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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 152.

Einzelnummer 500 Mk.

Mittwoch, 4. Juli 1923.

Einzelnummer 500 Mk.

13. Jahrgang.

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Sie Postenkette an -er Lesetzungsgrenze.

Das Saargebiet.

Hm die dauernde Willkür der Franzosen.

Letzthin wurde die Lage im Saargebiet wie­der einmal genauer in der Oefferttlichkeit erör­tert, nachdem die Franzosen ihre Willkür soweit trieben, der deutschen SaarbevöAerung jede freie Meinungsäußerung bei Strafe zu untersagen. Die Bestimmung des Versailler Vertrags, wo- r ach die Verwaltung in der Hand des Völker­bundes liegen soll, steht nur auf dem Papier. Darüber besteht feit längerer Zeit schon ein schar­fer Gegensatz zwischen den Engländern und Franzosen. Der Engländer Sidny Osborne, der Verfasser der SchriftDie o-berschlesische Frage", hat unter dem TitelThe French in the Saar" ein Buch geschrieben, in dem er mit den Fran­zosen abrechnet. Um die vollkommene Ungerech­tigkeit zu begreifen, in der die Franzosen Deutsch­land des Saargebiets und insbesondere der dort vorhandenen Kohlenvorräte zu berauben bean­spruchen, muß man sich vergegenwärtigen, daß die Abtretung der Kohlengruben an Frankreich für alle Zeit mit der Begründung als Ersatz für die Zerstörung der Kohlengruben im Norden Frankreichs" (Teil 3, Abschnitt 4, Ar­tikel 45) verlangt wurde und daß diese For­derung näher bestimmt oder erweitert würde durch den Zusatzund als Teilzahlung der gan­zen Entschädigung, zu der Deutschland für den aus dem Kriege herrührenden Schaden verpflich­tet ist". Wir wollen nun diese Gründe einer ein­gehenden Prüfung unterziehen.

Im nördlichen Frankreich, im Pas de Calais, sind di« Franzosen infolge der Kriegsmaßnahmen Deutschlands zeitweilig der Mö/plichkrit einer vollen Ausbeute der dortigen Kohlengruben beraubt worden. Es wurde weiter ausgerech­net daß zehn Jahre zur vollständigen Wieder­herstellung dieser Gruben erforderlich seien. Jetzt erkennt man indes, daß diese Arbeit in einer viel kürzerenZeit erledigt werden kann und daß der Ausfall der Förderung insgesamt hundert Millionen Tonnen nicht übersteigen dürfte. Demgegenüber muß Deutschland als Ersatz für den vorübergehenden Ausfall von annähernd hundert Millionen Tonnen das ganze kob- kenreiche Saargebiet abtreten, dessen Gc- wmtcrgiebigkeit schätzungsweise elf Milliar­den Tonnen (11000 000 000) beträgt, eine Menge, die für hundert Jahre ausreicht. Für Diese Ziffern bedarf es keines Kommentars. Sie »eigen ohne weiteres Beweismittel, wie abqe- hhmackt es ist, wenn Frankreich als Ersatz für *rnen vorübergehenden Förderungsverlust, der sich möglicherweise auf hundert Millionen Ton­nen beläuft, ein Kohlengebiet beansprucht, das gegenüber dieser Menge eine hundertfach höhere Produktkioussähigkeit aufweisen kann.

Dazu kommt die Ungerechtigkeit, die darin liegt, daß es unmöglich ist, die Bergwerke zu Lbergebe», ohne gleichzeitig die Bewohner des Koblengebietes mit zu überantworten. Roch

il. Februar 1918 erklärte der Präsident Wil­son in einer Ansprache an den Kongreß:Völ- y1 sollen nicht von einer Staatshoheit an «ine andere durch eine internationale Konferenz Über eine Verständigung zwischen Nebenbuhlern und Gegnern verschoben werden." Da die Friedensverträge erheblich diesen Grundsatz ver­ätzen, den der Präsident Wilson aufftellte und den sowohl Frankreich als die anderen alliierten Mächte ausdrücklich annahmen, so muß man ihn dielleicht mehr aks ein anderes von Wilson ver­endetes und von den alliierten Regierungen als Grundlage für den Frieden angenommenes Prinzip immer wieder nachdrücklich bervorheben.

Es darf auch nicht übersehen werden, daß dies Gaukelspiel mit dem Leben und der Frei­heit eines Vollksstanrmes anerkanntermaßen zu dem Zweck getrieben wird, daß eine Entschä- drgung für einen bloßen Sachgüterverlust zu- Rande kommen kann. Was wir hier haben das ist, ich wiederhole es, ein Versuch von feiten Frankreichs, sich mrs Gewinnsucht die Ausbeutu'ng eines fremden Sandes und Volkes zu sichern. Durch den Versailler Vertrag wurde folgende Lage geschaffen: Das Land ist deutsch die Bevölkerung ist deutsch, die Venvaltung des Landes ist in die Hand des Völkerbundes gelegt, die Gruben sind Eigentum des französischen Staates und das Zollwesen sieht unter der Aufsicht Frankreichs. Die Ver­waltung des Landes, die dem Namen nach und wtzungsgemäß bei dem Völkerbund steht, wird m Wirklichkeit von Frankreich allein ausoeübt: denn der Bund hat die gegenwärtige Verwal­tung des Landes einer Regierungskonmrission übertragen, deren Präsident ein Franzose ist. und eben dieser Präsident der Regierungs-Kom- mtiiton besitzt die wirkliche Macht. Tenn der Vertrag bestimmt (Teil 3, Abschnitt 4, Kapitel I S 18):Der Präsident handelt als das aus- mhrende Organ der Kommission."

Man braucht nur die Berichte der Kommis­sion an den Völkerbund durchzulcsen, um über den Umfang der nahezu willkürlichen und dikta- tonschen Gewalt des Präsidenten dieser Som« stniftron em Bild zu gewinnen. Ferner sichert

sich Frankreich stillschweigend das Recht, die Saarbevölkerung in allen auswärtigen Beziehun­gen zu vertreten, obwohl der Vertrag (Teil 3, Abschnitt 4, Kapitel 2, § 27) bestimmt:Die vor­liegenden Festsetzungen werden nicht die be­stehende Nationalität der Bewohner des Saar- gebietes berühren." Tas Ergebnis davon ist, daß Deutschland die Rechte der Saarländer, wenn sie auswärts wohnen, wahrt, wogegen dieselben Bewohner zu Hause ihre Rechte drau­ßen von Frankreich vertretm sehen. Ebenmäßig sind alle Unterbeamten bei der Zivilverwaltung und in anderen öffentlichen Aemtern in Wirk­lichleit Deutsche, die ursprünglich entweder vom Deutschen Reich oder von Preußen oder Bayern angestellt wurden. Die Regierungskommission hat diese Beamten zurzeit übernommen. Vorher mußten sie jedoch vor der Kommission einen Treueid ablegen. Und dennoch sind diese Be­amten auch fernerhin noch deutsche Beamten, die dem Deutschen Reich Gehorsam schulden und die gewissermaßen nur vorübergehend für eine Frist von fünfzehn Jahren einer fremden Kör­perschaft leihweise überlassen worden sind. Z.

Die Abfchnmung.

Eine enge Postenkette hindert den Verkehr. tPrivat-Telegramm.)

Elberfeld, 3. Juli.

In H e n g st e i haben die Franzosen jeden Reiseverkehr zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet unterbunden. Der Reiseverkehr in Richtung Dorttnund ist gänzlich einMstellt. Der Bahnhof Westhofen wurde von ^ronzösisp-en Tn-nprn besetzt, die jedes Ein «'M Äussteigen untersagen. Seit gestern abend ist die Postenkette um das ganze besetzte Gebiet derart eng gezogen, daß die Posten sich gegenseitig beobachten können. Selbst Feldwege und Fußsteige werden streng überwacht. Die von der Besatzung angeordncten Santtioncn aus An­laß des Eiseubahnnnfallcs in der belgisch-besetz­ten Zone haben eine durnpfe Erregung in der Bevölkerung hervorgerufen, umso mehr, als bis­her nicht der geringste Beweis vorliegt, daß das Attentat von deutscher Seite ausgeführt wurde.

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Vielleicht dauernde Absperrung.

Paris. 3. Juli. (Eigene Trahtmeldung.) Wie derTemps" meldet, ist die Tauer der Ab­sperrung der besetzten deutscl)en Gebiete von vier­zehn Tagen nur eine vorläufige. Die letzte Frist für Deutschland zur Einstellung des pas- sivetr Widerstandes, derdie Erfolge der Ruhr­besetzung ernstlich bedrohe", laufe in diesen vier­zehn Tagen ab. Frankreich sei entschlossen, nach diesen vierzehn Tagen die Absperrung der besetzten Gebiete zu einer dauernden zu machen, vielleicht mit Milderungen. DemEcho de Paris" ist zu entnehmen, daß der englische Vertreter in der Rheinlandkommission an dem Beschluß vom 30. Juni nicht mitgewirkt hat.

Verschärfung des Zwange«.

Düsseldorf, 3. Juli. (Privattelegramm.) Das Kommando der Besatzungsarmee teilte ge­stern abend mit, daß bisher die Täter des An­schlags auf den belgischen Militärzug nicht er­griffen werden konnten. Die Sanktionen würden weiter verschärft und solange gestei­gert werden, bis es gelungen ist, die Täter fest- zuehmen, oder bis sie sich freiwillig melden. Die Stadt Duisburg muß eine vorläufige Geldstrafe von dreihundert Millionen Mark zahlen, wir mit diesem Betrage die Kosten der neuen verstärkten Besatzung zu decken.

Schwmze alsSimfbesatzrmg

Festnah >e eines Gemeindevorstandes.

lEigener Druhtbericht.1

MünDr, 3. Jltli.

Aus Oberhausen wird indirekt gemeldet, daß durch eineu neuen Befehl des Generals De- goutte jeder Straßenbahnverkehr, auch auf der Strecke Mülheim-Oberhausen und Ham. born verboten worden ist. Oberhausen er. hielt ein Regiment schwarzer Truppen als Strafbesatzung. Diese Maßnahme erfolgte we­gen angeblicher Zerstörung de Fernsprechleitun- gen am Bahnhof. Beim Einmarsch der Fran­zosen in Westhofen verhafteten diese fDfort den Amtmann, den Oberwachtmeister, so­wie fämtHdte Stadtverordnete, einschließlich der sozialdemokratischen. Mit der Besetzung von Westhofen ist auch die letzte Eifenbahnverbindung zwischen Münster und Sckwette und Süddeutsch, land von den Franzosen abgeschnitten worden. Alle Fernsprechleitungen in Westhofen sind durchschnitten. Die Straßen von Westhofen sind durch Spanische Reiter abgesperr».

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200 Geiseln in Duisburg.

Münster i. W., 3. Juli. (Privattelegramm.) Aus dem besetzten Gebiet wird gemeldet: Duis- bupg Hai als Strufbelegung zwei schwarze.fran­

zösische Regimenter (Maroffaner) und ein belgi­sches Regiment erhalte». Der französische Kom­mandant forderte die sofortige Einrichtung eines Bordells für die Besatzungsarmee. In Freiers- heim bei Duisburg sind zwei deutsckst Ba u a r beiter von den belgischen Posten ohne Anruf angcschosscn worden, sie mußten schwer ver­letzt in das Duisburger Krankenhaus gebracht weben. In Duisburg soll die Zahl der Geiseln fast zweihundert erreichen, sie wurden in die Strafzellen des Gerichtsgebäudrs eingesperrt. Bochum ist auch vom übrigen Ruhrrevier noch abgesperrt. Zwischen Dortmund und Lünen tr, richten die Franzosen Zollschranken u. Wachhäusrr.

Am die GMmte-Akttwstt.

Kein gesondertes Vorgehen Englands?

(Eigener Drahtbericht.)

London, 3. Juli.

Reuter" meldet: In offiziellen Kreisen Lon­dons sei man überrascht über die Nachricht, daß die britische Regierung entschlossen sei, eine so­fortige Regelung mit Frankreich zu erzwingen. Von maßgebender Seite wird feftgeftellt, daß es durchaus voreilig wäre, von einem geson­derten Vorgehen Englands Deutsch­land gegenüber zu sprechen. Im Gegensatz zu dieser Meldung behauptet der PariserJnttan- sigeant". er habe sich auf der englische» Botschaft in Paris nach der Bedeutung der gestrigen Aus­führungen derDaily Mail" erkundigt und dort den Befcheid erhalten, daß men die Richtigkeit der Meldung nichtin Abrede stellen könnte.

Frankreichs Beusteruno.

London, 3. Juli. Eigener Drahtbericht.) DieTimes" meldet, daß die französische Antwort, die gestern in London überreicht wer­den sollte, sich um einige Tage verzögert habe. Wahrscheinlich werde sie anr Mittwoch erteilt. Die neue Verzögerung sei nur formell, weil das neue belgische Kabinett erst morgen fein Amt übernehmen wird. Wie gespannt die Lage ist, geht daraus hervor, daß der Besuch des fran­zösischen Botschafters im britischen Auswärtigen Amte ans Kreisen der Londoner Börse als rin besonderes Ereignis hingestellt wird.

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Qlnfraße an die englische Negierung.

London. 3. Juli (Eigene Drahtmeldttng.) Im Unterhanse verweigerte gestern Baldwin die Antwort auf eine Anfrage, die auf die kritifche Lage der Beziehungen zu Frankreich hinzielte. Er versicherte aber dem Parlament, die Regie­rung tue olle?, was in ihrer Macht stehe, um die Löfung der Ruhrstage zu beschleunigen.

£oW unö GehÄtsfragen.

Teuerung und wertbeständiger Lohn.

(Eigene Drabtmcldung.)

Berlin, 3. Juli.

Die Spitzenverbände der Gewerkschaften der Beamten und Staatsarbeiter haben gestern be­schlossen, beim Reichssinanzministcr dahin vor­stellig zu werden, daß die Verhandlungen über die neuen Teuerungszuschläge b e - schleunigt Werden, da die Organisationen andernfalls nicht in der Lage seien, Störungen zu verhindern, die bei der Unruhe unter den Mitgliedern zu erwarten wären. Die Spitzen- irrbände l-abm an die Regierung das Ersuchen gerichtet, die Durchsührung der wertbestän­digen Löhne und Gehälter nach Möglich­keit zu beschleunigen, da das sprunghafte Steigen der Teuerung eine Gehalts- und Lohnerhöhung auf wertbeständiger Grundlage bedinge.

ein schwieriges Vrobiem.

Berlin, 3. Juli. (Privattelegramm.) Ueber die gestrigen Verhandlungen des Reichsarbeits­ministers mit den Vertretern der Spitzenorgaui- fotionen wird gemeldet, daß Minister Braun gebeten hat, im Interesse einer gedeihlichen För­derung der Angelegenheit von einer öffent­lichen Erörterung vorläufig Abstand zu uchmem Am heutigen Dienstag beginnt eine für zwei Tage vorgesehene Sitzung des Bnndesaus- schuffes des Allgemeinen Deutschen Gewerk­schaft s b u n d e s, um auf Antrag des Deut­schen Eisenbahnerverbandes eine Lösung des Problems der wertbeständigen Löhne zu finden.

Die Metallarbeiter.

Berlin, 3. Juki. (Privattelegramm.) Die Verhandlungen zwischen den Verbänden der Ber­liner Metallindustrie und dem Berliner Mctall- arbeiter-Kartell wurden gestern abend zehn Uhr vertagt und wurden heute vormittag vor einem Schlichtungsansschuß fortgesetzt. Vor­aussichtlich wird dieser Schlichtungs-Ausschuß noch im Laufe des heutigen Vormittags sich schlüssig werden und einen Schiedsspruch fällen.

Kasseler Rathaus.

Abschiedsfitzung vor den Ferien.

In nicht ganz einstünviger Sitzung erle­digten die Rafteier Stadtverordneten, gestern die belannte Tagesordnung und gingen dann in die Sommerferien. Die Geldentwertung... so sollte der Bericht über die gestrige Sitzung des Stadtparlamcnts überschrieben sein. Wie leider so oftmals schon! Es jagt ja eine MMonen-Ve- und Rachbewilli- gung die andere. Und immer noch ist kein Endx abzusehen! Ein gewisser Fatalismus hat sich Aller bemächtigt. Meister Schnell, der stelle vertretende Vorsteher, widmete zunächst dem ver­storbenen Stadtältesten Hoffa einen Nachruf, in dem er hervorheben konnte, daß der um das Finanzwesen der Stadt und ihre Wohlfahrtsein- richtungcn Hochverdiente, dem ein glücklicher Humor zu eigen war, bei feinem Ausscheiden aus dem Amte nichts als Freunde und Verehrer hinterließ! Dann vereidigte Oberbürgermeister Scheidcmann den neuen

Stadtobcrbaurat Dr. Heinrich Höhle auf die Reichsverfassung, ließ ihn schwören, die verfassungsmäßigen Rechte der Stadt getreulich zu wahren, das ihm anvertraute Amt nach bestem Wissen und Gewissen zu verwalten, das Wohl der Stadt zu fördern usw. Sowohl Mr Oberbür­germeister als der Vorsteher gaben dem Wunsche Ausdruck, daß ans der Täffgkeit desNeuen" Ersprießliches erwachse und dann wurde der 50 Millioncn-Kredit für den Sophie Henschelplatz genehmigt. Aus dem Munde des Stadtverord­neten Voepel vernahm man dabei von einem neuen Man Programm für oL n Westen der Stadt. Danach sollen in der Achse der Stadthalle Beamtenwohnungen entstehen, die tm Verein mit Privatbauten das städtebauliche Bild verschönern werden. Zu diesem Zweck wird die bei der Parkanlage ausgeb »bene Erde zur Auf- sülluna der bekanntenLöcher" im Aschrottge­lände nach dorthin bewegt. Nunmehr griff der Oberbürgermeister die Angelegenheit der K a r l s w i e s e auf und erklärte auf Grund einer Unterredung mit der Leitung des Kaliko»--, zerns in Kassel, daß diese, wenn der Demon- strationszweck für Kalidüngung erfüllt, Wenn die Wiese in 5 ober 6 Jahren spielsähig, einer Rück­gabe der Karlswiese nichts in den Weg legt. Die Anfrage der Frau B e r n stWest bÄommr städtisches Pachtland" führte Fälle an, in denen Leute mehr Land haben, als sie bebauen können und sogar auf dem Königsplatz mit Kartoffeln handeln, andere aber leiden bitterste Not... Der Oberbürgermeister erklärte dazu, der Ma^ gtstrat werde nach den von Frau Dernst gezeich­neten Richtlinien verfahren, denn auch er sei selbst-, verständlich bestrebt, den armen Leuten zu Hel-/ scn. Nun gings weiter in der Erledigung der Tagesordnung. Die Verdreifachung der Gebühren für

Müllabfuhr und Kanalbenutzung wurden bewilligt. Zu spare», sagte Stadtver» ordneter Bohr (Fr. b. V.) bei der Begründung der Vorlage ist bei dec Müllabfuhr und Straßen- reinigung nichts mehr. Es sind nur noch die Arbeiter vorhanden, die unbedingt notwendig ind. Weiter regte er an, die Mieter von Woh­nungen mit unter 200 Mark Frieoensmiete her­anzuziehen, weil diese heute fast durchweg dazu in der Sage sind. Frau Ganslandt (Dem.) wünschte eine Staffelung der Gebühren bet Wohnungen über 1000 Mark Friedensmicte. In diesen wohnen jetzt vorwiegend Leute, die früher in guten Verhältnissen lebten, aber jetzt nicht mehr. Bürgermeister Brunners Antwort war zu entnehmen, daß eine Neuregelung bet in Betracht kommenden Ordnungen in Vorberet- tuna ist, so auch der für das Wassergeld. Eine der nächsten Sitzungen wird stch damit zu beschäftigen haben. Jetzt war dem Magisttat die Hauptsache, erst mal schnell mehr Geld herein, zubringen! Es folgten die vielen Nachbewil- tigungen, die schon in derVorschau" ange­kündigt worden sind. Ter Unterrichtete weiß, daß es in den zuständigen Kommissionen heiße Sorgen und langes Wägen gegeben hat, aber, der Swdtveroronete Bohr gebrauchte tmcder das in der letzten Zeit oft gehörte Wort vom Beißen in den femren Apjiel. Immer wieder ist'? die leidige Geldeniwertuna. die allo Etat-Ansätze über den Hausen wirft. Schon damals war man sich selbstredend klar, daß mit den in den Haushaltsplan eingestellten Beträgen nicht aus- zufommen ist, daß sie nur einen Maßstab bilden konnten. So blieb gestern in der öffentlichen Sitzung nur das Ja-Sagen übrig. Die achtzig MMionen betragende

Nachsorderung der Feuerwehr ließ erkennen, wie sehr man in der Kommission gefeilscht hatte. Stadtverordneter Hornschn (Dem.) bebauerte, daß von der 90 Millionen- Forderung der Branddirektion 10 Millionen ab­gestrichen worden sind. Diese 10 Millionen, so fürchtet er, machen in den nächsten afi Tagen der Stadt hundert Millionen aus. Bei der Feu­erwehr muß die Sparsamkeit ein Enoc haben