Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 245.
Einzelpreis 20 Millionen Wart.
Sonnabend, 20. Oktober 1923.
Einzelpreis 20 Millionen Mart.
13. Jahrgang
Verschärfter Gegensatz zu Sachsen.
Gefahr für bas Reich.
Sachsens Sonderstellung.
Deutschlands Lage wäre bester, wenn neben den außenpolitischen Schwierigkeiten nicht auch die inneren ständen. Zweifellos wirken die Unruhen ungünstig auf die Wart. Hatte der Ausnahmezustand schon die Stellung zwischen dem R^ich und Bayern auf das äußerste gefährdet, so ist dies noch mehr der Fall durch die jüngsten Ereignisse in Sachsen. In Sachsen hat sich der Kommunismus mit der Sozialdemokratie verbündet. Durch die kommuniMch-sozialdemo- kratische Regierung sind die für die wirtschaftlichen Verhältnisse wichtigsten Ministerien, Wrt- schaft und Finanz, in die Hände der mmutt i st e n Böttcher und Heckert gelegt, der Kom- munist Brandler ist als Ministerialdirektor in die sächsische Staatskanzlei gekommen. Was das heißt, mag man am besten aus dem Umstande erkennen, daß er erst vor vierzehn Tagen in der Petersburger Zeitung »Prawda* die Erklärung der Macht in Deutschland durch die Arbeiterdivisionen als vollkommen ausführbar erklärt hat. Nun hat der oben bezeichnete sächsische Finanzminister in einer von den Kommunisten einberufenen Versammlung in Leipzig Ausführungen gemacht, die ebenfalls geeignet sind, schwerste Bedenken zu erregen, und mit Sorge auf die weitere Entwicklung in Sachsen hinzublicken. Er führte unter anderem aus: .Die Koalitionsregierung hat bankrottiert. Es gibt nach dieser Entwicklung, in der wir stehen, entweder eine weiße oder eine rote Diktatur. Das Proletariat muß bewaffnet werden. Die Klastenorgane des Proletariats sind die Träger des proletarischen Befteiunaskamp- fcs. Die proletarischen Hundertschaften, Aktions- ausschiisse. Kontrollausschüsse, Betriebsräte, allez das, was sich die Arbeiterklasse geschaffen und gebildet hat in langem Kampf, das sind Organe, mit denen das Proletariat heute seinen Kampf führen muß.*
Diese Ausführungen haften zur weiteren Folge einen Protest der erwähnten Versammlung gegen das Verbot der proletarischen Hundertschaften. Demgegenüber hat der Wehrkreis- kommandeur General Müller, Stellung genommen. Der Kampf zwischen dem dortigen Wehrkreiskommando und der sächsischen Regierung. der ohnehin durch die Auflösung der proletarischen Hundertschaften einen gewissen Gegensatz hervorgerusen hatte, ist dadurch nur noch mehr verschärft worden. General Müller ist vollständig im Recht, wenn er in seinem Schreiben an die sächsische Regierung in den Ausführungen des Ministers Böttcher eine .offene Kampf ansaae gegen die Maßnahmen der Reichsregie- rutui" erblickt, da die Aufforderung zur Bewaffnung .gleichbedeutend mit dem Aufrufe zum bewaffneten Kampf ift*. Die Rede stellt sich auch als .ein Verstoß gegen die von General Müller auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 26. September erlassenen Verordnungen bar.* Es geht in keiner Weise an. daß sich ein Minister eines Landes, der auf verantwortli' chem Posten steht, derartig in Aeußerungen ergeht, die sich direkt gegen die Maßnahmen der Rcichsregnerung wenden und auch die breiten Volksmassen gegen diese Maßnahmen aufhetzen.
Gerade in Westsachsen ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen, denen die sächsische Polizei mit bewaffneter Macht entgegentrat. In den Dörfern erschienen unter Füh- großer Zahl und .kauften* bei den Bauern Kartoffeln weit unter dem Tagespreis Auch zu Mißhandlungen und blnftgen Zusammenstößen kam es. ohne daß an staatliche Abhilfe für die einzelnen Fälle und für die Zukunft zu denken ist. Wetter wird berichtet, daß proletarische Patrouillen sich nachts zwilchen verschiedenen Orten be- >vegen, Fabrik- und Privatqebäude bewachen und Haussuchungen vornehmen. Alles vollzieht sich unter dem fühlbaren Druck sogenannter .proletarischer Selbstschutzverbände*.
Daß mit diesen Zuständen aufgeräumt wer den muß, bedarf gar keiner Frcuze. Run gibt das Vorgeben des Militärbefehlshabers neue Konfliftsmöalichkeiten, die selbst unter Umständen ihre Wirkung auf die eben wieder gegründete große Koalition itnb das Reichskabineft haben könnten Der sozialdemokratische Parieivorstand bat sich bereits am Dienstag mit dem militärischen Ausnahmezustand, und dem durch ihn geschaffenen Zustand in den einzelnen Ländern beschäftigt, und fordert schleunigste Aufhebung deS militärichsen Belagerungs zuskandes. Weiteste Kreise der sozialdemokr-fti- schen Partei waren so wie so schon gegen die große Koalition, und dürften ihren Kampf dageen nur noch mit verstärkten Mitteln ftthren. Und da fragt es sich, ob es der Gesaint- fraftion gelingen wird, hier einen Weg der Der« ständiganst zu finden. Leicht wird das nicht -ein, denn gerade der sächsische Ministerpräsident Dr. Zeigner Hai trotz seiner hoben Stellung bis
her wenig diplomatische Fähigkeit entwickelt. So droht zu den ohnehin großen außer polt tischen Erschwernissen für die Regierung auch noch dieser innenpolitische Kampf, der naturgemäß bei der jetzt gerade wieder einsetzenden Aktivität hemmend und schädigend wirken muß Man fragt sich in weitesten Kreisen des vernünftig denkenden deutschen Volkes: .Muß das so sein , und ist erbittert über die Störenfriede. die den Reichs ei nhcitsgedanken unterwühlen. J. B.
Das bolschewistische Sachsen.
Zeigners verräterische Reden. liSrivat-Lel-gramm.r
Dresden, 19. Oktober.
Die angeblichen Enthüllungen des sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner im Landtage waren nichts als Klatsch, der allerdings an Hochverrat grenzt. Zeigner erklärte unter anderem, es würden von der deutschen Reichswehr in den verschiedensten Orten seit vielen Monaten große Massen Soldaten ausgebildet, von denen die Entente nichts wisse und nichts erfahren dürfe. (!) Dennoch wäre die Entente genau über alles unterrichtet und zwar durch den Spionagedienst, (!) den der französische Franken auslöse. In Stralsund, Döberitz, Lübben und Küstrin seien viele taufende ungesetzliche Formationen der Reichswehr versammelt, die der Entente verheimlicht würden. In diesem Sinne gingen die „Enthüllungen" weiter. Die bürgerlichen Parteien sprechen allgemein ihre Entrüstung über den Ministerpräsidenten aus. Obwohl die Behauptungen unwahr seien, so stellten sie doch einen offenen Landesverrat dar. Alle Redner der bürgerlichen Parteien verlangten das sofortige Einschreiten der Reichregierung gegen Zeigner wegen Landesverrat. Im weiteren Verlauf der Debatte kam es zu wüsten Lärmfzene«. Die Ab- geordneten bedrohten sich gegenseitig.
Entwaffnung ver roten Hundertschaften.
Berlin, 19. Oktober. (Privattelegramm.) General Müller in Dresden hat gestern die Reichsregierung um weitere Instruktionen ersucht. Die gestrige Sitzung des Reichskabinetts galt lediglich den Dresdener Vorgängen. Die Antwort des Reichswehrministers ist umgehend nach Dresden abgegangen. Die Fern- sprechleitungen mit Dresden waren gestern mehrfach gesperrt, da sie ganz für militärische Gespräche reserviert waren. Obwohl über den Wortlaut der neuen Jnstruttionen Stillschweigen bewahrt wird, kann doch gesagt werden, daß es bei den bisher von der Reichsregierung erlassenen Vollmachten bleibt. Die Auflösung der roten Hundertschaften in Sachsen wird zwangsweise durchgeführt. Entwaff- nungsmatznahmen werden durch die Polizei vorgenommen. Erst wenn der polizeiliche Dienst Widerstand erfährt, soll die Reichswehr in großem Umfange in Sachsen eingesetzt werden.
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Beabsichtigter Widerstand.
Dresden, 19. Ottober. (Privattelegramm.) Das sächsische Kabinett hat gestern den Wiverstand gegen die Anordnungen des Militärbefehlshabers beschlossen. Rach der entscheidenden Kabinettssitzung empfing das Kichineit di« Vertreter der sächsischen Betriebsräte. die die Arbeiterschaft zur Verfügung der Regie- rang stellten und die Proklamierung des politischen Massenstreiks in Vorschlag brachten.
Derstürkuno der
Leipzig, 19. Oktober. (Privattelegramm.) Wie die Blätter melden, find zur Verhütung weiterer Terror-Akte etwa dreitzigtausend Mann Verstärkungen der Reichswehr gestern in Sachsen eingetroffen. Die wichtigsten Städte des sächsischen Industriegebietes sind von ihnen belegt. Es handelt sich vorläufig um Sicherheits- maßnahmen, um weitere Störungen der Ruhe und Ordnung zu verhüten. — Im Vogtland, besonders in Adorf, Aue und anderen Jndustrie- orten, ist es gestern zu neuen Revolten der Arbeiterschaft gegen die Fabrikanten gekommen. Die Polizei hat zahlreiche Ruhestörer verhaftet.
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Boyern argen Sachsen.
München, 19. Oktober. (Privattelegramm.) Die bayerische Staatszeitun« teilte gestern abend
mit, daß Bazern die diplomatischen Beziehungen mit, daß Bayern die diplomatischen Beziehungen kommunistische Partei, die erbittertste Feindin des Reiches, in der sächsischen Regierung vertreten sei. Bayern sei nicht in der Lage, einen neuen sächsischen Gesandten oder Geschäftsträger zu empfangen. Zugleich habe die bayerisch« Regierung ihren Gesandten bei der sächsischen Regierung abberufen.
Tschechisch« «Grenzsperre.
Prag, 19. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Die Grenze gegen Sachsen ist militärisch gesperrt, um das Uebergreifen der kommunistischen Unruhebewegung auf die Tschecho-Slowakei zu verhindern. In der letzten Woche find über 100 tschechische Kommunisten nach Dresden gereist, wo sie als Gäste des sächsischen Staates (!) an den Beratungen eines internationalen proletarischen Kongresses teil- genommen haben.
Wahrung undpreisabbau.
Eine Erklärung des Innenministers.
Berlin, 19. Oktober.
Maßnahmen des Reiches zum allgemeinen Preisabbau erfolgen, wie der Reichsministcr deS Innern in der gestrigen Unterredung mit den Gewerkschaftsvertretern ausführte, erst n a ch der Einrichtung der neuen Rentenbank. Ein ftüheres Eingreifen müsse sich auf den Schutz vor Wucher und vor Warenzurückhaltung beschränken. Entgegen beunruhigenden Meldungen aus dem besetzten Gebiet von einer Nichtzulassung der neuen Rentenmarkwährung im besetzten Gebiet teilte der Minister mit. daß die Interalliierte Kommission gestern entsprechend be- nachrichigt worden sei und daß Befürchtungen über eine Nichtzulassung der Rentenmarkwäh- rung im besetzten Gebiet nicht beständen.
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Die JtentenbanT ab 1. November.
Berlin, 19. Oktober. (Privattelegramm.) Nack den Beschlüssen der Reicksregierung über die neue Währungsbank wird der offizielle Geschäftsbetrieb der Bank am 1 November ausgenommen. Bis dahin sollen die Vorarbeiten auch über das Wertverhältnis der Papiermark zur neuen Rentenmark abgeschlossen sein. Im Kabinett wird zurzeit erneut beraten über die Wertanpassung der Hypotheken und über die Einstellung des Banknotendrucks der Reichsbank für den 16. Dezember d. Js.
tim Deutschland.
England befürwortet eine internationale Anleihe, («fcifltn» Drabtmelduna.»
London, 19. Oktober.
Rach einem Bericht der „Times" ist die fran- zöfische und belgische Regierung bereit, sich mit England über die deuffchen Reparationen zu verständigen. Unter den brittscheu Vorschlägen befinde sich auch die Bewilligung einer internationalen Anleihe an Deutschland für Sanierungszwecke. Nach Auffassung leitender englifdjfer Kreise werde es allein von dieser Anleihe, die jetzt in ihr entscheidendes Be- ratungsyadium trete, abhängen, ob die deutschen Finanzen noch zu reorganisieren sind, was nur unter strenger Finanzkonttolle möglich sei. Jedenfalls löse das deutsche System einer Zwi- schenwährung die deuffche Finanzkrise nicht. Die Rentenmart stelle nur eines der neuen Experimente Deuffcktands dar. die aus der Katastrophe nicht herausführen, vielmehr zu sehr an die berühmten Dekrete des französischen Di- rettoriums von 1796 erinnerten, die auch schon einmal die Hypothekenbelastung in den Dienst der Banknotendeckung gestellt hätten, ohne daß sie den Absturz hätten aufhalten können.
Das deutsche Angebot.
Paris, 19. Oktober. (Eigene Drahtmrtdung.) Rach den Andeutungen des deuffchen Geschäftsträgers zu Poincars soll das neue deuffche Angebot weit über denjenigen Zugeständnissen liegen, die Reichskanzler Cuno am 14. Juni den Alliierten unterbreitet habe und die Englano als Grttndlage z« Verhandlungen bezeichnet hätte. Man könne eine Verdoppelung der damaligen deuffchen Zugeständnisse erwarten. (?)
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Belgien« Haltung.
Brüssel, 19. Oktober. (Prtvattelegramm.) Der Courant meldet: Minister Jasper erklärte in der Tagung der Handelskammern ein neues deutsches Angebot liege ihm noch nicht vor. Sobald ein solches eingegangen sei, werde auch die belgische Oeffenttichkeit Gelegenheit erhalten, zu den deutschen Vorschlägen Stellung zu nehmen. Einer friedlichen Ausgleichung der Gegensätze mit Deutschland stehe Belgien nicht im Wege.
Behörden und ßreffe.
Sin vorbildlicher Erlaß aus der Pfalz.
Da« naWfeleenbe9tun»f<6«ei»en ver Pfälzische» NrelSregiern rg an die ihr unterfiellten Der- toaltttnge» «ft eia demerirnswerie« Zeugni« fii» da« hohe V-rstiindni« einer Behörde fite da« We r» und die Aufgaben der Preffe vorn-hm. «ich der Seimatpresst. Sie sollt« allen BehSrden gum Vorbild und zur Nacheiferung dienen.
Alle Verheerungen cm Sach- und Stoffwe» ten zählen im Leben einer Nation Wenig, solange ein Volk die von den Vätern überkommenen Kulturgüter zu wahren und zu mehren weiß. Hierzu gehört vorab der geistige Besitz, der ferne vornehmste Ausprägung nicht in letzter Linie in dein deutfchen Schrifttum und der deutschen Presse findet. Diesen geistigen Besitz vor der Vernichtung aus dem wirtschaftlichen Trümmerselde in die Zukunft hinüberzuretten, ist die Aufgabe der Stunde.
Es tut not. daß das deutsche Volk — bewußt des sittlichen Ernstes der ihm anvertrauten Ver. antwortung vor der Zukunft — sein geistiges Evbe nicht verkümmern läßt. In diesem Sinne gilt es alle, die guten Mllens sind, zur opferbereiten Hilfe für die sterbende deuffche Presse und für das mit ihr innig verbundene Schrifttum aufzurufen. Weit üb»r ihren ursprünglichen Zweck, der Nachrichtenübermittlung hinaus- gewachsen, stellt heute die Presse den schrift- gebundenen Ausdruck des Geisteslebens eines Volkes in all seinen Schwingungen und Regungen dar. Diese unsichtbaren Kräfte in stetem Kreisläufe in die Blutbahn des Volkes und all seiner Teile zu leiten, ist die Aufgabe vorab der Provinzpresse, die -- fein verästelten Adern gleich — den Körper der Ration durchdringt. Die Zeitungen bilden die ungezählten Kanäle, durch die sich' Fühlen und Denken, Wollen und Hoffen der Gesamtheit dem Einzelschickfal vermittelt und erschließt. Die deutsche Provinzpresse ihrerseits spiegelt das regionale Eigenleben wieder und bringt dieses als wertvollste Einlage in die Bildung des Ge- samtwtllens der Nation ein.
Die Provinzipresse der Verelendung preiSge- gebeu, heißt alle jene Lebensbahnen im Sein eines Volkes unterbinden und kostbare Quellen und Ströme verlegen. Damit muß aber nicht nur das geistige und nationale, sondern das gesamte öffentliche und staatliche Leben eines Volkes verkümmern und verarmen. Der sittliche Gehalt des Staatsgedankens würde ohne die Presse, als das Sprachrohr der innerpolitischen Verantwortung, verflachen und versanden. Dis Stillegung der öffentlichen Meinung würde uns der Stützen berauben, die des Volkes geistige und Politische Führer für die innere Erneuerung des Reiches ausgertchtet: sie würde — was ungleich bedenklicher — den Nährboden schaffen, auf dem all die von der deutschen Not umschlossenen Gefahrguellen zu Krisen sich ausreifen Wunen. Im reinigenden Filter der Gegensätze sängt die Presse all den Niederschlag des polittfchen Kampfes des Alltages auf und fammelt den wertbeständigen Gehalt, ihn tu einem getreuen Gesamtbilde zufammen- fiigend. Dickes Sicherheitsventil entfernen, hieße daz Gefüge des Staates unter einen Innendruck stellen, der nach dynamischen Gesetzen nach Entladung ringen müßte.
Den hohen Beruf der Presse zum Bewußtsein der Bevölkerung bringen und dafür zu sor- gen, daß unter den drängende-, Nöten des Heute nicht der Dienst an dem Morgen unter geht, gebietet die Sttmde. Es gilt die Ueberzeugung zum Gemeingut zu machen, daß ein Einsparen an dem geistigen Kapital eines Volkes ein Zehren an der nationalen Substanz bedeutet. Von der Einsicht jener Schichten der Bevölkerung, deren Wirtschaftsführung noch heute auf Goldwerten ausgebaut ist. darf erwartet werden, daß sie sich ihren Verpflichtungen gegenüber der — trotz aller Fürsorge von Reich und Ländern schwer um ihr Dasein kämpfenden — Presse nicht entziehen. Die Erkenntnis, daß ein Volk, das seine Press« absterben läßt, sich selbst aufgibt, muß in die Gewissen gerufen werden. Mehr a!8 von den Sachwerten eines Volkes gilt von feinen geizigen Gütern des Dichters Wort: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen-"
Mit solcher Aufklärung soll Hand in Han» gehen das von den Behörden felbst gegebene gute Beispiel. Bet aller Notwendigkeit auf größmäglichste Sparsamkeit in der Staatsverwaltung bedacht zu sein, kann jetzt nicht der Zektpunft für gekommen erachtet werden, beit Zeitungsbedarf einzuschränken und mit der Abbestellung von Blättern vorzugehen. Auch geht es nicht an, daß amtliche Stellen nach frichr- rer Gepflogenheit Veröffentlichungen, die in den Anzeigenteil gehören, den Achtungen mit bet Bitte um kostenlose Aufnahme im redaktionellen Teile übersenden. Bekanntmachungen im Anzeigenteil sollten nicht über Gebühr eingeschränkt werden.
Ter wirtschaftlichen Förderung der Presse durch amtliche Stellen werden aus in der Natur