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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Nummer 170. Einzelnummer 800 MI.

Mittwoch, 25. Juli 1923.

13. Jahrgang

Einzelnummer 800 Mk.

Frankreich hofft auf den Zusammenbruch.

rcicks Auffassung fortgesetzt seinen schlechten Willen bewirken zu zahlen und über die endli­chen Vorschlüue seien Berhandlungen nur rnög

- ch, wenn Deutslchland endlich unter feste euer

Am englischen Unterhause wurde gestern von Mac Donald eine Entschließung der Arbriter-

Der heftige Ftuhtteieg.

Deutsche VorschlLge und Bedingungen, (Prival-Telrar«mm.)

Ansicht, daß es am zweckmäßigsten sei, die Fra­ge der Festsetzung der deutschen Schuld auf längere Zeit zu verschieben und vorläufig nur ein System niedrig gehaltener Abschlagszahlun­gen auszubauen. Das sind aber nur Gerüchte. Die Verhandlungen hinter den Kulissen voll­ziehen sich niit großer Heimlichkeit. Will man einer Depesche vom heutigen Tage Wert beimcs- sen, dann hofft man in Frankreich, daß der Zu­sammenbruch Deutschlands unmittelbar bevor­stehe und daß die Bewohnerschaft des Ruhrbe­zirkes bald auf den Knien liege. Aufgabe des unbesetzten Reiches muß es sein, Frank­reich in dieser Richtung vollkommen zu ent­täuschen.

Genf, 24. Auli.

Wie ein Pariser Blatt meldet, habe der deutsche Geschäftsträger bei seinem Besuch im Quai d'Orsay am Sonnabend einen Auftrag seiner Regierung ausgeführt, der in Verbindung mit dem englischen Vorschlag hin sichtlich des passiven Widerstandes stehe. Der deutsche Geschäftsträger habe keine Beding­ungen für die Aufgabe des passiven Widerstan­des gestellt, sondern die Fortsetzung des Wider- standes von der Aufrechterhaltung des Militär zustandes im Ruhrgebiet abhängig gemacht und weiter erklärt, daß einer direkten Aus­sprache über beide Fragen Deutschland p nicht widersetzen würde. Der Matin nennt die deutsche Mtteilung als für die weiteren Ent­schlüsse Frankreichs belanglos. (!)

Englands Luftrüstungen.

Ablehnung einer Abrüstungskonferenz.

(Privat-TelegrammZ

Rotterdam. 24. Juli.

Nach dem Dorbild Oesterreichs.

Basel, 24. Juki (Eigen« Drahtmekdung.) Die Baseler Nachrichten melden aus Paris: Die herrschenden Grundzüge der sraittöfischen Forde­rungen gegenüber dem englischen Dokument würden darauf hinausgehen, daß DetMand auf den Standpunkt Oesterreichs her- abgedrückt würde. Deutschland hat nach Frank-

. reift, nachdem er im August des genannten Jah­res den Posten des Finanzministers verlassen hatte. Witte erzählt, daß er schon damals den Krieg mit Japan für unvermeidlich und unmittelbar bevorstehend hielt. In Paris setzte ihn die Ahnungslosigkeit der französischen Re­gierung, namentlich Declassss, der damals Rff-

1 nister des Auswärtigen war, in Erstaunen. Denn Declasss erzählte überall in autoritativer Weise, daß es nach seinen authentischen Informationen zum Kriege nicht kommen könne. Als Witte in Paris diese optimistische Stimmung vorfand, wich er aus Furcht, er könnte sich verplappern, allen politischen Persönlichkeiten aus.In Pa­ris", so erzählt Witte,war ich einigemale mit dem Baron Alfonc Rothschild, dem Haupt der Familie, zusammen. Er stand im Ak ter von siebzig Jahren und war ein Mensch von staatsmännischem Geist und ausa?,.- n- Bildung. Ich stand mich mit ihm sehr gut und sprach gern mit diesem klugen, viel wissenLen Menschen. Bei unserem Zusammensein sprach der Baron am meisten von jenem sonoervareru Mystizismus, der sich an unserem Hofe! eingenistct hatte, und den er Mr ein schlechtes Zeichen hielt. Auf meine Frage, warum er mir! dies alles erzähle, erwiderte er, es seien aller­hand Gerüchte im Umlauf über den Einfluß, eines, Doktors Philippe (aus Lyon) auf ihre Majestäten und einige der Großfürsten und Großfürstinnen. Der Scharlatan Dr. Phi­lippe komme mit den Majestäten zusammen, Wersen von ihnen fast für einen Heilioen ge­halten und übe einen wesentlichen Einfluß auf ihr Seelenleben aus. Alle diese in Frankreich verbreiteten Geschichten wirkten auf uns Russen natürlich sehr niederdrückend. Don Philippe hatte ich schon in Petersburg viel reden hören. Philippe hatte keine abgeschlossene Bildung. Er lebte in der Umgegend von Lyon. Als er feine' Praxis mit verschiedenen Wunderkuren begann,, da hatte er, wie das in solchen Fällen zu ge- chehen pflegt, in einigen Fällen Erfolg, auch mit Weisagungen. Leute, die ihn kannten, sagten, er fei überhaupt ein kluger Mensch und habe eine gewisse mpstische Gewalt über Menschen von schwachem Willen und kranke Nerven. Kla­gen über seine Scharlatanerei brachten ihn mit der Polizei in Konflikt. Die Regierung verbot ihm fein Kuren und sing an, ibn zu verfolgen.

Trotzdem aber fammelte er sich ein Häuflein von Anhängern, vorwiegend unter den Natto- nalisten .zu denen auch der russische militärische Vertreter in Paris, der Oberst im Generalstab Graf Murawsew Amurski gebötte. Dieser Gras, der jüngere Bruder dez Justizministers 9? W - Murawjew, war entschieden nicht normal: er und die anderen Verehrer Philippes Tiefen ihn zmn Heiligen aus; jedenfalls versichetten sie,, er sei nicht geboren worden, sondern vom Him­mel auf die Erde herabgestiegen und werd« ebenso wieder dabin zurückkehren. Diesen Phi- ippe lernte im Ausland die Frau Groß­fürsten Peter Nicolaijewitsch, die Montenegri­nerin Nr. 1 kennen oder war es viellei^t die Frau des Prinzen von Leuchtenberg, die Monte­negrinerin Nr. 2 Ob, diese Montenegrinerin­nen! Die haben Rußland viel Leid gebracht! Um all den Unfitfl zu erzählen, den sie ange- richtet haben, müßte man ein ganzes Geschschis- ,;er? verfassen. Nicht im Guten werden Mepschen ihrer godenken. Das waren die zwei Töchter des Fürsten Nikita von Monte-

die Regierung, eine Abrüstungskonfe­renz einzuberufen. Der Minister der Lnft- streitkräfle, Horae. erwiderte, daß im Jntereff: der Landesverteidigung eine Verstärkung der Luftstreitkräfte dringend erforderlich sei. England sei der gefährlichsten Art ein s Luftangriffes ausgesetzt und würde ohne ausreichende Lust­macht wehrlos sein. Sogar im letzten Kriege wären die einzelnen Luftangriff in ihren Ergeb­nissen erschrecklich gewesen, aber in einem n uen Kriege würden solchen Angriffe die Zerstö­rung Englands bringen können. Die Ge­fahr sei so schrecklich, daß keine Regierung, wie entfernt man auch von dem Ausbruch eines Krie­ges sein möge, eine Fortdauer des gegenwärti­gen unaenügenden Standes der Dinge dulden könne. England sei gegen seinen Willen ezwrmqen. neben feiner Flotte eine er stärksten Luststreitkräfte zu unt'rhallen Jetzt fei nickst der richtige Augenblick für eine Abrüstungs­konferenz., Wen« man einen unrechten Ang n- -lick wähle würbe man nur den Erfolg erfchwe- tit. Der Minister bat das Haus um Vertrauen flir die militärifchen Regierungsmaßnahmen.

ÄN öer Knechtschaft.

Ein ungeheuerlicher Besatzungsbefehl. (Privat-Telegramm.»

Berlin, 24. Juli.

Eine erlassene Verordnung der interalliier­ten Rheinlandkommifsion bestimmt, daß jeder mit hohen Geldstrafen oder Gefängnis bestraft wird, der in Abrede ftettt, daß die nach dem Ruhreinbruch erlassenen Verordnungen der Rheinlandkommifsion und der Militärbehörden reckstverbindlich seien. Die Bestrafung tritt nicht nur ein, wenn die betreffende Aeußerung in der Oeffentlichkeit oder Presse gemacht ist, sondern auch jede mündliche oder schriftliche Aeußerung wird bestraft, die dazu bestimmt ist, der Bevölkerung übermittelt zu werden. Ferner wird der bestraft, der bei der Verteilung von Mitteln oder Naturalien mitwirft, die dazu 6c* timmt find ,den passiven Widerstand selbst ge­gen die Verordnungen der Rheinlandkommission aufrecht zu erhalten. (Diese Verordnung über­trifft an Ungeheuerlichkeit alles bisher Gebo tene. Das deutsche Volk wird die Antwort dar­auf nicht schuldig bleiben. Die Redaktion.)

Hof-Kamarilla.

Graf Witte über de» Zarensturz.

Sieuc Einblicks in die geheimen Triebmächte die ffcätee die Zarentragödie mitverschnlset haben, gewähren die jetzt zur Beröffent- lilhnng ton>inendenErinnerungen-- des Grafen Sergej Witte, »ine« dec wenigen Staatsmänner großen Formats, di« das vor- revolutionäre Rußland gehabt hat. Au« diesen intereffanten »otumenteu können wir das Folgende ausführlich mitteilen. In diesen »Erinnerungen" schilvert der be- beutenfte russische Staatsmann mit klarem Blick, kühler Sachlichleit und jener Unvoreinge­nommenheit gegenüber Dingen und Menschen, die gerade im Bannkreis des russischen Hofes so selten gewesen ist, die Epoche, in der er selbst eine führende Rolle gespielt hat: die Zeit vom Regierungsauttitt Nicolaus II. bis in die Tage der Ministevpräsidentschast Kokowzows, also m die Zeit kurz vor dem Kriege. Graf Witte war, wie Professor Hoetsch in seiner Einleitung ans. führt, stets besorgt, seine Erinnerungen, an de­nen er seit dem Sommer 1907 geschrieben hatte, I könnten in Petersburg einer Haussuchung zum Opfer fallen. Nach feinem am 13. März 1915! erfolgten Tode wurden denn auch in der Tar Wittes Papiere beschlagnahmt. Die Me­moiren lagen indeß im Ausland und konnten auch durch eine Haussuchung in der Witt eschen Billa zu Biarritz nicht gesunden werden, da sie in einer Bank zu Bayonne, noch dazu unter fremdem Namen aufbewahrt wurden. Wir sind schon heute in der Lage, aus oem bemerkens­werten Buch einige sehr bezeichnende und aus­schlußreiche Stellen zu veröffentli-t-en

Im Herbst 1903 war Witze uacy Paris ge-

Äie Rutzrkümpftr dinier der Negierung.

Berlin, 24. Juli. (Eigene Drahstmelduug.) Beim Reichskanzler waren Sonnabend Abend Vertreter der Gewerkschaften West­falens und des Nheinlandes, soweit sie bei Be­ginn der Grenzsperre außerhalb des besetzte, Gebietes weilten, um vom Reichskanzler Er- Närungen über die Stellungnahme zu einem Verlangen Englands nach Aufgabe des pas­siven Wider st andez zu erbitte«. Der Kanzler legte in längerer Unterredung die Be­dingungen und Garantien für die Ausgabe des passiven Widerstandes dar, die die e i n m ü t i ge Zustimmung der Erschienenen sanden. Dar­nach sei die Voraussetzuna zu einer Aufgabe die Wiederherstellung der deutschen Staatshoheit im Ruhrgebiet, die Zusicherung der Zurück­nahme der Besatzung und hie Begna digung und Rückkehr der Verurteilten, Verhafteten und Ausgewieseuen.

Englands Antwort.

Der Krise höchstes Stadium.

Varifer Dersrhlepyungsmanvver.

Genf, 24. Juli. (Privattelegramm.) Wie der Temps meldet, war der Anttoorteniwurf Eng­lands mit einem Schreiben Curzons begleitet, in dem um die Zustimmung zu dem Entwur bezw. um Mitteilung von Abänderungen b i s 27. Juli ersucht wurde. Dem Temps zufolge sei es der französischen Regierung unmöglich in so kurzer Zeit die englischen Vorschläge zu be­antworten, man müsse mit minbestens zwei Wochen (!) rechnen, innerhalb beten Frank­reich seine Stellungnahme begründen würde. Unter dem Vorsitz Poincarös wird heute ein Kabinettsrat ftattfinben, der sich mit dem Stu­dium der englischen Note befassen wird. Im Anschluß daran findet unter dem Vorsitz von Millerand ein Ministerrat statt. Man glaubt, daß der Meinungsaustausch zwischen Frankreich und Belgien an Jntensivität gewin­nen und daß der Antwort auf die englische Rot- sehr rasch eine Einigung zwischen Pa­ris und Brüssel folgen Wird.

Frankreichs Widerstand.

Strenge Prüfung der englischen Note.

(Eigener Drahtbericht.)

Genf, 24. Juli.

Havas meldet über den Eingang der engli schen Note:Tas Kabinett hat die Note für beachtsam geftmden, weil sic die W-ederbr teiligung Englands an der Rxparationv £ ö f u n « d, rstekft, die feit dem R Januar ge­ruht hat. Zu dem fachlichen Inhalt der Note wird sich Frankreich äußern, Wenn es die engli fchcn Vorschläge geprüft und mit feinen Bet bündeten beraten haben wird. Der Präsiden, der Republik, Millerand, ist ans Wunsch des Mi­nisterpräsidenten nach Paris zurückgekchrt, um an den Besprechungen über die Antwort an Eng land teilzunchmcn. Die Beantwortung bet Note kann nur in Uebercinsftmrnung mit bem Willen ber Mehrheit ber Kammer erfol­gen; bereu Vorstände ber Ministerpräsident für heute Abend zu sich gebeten hat.

Rach langen Beratungen ist die englische Antwort endlich im Entwurf fertig geworden und wie wir schon kurz meldeten, nach Paris abgegangen. Ausfällig ist, daß entgegen der ersten Absicht; großes Stillschweigen über den 3>JWt dieser Antwort bewahrt wird. Jeden­falls ist alles, was die Londoner und Pariser Presse darüber zu berichten weiß, mehr oder minder Kombination. Wir sind deshalb nicht nustande, etwa ein Urteil über bieses englische Dokument gbzugeben, sondern müssen uns ge- dulden, bis seine Bekanntgabe erfolgt. Freilich werfien wir dadurch nicht erfahren, wie der englische Entwurf und wie die französischen Verbesserungen, ausgesehen haben, sondern wir werden nur den von allen Alliierten zugestimm­ten Text erfahren.

Es unterliegt heute keinem Zweifel, daß in Frankreich eine auffällige Wandlung vor sich gegangen ist. Wahrend zunächst der Ton aus Ablehnung auch des englischen Entwurfes ge- sttmmt war, erfährst man heute, daß der euglift c Entwurf beraten werden und die französische Regierung die ihr notwendig erscheinenden Ein­wande erheben werde. Möglich, daß das injwt- ftkn schon geichehen ist. Die Uebew"ima muß stch also bei uns herausbilden, daß die Vermit­telung, sei es durch Dt. Benesch fei es bur^ anbete Diplomaten dahin geführt hat, die zu­nächst geplante englische Schärfe zu bämpfen und den englischen Standpunkt herabmmilderii. sodatz Frankreich sich bereitsinden kann, wenig- stens grundsätzlich über die Note zu sprechen Ob es zu einer Verständigung zwischen Franr- relch und England kommt, sei dahingestellt. Ge­wiß würde Frankreich alles einsetzen, um zu ver hindern, daß die Oeffenstlichkeit den englischen und die französischen Einwände er­fahrt, da müßte aber von England bekanntgege- ben werden, wenn der Bruch unvermeidlich er-, scheintt Man kann sich jedenfalls aus langwie- rlge .Verhandlungen gefaßt machen. Wenn die Parlier Presse davon sprichst, daß die franzö­sische Antwort schon am Montag nach» London Zehen soll, so eilt sie etwas Mer die Maße-,. Weshalb sollte Poincarö es so eilig haben? Oder eine andere Taktik bestimmt ihn, einftrcciten so­fort zu antworten, um dann später das Tempo zu verlangsamen. Noch nichts, darüber muß man sich klar sein, hat sich in der franz ösi'ch-n Auffassung geändert. Und da Deutschland wie­der betont hat, daß es den stanzSsischen For­derungen um Aufgabe des passiven Widerfta'.- bes nicht ohne Gegenvetpflichstungen nachkom.- men könne, so wäre es unverständlich, wollte Frankreich plötzlich nachgeben.

Wenn Frankreich in der Frage ber Sach- verstandigen-Kommifsion nachgibt. Zoht es schon weit. Jnbeffen wirb es wahr scheinlich zutreffen, baß bie englische Regierung wer eine Brücke in der Art gebanst hat, daß bie Sachlverständigen-Kommission kein freier Körper fein soll, wie es zuerst geplant war, sondern seine Unterinstitution der zweifelhaften Repara- tionskommifston. Da Frankreich glaubt, in der Reparationskommission noch immer herrschen und bestimmen zu können, da es sich auch eigene Gesetze für diese Kommission gebaut hat die selbst auf den englischen Standpunkt keine Mck sicht nehmen, könnte es möglich sein, daß Frank­reich dieser Kommission zustimmt und endliA von dem Standpunkt trennt, daß die Zahlungs­fähigkeit Deutschlands fcftstebe und nicht mehr erforscht zu werden brauche. Man hat nun eines bisher außer Acht gelassen: England sah sich ver­pflichtet, durch einen Entwurf der Antwort an Deutschland, der auch Franfreich zuging, bie Beantwortung ber deutschen Note zu veranlas­se«. Demnach muß man wohl in England ber Ueberzeugung gewesen sein, baß Frankreich nictg barmt buchte, bie brutsche Rote zu beantworten und bie Riskussion über bie schwebende Rubr- beietzung und die Reparationssrage fortzusetzen Schon darin, daß England den Anstoß aab, die Diskussion sortzuführen, daß es Frankreich mo­ralisch zwingt, sich zu den deutschen Vorschlägen zu äußern, liegt , für Deutschland eine Unter­stützung. Wenn demnach auch ber englische Standpunkt in ber letzten Zeit (seit ber Erklä­rung der Regierung in Over- und Unterhaus etwas gewandelt habe« mag) so müssen wir dieses englische Vorgehen schon anerkennen. Im übrigen werden wir, wie gesagt, auf die Ver­öffentlichung der Roste, auf die Bekanntgabe ber englischen Schritte Warten müssen. Ueberettte Schluffe sind namentlich ietzt seicht trügerisch

Die unseren Lesern in der gestrigen AuS- pabe mitgeteilte neue Brandrede des Bajazzos PoincarS hat, wie nicht anders zu erwarten war. keine besondere Freube in England aus- aelöst. lieber den weiteren Gang der Vcrband- lungen liegen auch am heuttgen Dienstag keiner­lei zrwerlässige Nachrichten vor. Muerdings gewinnt es den Anschein, als ob Bemien wieder den englischen Auffassungen der ganzer* "me :<<*-. ,uneiae. In Brüssel ist man ber-!

Zuversicht in Bersin.

Berlin, 24. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die bisher ans den alliierten Hauvtstävten vor­liegenden Berichte über bie Aufnahme der eng­lischen Vorschläge erscheimn der Reichsregierung nicht ungünstig, da der Widerstand Frank­reichs als einzigen Alliierten Macht im Voraus feftstand. Gestern abend fand eine Besprechung ber Reichsminister beim Reichskanzler statt. Ob­wohl die englische Rote kaum vor Anfang näch­ster Woche in Berlin »orliegen wird, ist dir Reichsregierung berefts durch den Bot- chafter in London über die Grundlinien der eng lischen Vorschläge unterrichtet und hält diese wohl für geeignet, um ».« einer Lösung der ReparationS- und der Ruhrfrage zu kommen.

Partei eingebracht, in der die ungeheure» Ausga- « _ -?c« für die See- und Luttstreitkräfte beklagt ........ »tHl,ttlou, u,»« lcu

*5« Brussel ist man derffwcrden, mit der bringenden Aufforderung an-gische Alliiertep-FinanZkontrolle käme.