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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

13. Jahrgang

Dienstag, 23. Oktober 1923

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

Nummer 247.

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

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Die Krisen in Bayern und am Rhein.

ReiKölockerung.

Bayern und Sachse«.

Don Ta« zu Ta« wird die Lage kritischer. Immer neue Uebervaschungen erschweren der Reichsregierung ihr Dasein, und aus kleinen Ursachen werden «rotze Wirkungen. Der Fall v. Lossow hat sich in so ernster Weise entwickelt, daß sich jetzt die bayerische Regierung in ihrer Militärexekutive vom Reiche l o s s a g t. Nach den Erklärungen v. Kahrs, die er Pressevertretern gegenüber gegeben bat, soll es keine Lossagung des Staates vom Reiche sein. Aber wenn die bayerische Regie­rung die in Bayern stationierte Reichswehr für sich in Astspruch nimmt und selbständig darüber verfügen will, so sicht das im Widerspruch zur Verfassung, nach der allein die Reichsregierunz die Verfügungsgewalt über die Reichswehr in allen deutschen Ländern hat. Es ist also jetzt eine ganz neue und zwar recht peinliche Situa­tion entstanden, denn es ist unklar, was jetzt ge­schehen wird. Die Reichsregierung mutzte diese Wandlung als Meuterei betrachten, folglich ge­gen Bayern vorgehen. Kann sie das aber mit Gewalt tun? Nein, es ist ein Unding, daß ein Teil der Reichswehr gegen einen andern zu Felde zieht. Das wäre der Anfang vom Ende, der Zerfall des Reiches durch Bürgerkrieg. Würde von Berlin aus die Reichswehr gegen Bayern geschickt, dann würde sofort Sachsen enr-oeder auch gegen Bayern oder gar gegrn Berlin mobilisieren. Ein solches Chaos käme den Franzosen gerade recht, da sie dann leichtes Spiel hätten, das Rheim und Ruhrgebier zu annektieren. Ein Bürgerkrieg wäre im Ergeb­nis also gleichbedeutend mit Vaterlandsverrat. Der Zwsst zwischen Bayern und dem Reich muß also auf schnellstem Wege durch Vernunft gei­gelt werden.

Es ist Bayerns Sache, den ersten Schritt zur Wiodereinlenkung zu tun. Wenn der Reich?. wehrkommandant in Bayern, Generalleutnant v. Lossow den BeföU des Reichswehrministers, den die Reichsregierung beschimpfenden natio­nalsozialistischen «Beobachter" zu verbieten, nicht ausführen wollte, dann konnte er von seinem Posten zurücktreten; aber seine Weigerung, aus politischen Gründen den Befehl auszuführen und doch mit Hilfe der Kahrdiktatur seinen Po­sten behalten zu wollen, ist eine Heraus forde- ruriL eines Generals gegenüber der Befehlsge- wätt, ist eine ausgesprochene Insubordination und derart unmilitärisch, daß seine Entlassung vollauf gerechtfertigt ist. Man versteht es als gut deutsch Denkender nicht, daß v. Kahr sich zu einer so folgenschweren Maßnahme bereitfin- den konnte. Er hat diesen Entschluß sicher nicht allein gefaßt, wird vielmehr die Zustimmung der gesamten bayerischen Regierung haben. Aber damit erhöht sich die Bedeutung dieses ge­sonderten Vorgehens. Es ist bedauerlich, daß bei unseren heutigen Staatsmännern und Poli­tikern Worte und Daten so oft im Widerspruch stehen. Wie von Bayern, so wird auch von Sachsen immer betont, die Landesregierung halte fest zum Reiche, während in Wirklichkeit gerade das Gegenteil davon geschieht. Diese Sonderbestrebungen sind keineswegs reichser­haltend und den Geoanken der Einheit fördernd. Wozu haben wir eine Reichsverfassung? Doch nicht dazu, daß jeder Gliedstaat tun und lassen kann was :bm beliebt, sondern datz die Reichs­einheit durch eine Zentralgewalt zusammen (K- halten wird. Stände wirklich der deutsche Gedanke bei Allen obenan, dann würde das Streben zum Zusammenhalten überall freiwil­lig sein.

An S a ch s e n hat der linksradikale Minister­präsident Zeigner den Rückzug angetreten. Er hat amtlich di« Maßnahmen der Reichsregir- rung und des Reichswehrkommandanten in Sachsen, Generals Müller, als zu Recht be­stehend anerkannt. Allerdings hat er es nur amtlich getan und zur gleichen Zeit hat er ein-r Sitzung der revolutionären Betriebsräte, die vom Reichswehrkommandanten verboten war, beigewohnt. Desgleichen sagte er, daß er zu« Reiche halte und beherbergt doch die russischen Bolschewisten als Gäste der sächsischen Regie­rung und berät mit ihnen die Politik zum Sturze der Reichsregierung. Also auch dort der krasse Widerspruch zwischen Wort und Tai. Wir sind demnach so weit, datz man zu den Wor­ten führender Männer kein Zutrauen mehr ha­ben kann. Tatsächlich mißtraut ja auch Einc-r dem Andern. München, Dresden, Ber- l i n betrachten einander mit Argwohn. Uns wer hat Argwohn gegen wen? In München sind es nationalistische Kreise, die sich für bie Retter Deutschlands halten, in Dresden propa- flieren die Kommunisten den internationalen Wirrwarr, und m Berlin versucht die Koalition

auf der Basis einer breiten Mitte ausgleichend zu wirken und das bröckelnde Reichsgebäude zu stützen. Diese Angehörigen der Miitte, die über das ganze Reich auSgebreitet sind, wünschen nichts sehnlicher als daß diese schmachvolle Zer­rissenheit beseitigt werde. Man sollte sich gerade jetzt mit besonderer Uoberlegung an die deutsche Geschichte erinnern, die uns eine ernste Mah­nerin ist. Innere Zwietracht und Kampf sind unsere Schwäche, Einigkeit uitd Friede uniere Kraft!K. F. D.

Entspannung mit Bagern.

Die Bayrische Vollspartei vermittelt.

Drabtbericht.)

Berlin, 22. Oktober.

Die Abgeordneten der Bayrischen Volkspartei waren gestern beim Reichskanzler und haben ihre Vermittlung im Konflikt zwischen Bayern und dem Reich angeboten. Mitglieder der Partei sind wieder nach München gereist, um auch dort zu konferieren. Nach den ErNSrungen von ver. schiedenen Abgeordneten der Bayrischen Volks­partei ist ein B r u ch zwischen Bayern und dem Reich nicht eingetreten, unter Opfern von bei­den Seiten könne gr vermieden werden. Dyr bayrische Gesandte bleibt vorläufig in Berlin. Auch der Reichsgesandto in München ist bisher nicht abbernsen worden Durch die Bermiit- lung ist eine Entspannung eingetreten. Be­deutsam ist. datz das halbamtliche Wölfische Te- legraphtznbüro diese Entspannung ausdrücklich fcftfteHt. Eine neue Vereidigung der bayrischen Divisionen, von der die Rede war, hat nicht stafigefunden und ist auch nicht ge­plant. Es wird vielmehr beabsichtigt, die ver­schiedenartige Auffassung zwischen Bayern und dem Roich zum Gegenstand von Erörterungen in einer Sitzung des Reichsrates zu machen, um einen den Interessen sowohl des Reiches wie Bayerns ,md der übrigen Länder gerecht wer­denden Ausgleich zu ermögliche«.

* *

Bayern will Recht Vaden.

wiedergewinnen kann. In der Hauptsache liegen die Gründe des Verfalls in der Illusions- Politik. Das Reich kann nur gesunden durch Ab­kehr von allen Illusionen und Einsetzen einer star- ken Realpolitik, die umfaßt: 1. Währungs­reform, 2. Vereinfachung der Staats­verwaltung (Preußen wird Reichsland, das heißt das Reich übernimmt die preußische Exe­kutive, Post und Eisenbahnen werden in Aktien- Gesellschaften nmgewandelt, kaufmännisch betrie­ben und somit aus dem Reichsetat entfernt, durchgreifender Beamtenabbau), 3. tatkräftige Steuerpolitik und 4. eine Wirtschafts- und Produktionspolitik, die von der herrschenden Spekulation und Inflation wieder zur Produktion leitet. Die zweite Hauptfor­derung ist fester Zusammenhalt von Reich und Volk in einer Opfergemeinschaft, die durch eiserne Sparsamkeit in der Verwaltung von Reich, Ländern und Gemeinden unterstützt und von wahrer Staatsgestnnung getragen wird.

Umtriebe im Rheinland.

Lostrennungsbewegung unter belgischem Schutz. (Eigene Drahtmeldung.Z

Köln, 22. Oktober.

In Aachen ist gestern eineRheinische Republik ausgerufen worden. Bewaff­nete Sonderbündler in Stärke von 2000 Mann besetzten alle öffentlichen Gebäude, Polizei und Regierungsgebände. Die Polizei mußte der Uebermacht weichen. Die Sonderbündler wur­de« von den Belgiern geschützt. Aus den hier efngegangencn Meldungen über die in der b-f<rschrn Zone ansgebrnckene fetmratiftiftfie Be­wegung geht hervor, datz weder die Gruppe Dorten noch die Gruvve Smeets in Betracht kommt, sondern die Gruppe des Kausmanns Deckers. Rach den bisher aus dem übrigen Rheinland vorliegenden Meldungen, so aus Bonn. Trier. Koblenz, Düsseldorf und Düren handelt es sich bei dem Aachener Putsch um ein rein örtliches Unternehmer der Sonderbünd­ler, die im Einverständnis mit Belgien handeln.

Die Hoitunq der Belgier.

Sachen, 22. Oktober. (Eigene Drahtmel­dung.) Der belgische Oberkommissar für das besetzte Gebiet ist in Aachen eingctrof-

München, 22. Oktober. (Privat - Tele­gramms Der Generalstaatskommissar von Kahr erläßt eine Kundgebung, in der er ausführt, daß die Anordnungen des bayrischen Grsamtministr- riumS, durch die die D i e n st e n t h e b u n g des Herrn von Lossow außer Wirkung gesetzt wird, sich auf Artikel 48, Absatz 4 der Reichs­regierung stützen und deshalb keinen Bruch der Reichsverfassung darstellen. Die Stellung­nahme deS bayrischen Kabinetts stehe völlig im Einklang mit der Reichsversassung. (?)

«eine unbedingte «Sefoioschafi.

Berlin. 22. Oktober. (Privattelegramm.) Die Auflehnung des Generals non Lossow gegen die Reichsregierung findet nach hier vorliegenden Meldungen nickt die unbedingte Gefolgschaft der bayrischen Reichswehrgarnisonen. Am Sonn­abend weigerten sich die Garnison«« von Augsburg. Würzburg und Nürnberg Be­fehle General von Lossows entgegenzunchmen.

Wührenv der Verhandlungen.

Berlin. 22. Oktober. (Privattelearamm.) Wie gestern abend gemeldet wurde, hat das Reickskabinett die Reichs-Exekutive geigen Bay­ern beschlossen für den Fäll, daß die Ver­handlungen, die noch am heutigen Tage be­ginnen, zu keinem Ziele führen. Die ultimative bayrische Forderung an die Reicksregie­rung nach Rücktritt des Reichswehrministcrs Dr. Getzler und des Chefs der Heeresleitung Generals von Seeckt wurde vom Reichskabinett einstimmig abgelehnt. (Siehe auch 2.Seite.)

Ohne Rhein und Ruhr?

Stegerwald über etwaigen Wiederaufbau.

(WrlVM-eeleereew)

Hamburg, 22. Oktober.

In einer Rede, die der ehemalige preußische Ministerpräsident Stegerwald hier im Ost­asiatischen Verein hielt, sagte er unter anderem: Wir stehen vor dem Bruch mit Frankreich. Poinrars sieht den Widerstand, solange die Sach­lieferungen nicht voll wieder ausgenommen wor­den sind, als nicht beendet an. Sachlieferun­gen sind aber heute füt Deutschland unmög­lich. Deutschland hat nur zwei Möglichkeiten: entweder feine Währnng in Ordnung zu bringen oder Reparationen zu leisten. Das Volk muß sich darauf gefaßt machen, Rhein und Ruhr, wenn auch zeitweilig, zu verlieren. Die Frage ist nur, wie Deutschland das Verlorene

fett. Er will die erforderlichen Maßnahmen tref- feht für den Fall, datz die Ruhe gestört wird. Einer bisher vorliegenden Meldung zufolge, die aber mit Vorbehalt mfizunehmen ist, hat der belgische Oberkommissar erfiärt, daß er der Be­wegung gegenüber neutral bleibe und, da er sich einer vollzogenen Tafiacke gegenüber befinde, die Urheber der Vroffamation derRheini­schen Republik" aber für die öffentliche Ruhe und Ordnung verantwortlich mache.

Die alliierten Truppen.

Paris, 22. Oktober. (Eigene Drcchtmel- dung.) Die Pariser Zeitungen bringen spalten­lange Telegramme aus Aachen, in denen es unter anderem heißt: DieRheinische Republik ist in Aachen ausgerufen. Die rheinische Flagge todfit am Rathause. Die Polizei hat keinen Widerstand geleistet. Die a l l i i e r t e n T r « p- pen werden nach dem Norden der belgischen Zone marschieren und dann zu der englischen.

(Seaenbetnegung Oer Gewerkschaften.

Köln, 22. Oktober. (Privattelegramm.) Wie aus Aachen gemeldet wird, hat eine G e- genbewegung gegen dieRheinffche Repu­blik" eingesetzt. Die Gewerkschaften in Stärke von 45000 Mann haben eine Anzahl öffentlicher Gebäude ebenfalls besetzt, um den Sonderbündlern Widerstand zu leisten. Kur» nachher wurde die Fernsvrechverbindung mit Köln abgeschnitten. Es find deshalb keinerlei Meldungen über die Bewegung zu erlangen.

Beruhigung in Sachsen.

Die Reichswehr braucht nicht einzugreifen.

(thtiHKelearemm.)

Dresden. 22. Oktober.

Gestern nachmittag hat eine neue Besprechung zwischen dem Ministerpräsidenten Zeigner und dem General Müller stafigefunden. Obwohl über den Inhalt der Besprechung nichts verlautet, scheint man doch zwischen Dresden und Berlin eine Entspannungzu erwafien. Die Reichs­wehr, die in Plauen und Chemnitz eingefioffen ist. hat bisher eine Akfion nicht unternommen. Tie kommunistischeArbeiterzeitung" bringt die Meldung, die Reichs-Exekutive gegen den Frei­statt Sachsen sei vorläufig eingestellt.

Um das Ruhrgebiet.

Französische Drohungen und BefürchtuiWen.

» Paris, 21. Oktober.

An offizieller französischer Stelle wird Vers sichert, daß, falls die deufichcn Jndustriel- len im Ruhrgebiete es ablehnen soll- ten. mit den Alliierten zu Abmachungen wegen der Wiederaufnahme der Naturallieferungen zu gelangen, die Franzosen und die Belgier einfach alle Kohlenbergwerke be­schlagnahmen und die Arbeiter veranlassen würden, ausschließlich zum Vorteile der Alliier­ten Kohlen zu fördern. Diese großsprecherische Drohung scheint nicht einmal in Frankreich sehr ernst genommen zu werden. Denn es ist außer­ordentlich bezeichnend, daß dasEcho de Paris" undJournse Industrielle" den Versuch machen, den deufichen Industriellen zuzureden, datz sie sich doch den französischen Bedingungen unterwerfen möchten. Sie würden dadurch den Vorteil erlan­gen, in ihrer Bewegungsfreiheit nicht mehr ein­geschränkt zu werden; denn die Blockade würde ohne Verzögerung gemildert werden. Wenn die Industriellen diese Forderung erfüllten, so sagt ihnen dasEcho de Paris" für ihr Enigegenkom, men die Unterstützung Frankreichs zu.

Die CRei®<regferuno s«W die Not zu lindern.

Berlin, 21. Oktober. Das Reichskabinett trat am Sonnanbend nachmittag zu einer Sitzung zu- sammen, um zu den Fragen Stellung zu neh­men, die sich aus der Unmöglichkeit der Wieder­aufnahme der Wiederbersiellungsleistungen er­geben. Durch die Einstellung der Reichsunter- stützung für die dürcy die französische Ge­waltpolitik brotlos gewordenen Arbei­ter drohen dem Ruhrgebiet Gefahren, die sich noch gar nicht übersehen lassen. Die Reichs­regierung will nun versuchen, wenigstens der schlimmsten Not der Bevölkerung zu be­gegnen. Boraussichtlich wird der Reichskanzler die Vertreter der deutschen Wirfichaft nach Ber­lin berufen, um mit ihnen gemeinschaftlich eine Lösung des schwierigen Problems zu suchen. Eine entsprechende Vorlage wird augenblicklich im Reichsftnanznrinisterium ausgearbeitet.

Ablehnung franzvMiher Stimmungen.

Berlin, 21. Oktober. Die französische Regierung hat von der deutschen gefordert, daß die von den Besatzungskommandos getroffe­nen Bestimmungen über die Eisenbahnregie b e - dingungslos angenommen werden müßten. Das ist eine Zumutung, die deut­scherseits weder in technischer, noch in wirfichaft- licher oder rechtlicher Hinsicht diskutabel war. Die Reichsregierung hat deshalb die einzig mög­liche Antwort erteilt und das Ansinnen der fran- zösisck-en Regierung abgelehnt. Damit ist vor­erst, wie Poincarä bereits antwortete, jede Ver­handlungsmöglichkeit zwischen Deutschland und Frankreich über die endgülttge Regelung der Zustände im besetzten Gebiet erledigt.

England an der Beute beteiligt *

London, 21. Oktober. De» Sonderbericht­erstatter des Manchester Guardmn in Düssel­dorf schreibt, die Hauptmitglieder der briti- scheu Sektion der Interalliierten Rhefin- landkommissiou seien nach London gefah­ren, wie angenommen werde, um die künftige Entwicklung mit dem britischen Auswärtigen Amte zu erörtern. Es könne angenommen wer­den, daß gewisse Mitglieder der Kommission stark die «nsi<Ä vertreten, daß Großbritannien seine Würde und seine Skrupel beiseitestellen und sich mitdenFranzosen an die Ausbeutung des Ruhrgebiets machen sollte. (!)

Dorgeven Der Reichswehr in Sachsen.

Der Kommandant sorgt für Ordnung.

Dresden, 21. Oktober, -r

In einem Briefe des Generalleutnants Mül­ler an die sächsische Regierung heißt es, daß der General im Hinblick auf die letzten Erklärungen Zeigners im Landtage die Entschließung über weitere Maßnahmen dem Reichswehrminister anheimgestellt habe.Die Reichsregierung heißt es weiter in dem Briefe hat sich schlüssig gemacht. Ich' bin beaustrogt, im Freistaat Sach­sen mit den mir zur Verfügung gestellten Machtmitteln verfassungsmäßige urzd ge- ordnete Verhältnisse wiederherzu­stellen und aufrecht zu erhalten. Ihnen hiervon gebührend Kenntnis zu geben, will ich nicht ver­fehlen. Die Gründe für das Eingreifen der Reicks- wehr werden vor diesem der Bevölkerung be­kanntgegeben werden. Ich gebe mich der Hoff- ünung hin, datz die von der Reichsregierung im Interesse des Gesamtwohles für nötig er­achteten Massnahmen die volle Billigung und tatkräftige Förderung der Regierung des Glied­staates Sachsen finden werden. Insoe,andere