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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

UNIVERSITÄTS­BIBLIOTHEK MARIURG/LAHH

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Nummer 148. Einzelnummer 200 Mk. Freitag, 29. Juni 1923. Einzelnummer 200 Mr. 13. Jahrgang.

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Der Papst gegen die Rutzebesetzung.

Der Lohn-Ausgleich.

Das neueste Problem.

Das Mißverhältnis zwischen Löhnen, Gehäl­tern und Preisen ist durch den Markstnrz so kraß geworden, baß die bis dahin fast nur akademisch erörterten Fragen der wertbeständigen Einkom- mcnsbezüge mit einem Male in den Vordergrund aller politischen und wirtschaftlichen Erörterun­gen gestellt sind. Die Auskömmlichkeit des Ar­beitsertrages. im besonderen also auch des Ar­beitseinkommens, zur Elchaltung und Sicherung der Existenz ist eine soziale und wirtschaftliche GruitdbedinWng. Die Forderung nach Ausglei­chung der Lohn- und Preisverhältnisse ist daher durchaus berechtigt. Nicht so sehr die Markent- lvertung, als die fortdauernden Markstiirze, die beispiellose Valutanot mit ihren gewaltigen Schwankungen sind die Ursachen all der Schwierigkeiten, denen wir uns jetzt ge­genüber gestellt sehen, und in diesen Erscheinun­gen liegen auch die Wurzeln für gefährliche so­ziale und politische Entwicklnngsmöglichkeiten. Eine Disposition über geschäftliche und wirt­schaftliche Dinge ist weder dem Arbeitgeber, noch dein Arbeitnehmer, noch allen Geschäftsleuten möglich. Irgend einen sicheren Wert- und Be­rechnung smaßftab besitzt man nicht mehr.

Die Kaufkraft des Geldes wechselt von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde, und ein Dol­larstand bis 170000, wie wir ihn jetzt Haben, mit einer mehr als vierzigtausendfachen Ver­schlechterung der Mark von ehedem zeigt nichts anderes, als die völlige Wertlosigkeit der gegen­wärtigen Geldzeichen an. Darum trennt sich auch ein jeder von dem Papiergeld von heute, die Flucht vor der Mark hat nicht nur diejenigen Kreise ergriffen, die w/ch d'e Möglichkeit haben, dieses Vapier in Effekten. Devisen, Waren, Mö­bel, Geschirr und dergleichen anznlegen, auch die großen Massen der Handarbeiten den Bevölkerung wenden sich mehr und mehr dem Natura- licn-Anstaufch zu. Die Unsicherheit in allem, was man heute wirtschaftlich unternimmt, und die gerade die Hausfrau förmlich zer­mürbende Ungewißheit der Preisgestaltung der wichtigsten, zum Tagesbedarf gehörenden Lebens­mittel lassen ganz verständlichevweise die For­derung immer dringender werden, auch für das Arbeitseinkommen, also für Löhne und Gehäl­ter. Wertbe st ändigkeitssa klaren ein­zuschalten. Es ist nur die Frage, oh Gold- oder wertbeständige Löhne. Das sind zwei sehr un­terschiedliche Dinae.

Goldlöhne würden bedeuten, daß vor ihrer Einführung alle Einkommens-, aber naturgemäß auch alle Preisverhältnisse sich nach der Äußen- geltung der deutschen Mark, also nach dem Dol­larstande, richten. Wir würden zu unerträglichen Verhältnissen kommen, schon weil dann die Ge­staltung von Löhnen und Einkommen überhaupt allen Zufälligkeiten und auch Machenschaften der Spekulation überantwortet wäre. Was wir aber brauchen, sind wertbeständige Löhne. Dar» ist es notwendig, daß wir wirtschaftlich im In­nern zuvor ins Reine kommen, und durch einen besonderen, ieweils rasch und einfach zu er­rechnenden Inlandsinder den notwendigen Maß­stab für diese Lobnaestaltung erhalten. Tas ist die Forderung des Tages. Aber auch darüber' muß man sich klar sein, daß ein folcher wertbe­ständiger Lobn nur ein Ueberganas-Sta- b t um fein könnte, bis zu dem Punfte, da die Stabilisierung der Währung die Frage der Werkbeständigkeit ohnehin löst. Alles, was letzt getan werden kann, ist also nur eine Zwi- fchenlösimg.

Die bisherigen Verhandlungen haben erken­nen lassen, daß eine befriedigende Lösung dieses Problems in erster Linie von der Schaffung eines neu verbesserten Fuder abhängt, der im Gegensatz zn dem heutigen System der Meßziffern ein schnelle res Anpassen der Löhne und Gehälter an die tatsächliche Teuerung ermöglichen soll. Daneben soll man auch dafür sorgen, daß die gesunkene Arbeitskraft der breiten Masse durch Zuschläge wwder ge­hoben wird, die zu den neu ermittelten Meß- zissern treten sollen, und w als sogenannte Substanr-rhaltungsguote der Arbeitskraft. In diesem Sinn bat sich bereits Reichsarbeitsmini- ster Dr. Brauns den Gewerkschaften gegenüber geankert, und man nimmt in gewerkschaftlichen Kreisen an daß schnelle Arbeit auf diesem Ge­biet wesentlich zur Befriedignna der arbeitenden Schichten beitragen dürft», die anaenblicklich durch das Fallenlassen der r'rerst vrovagierten ,. Goldlöbne" enttäuscht nnb über den Ausavng der Verhandlungen über die wertbefiänbiaen Löhne beunruhigt sind. Aufgabe der von der Zentralarbeitsgemeiuschaft gewählten achtköpsi- oen Kommission wird es fein, in möglichst kurzer Zeit Vorschläge für den neuen Lebenshaltungs­inder ausznarbeiten.

Wie gesagt, bandelt es sich um ein lieber« aanasstadium, bis die Stabilisienmg kommt. Ist die Stabilisierung ober noch möglich? Die De- visenentwicklunq behindert die Stütznngsver- suche außerordentlich, und doch sollte' eine

Stützung möglich fein denn die deutsche Wirtschaft ist nicht so stark im Werte vermindert, lieber weitere Maßnahmen zur Markstützung wird noch beraten. Wie weit ihr ein Erfolg be- schieden sein wird, dies wird man füglich abwar­ten müssen Die Kette der bisherigen Mißerfolge zwingt zum Zweifeln, umso mehr, da, wie wir schon betonten, der dauernde Erfolg jeder Stiit- zungsaktion letzten Endes von dem leidigen Re­parationsproblem, das heißt von der Haltung Frankreichs, abhängen wird, wo vielleicht lang­sam die Erkenntnis dämmmert, daß man sich mit der Sabotage der Mark in den Frank schneidet.

Friedensaufruf des Japftes.

Gegen Krieg und Ruhvbesetzung.

(Eigener Drahtbericht.1

Berlin, 28. Juni.

Nach den hier vorliegenden Nachrichten aus Rom hat jetzt ein Friedens-Appell des PapsteS in dortigen politischen Kreisen das größte Aussehen hervorgerufen und überall Auf­merksamkeit geweckt. Man bemerkt, daß sich der Papst vollkommen mit den Gedankengängen ein­verstanden erklärt hat, die in letzter Zeit aus Washington und London berichtet werden. Der englische Botschafter beim Vatikan sprach gestern nachmittag beim Kardinalstaatssekretär vor und sprach ihm seine Befriedigung über die Kund­gebung des Papstes ans. Der Brief des Papftes wurde noch gestern spät abends allen beim Vati­kan beglaubigten Botschaftern und Gesandten of­fiziell zur Kenntnis übermittelt. Außeramtlich ist er auch dem italienischen Ministerpräsidenten übergeben worden. Der Eindruck in diesen Krei­sen ist sehr stark gewesen. Außerordentlich be­friedigt ist man in belgischen Kreisen, weil c3 sich um ein Schreiben des katholischen Oberhir­ten an das katholische Belgien handelt. Beson­ders die Anregung des Papstes, für einen all­gemeinen RüstungS-Abbau und eine Zug um Zug erfolgende völlige Aufhe­bung der Rukrbesetzung hat eine starke Wirkung auSaeübt. Der französische Botschafter beim Quirinal bat noch gestern abend seinen Kol­legen beim Vatikan zu einer Beratung gebeten.

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Kanhschreivsti an Sie (Regierungen.

Zürich, 28. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Neue Züricher Zeitugn meldet aus Rom: Unabhängig von dem Friedensappell des Pap­stes für Aushebung der Ruhrbesetzung wird ge­meldet, daß fünf Handfchreiben des Pap­stes an die Regiernngshäupter der Alliierten und an die Regierung Deutschlands gestern den Va­tikan verlassen haben. Ucber den Erfolg des Schrittes des Papstes, der seiner eigenen Initia­tive entsprungen sei, gibt man sich in Rom kei­men übertriebenen Hoffnungen hin.

Die Wahmngsfchwierigkett. Die Alliierte« gegen die StüHungsaktivu.

(Privat-Telegrannn.)

Berlin, 28. ^uni.

Gestern fand eine Besprechung beim Reichs­kanzler statt, die sich mit dem alliiertenEin- spruch gegen die neue Devisenverord­nung (!) beschäftigte. Die Pariser Meldungen darüber lassen bisher die Frage offen, ob auch der englifche Delegierte, in dessen Zone Köln liegt, fein Einverständnis mit der Verfügung der interalliierten Kommission erklärt hat. Wenn dies der Fall ist, fo käme diefes Vorgehen der Kommission einer Sabotage unserer Regie­rungsmaßnahme jur Markstützung gleich. ES ist nunmehr mit dem Zustande zu rechnen, daß auf dem Wege über die ausländischen Ban­ken im besetzten Gebiet auch unsere neue Devi- senverordnnng durchlöchert wird.

Unter verschärftem Druck.

Dauernde Leiden im Ruhrgebiet.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 28. Juni.

Die gesamte politische und finanzielle Lage deS Reiches leidet unter dem Ausbleiben der seit drei Wichen erwarteten Antwort der Alliierten auf die deutschen Vorschläge. Statt daß eine Antwort eingeht, verschärft sich der Druck der feindlichen Besetzung immer mehr. Die Meldungen über Schreckenstaten der Be- atzungsarmee gegen die unglückliche deutsche Bevölkerung häufen sich feit einigen Tagen in beängstigender Weife. Fast feder Tag bringt der Regierung Nachrichten von Mordtaten an deutschen Bürgern, von Gewalttaten und von den Ausschreitungen der wütend ge­

wordenen Soldateska. In Buer und Marl sind in den letzten acht Tagen durch die Besatzungssoldaten

wieder neun Deutsche getötet worden. Sechzehn Deutsche sind von den Schuß­waffen der Marokkaner und Belgier getroffen und verletzt worden. Auch aus dem Dort­munder und Bochumer Bezirk werden Ge­waltakte der Franzosen und Belgier gemeldet. In Bochum besetzten gestern die Franzosen die Direktionsbüros von fünf Werken. Die Di­rektoren un ddic Betriebsräte wurden verhas- t e t und abtransportiert. Bis zum späten Abens waren die Familien ohne Nachricht über die F<-st- gcnomnrenen. In Krefeld haben die Belgier gestern für zwei Millionen Mark Vorräte in einer Fabrik beschlagnahmt und ohne Ent­schädigung abfahren lassen. Auch hier sind Di­rektoren und Betriebsräte verhaftet worden. Sie wurden jedoch, nachdem die Fortschaffung der Waren erledigt war, wieder sreigclassen.

Verzögerung der Antwort.

Der deutsche Botschafter bittet Um Beschleunigung (Eigene Drahtmeldnng.)

London, 28. Juni.

Die englisch-französischen Unterhaltungen sind auf dem toten Punkt cngclongt. Niemand weiß hier, ob und wann Poinearö den Frage- bvMn beantworten wird. Bor der endgültigen Entscheidung über die Möglichkeit einer Verstän- diMng werden weitere Unterhaltungen zwischen Baldwin und Poinearö erwartet. Baldwins Ent schkutz bleioc fest Der de u i, chr iv ot sch a f- tcr stattete am Dienstag Lord Curzon einen ein- einviertelstündigen Besuch ab. Ueber den Gegen­stand der Besprechungen erfährt die Morningpost, daß der deutsche Boffchaster nochmals und ein­dringlich um Beschleunigung der alliierten Entscheidung auf die deutschen VorMäae ersucht hat, wobei er auf die schwierige Finanz- lageDeutschlands hinwies. Fede Hinaus­zögerung der Antwort habe eine Verschlimme­rung dieser Lage zur Folge. Der Times zufolge ist der deutsche Boffchaster am Dienstag abend bei dem ihm bekannten Schatzkanzler Mac Kenn« zu einem Besuche erschienen.

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Frankreich weicht aus.

London, 28. Juni. (Eigene Drahtmekdnng.) Laut Reuter ist eine vorläufige französische Mit­teilung am Mittwoch früh überreicht worden, die ür Frankreich die Unmöglichkeit aus- pricht, vor Abschluß der belgischen Mini- terkrise eine abschließende Antwort auf die »or vierzehn Tagen überreichten englischen Vor- chläge zu geben. Die Londoner Abendblätter legen die neue ftanzösifche Mitteilung dahin aus daß die englischen Borschläge von Frankreich vertagt werden würden, um einer klaren Stellungnahme auszuweichen. (!)

Die belgische Kabinettskrise.

Keine Lebsreinftirnmung mit Paris.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 28- Juni.

Stach einer Brüsseler Havasdepesche haben die ranzöstsch-belgischen Besprechungen eine Un­terbrechung erfahren, um zunätt-n einmal die Ergebnisse der neuen Kabinettsbil­dung abzuwarten. Die bisherigen Verhandln-!, gen würden ein künftiges belgisches Kabinett nicht zu verpflichten brauchen. Poinearö wäre da­ran gelegen, die englische Denkschrift in ganz formeller Weffe zu beantworten und benö. ttge dabej eine belgische Regierung, die über feste Autorität verfüge. Wenn es in der Havasdepeschc dann zum Schluß heißt, Poinears halte eine wirffamc Zusammenarbeit mit Bel ifien nur dann für möglich, wenn die bekgi. ch e Regierung die volle Verantwortlichkeit für die von FrankreichvorgeschlagenePo- l i t i k übernehme, wie dies das Kabinett Theu- nis getan habe, so scheine daraus hervorzugehen, daß die belgische Politik sich langsam von der französischen zu entfernen beginne, und Poincarö eS aus diesem Grunde für angebracht ouoi Belgien gegenüber nicht mehr mit völlig offenen Karten zu fFielen.

Aus Per Reparattonskommifflon.

. Paris, 28. Juni. (Eigen» Drahtmeldung.) Die Sitzung der ReparatjonSkommiGon am kom­menden Freitaa ist wieder oirgeßcben worden, we.l der belgische Vertreter von seiner Re. glerung nicht ermächtigt und der englische Botschafter den Beratungen der Kommiksson vo-- -auftg fernblcibt.

Jenseitige Zahlen.

Die Nullen vermehre« fich.

Don Monat zu Monat rechnen wir mit mehs Nllc», die immer arStzere Gummen vor- tauschen nnd im Gefchaftsleben sowie in den Staatsfinanzen viel nutzlose Arbeit verursachen. Ueber die groben Ziffern schreibt Dr. Billig die nachfolgende, sch« bezeichnende Plauderei.

An dem Tage, da man an der Berliner Börse 100000 Mark zahlen mußte, um einen einzigen Dollar zu erwerben, ist das Zahlen-Gamel- spiel nm die deutsche Mark in ein neues Sta- vium get.eten. Bereits sind Monate darüber hingegangen, daß der Begriff der Million zur Alltäglichkeit geworden ist. Millionär ist seit langem Jeder, der Stube und Küche fein eigen nennt. Und nun beginnt die Milliarde in die Nähe der täglichen Zahlen zu rüden. Fünf, zigtausend Schweizer Franken, eine Summe, die em einigermaßen begüterter Schweizer Kauf­mann feiner Tochter in die Ehe mitgibt, das ist heute eine Milliarde Mark. In den Spülten des Staatsbudgets flattert es von Billionen. Einst war diesen Begrissen etwas Erdenserncs eigen. Die Astronomen stießen in den Entfer­nungen und Bewegungsschnelligkeiten der Ge- iiirne auf sie, und kein Mensch konnte sich unter den vielnulligen Zahlen etwas vorstellen. Man operierte dann, wenn man als Laie Afttonomie trieb, statt mit Millionen und Billionen mit Lichtjahren" und war sich voll bewußt, daß man sich in Regionen bewegte, in denen das Begriffliche Spielerei und das Denken blauer Dunst wird.

Einen Lehrer, der ehedem seinen Schüleiit tagaus tagein Rech=s-= ß< n bitt'

angestaunt. Heute

mittleren Angestellten ein Rechenexompel mit der Million. Es schwirrt von Nullen und Rullense- rieii. Obwohl man den Pfennig längst amtlich totgcsagt hat, reichen auch in Kontobüchern, die noch vor kurzem die Steindruckpress« verlassen haben, die Spalten nicht mehr aus. Ein Bank- buchhcckter bucht heute cm einem einzigen Ar­beitstage mehr inhaltlose Nullen, als er früher in einer Woche Vollzahlen gebucht hat. Im Ge- Hirn aber knisierts förmlich, wenn alle diese Ab­gründe von Sohlen konsumiert werden sollen.

Ja, unser armes Gehirn! Da quälen wir uns ab mit Zahlen . . . mit was für Zahlen ei­gentlich? Wenn das kleine Kind bis drei zählen lernt, dann heißt es. daß es in seinem Verstände drei Einheiten nebeneinander setzen kann. Und 10" bedeutet 10 Einheiten und100", für den Versianb des Kindes längst nicht mehr faßbar, 10 mal 10 Einheiten ncbeneinandergcsetzt.1 Mark": die Geldeinheit. 70 solcher Einheiten ne­beneinander, so hatte man den Preis eines Win- tennantels. Heute muß man für einen Winter­mantel mehr als anderthalb Millionen Mark- Einheiten nebeneinartdersetzen Der Känfer vez Wintermantels müßte, wenn er mit Emmaik- Scheinen bezahlen wollte, das Geld mit einem Wogen hinter sich herfahren lassen. Und selbst wenn er ein routinierter Geldzählkünstler wäre und in der Minute nahezzu zweihundert Mark­scheine deutlich nacheinander Vorwahlen könnte, brauchte er, von Erholungspausen garnicht zn re* den. drei Tage und drei Nächte, um mit dem Bezahlen fertig zu werden.

In unserem Gehirn müssen wir die Wagen- und 3-Tage- und 3-Nächte-Vorstcllungen mit berrunschieppen. Stellen Millionen und Milliar- den auch Beträge dar, die im Leben des Alltags und des wirtschaftlichen Verkehrs nächstliegende Selbstverständlichkeiten geworden nnd, so sind und bleiben sie noch eine für das menschliche Ge­hirn abnorm große Summierung von Einheiten. Und die Einheit selbst? Muß man, um die Zahlcngrößen des jetzigen Gelbverkehrs zu be­greifen, zu ben Sternen nnb den Lichtiabren sei­ne Zuflucht nehmen, so muß der kühne Forscher, ber den wirklichen Wert bei Mark kennen uitb verstehen lernen will, seinen Blick an den Bruchzahlen ber Atome nnb Moleküle schu­len. 1 Mark ist beim Tollarstanb von IOC 000 gleich 0,004 Pfennig. Die Mark besitzt also nur* noch vier Hunderttausendsicl ober ein fünfund- zwanzigtanseudstel ihres früheren Wertes. Tas ist bie Einheit, bic wir tagaus tagein hnndert- tausenbsach, Millionen- und milliarbenfach neben­einander stellen müssen. Und ein Fünfundzwan- zigtausenbstel ist nicht auch diese Zahlenzröße ein Phantom, jenseits der Grenzen menschlichen Verstandes gelegen, eine jenseitige Zahl?

Warum haben wir heute keinen Dichter für Heldengcsänae! Er müßte jenem Glücklichen, der sich einen Wintermantel kauft, voller Begeiste­rung zurufen:Der kühn du Lichtjahre bewegst von Molekülen . ,,!"

Die MaiMützungsattion.

Eine Mahnung an Handel und Industrie.

Der Neichswirtschastsminister Dr. Sedef richtete an den Reichsverband bei deutschen In­dustrie. ben Zentralverband des beutschen Gioß-

ift bie Lebenshaltung des