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Hessische Abendzeitung

Nummer 167.

Einzelnummer 800 Mk.

Sonnabend, 21. Juli 1923.

13. Jahrgang.

Einzelnummer 800 ML.

Em neuer kakasirophaler Marlsturz

»rahiretq, la Uc^roe.

3)04 Srvea erstirbt.

Einigung gelangt zu sein, sodaß die Antw»« bis Milte nächster Woche abgrsandt werden kann.

Rotterdam, 20. Juli.

Reuter meldet: Die gestrige Sitzung des bri­tischen Kabinetts über die Antwortnote an Deutschland hat zu keiner Entscheidung geführt, so daß mit einer weiteren Verzögerung der Ant­wort gerechnet werden mutz. DieTimes" mel­den dazu, dast die gestrige Kabinettssttzung v ö l - lig ergebnislos verlief. Die größten Mei­nungsverschiedenheiten bestehen im Kabinett über die Reparationspolitik und über die Frage der Auslieferung der deutschen Finanz­hoheit. Ein Teil der Minister verlangt die völlige Auslieferung der deutschen Zollhoheit, der Staatseiscnbahn und der Post unter Entfer­nung aller überflüssigen Beamte», da­mit diese Betriebe wieder ertragsreich gestaltet werden können und nicht weitere Zuschüsse aus den allgemeinen Einnahmen aussaugen. Baldwin und Lord Curzon nahmen einen vermittelnden Standpunkt ein. Man hofft, im Laufe des Frei- tag oder Sonnabend zu einer grundsätzlichen

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will aber jede Schärfe gegen Frankreich vermeiden. Curzons Note an Deutschland wurde von verschiedenen Ministern als zu mild beurteilt. Die Fortsetzung deS deutschen Noten­drucks, der allwöchentlich in die Billionen geht, und die Gehalts- und Lohnsteigerungen in Deutschland bilden angeblich den Beweis, daß Dentsclstand kein Geld für Frankreich haben wolle, (!) dagegen die Inflation in ungcminderter Weise fortsctzen möchte.

als ehemaliges Besitztum gutdeutscher Landes­herren hessisch-hamburgischen Geblüts auch eine Menge interessanter Dinge, die vor allem das Ausländerpublikum aus England und Schweden sowie aus Amerika alljährlich in großer Zahl irach Bad Homburg führen. Rur Kmsundzwan- tifl Zimmer des ehrwürdigen Tchkoßbaus wer- ^en zur Zeit zu einem Erholungsheim des Deutschen Beamten-WirtschaftSbundrs hergerich. tet und eine Etage soll in Zukunft das .Hombur­ger Finanzamt aufnehmeu, um der auch in der Bstderstadt fühlbaren Wohnungsnot abzubelfen.

Wie fast alle alten Schlösser im Reiche ist auch daS Homburger zur Schaffung eigentlicher Not­wohnungen nicht geeignet. Die Riesenräume sind fast immer nur im Sommer bewohnt wor­den und an Oefen oder gar an Zentralheizung bat hier niemand gedacht. Dazu kommt der hi­storische und sonstige Aussiattungswert der Zim­mer, so daß es nur begreiflich erscheint, wenn die Rede geht, daß das Homburger Schloh unter diesen Umftä röten kur Wilhelm den Zweiten reserviert bleiben soll. Das Leben in Holland ist, zumal bei dem steigenden Dollarkurs, auch mit noch so vielen deutschen Millionen bald nicht mehr zu erschwingen und die Homburger meinen

Dße Tragödie der Mark. Ausammenbruch des Dedifenhandelsk (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 20. Juli.

Die Mark ist gestern in Newyork auf einem bisher noch nicht erreichten Tiefstand ange- lungt. Amtlich notierte sie mit einer Dollarpari- lät von 320 COO und ging nachbörslich bis zu einer DoLarpnrität von 323 000 zurück. Die Ein­stellung der Wechseldiskontierung durch die Reichsbank hat zu einer katastrophalen Zuspit­zung am Devisenmarkt geführt. Die Reichsbank konnte gestern nur ein Siedel Pro­zent Devisen zuteilen, so daß die Berliner Zei­tungen bereits von einem vollständigen Zusam­menbruch des Devisenhandels sprechen. Die Ver­treter der Devisenbanken haben gestern abend um eine Konferenz beim Neichsfinanz- minifterfüi heute mittag nachttsucht. Es be­steht die Absicht, gegen die für heute augekündig- ten neuen Zwangsmaßnahmen der Keichsbauk Protest zu erheben. Man scheint in den Kreisen der Devisenbanken entschlossen zu sein, falls die Reichsbank an ihren Maßnahmen sesthalten sollte, den Devisenbedarf für Handel und Jndu- strie überhaupt nicht mehr auszuführen.

Genf, 20. Sttli. (Eigene Drahimeloung.) Eine ^aciier ^eiruug meuoei, Lag die iut sieuag cm, oer Lagesorouuug oer kammei sieyenoe In­terpellation des nationalen rviolls über ine englische Regierungsettlarung aus Loun,cy des Äiltni|ieitnajii>ciiicn zniactgezoge» wurde. Die englische vtoie soll erst mc nahmen einer Prüsung unterzogen weiden, bevor die Jiryerung darüber Erttarnngeu abgibi.

Bon Ser Sperre erdroffelr.

-i-ce iyevoUuuua in »e»zw«,istmig. Lhue -»og-eu. iiyiieet»^eieaiawui >

Berlin, 20. Sali.

Nach einer Meldung de-. PariserTempS" vom 18. Juli son, saus ein neuer Labotaze- zwislljenfcut im oesetzteu E-viet eintritt, die am ä>. Juli aolausenoe Grenzsperre nochmals verlängert werden. Gegen diese Drohung oes halbauittrchen französischen Organs ist, wie wir erfahren, gleichsans eine Verwahrung Deutschlands den Machten zugegaugen, da die verzweifelte Lage der Äutzroesölkerung keine wettere Verschärfung vertrage und die deutsche Regierung allen Sabotageakten fernstehe. Auch ser päpstliche Legat für das Ruhrge­biet ist um seine Mitwirkung ersucht werden.

Die Lrsach. allen Glends.

Rotterdam, 20. Juli. (Privattelegramm) Einem Londoner Blatt zufolge hat Lord Curzon in seiner Unterredung mit un' reten Lords des Oberhauses ausgesprochen, daß er die R u h r b e- setzung allein für das Wützrungselend Deutschlands und für das Schwanken der euro­päischen Suied/fetturfe verantwortlich mache. Tie englische Attio« verlange die Aufhebung der atuhrbefetzung in einer yi>m,zteie die veteiiigten zivei alliierten Wiaajte nicht ms die Unterlege­nen im RUhiwuipf erscheinen tagen würde.

kurzum einer, der ein Stück Geschichte der Reoierunaszeit des ehemaligen Kaisers in allcr- näck-ster Nähe des Thrones miterlebt hat, mit» erlebt bis zum letzten, bitteren Ende. Es ist dader nur ganz begreiflich, wenn er noch heute selr-e Aufgaben in dem Dornröschcnschlosse zu Füßen des grünen Hardttvaldes genau so er­füllt, als wenn sich feit den Sommertagen der Fttedenszeit nicht das Geringste geändert hätte. Pst ältlich gehen die Tore des Schlosses am Mergen auf, vor dem freilich keine Leibwache mein präsentiert, pünktlich werden alle Uhren im Schlosse gestellt und ans die Minute beginnt die Führung der Fremden durch die historischen wie die modernen Räume. Noch steht int Ar­beitszimmer der einem Reitsitz nachgebildete ScktreibtisMchemel und ebenso ist das Schreib­zimmer der Kaiserin Augusta Viktoria genau in dem Zustande geblieben, toi e~ Tie es zuletzt ve'lietz, um niemals wiederzukebreu.

Itn Sweisesaal des Schlosses steht ein Teil des Tafelservices, das 1821 König Friedrich Wilhelm der Dritte dem hessisch-homburgisFeu Peinzen Louis geschenkt bat in Anerkennung der hervorragenden Verdienste Hessen-Homburgs währewd der Befreiungskriege. Es entstammt der Berliner Königlichen Porzellanmauusaktur und kostete schon damals dreißigtausend Taler. Von der Landgräfin Elisabeth, einer Tochter des Königs Georg des Zweiten von England, die mit dem Landgrafen Josef von Hessen-Homburg vermählt war, und die 1840 hier verstarb, stammt eine wertvolle Kupferftichsammluno. die inzwi­schen den Weg nach Reutz gefunden hat und die wohl di« wertvollste Sammlung dieser Art dar­stellt. Ans Schweben stammen die großen Sammlimgen von Gemälden schwedischer Kö­nige und des schwedischen Adels ... kurzum, das wartende Schloß hot neben feinem Charakter

Sine Antwort an 6it Arbeiter.

Rotterdam, 20. Juli. (Privattelegramm.) Reuter meldet aus London: Baldwin erklärte ge- iern in. Unterhanse auf eine Anfrage aus den Kreisen der englischen Arbeiterpartei, daß er ncch nicht sagen könne, wann der Entwurf der Attt- worttiote veröffentlicht werden kann.

Das unschlüssige Kabinett Radikale englische F.ederuugen. lPrivat-Teleg rammt

ebenso wie die frühere Stützungsaktton im we­sentlichen geleitet von politischen Gründen. Schon daraus ergab sich die Befristung die­ser Aktton. Ebensowenig wie damals konnte und kann die heutige Aktion etwa stir die Ein­leitung einer Stabilisierung der Währung an­gesehen werden. Es bandelt sich lediglich ?*rh eine finanzielle Maßnahme innerhalb des Sd- stems der polittscken Mittel zum Bestehen des Nubrabwehrkampfes.

Englische Anschauungen über Deutschland.

Rotterdam, 20. Juli. (Eigene Drahtmel- düng.) Aus London wird gemeldet: Das Kabi­nett hat stundenlang über den Entwurf der Aut- wort auf das deutsche Memorandum beraten und sich dann vertagt. Die Hauptschwierigkeit 6tt* bete die Frage der deutschen Finanzhoheit und die Rahmennote. England ist fest entschlossen, den europäische« Friede« wieder herzuftellen.

Sin Taunus-Idyll.

Das wartende Schloßt.

einte tmfcttr Mitarbeiter sende« nn» an» Bad Homburg die nachfo: grade st m» mnng^voNe S-inlde-nng de» Stamm, sitze» derL -nd-raf n «ontzeffen Homberg Am Südosffuße des Taunus, hart an der Grenze des besetzten Gebiets, aber noch vollkom­men unberührt von der feindlichen Invasion, liegt das schöne Heilbad Homburg v. d. H., ein Juwel unter den Kurplätzen Deutschlands und viele Jahre hindurch der Sommersitz der alten Kaiserin Augusta, des Kaisers Friedrich und nach ihm des letzten deutschen Kaiserhauses. Ihnen allen diente das uralte Schloß, der Stammsitz der 1866 ausgestorbenen Landgrafen- von Hessen-Homburg, zum gernbesnchten Auf- ettthaltsort. Run steht das ehrwürdige Gemäuer verwaist, das in den letzten Jahren vor dem Kriege oftmals der NkittelpuNtt interessanter po- 'itifct-er und gesellschaftlicher Ereignisse war, be- 'onders auch zu der Zeit, da zu Häupten Hom­burgs das berühmteste Römerkastell aus deut­schem Boden, die Saalburg wieder erstand und Wilhelm der Zeite sich um den Ausbau Ho:n- buras als Kur- und Badeort mit vielem Ersolg bemühte.

Seit lener Zeit haben sich gewisse Beziehun­gen zwischen Homburg und Berlin angebahnt :nd bereits im Vorjahre hieß es, daß bei seiner etwaigen Rückkehr Wilhelm der Zweite im Schlüsse der Homburger seinen Lebensabend be- 'chlirtzen werde. (Tatsächlich ist das Schloß heute einen der wenigen dem ehemaligen Kaiser ver- bliedenen) Es wird zwar von der neu eingesetz­ten Krongutsverwaltnng bewirtschaftet, aber ein» besonders sorgsame und kundige Hand führt im Schlosse selbst das Regiment. Es ist einer bet ehemaligen Leibjäger Wilhelm des Zweiten, einer, der sechzehn Jahre hindurch stets um den Herrscher war und der seine Gewohnheiten, lei­ne Wünsche und seine... Launen genau kennt

ält« Ft hr! in ßtn Ab nmv.

Berlin, 20. Juli. (Privattelegramm.) Aus Basel und Rotterdam wurde gestern abend gleichfalls ein neuer Absturz der deutschen Mark gemeldet. Die Basler Nachrichten über­schreiben gestern bereits ihren Börsenbericht mit den Worten: »Das Ende der Matt".

3n Ketten gelegt.

Der gefesselte König Dollar.

Seit mehreren Wochen steht die Gekdmarkt- kage unter dem Zeichen der neuen Stüt­zungsaktion der Reichsbank. Es klingt uns heute, obwohl erst einige Monate verflossen sind, wie ein Märchen aus längst verklungenen Zei­ten, daß es schon einmal eine Stützungsaktion der Reichsregierung und der Reichsbank gegeben hat, bei der man ängstlich darum bedacht war, den Dollar nicht Wer 22006 Mark kommen zu lassen. Und ein Untersuchungsausschuß, den der Reichstag selber eingesetzt hat, prüft immer noch in hochnotpeinlichen Erörterungen und Ver­hören, warum damals der Dollar von zwanzig- auf dreißiglausend M-rk in die Höhe ging. ... Die neue Stützungsaktion der Reichsregierung, die vor etwa vier Wochen einsetzte, war eigentlich ganz anders gedacht, als sie verlief. Sie wurde anternommen von dem Druck eines jähen Dol­laranstieges bis etwa 150000 Mark. Die Absicht war, diesmal das starre System der Festhaltung des Dollars auf einem bestimmten Niveau zu verlassen, um ihm eine gewisse Spannungsarenze zu geben. Durch die Uebernahme der restlichen, seinerzeit nicht gezeichneten Dollarschatzanweisun- gen durch die Banken, und durch Beteiligung von Industrie und Handel an der Uebernahme solcher Anweisungen hatte man theorettsch sich die Annahme zurechtgelegt, den Dollar unter die 100 OOO Mark-Grenze zu drücken. Er sollte sine Spanne von etwa 30000 Mark haben, so daß nran mit einem Dollarstand von etwa sisbzw- brs hunderttausend Mark hätte rechnen ?Sun«L"

Zu einem Herabdrücken des Dollars unter hunderttausend Mark ist es unter dem Zeichen der neuen Stützungsaktion überhaupt nicht ge­kommen. Und was das starre System angsht, das man vermeiden wollte, so haben sich die Dinge jetzt dahin entwickelt, daß der Dollar direkt in Ketten gelegt wurde. Durch die Einführung einer einheitlichen, und nur an der Berliner Zentrale vorzunehmenden Notierung wurde der Dollar, wie überhaupt der Devisenkurs von reichsbankwegen förmlich diktiert. Man suchte die Knrsstützimg durch das Svstem ter Zwaugs- revartierungen zu hatten. Dieses Verfahren führte schließlich zu ZitteUungen. die wirtschaft­lich auf die Dauer nicht haltbar sein können. Die Zuteilungen gegenüber den Anforderungen belie­fen sich in den wichtigsten Devisen in den letzten Tagen nur auf zwei Prozent. Es bildete sich allmählich, da die Reichsbank nicht in der fi-oae ' war, mit größeren eigenen Mitteln auf den aus- i ländischen Börsen selber zu intervenieren, zwi- scheu Inlands- und Auslandsnotienmg eine ! Differenz, die teilweise bi? zu hunderttausend Mark für einen einzigen Dollar ging. Das neue Markstützungsverfahren der Reichsbank war

bank suchte dieser Bewegung durch Forderung der Angabe des Namens des Devisenkäufers zu begegnen mußte diese Bestimmung aber auf den Einfpruch der Banken, die technische Schwierig­keiten geltend machten, fallen lassen.

Da der erwartete politische Erfolg ausgebttc- ben ist wird dieses gegenwärtige System sich Wohl kaum noch lange hatten lassen. Ist aber eist einmal der Dollar seiner Fesseln los und ledig, dann werden wir tlns neuen Erschütterun­gen und einer neuen Preisrevolution gegenüber sehen, deren wirtschaftliche Tragweite wir mit illem gebotenen Ernste einschätzen sollten. Die Reichsbank muß aber eine Verstärkung ihres Devisenfonds und damit ihrer Aktionskraft er­langen. Man wird dabei ohne neue Maßnah­men von einschneidender Bedeutung des Pro­blems einer Markstützung nicht weiterkommen.

ed&tingtn für die JMincyrner Turner.

. Berlin, 20. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) , Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, ist der angebliche Grund der Franzosen für die Berlän- S*runK der Verkehrssperre, als den sie die Zwi­schenfalle in Barmen anführen, nur ein Vor- lvand. In Wirklichkeit wollen sie die rheini­schen Turner ab fangen, die ohne Geleit­schein die Berkehrssperre umgangen haben, um an dem Turnerfest in München teilzunehmen, und in den nächsten Tagen zurückkehren. Die Kontrolle ist auf das äußerste verschärft worden und alle Wald- und Feldwege an der Grenze des abgeschnürten Gebietes werden Tag und Nacht auf das strengste überwacht.

Das Fmanz-Ghaos.

Gefährliche Rezepte. Sie »rauchen Geld.

(Eigener Drahtberlcht.)

Basel, 20. Juki.

Die Basler Nachrichen melden aus Sentern: Die Sachverständigen des Schatzamtes betretet le» Deutschlands Zahlungssähigkeit etwas günstiger, als die bisherigen amtlichen englischen Schätzungen lauten. Sie weisen a*r die wahnsinnigen Zahlen hin, die Deutschland allein für feine Parlamentsvertreter zur Aus Übung ihres EhreMmtrs aufbringt. Man be­greift in London «icht, daß, wenn Deutschland soviel Gelte übrig habe, es auch nicht Geld für die Alliierten herbeischaffen könne. Tiefer eng k-sche Standpunkt nähert sich den Basler Rach lichten infolge dem belgischen. Dieser ver­langt, daß die Mark stabilisiert wird und ihre Ertragssähigkeit wieder erhält. Das Erträg­nis der Zölle soll ausgeliefert und das Chaoe im deutschen Staatshaushalt beseitigt werden dabei soll bei.teen inneren deutsthen Aufwendun­gen sl.engste Ciusparuu» Platz greifen.'

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Frankfurt a. M., 20. Juli. (Privattelegramm.) Schon jetzt macht sich bre Grenzsperre in unge- hcuerlichster Weise bemerkbar. Infolge des Loh- lenmangels find viele Industrien in der Schempjalz gezwungen, ihre Betriebe zu lschliehen. Große Fruchtvorräte 'innen nicht gedroschen werden, weil es den Dreschmaschine» an den erforderlichen Kohlen fehlt.

Daraus ergibt sich Wer schon, daß dieses System nur so lange fortgesetzt werden sollte und könnte bis sich ein polittscher Erfolg heraus­stellte. Als die Reichsregierung die neue Aktton cinfeitete, war ihr von den Bestrebungen der englischen Regierung, durch einen eigenen Schritt eine Entscheidung in der Reparattonsfrage her- beizuführen. bekannt. Es konnte aber nicht ab­gesehen werden, innerhalb welcher Zeiffpanne diese politische Aktion.vor sich geben und welchen Erfolg sie haben werde. Wie die Dinge heute liegen, muß man ja nun leider mit einer wei­teren Verzögerung rechnen. Daraus ergibt sich aber auch, daß, je läwMr der politffche Erfolg auf sich warten läßt, es der Reichsbank mnsö schwerer wird, das gegenwärtige Kurssm^mgs- Jstem aufrecht zu erhalten. Jn-wischen batte sich die Kursspcmne zwischen Inlands, und Aus- landsnotterung her Devisen ohnehin schon ver­ringert, einmal, weil sich außerhalb Deutsch­lands, vor allem in Danzig, f»genannte »schwarze* Börsen bildeten, an denen di« De- Yisensuchenden ihren Bedarf zu befriedigen such- ten, dann aber auch, weil in den großen Städten selber ein schwunghafter Schleichhandel nrt Devisen aufkam. Da am Devisenmarft selber überhaupt kein Material herauskam, und aller Bedarf von der Reichsbank selber befriedigt wer­den mußte, konnte die Fesselung des Dollars nicht auf die Dauer aufrecht erhalten werden. So kam es, daß die Reichsbank mm die 200000 Mark-Grenze für den Dollar wefenttich über­schreiten mußte, und das auch hinwiederum un­ter scharfer Repartterung. Es hatte sich ja immer wieder herausaestellt, daß die Bedarfsanmeldun­gen die normalen Bedürfnisse weit überschritten, daß aber gerade wegen her Zuteilungen jeweils diel mehr eingefordert wurden, um wenigstens in etwas Material zu bekommen. Die Reichs-