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Nummer 246

Sonntag, 21. Oktober 1923

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

13. Jahrgang

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

Neue Spannung zwischen Berlin und München

Neuer Streit mit Bauern

hat noch gestern abend chungcn im Finanz-

Ministerium geführt, die äußerst lebhaft verlau­fen sein sollen. Gegen die Regierung wurden Vorwürfe erhoben, daß sic mit allen Maßnah­men zu lange gewartet habe. Sei, dem Sturze Cunos sei erst vor wenigen Tagen die erste ckktive Handlung der Negierung mit der Ankündigung der Rentenbank erfolgt. Alles dieses komme zu spät. Auch fetzt würden die weiteren finanztech­nischen Maßnahmen wohl angekündi^, aber wie­der vergingen ungenützt Tage auf Tage. Das Re­sultat der Bussprache ist das alte Rezept eines

K

Der neue Marksturz zu den üblichen B e s p r e

werdenden Gulaschkanonen bedienen, geben mit der einen und nehmen mit der andern Hand.

Maßregelung Lossows durch das Reichskabinett. tSizener Drabtberickt.l

Gegen öie Marsentwertung

Besprechungen im Finanzministerium. ldrtvot-Lrlearamm/l

Berlin, 20. Oktober.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Derfammiungen verboten.

München, 20. Oktober. (Privattelegramm.) Der Generalstaatskommiffar von Kahr hat die für morgen einberuftnen Versammlungen der vaterländischen Verbände und Organisatio­nen in Bauern »erböte« mit der Begründung, daß durch Gegenkundgebungen, die von den geg­nerischen Parteien stattfinden könnten, die öffent­liche Ruhe und Ordnung gestört werden könnte.

Keine deutschen Arbeiter.

Französtsche Maßnahmen im besetzten Gebiet.

lGigen« Drahtmrlduna.»

Düsseldorf, 20. Oktober.

Die französisch-belgische Eifenbahnregie hat in der letzten Zeit eine Reihe von rheinisch:» Ei scnbahnhauptwerkftätten an französische und belgische Privatfirmen verpachtet. So wurde den Werkstättenarbeitern der Hauptwerk statt T r i e r. als sie sich zum Wiedcrantritt mel­den wollten, eröffnet, daß die Werkstätte dem Straßburger Prtvatunternehmcn Grav:nstaden übergeben worden fei. Die Werklelwng lege kei­nen Wert auf die Einstellung ehemaliger Wrrk- stäftenarbeiter. Die Einstellung erfolge lediglich nach beruflichen und handwerflichen sfähigke ten. Man nimmt an, daß in der Hauptsache s r a n z ü sische und belgische Arbeiter zur Einftel- lunq gelangen werden. Die neue Werkstütte in

Anz-tienpre-s«:» r u n ° » r « i « für di, Seile 50 Wart, für Reklamen 200 Mart malSchlüs. fllrnhl ü da» deutsche Zrttnna«g«w rbe zur BettS000000), auf Tfamltiemnjctgen und Siebte Un-eigen N ichlak. Auf alle nicht bi jum Ad.no bei aut den Ausgabetag folgenden Tage» bezahlten Anzeigen erfolgt ein RechnunaSau schlaa no t 10°/«! Bei dieser Rechnunq». er-etlun ist dr Betrag Uinerpald Lagen ,a zabken. Aach «bl IN' dieser Frist ist oer Anzeigen, grundvrei mit am Zahlungstage ütttge : Lnzeigenichlnfsel zu ve.vielfachen. Laufende »n. zeigen werden mit dem Lageszeil.nprUS berechnet. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher abgegebenen Anzeigen, oroie für Aufnahmeoaten und Plätze kann nicht garantiert werden.

Berkin, 20. Oktober.

Die neue Spannung Mischen Berlin und Dkünchen hat folgende Ursache: In der RichtouS- fühning des dem General v. Lossow gegebe­nen Befehls der ReichSregierung, den Völkischen Beobachter" in Bauern zu verbieten, sieht die Reichsregierung bei General v. Lossow eine Verletzung seiner Pflichten, da er als RcichSwehrkommandans den Anordnungen der Reichsregicrung nach-'ukommen hat. S e wird daher gegen den General mit schärfsten Maßnahmen vorgehen. Die Reicksregierung be­dauert. daß dadurch eine Einheitsfront SaMens und BavcrnS gegen den Reichswehrminister ge­schaffen wird. Sie werde die verfassungsmäßi­gen Notwendigkeiten unter asten Umständen durchfesten, Der Reichswehrminister ist selbst nach Bauern acfahren, aber ohne Erfolg, da we der ein bäuerischer Regierungsvertreter noch Ge nrral v Lossow bei Ibm erschienen find. Der Ge neral stellt sich hinter den Staatskommissar v Kahr und erflärt. er füh'e sichdurchBaqern gebunden. Die verschärfte Situation kommt darin -um Ausdruck, daß das Reichslabinett ge- stern bis 1 Ubr nachts versammelt war. Wenn es nicht gelinge, im letzten Augenblick vermittelnd einzugreifen, so 6cft.be die große Gefahr, daß die Ginbeit des Reiches nunmehr zerschlagen werde.

Bayern stützt v. Lossow.

München. 20. Oktober. (Eigener Drah«bericht.) Zum neuen Konflikt zwischen Berlin und Mün- chen schreiben dieWnck-ner Neuesten Nachrich­ten": Die Maßregelung v. Lossows würoe in Bayern eine ungeheure Erregung Hervor­rufen. General v. Lossow habe pflichtgemäß gehandelt, indem er den Befehl des Reichs- wchrminifters Herrn v Kahr ü bcrmittel- te. der ihn auch durchgeführt habe. W nn man sich jetzt auf die fllorm berufe, so werd: Ber­lin damit im Unrecht sein DieMünchener Zei- tung" bemerkt: Die Ser. net Verordnung wird verschärft durch die Drohung Geßlers in Nürnberg, er werde Bayern einriegeln. Darauf gebe es nur eine Antwort: Daß Dr. Geßler sein Amt atS Wehrministet niederlege.

Das Reich und Sachsen.

Zeigner erflärt seine Berräterei als Irrtum. lPrivat-Telegramm-l

Dresden, 20. Oktober.

Das Versagen der Reichsregierung ge­gen das sächsische Kabinett und das Unter­bleiben jeder Aktion des Militär-Befehlshabers, die zuerst mit vielen Worten angekündigt war, haben in bürgerlickten Kreisen Sachsens Mißstim­mung hervorgerufen. Gestern erklärte vor Ein­tritt in die Tagesordnung der Landtags-Sitzung der Ministerpräsident Zeigner, daß alle seine gestrigenEnthüllungen" über geheimnisvolle Machenschaften der Reichswehr auf Irrtum be­ruhten. (!) Hätte er gewußt, daß hinter dem Dasteiben des Generals Müller (betr. Verbot der proletarifchen Hunderfchasten) die Reichsregie- runa stehe, so würde er anders gesprochen und auch dieses Schreiben beantwortet haben. Er muffS erst feststellen, inwieweit der Reichspräst- deut und die Reichsregierung an dem Ultima­tum des Generals Müller beteiligt seien. Sachsen stehe unverändert fest zum Reiche. (?)

sich verhandeln will, daß es eben PoincarSs Ab­sicht ist, das Ruhrgebiet nur für Frankreich arbei­ten zu lassen und das übrige Deutschland zum Auseinanderfallen zu treiben, bau: : ewiger Ha­ber zwischen den deutschen Länder.i herrsche, ver­sucht die Regierung immer wieder, die Feinde durch neue Angebote zu bekehren. Es scheint, daß dies eine siuchtlose Mühe, eine unproduktive Arbeit ist. Die Schnelligkeit der Markentwertung zeigt recht deutlich, daß der französische Vernich- tungswille noch seine Wirkung tut. Das einzige Gegenmittel wäre die deutsche Einigkeit und der gemeinsame deutsche Widerauf.

6au. Damit wäre die Richtschnur für unser _

Handeln gegeben. K. F. D. Seiten Stützungsversuchs der ReichS-

ibank, um wenigstens den Dollarkurs nicht schon in aller Kürze auf das Ende der zwetten Milliardendekate fchnellen zu lassen.

Gen Rußland?

Auf dem Dornenweg.

Niemand weiß, wohin Deutschlands Leidens­weg noch führen wird. Seit dem letzten Sommer ist unsere Lage mit rasender Schnelligkeit schlech­ter geworden, und in diesem Monat geht es von Lag zu Tag bergab trotz der neuen Reichs- regierung, trotz Einstellung des Widerstandes im Richrgebiet und trotz derverfassungsmäßigen Diktatur*. Wenn man den wahnsinnigen Dol­lartaumel beobachtet, fragt man sich ew setzt, was daraus noch werden soll. Würde mit der Ent­wertung des Papiergeldes, also mit dem Ster- gen des Dollars und mit der Teuerung, auch das Einkommen gleichen Schritt halten, dann brauchte man sich weniger Sorge zu macken. Aber da klaftt em gewaltiger Riß. Die Preise steigen in unerreichbare Höhe, sodaß der größte Teil des Volkes mit seinem Einkommen weit zurückbleibt. Die Kaufkraft läßt nach, und der Warenumsatz wird geringer. Man vermag demnach leicht aus­zurechnen. daß es so nicht mehr lange weiter­gehen kann. Wenn nicht sofort dem verderben- diohenden Abrutsch Einhalt getan werden kann, erleben wir grausige Zusammenbrüche, bei denen Wehklagen und Zäkmeklapvern fein wird. Dann würden wir schließlich den rufst - ich?n Leidenskelch auch noch leeren müssen. Ziffernmäßig stehen wir ja bereits schlechter als Rußland da. Die Zahl täuscht allerdings, denn unter Wirtschaftsleben ist noch organisch in Ord- mntg, während das russische völlig zerrüttet war uud auch noch jum großen Teil betriebsunfähig ist. Wer aber bürgt dafür, daß bei uns nicht auch noch das Cbaos kommt?

Wir haben zwar fetzt eine Regierungsdiftatur, die von Bielen als dos Mittel der Erlösung an- geieben wurde. Bis jetzt ha: sie nur den einen Vorteil gezeigt, daß sie die im Reiche auftaucken- den Unruhen auf ein gewisses Maß abdämvfen ionnte. Aber die großen Schäden, die die Wur­zeln des deutschen Volkes angeftessen haben, be­stehen noch und scheinen sich sogar zu verschlim­mern. Wenn ein Kabinett sick vom Reichstage die ErmÄhtigung geben läßt, besonders scharfe Maßnahmen zu ergreifen, um die ungewöhn­lichen Zeiten zu meistern, dann sollte es auch davon Gebrauch machen und durch die Macht- a n w e n d u n g eine Besserung berbeifübren. Man kann aber davon nickt viel toabrnr'men. Obwohl die Regierung die Macht besitzt, läßt sie sich diese bedenklich schmälern. Wenn sie dem 1 achsischen reichsfeindlichen Trei- b e n noch länger freien Lauf läßt, wird sie selbst ihre Säumigkeit büßen muffen. Sckon zeigt sich daß die Koalition, so sehr ihr Bestehen und ihre Machtentfaltung zu wünschen ist, doch auf schwachen Füßen steht. Im Kabinett haben sich über die einfachsten Fragen, die sogar mit der eigenen Existenz verknüpft sind, sckon wieder aus­einandergehende Bestrebungen entwickelt. Wäh­rend die bürgerlichen Minister den militärischen Ausnahmezustand und das Verbot der sächsischen proletarischen Hundertschaften aufrecht erhalten wollen, sind die sozialdemokratischen Minister ge­neigt, den Ausnahmezustand und das Verbot a zuheben. Würde die Regierung nackgeben. dann hatte ihr letztes Stündlein geschlagen. Der Doftchewismus reckt in Dresden sein Haupt em- Por und bedroht Berlin. Ein sächsischer Erfolg wurde aber Bürgerkrieg bedeuten und den Zer­fall des Reiches nach sich ziehen.

Als der Reichskanzler Dr. Sttesemann vor wenigen Wochen sein zweites Kabinett zustande- gebracht hatte, wies er auf den Ernst der Lage bin und sagte, diese Regierung seibet letzte Vertu ch". Es wäre gut, wenn das deutsche Volk in seiner Gesamtheit stets daran denken wollte. Was soll werden, wenn der letzte Ver­such sckeitert? Mögen sich Alle darüber flar sein, daß die Gefahr nahe ist und alles tun, um sie zu beieitigen. Das heißt die Regierung in ihrem Beuttihen, Ordnung zu halten, unterstüt­zen! Es ist ja eine Schmach, daß wieder ein­mal zu Zeiten größter Not eie Zwietracht im Reiche umgeht. Eintracht im Glück ist ein Leich­tes: aber im Unglück zusammenhallen und dem Vaterlande treu sein, wäre ruhmvoll. Leider gibt es Deutsche, die in ihrem engen Horizont wlbst diese einfache Wahrheit nickt begreifen. Wie sehr wäre es notwendig, daß die Regierung von der politischen Unsicherheit befreit würde, damit sie sich der großen wirtschaftlichen Reformarbeit widmen könnte. Die Wäh­rung und die Volksernährung sind allein schon Riesenaufaaben, die die ganze Kraft der Regie­rung in Anspruch nehmen. Denn die Zustände auf diesen beiden Gebieten sind derart verwor­ren, daß ein Zusammenwirken der besten Köpfe und der bereitwilligsten Hände erforderlich ist, um normale Verhältnisse zu schaffen.

Daneben soll die Regierung noch die Ruhr­und Reparationsfrage ins Reine bringen, muß aber die bittere Erfahrung machen, daß ihr, cbenso wie den früheren Kabinetten, auf Schritt und Tritt Schwierigkeiten von den Fran­zosen bereitet werden. Obwohl alle Welt weiß, daß Frankreich nicht mit Deutschland autt-

tvegtn Gestier und v. ©reift.

Berlin, 20. Oktober. (Privattelegramm.z Die bayerische Regierung hat gestern durch ihren Vertreter in Berlin die Reichsregierung wissen 'assxn, daß Bayern jeden weiteren amtlichen Verkehr mit dem Reichswehrminister Dr. Geßler um, dem Chef der H ercsltttung. Ge­neral v. Seeckt, a b l e h n t. Dieser Beschluß geht auf das Vorgehen gegen de« General v. Lossow zurück. Die ReichSregierung hat Schri te unter­nommen, um den Fall Lossow so zu r neln, daß die Re cks-Autorität g-wahrt bleckt. Die Berli­ner Blätter überschreiben diese Berordnung mit Ungehorsam Bayerns gegen das Reich".

*

Nicht vegen die 3tel(56reglenino.

München, 20. Oktober. (Privattelegramm.) Das bayerische Kabinett hat unter Zuziehung veS GeneralstantSkommissars den bayerischen Ge­sandten v. Preger in Berlin beauftragt, heute der Reichsregiening eine weitere Mitteilung zu sicher- reichen, wonach die Entschließung der bayerischen Regierung gegen ReichSwehrmckifftr Dr. Gest et und General v Seeck keine Stellungnah­me gegen die ReichSregierung bedeutet und daß Bayern sich im Interesse des Reichsge­dankens zu Verhandlungen bereit erklärt.

Jülich ist einer belgischen Gesellsckmft, die Haupt- ... ....... ... ______

wcrkftätte Crefcld-Oppum an Schncider-Creusot Das heißt, sie teilen den Aermsten die warme » «wweimb die Werkstätte von Darmstadt einem Pariser Suppe aus und erwarten, daß die vorbei eilen- Finanz- unternehmen verpacktet und übergeben worden, den Bosserdemittelten an bet Gulaschkanone

Armensorgen.

Notspeisungen der Reichshauptstadt.

Sie grShte Armut herrscht in Berlin, te» ft« Vie Menschenmenge jährlich vermehrt unB |». sammendriingt. M«n nimmt sich endlich de» alte«, hilflosen 6:ute an, die dem gegentoäe tigen Lebenskampf nicht gewachsen sind. Da »Über wir nn« da« srachfolgende» ve»icht»k

Berlin, 19. Oktober.

Reich, Staat und Stadt haben den Plan gefaßt, Volksspeisungen in,groß­zügigster Weise zu organisieren^ um all den Tausenden, die irkfrt imstande sind, mit der Geldentwertung Schrift zu halten, insbesondere alten, hilflosen Leuten und dem völlig herunter, gekommenen kleinen Mittelstand wenigstens «ine warme Mahlzeit alltäglich zu bieten. In einem Aufruf hat sich der Minister des Innern an die Öffentlichkeit gewandt und einige private Or­ganisationen lassen es sich angelegen sein, Sammlungen nach Kräften zu unterstützen. Sei es mm aber, daß die meisten durch eigene Sor­gen allzusehr davon abgeb alten werden, der Aermsten zu gedenken, sei es, daß der öffentliche Ausruf in den politischen Ereignissen der letzten Tage sich- nur schwer Geltung verschaffen konnte, jedenfalls ist es als bedauerliche Tatjache zu verzeichnen, daß

Geldspenden in nicht genügendem Umfange eingegangen sind. Jedenfalls verschwinden di« Beträge im Strubel sei Dsvisenhausse, kaum daß sie m die Kassen der Hilfsorganisationen hineingeflossen sind. We Berliner städtische Volksspeiefung, die im Wohlfahrtsamt der Stabt organisiert wird, hat daher vorläufig mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, um auch nur dem dringendsten Bedarf zu genügen. In den allerletzten Tagen sind allerdings glückli­cherweise große Beträge zusammengebracht vor. den, die sobald als möglich in Lebensmsitsi! umgewandelt werden sollen. Sie kommen größ­tenteils aus Bank- und Handclskreisen. Auch an der Berliner Börse hat eine umfassende Sammlung stattgefunden, die bisher 150 Billio­nen Mark in barem Gekde und größere Mengen Erbfen, Bohnen. Mehl ergeben hat. Dir In natura gelieferten Lebensmittel wurden von Mitgliedern der Proouktenbörse hergegeben. Somit die Beträge nicht wieder dem Schicksal verfallen, sich zu entwerten, haben die Spender dafür Sorge zu tragen, daß sie wertbeständig angelegt werden, b. h. sie überweisen bidi« Be­träge den DolkSspeisungsorganifasionen in Gold anleihe, in Dollarschatzanweisungen oder, foweit solche aufbringbar sind, auch in fremden Devisen. Die Stabt hat vor einigen Tagen ber Volksspeisung einen Betrag von 3 Billionen Mark zugeführt. Diese sind sofort zum Ankauf von Kartoffeln verwendet worden. Augen, blicklich gibt es in Groß-Berlin acht Volks­küchen, in denen täglich warme Mahlzeiten verabreicht werden. Neben den Zentralküchen gibt es zahlreiche Nebenausgabestellen. Die verabreichten Portionen bestehen aus je einem Liter Erbsen, Bohnen und Reis, denen Kartoffeln beigegeben werden. Drei, mal wöchentlich gibt es je 40 Gramm Fleisch. An bi ei,-en Tagen sind die Portionen natürlich besonders begehrt. Da keine Berschivenbung getrieben werden darf, müssen diejenigen Per­sonen, die an den Volksspeisungen teilzuneh- r.ien wünschen, sich drei Tage vorher anmelben. Um aber auch jenen etwas zu bieten, bie von dieser Vorschrift nichts wissen und

die in höchster Not, ausgehungert, sich an etne Ausgabestelle um Nahrung bittend wenden, werden alltäglich e>-iae Portionen für solche Fälle reserviert. We Mahlzeiten werden nicht umsonst, aber zu einem sehr geringen Preis verabreiche Augenblicklich kostet die ganze Portion 16,8, die halbe 8,4 Millionen Mark. D"ch haben die Bezirksvorsteher das Recht, 1 :ders Bedürftigen unenr.

gelilit, i,marken zu überweisen. ES kön­

nen bis 10<; solcher Grati smarken all­täglich ausgegeben Werden. Da augenblicklich bie Gesamtausgabe in Groß-Berlin 20000 Por- tionen täglich nicht übersteigt, macht bi« ©tobt also bie Hälfte aller Portionen ben Bedürftigen zum Geschenk. Die zuständigen Stellen im Berliner Wohlfahrtsamt Wanten mitt Sehnfachr auf die ihnen zugesagte Beihilfe von Reich. Land und Privaten. Jeder Tag der Verzog-, rung macht die Verbilligung des Einkaufs illu­sorischer. Auch warnt man vor einer Zerspltt- terung der privaten Organisation-en. Je mehr Geld dem Wohlfahrtsamt zur Verfügung gestellt wird, je schneller und je vorteilhafter kann ein- geiavft werden An dieser Stelle muß auch der Heilsarmee gedacht werden, bie ohne langes Zögern -n den Kampf um das Elend ein. getWrtcn ist. Die Heilsarmedsoldatinnen. die die im Berliner Stadtbild« schon volkstümlich

tu Safi eiet Weueuen »latbritnten erttbeinen roncbentlt® «1>»mal nadim ttaa«. Der iiBonne. mentSprelS beträgt für die Woche vom 21.-37. Ott. 800 Millionen Marl bei freier Ruflellum ins Hau-.in der Lesqaitoaelir abgeüott 780 Mill oneu. äeiullungen roerben ieber:ei:'cntaemm. benommen, «mag uno «ebaitiou: Sonach.i/o-stra»- 28/30. Fernsprecher Stummer 9al und 953. ,vut unoertangt emgefanbte Beitrage tann Die fRebattton eine Girant, loonung Ober Sewahr in teinem ,?alle überneb.nen. ätu-tzahlung des Be,ua«aeldeS oder -Nnfprüche wegen etwaiger nicht orbnungämivigec Sieferun« ist auSgeschlostcu. Postf check Frankfurt a M 8380. Druckerei/ Zchlachtzo i'lr. 38/30. DelchäflSitell.- / Kölnische Str.->.

LlnterdrückteAusschreitungen

Wirksames Vorgehen der Polizei.

(Eigene Drahtmelbung.)

Berlin, 20. Oktober.

Nene Meldungen von Plünbermigen unb blusigen Zusammenstößen liegen heute besonders aus Ostpreußen, Baden und dem be­setzten Gebiet vor. In Tilsit gab es wieder Tote und Verwundete. AuS Südbu- den wird ein Wiederaufflackern der kommuni­stischen Terrorbewegung gemeldet. In Freiburg und Lahr kam es zu Ausschreitungen. Die Zahl der Opfer der viertägigen Unruhen in Mann­heim wird jetzt mit 21 Toten unb 65 Verwun­deten angegeben. Zahlreiche Sowjetrusscn denen bie AufenthültSbewilligung in Bayern entzogen war, haben seft einigen Tagen in ben badischen Kurorten Aufenthalt genommen, wo ein ununterbrochenes Kommen und Gehen von Kommunisten ber Nachbarländer sich in auffal­lender Weise bemerkbar macht. Die Polizei ist überall scharf vorgegangen, so daß bie Ruhestörer festgenommen und die Un­ruhen unterdrückt wurden.