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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 190.
Einzelnummer 15000 Mk.
Freitag, 17. August 1923.
Einzelnummer 15000 Mk.
13. Jahrgang.
Schwem Stand der Negierung.
Die etrtiftoinfür.
Verschärfung der Not.
Die Ausstände in zahlreichen Gegenden tot Reiche haben leider auch zu Plünderungen und Aufruhr geführt. Das ist die Folge der kommunistischen Umtriebe. Aber es ist nur ein Teilerfolg, denn die Gewerkschaften haben die gewissenlose Hetze verurteilt und die Arbeiterschaft gewarnt, da es jedem Einsichtigen klar ist, daß durch Ruhestörungen die traurigen Verhallnisse nicht gebessert werden können. Daher waren zum Beispiel die Berliner kommunistischen Betriebsräte genötigt, den General st reik abzudrechen und die Arbeit wieder aufzu- uehmen. Die Drahtzieher des deutschen Bolschewismus haben sich als schlchhte Taktiker erwiesen. Wenn sie jenen Adwiegelungsbeschlutz alsbald nach dem Rücktritt des Kabinetts Cuno gefaßt hätten, konnten sie wenigstens den Versuch machen, ihren Parteigängern und dem einen oder anderen Mitläufer einzureden, daß der Sturz Cunos die Wirkung der Gencralstreik- parole sei. So aber haben sie unfreiwillig dem Kabinett Stresemann einen Erfolg verschafft; denn als der neue Reichskanzler sein Ministerium dem Reichstag präsentierte, konnte er bereits als ersten Erfolg das Ende des Generalstreiks buchen. Der freilich in Wahrheit nie bestanden hat; denn die Aufforderung zur Arbeitsniederlegung hat nicht allzuviel Anklang gesunden. Dadurch, daß die Ausschüsse der Berliner Gewerkschastskommission und das Ortskartell Berlin des Afa-Bundes die Ausrufung des Generalstreiks entschieden ablehnten, ist es lediglich zu Teilstreiks gekommen, obwohl die Koin- .uunisten mehrfach, so bei den Metallarbeitern, mit der Täuschung operierten, daß die Gewerkschaften für den Streik seien. Aus diese Weise mußten die Kommunisten sich mit dem traurigen „Erfolg" begnügen, Verwirrung in die Arbcitcr- massen zu tragen, und ernstliche Betriebs- störungen hervorzurufen, was sich jedenfalls als das ungeeignetste Mittel eiwicsen bat, die Lebens- und Zahlungsmitteluot der Bevölkerung zu beseitigen.
So haben die Kommunisten nicht nur bedauerliche Störungen in zahlreichen Berliner Betrieben, sondern auch eine vorübergehende Hemmung des Verkehrs durch Lahmlegung der Straßenbahnen und zeitweise auch der Untergrundbahn auf dem Gewissen. Des weiteren die Lahmlegung der Gaslieferung, was vor allem zur Folge hatte, daß einige Abende die Sftaßen der ReichAhauptstadt in Finsternis gehüllt und dem verbrecherischen Gesindel das Handwerk erleichtert wurde, wovon dieses aus reichlich Gebrauch machte. Wenn es auch am Montag und Dienstag in Berlin zu mancherlei ernsten, zum Teil blutig verlaufenen Krawallen gekommen ist. so war doch --er Generalstreik schon vor dem .offiziellen" Abblasen ins Wasser gefallen, und die Arbeit ist unterdessen saft durchweg wieder ausgenommen worden. Freilich, die Schädigungen durch Stillegung der Betriebe, Zerstörungen und Plünderungen sind außerordentlich groß. In Amerika würde vielleicht der Versuch gemacht werden, die kommunistische Partei für diese Schäden zivilrechtlich haftbar zu machen, wie das dort in ähnlicher Weise mehrfach geschehen ist. Bei uns wird die Wirkung hoffentlich darin bestehen, daß mau allseits erkennt, wie fievelbaft und verbrecherisch derartige Störungen des Wirtschaftslebens in einer Zeit wie der jetzigen sind. Von der Anarchie ist jedenfalls — das lehrt uns die Geschichte des russischen Bolschewismus, der sich aus dieser Erkenntnis längst zu mausern begonnen hat —- nichts für eine Ver- lesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und die Sicherstellung der Ernährung zu erwarten.
Wovon die Streikenden leben, namentlich noch bei den weiter steigenden Preisen, ist schleierhaft. Sie beugen sich dem kommunistischen Terror. Vernunft siegt schon lange nicht mehr. Diesen Zustand kann Berlin diesmal nicht lange ertragen, denn es muß zu einer Hungersnot, mutz zu weiteren Ausschreitungen kommen, wie man sie noch nicht kannte. Deshalb wird auch von den Gewerkschaften, den Parteien, der Regierung alles versucht, eine Beruhigung herbeizufübren. Die sttengsten Maßnahmen gegen die Streik- Hetzer werden ergriffen, Verhaftungen sind bereits erfolgt. Die neue Regierung macht auf die Masse keinen Eindruck. Man erkennt eine auffällige Ratlosigkeit und weiß anscheinend nicht, wo der Hebel angesetzt werden muß. Den Forderungen der Kommunisten kann sich die Regierung nicht beugen, sie bat auch Verhandlungen mit den Streikschürern ab gelehnt. Dagegen ist die Technische Nothilfe eingesetzt worden, um zunächst die lebenswichtigen Betriebe aufrecht zu erhalten. Aus den Vorkommnissen muß eine wirksame positive Lehre gezogen werden. Wie die kommunistische Hetze nur ans einem dafür vorbereiteten Boden Gefolgsleute finden konnte, so mutz das Kabinett Stresemann nicht bloß darauf bedacht fein, Hetz- und Putschversuche, von welcher Seite sie auch kommen, kraftvoll abzuwehren. sondern in Abwendung von der bisherigen passiven Taktik mit
zu
Die engltfCDe Note abgelehnt.
London, 16. August. (Eigene Drahttneldungv Aus Paris wird berichtet, man erwarte in Paris einen direkten Schritt des deutschen Kanzlers, gebe sich aber keinen Jllussionen hin und sehe alle Bemühungen zur Unterwerfung Deutschlands fort. Die englische Note an Frankreich sei in einer Besprechung Poincarös mit den Vorständen der Kammerparteien des nationalen Blocks abgelehnt worden.
Tressors der Essener Reichsbank gewaltsam z» öffnen, nachdem sie fünf Wochen lana erfolglos die ReichLbank besetzt gehalten haben. Die Franzosen begnügen sich nicht mehr damit, die öffentlichen Kassen auszuplündern, sondern sie gehen auch dazu über, den Druck von Geldscheinen im besetzten Gebiet zu verhindern. So wurden gestern zwei Betriebe besetzt, in denen Reichs- und Notgeld gedruckt wurde.'
Die französischen Sozialisten.
Paris, 16. August. (Eigene Drahtmeldung.) Das sozialistische „Journal du Peuble" lehnt
die Stres-man schen Regierungserklärungen a b. Das Zusammengehen der deuffchrn Sozialisten mit dieser Regierung der Gewalt mache es den französischen Sozialisten schwer, an die Jnier- nationalität zu denken.
sich sind und bereits kürzlich eingehend erörtert wurden, darauf mit zurückzuführen, daß der Landwirt jetzt in der Erntezeit den Viehstand vernachlässigt. Eier werden jetzt, am Ausgang des Hochsommers, sowieso knapper. Auf alle Fälle versicherte Gutsbesitzer Nägel, der Vor-
sentlich ergängt lmben, wirb allgemein entnommen, daß Dr. Stresemann voraussichtlich schon im zweiten Teil dieses Monats direkte Verhandlungen mit Frankreich ausneh- men will, um Alt einer Lösung der Richrfrage zu kommen. Es ist damit zu rechnen, daß das Gesamtkabinett diesen Stresemannschen Sckritt billigen wird. — Heber den Eindruck der Rede des deutschen Reichskanzlers auf die französischen amtlichen Kreise wird in der Pariser Presse mitgeteilt, daß Frankreich Herrn Stresemann nochmals sagen werde, unter welchen Bedingungen er Verhandlungen Haven könne. Die Aeußerungen aller französischen Staatsmänner lassen darauf schließen, daß Deutschland sich den Ereignissen, die inzwischen eingetreten seien, unterwerfen müsse. Vor allem müsse die neue Regierung den Widerstand am Ruhrgebiet aufgeben.
Berlin, 16. August.
Die kommunistif che Betriebsrätezen- träte hat gestern abend beschlossen, den Kampf gegen die neue bürgerliche sozialistische Reichsregierung mit alle« Mitteln und mit aller Schärfe aufzunehmen. Allgemeine Demo«, strationeu gegen die neue Regierung und „gegen den Verrat der «rbeiterintereffen durch die Sozialdemokratie« sind für kommenden Sonntag beschlösse« worden. In dem Beschluß der Betriebsrätezentrale, der heute früh in den Berliner Betrieben und Fabriken angeschlagen war, wird noch mitgeteilt, daß die kom- nmnistische Partei in Berlin feit 1. Januar eure halbe Million Mttglieder neugewonnen haoe, besonders aus Kreisen der Sozialdemokratie. — „Allgenwine Maffenspaziergänge auf das Land" sind für Sonntag anberaumt worden. In den Anküiwigungen heißt es, daß Rucksäcke und Feldhacken mitzubringen sind. Da mit der MöAichkeit von Plünderungen auf dem Lande zu rechnen ist, find auf Anordnung deS Ministers
Drrschteppung der Verurteilten.
Düsseldorf, 16. August. (Privattele- gramm.) „Echo bei Paris« meldet, daß infolge der zunehmenden Unruhebewegung im besetzten IGebiet Frankreich und Belgien dem Abtransport aller verurteilten Deutschen aus dem besetzten DeutsMand in französische und belgische Strafanstalten zugestimmt haben.
Das adtessnende Frankreich.
Paris, 16. August. (Eigene Drahttuelduug.) Aus den Mitteilungen des neuen Kabinetts
England« Haftung.
London, 16. August. (Eigene Drabtmeldung.)
Zum deutschen Kanzlerwechsel schreiben bte „Times" noch, daß Dr. Stresemann durch ein direktes Verhandlungs angebot an Frankreich staatsmännische Einficht beweisen würde. Jeder solcher direkte Sckiritt würde aua> England ermöglichen, sein bisher passives Wohlwollen in ein solches der aktiven Unterstützung umzuwandeln, wie Baldwin sich im lin- rerhause deutlich ausgesprochen habe. Die Times schreiben weiter. Annehmbare Vorschläge der Repdrationsverpflichttrngrn und die Annahme der alliierten Finanzkontrolle (!) sind das Gebot der Stunde.
Kommunistischer Kamps
Geplante Märsche ans das Land.
lPrivat-Telegremm.)
rücksichtsloser Tatkraft Vie bisher nur auf dem Papier stehenden Maßnahmen durchzuführen, die dazu dienen sollen, die finanzielle und wirtschaftliche Katastrophe aufzuhalten, die in der Entwertung der Mark, der sprunghaften Teuerung und der erschreckenden Le- bensmittelnot ihren beredten Ausdruck gefunden hat. Dr. »k.
Gin neuer Dorschlag zwecklos?
Paris, 16. August (Eigene Drahtmeldung.) Der Finauznlinister de Lastearie sagte in der Pariser Handelskammer: Der neue deutsche Kanzler dient mit einem etwaigen Vorschlag nach direkten Verhandlungen weder sich selbst noch Frankreich. Wir haben unsere Mindestbedingungen bekannt gegeben. Der deutsche Kanzler kann sie annehmen oder verwerfen, aber einen dritten Weg gibt es nickst. Eine halbamtliche Mitteilung an die französische Presse besagt, daß Poincars dem neuen deutschen Reichskanzler in einer Rede am Sonntag antworte.
den Parteistihrern der großen Koalition, die die offiziellen Erklärungen des Kanzlers ive-
Berlin, 16. Auaust. (Privattelegramm.) Die Regierungserklärung StresemannS hat die G c •- Werkschafteu nicht befriedigt. Gestern abend hielte« Vertreter der Gewerffchaften eine Konferenz mit den sozialistischen Ministern des Reichskabineits ab, in der weitergehende F o r- derungen der Gewerkschaften, besonders in der Bekämpfung der fortschreitenden Lebensmittelverteuerung formuliert worden sind. Die Vertreter der Gewerffchaften werden Sonnabend Vormittag vom Reichskanzler empfangen werden. — In der Fraktionssitzung der Deutsch- nationalen wurden die Aussichten des neuen Kabinetts sowohl innen- wie außenpolitisch eingehend besprochen, nachdem auch die Bayerische Bolkspartei dem neuen Kabinett die Gefolgschaft verweigert hatte. Beschlüsse wurde« allgemein ausgesetzt. Die Gegner des Kabinetts im Reichstag sind, einschließlich der Bayerischen Bolkspartei, mit HO Abgeordneten zu beziffern.
Gillbruch und Diebstahl.
Es fein, 16. August. (P nvat-Telegramm.) Gestern ist es den Franzose« gelungen, die
Ernährungssorgen.
Die Versorgung der Stadt Kassel.
Namhafte Verirrter der heimischen Land- wirtscqaft sahen gestern nachmittag auf Einladung der hiesigen Regierung mit Pregeverrretern zusammen, um die ernste Lage unserer Erniihrung zu bciprechenr Unsere Ernährungslage, so stellte Oberregierungsrat Stadler eingangs fest, ist bitter ernst und wir können über die Situation nur Hinwegkommen, wenn alle beteiligten Kreis« Hand in Hand arbeiten. Was hat die Regierung bisher getan? Darüber gab er eingehenden Ausschluß. Zunächst kämpft sie gegen das wilde Auskäufe rwesen auf dem Lande. Bis jetzt ist 120 Handelsbetrieben die Großhandelserlaubnis entzogen worden. Weiter ist soeben telegraphisch in Berlin die Ermächtigung eingeholt worden, auch den Aufkauf und Erwerb von Ei e r n beim Erzeuger genehmigungspflichtig zu machen. Jedes Ding hat seine zwei Seiten. Wir wenden uns im Bezirk Kassel gegen die höchste Preise zahlenden AuWufer ans dem besetzten Gebiet in der Annahme, daß die aufgekausten Waren. Vie uns verloren gehen, den Franzosen zuffießen, und die Behörden ves besetzten Gebietes beklagen sich über mangelnden Patriotismus in unserem Gebiet. Dennoch glaubt die Regierung, aus dem beschrittenen Wege bleiben zu foCen. Sie hat auch, um der Meinung weiter Kreise, in den Großlägern seien noch viel zurückgehal- tene Waren, gerecht zu werden, unter Hinzuziehung von Verbrauchervertretern eine entsprechende Nachprüfung in die Wege geleitet, über deren Ergebnis demnächst Bericht gegeben werden soll. Ganz besonders sind die Land- räte angewiesen worden, mit allem Nachdruck auf die Landwirie eiuzuwirkeu und sie aus ihre Ablieferungspfplicht, namentlich was die Karlo f f e l n betrifft, aufmerksam zu machen. Sache der landwirsschastlichen Organisationen ist es, in diesem Sinne auf ihre Berufsangehörigen ein» zn wirken. Sollte, was hoffentlich nicht eintritt, dieses Zusammenwirken nicht ausreichen, dann geht es ohne Zwangsmaßnaümen in jedem Fall vcn einwandfrei festgestellter Verfehlung nicht ab. Der Vertreter des Regierungspräsidenten gab der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß den ange- zogenen Bemühungen der landwirsschastlichen Führer Erfolg beschieden ist und die Landwirte, sobald die Witterung sie einigermaßen dazu in die Lage versetzt, in die größeren Städte, in erfter Linie nach Kassel, liefern.
Die Lage der Landwirte setzte Gutsbesitzer Nägel-Crumbach, dessen Name dafür bürgt, daß feine Worte nichts anderes sind als der Ausdruck besonders großer Erfahrungen, eingehend auseinander. Er gab der städtischen Bevölkerung zu bedeuten, daß die Ernte um volle drei Wochen verspätet ist. Die Ernte der gesamten Halmfrüchte (Roggen, Gerste, Weizen usw.) und der erften Hackfrüchte fällt zusammen, und der Landwirt hat nicht Hände genug, um die Ernte bergen zu können. Alles schlägt ihm über dem Kopf zusammen. Innerhalb vierzehn Tagen muß er die Halmsruchternte hereingebracht haben, weil sonst Körnerverlust eintritt und dieser muß gerade in diesem Jahr vermieden werden, weil ein altes Wort sich leider wieder einmal bewahrheitet hat: „Nasse Jahre sind Scheinjahre!" Die erften Probedrüsche, so versicherte er, haben gezeigt, daß nicht übermäßig viel Getreide zu erwarten ist von unserem schweren Boden, im Gegensatz zum Osten, wo allerdings, wie in der Mark beispielsweise, der Sandboden teilweise eine Rekordernte hergegeben hat. Weizen, der etwas vom Rost befallen ist. verspricht keine größere Ernte. Die Kartoffeln sind noch wett zurück. Rach dem jetzt gefallenen lokalen Gewiss «erregen wird, so hofft der Landwirt, wettere Wärme noch etwas nachholen. Gutsbesitzer Nägel bemertte noch, daß die vielen Kartoffeln im Vorjahre sehr billig waren und die Landwirie seien verwundert gewesen, daß sich die städsssche Bevölkerung nicht besser eingedeckt habe. (Die Antwort auf diese Ansicht würde der städtischen Bevölkerung nicht schwer fallen.) Jedenfalls hat sich die Frühkartoffelerttte sehr hinausgeschoben, und auch die Herhstkartosfelernte wird mindc-, stens vierzehn Tage später als in sonstigen Jahren aus den Masst kommen. Der auch später von anderer landwirsschastlicher Seite gegebene dringende Rat ging dahin, den Großhandel zu veranlassen, auf Grund seiner alten guten Be- ziebungen soviel Kartoffeln als möglich aus Ueberschußgebieten im Osten nach Kassel einzu- sühren. Aebnlich wie bei den Kartofseln liegen die Dinae bei der Milch. Die völlig ungenügende
Belieferung der Stadt mit Milch ist neben anderen Dingen, die ein Kapitel für
Anfeindungen im Zn-und Auslande
Die Opposition von links und rechts.
Der (Raub im Ruhrgebiet.
Die Gewerkschaften für Poincarö.
(Eigene Drahtmelduna.)
Paris, 16. Angusi.
Das „Journal des Debats" nieldet, daß in der Sondersitzung der französischen Gewerk- schäften am Sonntag und Montag ein invi- rettes Vertrauensvotum für die Ruhrpolitik Poinear<?s zum Ausdruck gebracht worden ist. Die Tagung der Gcwerlschaften habe nämlich zur Ruhrfrage beschlossen, daß die wirtschaftliche Ausöeutc des R u h r r c - vier8 ausschließlich Frankreich zur Abtragung der deutschen Reparationöverpflichtun- gen zustehe, lieber den gegeninhalilichen Protest der deutsche» Gewerkschaften sei überhaupt nicht abgestimmt worden. — Die sozialisti. kchen Zeitungen Frankreichs veröffentlichen seit Tagen Aufrufe der Regierung an die französische Arbeiterschaft, sich freiwillig für die befchlagnahmten Kohlenwerke und für die befchlognahmten Industriebetriebe des Ruhrgebiets zu melden. Es wird doppelter Lohn in Franken sowie Kontrakt auf 3 Jahre zugesagt.
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Weitere sranzSflsche „Ingenieure«.
Paris, 16. August. (Eioene Drahtmeldung.) Der „Temps" meldet offiziös, daß her deutsche Kanzlerwechkel nicht diejenigen Maßnahmen beeinflusse« könne, die Frankreich zur intensiven wirtschaftlichen Ausbeutung des Ruhrreviers zu rro reifen beschlossen habe. Dir Zahl der fran ösischen Ingenieure würde am 1. September um rund 500 vermehrt und die Inbesitznahme derjenigen Jndustriewerkc, die die Kohlenabqabe verweigern, würde vom gleichen Tage an durchgeführt werd--«.
des Innern weitgehende Sicherungsmaß _________ ______
nahmen durch Polizei u. Feldjäger getroffen.sitzende des Landbundes, daß diese Organisasson,