Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Krimmer 196. Einzelnummer 40000 9Rt. (Sonntags 50 000)
Freitag, 24. August 1923
Einzelnummer 40000 Ml. (Sonntags 50000) 13. FahkgUUg
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Die JMMardenscYSdru.
London, 23. AuHust. (Eigene Drcchimel- düng.) Die „Dailv News" gibt von dem Empfang der ausländischen Presse durch den neuen Neichskanzlch Stresemaitn in einem Berliner Telegramm Aeusscrnngen des Kanzlers über die R'fftrfraae wieder. Dem Blatt zufolne hätten die wirtschaftlichen Schäden des Nuhrein- Marsches für Deutschland bis 1. August h u n- dert Milliarden Goldmark überschritten.
Die «afTeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar nachM'ttags. Der Abonnementsprets betragt für die zweite Halste August 400 000 Mark bei freier Zunellunz in« Haus, tn der BeschästSstebe abgeholt 398000 Mark. Bestellungen werden f ederzeit entgegen.
Verduftung von Änbufiriellen.
Essen, 23. August (Privah-Tekegramm.) In Bochum haben die Franzosen am Dirns- tirg eine ganze Reihe hervorragender Fndn- strievertreter wegen angeblicher Gcssähr düng der Sicherheit der Besahungstruppen verhaftet. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Die SttifeerfdOteeruiig.
Essen, 23. August. (Privat-Telegramm.) General Degoutte hat eine neue Verordnung erlassen, wonach die Ein- und Ausreise ins besetzte Gebiet für deutsche Reichstaasab- aeordnete nur noch von seiner vorfönlichen Genehmigung abhängig gemacht wird.
liivkcit mehr, den StrassenSahnbetrieb fortzusetzen. Der Ausschuß richtete an die SLadtverwal-
SngklsGr Gewerkschaftsvertreter.
London, 23. August. (Eigene Drahimel- dung.) „Daily News" meldet, daß eine neue offizielle Abordnung der englischen Gewerkschaften in das deutsche Ruhrrevier zu einer Informationsreise aögereist ist. Tie überbringe auch eine neue englische Gcwerkschastssvende für not- leidende Frauen und Kinder an der Ruhr.
Die Besetzung bittot!
Paris, 23. August. (Eigener TrabtberiM.) Wie der „Temps" meldet, hat das französische Arbeitsministerium am 17. Aurmst genehmigt, daß alle franzöfischen Arbeiter- und A n -
Ministerpäfident Baldwin ist gestern zur Prüfung der franzSstschen Note (deren Inhalt wir auf der zweiten Seite veröffentlichens in London eingetroffen. Er hat die Sachverstän digen des Schatzamtes beauftraat, sofort ein Gutachten auszuarbeiten. Die Sachverständigen haben der Meinung Ausdruck gegeben, sich vorläufig jeder Aeußerung über den Inhalt der Note zu enthalten. Baldwin erklärte den Vertretern der Presse gegenüber, daß die Note ihm nur durch dic gestern übermittelten Pariser Pressemeldungen bekannt sei, die allerdings auf Grund amtlicher französischer Berichte veröffentlicht worden seien. Wie die „Times" erfährt, ist der von PoincarS entworfene Z a h- lungsplan in der letzt vorliegenden Fassung für dir englische Regierung noch nicht annehmbar, wohl aber geeignet, einer gründlichen Prüfung unterzogen zu werden. Aus alle Fälle kann die französische Note als Ausgangspunkt weiter er Besprechungen zwischen England und Frankreich dienen.
toter der fremden Gewalt.
Verschleppung, Mord und Straßenraub.
(Eigene DrabtmMung.)
Düsseldorf, 23. August.
In Duisburg haben die Franzosen wegen eines angeblich nächtlichen Angriffs auf eine Wache 35 Duisburger BürgeralsGeiseln verhaftet und fort geschleppt. Für Duisburg find strenge Ausnahmebestimmungen erlassen. — In Altenessen wurde gestern ein Bergarbeiter von einem belgischen Poften ersschossen. Ein sechsjähriges Kind wurde schwer und zahlreiche andere Einwohner leichter verletzt. — General Davigny hat in einem Schreiben an den Düsseldorfer Oberbürgermeister Mitgeteilt, daß die Besatzung bis auf weiteres fortfahren werde, deutsche Gelder zu beschlagnahmen, wo sie siefinde. Die Franzosen scheinen die Tröstung in ihrem ganzen Ausmaße wahr zu machen, gehen sie doch neuerdings dazu über, auch Privatpersonen auf der Straße Geld abz«nehmen. So ist hier der Fall bekannt geworden, daß einem Kaufmann 13 Milliarden, die zum Schuhkauf bestimmt waren, weggenommen wurden. Ferner büßte eine Dame 550 Millionen Mark Lahngelder ein, die sie bhi sich trug, durch den Zugriff von Besatzungsangehörigen.
auf schnellste Weise stattfinden müßte, damit nicht jene Kreise durch Verteuerung der Waren alles wieder auf das große Konsumenten-Publi- kum abwälzen konnten. Trotzdem scheint diese Einziehung nicht schnell genug von statten gehen zu können zumal die wirtschaftlich schwächeren Unternehmungen nicht genug berück^tigt sind. Das Reichskabinett hat in außerordentlich wichtigen Sitzungen schleunige Maßnahmen gegen die ständig zunehmende Teuerung und Entwertung der Mark gefaßt. Welcher Art diese Maßnahmen sind, darüber dürste sich der Kanzler im Haupiausschuß am 23. August des näheren aussprechen. Alle dich« Maßnahmen können aber nur zum Erfolg führen, wenn Reichspolitik und Reichsbankpolitik fortan parallel laufen, wie das bisher leider nicht der Fall war. Deshalb ist nach wie vor dringende Forderung der Stunde, als Grundsatz die Wertbeständig- keit der Kreditgewährung einzusühren. J. B.
Der Anfang vom Ende.
Berlin ohne Straßenbahn.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 23. August.
Der Berkehrsausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat gestern abend den folgenschweren Beschluß gefaßt, die Straßenbahnen von G r o ß b e r l i n st i l l z u l e g e n. Dem gesamte« Personal soll noch heute gekündigt werden. Der Ausschuß betont, daß di: Straßenbahn nur aufrecht erhalten werden könne, wenn man den Fahrpreis auf eine halbe Million fest
genommen. B rlag uns RrdaUion: Schlachthokstraß! 20/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. ,vur unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaltivn ein- Gerant« roOrtung oder ffiemäbr in feinem Falle übernehmen. Rückzahlung beS Bezugsgeldes «der Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Sn letzter Stunde
Die amtliche« Versuche.
gestelltenverträge für das non Frank- reich besetzte deutsche Gebiet auf bie Mindestdauer von drei Fahren abzuschließen sind. (!) Aus Poinearüp Ansprache an die Mitglieder brS Gerne inderatrs von EHarle- ville am letzten Sonntag teilt der „Malin" nachträglich noch mit. daß Poinears gesagt hat, er werde an der Ruhr mindestens so lange bleiben, wie die Deutschen in Charleville geblieben seien. Frankreichs Stellung an der Ruhr sei die der wirtschaftlichen Sicherung des Heimattandes. Auch das „Echo" gibt diesen Passus wieder.
rungdie Bitte, die Sraßenbahn in eine privatwirtschaftliche Betriebsform umzuwau- deln, bis dahin aber allen Verkehr ruhen zu lassen. Bereits heute werden Einschränkungen auf der Straßenbahn erfolgen. Von je acht Wagen einer Linie soll nur ein einziger noch verkehren. Die W a g e n f a h r e n zum größten Teile leer. Die Negierung macht eine Hilfsaktion von der Aenderung der Betriebsform abhängig.
® s •
LinsHrünkung 5er Lnöustrie.
Berlin, 23. August. (Privattelegramm.) Wie wir erfahren, sind in der Großberliner I n. dustrie zum 1. September etwa dreitzigtausend Industriearbeiter gekündigt worden. Weitere Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassun- gen werden zum 15. September vorbereitet, nachdem das Aufhören der Exportfähigkeit einer gan- gen Anzahl Industriebetriebe durch die zu hohen Unkosten herbeigeführt worden ist.
Die Forderungen im Lergdav.
Berlin, 23. August. (Privattelegramm.) Wie aus Essen gemeldet wird, hat die gestrige Betriebsräteversammlnng des Ruhrgebiets infolge des neuen Marksturzes Forderungen nach einer Vervierfachung der Schichtlöhne ausgestellt. Mit der Annahme dieser Forderungen würden die deutschen Kohlenpreife auf die fünffache Höhe der Weltmarktpreise steigen,
Frankreichs Antwortnote.
Di» Aufnahme in England.
(Eigener Draht de richt.!
London, 23. August.
Wir befinden uns in Deutschland neuerdina.? wieder auf einer schiefen Ebene. Unsere Preise voran die Kohlenpreise haben den Weltmarkt- h^ls.ühxrstiegen und machen uns konkurreu,- unfahig. Was das heißt zu einer Zeit, wo wir mehr denn fe darauf augewis/cn sind, dura, Ausfuhr die notwendigen Devisen für Le- b en A mitte lein fuhr, Fett. Getreide usw. und für Rohstoffe hereinzuführen, das ist schon früher des öfteren von dieser Stelle gesagt worden. Früher waren aber die Gründe für Ueberschreitung der Weltpreis-Pa- rl.ta.t dann zu suchen, daß sich die Maristüßung V^vtzlich bewährte, sodaß bis vor kurzem eine neue Markverschlechterung, die niemals aus- bieibt, den alten Zustand wieder Herstellen konnte. Heute liegen die Dinge aber anders. Wir haben auch diesmal vorübergehend eine Markbesserung erlebt. Aber die Ueberschreitung der Weltpreise blieb auch bestehen, als die Mark neuerdings wieder und zwar, wie die letzten Newhorker Börsenausweise zeigen, in ganz erheblichem Maße ms Rutschen kam. Ter Unter» Idjteo gegen früher liegt zunächst einmal in dem ~emP° und Maß, in dem sich die Umwertung der Warenpreise früher vollzog und jetzt voll- zieht. Sie liegt aber nuerdings vor allem in der Tendenz, den Wawnpreis nicht nur der Markentwertung von heule, sondern auch bet vorausgesetzten Markentwertung von morgen anzupaffen. Wir haben jetzt den Zustand er- teirbt, daß man sich gegen diejenige Entwertung zu sichern (sucht, die zwar noch nicht eingetreten ist, die man aber für die nächsten Tage bis zur erfolgten Verwertung des Kauferlaffes als unvermeidlich ansieht.
Ein solches „Ueberschlagen der Preise" ließ N auch in Oesterreich kur, vor dem gänzlichen Währungsverfall beobachten und dürfte, von diesem Beispiel herqenommen, ein deutliches Warnungszeichen sein, mit allen Mitteln und unter Hintanietzung aller Widerstände dahin zu arbeiten, daß die Landeswährung einigermaßen stabil wird. Auf einer ganzen Reihe von Gebieten haben wir jetzt schon eine A u f w e r. tun g von Preisen, Transportkosten, ja zum Teil auch von Löhnen, die über bie Weltparität h,nau§gehen. Es ist klar, daß von allen Seiten die Mittel erörtert werden, mit denen dieser zerstörenden Entwicklung Einhalt geboten werden kann, und daß sich die neue Regierung vielleicht mehr noch als die alte den Kopf hierüber zerbricht. Es ist auch nicht so ohne weiteres ersichtlich, wo letzten Endes der Hebel mit Erfolg angesetzt werden kann und muß. Wir glauben, vaß nicht nur an einer Stelle, sondern tu gleicher Zeit aber mit Erfolg an mehreren Stellen eingegriffen werden muß.
Wir haben uns von den letzthin im Reichstage befchloffenen Steuervorlagen so große Wirkung versprochen. Man sagte sich, daß einmal innerpolitisch aus «sozialen Gründen eine nachträglich schärfere Heranziehung des ■ Besitzer und Kapitals notwendig fei, damit deren Besteuerung mit der Entwertung der Mark Schritt hielte und den Klaaen gegen die ungerechte Einseitigkeit des Lohnsteuer-Abzugs ! Abbruch getan würde. Man war sich auch dar- ' über einig, daß diese Einziehung der Steuern i
ft'tzc. Da bei dieser Erhöhung kein Mensch mehr kehren könne und^ci der jetzigen Erhöhung auf 100 000 Mart bemts zehn bis zwölf W a -
stcn politischen Richtungen und Berufsständen an Alle sind jedoch in irgend einer Weis« im öffentlichen Leben führend mittätig. Die erste «chulungswoche fand in Witzenhausen vom 2?- „Juli bis 4. August in der dortigen Kolo, nialfchule statt. Die wurde eröffnet «durch Herrn P^/?ssor R o l o f f, früher Freiburg jetzt Haupt- amtlich bei der Zentralleitung der Reichszentrale für Heimatdienst in Berlin. In seiner B«zrü- nunasansprache konnte er unter anderem auch Vertreter der politischen Behörden, darunter einen Vertreter des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau, begrüßen, die ihrerseits der Veranstaltung den besten Erfolg wünschten und offen anssprachen, daß ihrer Ansicht nach solche gemeinsame Arbeit von Man. nein und Frauen, deren Ansichten in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vielfach auseinander gingen, außerordenilich großer vaterländischer Wert beizumeffen sei. Herr Pro- fessor Roloff betonte die überparteiliche Arbeit der Reichszentrale für Heimatdienst, die nur dem Staate und der Volksgemeinschaft gelte. Mehr als je sei es in nuferem Vaterlande jetzt notwendig, den Blick für das Ganze zu schärfen, b«e Urteilsfähigkeit zu stärken und gemeinsam an der Losung der großen nationalen Aufgabe zu arbeiten Alles Trennende müsse angesichts der fürchterlichen Lage, in der wir uns befänden, zuruckgestellt und das Einend« bervoraehoden wer? den. Behandelt wurden in Witzenhausen
folgende Themen:
Zwei Vorlesungen Über das .Wesen und die Aufgabe der Politik und der politischen Bildung" von Dr. Friedrich Raab, Privatdozent der Universität Gießen, Vorstand der Arbeitsstätte für sachliche Polittk und Referent des Reichs- fparkonrmiffars: drei Vorlesungen itber »auswärtige Politik" und zwar über die Gestaltung und Entwicklung der politischen Kräfte des Auslandes, ihr gegenwärtiges Verhältnis und ihre Bedeuttnra für die deutsche Politik, und die durch viese Kräfte bedingten Ziele und Wege deutscher Politik der Gegenwart von Dr. Brinkmann, ordentlicher Professor der Staat-swiffen- schast an der Universität Heidelberg, Legat!ons- rat a. D. und Mitglied des Kollegiums der deut, «wen Hochschule für Politik in Berlin, drei Vorlesungen über »innere deutsche Politik" und zwar die Gestaltung und Entwicklung der gesellschaftlichen Formen und Kräfte Deutschlands, ihr gegenwärtiges Verhältnis zum deutschen Staat und ihre politische Bedeutung, sowie die hier- durch bedingten Ziele und Wege der deutschen inneren Politik der Gegenwart von Dr. Tbedor Heuß. Studienleiter der deutschen Hochschule für Polittk in Berlin und Schriftleiter der »Deut, irden Nation", und drei Vorlesungen über »Wirt- schgftsvolitik" und zwar die Entwicklung der we- sentlichsten wirtschaftlichen Kräfte der deutschen Volkswirtschaft und die durch sie bedingten wirt- sckafts- und sozialpolitischen Ziele und Aufgaben der deutschen Politik von Dr. Friedrich Raab. — Was die Dozenten — jeder in feiner Art — an tiefgründigem und praktischem Wissen boten, stand so hock, daß es wohl nicht zu übertreffen fein wird. Besonders erfreulich Waren auch die rein sachlichen Aussprachen. Von einem Aus- cinandergehen der Anschauungen war da kaum
Staatsbürgerkunde.
Sine Echnlungswoche.
kürzlich veranstaltete die Reichszentrale für Seimaidienft eint staatsbürgerliche Schn. lungstvocheinWitzenhanfen.worüberunsvre. tatter.« Sllmert Fnlda tote folgt berichtet, Nach Lage der Verhältnisse mußte sich die Reichszentrale für Heimatdienst bisher in der Hauptsache darauf beschränken, Material zu lic- fern in Form von Flugblättern, Richtlinien, Plakaten, Broschüren usw Daneben suchte sie Kurse und Vortragsveranstaltungen verschiedener Art, besonders auch Bild- und Filmvorträge, anzuregen, wvfür sie unter an» berent auch Silber und Filmstreifen lieferte. Immer mehr kam sie so mit führenden Leuten der verschiedensten Organisationen in nähere B«. Ziehung. Durchweg begrüßten diese die sachliche Tätigkeit der Reichszentrale für Heimatdienst und waren gern zur Mitarbeit bereit. Sv entstand im ganzen Reich ein Retz von Vertrauens- leuten, die sich bewußt in den Dienst einer über, parteilichen, staatsbürgerlichen Volksaufklärung stellten. Vielfach traten sie, namentlich in der letzten Zeit, an die Reichszenwale für Heimat- dienst auch mit der Bitte heran, Redner, die fähig und bereit leien, Zeit- und Taaesfragen über- parteilich zu behandeln, zur Verfügung zu fiel- len für Kurse Konferenzen und Versammlungen. Um diesen Wünschen möglichst Rechnung wagen zu können und die ganze Schulungsarbeit in Zu- ftlnst noch planmäßiger und tiefgründiger als bisher zu gestalten, hält die Reichszentrale für Hennatdienst zurzeit drei Schulungs- Wochen ab, die eine Art
Seminar für ehrenamtliche Lehrkräfte ber Reichszentrale für Heimatdienst darstellen so!.
Die Entwicklung der letzten Tage zeigt allzu deutlich, daß wir uns nach der kurzen Atempause, dir bei dem letzten Regierungswech el entstanden war, wieder in der Abwärlsbe- Wogung befinden. Nicht nur das Anschwellen aller Preise, besonders der Lebensmittelpreife und die damit als Folgeerscheinung zutage tretenden neuen Lohn- und Gehaltsforderungen, sondern vor allem die enorme Steigerung oer Kohlenpreife wirken lähmend und erschütterns aus unser ganzes Finanz- und Wirtschaftsleben und drohen zudem bei auch nur kurzem Anhalten zu innenpolitischen Erschütterungen zu führen. Der Hilferuf des Berliner Magistrats au das Reichskabinett, »dringend im Interesse der Aufrechterhaltung der Ruhe, des Verkehrs uno des Wirtschaftslebens feine toeiteie Stet, aerunjt ber Kohlenpreise" zuzulas- t e n, ist em Mahnzeichen und gleichzeitig eine dringende Warnung in letzter Stunde vor ver Fortsetzung des Preisstrigerungswahnsinns. In (wlnem Telegramm vom 18. August 1923 Hw der Magistrat von Berlin an sämtliche in Bewahr kommenden Reichsministerien die dringende Bitte gerichtet, noch in letzter Stunde das weitere Steigen der Kohlenpreife, von dem aus eine neue ungeheure Teuerungswelle auszugehen droht, zu bekämpfen. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß die gesamte Wirtschaft, insbesondere Gas und Elektrizität und nicht in letzter Hinsicht auch die zur Aufrechterhaltung des Psrrtich-asts.eberts so notwendigen großen Ver- kehrsunternehmungen zu Preisen gelangen muffen, die für die Bevölkerung unerträg- l rch sind. Oesfentliche Ordnung und Sicherheit erscheinen tatsäirlich schon heute auf schwerste gefährdet.
Maßrmhmm 6er Regierung.
Schaffung eines Devisenfonds.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 23. August.
Ueber das Ergebnis der gestrigen Besprechungen int Reichsfinanzministerium wird halbamtlich mitgeteilt, daß mit größter Beschleunigung on bie Schaffung eines Devisenfonds herangcc-angen werden soll, der das Reich in die Lage verfett, bessere Ernährungsverhältnisse hcrbeizuführen und die Wäh. rung zu stützen. Das Kabinett hat seine Zustimmung zu den Darlegungen des Reichsfinauz- miiiisters erklärt, wonach beschleunigte gesetzgeberische Maßnahmen und schärfste Bestrafung aller derjenigen gefordert wird, die die Umgehung der Verordnung versml-cn. Die Aussprache ergab weiterhin die Notwendigkeit beschleunigter Maßnahmen, um den Teviscnkauf für dic Zukunft zu stärken. — Die Notverordnung des Reichspräsidenten dürfte nunmehr heute veröfientlicht werden. — Am gestrigen Nachmittag empfing der Reichskanzler die Führer der Parteien. Für heute haben sich die ungeduldig werdenden Ge- wcrr-'chLftei» bei Dr. Kirrsru.»»» ^-«meldet.