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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

°d« Ansprüche wegen -tm-lger ordnungs.n^ger £Äa °7^eschL'

Nummer 169.

Einzelnummer 800 Mk.

Dienstag, 24e Juli 1923,

Tt izelnummer 800 Mk.

13. Jahrgang

Xie staffelet 9ieu«fien Siadjrtdjten erscheinen wpchentUch sechsmal UNS zwar adendch Der LSonnementspreis betragt monatlich 11030 Marl bei freiet fiußcUuni in« «» <_ Leschüstss-elle abgeholt 10700 Mar- monatlich. B-st-^ngen w.rb^^eber.^en.^en 2^Z^e<ek*3 »-damon- schlacht io ür.h? 28/30. Fernsprecher Numme' »LtZ »w, rant,erlan9t eingesandte Beitrag- kann die Redaktion eine erant.

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Frankreichs Vernichtungswille.

An Bit Adresse Europas.

Bafel, 23. Juli. (Eigene Drahtmelduna) Am Schlüsse seiner LenkmalKr^e i» DillerS er»,

ter» unb Beamtenschaft, welch letztere ia nn eigentlichen Sinne auch als -um MiteHtans ,w. Höris bezeichnet werden muß, trägt gerade auch in erweiterter Beveutnng des Wortes die w»rr- schaftlicke, wie geistige Mittelschicht der Bevoi- kerilng in den besetzten Gebieten trotz ihrer ma­teriell wir seelisch immer schwieriger werdenden Lage aetreulick das ihre Zum heldenhaften Ad- wehrkmnpfe bet.

?efen wir in den Zeitungsberichten auch nur wenig von dem zähen und barten Ringen der Mittelständler (der kleinen Kaufleute, der Hand­werker. der Aerzte oder Lehrer wie der Angehv- r-aen anderer wirtschaftlicher oder geistiger So rufSartenl.. sie alle halten auf dem wichtigen Bosten stand, auf den ste diese Notzeit gestellt tat als Vertreter des Deutschtums für deutscl-eS ^ein und Wesen, unbeeinflußt von Drohungen und Lochungen den schweren Kampf bis zum gu» ien Ende durchzuhalten. Wir relb't haben hier gewiß Schweres zu tragen und »art um oas täglich« Br«i zu ringen, aber, so müssen wir angestchts des Heroismus feuer Schicht im be- etzts» dt'-stchen We"«n wobl zuaoden: auf un­seren Brüdern und Schwestern, dazu auch unsere Mittelstandsfi-aend. lastet noch viel, viel härteres Schschal. und ste tragen es doch in schweigender Geduld, weil sie es für Deutschland und für uns tragen. Soll en wir unH da von diesen Getreuen beschämen lasten?

Das Ausland und wir.

Poincarös »lft wirkt. Anter Kuratel 1 (Brivat»Telrgr«nm >

Basel, 23. Juli.

D.e gestrige Rede des französischen Minister- Präsidenten wird in den Schweizer Morgenblatz tern ausführlich kommentiert und als vorweg genommene Antwort auf den englischen Rotenentwurf bezeichnet, mit dem sich das französische Kabinett in dieser Woche zu be­schäftigen hat. Der Grundiou der Erklärung Poincarös ist nach Schweizer Ansicht der, daß die deutsche Industrie eine Gefahr dar stelle. Der Baseler Anzeiger schreibt: Poincar-t hält an seinem starren Svstem der Verneinung des deutschen Leistungswillens unerschüttrrsttt fest und er findet äußerlich eine Stütze in der Fortdauer der deutschen Inflation, du. auch nach der Meinung neutraler Sachverständi ger durchaus nicht notwendig wäre, weil sie die Lebensmittelpreise nicht herabsetzt, sondern im­mer weiter verteuert. Auch die Neutralen sind der Meinung, daß an diesem Verhalten Deutschlands, statt irgend etwas gegen die Er­zeuger der Preissteigerungen zu unternehmen, der Notendruck in wahnsinniger Weise ge­steigert wird. Eine gewisse Absicht liege in die­ser Politik, die Deutschland von der Sympathie entfremdet, die es im Auslände hat. Wenn Deutschland heute rücksichtslos den Notendruck einstellen und die Ernährung des Volkes gege­benenfalls wieder durch Zwangswirt­schaft durchdrücken würde, so werde das Ver­trauen des Auslandes zur deutschen Mar? eben­so zurückkehien, wie sich setzt die österreichisch-: Krone und selbst die polnisch« Mach das Ver­trauen des Auslandes erwirbt.

Deutschland kann und mutz zahlen.

Basel, 23- Juli. (Privattelegramm.) Nach weiteren Meldungen fuhr Pomcarö in seiner Rede am Kriegerdenkmal zu Villers fort: Wir müssen der wirtschaftlichen Oberhoheit der Welt, die Deutschland uns auszwingen will, etwas an. oeres entgegensetzen. Um dieser Gefahr zu de- gegnen, ist es notwendig, daß England und Frankreich, Belgien und Italien sich zusammen.. schließen. Ist es denn so schwer, fragte Pom- carö, den alliierten Regierungen die Grundlage eines lehrreichen Vergleichs zu liefern, genügt für sie nicht ein Besuch in den zestörten ®£ bieten Frankreichs, dem ein Besuch des Ri-tzt- gebiets folgt. Wenn sie beide gesehen haben, dann werden sie Bescheid wissen und dann wer. den sie wissen, daß Deutschland zahlen kann und zahlen muß (!) dasielbe Deutschlands das jetzt seinen Beamten, Arbeitern und Ang-- stellten Millionen für Gehälter und Löhne lie­fert, mit der ausgesprochenen Absicht, fi* damit leinen Verpflichtungen zu: Zahlung an dir Al­liierten zu entziehen. Wollte DeutsiÄand zah­len, so würve es nicht fortwährend allerlei Vor­wände der Zahlungsunfähigkeit gebrauchen. Wir brauchen weder finanzielle Sachverständi genurteile noch eine finanzielle Prüfung dieser deutschen Probleme. Wir können mit gelundem Menschenverstand- selbst entscheiden, was wir i von Deutschland holen tonnen.

23- 2uli. Auch am gestrigen Sonntag hielt Poincarö bei der Einweihung des Krie- gerbenkmals in VillerS eine seiner üblichen, von der Presse grotzaufgemachten SonntagSredeu. Sie bestand in einer scharfen Polemik «egen stloyd George und England ,sowie in Angriffen Frankreichs gegen Detschlands Indn- sirie. Nach einer Darstellung der Schlacht von ?:«erS führte Pvinearö auS: In Deutschland st noch kein Dach zertrümmert und keine Hütts Zertrümmert und trotzdem weigert sich Deutsch- and seinen Berpfljchtnngen nachzukommen und >n Scharen gutzumachen, den es angerichtcr hat. Poinrarö fuhr dann fort, daß Frankreichs Vorgehen gegen Deutschland zur Erzwingung iefcr Wiedergutmachung keinesfalls die wirt- chaftlichen Kräfte irgend eines Volkes bedrohe; 'r sei nur erstaunt über die letzte Rede Lloyd Georges. Lloyd George sei Frankreichs Freund gewesen und er wäre besser beraten gen« er feine MkMksmMeit auf näher liegende egeustäude konzentriere« würde.

Die Vormundschaft kommt.

Basel, 29. Juli. (Pttvatelegromms Du Baseler Nachrichten fügen zu ihrer Kritik an dem deutschen Finanzelend hinzu: Bei Poincare bc darf es nur weniger Worte um dar französische Volk an seinen Wagen zu etten, aber reit sei­nen Reden wild Poinearö nickt erwirken, daß Deutschland zahlt. Wahrscheinlich werden baS die englischen Vorschläge zustande bringen, die Deutschlands Finanzhoheit auf die Dauer ein: «er Fahre eine' internationalen Finanzkontrolle unterwirft. Nur auf diesem Wege kann Tratte land feine Gesundung finden, nicht aber *n der Geltendmachung der Auffassung, die Poincarch der Mann des Krieges, immer wieder vertritt!

Sin Tmerikanrr an fein DoU.

Paris, 23 Juki. (Eigene Drabnreldung.i j Aus Newvork wird gemeldet: Der d mol r an sch Kandidat für ins Präsidenischafi der Vere'niaren Staaten Cor erllärte in einem In ervsiw, daß die amerikanische Politik der 3fo(i e- rung der angeblichen .w ttschasüiche« S lbst gs.nng'anikcit'' unverzüglich aushöre,, müsse Cor ist der Ansicht, daß diese Politik esc V< rnki- nung d»s resunden Menfchenv'rssms.'S ft urd drtz ü* dazu angetan ist. die CS-t) r c 1 * n tu<-S internationalen Krieges heraüfzube- süwörrn unb dem amerikanischen Volk große Lr'dsn zu verursachen.

Es hat den Anschein, als ob sich diese Frage imme- mehr der Klärung zuneigt. Jedenfalls wird sic nicht nur in der Regierung, sondern auch in den Parteien arg eine dringende An­gelegenheit behandelt, aus dem Grunde, weil immer wieder auf diploma sichern Wege au« London die Anfrage, ergeht, wie Deutschland sich entschieden habe. Es heißt nun, der Reichstag werde, wenn ein? Entscheidung h's dahin noch nicht ergangen ist. das letzte Aor sprechen, da Demokraten und Sozialdemokra­ten einen Vorstoß in dieser Angelegenheit pla­nen Wahrscheinlich komm: es gar nicht zu die­sem öffentlichen Parlamentarischen Truck, son­dern es werden die Ansichten der Parteien rechtzeitig unter einen Hut gebracht. Deshalb wohl die Sondierung, ob England daflir bürg n könne, daß gleichzeitig auch einem deutschen Per trter im Völkerb ndrat ein Platz eingeräumt imrd Das heißt mit anbeen Worten: Der Völkerbundrat. der ost selbständige Beschlüsse ohne Vollversammluna faßt, die für diele bin- dend sind, könnte über den Kopf Deutschlands Beschlüsse fassen, wenn es keinen eigenen Ver­treter in ihm Hatte.

An höchster Gefahr.

Die 3-rfe' ung teutWe Wirts ' oft straft.

Ns er te 8aa? o f dem Ds Ifsn' rtt Macht 8 D!-e't r her® otfen bt-ltung 'er deutschen Oan m *t in. $r. Saufmann einer reichebaupt» u biiMie« Sei ung nach olg nd» MUieUnnnen .Ich war lange, oiel »« lauge Optimist, muß ick aber geschlagen beiennen und sagen, bag mir dem Zusammenbriich entge-en. treiben, wenn nich: in letzter Stunde ein Wunder gesckeehr. Als Kaufmann bi- ich ein Anhänger des freien Bertrhrs, also aum pes freien DevisenM-rlehrS. Sie .österreichischen Zustände" aber, di; last über Nackr und tti-t;

näite der französisch« Ministerpräsident: Unser einziger Wunsch ist nur, daß man uns nickt vor­erst, em unglückliches Volk tiefer in Schulden zu stürzen, ein Volk, das sich durchaus nicht unglücklich fühlt, sondern das einfach zu der Usberzeugung geSracht toetir.cn muh, daß Frankreich gezwungen ist, die Erinnerung em Wine gtorreichen Siegs durch die Ausnützung des Sieges auf finanziellem Gebiet ,u krönen. An dieser Stelle, betonte Peincar«, spreche ich »u allen Verbündeten, daß man die Auren gegen­über den Tatsachen nicht verschKetzt. Möge ipsi- ter niemand be'tmcrn, In entsckeidenLer Stunde die offene Warnung Frankreichs vernach laiiwt zu haben. Auf der sstahrt »um Bahrfl--, wurde Poincar^ von der jubelnden Volks­menge aus dem Wagen geholt und auf den Schultern getragen.

rugte 3?oincare, sind die Engländer nicht mit in das Ruhrgebiet gegangen? Sie würden dort Organisationen der deutschen Industrie vorgr fimden haben, über die sie nachdenken müssten so, wie auch Frankreich darüber nachdenkt. Man hat Koalitionen gemacht, durch die die Prod». renten, nicht nur der gleichen WirtschaftSstebiet' in Deutschland zusammengefasst sind, sonderu Organisationen der Produktion vom Nohstoss bis zum sr-ertigfabrikat. Unter dem Namen von Konzernen seien in Deutschland riesige Gruppierungen der Industrie zuftandegekommrn. die unter einer einheitlichen Leitung gekräftigt sind und alle Transportmittel zu Wasser und zu Lande besitzen. Diese Organisationen, erklärte der Ministerpräsident, bilden eine Gefahr für den Frieden Europas. Wir wollen nick- das Unglück Hervorrufen, $ei«*f*t>mbig Zah lungSfähigkeit in einen festen Rahmen einzu­spannen. Die gegenwärtige Konzentrierung der deutschen Industrie werde Deutschland, nachdem es den Bankerott erklärt, zu neuer Blüte treiben.

Kampf ums Dasein.

Mittelstand und Nuhrkonflikr.

Nicht zu Unrecht bat man das Unfriedens, dokument von Versailles die .Sterbeurkunde des deutschen Volkes" genannt. Hatten. wir schon^wah-rend des Krieges schwer, in oen letz­ten Jahren immer Hatter leiden und entbehren müssen, alles war doch nur ein Kinderspiel gegen die Leiden und Entbehrungen, die uns in der einst so heiß ersehnten .Friedens-eii" ausgeoürdet wurden. Große und wettvolle Teile unseres strebsamen und arbeitsfreudigen Volkes verarmten und verelendeten immer mehr. Von Jahr zu Jahr hieß es: so kann es nickt weiter aehen! Und es ging doch weiter, unaufhalt- !®n» unabwendbar, wie es die aberhundert U»- alückLparagraphen vorschrieben, die wir in Ver- wKieS zu unterzeichnen gezwungen wurden. War lange Zeit hindurch leider nur viel zu Wo- nigen die ganze Schwere unserer Lage und die immer furchtbarer werdende Not und Armut nicht zum Bewußtsein gekommen, so wurden auch diese teils leichtserttgen, teils selbstsüchtigen Ignoranten allmählich eines Besseren belehrt. Der deutsche Mittelstand fuhrt heute ein Kampf um sein nacktes Dasein.

Der in der Ruhrbesetzung in all seiner rück- sichtsiosen Sckärfe zur Auswittung kommende Ivstematifche Vernichtungskrieg des imperml'- stMen Frankreich gegen die deutschen W-rt- tchattKkräfte traf gerade jene Kreise am unmittel­barsten. die angesichts der sottschreitenden Geld- entoertung nicht imstande sind, den materielle» und geistigen Verfall ihres Lebens auch nur an, nähernd durch entsprechende Einlommenserböh. im« aufzuhalten. Der kulturelle Werte schaf­fende Teil dieser Schicht mußte die bittere Er- sahrnng macken, daß em wirtschaftlich geschwäch­tes Volk nickt in der Sage ist, sich denLurus" geistiger Produktion zu leisten. Ter wittschaft- licke Mittelstand hinwieder suchte vergeblich die Mittel, um fick auch nur einigermaßen gegen die vernichtende Seuche der Entwettungsschwind- sucht zu wehren. So sehen die Lebensbedingnn, den, unter denen die für unser Volk so über­aus wichtige MirtelstandSbevölleiung mühselig ibr Dasein fristen muß, schon im unbesetzten Deutschland überaus trostlos aus. Sie werden in der Härte ihrer Lage jedoch noch beträchtlich von den VerchLltnissen übertroffen, in denen ihre Dtandesgenossen in den alt» und neubesetzten Gebieten unseres Vaterlandes zu leben ge­zwungen find. Der 'urchtbare, ständig auf je­dem Einzelnen lastende Druck der fremden Herr­schaft hat dorr, und dies soll uns ein Trost und eine Hoffnung int Uebermaß all des Leides sei», eine Aktivität und Festigkeit nach innen und außen hervorgerusen, die deutlich in der von unbeugsamem VerantwortlichkeitsgefüLl gctta- genen Pflichterfiillung dieser toittschaftlich vor allem notleidenden Kreise am Rbein tote an der Ruhr zum Ausdruck kommt. Neben der Arbei-

5er große ftanzöstsche Midersocher PoinearL am Denkmal in Villers: Eine neue SonntagSrede. Ein Vorstoß gegen unsere Industrie. Renegat Llohd George. Die gefürchteten Konzerne. Alte Rattenfangermelodien. DaS selbst­herrliche Frankreich. Der Triumphator und sein Volk.

Zn den Völkerbund? Eine Anregnug Englands.

In der letzten Zeit ist die Bewegung in Deutschland, die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund nachzusuchen, wieder stark im Ean- ge. Die Anregung ist von England ausgegan­gen. Wenn die englische Politik sich auch nut zögernd, und wie man meint, letzthin änMich und mit fragenden Blicken, bangend um die französische Freundschaft zu Entschlüssen auf­rasst, so darf man doch aus den Pressemelsun.r'n nicht etwa annehmen, es babe sich ta sächlich vi l in der englischen Auffassung geandett Sie ist unbeirrbar geblieben. Wenn die englische Re­gierung einmal die bekannte Erflärung im Ober- nnd Unterhaus gemacht hat, muß sie zu ibr stehen. Vielleicht versucht sie in einzelnen Punk ten eine vermittelnde Haltung, nm nicht sofort mit Frankreich zu brechen. Fn den Gtundzüg n bleibt sie fest. Das ergibt sich, müßte sich er ge­geben, schon aus dem Umstande daß man weiter von England auf Deutschland eindrängt dem Völkerbund beizutreten. Dttttschland ist dabei in einer seltsamen Lage. Zunächst ha« man in Deutschland für den Völkerbund, der so seltsame Beschlüsse zusammenbrachte, wie die Abtrennung des deutschen Oberschlesiens für Po­len, wenig Sympathie. Wer kann es uns ver­übeln, wenn wir meinen, in dem Augenblick, da wir uns diesem Völkerbunde anvertrauen, müs­sen wir uns auch seine weiteren Beschlüsse g sa'- leu lassen Das nimmt schon gegen ihn ein. So lange wir diesem Völkerbund nicht angehö­ren. sind wir in der Sage, seinen Entscheidungen, wenn sic wieder das Recht zu Unrecht machen e-rlgeg^,, zu iefatu. Aber wenn irr Mitglied dieser Institution sind, müss n wir uns iür fügen. Hinzu kommt die eigenrüinlich: Hal

tung. die Amerika zum Völkerbund ein- nimmt. Es lehnt ihn ab. Und in Deutschland glaubte man bisher, Amerika werde einmal hilf­reich seine Hand bieten, sckon weil eS die mo­ralische Pflicht aus den Versprechungen W'l- sons hat, Deutschland ausbauen zu Helsen. Wir müßten angestchts dieser Ucbettegung bedenken, nichts zu mtternehmen, was Amerika betrügen könnte. Und sicherlich hätte der Ein'ritt Deutsch­lands in den Völkerbund in Amerika verstimm'.

Indessen: Heute wissen wir, daß Amerika keine Hand für uns rührt, heute sehen wir ein daß allein England ans Selbstzweck etwas ZU unseren Gunsten tun könnte und vielleicht auch tun wird Deshalb ist es begreiflich, wenn wir auf den englischen Rat besonderes Gewicht legen. Es drängt aber auf den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Es heißt neuerdings, in England geht die Meinung da­hin. daß der Völkerbund allein den Ausweg vus dem Dilemma weisen könnte. Und England jedenfalls dem Völkerbund diese Aufgabe lofott zuschteben würde, wenn Deutschland sich ent­schlösse, Mitglied zu werden. Wahrscheinlich ist ^England bereit, die Verpflichtung zu überneh­men, die Widerstände zu beseitigen, die Deutsch­land noch immer zum Beispiel von Frankreich Su befürchten hat, wenn es sich zum Beitritt in den Völkerbund ensschließt. Diese Gedanken nun .gehen in Deutschland letzthin so lebhaft um, daß nicht nur Einzelpersonen faszistiscker Ansicht, sich für den Völkerbund bekennen, sondern auch Par ieien ihre Ansichten zu wandeln beginnen. Diese Feststellung kann man bei den Sozialdemo­kraten und den Demokraten ohne Bedenken ma­cken. Im Zentrum ist die Meinung noch geteilt, während bet den anderen beiden Parteien heute eigentlich nur eine Stimme für den Einttitt herrscht W-e im Zentrum, so ist auch in der Deutschen Volksyattei die Ansicht nicht einheit­lich. Wer auch bei den Deutschnationalen gibt es bereits Vertreter der Auffassung, daß Deutschland mit dem Eintritt in den Völkerhu: h nur gewinnen könne.