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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 236.

Einzelpreis 5 Millionen Mark.

Mittwoch, 10. Oktober 1923.

Einzelpreis 5 Millionen Mark.

13. Jahrgang

Die Ruhriudustrielleu wollen verhandeln.

Drei politische Reden.

Deutschland, das Opfer.

Deutschland wird immer mehr das Problem Europas. Alle Well redet darüber, aber nie­mand tut etwas zur Bcsscrunq der Sage und überläßt das hilflose Land seinem Schicksal. In dieser beklagenswerten Verfassung muß die deut­sche Regierung versuchen, das Reich zu retten. Ob cs gelingt, ist eine Frage, die heute leider noch, nicht beantwortet werden kann, weil die Schwierigkeiten sich täglich zu häufen scheinen und zwar nicht nur außen-, sondern auch innest- politisch. Die Kanzlerrede im Reichstage, die ein Dokument klarer Erkenntnis und ehr­licher Absicht war, bat bei den ertrcmen Parteien rechts und links Widerspruch gefunden, ist von den Kommunisten sogar teilweise niedergebrüllt wordchn, ein Beweis berufsmäßiger Sabotage. Was Reichskanzler Dr. Stresemann sagte, war zwar nicht neu, aber es zeigte, daß er seinen bisherigen politischen Standpunkt aufrecht er­hält. In erster Linie ist bemerkenswert, daß trotz des Aufhebens des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet unsere Forderungen besteben blei­ben. Wir wollen wieder selbst über das Ruhrgebiet verfügen und das Wirischasts- leben in Gang bringen, ohne daß fremde Bajo­nette hinderlich im Wege sieben. Das Kabinett Stresemann .will nicht die Menschheitsrechte der Ruhrbevölkevung aufgeben und denkt nicht daran, auch nur das Geringste dieser Grundsätze preiszugeben". Daneben ist aber der Wille zur Verständigung auf deutscher Seite auch weiter vorhanden. Es wäre also möglich, daß am bis­herigen Zustand sich nicht viel ändert Irank- re-ch wird die Forderung mißachten und die Reichsregierun« wird infolgedessen nicht in der °<»ge fein, zu verhandeln. Die Wirklichkeit wird sich nur insofern anders gestalten, als der mun­tere Zufluß der Reichsaoldsr in das Ruhrgebiet aufhört und die Franzosen genötigt sein werden, die Bevölkerung zu unterhalten, wenn nickt all­gemeine Rot und wilde Unordnung dort cintre- fen soll. Dicker werden sich unter dem Druck der Verhältnisse auch Arbeitskräfte bereit finden, unter der französischen Regie zu arbeiten, aber nur, wenn die Franzosen flkr genügend Lebens- mittelzufuhr sorgen und einige andere Bedingun­gen der Arbeiter zu erfüllen. Währcvd das Ver­hältnis zu den Alliierten nock ungeklärt bleibt, wird sich die Re>chsregierung bemühen, im In- ndrn unter dem Ausnahmezustand durch die be­kannten Reformen Ordnung zu schaffen.

Dos deutsche Bemühen wird aber nach wie f-or von allen Seiten erschwert. Wäre es mög­lich. die inneren Hindernisse z» beseitigen, die auch die Deutschnationalendem Kabinett berufen, so lägen doch noch die fremden Steine im Wege und noch immer ist es P o i n c a r 6, der uns iebe Bewegungsfreiheit raubt. Seine letzte Sonntagsrede überschreitet noch das seit­herige Maß der gemeinen Lüge und Hetze, läßt aber mit voller Deutlichkeit erkennen, daß von Frankreich nicht das geringste Entgegenkommen zu erwarten ist.Welches auch die Männer sind, die in Berlin an dis Regierung kommen, die deutsch« Währung besiimmen wir, und w'r be- aftsichtiaen. uns selbst treu zu bleiben." Darin gipfelt Voinearös volitiscke Weisheit. Nickt auf Verständigung ist sein Streben asiicktet, sondern auf die Fortsetz nngder Gewalt und U n- t c r d r ü ck u n g. Kann eine deutsche Regierung mit Erfolg an der Währungsreform arbeiten, wenn d^r französische Abenteurer ihre Pläne durchkreuzt? Kann ein deutsches Arbeitszeitgesetz 'ws Nutzen bringen, wenn die Franzosen die deutschen Westvrovinzen vom Reiche getrennt halten, so dass das deutsche Wirtschartsleben weiter unterwühlt wird? Es ist ja bitter, so etwa? saged tu müssen, aber man darf sich der Wahrheit nicht verschließen: solange die ftanzö- nschc Räubervokitik betrieben wird, sind für Deutschland die Aussichten schleckt. Man be­trachte die Devisenkurse, die die deutsche Mark ungefähr auf die Wertlosigkeit des r"fsiscken ^""^i.strudels herabgedrückt haben. Diese Ent­wicklung sollte zum mindesten eine Warnung für aewisie deutsche Parteiströmnngen fein, die die veutfche Einheit untergraben, denn sie besorgen damit die Geschäfte der Franzosen!

Nickt minder oefährsich für 'Deutschland ist Englands nntätias Haltung. Wollte man dem e-tzen Teil der Rede ertauben. die der Außen­minister Curzon vor der britischen Reichskon­ferenz über Deutschland gehalten bat. so könnte man darin eine Begünstigung erblicken. Er be- *'m+e wieder, daß tue französisch-belgische B e - setzuna deutscher Geriete ein Nur eckt und außerdem zwecklos sei, da sie Deutschland -ablunasunfghig mache. Weiter sagte er. die deutsche Regierung haße die ehrliche Absicht, die Revargtionsvfljchten zu erfüllen, aber sie würd- von Frankreich daran ge­bindert. Die europäische Page könnte also t-nost geregelt fein. Trotz dieser Kritik an der französischen Politik schwenkte Curzon aber

plötzlich wieder um und biederte sich von Neuem bei Frankreich an mit den Worten:Wie es auch sei, unser Svmpathiegefühl gehört im­mer unseren arten und vertrauten Ver­bündeten." England habe nie das geringste Verlangen gehabt, sich auf die Seite Deutschlands zu stellen. (!) Auch der Ministerpräsident B a l d- w i n hat sich wieder mit Frankreich einverstan­den erklärt. Das ist die alte Politik britischer Doppelzüngigkeit, die zugleich spuckt und leckt. Eine unaufrichtige Methode, von der wir keine Freundlichkeit erwarten dürfen. Deutschland steht noch allein in der Welt und wird auch für absehbare Zeit, wenigstens solange es arm und hilflos ist, allein bleiben. Dar cus ergibt sich für die Regierung die Aufgabe, trotz Poinear^, Cur­zon und Baldwin die inneren Reformen durch­zuführen. um nochden letzten Versuch" zu ma­chen. Daß dazu zunächst Einigkeit und Bereit­schaft zur Mithilfe nötig ist, sollte für alle Parteien selbstverständlich fein! K. F. D.

Ultimatum an das Kabinett.

Forderungen der Ruhrindustriellen.

(Privat-Telegramml

Berlin. 9 Oktober.

Die von Hugo Stinnes geführte Gruppe der Großindustriellen bot gestern der Neichsregierung zehn ultimative Forderungen überreicht. Die wichtigsten dieser zehn Forderun­gen sind:

1. Ermächtigung einer Kommission deutscher Industrieller, Verhandlungen mit der Besatzungsbehörde zu führen.

2. Schaffung einer Eisenbahnbetriebs­gesellschaft im besetzten Geb et, an der das Rheinland. Frankreich und die Industrie betet ligt sind.

3. Heraufsetzung der Arbeitszeit auf 8s; Stunden untertags und 10 Stunden über Tag.

Die Forderungen der Großindustriellen ha­ben die Gefahr eines Machtkampf.s zwischen Stresemann und den Ruhrindustriellen sowie m t dem ganzen besetzten Gebiet herausbeschworen und die Stellung des Kabinetts von neuem gc- sährdet. Die Forderungen Stinnes' erfolgten im Auftrag der Industriellen, die mit General D e - goutte verhandelt h b:n. Das Ultimatum for­dert Antwort bis heute Dienstag 6 Uhr. Das Kabinett Stresemann ist sofort zu einer S tzung zusammengetreten und wird sich auch heute in einer neuen Sitzung mit den Forderungen der Ruhrinduftriellen eingehend beschäftigen.

Voiiiik oder WiltsTost.

Duisburg, 9. Oktober. (Privattelegramm.s Tie Forderungen der Ruhrindustriellen beleuch­ten btitzartig den Ernst der Lage im besetzten Gebiet. Eine gewisse Er eich.ttrung besteht nur in der Hoffnung, daß das Ruhrgebiet vor dem öffentlichen Machtkampf zw schen dem Kanzler und den Großindustriellen, also zwischen Politik und Wirtschaft, bewahrt bleibe. Eine gewisse Erleichterung war auch am späten Abend insofern zu verfpüren, als der Zechenverband die Durchführung seiner Be-- schlüsse um einiac Tage aussetzen will, um dem neu gebildeten Kabinett nicht gleich zu Beginn große Schwierigkeiten zu bereiten.

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Die Besprechung del Degoutte.

Düsseldorf, 9. Oktober. (Privattelegarmm.) Wie verlautet, haben die Herren Stinnes. Bög­ler usw. nicht als Privatpersonen Besprechun­gen mit dem General Degoutte gehabt, sondern als Delegierte des Bergbaulichen Vereins für das Rheinland und Westfalen. Sie haben vorher versucht, den Reichskanzler zu sprechen, der sedoch wegen der innerpolitischen Schwierigkeiten zu stark in Anspruch genommen war. lieber die Verhandlungen mit dem General Degoutte ist dem Reichskanzler von den genann­ten Herren sofort Bericht erstattet worden.

Wiederaufnahme der Arbeit.

Bedingungen der Kontrollkommifston.

(Eigene Drabtmeldung.)

Düsseldorf, 9. Oftober.

Auf angebliche Anfragen von deutschen Ar­beitern erklärt die alliierte Kontrollkonmttssion, daß sie für die Wiederaufnahme der Arbeit im besetzten Gebiet folgende Bedingungen stelle: 1. Die Betriebsräte bebalten ibr Reckt der Ueber- wachunn bei. 2. Die vertriebenen Arbeiter kön­nen in die befebten Gebiete zurückkehren. 3. Das Gesetz über die Betriebsräte bleibt in den Gru­ben in Kraft. 4. Die Häuser der Arbeiter wer­den diesen wieder zur Verfügung gestellt. 5. Der Wert der von den Arbeitern anläßlich der Be­

setzung der Gruben zurückgelassenen Gegenstände wird ihnen zurückerstattet. 6. Tie Grubenarbei­ter erhalten die zur Heizung ihrer Wohnungen notwendigen Kohlen. 7. Die Gruben werden nicht militärisch besetzt. Außerdem habe man die Betriebsräte wissen lassen, daß man auf die von ihnen verlangte Aushebung der Austrei- üungsorder betreffend die Direktoren, sowie auf die Entlassung ausländischer Arbeiter, die in den Gruben tätig sind, nicht eingehen könne. Ueber die Arbeitszeit ist nichts erwähnt.

Vertrauen zur Negierung.

Ergebnis der Reichstags-Aussprache. (Privat-Telegrammt

Berlin, 9. Oktober.

Um Mitternacht hat der Reichstag nach einer neuen großen Rede Strescmanns die politische Aussprache zum Abf luß gebracht und in ein­facher Abstimmung dem zweiten Kabinett Stresemann das Vertrauen, ausge­sprochen. Das Vertrauensvotum hat Mgen- den Wortlaut:Der Reichstag billigt die Erklä­rung der Reichsregierung und spricht ihr das Vertrauen aus." Für das Vertrauensvotum stimmten die Parteien der großen Koalition. Die Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz ist auf beute nachmittag zwei Uhr anberaumt worden.

Erledigung von Anträgen.

Berlin. 9. Oktober. (Privattelegramm.) Der deutschnationale Antrag auf Aufhebung des Ausnahmezustandes wurde vom Reichs­tag abgelehnt. Der kommunistische Antrag auf Aufhebung des bayrifchen Autznahmezustan- W »L dem -siecktsüusfchutz überwiesen. Abze lehnt wurden verschiedene kommunistische An- träne über die Vorzensur. Dafür stimmten nur die Kommunisten. Der sozialdemokratische Antrag zur Regelung derbayrifchenFrage wurde mit den Stimmen der Koalitionsvarteien angenommen. Vorher hat es noch eine scharfe Auseinandersetzung zwischen den Deutschnatio­nalen und Reichsw-Hrminister Dr. Geßler über die Vorgänge in Küstrin gegeben.

Am das Ruhrgebiet.

Die Wirtschastsbesprechungen bei Degoutte. (Sigener Drabtbericht.)

Düsseldorf, 9. Oktober.

An maßgebenden französischen Stellen wurde gestern abend erklärt, daß die Unterhaltungen, die in Düsseldorf zwischen dem General Degout­te und verschiedenen deutschen Industriellen im Gange sind, einen befriedigenden Verlauf neh­men. Ueber den Inhalt dieser Unterhaltungen und Verhaubungen will man nichts sagen, bevor ein Ergebnis erreicht ist und bevor hinsichtlich der Behandlung der vorliegenden Fragen zwi schen Paris »nd Brüssel praktisch vollkommene Einigkeit vorliegt. Man erklärt jedoch, daß es sich bei diesen Besprechungen nur um Fragen technischer und beschränkteer Art han­delt, die eine Regelung der Reparat onssrage keineswegs Hervorrufen können, sondern nur vorbereitenden Charakter haben. ES ist nicht auSgeWoffen. daß bei diesen Besprechungen ein­zelne Puntte der gesamten Reparationsfragen in ihrem allgemeineren Sinne berührt werden. In der Frage der Sachlieferungen jedoch betrachte man französischerseits berartige Fragen als für die Gesamtheit der Alliierten von Interesse, sodaß die Reparationskommiffion das zustehende Organ für ihre Behandlung sei.

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Dir Zwangsmaßnahmen.

Düsseldorf, 9. Oktober. (Privat-Tele- gramm.) Der PariserTemps" meldet: Dzr fran­zösische Botschafter hat am 6. Ottober der deut­schen Regierung angezeigt, daß die Zwangs­maßnahmen im Ruhrgebiet solange nicht eingestellt werden, wie die deutschen Sach- üeferungett für Reparationszwecke ausbleiben. Wie derMotin" aus Düsseldorf meldet, ist dem deutschen Antrag auf Aushebung des Geiselsystems für die Regiezüge nicht ent­sprochen worden. Laut einer Düsseldorfer Meldung wurden 1172 deutsche Be amte des Ruhr- und Rheingebiets von den BesatzungS- behörden aufgeforberi, bis 31. Ottober ihre Ent­lassung aus dem Verwaltungsdienst des be­setzten Gebietes zu nehmen. Die Turiner Stampa" meldet aus Rom, daß Mussolini einer Erweiterung der Vollmachten der Ruhr- Jngenieurkommission zugestimmt hat. 214 weitere italienische Ingenieure sind am Freitag in das Ruhrgebiet abgegangen.

Äwischen-Wähmng.

Betrachtung eines Fachmannes.

Der Gescü -7 Inhaber der Darmstädter, »nd Rationalbank, Dr, Schacht, der jetzt,nm RetchSstnanzminister audersrh-n war, ma t folgende Dedenke» «eg«» eine Zwiichen- lösnng der Währung frage geltend r

In der gegenwärtigen innerpolitischen Krisis spielt die Frage der neuen Währungsbank eine nickt geringe Rolle In allen Kreisen beste­hen starte Bedenken gegen den vorliegenden Entwurf des bisherigen Finanzministeriums, und dock hat jeder das Gefühl, daß irgend et­was zur Milderung unseres Wahrungselends geschehen muß Leider schernt es, daß der Mut zu der einzig richticn Lösung, der Errichtung einer privaten Goldnotcnbcmk. nicht gefunden wird Die wenigen Befüworter des Entwurfs halten die Rückkehr zur Goldwährung aus m- ncrpolisischen Gründen für verfrüht. Ich stehe demgegenüber auf dem Standpunkt, daß ledig­lich die Rückkehr zur Goldwährung al­len Kreisen, insbesondere auch den Arbeitern, diejenige Klarheit über den enormen Rückgang unserer Währugnsverhältnisse ßeben totTb bie wir bis heute vermissen. Jedes Sich-Blendcn- lasfen von den großen Papieriummen hort lu dem Augenblick auf, wo wir unsere Wirtschaftse bilanz an allen Stellen wieder 'n Gold Zif­fern vor uns sehen. Die Notwendigkeit, zu größerer Produktivität zu gÄangen, wird nickt durch immerwiederkehrende Ermah­nungen, sondern nur durch den

Zwang unverschleierter Tatsachen sich durchsetzen. Abgesehen von vielen einzelnen Unklarheiten des Entwurfs ist nun,geradem diesem Grundgedanken die neue Wahrimgsbank völlig verschlt. Die geplante Neumark ist in keiner Weise davor geschützt, einen ähnlichen Ent- wertungsprv;cs. durchIttnachfd,- Va^er- mark Selbst die Väter des Entwurfs wollen deshalb die Währnngsbank nur als eine Zwi­sche nlösung. Run sieht aber der Enttnurs, so wie er zurzeit vorliegt. als eine Vorhedm- guna des Endes der Währungsbank die Rück­zahlung der dem Reiche seitens der B-ank gewahrten D a r l e h e n vor. Ta das Relch stch bei der Währungsbank Kredite bis zum Betrage von 1,2 Milliarden Neumark Vorbehalt, so fragt man fick unwillkürlich, wann wohl das Rmch in die Lage kommen wird, diese Kredite zurnck- zuzahlen. Wenn die Dauer, der Bank Mo von dieser Bestimmung abhängig gemacht werden soll, so fürchte ick, wird sie ein sehr langes «eben haben. Die D e ck u n a der N o t e n soll n sünfprozentigen Rentenbriefen bestehen, bie auf einer secksprozensigen Grundsckuld all-r Immobilien in Höhe von. 4 vom Hundert des Währungsbeitrages fundiert sind und, E ebensolchen Obligationen zu Lasten deriemgen Unternehmungen, bei denen erne immobile Be- lastuna nickt möglich ist. Diese Gr und schul den und Obligationen treten h-nter cme etwaige Reparationsbelastting zuruck, gehen * t sonst allen Belastungen vor. .®elbft wennman davon absieht, daß es unmöglich sein durste, die eventuelle Erekutierung solcher Obligationen ber kommerzyiellen und anderen mit stark mobilem Kapital arbeitenden Unternehmungen durchzu­führen, ist es klar, daß der Amvruck auf eme Rente den Anspruch aus Go.o nicht ersetzen kann. Im Verhältnis zu den niemals aus dem Verkehr auszusckaftercken Tevisen-Zaklitngsm,.i teln wird also die Neumark von vornherein mit einem starken Disagio zu rechnen Haven. Eine _ .,.

internationale Zahlungskraft wirb sie nicht erlangen. Sehr seltsam ist die Stellung, die der Entwurf den Wrtschastsverbänden zuweist m deren Händen die L e i t 'l n a der Wn^rnnssbank liegen soll Hier ist offenbar e-.m WVck»loMche Wirkung beabsichtigt, wonach die Neumark mehr Vertrauen finden soll, wenn die Leitung in privatwirtschaftlichen Händen als in staat­lichen liegt Man muß sich sckou wundern, daß eine Staatsregieriing der. Anschauung von der Ueberlegenheit des privaten Kred ites gegenüber dem des Staates Vm,chub leiste! i wird hier den wirtschaftlichen Kreisen eine mo, ralische Verantwortung zugeschoben, die sie frei­willig zu übernehmen voraussichtlich niema.s Md bereitfinden lassen würden Die Gar antien. die der Währungsbank mdgegSbcn werden, er­folgen durch eine zwanqswe11e auieregt Belastung die sicherlich in dem Augenblick hinfäll^ wird, wo der Staat nicht imstande ist, diese Belastung im Ernstfälle zu exekutieren. Etwas ganz anderes ist es. wenn bei einer pn- vaten Goldnotenbank das Kapital durch irn- willige Zeichnungen vor Aktionar>m aumebvickt wird In diesem Falle wurde daS Reich unter seiner Kontrolle die private Initiative einer sol­chen Bank stark heranziehen können, die bei dem vorliegenden Entwurf Völl a. auseeschlossen ist. Der Grundfehler des Eniwurws als.einer way- rungspolisischen Maßnakmie liegt dann, daß bet ihm nickt der Währungsvolitiler. sondern der