancher doch das Gefühl des Reiters vom Bodensee haben. Wir waren in wirtschaftlicher Todesgefahr. Auch jetzt ist das Schlimmste noch nicht überstanden, aber wir kennen alle
Die Aussichten find keineswegs rosig und heute kommt es mehr denn je auf die Tüchtigkeit des Einzelnen an, bei dem Bestteben, Deutschlands Ernährung durch eigene Erzeugung sicher zu stellen. Hier hat aber auch der Staat die Pflicht, alle Faktoren. die noch erzeugungshemmend wirken, zu beseitigen und der Landwirtschaft eine möglichst freie Entfaltung zu gewährleiste r und die Steuerschraube nicht zu überdrehen. — Der Sorge um die verzweifelte Lage unseres Volkes gesellt sich bei allen Wirrnissen, bei aller Schicksalsschwere, die wir durchleben, heuw noch eine weitere Sorge um die E r n fe Deutschlands hinzu. Tritt nicht ist nach- ter Zeit warnte, trockene Witterung ein, so stehen uns Katastrophen bevor: Ein mehr oder minder starkes Versagen der Getteide- und Kartoffelernte im ganzen Deutschen Reiche. Das Getteide hat sich bei den ständigen Niederschlägen und bei der kalten Witterung nicht genügend entwickeln können, so daß wir Wochen in der Entwicklung zurück sind. Der Roggen steht in oder kurz vor der Blüte und die Witterung hindert die Bcftuchtttng, so daß man mit stark lückenhaftem Körnerbesatz zu rechnen haben wird. Die Bekämpfung des Unkrauts konnte nur unvoMommen durchaemhrt werden, so daß Sommerkorn und Hackfrüchte in manchen Gegenden, besonders vom Hederich, ersttckt werden. Die Hackfrüchte, vor allem die Kattoffelu, sind
weit in ihrer Entwicklung zurück.
Papierkronen zahlen mußte, während wir schon einen Entwertungsstand hatten, nach dem für «ine Friedensmark mehr als 40000 Papiermark aufgewandt werden mußten, dann müssen wir aus dieser Situation rasch und entschloffen die Folgerungen ziehen.
Wir sind heute so »weit", daß wir alles an Maßnahmen und Vorkehrungen nachahmen, was Oesterreich zur Aenderung feiner entsetzlichen Valutaverhältnisse getan hat. Fänden wir keinen gangbaren Weg. dann müßte bei uns die Papiergeld-Jnflation einen immer höheren Grad und Umfang annehmen, der wenigstens «ine zwischenzeitliche Angleichimg der Löhne und Gehälter an die innere Preissteigerung bezweckt. Der Grundsatz, der im privaten Leben als selbstverständlich gilt, daß niemand mehr ausge- ben kann, als er vereinnahmt, und daß, wenn er es trotzdem tut, er dem wirtschaftlichen Ruin unrettbar, verfallen ist, dieser Grundsatz wird merkwürdigerweise für die öffentliche Wirtschaft fstr Staat und Reich kaum, ja garnicht anerkannt. Wenn wir unsere Staatsfinanzen gesund Machee wollen, und wenn wir auf diese Weise zu einer Wertbeständigkeit der witt- schaftlichen wie der Geldverhältniffe kommen wollen, dann muß mit jeder Zuschußpvlitik, wo immer es auch sei, gebrochen werdem Dann müffen Tarife und sonstige staatliche Erfordernisse den tatsächlichen Notwendigftiten angepaßt werden. Das gilt naturgemäß auch für die Steuern und Abgaben. Ungeheure Opfer werden damit von jedem Staatsbürger verlangt, aber ste müßten gebracht werden, wenn wir nicht letzten Endes in den Abgrund stürzen wollen. Das Beispiel Oesterreichs in seinem Zerfall, dem wir getreu, ja in steigendem Maße bis jetzt gefolgt sind, sollte uns Warnung und Lehre sein. Amtliche Maßnahm en sind beretts von der
Der erste Schnitt der Futterernte war durchaus befriedigend, aber der zweite Schnitt wächst nicht nach, und ein großer Teil des zur Heuwerdung gemähten Futters ist verdorben und ausgelaugt. Das Futter, das man in der Hoffnung auf trockenes Wetter noch nicht abgemäht hat, ist zum Teil alt geworden und hat viel von keinem Nährwert eingebüßt. So sind auch die Auspchteu auf die Ernährung unserer Haustiere im Witter nicht günstig. Man befürchtet heute ein Versagen der Winter- und Lommerkorn-, der Kartoffel- und Futterernte; wohl nur in ganz felenen Fällen hat man solche Befürchtungen für die Gesamternte zu haben brauchen: Versagte sonst eine Frucht, so war gewöhnlich die andere umso besser. — Wie wird uch die Witterung in Zukunft gestalten? Wahrend einige Wetterpropheten keine baldiae
Besserung voraussehen, sprechen andere von einer Hitzewelle, die ganz Deutschland überfluten würde. Wenn letztere auch manche begrüßen, so würde sie doch keinen Segen stiften, sondern einen übermäßig schnellen Veaetationsabschluß der Kulturpflanzen und ihre Notreife bewirken; wir brauchen jetzt trockenes, gleichmäßig warmes Wetter. Hoffen wir, daß die Sonne noch manche Schäden heilt.
Marschall jSetaln verletzt. ~-
Paris, 25. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) P o i n c a r s hatte gestern morgen in Anwesenheit des Präsidenten der interalliierten Ober- kommission im Rheinland eine Besprechung, zu der auch Marschall Petnin erschien, der über seine Reise im Ruhrgebiet Bericht erstattete. Der Marschall ging auf einen Stock gestützt und hatte den Kopf verbunden, sodaß die Berichte, daß der Marschall bei einem Zugzusammenstoß im besetzten Gebiet schwer verletzt wurde, zum Teil auf Richtigkeit zu beruhen scheinen.
stand in die Wege leiten. Dieser Widerstand muß allerdings von der Regierung aus organisiert und durchgeführt werden. Das geht nicht nur die Bevölkerung des Rhein- und Ruhrgebietes, sondern es geht jeden einzelnen Staatsbürger an. Wenn wir heute einem Zustand gegenüber stehen, in dem die österreichische Krone doppelt so viel wert ist wie die deutsche Mark, wenn wir heute österreichische Berichte lesen müssen, in denen man mit Gruseln feststellt, daß es für Deutschösterreich eine Zeit gegeben habe, in welcher man für eine Friedenskrone 20000
Der Doflorstand.
Rotterdam, 25. Juni. (Eigener Draht- bc richt.) Wie der Rotterdamsche Courant aus Newyork meldet, war am Sonnabend nachmittag in Newyork die Parität der deutschen Mark nachbörslich 99 100 für den Dollar.
Englische Ansichten.
deutschen Regierung eingeleitet worden. Die roilt
Einschränkung des Devisenhandels an den deckt-Istädtischen Arbeiter
Weiten Besserung der Mark.
Belgiens Haltung.
Brüssel. 25. Juni. (Eigene Trahtmel- d«ng.) Vanderveldc hat in einer politischen Rede am Sonnabend als Voraussetzung für die Teilnahme der Sozialisten an der Regierung den Willen zu einer Verständigung mit Deutschland bekundet, aber er hat ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch die Sozialisten die Ruhrbesetzunq billigen. Sie billigen ferner die Zwangsmaßnahmen gegen Deutfchland und billigen, daß Belgien mit Frankreich selbständig die Ausbeutung des Ruhrgebiets vornehme. Sie wünschen aber keine Gewalt (?> gegen Deutschland, sondern den Weg von Verhandlungen, um die Rechte Belgiens (!) im Ruhrgebiet vertraglich zu sichern.
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In ver Repo rationÄkommiffion.
Paris, 25. Ium (Eigener Drahtbericht.) „Journal des Debats" meldet: Die Reparationskommission hat eine neue Sitzung zum 22. Juli einberufen zur Entgegennahme des französisch- belgischen Berichtes über die Erg ebn iffe der Reparationsleistungen durch die fron. zösisch-belgische Ruhrbesetzung. Der eng- lische Vertreter der Reparationskommission, Sir Bradbury, weilt feit einigen Tagen in Paris.
Eine Rede Mac Reils.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 25. Juni.
Der Nnterstaatssekretär des Auswürttgen Amtes DcaeReil hielt gestern eine Rede, in der er erklärte, daß die Ansicht der englifchen Regierung über die Reparationsfrage sich nickst geändert habe. In Bezug aus die R n h r f r a b e erklärte er, daß Grund zu der Befürchtung vottiege, daß, wenn der ungewisse Stand der Tinge länger andauere, hieraus für Deutfchland ein vollkommener sozialer und wirtschaftlicher Ruin entstehen könne. Er meint, daß die Meinungsverfchiedenheiten über die Politik im Ruhrgebiet, die zwifchen Frankreich unb England bestehen, beseitigt werden nrützten. Darüber, daß es notwendig sei die Entente beizubehalten, bestehe zwischen England und Frankreich nicht die geringste Ver. chiedenheit der Auffassung. Mae Reil fügte hinzu, man könne zwar einem etwaigen vollkommenen Zusammenbruch Deutschlands mit einem gewissen Gleichmut entgegensehen, aber man müsse bedenken, daß dann auch jede Hoffnung auf Bezahlung an die Alliierten zunichte sei.
Die feit acht Tagen in Kraft befindlichen Lohnerhöhungen haben nicht die Zustimmung der städtischen Arbeiter und die der Eisenbahner gesunden. Sowohl Betriebsversammlungen der ~ Wie auch der Eisen-.
bahner der Großberliner Werkstätten haben am Sonnabend die neuen Löhne als völlig ungenügend bezeichnet- Die städtischen Arbeiter verlangen unter Berufung auf die Erklärung des Reichsministers Dr. Luther, daß die Lohnerhöhungen leider immer hinter den Preissteigerungen nachhinken, eine Verdreifachung der Löhne bis zum 28. Juni. Die Werkstättenarbeiter der Eisenbahn faßten in drei Versammlungen einen Beschluß, der eine Erhöhung der Löhne um mindestens zweihundertundfünfzig Prozent bis zum 1. Juli verlangt. Die Lohn- und Streikwelle geht also weiter.